Ausgabe 
16.7.1932 Erstes Blatt
 
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Recht auf die Wahrung und Pflege ihrer kulturellen Besonderheiten und Eigenarten durch den Rundfunk rauben fallen. Tatsächlich liegt die Gefahr nahe, das; dieProgrammkommissare" des Reiches sich nicht mit einer politischen Einflußnahme begnügen, son- dern auch kulturpolitische Einheitsbcstrebungen ver­folgen, die dem Rundfunk keineswegs zum Vorteil dienen, sondern ihn ganz einfach langweilig machen würden. Dennoch kann die Verlagerung der Staats­hoheit aus der Hand der Massenparteien und ihrer Beauftragten in die Hand einer partei­politisch neutralen Reichsregierung nicht vor dem Rundfunk Halt machen.

Die Reichsregierung hat wiederholt betont, daß sie die Rechte der Lander nicht a n t a st e n werde. Es würde dem konservativen Charakter der jetzigen Regierung durchaus entsprechen, wenn sie den kulturellen Sonderausgaben der deutschen Län­

der weitest gehenden Spielraum gewähren würde. Der Reichsinnenministcr hat denn auch in der Kon­ferenz mit den süddeutschen Ländcrvcrtretern und Rundfunkreferenten darauf hingewiescn, daß, wie auch immer die künftige Neuordnung des Nundfunk- wesens ausfallen werde, sich das Reich durchaus der Verantwortung bewußt sei, die Kulturpolitik des Rundfunks im Sinne jener Geschichtsauffassung zu beeinflussen, für die

die gesamte deutsche Kulturpolitik mit der Ge­schichte der deutschen Stämme unauflöslich ver­bunden

sei. Ausgcschaltet solle nur jener liberalisierende und k u l t u r b o l s ch e w i st i s ch e Einfluß werden, der nicht davor zurückschrecke, das deutsche Kultur- gut zum Objekt snobistischer und literarischer Zer­setzung zu machen.

Oie Abrüstungskonferenz vor -er Wende.

Soll Deutschland weiter Mitarbeiten?

Genf, 15. Juli. (TU.) Im Unterausschuß des Luftfahrtausschusses der Abrüstungs- konfereyz für die Zivilluftfahrt ist es heute wieder zu einer längeren scharfen Auseinan­dersetzung gekommen, die den

völlig festgcsahrenen und aussichtslosen Stand der Abrüstungskonferenz

von neuem grell beleuchtet hat. In dem zur Ver­handlung stehenden Abkommensentwurf über die Entmilitarisierung der zivilen Luft­fahrt waren von dem Berichterstatter einige Be­stimmungen ausgenommen worden, die den von der Botsckasterkonfercnz im Jahre 1926 den entwaffne­ten Mächten zwangsläufig auferlegten Regelungen der Zivilluftfahrt entsprechen. Diese Bestimmungen des AbkommcnsentwUrfes wurden jedoch auf das schärfste und leidenschaftlichste gerade von denjenigen Mächten bekämpft, die auf der Botschafterkonfcrcnz vertreten waren. Unerwartet erschien in der Sitzung der Präsident der Konferenz, Henderson, der über den ungewöhnlich schleppenden und erfolglosen Gang der Verhandlungen dieses Ausschusses unter­richtet war. Der Präsident des Unterausschusses des Lustfahrtausschusscs, der Schweizer W a l l o t o n , wies in einer längeren Rede, als Henderson im Saale erschienen war, darauf hin, daß es völlig unmöglich sei, in der bisherigen erfolglosen Weise weiter zu arbeiten und verlangte energisch eine end­gültige Entscheidung über die drei zur Verhand­lung stehenden Fragen: die allgemeine Regelung für die Entmilitarisierung, die Kontrolle und die Internationalisierung der Zivilluftfahrt. Der Vertre­ter Deutschlands, Ministerialdirektor Branden- bürg, stellte in der Aussprache die grundsätzliche Forderung auf, daß das Abkommen ein

vollständiges verbot des Bombenabwurfes aus der Luft

enthalten müsse. Dies sei der einzige Weg, um eine endgültige und vollständige Entmilitarisierung der Zivilluftfahrt durchzuführen und damit die Zivilluftfahrt für jede militärische Verwendung un­möglich zu machen. Dieser deutsche Vorschlag fand weitgshendcZustimmung einer großen An- zahl von Mächten, wird jedoch zweifellos wiederum abgelehnt werden, da die europäischen Großmächte, in erster Linie Frankreich, planmäßig jeden Versuch, auf irgendeinem Gebiete zu prakti chen Er­gebnissen zu gelangen, sabotieren. (Fa , eigte sich heute von neuem, daß die Abrüstungskon erenz in der bisherigen Weise nicht weiter fortgesetzt werden kann und daß

eine Mitarbeit Deutschlands an einem Ab­kommen über die Abrüstung jetzt vollständig untragbar geworden ist,

falls nicht eindeutig die Konferenz zur Entscheidung gelangt, daß das künftige Abrüstungsabkommen unterschiedslos für alle Mächte gilt und damit die bisherigen Fesseln der deutschen Wehrfreiheit fallen.

Blum warnt Herriot.

Paris, 16. Juli. (WTB. ^unkspruch.) Der sozia­listische Abg. L6on B l u m erteilt heute imPopu- loire" dem Ministerpräsidenten Herriot eine e r » ft c Warnun g. Er schreibt, am Montag werde in Genf das Schicksal der Lausanner Konferenz und natürlich auch das der A b - rüstungskonfercnz selbst entschieden werden.

Der hooversche Abrüstungsvorschlag werde gegenwärtig in der ganze» Welt als das ange­sehen, was man unter Abrüstung überhaupt ver­standen wissen will. Ec verkörpere den Ab­rüstungswillen und scheide diejenigen, die ab- rüslen wollten von denen, die sich der Abrüstung widersehen.

In Genf werde auch die Entscheidung über das Schicksal der Regierung Herriot fallen, desgleichen über die Kammermehrheit, die Herriot in der Rachtsitzung am 11. Juli unterstützt habe.

Englische Einsicht.

London, 16. Juli. (WTB. Funkspruch.) In einem von Lord Cecil und weiteren Persönlich­keiten unterzeichneten Brief an dieTimes" heißt es über die britischen Abrüstungsvor- schläae:Wenn die Vorschläge nicht zu völli- gcr Abschaffung der U-Boote führen, dann werden die britischen Ausgaben für Rüstun­gen in den nächsten Jahren ungefähr auf der jetzi­gen Höhe bleiben. Außerdem wird dann auch die Unterschiedsbehandlung gegenüber

England und Irland.

Ergebnislose Besprechungen in London.

London, 16. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der irische Ministerpräsident d e V a l e r a hat heute nach ergebnislosen Besprechung en mit Mac- d o n a l d London verlassen, um nach Dublin zu- rückzukchren.

Zaleski in Paris.

Paris, 15.Juli. (CRB.) Der polnische Außen­minister Zaleski ist heute vormittag in Paris angekommen. Man darf sich wohl fragen, ob diese unerwartete Ankunft des polnischen Außen­ministers mit der Frage des englisch.franzö- (ischen Bertrauensabkommens in Zu- ammenhang steht, das nach Ansicht rechtsstehender ranzösisct)er Kreise u. a. Ländern wie Polen of­fenstehen soll. Die Tatsache, daß Sir John Simon im Unterhause nur Deutschland, Italien und Belgien als die Mächte angeführt hat, die dem Abkommen beitreten sollen, ist bereits Gegen- stand einer kritischen Behandlung geworden.

M lkkWk Ml.

Original«Roman von Anny von panhuys.

Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.

9 Forti. j. Nachdruck verbotenI

Lil erwiderte ruhig:Die Person war reich­lich unverschämt, aber noch unverschämter von ihr ist es, über den unangenehmen Austritt zu reden, der ihr doch mindestens peinlich sein müßte."

Frau von Welp setzte sich, lächelte ihre Her- zensfreundin, die Daronin, an und erwiderte Lil:So, wie die Zofe, die wirklich nett und ge­schickt ist, die Sache erzählt, sind Sie ein bißchen sehr heftig." Sie seufzte betont.Schließlich kann man es Ihnen aber wohl gar nicht so sehr verdenken, denn Sie hatten ja in der Zeit, als Sie die Zofe entlassen mußten, ein anständiges Pack Sorgen. Ihr Vater wurde zum Selbst­mörder, hinterließ Ihnen die Schande seines Dankerotts

Weiter kam sie nicht, Lil stand mit z-ornsprü- henden Augen vor ihr.

Haben Sie denn kein Verständnis dafür, wie abscheulich und häßlich Sie zu mir sprechen, Frau von Welp? Schämen Sie sich!"

Sie raste zur Tür hinaus, in ihr Zimmerchen hinauf. Dort warf sie sich mit verzweifeltem Schluchzen über das Veit. Man sollte sie doch in Buhe und Frieden lassen, sie störte doch keinen Menschen, wollte von niemand etwas. Weshalb war Meta so gemein, weshalb quälte sie die Tante und wie durfte diese Frau mit den Fisch­augen ihr entgegenwerfen: Ihr Vater wurde zum Selbstmörder, hinterließ Ihnen die Schande des Dankerotts!

Sie weinte fassungslos und öffnete nicht, als ihre Tante nach ungefähr einer halben Stunde an die Tür klopfte.

Mach sofort auf", fordert« die etwas klang­lose Stimme der Daronin.

Lil rief verzweifelt:Laßt mich nur endlich alle in Ruhe! Ich habe es satt, mich von oben herunter behandeln zu lassen, weil mein armer Vater in einer Stunde der Verzweiflung aus dem Leben gegangen ist. Am liebsten täte ich es ihm nach, mir graut vor allen Menschen."

Die Daronin schien sehr zornig, sie befahl: Vor allem mach auf."

Lil erhob sich mit schweren Gliedern, sie war wie zerschlagen und ihre Augen brannten von den vielen vergossenen Tränen. Sie schloß auf Die Daronin trat hastig ein und betrachtete Lil mit verärgertem Gesicht.

Warum hast du nun eigentlich so geheult, daß du flau* entstellt aussiehst? Dir hat doch

niemand etwas getan. Frau von Welp hat es noch gut mit dir gemeint, hat es noch entschul­digen wollen, daß du dich so brutal zu der Zofe benommen hast. Hat es entschuldigen wollen mit deinen Sorgen in der Zeit."

Lil riß an ihrem Taschentuch herum.

Wie durfte sie zu mir den Vater einen Selbstmörder nennen und von der Schande des Dankerotts reden?"

Die Daronin erwiderte:Sie sagte doch nur, toaS wir selbst wissen, was ganz Frankfurt weiß. Sie ist meine beste Freundin, wenn sie hier in meinem Hause nicht einmal sprechen darf wie ihr der Schnabel gewachsen ist, dann müßte ich wahrscheinlich auf die Freundin verzichten, und dazu verspür« ich gar keine Neigung. Sie sitzt u>ntcn und ist furchtbar empört über dein Be­nehmen. Kühle dir die Augen und gehe hinunter zu ihr, entschuldige dich bei ihr; wie sich das gehört."

Lil machte eine Dewegung heftiger Abwehr.

Ich sollte diese taktlose Frau noch deshalb, weil sie taktlos gewesen, um Entschuldigung bitten, ich sie? Nein, Tante Adele, ich habe mir vorgenommen hier im Hause nachzugeben, soweit es irgend geht, aber zu der Frau sage ich kein einziges freundliches Wort, unter keiner De- dingung."

Die Baronin wurde ganz grau vor Auf­reg ung.

Du willst das nicht tun?" Ihre Stimme war jetzt ganz heiser.Weißt du denn aber auch, was du damit wahrscheinlich anrichtest? Nein? Nun dann will ich es dir erklären. Frau von Welp ist eine der angesehensten Damen der hiesigen Gesellschaft, und wenn sie verärgert unser Haus verläßt, gilt der Aerger sicher nicht nur dir allein, sondern auch Werner und mir. Wenn Wevner vielleicht in nächster Zeit einig« Pa­tienten verliert, kann er sich bei dir bedanken."

Lil strich sich über die Augen, die gar zu Kbr brannten und erwiderte empört:Sollte der Eimfluß dieser Frau wirklich so groß sein in

- ^^jigen Gesellschaft, dann wird Werner auch ni-cht gleich ohne Patienten sein. E r würde von mir nicht verlangen, ich soll mich bei einer Frau entschuldigen, die mich beleidigt hat. Er würde das nicht verlangen und ich täte es auch nicht. Ich habe auch meinen Stolz."

Sage lieber statt Stolz, du hast deinen Dick- kopf, deinen Eigensinn! Aber wie du willst, ich werde nachher mit Werner sprechen."

Die Baronin ging und Lil hörte, tote sie harten Schrittes di« Treppe hinunterstieg.

Frau von Welp fragte, als die Daromn eln- trat:Nun, will sich Lil Körner wegen ihrer Ungezogenheit bei mir entschuldigen?"

Die andere verneinte.

..Lil ist eigensinnig. Sie können mir glauben,

Itebe Freundin, ich habe mir mit ihr eine schreck-

Oer Wahlkampf.

Reichsfinanzminister a. O. Dietrich spricht.

W e i n h «i rn a. d. Bergstraße. 16. Iuli. (END.) In einer Wahlversammlung der Staatspartei sprach gestern abend hier Reichsfinanzminister a. D. Dietrich über das vergangene Kabinett, über seine eigene Politik als Finanz- und Ernäh- ruilgsminister, sowie über die gegenwärtige poli­tische Lage. Er gab einen weitausholenden ge­schichtlichen Rückblick auf die Ursachen und Zusam­menhänge der deutschen und der Weltwirtschafts­krise und umrih die Bemühungen des Kabinetts D r ü n i n g zur Beseitigung bzw. möglichsten Mil­derung und Abschwächung dieser wirtschaftlichen Krise. Zur Reparationsfrage bemerkte er daß zwar Dr. Brüning und er während der Lausanner Verhandlungen aus außenpoli­tischen Gründen geschwiegen hätten, jetzt aber könne er seine Meinung dahin präzisie­ren, daß es

für die deutsche Delegation in Lausanne nur ein energischesRein" hätte geben dürfen.

Das wichtigste Ergebnis der Lausanner Verhand­lungen sei aber, daß die Reichsbahn und die Reichsbank jetzt frei geworden feien. Im übrigen betonte er noch, daß das Kabinett Brüning die Reparationen zer st ört die Finanzen in Ordnung gebracht und die Ruhe im Lande aufrechterhalten habe. Bei dem heutigen Wahlrecht werde in absehbarerZeitkein Parlament zu st an bekommen, das eine Regierung bilden und arbeitsfähig erhalten könne.

Zentrumskundgebung in Berlin.

Berlin, 15. Juli (CNB.) Die Berliner Z e n t r u m s pa r t e i begann heute den Wahl­kampf mit einer großen Arb eiterku ndgebung im Lehreroereinshause. Landtaasadaeordneter Let­ter h a u s sprach überDeutsche Freiheit in der Vergangenheit und Zukunft". Man werde nicht ruhen, erklärte er, bis Brüning wieder die Führung der Regierüng übernehme. Herr von Papen sei nur eine Figur in der Hand eines Stärkeren. Man verlange, daß der Kanzler ehr­lich sage, was seine letzten Absichten seien. Das Zentrum sei gegen jede Diktatur einer Klassen-, Kasten- oder Parteiherrschaft. Es sei für den christlichen, den nationalen, den sozialen und den Freiheitsstaat.

Immer wieder Zusammenstöße.

Im Verlaufe einer Erwerbslosenversammlung in Langenselbold wurde gestern abend die im Saale stationierte Polizei wiederholt tätlich ange­griffen. Es fiel eine Reihe Schüsse, durch die eine Frau Becker, Mutter von drei Kindern, und eine junge verheiratete Frau namens H a l b s ch m i d t tödlich verletzt wurden. Ein Arbeiter erhielt einen schweren Bauchschuß. Ein Polizeibeamter wurde durch Messerstiche schwer verletzt. Er mußte in das Krankenhaus eingeliefert werden. Außerdem gab es noch eine Anzahl leichter Verletzte, da viele Ver­sammlungsteilnehmer, um aus dem Saale zu kom­men, den Weg durch die Fenster nahmen. Die Sani­tätskolonne hatte die ganze Nacht hindurch zu tun.

Wie die Polizei in Walsum (Rheinland) mit- teilt, kam es in der Nähe der Siedlung Vierlinden anläßlich eines nationalsozialistischen Umzuges zu schweren Zusammenstößen zwischen Nationalsozia­listen und Andersdenkenden. Um den Zug der Na­tionalsozialisten zu verhindern, wurden schwere Zementröhren, die zu Kanalisationszwecken in der Nähe lagen, auf die Straße gerollt und hieraus Barrikaden gebildet. Aus einem Gebüsch heraus wurde auf den Zug geschossen. Es gab einen Schwer- und mehrere Leichtverletzte, die dem Krankenhaus zugeführt wurden. Wie weiter berichtet wird, schossen die Kommunisten zuerst.

Dor dem Gewerkschaftshaus kam es in H a a l e a. d. S. gestern abend zu einem schweren Hand­gemenge zwischen der Wache der Eisernen Front und etwa 70 Nationalsozialisten. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Die Polizei verhaftete mehrere Personen.

Bei einer Demonstration der kommunistischen Antifaschistischen Aktion in Wittenberg griff die Polizei, die von der Menge angegriffen mürbe, zur Waffe. Ein Arbeiter erhielt einen Kopfschuß, ein zweiter wurde ebenfalls schwer verletzt. Eine Frau erlitt vor Aufregung einen Herzschlag.

Vor dem Braunen Haus in Görlitz kam es gestern abend zu schweren politischen Ausschreitun­gen linksradikaler Elemente. Aus der Menge her­aus fielen einige Schüsse, auch wurde mit Steinen und Biergläsern geworfen, so daß die Polizei sich genötigt sah, einige Schreckschüsse abzugeben und mit dem Gummiknüppel die Menge zu zerstreuen. Dabei wurden mehrere Demonstranten und zwei Polizeibeamte verletzt. Zahlreiche Personen, die im Besitze von Hieb-, Stich- und Schußwaffen waren, wurden feftgenommen.

Aus aller Welt.

Anschlag auf den Langenberger Sender?

Der am Langenberger Sender stationierte Polizei- Poften bemerkte an einem der letzten Abende zwei Männer, die sich in verdächtiger Weise in unmittel­barer Nähe der Sendetürme zu schaffen machten. Auf den Anruf des Beamten ergriffen die beiden Männer die Flucht. Als dec Polizeibeamte darauf- hin von seiner Schußwaffe Gebrauch machte, er­widerten hie Fliehenden das Feuer. Ob ein A n - schlag auf die Sendetürme geplant war, ließ sich nicht genau feststellen, doch läßt eine Äuße­rung, die der Beamte von einem der beiden Män­ner gehört haben will und in der von einer Zünd­schnur die Rede war, darauf schließen. Im Laufe der Nacht wurde ein Langenberger Kommunist verhaftet.

plccards Flug verschoben?

Wie dieNationalzeitung" aus Zürich meldet, soll der auf den 20. Juli festgelegte Aufstieg Professor Piccards nach den neuesten Mel- düngen noch um 14 Tage verschoben werden.

liche Last ins Haus geholt." Sie seufzte.Das Mädel ist falsch erzogen, sie ist verdreht, voll­ständig verdreht."

Frau von Welps helle Fischaugen glitzerten.

Ihr Sohn interessiert sich für Lil Körner, nicht wahr? Aber wozu frage ich, ich weih das ja so gut tote eS alle unsere Bekannten wissen. Eigentlich schad«, daß er die Neigung hat, er könnte doch gai^z andere Partien machen. Der Bankerott Körner ist doch eine ziemlich tolle Sache, und wenn auch die Gläubiger einen großen Teil ihres Geldes erhalten haben, soll doch mancher sehr geschädigt worden sein. Ich meine, unter uns, liebste Freundin, und weil wir uns doch schon so lange kennen, Sie mühten alles versuchen, um Sie blinzelte.Nun ja, Sie verstehen mich schon. Lil Körner ist ja jetzt fast unmöglich, finde ich. Was ihre frühere Zofe er­zählt, ist, zusammen mit ihrem Betragen heute, doch wirklich blamabel."

Die Baronin stimmte ihr zu.

Sie ist unausstehlich, auch zu mir. Ich gäbe wer weiß was drum, wenn sie nicht hier wäre, ich habe mein« Gutmütigkeit schon schwer bereut.

Di« andere nickte verstehend.Ich wünsche Ihnen von Herzen, daß Ihr Sohn nicht etwa die Dummheit macht, sie zu heiraten, mit dem Benehmen verscheucht sie ihm alle Patienten!" Sie erhob sich.Ich muß nun gehen, Liebste. Besuchen Sie mich bald einmal, hierherkommen kann ich leider nicht mehr, ich möchte ein Zu­sammentreffen mit Ihrer Nichte vermeiden."

Als Werner eine halbe Stunde später nach Hause kam, fand er feine Mutter in sehr er­regter Stimmung. Sie berichtete, färbte ihren Bericht aber sehr willkürlich, stellte das Bor- gefallene so dar, daß Lil fast schuldig schien.

Werner Sturm war von seiner Mutter von klein an mit großer Liebe behandelt worden, er hing sehr an ihr. Ec sagte:Frau von Welp ist, ber^erbe Mutter, keine sehr angenehme Dame, ihretwegen sollte Lil wirklich keine Träne weinen dürfen."

Werners Mutter machte eine Dewegung des Bedauerns.

Du bist in das Mädel zu verschossen und stehst gar nicht mehr klar. Wenn dir der Dor- fall mit Frau von Welp nicht genügt, will ich noch hinzufügen, auch ich hatte schon mehrere un­angenehme Szenen mit Lil. Sie ist jähzornig, jungenhaft und rücksichtslos. Ich hab« dir nichts davon erzählt, aber am Tag« ihres Hierherkom- m«ns hatte sie ihrer Zofe Meta, die nach ihrer Meinung nicht gut genug einpackte, mit der Faust ein paar Stöße gegen den Mund gegeben, ich mußte der Person ein Schweigegeld in die Hand drücken. Nun ist Meta bei Frau von Welps Nichte, einer Gräfin Kurzmann, Zofe, und hat die dumm« Geschichte dort erzählt." Sie holle

Die Gondel mit den Instrumenten ist immer noch nicht in Zürich eingetroffen. Man erwartet, daß Professor Piccard in den letzten Julitagen sie selber herbringen und dann mindestens vier bis fünf Tage ZU Startborbereitungen benötigen wird, so daß der Aufstieg frühestens in der ersten August» woche erfolgen dürfte.

Fingerhut fordert 4 Millionen Mark Entschädigung.

Der Vohwinkeler Fabrikant Fingerhut, der nach einem Wiederaufnahmeverfahren wegen er­wiesener Unschuld von der Anklage der Hehlerei freigesprochen worden war, hat jetzt feine Entschädigungsforderung für unschul­dig erlittene ^Intersuchungshaft und Schädigung seines Geschäftes eingereicht. Die Forderung be­läuft sich auf mehr als 4 Millionen Mark.

Paratyphuserkrankungen in einem württembergifchen Dorf.

In Buch bei Ilbertissen (Württemberg) sind nach dem Genuß von Fleisch einer notgeschlach­teten Kuh 40 Personen erkrankt, darunter

tief Atem.Du kennst Lil gar nicht richtig, zu dir ist sie nie so schrosft und rücksichtslos wie zu mir, aber ich fürcht«, wenn ihr erst verheiratet seid, wirst du ihr unbändiges Wesen auch kennen lernen. Leider ist es dann zu spät", erklärte die Mutter Werners seufzend.

Mutter!" Werner Sturms Augen sahen die Mutter entsetzt an.Du denkst doch nicht etwa, ich soll Lil wieder aufgeben?" Er preßte die Handflächen aneinander.Die Idee wäre gar nicht auszudenken traurig. Ich liebe Lil, und sie liebt mich."

Wenn sie fo bleibt wie jetzt, kannst du nicht glücklich mit ihr werden", gab sie zurück.

Lil hatte Frau von Welp Weggehen und Werner kommen hören. Sie hatte ihre Augen gekühlt und war hinuntergegangen, Werner zu begrüßen. Sie wollte sich, falls seine Mutter zu ihm von der häßlichen Szene sprach, verteidigen und sein Urteil anrufen.

Ehe sie ins Wohnzimmer trat, horte sie ganz deutlich, wie Werner sagte:Ich werde schon glücklich mit Lil werden, sie muß eben vorher noch ein bißchen lernen, ihre allzu heftigen Emp- sindungen zu zügeln und nicht immer auszuspre­chen, was sie möchte. Du wirst ihr das schon bei­bringen, Mutter. Ich mische mich nicht ein. Du bist so vollkommen Dam«, daß ich nur wünschen kann, sie wird dir ähnlich darin, wird einmal tote du!" Lil, die eben die Tür hatte öffnen wollen, zog leise die Hand vom Drücker zurück und schlich auf den Zehenspitzen wieder die Treppe hinauf. Nun sie sich erst wieder oben in ihrem Zimmer befand, war ihr zumute, als ob sie einen endlos weiten Weg zurückgelegt hätte. Sie mußte sich setzen. In ihren Ohren klangen noch die Worte nach, die Werner eben zu feiner Mutter gesagt.

Für ihn war die Mutter «in Ideal, und des­halb wünscht« er, sie selbst würde seiner Mutter ähnlich. Also durfte sie kaum damit rechnen, bei ihm Verständnis für ihre Not zu finden.

Sie grübelte sich den Kopf müde. Sie glaubte jetzt kaum noch an ein Glücklichwerden mit Wer­ner. Er stand zu sehr unter dem Einfluß feiner Mutter und feine Mutter war ihre Freundin nicht.

Sie überlegte, es wäre am besten, sie könnte von hier fort, je weiter fort, um so besser. Sie siihlte sich unglücklich in ber Stadt, in der sie so Trauriges erlebt, und sie sann, sie würde sich heut« noch heimlich aus dem Hause schleichen, wenn sie nur wüßte, wohin. Die Welt war doch groß, irgendwo darin mußte «s doch ein Plätz­chen geben, wo sie den verlorenen Frieden wie­der finden konnte.

Sie faltete die Hände, murmelte vor sich hin: Ich hab« dich unendlich lieb. Werner, aber es ist besser, ich ginge fort für immer!

(Fortsetzung fol^Q