Aus der Provinzialhauptstadt
Geschichten aus aller Welt
dienen.
teilt
angelegt und zum Preise von 25 Pf. pro Qua- 1
Umfangreiche Waffenfunde bei der KpO. in WormS.
Worms. 16. Sept. (WSR.l Die Polizei
bekannt machen. . , _
von 12 bis 15 Uhr auf dem Hoherodskopf, von 16.30 bis 18 Uhr in Bad Salzhausen. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich.
*• Handel in Kasernen grundsätzlich verboten. Es ist bekannt geworden, daß Handlungsreisende unter Berufung auf angebliche Empfehlungen oder Genehmigungen sowie Ausweise des Reichswehrministeriums sich Eingang in Kasernen verschosst und mit Erlaubnis des Truppenteils die von ihnen vertriebenen Waren, Bücher, Bersicherungsangebvte usw. vor versammelter Mannschaft angepriesen und zahlreiche Bestellungen cntgegengenommen haben. Da das Reichswehrministerium Genehmigungen oder Ausweise zum Betreten von Kasernen nicht erteilt, sollen nach Mitteilung der Deutschen Teamtenbund- Korrespondenz entsprechend einem Erlaß des Reichswehrministeriums vom 28. 3uli 1932 etwa zur Vorlage kommende Schriftstücke dieser Art den Handlungsreisenden abgefordert und mit Bericht auf dem Dienstwege dem Wehrministerium vorgelegt werden. Jeder Handel in Kasernen und Truppenunterkünften einschließlich der Truppenübungsplätze bleibt auch weiterhin grundsäh- lich verboten und ist mit allen Mitteln zu unterdrücken. Unter dieses Verbot fallen auch Vorträge oder Vorführungen, die dem gleichen Zweck
bekleidet hat.
" 3m Omnibus durch den Vogelsberg. Die nächste Kraftpostgesellschaftssahrt, welche die Reichspost veranstaltet, wird die Teilnehmer mit den Schönheiten des Vogelsberges Aufenthalte sind vorgesehen
nicht endgültig festgestellt werden. Die Ermittlungen der Polizei und der Gendarmerie sind im Gange.
Taten für Sameiaa, 17. September.
1805: Der preußische Staatsmann Karl Otto von Raumer in Stargard geboren; — 1917: der Landschaftsmaler Toni von Stadler in München gestorben.
Taten für Sonnto., 18. September.
1426: der Maler Hubert van Eyck in Gent gestorben: — 1786: der Dichter Iustinus Kerner in Ludwigsburg geboren. — 1860: Besetzung des Kirchenstaates durch Viktor Emanuel.
dratmetcr den Siedlern in Anrechnung gebracht werden. Geplant ist die Errichtung LJn Doppelwohnhäusern mit Wohnküche, Elternschlafzimmer. 1 bis 2 Kinderzimmern, Kleinviehstall und Wirt» schaftsflur für jede Wohnung. Zur Finanzierung der Siedlung genehmigten die Stadtverordneten .einstimmig die Aufnahme eines Darlehens von 50 000 Mark bei der Deutschen Bau- und Bodenbank. Die Errichtung einer Stadtrandsiedlung wird in Marburg begrüßt.
Oo X wird bei Sindlingen wassern.
WSR. F r a n k s u r t a. M„ 16. Sept. Wie Flugkapitän Christiansen heute dem General, direktor Dr. Casparin Sindlingen mitteilte, hat er die Absicht, bei seinem Fluge mit dem Do X nach Frankfurt a. M. evtl, eine Wasserung auf dem Main bei Sindlingen, und zwar in unmittelbarer
mit: 3n Len vorgestrigen Vorrn tiagsstunden wurden sämtliche Räume des Parteihauses der hiesigen Kommunistischen Partei und ihrer Rebenorganisationen in der Mähgasse sowie die Wohnung des dort wohnenden Funktionärs B i t t - mann von einem größeren Aufgebot von Kriminalbeamten nach Waffen und schriftlichem Material durchsucht. 3n zwei Verstecken wurden zwei 3nfanterie- g e w e h r e (Mod. 93). ein Karabiner, eine doppelläufige Kugelbüchse, zwei abgeänderte 3agdgewehre. zwei größere Wingert- pi st ölen. 21 Stahlrohre verschiedener Gröhe, die zur Verwendung als Sprengkörper hergerichtet und mit dazu passenden Schloßschrauben versehen waren, ein 3nfanterieseiten- gewehr und eine Flasch: Salzsäure vorgefunden. 3n der Wohnung des Dittmann. der seit dem 12. d. M. wegen Fahrraddiebstahls in Untersuchungshaft ist. wurden drei Militärpistolen (08), eine Selbstladepistole. Trommelrevolver und 70 Schuß Pistolenmunition gefunden. Das beschlagnahmte schriftliche Material wird zur Zeit noch durchgeschen. Das kommunistische Stadtratsmitglied Habermehl wurde wegen dringenden Verdachtes der Mittäterschaft während der Durchsuchung festgenommen.
Ein 50000-Mark-Oarlehen für Stadtrandsiedlung genehmigt.
Rähe der Dilta von Dr. Caspar vorzunehmen. Der Main dürste an dieser Stelle breit genug sein tunb auch eine genügend lange Startbahn abgeben. Dr. Caspar, der früher eine Flugzeugsabrik besaß, ist ein persönlicher Freund von FlugkchKtän Christiansen. Er hat sich sofort mit den zuständigen Steilen zur eventuellen Vorbereitung der Wasserung des Do X in Verbindung gesetzt.
Zwei glückliche Westerwaldgemeinden.
WSR. W e ft c r E> u r 16. Sept. Von den Gemeinden des Kreises Westerburg erhoben im Rechnungsjahr 1931 32 zwei Gemeinden, und zwar Berzhahn und Wiltmerod. keine Steuern. Die Gemeinde Gershafen erhob ebenfalls keine Realsteuern, sondern nur die Tiersteuer zum einfachen Satze.
Henry in Pantoffeln.
(r) Brüssel.
Henry Devhvere in Mecheln ging dieser Tage abends, in Hemdsärmeln und Pantosfeln, nur mal eben so über die Straße, einen Gloskrug in der Hand, um für seine Frau beim Kaufmann Leinöl einzukaufen. Bor der Ladentür stieß er mit einem anderen Passanten zusammen, der es offenbar sehr eilig hatte und den Zusammenprall mit einem entsetzlichen Fluch quittierte. Henry sah aus seinen Träumereien auf. sein Gesicht erhellte sich und er schrie freudig überrascht:
„Gaston, bist du es wirklich, du alte Rübe?" Er betitelte den anderen sogar noch kräftiger, aber das hat mit dieser wahren Geschichte nichts zu tun.
Und wirklich, es war Gaston, der alte Regimentskamerad aus Ramur. den Henry seit dem Ende des Weltkrieges nicht mehr gesehen hatte und der sich einen Rachmittag lang geschäftehalber in Mecheln aufgehalten hatte.
Die Freude war auf beiden Seiten sehr groß, und wenn sich alte Regimentskameraden treffen, muß selbstverständlich das Wiedersehen begossen werden. Ohne weiter an den Auftrag seiner Frau zu denken, zog Henry, wie er war, in Pantosfeln und Hemdsärmeln, mit dem Glaskruge bewehrt, mit dem Kameraden in ein nahe gelegenes Restaurant und feierte mit ihm ausgiebig alte Feldzugserinnerungen. —
Er kam wieder zu Bewußtsein, als er ziemlich unsanft aus einem bleiernen Schlummer wachgerüttelt wurde. Der ihn weckte, war ein Eisenbahnschaffner, und der Schauplatz war ein Abteil des Nachtzuges Mecheln—Brüssel, der gerade im Brüsseler Westbahnhof, seiner Endstation, eingetroffen war. 3n spätester Abendstunde hatte Henry, so wie er war: in Hemdsärmeln und Pantoffeln, bewehrt mit dem Glaskruge, feinen Kameraden Gaston aus lauter Kameradschaft im Zuge nach Brüssel begleitet. —
Bon diesem Tage an soll der Pantoffel in Henrys Ehe eine noch größere Rolle spielen als vorher.
Ein merkwürdiger Schiffbruch.
(r) Amsterdam.
Rach dem „Soerabaja-Handelsblad" hat sich in dieser niederländisch-indischen Hafenstadt eine sehr merkwürdige Geschichte zugetragen:
Mit dem holländischen Dampfer „De Klerk" trafen dort Ende 3uli neun Portugiesen ein, frühere Offiziere und Beamte, die aus ihrer politischen Verbannung in Timor entflohen waren, um sich in das Land aller modernen politischen Flüchtlinge, nach Frankreich, zu begeben. 3hre Reise sollte von Soerabaja nach Singapore weitergehen, zu welchem Zweck sie natürlich eine englische Einreiseerlaubnis bzw. ein englisches Visum auf ihren Pässen benötigten. J2iun besitzen jedoch, wie das ja in den Umftänöen begründet liegt, politische Flüchtlinge im allgemeinen überhaupt keine gültigen Pässe, und das traf auch für diese neun Männer zu. Der englische Konsul in Soerabaja, ein Mr. Henderson, weigerte sich daher hartnäckig, irgend etwas für sie zu tun. ehe sie ihm richtige portugiesische Pässe vorgelegt hätten.
Als Retter der neun trat nun der portugiesische Konsul auf den Plan. Dieser Beamte nämlich ist. wie er schon vor Monaten aus der heimischen Presse erfahren hatte, längst abgeseht, hat aber, da St. Bureaukratius in Portugal noch langsamer arbeitet als anderswo, die amtliche Absetzungsorder noch nicht erhalten. Infolge
ir Marburg, 16. Sept. 3n umfangreicher Aussprache beschäftigten sich die Stadtverordneten heute u. a. mit der Errichtung einer Stadtrandsiedlung für 20 Siedler. Als Siedlungsgelände sind 24 000 Quadratmeter der Stadt gehörigen Grund und Bodens auf der Höhe oberhalb des Stadtteils Ockershausen vorgesehen, zu welchem noch 16C0 Quadratmeter vom Schenklengsfeldschen Stistungsgut kommen. Die einzelnen Siedlerstellen sollen etwa 1000 bis 1200 Quadratmeter groß
(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Das Ladenmädchen und der junge Herr.
(—) Paris.
Der junge Herr war ein ausgesprochener Gent, der großen Wert daraus legte, immer stilgemäß, der Jahreszeit entsprechend, angezogen zu fein. Er fuhr nach Cannes, um dort den Spätsommer zu verbringen. Die flüchtige Revision der Gar- Aerobe ergab, daß er nicht genügend Seidenhemden mitgenommen hatte. Diesem ilnglüd mußte schleunigst abgeholfen werden. Der 3üng- ling begab sich also in ein Herrenmodengeschäst und ließ sich Hemden zeigen.
Die Verkäuferin, eine kleine Blondine, zeigte dem Kunden die besten Stücke des Lagers, und der Kunde suchte nach dem Passenden. Er suchte lange und gewissenhaft. So lange, daß es dem kleinen Fräulein zu bunt wurde: „Run haben Sie die Waren zerknüllt, gedrückt nach Strich und Faden, einige Stücke sogar beschmutzt, und immer noch nicht gewählt. Ein so feiner Mann wie Sie müßte rücksichtsvoller fein; Leute wie Sie sind der Schrecken des Kaufmanns! Tun Sie mir den einzigen Gefallen und hören Sie auf!"
Der junge Mann entschuldigte sich errötend, suchte schnell sechs Hemden aus, zahlte und verließ den Laden. Er erzählte dann seinen Bekannten, wie ihm die Kleine eine Lektion erteilt habe. Die Freunde erzählten den Vorfall weiter und zuguterletzt erfuhr auch das energische kleine Fräulein, — dah es ausgerechnet dem Erben der englischen Königskrone, bem Prinee o s Wales die Lektion erteilt hatte.
Bis zu diesem Punkte handelt es sich um einen wirklichen Vorfall, nicht um eine der zahlreichen Anekdoten rund um den Thronfolger. Ob die Pointe mit dem Entschuldigungsbries des kleinen Mädchens und mit dem Rosenstrauß des Kronprinzen auch wahr ist, („3d) habe die Lektion verdient!", soll es darin geheißen haben), kann man schwer sagen. Auf alle Fälle soll es dem Geschäft feit der Veröffentlichung der kleinen Geschichte ausgezeichnet gehen: jeder will von der Verkäuferin kaufen, die dem Prinzen die „dicke Zigarre" verabreicht hat...
** Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Eintrittspreisen geöffnet.
" Tei Inehm e r der Konferenz des Weltstudentenwerks im Flughafen. Die Teilnehmer der Weltstudentenlonserenz weilten am gestrigen Rachmittag als Gäste der Stadt zu einer unterhaltsamen Stunde im Gießener Flughafen. Oberbürgermeister Dr. Keller begrüßte die Teilnehmer der Konferenz, insbesondere die englischen Gäste, dankte dafür, daß man gerade Gießen zum Tagungsort gewäh.t habe und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es den Gästen in unserer Stadt recht gut gefallen möge. Die Engländer dankten für Begrüßung und freundlichen Empfang. Rach einer Kafseepause stieg Flugzeugführer Moog in seiner Klemm-Maschine zum Kunstflug auf und zeigte verschiedene kühne Figuren, die den Gästen ehrliche Bewunderung abnötigten. Loopings. Rollings, Rückenflüge usw. wurden gezeigt und mit großer Sicherheit geflogen. Zum Abschluß war eine Anzahl der auswärtigen Gäste zu Passagierflügen eingeladen, die noch geraume Zeit in Anspruch nahmen.
Photowettbewerb des Verkehrs- und 'Verschönerungsvereins. Der Verkehrs- und Verfchönerungsverein weist heute durch eine Bekanntmachung darauf hin, daß er einen Photographischen Wettbewerb zur Erlangung oon guten Aufnahmen von Gießen und Umgebung veranstaltet. Der Wettbewerb ist für jedermann offen. Handgefertigte Ansichten werden in dem Wettbewerb zugelassen. Die Bedingungen für die Beteiligung an dem Wettbewerb sind erhältlich im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 14, und im Bureau des Verkehrsvereins, Seltersweg 89. Der Einsendungstermin endet am 15. Oktober 1932.
*♦ Neuwahl des Vorsitzenden der Hessischen Handwerskamrner. Da der Vorsitzende der Hessischen Handwerkskammer, No hl (Darmstadt), sein Amt niedergelegt hat, ist eine Neuwahl vorzunehmen. Wie verlautet, ist als Nachfolger der Mainzer Stadtverordnete Josef Falk in Aussicht genommen, dessen Vater, der verstorbene Geh. Gewerberat Falk, dieses Ehrenamt viele Jahre
dessen ergriff er die Gelegenheit, feiner heimischen Regierung, die nichts mehr von ihm wissen will, ein Schnippchen zu schlagen dadurch, daß er diesen politischen Flüchtlingen weiterhals. Richtiggehende Pässe konnte er ihnen nicht ausstellen, ohne sich strafbar zu machen, und so stellte er ihnen kurzerhand Dehelsspässe für — Schisfbrüchige aus, denen der englische Konsul auch anstandslos das Visum für Singapore und sämtliche indischen Häsen verlieh, llnd da Schiffbrüchige, nicht wahr, meistens doch kein Geld mehr besitzen, brauchten die neun für ihre Pässe und die Visa auch keinen Heller zu bezahlen.
Tcr wildgcwordcne Mafchinenmcnfch.
(g) London.
Der „Robot", der mechanische Mensch aus der Funkausstellung in London, hat gegen feinen Schöpfer rebelliert. Er hat zwar nicht die riefigen Verwüstungen angcftcllt wie fein sagenhafter Vorgänger, der Golem, sich aber nichtsdestoweniger doch recht fühlbar in Erinnerung gebracht.
Alpha. — so heißt dieser Robot, hatte gerade einem staunenden Publikum wieder einmal seine Künste gezeigt, und sein Schöpfer, der junge 3n- acnieur Harty May, stand noch neben ihm. Dem Erfinder schien auf einmal etwas in dem verwickelten Mechanismus seines Werkes nicht ganz in Ordnung zu sein, und er bog das Gesicht näher an die Brust des Robots, in der. genau wie beim Menschen von Fleisch und Blut, das motorische Zentrum liegt, das das Ganze treibt. Cs gab einen leisen Knacks, ein elektrischer Funke sprang aus dem metallenen Munde, langsam, aber unsichtbar für den niedergebeugten Ingenieur, ging der eiserne Arm des Robots in die Höhe und krachte mit Gewalt auf den gesenkten Schädel des 3ngenieurs herab, der knockout geschlagen wurde.
Eine ganze Stunde lag May bewußtlos. Als er bann wieder bei Besinnung war, konnte er seinem Gegner nicht einmal auf den Leib rücken, denn der stand vollkommen ruhig, bewegungs- und harmlos da. als ob er fein Wässerchen trüben könne. Mister May hat durch diesen Unfall aber vielleicht eine neue geschäftliche 3dee empfangen und wird einen zweiten Robot bauen, der JBeta heißen wird, und wird die beiden eisernen Männer einen Doxmatch miteinander austragen lassen. Schwergewichtsboxer sind heute sehr gefragt...
Der Wäscheanglcr.
(aok) Budapest.
Angler sind in der Regel friedliche Leute, die kaum mit dem Strafgesetzbuch in Konflikte geraten: es sei denn, dah sie an verbotenen Plätzen „arbeiten" und dann behaupten, sie hätten nicht geangelt, sondern lediglich der Fliege Schwimmunterricht erteilt...
Herr Michael Kerekgharto in der schönen ungarischen Stadt Debreczen war allerdings auf gar eigenartige „ Fische" scharf: Er angelte grundsätzlich nur Wäsche. Mit einem sinnreich konstruierten Anglerwerkzeug bewaffnet zog dieser „Erfinder" von Straße zu Straße und angelte nach allen Regeln der Kunst Hemden, Taschentücher und sonstige Wäschestücke aus Kellern und aus Wäschekammern. Er betätigte sich also sozusagen gleichzeitig als Tief- und Hochnagler und ging diesem seltsamen Handwerk mehrere 3ahre hindurch ungestört nach, indem eben Angler, wie eingangs erwähnt, friedliche, und der Polizei nicht verdächtige Leute find...
6000 Hemden für Herren und Damen, über 3000 Leintücher, und unzählige Taschen-, Hand- und sonstige Tücher mußten daran glauben, dah Herr Kerekgharto im Sinne der These „Hebung macht den Meister" sich zu einem Meisterangler entwickelt hatte.
Dis man ihn zufällig beim verbotenen Angeln erwischte. Da half die Ausrede mit der „Fliege" nichts; der Mann bekam dreieinhalb 3ahre. Seine Ehehälfte sechs Monate und feine Schwiegermutter ebensoviel. Sogar die Kinder waren an den „ Fischzügen" beteiligt.
Run wurde die ehrwürdige Firma von der Polizei geschlossen...
Eine Erfindung,die uns noch gefehlt hat...
(ht) Bukarest.
Rumänien hat bisher noch keinen Erfinder von Ruf hervorgebracht, so daß man die Freude der Zeitung „Dimineatza" begreifen wird, die ausführlich von dem kommenden rumänischen Anwärter auf den "Nobelpreis berichtete. Dieser junge Mann hat nämlich nichts mehr und nichts weniger als einen „Apparat zum Anzünden von Streichhölzern" erfunden! — Die neue Maschine ist außerordentlich originell: in ihren konstruktiven Grundzügen gleicht sie den bekannten Benzinfeuerzeugen, nur ist das Gehäuse nicht mit Benzin, sondern mit Streichhölzern gefüllt. Drückt man auf einen Knopf, dann tritt ein Streichholz heraus, drückt man auf einen zweiten Knopf, dann seht eine herausschnellende Reibfläche den Kopf des Hölzchens in Brand, drückt man dann auf einen dritten Knopf, so fällt das abgebrannte Hölzchen heraus und das Spiel kann von neuem beginnen. — Fabelhaft, was? Wir gestehen, daß wir auf diese Erfindung schon lange gewartet haben, denn das Anzünden eines Streichhölzchens an der Reibfläche der Schachtel ist bei Lichte betrachtet ein durchaus altmodisches Verfahren gewesen. Allerdings: ganz vollkommen ist die neue Erfindung wohl noch nicht: da die abgebrannten Hölzchen automatisch wie leere Patronenhülsen ausgeworfen werden, müßte an der sinnreichen Maschine wohl noch irgendeine Art „Aushebe-Vorrichtung" angebracht werden, sonst dürfte der Apparat als „Geschenk für den Herrn" kaum den Beifall teppichliebender Hausfrauen finden.,.
Gießen, den 17.September 1932.
Kleine Stunde unter dem Dach.
3edeS Haus ist eine kleine Welt, ein Mikrokosmos sozusagen, ein Extrakt des Schicksals. Häuser sind die Küchen des Weltgeschehens, in denen täglich brodelnd die Speisen des Lebens gekocht werden, die dann so schwer zu löffeln sind und so selten schmecken. Häuser sind die Brennpunkte des Stirb und Werde. Täglich erleben die Stuben, die Flure, die Küchen und Treppen Schicksale en miniature, hart stoßen sich die Charaktere der Familien im Raum von ein paar Hundert Kubikmetern, und hätten wir Augen, die durch Türen und Wände bringen, wären wir bald alle Meister der Psychologie. Glück und Liebe im ersten Stock, Haß und Tränen im zweiten Stock, Behäbigkeit im Parterre und Nervosität in der dritten Etage, üble Nachrede im Treppenhaus und süße Schwüre und zärtliche Lyrik abends vor der Haustür.
Morgens um sechs älhr klingelt der erste Wecker und das Schicksal erwacht gähnend im Keller, wo es die Nacht mit halbem Auge geschlafen hat. Wie ein Gespenst huscht es nun über die Treppen, läßt Frau Pammels Milch anbrennen und versteckt den Schuhlöffel ihres Untermieters, steigt ins Parterre und läßt Herrn Redlich die -Zeit verschlafen. (Das ist nun schon das drittemal und demnächst wird man dem Redlich wegen äln- pünktlichkeit kündigen.) Ungerührt aber steigt das Schicksal wieder in die oberen Regionen und schickt den Geldbriefträger zum Dichter Blütebaum mit zwanzig Mark — und so huscht es umher, sät Liebe und Haß, stiftet Zank und Friede, läßt den Dotenjungen aus der Treppe hinschlagen und wirbelt aus des Architekten Schreibtisch den Brief seiner heimlichen Freundin hinter das Sofa, wo ihn morgen seine Frau finden wird, wenn sie von der Reise zurückkommt. So treibt es das Schicksal den ganzen Tag, lautlos und unheimlich, und es ist längst nach Mitternacht, als es sich endlich zur Ruhe legt, nicht ohne zuvor Kurzschluß in der Treppenbeleuchtung zu machen und bei den Schorles ein kleines Kind mit den Masern zu bedenken.
Nur einen Winkel in dieser kleinen Welt gibt es. den das Schicksal nicht betritt. Nur ein Winkel. in dem nicht Lärm ist. nicht Unruhe noch Geschrei.
Co wie die große Welt verträumte Waldseen hat und lautlose Wiesentäler, so hat das Haus einen Boden. Der Boden, das ist das buen rctiro, das Schweigeparadies, das Allerheiligste der Stille. Hier vollzieht sich nicht der Lärm wichtiger Geschehnisse, kein Lachen, fein Weinen ertönt — nur die Dinge sprechen ihre stumme Sprache.
Unb was für interessante Dinge es sind!
Hier unter den Sparren und Ziegeln das Daches ist cs versammelt, bas Strandgut des Lebens, das von den stürmischen Ereignissen des Hauses hinausgesvült wurde und nun in der vergessenen Einsamkeit des Bodens träumt. Da steht ein brüchiger Lehnstuhl mit wackligen Lehnen — niemand sitzt mehr auf ihm, nur die Brummsliege putzt sich die müden Flügel auf seinen Knäufen und nachts pfeift auf dem zerschlissenen Polster ein graues Mäuschen. Da wuchten uralte Schränke, in denen der Holzwurm tickt und tickt wie eine Geisteruhr, eine riesige Gießkanne gähnt mit verbogenem Maul, in dem zerbrochenen W andipieqcl bewundern sich die eitlen Motten und ein alles Veloz'llxd träumt von Dunlop und len alten guten, rücktrittlosen Zeiten, Slnb dann sind da die Truhen und Kisten, in denen ehrwürdig knisternde Roben und verbeulte Strohhüte der Großmutter schlummern, in denen alte, stockfleckige Bucher und vergilbte Briefe sich selber lesen, weil es sonst niemand mehr tut — da ist der romantische Plunder ganzer Generationen, der hier verstaubt und zerfällt...
Li den Winkeln der rissigen Dalken hocken grc.v.c Spinnen in den Schleiern ihrer Netze, und im fahlen Glanz der Abendsonne tanzen die Motten. Wenn aber der Sturm über die Stadt faucht, klappern die Dachpfannen gespenstische Lieder, wenn die Sonne ihr glühendes Feuer durch die Luken gießt, knacken und knistern die audgebörrten Sparren, und wenn bie Tropfen des Regens über das Dach rieseln, ist's hier oben wie in einem verzauberten Schloß, in dem eine uralte Frau traurige Träume webt. .
Unter den Dächern der Häuser wohnt die Romantik, huscht auf leisen Sohlen die Stille, träumt auf wurmstichigen Stühlen die Vergangenheit im Mondlicht einsamer Nächte. H. C. von M.
Aus dem Manöver zurück.
Nach anstrengenden, aber auch erfolgreichen Manövertagen ist gestern unser Bataillon unter der Führung seines Kommandeurs, Oberstleutnant Klepke, wieder in die Garnisonstadt zu» rückgekehrt. Um 17.33 Uhr traf der Transportzug. aus Langensalza kommend, hier ein. Sofort g ng es an das Ausladen der Fahrzeuge und der Pserde, dann traten die Kompanien zum Einmarsch in die Stadt an.
Vor dem Bataillon zog die übliche große Radfahrerkolonne einher, auf Len Bürgersteigen folgten weitere Menschenmassen den Truppen, und zu beiden Seiten der Marschstraßen standen große Scharen von Bürgern und Bürgerinnen, die den Soldaten herzlichen Gruß darbrachten. 3n schneidiger Marschordnung zogen bie Kompanien zu den Kasernen. Die Solbaten liehen nicht im mindesten erkennen, welche großen Strapazen sie bei den Regimentsübungen und den anschließenden Drigade-Manövern zu ertragen hatten. Der frohgestimmte und herzliche Empfang in der ®ar- nisonstabt mag ihnen Ausbruck dafür sein, dah ihre Leistungen bei dem Friedenskrieg von der Gießener Bürgerschaft hoch eingeschätzt werden.
Schwerer Verkehrsunfall.
Flugleiler und Pilot aus dem Gießener Flughafen verunglückt.
Heute nacht gegen 2 Uhr verunglückten der Flug- leiter der Lufthansa im Gießener Flughafen, Herr Vongeher, sowie der Pilot des Zubringerflugzeugs Gießen—Frankfurt, Herr H a n b t c, im zweisitzigen Kleinkraftwagen auf ber Straße zwischen Kirch-Gons und Lang-Gons, als sie sich auf ber Fahrt von Frankfurt nach Gießen befanden. In einer Kurve fuhr ber von Herrn Handke geführte Wagen mit großer Wucht gegen einen Baum. Herr Vongeher wurde aus bem Wagen geschleudert und stürzte so heftig daß er anscheinend einen schweren Schädelbruch erlitt und auf der Stelle tot war. Herr Handke erlitt nur leichtere Verletzungen. Wie der Unfall zustande kam, konnte bisher noch


