Ausgabe 
16.9.1932 Frühausgabe
 
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Feuernde Banditen berauben einen Geldtranspori in Berlin.

33 000 Mark erbeutet. Ein Beamter erschossen.

Die aufgeregten Zeugen des Raubüberfalls an der Tatstelle (X).

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Berlin, 15. Sept. (WTB.) Nach den bisherigen Ermittlungen hat sich der in einem Teil der gestri­gen Ausgabe bereits gemeldete Raubüberfall vor dem Rathaus Charlottenburg folgendermaßen abgespielt: In der neunten Vormittagsstunde, als vier Beamte der BVG. aus der Girokasse, die sich im Rathaus Charlottenburg befindet herauskamen, wurden sie von vier jungen Burschen übersal- I e n. Zwei Beamte, die die Kiste trugen, in der sich 33 100 Mark in 10-, 20- und 100-Mark-Scheinen für die morgige Lohnauszahlung befanden, wurden von dem Leiter des Betriebsbahnhofes Helmholtz- Straße, Meyer, und dem Chauffeur des Wagens auf dem Wege von der Kasse bis zum Auto gedeckt. Die Burschen schlugen aus die Träger der Kiste ein, die den Holzkasten fallen ließen und feuerten gleichzeitig auf die Begleiter sechs Schüsse ab. In der allgemeinen Verwirrung ergriffen die Räuber blitzschnell die Kiste und warfen sie in eine bereit- stehende dunkelblaue Mercedes-Benz-Limousine, mit der sie davonrasten und im Gewühl des Straßen­verkehrs unerkannt entkamen. Der Vorsteher des Betriebsbahnhofes in der Helmholtz-Straße, der

56jährige Otto Meyer, hat einen Kopfs ch u ß erhalten, an dessen Folgen er eine Stunde später im Krankenhaus Westend verstarb.

Tie täglichen Transporte, die von sämtlichen Betriebsbahnhöfen nach den Girokassen durchge- führt werden, sind bisher immer ohne poli­zeilichen Schutz gewesen. Der Wagen, den die Räuber zu ihrem Lieberfall benutzten, ist gestern in der Landshuter Straße gestohlen worden.

OasOiebesauio herrenlos aufgefunden

Berlin, 15. Sept. (TU.) Am Donnerstag­mittag nach 12 Ahr wurde der von den Geld­räubern zur Flucht benutzte Kraftwagen auf der Chaussee nach Moorlake zwischen Wannsee und Glienicke aufgefunden. 3m Auto befand sich nur noch die leere Holzkiste, in der das Geld aufbewahrt worden war. Von den Tätern selbst fehlt jede Spur. Für ihre Ergreifung sind insgesamt 20 0 0 M k. Belohnung aus­gesetzt worden.

Äationalsozialisiischer Antrag auf Auflösung des Danziger Volkslages.

Danzig, 15. Sept. (TA.) Der national­sozialistische Antrag auf Auflösung des Danziger Dolkstages ist am Donnerstag- nachmrttag dem Bolkstagspräsidenten überreicht worden. Da für diesen Antrag 15 Stimmen not­wendig waren, die Nationalsozialisten aber nur über 13 Stimmen verfügten, haben die sieben kommuni st ischen Abgeordneten den nationalsozialistischen Antrag mit­unterzeichnet, so daß der Antrag mit 20 Stimmen gestellt ist. Aeber den Antrag wird in einer der nächsten Sitzungen des Bolkstages ab- gestimmt werden. Ob er angenommen wird, hängt von der Haltung der Sozialdemokra­ten ab. Die bürgerlichen Parteien wer­den schon im Hinblick auf bevorstehende wichtige Genfer Entscheidungen gegen den nationalso­zialistischen Antrag stimmen.

Eine neue Mittelsiandspariei.

Berlin, 15. Sept. (VDZ.) Aus Kreisen der Wirtschaftspartei wird mitgeteilt: Am 12. Sep­tember fand in der Berliner Handwerkskammer eine Versammlung von Angehörigen des bürger­lichen Mittelstandes von Groß-Berlin und aus der Provinz Brandenburg statt. Man kam zu dem Ergebnis, daß nach dem bedauerlichen Ver­sagen der politischen Parteien ein Zusammen­schluß des bürgerlichen Mittel st a n - des auf neutraler wirtschaftlicher Grundlage erfolgen müsse. Der Grund­gedanke der Wirtschaftspartei an sich sei gut ge­wesen. Leider sei auch diese Partei das Qpfer nicht nur der politischen Entwicklung, sondern auch eigener Fehler in personeller unh politischer Hinsicht geworden. Es wurde be­schlossen, sofort die Grundlage für eine neue Sammlung der bürgerlichen Mittelschichten auf wirtschaftlicher

Basis zu schaffen. Einstimmig wurde die Grün­dung dieser Organisation vorgenommen, die den NamenBürgerliche Vereinigung für Handwerk,HandelundGewer be" trägt. Die bürgerliche Vereinigung wird alle Kreise der bürgerlichen Mittelschichten zum Anschluß auf­fordern.

Am Mittwoch LandtagSsihung in Preußen.

Berlin, 15. Sept. (VDZ.) Es kann jetzt als feststehend betrachtet werden, daß der Preußische Landtag am kommenden Mittwoch, dem 21. September, zu seiner nächsten Plenartagung zusammentritt. Der Tagungsabschnitt dürfte nur kurz sein, eventuell nur zwei Sihungs- tage umfassen. Es gilt als so gut wie ausge­schlossen, daß noch ein früherer Termin gewählt wird. Die Tagesordnung soll erst in den nächsten Tagen den Mitgliedern zugestellt wer­den. Aach dem gegenwärtigen Stande wird in parlamentarischen Kreisen nicht damit ge­rechnet, daß bereits am 21.September die Wahl eines Ministerpräsidenten vorgenommen wird. Voraussichtlich wird die Tagesordnung u. a. Anträge auf Durchführung

der Gemeindewahlen am 1.Oktober ent­halten, sowie die Beendigung der Debatte über Bergwerksfragen.

Vom Sondergericht $u 10 Zähren Zuchthaus verurteilt.

Berlin, 15. Sept. (TA.) Die Erste Kammer des Sondevgerichts beim Landgericht I verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den 57jährigen Kommunisten Karl Berger wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit schwerem Landfriedensbruch zu zehn Jahren Zuchthaus. In den Abendstunden des 5. Sep­tember war am Wedding der nationalsozialistische Sturm 100 in ein anderes Verkehrslokal gezogen und beim Einzug in das neue Derkehrslokal von Kommunisten mit ZurufenAot-Front!",Aie- der!" sowie mit Steinwürfen bedacht worden. Es kam zu einem F e u e r g e f e ch t, be' dem 30 Schüsse fielen, die hauptsächlich von g.'n« ste r n aus abgegeben wurden, jedoch niemand verletzten. Ein Nationalsozialist büßte dadurch einen großen Teil seiner Sehkraft ein, daß ihm ein mit ätzender Flüssigkeit getränk­ter Lappen ins Gesicht geschlagen wurde.

Oie Eisenbahn - Katastrophe in Algerien.

Schwankende Verlustziffern.-Noch ungeklärte Entstehungsursache. Schwierige Aufräumungsarbeiten.

Paris, 15. Sept. (TA.) Das schwere Eisenbahnunglück bei Tlemcen in Algerien hat, wie die letzten hier eingetroffenen Nachrichten bestätigen, doch etwa 100Soldaten der Frem­denlegion das Leben gekostet. Die gleiche Anzahl wurde verletzt. Die A u f r ä u -

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mungsarbeiten, die wegen der unwirtlichen Gegend und her recht schwierigen Beschaffung des Hilfsmaterials nur sehr langsam vorwärts schrei­ten, sind noch in vollem Gang. Man rechnet damit, daß eine genaue Liebersicht über das furcht­bare Anglück erst im Laufe des Tages möglich ist, da der größte Teil der Toten und Verletzten noch unter den Trümmern liegt.

Der verunglückte Zug, der sich aus 31 Wagen zusammensehte, hatte die Garnison des 1. Regi­ments der Fremdenlegion Del Abbeä am Mitt­wochmorgen verlassen, um Fremdenlegionäre zur Ablösung eines Regiments nach Adsa zu beför­dern. Gegen 15 Ahr befand sich der Zug nur noch einige Kilometer von Turenne ent­fernt. Der Schienenstrang führt in dieser Gegend auf einer mehrere hundert Meter langen Strecke an einem 10 0 Meter tiefen' Abgrund vorbei. Ein Eingeborener, der als einziger Augenzeuge dem furchtbaren Anglück bei­wohnte, sah plötzlich, wie die Lokomotive sich auf die Seite legte und in den Abgrund hinab st ürzte und sämtliche 31 Wagen nach sich zog. Anter donnerartigem Getöse rollten die Wagen in die Tiefe, wo sie wenige Sekunden später nur noch einen einzigen Trümmerhaufen bildeten, aus dem das

Röcheln und Stöhnen der Verletzten drang. Dis in die späten Nachtstunden des Mittwoch war es nur gelungen, eine verhältnismäßig geringe Zahl der Toten und Verletzten zu bergen.

Die Arsache des Anglücks ist noch nicht fest­gestellt. Man nimmt zwar allgemein art, daß sie auf eine durch die ausgiebigen Regenfälle hervor­gerufene Dammunterspülung zurückzu­führen ist, hält aber vorläufig auch einen ver­brecherischen Anschlag nicht für ausge­schlossen. Diese Hypothese wird deshalb nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen, weil ein In­genieur der Eisenbahnverwaltung die gleiche Strecke zwischen Turenne und Tlemcen noch am Mittwochvormittag zu Fuß zurückgelegt hatte, um sie in Erwartung des Militärtransportes noch ein­mal zu überprüfen. Er hat jedoch keinerlei An­zeichen für eine schlechte Beschaffenheit des Eisen­bahndammes feststellen können.

Ob sich auch Deutsche unter den Opfern be­finden, ist bisher nicht bekannt. Es ist aber damit zu rechnen, da die Deutschen in der französischen Fremdenlegion stark vertreten sind. Beim franzö­sischen Kriegsministerium erfuhr man um die Mit­tagszeit, daß bisher 55 Tote und 283 Ver­letzte geborgen waren. Havas berichtet hingegen nach wie vor von 120 Toten, die zum Teil noch unter den Trümmern liegen. Der Zugführer des Unglückszuges, der sich unter den Ueberlebenden befindet, erzählte, daß er in einer scharfen Kurve plötzlich bemerkt habe, wie sich die Lokomotive auf die Seite gelegt habe und in den Abgrund gestürzt sei. Ohne einen Augenblick zu verlieren, sei er dann selbst aus dem Wagen gesprungen und in den Ab­grund gerollt, so daß er nur mit geringen Haut­abschürfungen davongekommen sei.

Zwischen Tlemcen und der Unglücksstelle verkehren seit Donnerstag vormittag ununterbrochen Hilfs- züge, die die Verletzten in das Dorf bringen, wo ihnen die erste Hilfe zuteil wird. Die Unglücks­stelle selbst bietet nach Berichten von Augenzeugen einen geradezu entsetzlichen Anblick. Abge­rissene Gliedmaßen, Kochgeschirre und Gewehre liegen bunt durcheinander. Aus den zertrümmerten Wagen dringt ununterbrochen das Schreien und Röcheln der Opfer, die wie in einem Schraubstock zwi chen den Eisenteilen eingeklemmt liegen.

Wie Havas meldet, sind die Aufräumungs- a r b e i t e n an der Stelle der Eisenbahnkatastrophe noch immer nicht zum Abschluß gekommen. 212 Verletzte sind ins Krankenhaus eingeliefert worden, von denen drei in der Nacht gestorben sind. Man nimmt an, daß noch etwa 3 0 Opfer unter den Trümmern liegen.

Merkwürdiger Kriminalfall.

Von Helga Herting.

Man neigt oft zu der Ansicht, daß die Dichter übertreiben. Allerdings auf eine sehr nette, durch­aus amüsante Art, die keinen stört und jedem etwas gibt. Doch sei hier aber gesagt, daß ihre lieber« treibungen noch harmlos sind gegenüber den Heber« treibungen, die sich das Leben selbst oft leistet. So fand zum Beispiel kürzlich in Rom ein Prozeß statt, der durch eine Fliege, eine ganz gewöhnliche Stuben­fliege, ins Rollen gebracht wurde. Und das kam so:

Ein angesehener römischer Rechtsanwalt saß bei geöffnetem Fenster in seinem Zimmer am Schreib­tisch und arbeitete. Arbeitete, wie das bei der Hitze so ist, mit nicht genügender Konzentration. Nur so war es möglich, daß ihn plötzlich das Gesumme einer großen Fliege stören konnte, die durch das geöffnete Fenster ins Zimmer geflogen war.

Was tut man von Alaska bis zur Sahara, wenn man bei großer Hitze arbeiten soll und die mühsam geknüpften Gedankengänge immer wieder durch das aufdringliche Gesumm einer dicken Fliege unter­brochen werden? Das hängt natürlich vom Tempera­ment ab. Der eine wirft vielleicht mit dem Löscher, der andere mit dem Lineal und ein Mann ohne weise Voraussicht vielleicht mit dem Tintenfaß. Alle mit dem gemeinsamen Ziel, die Fliege zu treffen und zu töten.

Der römische Rechtsanwalt tat nichts von alledem. Als Mann der weisen Voraussicht fing er die Fliege, weil ihm das sicherer schien und vielleicht auch, ganz unter uns gesagt, wegen des sportlichen Momentes, das durch diese Jagd nach einem Tier in das son­nendurchglühte Büro getragen wurde. Als er sie gerade töten wollte auch das tut man von Alaska bis zur Sahara, entdeckte er ein hauchdünnes Zigarettenpapier, das der Fliege mit einem Men­schenhaar um den Leid gebunden war. Wie das bei Wallace und Conan Doyle üblich ist, legte der An­walt angesichts dieser exorbitanten Tatsache seine Stirn in majestätische Falten und fand auch bald folgende Worte auf dem Zigarettenpapier:Ret­tet mich! Marchese B." Es folgten Angaben über Straße und Hausnummer. Der Rechtsanwalt witterte natürlich, genau wie ein echter Detektiv von Scotland 9)arb, eine Tragödie hinter dieser eigenartigen Briefpost und beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen.

Das Haus, dessen Adresse auf dem Zettel ange­geben war, stellte sich als privates Sanatorium heraus, das einem Herrn Bianchi gehörte. Der Rechtsanwalt stellte sich dem Besitzer als ein Welt­

reisender vor, der seinen Verwandten, den Marchese B. besuchen wollte. Zuerst fragte er, ob überhaupt der Marchese B. noch hier im Hause sei. Darauf erhielt er eine ausweichende Antwort. Als er aber energisch wurde und erklärte, er wisse, daß der Marchese sich hier befinde, und er wolle ihn spre­chen, wurde ihm bedeutet, daß der Patient zu schwach sei, um Besuche empfangen zu können.

Nun wußte der Anwalt Bescheid: denn aus dem Briefe, den ihm die Fliege ins Haus gebracht hatte, ging mit ziemlicher Deutlichkeit hervor, daß von einer Schwäche des Patienten keine Rede sein konnte. Er ließ sich aber nicht anmerken, daß er Bescheid wußte, sondern entfernte sich mit einer Entschuldigung und ging darauf sofort zu einem ihm befreundeten Polizeikommistar, dem er den Vor­gang erzählte.

Mit Hilfe des Gerichts gelang es ihm, sich zu dem Marchese Zugang zu verschaffen, der hier gefangen gehalten wurde, da er angeblich wahnsinnig war. Nachdem derWahnsinnige" in eine staatliche An­stalt übergeführt worden war, wo er auf seinen Geisteszustand unteHucht wurde, stellte das Gericht Ermittlungen an. die einen wahren Roman zutage forderten.

In den Prozeßoerhandlunaen ergab sich dann, daß der Marchese in Wirklichkeit ganz gesund war. Er hatte eine sehr schone Frau geheiratet. Da er reich war, hatte seine junge Frau bei der Eingehung der Ehe nur das Bestreben, sein Vermögen an sich zu bringen. Es gelang ihr mit Hilfe einiger guter Freunde, die sie mit in die Ehe brachte, den Mann allmählich so zu reizen, daß er für einen oberfläch­lichen Betrachter als verfolgungswahnsinnig und tobsüchtig gelten konnte. So wurde er in das Sana­torium gebracht und die Frau zu seinem Vormund ernannt. Durch den Prozeß wurde ihm endgültig die Freiheit wiedergegeben, außerdem wurde im Anschluß daran ein Ehescheidungsoerfahren ein­geleitet, das auch zur Auflösung der Ehe führte, so daß er in doppelter Hinsicht frei wurde. In einem dritten Gerichtsverfahren, das durch die brieftra­gende Fliege veranlaßt wurde, wurden alle an der Internierung des Marchese Schuldigen bestraft, in erster Linie seine frühere Gattin, die die geistige Ur­heberin der ganzen Vorgänge war.

Kein Kaiserpalast eine Badeanstalt!

Das größte Denkmal der Antike, das auf deutschem Boden steht, die unter dem Namen ,,Kaiserpalast" bekannte Ruine in Trier, ist fast ein Jahrhundert lang in seiner Bestimmung merk­würdig verkannt worden, und erst die shstemati- I scheu Ausgrabungen haben zweifelsfrei erwiesen,

daß es sich hier um keinen Kaiserpalast, sondern um eine der großartigen Badeanlagen der r o m ischen Kaiserzeit handelt. Der Be­weis ist jetzt in der großen, von dem Leiter der Grabungen, Professor Daniel K r e n ck e r, ver­faßten VeröffentlichungDie Trierer Kaiser­thermen" erbracht worden, deren grundlegende Bedeucung für die Geschichte der antiken Bau­kunst Professor Edmund Weigand in einer Besprechung derDeutschen Literaturzeitung" hervorhebt. Nachdem bereits im 17. Jahrhundert die Aufmerksamkeit auf diese gewaltige Ruine gelenkt war, und man sie zunächst nach der Wasserzuführung und den Heizungsanlägen für eine Badeanstalt gehalten, fetzte sich dann im 19. Jahrhundert die Deutung als Kaiserpalast auf Grund falsch ausgelegter antiker Berichte durch. Der erste Anstoß zu einer eingehenden Erforschung kam von ganz unerwarteter Seite: der Verein für Ton-, Zement- und Kalk-Industrie hatte 1908 nach einem Vortrag den Beschluß ge­faßt, dierömische Kaiserpfalz" in Trier wieder aufzubauen. Diesem Plan wurde von den rheini­schen Altertumsfreunden sofort Widerstand ent­gegengesetzt, und auf dem Trierer Denkmalpflege- Tag von 1909 die Ausgrabung dringend emp­fohlen. Sie erfolgte dann durch Krencker, und nach einer Untersuchung der verwandten Ther- men-Anlagen in Rom und namentlich in Rord- afrika konnte die alte Deutung als Thermen zum Siege geführt werden. Rach vielen Schwierig­keiten durch Krieg, Inflation und durch den Ruhr-Kampf, bei dem die meisten Beamten aus­gewiesen wurden, ist nun der erste Band des monumentalen Werkes veröffentlicht, dem noch ein zweiter mit der Darstellung der zahlreichen Einzelfunde folgen soll. Die richtige Deutung der Ruine war dadurch erschwert, daß schon vor dem eigentlichen Thermenbau sich an dieser Stelle eine römische Villa und ein älteres Bad be­fanden und daß die Anlage dann später voll­ständig umgebaut wurde. Die ersten Bauten stammen aus der Zeit vom ersten Jahrhundert bis etwa 270 n. Ehr. Dann wurden die Thermen im letzten Viertel des 3. Jahrhunderts errichtet, aper die großartige Anlage blieb aus irgendeinem Grunde liegen, bevor die letzte Hand angelegt werden konnte. Die He zgänge, Kesselräume, Oesf- nungen für Wasserzu- und -ableitung sind zwar eindeutig festgestellt, doch fand man von der not­wendigen Installation nirgends eine Spur. Der Umbau hat dann die Thermen einer anderen Be­stimmung zugeführt, die nicht genau zu erkennen ist- Doch bleibt am wahrscheinlichsten, daß die Badeanstalt zu einem Prätorium umgebaut

wurde, also doch zu einem Palast, wenn auch zu keinem Kaiserpalast.

Oer Rosenkavalier^

im Hessischen Landestheater.

Nachdem mit Schluß der vorigen Spielzeit alt­bewährte Kräfte der Darmstädter Oper gegangen und eine vollständige Neubesetzung fast aller wichtigen Partien durch Neuengagements er­forderlich wurde, man aber von den neuver- p, lichteten Künstlern nur Namen und Herkunft wußte, muhte naturgemäß der Beginn der dies­jährigen Saison im Hessischen Landestheater dem größten Interesse des Publikums begegnen, was sich bei der Eröffnungsvorstellung (die der Tra­dition entsprechend immer eine Oper ist) durch ein vollständig ausverkauftes Haus dokumentierte. Man begann mit demR o s e n k a v a l i e r" von Richard Strauß.

Die musikalische Leitung lag in Händen von Dr. Schmidt-Isserstedt, der sicherlich dank der zur höchsten Klangschönheit gesteigerten Entfaltungskraft des Orchesters eine technisch einwandfreie Wiedergabe der Partitur erreichte, aber dennoch dem Gefühlsinhalt der perioden- mähig breit ausgesponnenen Melodien innerlich nicht voll gerecht werden konnte, da er sich der an Motiven und Themen so überreichen Musik vielleicht allzu verstandesgemäß näherte.

n$ Sir ohbachs Regie war schlechthin unübertrefflich: zielsicher im Aufbau des Bühnen­bildes bis zur detaillierten Bewegung des Per­sönlichen.

An neuen Kräften boten vor allem Erna ® £,? r 91 (in der Titelrolle), Inger Karen a ? Marschallin und Fritzi Iockl (als Sophie) gesanglich wie darstellerisch bewundernswerte Leistungen, die zu großen Hoffnungen berechtigen.

n<x ncn stunden von altbewährten Künstlern Theo Hermanns gut gesungener und charakte­risierter Lerchenau, Johannes Drath als stimm­lich ausgezeichneter Faninal. Auch die Besetzung nx r nctcn sollen war vortrefflich, so daß ein Gesamtbild von zwingender Gröhe und Schön­heit entstand. p. q.

Hochschulnachrichten.

Professor Heinrich Spangenberg an der Münchener Technischen Hochschule hat einen Auf auf den Lehrstuhl für Eisenbeton- und Brückenbau an der Technischen Hochschule Ber­lin erhalten.