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16.6.1932 Erstes Blatt
 
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Feuer.

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Jahrerrechnung Durzburg abaeha? «rfammfung formte ältliche Anzahl La-Vertreter der 'UA fa Dcuischen il^cn Eeiverbekam- laerimiungsverbm- Zsorth sprach über Müllerei" und Ge- I- ßdarbl von der dPoldiSwalde über: belvertung und De- ug über loirtschaftS- inmühsen-Teloeiber

föaupfMt

>en 16. Juni 1931

i Sommer.

Forderung, daß der notwendig ist, ja leider noch Men- :ndigkeit der Bogel- überzeugt sind und igen Fütterung bei ^freunde einsallen, der Tisch ist ja für ich gedeckt. Etwas chen, wo es an slie- ier Sutilnol ju ge- > Bedürsnis, bei gro- mit Wasjertrunk sich jben. Wer hätte sich i Buchsink im dünn dell", dabei mil den > Federkleid mit dem sich, daß die moderne bedürsnis der Bogel chlung von stachen ien und künstlichen hierbei der Wanke -eck ist, io ist " doch nd. Jedermann, der n sich aber auch sur en künstlichen Trink- rfflb auch eine slache KN-« n«-11 erdglcich einsegr°d-n, len schon den 3®.c°: cht- Damit gu e o'ch i vorhanden .st, I°l schwerk nicht 'N de Md wird durch «ne cobadjtcn des S'st^i igen Adelns * . « W:- /«yfferW 9't?n h« Ueberland- ^st^ des " einige erh'nder^ un|(r- sperrig u" aU$

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Eines immerwährenden Schutzes bedürfen die Bogel, die durch die Kultur immer mehr zurückge­drängt werden. Es sind die» die äutzerft selten ge- wordene Blaurake, das überaus nützliche Blaukehl­chen und der leider oft noch wegen seine» geringen Schadens verfolgte, im Prachtgefieder glanzcnoe Eisvogel. Bw.

£if(en(5onntt)endfeier auf dem Hoherodslopf.

Die au- dem heutigen Anzeigenteil eriichtlich ist, findet die Sonnwendfeierde rRSDAP auf dem HoherodSkopf, in deren Verlauf Adolf Hitler zu den Besuchern sprechen wird, am kommenden Sam-tag in der Zeit von 17 bis 20 Uhr statt. DaS Postamt Sieben hat zum Be­suche dieser Veranstaltung von Sieben au« KraftomnibuS-Sonderfahrten vorge­sehen, die um 14 Uhr vom Hauptpostamt und um 14,10 Uhr vom LudwigSplatz auS nach dem Hohe- rodSkopf abaehen werden. Die Omnibusse sind natürlich auch für die Rückfahrt nach Sieben vor­gesehen RähereS in der heutigen Anzeige-

Klagelied über den Roller.

Der kennt da- Ding nicht, mit dem die Buben Und Mädchen tagtäglich sich abtollen?

Auf Streben und auf Bürgersteigen

Mit Poltern unS entgegenrollen

Der rechte Fuh steht auf dem Brette, Der linke .stumpf' mit Kraft die Erde, ES gibt ein Rennen um die Wette Mit dem Fahrrad und dem Pferde.

Die Fahrt wird immer ungestümer, SS gibt kein Stoppen und kein Halten, Selbst wenn sie auf die .Publikümer" Oft nach schärfstem Endspurt prallten.

Gefürchtet ist deshalb da- Rollen

Bei allen biederenSieffer Bergern", Weil sie nicht umgerannt sein wollen Und weil sie sich nicht krank woll'n ärgern.

.Gewitterkeil" flucht ein Schustermeister, Dem endlich die Seduld geriffen.

Weil ihn ein LauSbub, so ein dreister

Mit dem Roller beinah' umgeschmissen.

.Weil bei dieser tollen Rollerhetze

Der Kuckuck soll sie heut' noch swle, Sich nor die linke Schuh' abwehe Krieg einen ich nor zum Besohle."

H.E.

Meine Daunendecke.

Weil meine Daunendecke mir zu kurz ist, hab ich beim Schlafen immer das Gefühl, daß sie im besten Falle nur ein Schurz ist, und irgendwo ist eS dann immer kühl.

Seh ich zu Bett, so zieh ich meine Decke biS an das Kinn. So ist eS stets geschehn.

Och schlafe ein. Erwache und erschrecke, denn unten kann ich meine Zehen sehn.

Och fah die Decke bann mit meinen Zehen und deck die Zehen durch die Zehen zu.

Och denke mir, so wird eS jetzt wohl gehen, und lege mich erneut zu kurzer Ruh.

Och seh im Traum jeht weihe Blütenbäume und treibe selig durch die Lüfte hin;

doch ein Gefühl stört plötzlich meine Träume: Och wache auf, mich friert eS jetzt am Kinn.

Och denke nach. Soll ich der Decke Ränder an meinen Zehen, ebenfalls am HalS befestigen durch starke Summibänbcr?

DaS wäre noch ein AuSweg allenfalls.

Doch reibt ein Banb und schnellt mir an die

Sohlen, dieweil ich schlaf, so schrecke ich zur Höh unb benk vielleicht, man schiebt hier mit Pistolen!

Unb bennoch sriert'S mich an ber groben Zeh.

Och schlafe toieber ein. Genau gemessen bedeckt die Decke Zehen mir unb Kinn.

Och träume süß. Ein kalter Hauch inbeffen streicht wieder über meine Zehen hin.

Und wieder zieh ich meine Daunendecke mit meinen Zehen zehenwärtS unb glatt, unb weih jetzt endlich auch, zu welchem Zwecke ber Mensch an seinen Füßen Zehen hat!

Puck.

Oie Berufsberatung beim Arbeitsamt Gießen.

Die Berufsberatung wurde itft Berichtsmonat Mai -ron 178 Ratsuchenden (137 männlichen, 41 weid- ji^en) mit verschiedenster Schulbildung in Anspruch genommen. Der größte Prozentsatz derselben stand Dieberum völlig unentschlossen vor der Berufswahl. Diese Unentschlossenheit war in manchen Fällen in- folge der unsicheren Wirtschaftsverhältnisse so groß, Laß sich eine bestimmte Berufsentscheidung, der man keineswegs aus dem Wege gehen wollte, kaum her- »eiführen ließ. Die starke Einschränkung der Berufs- vahl durch den schlechten Gesundheitszustand lieler Jugendlicher erschwert die rechte Berussent- scheidung noch im besonderen Maße. Auf andere lieber wirkt die augenblickliche Berufslage gerade im umgekehrten Sinn, sie überlegen überhaupt nicht mehr und sind geneigt, jeden Derufsrat und jede sich bietende Lehrstelle anzunehmen, nur um unter- zukommen.

Die männlichen Besucher äußerten 32, die weib­lichen 7 verschiedene Berufswünsche. Am begehrtesten □aren die kaufmännischen Berufe, dann folgten die Berufe des Metzgers. Bäckers, Schuhmachers, der Schneiderin und Hausgehilfin. Auffallend ist, daß außer den kaufmännischen Berufen (die schlechtweg, besonders auf dem Lande, alsbessere" Berufe gelten, als wenn nicht jeder Berus, in dem man Züchtigeres zu leisten vermag, der eigenllich bessere ei) die sonst üblichen Modeberufe wie Elektriker, !lutojchlosier, Friseur etwas in den Hintergrund :reten. Berufe, in denen die Lehrlinge Kost und Wohnung erhalten, sind zeitgemäßer geworden.

Das Schnellgerichts-Verfahren.

3m Anschluß an den Berscht in Rr. 132 beS .Siebener Anzeiger" mit ber Ueberschnft .Schnellgericht wegen SttahenschmierenS' wirb uns geschrieben:

Die prvpaganb.stischen Oclsarbcninschristen zier­ten erst wenige Stunden baS Sttahenvllaster alS die vier Täter schon ermittelt waren, und wieder wenige Ltunben danach waren fie schon durch den Schnellrichter verurteilt. E- ist bieS ein typi­sches Beispiel für ein Schnellge­richtsverfahren besten Wesen aber nicht selten verkannt wirb. On Laienkreisen herrscht viel­fach bie irrige Meinung, bie ber Verhandlung zu­grunde liegenden Vorgänge, namentlich solche po­litischer Art. würden in bewegten Zeiten bei den Gerichten durchgepeitscht, um baldmöglichst zu einem Urteil zu kommen und bie rasch« Sühne der Straftat der Allgemeinheit alS abschreckenbcS Bei­spiel vor Augen zu führen. DaS trifft durchaus nicht zu. Die Hauptverhanblungen unterscheiden sich. waS Sründlichkeit und Tempo anlangen, durch nichts von denjenigen im ordentlichen Ver­fahren. Sie fallen, legt man besonderes Gewicht auf den Rarnen. auS dem Schncllgerichtsveriahren heraus, oder bilden nur da« letzte Glied dessel­ben. Vollauf zutreffend ist der Rame nur für die Zeit von dem Abschluß der Ermittelun­gen an biS zu der Hauptverhandlung. 3n diesen Zeitraum fällt eine ganze Reihe wich­tiger Prv^esthandlungen die weit über den Gang beS gewöhnlichen Verfahrens hinaus von ben Ge­richten unb den Staatsanwaltschaften wesentlich beschleunigt werben können, DaS Oustizmini- sterium hat diesen Behörden bestimmte Richt­linien gegeben, um diese Möglichkeit, insbesondere bei politischen Strafprozessen, in der au-giebigsten Weise auSzunutzen. selbstverständlich stet- im Rahmen der Gesetze. Auch der § 212 der RcichS- strasprvzeßordnung (Hauptverhandlung ohne schriftlich erhobene Anklage und ohne Entschei­dung über die Eröffnung deS Hauptverfahrens unter gewissen Voraussetzungen) gibt eine Hand­habe dafür, die einschlägigen Strafsachen zu einer beschleunigten Aburteilung zu bringen. Dazu kommt, daß durch die Verordnung deS Herrn Reich-Präsidenten vom 18. März 1931 für die An­wendung der genannten Gesetzesstelle ein erheb­lich erweiterter Spielraum geschaffen worden ist.

Der Angeklagte kann, wie die- schon oben an­gedeutet wurde, in ber Hauptverhandlung alle Rechte, bie ihm versallungsmäßig und auf Grund der ReichSstrafprozeßordnung zustehen, ausüben. Seine Verteidigung darf unter keinen Umständen beschränkt werden. Er darf sich eines Verteidi­gers bedienen unb sachdienliche Anträge stellen, auch zwecks restloser Klärung ber Sache solche auf Vertagung. Der Richter muß auf diese eine Ent­

scheidung fällen. Daß er auch alle zur Entlastung des Angeklagten dienende Momente berücksichtigt, ist eine Selbstverständlichkeit; ebenso selbstver­ständlich ist es. daß er auch von Amt-wegen bie Verhandlung, etwa zwecks Herbeischaffung wei­terer Beweismittel, vertagen kann, all da- auf die Gefahr hin, daß durch die AuSsehung ber Verhandlung zunächst ein Stillstand deS Schnell­gericht-verfahren- eintritt unb dieses in daS ordentliche Verfahren über geleitet wird. Kaum einer Erwägung wird e- bebürfen, daß der Der- urteilte alle »hm gesetzlich zu stehenden Rechts­mittel gegen die Gericht-erkenntni sfe einzulegen befugt ist.

Orrtümlich ist auch die Annahme, die Ange­klagten ständen im allgemeinen dem Schnellrichter mißtrauisch gegenüber. TaS Gegenteil kann Wohl behauptet werden. Die Mehrzahl der in Betracht kommenden Angeklagten haben ollensichtlich Ver­ständnis für ein möglichst rasch gegen sie durch- zuführendeS Strafverfahren. Sie wünschen ge­radezu eine schnelle Erledigung ihrer Strafsache, um baldigst Gewißheit über bie Folgen ihrer Straftat zu erhalten unb von ber Polizei- bzw. Untersuchungshaft, falls eine solche emgetreten ist. verschont zu werben. Oeber Polizeibearnte, ber bei Festnahmen ober ben ersten Ermittelungen tätig war, wird die- bestätigen tonnen. Allerdings farm eS auch vorkommen, daß der eine ober ber anbete Angeklagte sich bet einem derartigen Wunsch von dem Gedanken leiten läßt, auf diese Weise würden die Rachforschungen nach seinen persönlichen Verhältnissen, nach feinem Vorleben und namentlich nach seinen Vorstrafen mindestens erschwert werden. DaS mag vielleicht äu einem kleinen Teile in manchen Fällen richtig fein; hin­sichtlich seiner Vorst raf en irrt er aber gewiß, denn diese pflegen in allen Fällen vor der Haupt- verhandlung eingeholt zu werden, evtl, mit Hilfe des Telephons, oder des Telegraphen, Atoci Verkehrsmittel, die im Schnellgerichtsverfahren eine sehr beachtliche Rolle spielen.

DaS Straf Vollzugs verfahren wird nicht zu dem Schnelligkeitsverfahren gerechnet werden kön­nen, wenn auch für dieses von dem 3uftiAmini- fterium ebenfalls Richtlinien gegeben sind, dahin­gehend, bah namentlich bei QJerurteilungcn we­gen politischer Vergehen unb hier inSbesonbere bei Zusammenstößen politischer Art, ber Straf­vollzug unverzüglich unb ohne RücksichtSnahmen duvchgesührt und eine Vergünstigung, z. B. ein bedingter Strafaufschub, nur ausnahmsweise dem Verurteilten gewährt werden soll.

Abschließend fei gesagt, daß die Einrichtung ber Schnellgerichte sich bis jetzt im Dolksstaat Hessen im allgemeinen bewährt hat.

Bel einer Anzahl von Ratsuchenden war vor der endgültigen Beratung noch eine ärztliche bzw. psychologische Eignungsuntersuchung notwendig. An eine Reihe von Arbeitgebern mußten einzustellende Lehrlinge auf ihre voraussichtliche Berufseignung be. gutachtet werden.

Reuangemeldct wurden offene Lehrstellen (16 für Knaben 4 für Mädchen), 20 Zuaendliche (16 Knaben, 4 Mädchen) konnten In Lehrstellen vermittelt werden. In den Außenbezirkssprechstunden fanden 42 Beratungen und 6 Lehrstellenvermittlungen statt.

Bornotrzen.

Tageskalender für Donnerstag: nationale Einheitsliste, 20.30 Uhr, Eaf6 Leib, Wahl-Kundgebung. Oberhessische Sesellschaft für Qlatur- und Heilkunde, Raturwissenschaftliche Abteilung, 20.15 Uhr, Hörsaal des Geologischen Instituts, Sitzung; Lichtbilder-Vortrag von Ober­bergrat Dr. h. c. Köbrich überGeologie und Raturschutz", anschließend Mitteilung von Prof. Henneberg überDie Wollhandkrabbe im Lahngebiet?" Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Hort".

Das Lichtspielhaus Gießen gibt ab heute, Donnerstag, nochmals den vaterlän­dischen TonfilmV ort" mit Werner Krauß, dem größten deutschen Schauspieler, in der Haupt­rolle Von höchstem künstlerischen Wollen beseelt, hat die Ufa alle nur erdenklichen künstlerischen und technischen Mittel aufgeboten, um den Film Vork" unter möglichster Wahrung des histori­schen Geschehens als ein beispielloses Werk er­stehen zu lassen. Oeder Deutsche muh diesen Film sehen. (Siehe heutige Anzeige.)

Vom städtischen Bebauungsplan. On einer D kanntmachung im heutigen Anzeigen­teil teilt die Stadtverwaltung mit, daß der Stadt­rat den Bebauungsplan über das Gebiet zwischen dem Alten Friedhof und der Bahnlinie Gießen Gelnhausen unb einer entsprechenden Ortsbau­satzung zugestimmt hat. Osienlegungs- und Ein­spruchsfrist vom 23. Ouni biS 9. 3ulL Räheres in der Bekanntmachung.

Vermietung ber Warktlauben Die Stadtverwaltung schreibt in unserem h utigen An­zeigenteil bie Reuvermietung der Marktlauben für die Zeit vom l.Ouli 1932 bis 33. Ouni 1933 aus Interessenten seien auf die Bekanntmachung be­sonders hingewiesen.

EineRachtragsordnung zur Ver­gnügungssteuer liegt im Stadthaus Berg­straße vom 17. Ouni ab auf eine Woche zur Ein­sicht offen. Räheres in der Anzeige.

,e Wertsachen in denBadeanstalten a b g e be n! Bei der Kriminalpolizei sind in ben letzten Tagen Anzeigen über Dicb'tähle in Bade­anstalten eingelaufen. Die Polizei empfiehlt allen Badenden dringend, die Wertsachen an den Schal­tern der Badeanstalten zur Aufbewahrung ab­zugeben. um dadurch mit Sicherheit vor Verlusten bewahrt zu bleiben.

Roheitsakt am Schulhaus in den Eichgärten. Der heutige Polizeibericht meldet:

On der letzten Rächt wurden an dem Schulhaus- bau in den Eichgärten sieben große Fenster­scheiben von unbekannten Tätern eingeschlagen. Der Sachschaden ist erheblich. Ueber den oder die Täter ist bisher noch nichts bekannt.

** Was i st Anthroposophie? Im Härsaal 45 der Universität sprach gestern abend Dr. Leiste- Magdeburg über bas ThemaWas ist Anthropo­sophie?" Seinen Ausführungen sei folgendes ent­nommen: Anthroposophie sei das Wissen um den leiblichen, seelischen und um den geistigen Men- schen. Sie wolle den Menschen aber nicht von ber Religion, von der Kunst oder allein von der Wissen­schaft her sehen. Steiner habe sie als Geisteswissen­schaft gewollt. Die Frage sei allerdings, wie sich die Anthroposophie in die Wissenschaft hineinstelle. Kon- tret wisse die Wissenschaft nur vom leiblichen Men­schen. Aus der Naturwissenschaft heraus könne man auch nur das Leibliche erkennen, das Leben als solches verschließe sich dem Blick. Die Lebenskraft an sich könne man nicht sehen, lediglich ihre Wir­kungen seien sichtbar. Die Psychologie wünsche die Zusammenhänge näher zu erkennen. Das wissen- schaftliche Ergebnis müsse aber als noch sehr gering betrachtet werden. Man müsse versuchen, konkrete Antworten zu geben auf die Frage nach dem Wesen der Existenz desIchs". Rudolf Steiner, der Be- gründer der Anthroposophie, sei der Meinung, daß eine organische Weiterbildung der Naturwissenschaft zu Erkenntnissen führen müsse. Er habe sich in der Verfolgung dessen an eine geistige Wirklichkeit herangearbeitet, die er von der Mathematik her als zu schaffen für möalich halte. Gleichzeitig habe er den Begriff derIntuition" am Mathematischen entwickelt. Das Resultat feines geistigen Experimen­tierens sei die geistige Erfahrung. Erkenntniste könnten nur durch Intuition errungen werden. Die Intuition sei also ein Organ des Geistigen. In der Folge habe sich deshalb Steiner gegen Kant und für Goethe entschieden. An Goethe zog ihn weniger der Dichter (den er verehrte), als der Naturwissen­schaftler an. Dabei aber weniger wiederum seine naturwisienschaftlichen Erkennisse, als seine Art der naturwissenschaftlichen Betrachtung. Goethe sage, es müßten des Leibes Augen mit des Geistes Augen in lebendigem Bunde wirken. Das sei noch Rudolf SteinerImagination" zu nennen, die er zu exakter Imagination entwickelt habe und die ihm reale Ge.sterkcnntnis geworden ist. Die Philosophie Steiner sei eine Auswertung Goethescher Denk­praxis. Er habe eine Erkenntnistheorie des imagina­tiven Bewußtseins geschaffen. Dieses imaginative Bewußtsein sich zu erringen, sei schwierigste Auf­gabe der neueren Kultur. Die Imagination lasse nicht nur eine Auswertung der leiblichen Funktio- nen, sondern auch der seelisch geistigen zu. So führe die Anthroposophie auf dem Wege der moralischen Bewußtseinsänderung von der allgemeinen Wissen­schaft ab. Es sei die Werbung bes geistigen Men- schen. Anthroposophie wolle keine Religion sein, sie streife nur bie Religion, denn das Ehristentum rücke im Lichte ber Anthroposophie in bie Sphäre ber Er­kenntnis da, wo es sich bisher als Glaube bargetan habe. Die Glaubenselemente, bie Realitäten bes Christentums würben faßbar werben. Die Antropo-

fopbie fei fo wahre Schicksalswisienfchaft. Der Vor­trag wurde von ben Zuhörern nui gespannter Aufmerksamkeit verfolgt

Versammlung der Gießener Fuhrunternehmer. Man berichtet unS über eine Versammlung der Fuhrunternehmer unserer Stadt folgendes: Die Gießener Sufrruntcmebmcc hielten dieser Sage in ihrem Versammlungslokal eine gut betuchte Versammlung ab. Dabei kam ins­besondere die Konkurrenz des städtischen Auto- suhrparkeS zur Sprache, die nicht nur ein altes Gewerbe vernichte sondern auch die Gießener Steuerzahler erheblich schädige, da die Unter­haltung des ftädttschen Fuhrbetriebes weit teurer sei, als daS private Fuhrgewerbe. Dieselbe Ar­beit, die z. B heute die drei Müllautos mit einem Anlagekapital von etwa 120 003 Mark und einem großen Aufwand an Zinsendienst, Amortisation, Reparaturkosten, Bedienung, Betriebsstoff usw. leisten, könnten 4 biS 5 Pferde vollbringen unter einem Aufwand von etwa nur einem Viertel der genannten Summe Daß die städtische Mull- abfuhrgedühr dann gaiu wesentlich zu senken mög­lich sei, liege auf der Hand. Die jährlichen Aus­schreibungen der städtischen Fuhrleistungen wür­den eigentlich nur der Form halber getätigt, denn den größten und besseren Teil der Fuhrleistungen lasse die Stadtverwaltung doch durch ihren eigenen Fuhrpark auSsühren. Daß diese jährlichen Aus­schreibungen der Fuhrleistungen nur der Form halber erfolgen, gehe schon daraus hervor, daß die diesjährigen Akkordanten die bereits schon ein Vierteljahr daS Fuhrwerk an Hand haben, bis heute noch keinen Vertrag unterschrieben hätten. Es wurde ferner festgestellt daß bereits grobe Städte der wirtschaftlichen Rotlage Rechnung ge­tragen und ihren Fuhrpark eingeschränkt. oder ganz eingestellt haben. Die weit d^ S FuhrmannS- gewerbe in Gießen nicht ohne die Schuld der Stadtverwaltung bereits geschädigt wurde, be­weise die Tatsache, daß die Fuhrwerksbesitzer nicht mehr in der Lage seien, ihre Steuern zu bezahlen. Einige der Fuhrunternehmer haben sogar bereits das Wohlfahrtsamt in Anspruch nehmen müssen, nur um ihr Leben fristen zu können. Da eS nicht nur im Interesse der FuhnverkSbesiher sein könne, sondern auch im Interesse deS Handwerks und sonstiger Steuerzahler liege, daß Abhilfe geschaf­fen wird, wurde einstimmig beschlossen, demnächst eine öffentliche Protcstversammlung abzuhalten.

Hauptversammlung des Kreisrinder- zuchtvereinS für hessisches Fleckvieh.

Li ch, 15. Ouni. Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Müller- Ober-Hörgern fand hier dieHauptversammlungdcSKrei»- ri n de rz u ch t ve re i n S für hesfifche» Fleckvieh im Kreise Gießen statt. Ge­schäftsbericht und Rechnungsablage für 1931 zeig­ten einen günstigen Stand. Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1932 61 Gemeinden und 400 Einzelmitglieder mit 720 Herdbuchtieren. Der Verein ist gegen das Vorjahr auf seiner Höhe geblieben. Von den korporativen Mitgliedern ist bie Gemeinde Hattenrod ausgetreten. 3n 1931 wurden 191 Tiere neu angelört. 24 Mitglieder wurden neu auf genommen, dagegen sind 21 Mit­glieder ausgeschieden und 182 Tiere geschlachtet bzw afcgefd)afft worden. AIS Zuschuß für di« Milchleistungsprüfung wurde ein Betrag von 40- Mark an den Landwirtschaftskammer-AuS- schuß abgeführt. Geschäftsführer B ü ch S l e r er­stattete die Oahresrechnung; die Einnahmen be­trugen 2319 Mark, di« Ausgaben 1318 Mark, das Vermögen des Kreisvereins zeigt 3768 Mark. Der Voranschlag für 1932 wurde mit 1409 Mark in Einnahme und Ausgabe angenommen. Für Stallschauen, di« Anfang Juli im Bezirk Lich durchgeführt werden sollen, wurden 300 Mark, für eine Buttenhalteprämiierung 110 Mark ein­gestellt. Bei der Beratung des Voranschlags toutbe der Mitgliederbeittag um ein Fünftel gegen 1931 gesenkt.

Der Direktor des staatlichen Q3eterinät-Unter< suchungsamtes Gießen, Oberveterinärrat Dr. R o ß k o p s, gab sodann in einem Vortrag über Freiwillige Tuberkulosebekämpfung" lehrreiche Aufschlüsse.

Den Bericht über die DLG.-Ausstellung in ' Mannheim erstattete Oberlandwirtschaftsrat Dr. W aa ne r-Gießen. Wenn auch das Fleckvieh, so führte er u. a. aus, nicht übermäßig stark ver­treten war, so bedeutete Mannheim doch einen Erfolg dieser Rasse. Gegen Stuttgart 1926 hab« sich der Typ des Fleckviehs wesentlich wirtschaft­licher gestaltet. In bezug auf Körperbau unb Milchleistung seien bedeutende Qkrbefferungen festgestellt worden.

Unter Punkt Verschiedenes wurde angeregt, dah daS Ompfferum billiger geliefert werden solle.

Wettervoraussage.

Weiterhin hält ber skanbinaoische Hochbruckeinfluß ftanb, so baß seine ausfließcnden ßuftmaffen zur Fortbauer ber herrschenden Wetterlage führen.

Borhersage für Freitag: heiter, warm unb trocken.

Lufttemperaturen am 15. Juni: mittags 23,4 Grab Eelsius, abenbs 19 Grab; am 16. Juni: morgens 16,8 Grab. Maximum 24 Grab, Minimum 13,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15 Juni: abends 14,6 Grab; am 16. Juni: morgens 18,6 Grad. Sonnenscheinbauer 3)4 Stunben.

Verantwortlich für das Feuilleton: i. D. Dr. Fr. W. Lang e.

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