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Aus der provinzialhauptstadt
Helft der Winterhilfe!
Geldspenden werden an den nachstehenden Sammelsiellen angenommen:
Geschäftsstelle des Giehcner Anzeiger«, Gießen.
Oberhessische Volkszeitung, Gießen.
pfeiffersche Buchhandlung. Gießen.
Germania-Drogerie, Karl Seibel, Giehen, Frankfurter Straße.
Hans Rod, Ludwigsplah-Drogerle. Giehen.
Wilhelm Benner, Schuhmarenhandlung, Giehen, Marktftrahe.
Verkehrs- und Verschönerungsverein e.D„ Giehen.
Handels- und Gewerbebank, Giehen.
Deutsche Bank und Disconto-Gefellschafl, Giehen.
Dresdner Bank, Giehen.
Commerz- und Prioat-Bank, Giehen.
Lezirkssparkasse Giehen.
Bankgeschäft Herz & Co^ Giehen.
Volksbank e. G m. b. h.» Giehen.
Zeder sei Helfer!
Maggigutwirtschaft". — Hotel Kobel, 20.15 51^1, öffentlicher Ausklärunasvortrag über .Mensch werde gefunbl“ — Lichtspielhaus, Bahnhofstrahe: „6in blonder Traum." — Astoria-Lichtspiele, 6el» tersweg: .Lord Aldini, der Schrecken der Verbrecher und .Die Sünde der Lissy Kraft".
Straßenbahnbetrieb Gießen — Wieseck.
Eröffnung am 29. Rooember.
Wie wir zuverlässig hören, wird die Inbetriebnahme der erweiterten Straßenbahnlinie von der Marburger Strahe bis zur Gießener Gemarkunas- grenze vor Wieseck am 29. November planmäßig beginnen. Nachdem in den letzten Tagen alle Dor- arbeiten zum Abschluß gekommen find, wird der Weiterbau der neuen Straßenbahnlinie nach Wieseck hinein morgen in Angriff genommen. Falls die Wit- terungsverhältnisfe weiterhin für die Bauarbeiten günstig bleiben, kann damit gerechnet werden, daß das Straßenbahnnetz in Wieseck in der zweiten Hälfte des Dezember, etwa kurz vor Weihnachten, in Betrieb genommen werden kann.
Oie 500. Maßna me
des Freiwilligen Arbeitsdienstes.
Wie das Arbeitsamt Gießen uns mitteilt, hat es am vorigen Samstag durch den Bezirkskommissar ür den Freiwilligen Arbeitsdienst die 5 0 0. Ma ß-
Gietzen, den 16. Rovember 1932.
Honig heilt!
Von Dr. meb. Ernft Schlohmann.
Wer sieht es dem goldgelben, klaren und durchsichtigen Dienenhonia an, daß er einest der kompliziertesten Gemische barstellt, das die Ratur hervorbringt. Wir finden bei einer eingehenden chemischen Analyse Wachs, Dextrin, gummiartige Stoffe, Eiweißstoffe, Pollenkörner, Apfel- und Essigsäure Mineralien wie Mangan, Magnesium, Phosphor' Kalzium, Jod, Eisen, Farbstoffe, wie das vitaminreiche Karotin und andere unbekannter Zusammensetzung. Bitamine und Enzyme. Eine Menge aromatischer Körper. Harze, Terpentin, flüchtige Oele, bestimmte Duftstoffe. Dor allem aber zeigen die neuesten Analysen aus Amerika und Europa, daß der Bienenhonig fast gar keinen Rohrzucker, dagegen etwa 40 Prozent Fruchtzucker und 35 Prozent Traubenzucker enthält.
Es ist wirklich ein besonderer Saft, der durch die emsige und geheimnisvolle Arbeit der Dienen Xüfammcngetragen wird, eines der vielen, alltäglichen Wunder um uns herum, an die wir uns — leider — so sehr gewöhnt haben, daß wir sie kaum noch bemerken. Aber seit des Hippokrates Zeiten ist die Heilkraft des Honigs den Menschen bekannt, sie spielt in den Heilvor- schriften der ältesten medizinischen Schulen eine bedeutsame Rolle, und im Dolke lebt der feste Glaube, daß der Honig viele Krankheiten heilt.
Es ist ein Dorgang, den wir immer wieder beobachten können, daß auf dem älmwege über die exakte wissenschaftliche Forschung das Erfahrungs- Wissen der alten Aerzte und die Dolksmedizin neu entdeckt und bestätigt werden. Die Be- Handlung mit Traubenzucker spielt neuerdings wieder eine sehr wichtige Rolle; man benutzt ihn al« Entgiftungsmittel, zur Behandlung zahlreicher Leber - Erlrankungen u'w. Die chemische Industrie hat bereits zahlreiche traubenzucker- haltige Mittel in den Handel gebracht, aber keine« dieser Mittel kann das im Laboratorium der Bienenstöcke hergestellte Mittel ersehen, den Raturhonig. Dr. Sack hat kürzlich wieder in der Münchener medizinischen Wochenschrift darauf hingewiesen, daß der Honig mehr ist als nur Zucker. Die Rähr- und Heilkräfte des Traubenzuckers besitzt er selbstverständlich, aber darüber hinaus hat et noch verborgene Kräfte in sich, die aufzuschließen eine wirklich lohnende Aufgabe Ware. .
3n dem kleinen Orte Heiligkreuzsteinach bei Heidelberg sitzt der Landarzt Dr. Zaiß, der ein im In- und Ausland weit bekannter und geschätzter Imker ist. Seit Jahren weist er immer wieder eindringlich darauf hin, was für ein Schatz im Bienenhonig verborgen liegt und wie wenig Beachtung er in wissenschaftlichen Kreisen bisher gefunden hat. Durch Dr. Zaiß angeregt, sind neuerdings klinische Dersuche und Laboratoriums- versuche unternommen worden, die die Behauptung des erfahrenen Landarztes vollauf zu bestä- tigen scheinen. In Fällen schwerer Erkrankungen der Hamwege wurden bereits nach kurzer Zeit wesentliche Besserungen durch Darreichung größerer Mengen von Honig (50 bis 100 Gramm täglich» erzielt. Aber Honig wird auch in allen anderen Fällen erfolgreich sein, in denen die neu fabrizierten künstlichen Traubenzuckerpräparate verabreicht werden.
Hinzu kommt aber eine Wirkung des Honig«, die den meisten völlig unbekannt geblieben sein wird. Honig wirkt in hervorragendem Maße keimtötend und wundheilend! Man weiß zwar seit langem, daß Honig keine Reiaung zum Schimmeln hat, aber praktische Schlüsse sind feit den Aegyptern, die den Honig zum Einbalsamieren ihrer Mumien benutzten, aus dieser Erkenntnis nicht mehr gezogen worden. Dr. Zaiß konnte in feiner Landpraxis eine geradezu erstaunlich rasche Reinigung und Heilung infizierter Wunden beim Eingießen verdünnten Honigs in die Wundtaschen fest stellen, und an der Sauerbruchschen Klimt wurden die gleichen Erfahrungen mit äußerer Anwendung von Traubenzucker gemacht.
Die Wiederentdeckung des Honigs als Heilmittel sollte die Hni&erfitätcn und Kliniken dazu an- regen, den Honig und seine Wirkungsweise sorgfältig zu studieren. Wenn der große Wert des HonigS als Dolksgesundheits- und Rährmittel sich beftättgt, dann muß auch die Honiggewinnung, wie Dr. Sack mit Recht verlangt, in jeder Richtung gefördert werden.
Vornotizen.
** Gefallenen-Gedenkfeier. Die Arbeitsgemeinschaft der Militär» und Regimentsvereine Gießen veranstaltet am Totensonntag, pünktlich 11 Uhr, am 116er-Denkmal auf dem Lonbgraf-Phi- lipp-Platz eine Gefallenen-Gedenkfeier. Als Redner ist Kamerad Professor Adolph gewonnen worden. (Siehe Anzeige in der Freitagausgabe des Gießener Anzeigers.)
•• D ie Gemeindeseier der Markus- gemeinde in der Turnhalle hatte wieder so starken Besuch, daß manche Gäste keinen Platz mehr finden konnten. Ein reichhaltiges Programm wechselte mit Spielen, Gesängen, Volks» tanzen in bunter Folge. Die Kinder der Kinder
kirche, die Wartburg-Iugendgruppe, der Mäd- chenbund der Marlusgemeinde führten die Spiele, welche von Gustav QUtolf und von dem Gustav- Advlf-Derein erzählten, und die Dolkstänze auf. Der Derein für christliche Musik begleitete die gemeinsamen Lieder und erfreute durch gute musikalische Darbietungen. Die Mitglieder der Choralsingstunde der Matthäus- und Markus- gemeinde fangen unter der sicheren Führung von Lehrer Simon mit seinem Verständnis und guter Schulung zwei schöne Choräle. Für Bedienung mit Kaffee und Kuchen und für die Ausführung der kleinen Verlosung hatten sich viele Mitglieder des Frauenvereins, der die ganze Deranstaltung mit viel Mühe auch vorbereitet hatte, bereitwillig zur Verfügung gestellt. So war es im allgemeinen wieder ein gutes Zusammenwirken der verschiedenenGemeindegruppen, wofür allen Mitbeisenden herzlicher Dank gebührt. Ebenso gebührt Dank allen freundlichen Gebern von Kuchen und schönen Gewinngegenständen, die der Gemeindeseier auch ein befriedigendes finanzielles Ergebnis für die Gemeinde- fürforge sicherten.
•• Die Maul- und Klauenseuche in Oberhessen. In Rieder-Erlenbach (Kreis Friedberg) ist die Maul- und Klauenseuche aus- gebrochen. Der Ort wurde zum Sperrgebiet und die Gemarkung Rieder-Erlenbach zum Deobach- tungSgebiet erklärt. ,
Dberbeffen.
Landkreis Gießen.
§ Alten-Duseck, 15. Rov. Der Altveteran Landwirt Wagner, einer der letzten Zeugen des Krieges 1870/71, konnte in diesen Tagen seinen 8 8. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlaß ließ der frühere Großherzog dem Veteranen durch den Vorsitzenden des hiesigen Kriegervereins sein Bild aushändigen und herzliche Glückwünsche übermitteln, denen sich auch der Kriegerverein Alten-Duseck anschloh. Reichspräsident von Hindenburg übersandte ebenfalls fein Bild nebst einem Gllickwunsch schreiben. Herr Wagner ist geistig und körperlich noch auf der Höhe und geht noch seiner Arbeit in der Landwirtschaft nach.
OO Klein-Linden, 15. Noo. Im Winter 1931/32 wurden in unserer Dolksbibliothek bei einem Bestand von 507 Bänden 750maI Bücher ausgegeben. Durch wertvolle Reuanschasfungen stieg die Zahl der Bände jetzt auf 530; es tourben namentlich Werke von Ganghofer, Seidel, Hedin, Löns, Diebig, Dumas, Frensen, Telmann, Storm. Duxbaum. Sohnreh, Tolstoi. Alfred Bock, Berg, Lagerlöf, Dickens u. a. der Bibliothek neu ein- verleibt. Mit der Volksbücherei ist auch eine Schülerbibliothek verbunden, die von der Jugend rege in Anspruch genommen wird. Leider sind die in früheren Jahren reichlichen Unterstützungen von Sparkassen. Kreiskasse und Gemeinde jetzt sehr gering geworden.
g. Watzenborn-Steinberg, 15. Rov. Um die Rot der Erwerbslosen zu mindern, hat man dem großzügig ausgebauten freiwilligen Arbeitsdienst nun noch Rotstands- maßnahmen angegliebert. Die Zuschüsse der Gemeinde stellen sich dabei allerdings hoch. Die Gemeinde muß pro Woche und Mann etwa 7 bis 8 Mark besteuern. Bei der kürzlich begonnenen dritten Maßnahme deS Arbeitsdienstes werden die Arbeiter auf dem oberen Steinkopf mit Tannen- und Kiefernpflanzungen beschäftigt. Für die in einigen Wochen ausscheidenden Arbeitsdienstwilligen will man nach Möglichkeit neue Arbeitsgelegenheit schaffen.
4 L i ch, 15. Nov. Am Samstagabend feierte der Männergesangverein „(£ ä c i I i a“ im Saale des „Holländischen Hof" sein 9 5. Stiftungsfest. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage hatte man von einer größeren Veranstaltung abgesehen und nur im Kreise der Dereinsmitglieder und ihrer Familien eine schlichte Feier vorgesehen. Der Dereinsvorsihende Karl Loh hielt die Begrüßungsansprache und ehrte das Vereinsmitglied Malermeister Ludwig Schöne für seine 25jährige Zugehörigkeit zum Verein durch Lieberreichung einer Ehrennadel. Die Kapelle Schmidt wartete mit guten Musik- vorträgen auf, der Verein brachte einige Chorlieder, die den Beifall der Zuhörer fanden, zum Vortrag. Die Feier nahm einen schönen Verlaus. Mr den 19. März 1933 hat der Verein ein großes Konzert geplant; das übliche Wintervergnügen wird am 26. Dezember abgehalten.
Kreis Friedberg.
Pb. Butzbach, 15. Rov. Der diesjährige Katharinenmarkt stand, wie wohl alle Wävte, unter dem Zeichen der allgemeinen Depression. Während in früheren Jahren bereits vormittags ein starker Andrang von Schaulustigen und Käufern zu beobachten war, ist dies diesmal nicht der Fall gewesen. Erst in den Rachmittagsstunoen war ein größerer Andrang zu beobachten. Auch an Derkaufsständen waren weniger vorhanden, was wohl daraus zurückzuführen ist, daß die Stadtverwaltung ein verhältnismäßig hohes Platzgeld erhebt, worüber seitens der Standinhaber mehrfach geklagt wurde.
nähme mit zusammen 1 16 3 3 Arb eits» dienstwilligen für den Freiwilligen Arbeitsdienst bewilligt erhallen. Am 4. November v.J. wurde die erste Maßnahme des Frei- willigen Arbeitsdienstes in Angriff genommen. Dieses Ergebnis eines einzigen Jahres verdient besondere Beachtung, zugleich aber auch uneinge- fchränkte Anerkennung für alle, die sich in hingeben, der Tätigkeit für die Organisation und die Ausbreitung des Freiwilligen Arbeitsdienstes in Oberhessen eingefetzt haben.
Oie Messerstecherei in Bernsburg.
Don der Landeskriminalpolizeistelle Gießen hören wir, daß der 21 Jahre alte Schmied Johannes Wüst aus Willingshausen (Schwalm) unter dem dringenden Verdacht, in der Rächt zum Montag in Bernsburg bei Alsfeld gelegentlich der Schlägerei den verheirateten Arbeiter Wilhelm Becker tödlich gestochen zu haben, verhaftet wurde. Becker war, wie wir berichteten, kurze Zeit nach der Schlägerei auf dem Transport nach der Marburger Klinik dem schweren Kopfstich erlegen. Wüst wurde dem Landgerichts- gesängnis zu Gießen zugeführt.
— Tageskalender für Mittwoch. Stadttheoter, 15.45 bis 18.30 älhr: „Der Tatterich" (DolkSvorstellung); 20 bis 22.30 älhr: .Peppina". — Oberhell. Kunstverein, Turmhaus am Drandplatz, 15 bis 17 Llhr, Ausstellung. — Hausfrauen-Deratung, Cafe Leib, Dor-Weih- nachtSausstellung; 16 und 20 Uhr, Vorführung deS FilmS „Ein Gang durch die Maggiwerke und
Kreis Schotten.
O 2 a u b a d), 15. Rov. Bei ber von dem hiesigen Iagdpächter, Fabrikant S ch u n l (Gießen), ab gehaltenen Treibjagd wurden insgesamt 34 Hasen, zwei Fasanen unb zwei Füchse zur Strecke gebracht.
preuhen.
Oer Tag des Sicherkennens!
Gedanken zum preußischen Buh- und Vettag.
„Vater, ich habe gesündigt in dem Himmel unb vor dir!"
So bekannte der verlorene Sohn aus dem Gleichnis, das Jesus Christus seinen Jüngern und dem lauschenden Dolke erzählte. Gewiß, Not und Elend haben diesen Mann gezwungen, seine Beichte abzulegen, aber wie stark muß auch das eigene Erkennen gewesen sein, um zu dem schwersten aller Worte zu finden: Ich bekenne mich schuldig!
Kein Meirich legt gern eine derartige Beichte ab, jeder wehrt sich dagegen, eine Schuld einzugestehen; das ist gewiß nicht schön, muß aber als menschliche Schwäche hinaenornrnen werden. Irgendein inneres Gefühl sagt aber auch dem unbußfertigen Menschen, daß er Unrecht getan hat, und bringt chrn die Empfindung für das Falsche und ^Fürchterliche seiner Lage nahe. Wir sagen fo landläufig und volkstümlich: das Gewissen treibt ihn! Weil trotzdem sich der Betroffene nicht recht zum Entschluß zur Beichte, zum Bekennen und Erkennen, zur Büßfertigkeit ent- schließen kann, ist der Buß - und Bet tag von der Kirche eingesetzt worden. Uebrigens nicht von ihr allein, auch eine weltliche Macht, die des Königs Friedrich des Großen, hat für die Einführung dieses Bußtages in Preußen gesorgt. Und längst ist er zum hohen Festtage im Kircl-enjahr geworden.
Kein Festtag für Lärm und rauschende Feierlichkeiten! Es ist der Tag der Besinnung, und aus triefe r Stimmung heraus will er begangen werden. Damit keiner sich durch Störungen abgelenkt fühlen könnte, damit auch niemand in seinen religiösen Empfindungen verletzt werde, hat die Regierungsgewalt gesorgt, daß am Buß- und Bettage strengste Zurückhaltung in der Öffentlichkeit ausgeübt wird. Alle sonst am Sonn- ober Feiertage üblichen lärmenden und prunkenden Vergnügen sind untersagt. Es gibt für jeden gläubigen Menschen nur eine Pflicht: Denke nach über ein langes Jahr, in dem du dach trotz besten Willens oft gefehlt hast! Erkenne deine Fehler und bekenne sie vor deinem Gott! Und richte danach dein künftiges Leben ein, damit du gerechter als bisher dastehst. Denn plötzlich, urplötzlich und unerwartet kannst du ab berufen werden, um dich vor dem höchsten Richter zu rechtfertigen!
Die Kirchen sind am Buß° und Bettage gefüllt, oft sogar überfüllt. Das ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie stark der besondere Tag auf die Menschheit einwirkt. Mehr noch und stärker ist dieser Tag ausgefüllt von besinnlichen Menschen, die einmal aus der Unrast der Zeit und des schwierigen und sorgenvollen Alltagslebens herausgerifsen werden, um sich zu sammeln und ihr Leben neu einzurichten. Und wenn sie alle, die recht nachdenklich über die vergangenen Tage nachgedacht haben, das neugewonnene Gefühl des Selbsterkennens erfahren haben, dann werden sie nichts Schöneres tun können, als durch ben Kirchgang diesen Tag der Einkehr zu krönen.
Eine Greisin am Herd verbrannt.
WSR. Frankfurt a. TO., 15. Rov. In der Adlerflychtstraße ereignete sich gestern ein schwerer llnglücksfall. Die dort wohnende, in den 80er Jahren stehende Witwe Schmidt hatte sich am Herd zu schaffen gemacht, wobei sie dem Feuer zu nahe kam. Ihre Kleider fingen Feuer, und der bedauernswerten Frau konnte erst Hilfe gebracht werden, als sie bereit# schwere Brandwunden erlitten hatte. Die Frau wurde ins Krankenhaus gebracht, wo sie noch gestern abend gestorben ist.
Kirche und Schule.
Dekanatskonferenz der Evanqelifchen Geistlichen des Dekanats Gictzrn.
Am Dienstag tagte im TOarkussaal zu Giesten die Konserenz unter Leitung von Dekan-Stellvertreter Pfarrer Sattler, Wieseck, der mit Schriftlesung und Gebet eröffnete. Rach dem geschäftlichen Teil hielt Pfarrer Liz. Bohn, Plötzensee, Generalsekretär des Deutsch-evange- Ufchen Vereins zur Förderung der Sittlichkeit, einen Vortrag über „Licht und Schatten auf sittlichem Gebiete und die Aufgabe der evangelischen Gemeinden". Eine reichlich ausgelegte ßiteratur zeigte, wie stark auf diesem Gebiet in den letzten Jahrzehnten gearbeitet worden ist. Roch immer herrschen Schlagworte, die nicht den Wert einer Parole haben. Die Ethik solle nicht den Wellen der wirtschaftlichen Entwicklung folgen. Die Parole der Warnung in die Ehen zu rufen, hält der Vortragende für Beruf spslicht; die sexuellen Fragen sollten mehr in der Gemeinde mitschwingen. Eine rege Aussprache schloß sich an.


