Besucher aus meinem Arbeitszimmer, In dem sich Hunderte von wichtigen Akten noch unerledigter Fälle befinden. Draußen schärfe ich noch einmal dem Diener in der Anmeldung ein, ja aufmerksam zu sein und Unbefugte nicht in mein Büro zu lassen, nicht ein. Ich weise ihn aus dem Zimmer und verbiete ihm zum letzten Male jede Rückkehr.
Er kommt wieder. Jeden Tag. Immer in neuen Masken. Mit anderen Angeboten. Mal als älterer Bürger im Pelz vermummt. Bietet mir Sreiswert Winterkleider an. Mal als angeblicher bgesandter eines meiner Kollegen. Ob ich nicht
Pariser Parfüms unter der Hand kaufen möchte.
Da reißt mir denn doch die Geduld, wenngleich ich in aller Stille feine Geschichlichkeit und Ausdauer bewundere.
„Wenn Sie sich noch einmal unterstehen sollen, bei mir zu erscheinen, Freundchen, lasse ich Sre ob- führen!" schrie ich ihn an, fest entschlosien, es nach seiner ersten Widerrede anzuordnen.
„Leiten Sie eigentlich die Untersuchung in der Mordaffäre des Volksparteilers Karczmark?" fragt er, schon in der Tür.
Es ist die erste Unvorsichtigkeit, di« er begeht. Also das wollte er wissen! Nun wird mir vieles klar.
„3a!" erwidere ich. Ich will doch einmal sehen, wie weit er geht.
„Der Mörder ist ein Mitglied der Polnischen Sozialistischen Partei!"
„3a!"
„Er ist mein Parteifreund!" gesteht der Fremde.
„Und was sollen Sie hier?" Ich stelle die Frage, obwohl mir naturgemäß völlig klar ist, was er antworten müßte, und was er erwidern wird. Er kann nicht eingestehen, daß er meine Bekanntschaft gesucht habe, um mich wegen seines Mörders zu oejtecyen, auszuhorchen und zur Milde zu be
wegen.
„Ich meine, Pardon, ich will Sie, Herr Untersuchungsrichter nicht kränken, ich will nur von Ihnen erfahren, welche Kaution Sie beanspruchen, um den Täter freizugeben?"
Im nächsten Augenblick ist er auch schon auf dem Flur!
Meinem Diener drohe ich vor seinen Ohren Versetzung und strengste Bestrafung an, wenn er noch einmal zulasien würde, daß jener Mensch sich mir nähere. Die Warnung nutzt. Er wird nicht mehr oorgelassen.
Ein paar Tage später sehe ich ihn aber dochwie- der. Wie ich in einem Polizeirevier einen Mann vernehme, schleppt man ihn unter militärischer Bewachung herein.
„Sie? Hier?"
„Ja! Ich kann auch anders! Wie Sie sehen!" entgegnete der alte Freund.
Ich verstehe seine Andeutung nicht recht. Der Reoieroorsteher klärt mich auf. „Das ist ja A u g u st Fremel. Führer der polnischen Sozialisten! Im Hauptberuf ist er aber bei uns, arbeitet heimlich gegen seine Parteifreunde, zeigt sie, ihre Pläne und ihre Waffenlager an!"
„Vorsichtig! warne ich. „Dieser Bursche arbeitet aber auch für die Sozialisten. Er war mehrfach —" bei Ihnen!" vollendet der Reoieroorsteher den Satz. „Das war Falle, Herr Untersuchungsrichter. Er mußte etwas unternehmen, damit seine Parteifreunde nicht argwöhnisch werden! Außerdem ist jeder anständige Spion auf beiden Seiten tätig! Wir von der Polizei wissen das und richten uns auch danach ein!"
Es ist der erste Spion, den ich in meinem Leben sehe. Und er macht auf mich einen starken Eindruck. Ob ich damals schon ahnte, daß ich fast mein ganzes Leben im Kampf gegen diese Leute verbringen würde??
Ich beginne mich für August Fremel zu inter- effieren. Wie arbeitet er? Ganz einfach: er wohnt, schläft, lebt in der Polizeiwache, stets von Militär und Polizei bewacht und beschützt. Sein Bruder Richard treibt sich draußen in den Fabriken herum und horcht die Leute aus. Er hat noch zwei geheime Helfer, auch offizielle Mitglieder der Sozialistischen Partei, in Wahrheit für 25 Rubel Einheitsgage im Dienste der Behörde.
Sobald die drei „Außendienstler" wieder ausreichendes Material von ihren Spaziergängen und Dersammlungsbesuchen gesammelt haben, unterrichten sie August Fremel. Der übernimmt sodann in der Maske eines Parteigewaltigen die letzten Recherchen, stöbert Waffen aus, verrät, wo sich aufrührerische Bücher, die Mitgliedslisten mit den Quittungsheften befinden. Macht das alles so ungeheuer geschickt, daß auch nidjt die pfiffigsten Ge- nassen das geringste merken Selbst, wenn er inmitten der Soldaten durch die Stadt pilgert, ahnt keiner, daß er ein Verräter ist. Man glaubt, er sei wieder einmal zur Vernehmung festgenommen.
Einmal kehren die Brüder Fremel und drei ihrer Helfer inmitten einer Abteilung berittener Uralkosaken ins Revier zurück. Marschieren durch meine Konstantinerstraße. Plötzlich saust eine Bombe aus einem Hause: rein in die Soldatenreihe. Läßt drei Kosaken und zwei Spitzel zusammenbrechen. Weg sind sie. Die Fremels und acht Kosaken liegen auf den Tod. Jeder mit mindestens zwanzig Wunden am ganzen Körper. Rache der Verratenen, die endlich den Schwindel entdeckt hoben.
Die Straße wird abgesperrt. Alles wird alarmiert. Das Haus, aus dem die Bombe kam, abgesucht. Vergebens. Kosaken stürmen das Gebäude. Finden einen Mann platt auf dem Fußboden liegen. „Jetzt haben wir dich!" brüllen sie. Der wimmert um Hilfe. Will sich losreißen. Ohrenbetäubender Tumult. Keiner weiß, was los ist. Schon will man auf den Gefangenen losschlagen. Er hat auch eine Wunde. Kann kaum sprechen. Deutet nur aufs nahe Bett. Einer der Kosaken schaut hin. Da liegt eine Uniform. Eine Uniform?
Der Kosakenführer brüllt: „Halt! wir haben ja einen Falschen erwischt!"
Stimmt, tatsächlich. Als man sich die Uniform ansieht, stellt man fest, daß es mein Kollege, der Untersuchungsrichter Diet ist, der dort wohnt, und der selbst von der Explosion überrascht und verletzt worden ist. Beinahe hätte man noch einen Unschuldigen getötet.
Einer kommt auf der Suche nach den Verschwundenen auf die Idee: die Bombenwerfer werden sich im nahen Theater versteckt haben. Polizei und Militär versteckt sich hinterm Theaterausgang. Es wird niemand aus der noch nicht beendeten Vorstellung gelassen. Einzeln gehen die Gäste aus einer kleinen Tür. Jeder muß an August Fremel, der mit Der- bunbenem Kopf auf Posten steht, vorüber, ohne
In Auckland (Neuseeland) kam es zu uußerocdenlUch schweren Zusammenstößen zwischen demonstrierenden Arbeitslosen und der Polizei. Die Demonstranten schlugen in der Innenstadt zahlreiche Fensterscheiben ein, worauf die Polizei mit Waffengewalt die Ansammlungen auseinandertreiben mußte. Unser Bild zeigt die Stadt Auckland. — Links in der Ecke der neuseeländische Premierminister F o r b e 5.
ihn zu sehen. August Fremel mustert leben. Wehe bem unglückseligen Parteisreunb, ben er auch nur als unbeteiligten Theatergast entbetft hätte. Ich bin auch in ber Vorstellung gewesen. Mit meiner Frau. Als wir durchs Tor schreiten, grüßt August Fremel mich. Nun, wir kennen uns doch zur Genüge.
„Auch so ein Schweinehund von Spitzel!" brummt hinter mir einer der Zuschauer und sieht mich mit einem haßerfüllten Blick an. „Warte nur, wir bekommen dich auch noch." Und verschwindet im Dunkel der Nacht in der Menge.
Eine Woche drauf müfien wir Richard Fremel von einem Baum ab-schneiden. Seine verratenen Parteifreunde hatten ihm bei lebendigem Leibe acht zwölf Zentimeter lange Nägel in den Kopf geschlagen und aufgehängt.
Aus der prvvmzialdauptstadr
Gießen, den 16. April 1932.
Sein oder Nichtsein?
Unter diese Frage stellt« Professor Dr. H o r n e f = f e r von hier eine Vortragsreihe, die er auf Veranlassung der Mittelstandsoereinigung Gießen am Donnerstagabend im gut besetzten Saale des Cafs Leib begann. Der Redner sprach zunächst über das Thema „W irtschaftskrise und Sozialismus". Als Hauptgrund der gegenwärtigen Wirt- schastsnot bezeichnete er den Weltkrieg und das unheilvolle Friedensdiktat. Als verschärfendes Moment sei dann die seit länger als einem Jahrzehnt befolgte außerordentlich schädliche Innenpolitik hinzu- gekommen. Der Sozialismus sei an dem größten Teil des heutigen Elends in Deutschland schuld. Der Redner gab dann einen Uederblick über die wirtschaftlichen Geschehnisse während des letzten Jahrzehnts. Er erklärte u.a., die vom Sozialismus in den Lohnbewegungen durchgedrückte Lohnhöhe habe die Wirtschaft unmöglich tragen können. Mit diesen Lohnerhöhungen sei auch den Arbeitern nicht gedient gewesen, da die unausbleiblichen Preissteigerungen die erhöhten Löhne wieder hinweggenommen hätten und die Lage des Arbeiters auf diese Weise nicht gebessert worden sei. Er erinnerte sodann an die Erhöhung der Beamtengehälter, die den Staat gezwungen habe, der Wirtschaft immer mehr anwachsende Steuern aufzubürden. Demgegenüber sei als richtig anzusehen, daß diejenige Regierung volksfreundlich sei, die die Steuerkraft der Bürger schone, diejenige Regierung aber volksfeindlich handele, die in wenigen Jahren die Steuerkraft aus» sauge, um einigen Schichten des Volkes gefällig zu sein. Er erinnerte hierauf an die Verschwendung von öffentlichen Mitteln, die besonders in den Palastbauten von Ortskrankenkassen, Stadioneinrich- tungen usw. zum Ausdruck gekommen sei. Unter dieser Großmannssucht habe aber wieder die Wirtschaft leiden müssen, die bann, um ihre Gestehungskosten mit ben Lasten in Einklang zu bringen, eine weitgehenbe Rationalisierung habe vornehmen müssen, woburch aber die Arbeitslosigkeit nur noch gesteigert worben sei. Die Rationalisierung könne für bie Wirtschaft und damit zum Bellen des Volkes nur bann Erfolg haben, wenn di« Ueberfchüsfe aus dieser Maßnahme den Betrieben nicht entzogen würden, sondern ihnen erhalten blieben, damit wieder Arbeit aus der Verbilligung der Produktion geschaffen werden könne. Der Staat habe aber der Wirtschaft diese Ersparnisse genommen. Vom Standpunkt des Gesamtwohls aus müsse es als Pflicht der Staatsmacht bezeichnet werden, sich schützend vor den Reichtum zu stellen, nicht wegen des Reichtums an sich, sondern wegen der volkswirtschaftlichen Bedeutung, die der Reichtum Halle, durch den immer wieder Arbeit geschaffen werde. Am gefährlichsten sei aber die Zerstörung des kleinen Reichtums, des mittleren Wohlstandes gewesen, wie sie durch die Enteignung des Haus- und Grundbesitzes vorgenommen worden sei. Ein großer Teil der heutigen Arbeitslosigkeit sei darauf zurückzuführen, daß die Hausbesitzer keine Aufträge mehr geben könnten. Damit seien dem Handwerk und der Industrie gute Erwerbsmöglichkeiten verlorengegangen. Der Sozialismus habe aber auch die öffentliche Hand zum Selbstwirtschaften und damit zum Einbruch in die privatwirtschaftliche Tätigkeit geführt. Wenn ein Gemeinwesen durch seine Betriebe der individuellen Wirtschaft Abbruch tue, wie das heute vielfach geschehe, so sei das nichts anderes als (Enteignung; es sei ein schreiendes Unrecht daß die öffentliche Hand mit dem Gelde der Steuerzahler den privat- wirtschaftlichen Betrieben der Bürger Konkurrenz mache. Die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand mit ihren großen Kapitalansprüchen habe ferner wesentlich zu dem heutigen hohen Zins- sqtz beigetragen und bei dem Kapitalmangel in
Deutschland viele Betrieb« zu der gefährlichen Auslandsverschuldung gezwungen. Bei der Prüfung der Frage, auf welchem Wege eine nutzbringende Aen- derung herbeizuführen sei, erklärte der Redner, daß mit den Uebergriffen der Politik in die Wirtschaft Schluß gemacht werden müsse. Er sprach sich gegen die durch die Verfassung geschaffene radikal« Demokratie aus, die alles im Staate nur der Entscheidung durch die bteiten Massen unterstelle. Er lehnte aber auch mit Entschiedenheit eine Diktatur ab, da diese niemals eine dauernde deutsche Staatsform werden könne und nur den Untergang des deutschen Volkes herbeiführen werde. Er erklärte sich mit d^r Beibehaltung eines aus der allgemeinen Wahl hervorgegangenen Parlaments einverstanden, dem aber ein Gegengewicht durch Zusammenfassung der intellektuellen Kräfte des Volkes in einem Parlament der Berufsstände entgegengesetzt werden müsse. In diesem Parlament der Berufsstände müßten die Erfahrung und die Sachkunde der berufenen Staatsbürger zum Besten des Volkes und der Wirtschaft zur Geltung kommen. Alles komme jetzt darauf an, ob das deutsche Bürgertum in sich die Kraft verspüre, ohne Gewalt aus sich heraus den neuen Staat zu erobern und zu gestalten.
Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Er wird am nächsten Montag in einem zweiten Referat eine weiter« Ergänzung finden.
** Arbeitsjubiläum. Heute kann Herr Emil Sch ü hier in Gießen auf eine 50jäf>rige Arbeitstätigkeit bei der Firma H. Schaffstaedt G. m. b. H., Maschinenfabrik und Al-maturensabrik zurückblicken. Der Jubilar steht im 64. Lebensjahr und konnte sich bisher der besten Gesundheit erfreuen. Er ist nach seiner Schulentlassung bei der Firma in die Lehre gekommen und bis heute ununterbrochen dort tätig, wobei er es verstanden hat, durch seine guten Arbeitsleistungen sich zum Werkmeister emporzuarbeiten. Durch seine vorzüglichen Charaktereigenschaften und sein freundliches Wesen ist er bei seinen Vorgesetzten und Mitarbeitern gleich beliebt und geschäht, was durch entsprechende Ehrungen am heutigen Tage zum Ausdruck kam.
** Mieterjubiläum. Heute sind 25 Jahre verflossen, daß die Herren Slufbermauer und Laberenz in dem städtischen Hause Lahnstr. 3 als Mieter wohnen. Seit dieser Zeit betreiben sie auch in diesem Hause ein Stukkateurgeschäft. Beide Mieter haben während dieser langen Zeit stets in bestem Einvernehmen mit der Stadtverwaltung gelebt.
** Man dankt f ü r die „Bekanntschaf t". In unserem Schöffengerichtsbericht vom 13. April („Gieß. Anz.", Nr. 88 vom 15. April) war über die Verurteilung eines jungen Arbeiters wegen Einbruchs berichtet worden. Dabei war auch die Rede davon gewesen, daß der Angeklagte „seiner Bekanntschaft" einen silbernen Ring gestohlen diesen aber später zurückgegeben habe. Das in Betracht kommende junge Mädchen bittet uns mittzuteilen, daß es mit dem Angeklagten bisher keine „Bekanntschaft", also kein Verhältnis unterhalten habe und auch jetzt nicht unterhalte, für die „Bekanntschaft" vielmehr danke.
** Bad Selters in Oberhessen, das in den letzten Jahren sich immer größerer Beliebtheit erfreuende Heilbad für Leber, Galle, Rheuma, Gicht, sowie Magen- und Darmleiden, kann — wie man uns schreibt — mit Recht das „zeitgemäße Bad" genannt werden, weil der heutigen Notzeit entsprechend die Preise ganz erheblich gesenkt wurden. In diesem Jahre werden auch wieder die beliebten Pauschalkuren geboten. Außer der anerkannten Heilkraft des Benediktus-Sprudels übt Bad Selters mit feiner waldreichen Umgebung gerade im Frühjahr eine besondere Anziehungskraft aus. Das Kurhaus steht in der kommenden Saison unter neuer Leitung eines anerkannten Hotel- und Küchenfachmanns, wodurch eine erstklassige Verpflegung verbürgt wird.
Carl Lmck-Gchoiien 70 Jahre alt.
| 'Schotten, 16. April. Eine weit über unser Heimatgebiet hinaus bekannte Persönlichkeit, Lehrer i. R. Carl L i n ck zu Schotten, begeht am Montag, 18. April, seinen 7 0. Geburtstag. Carl Linck wurde 1862 zu Crumbach, Kreis Biedenkopf, in der Nähe von Gießen, geboren als drittes Kind des Lehrers Georg Linck und seiner Ehefrau, einer geb. Fresenius, Tochter des Pfarrers Fresenius, der lange in Nidda, später in Wallau bei Biedenkopf, zuletzt in Crumbach amtierte. Nach dem Tode (1867) ihres Ehemannes siedelte die Mutter Linck mit ihren drei Kindern im Jahre 1869 nach Butzbach über. Dort besuchte Carl Linck
die Volksschule, später die höhere Bürgerschrcktz, trat dann in das Lehrerseminar in Friedberg ein, das er 1882 nach wohlbestandenem Examen verlieh.
Seine erste Schulstelle verwaltete er in Dad- Nauheim, bis er am 1. März mit seiner Mutte* und seinen beiden Schwestern nach Rudingshain bei Schotten übersiedelte. Der'Vogelsberg, unsere herrliche, heimatliche Landschaft mit ihrem treuen, biederen Menschenschlag hatten es ihm angetan, sie hielten ihn fest. Einer alten, deutschen Eiche gleich wurde Carl Linck mit Land und Leuten fest und fester verwurzelt. 441/» Jahre lang war er als Lehrer in dem traulichen, schön gelegenen Dörfchen Rudingshain tätig. Man merkt es den Rudingshainern heute an, welche treudeutsche, kluge, brave Menschen Carl Linck dank seines ausgezeichneten pädagogischen Talents und seines offenen Verstehens der Vogelsberger Volksseele aus seinen Dorfbewohnern geschaffen hat. Das Dorf hängt in treuer Dankbarkeit an seinem einstigen Lehrer. Ebenso lange war Carl Linck in dem idyllischen Dorfkirchlein als Organist und Vorleser im Gottesdienst tätig. 3m Dereinsleben des Dorfes hatte er die Führung, besonders im Gesang- und im Kriegervexein. Fast täglich führte ihn sein Gang — Sachkenner haben die Wegstrecke als zweimal um den Aeguator herum ausgerechnet — in die nahe Kreisstadt Schotten, mit der er in besonders enge Beziehungen trat und deren Vereins- und gesellschaftliches Lebender besonders befruchtete. Die Gründung der Vogelsberger Volksbank (1906) und der Molkereigenossenschaft Hoherodskopf, die zwölf umliegende Gemeinden zu einer der bedeutendsten Molkerei im Vogelsberg zusammen- schloh, ist sein Werk.
Heute noch versieht er den Direktorposten, liebe* 42 3ahxe hat er den Kreis - und Bezirkslehrerverein als Obmann geleitet, dem Hess.. Landeslehrerverein gehörte eral- Vorstandsmitglied an.
Ganz besondere Verdienste hat sich Carl Linck aber um unseren heimatlichen Gebirgs- und Wanderverein, seinen lieben VH C., erworben. Am Dau der Clubhäuser auf dem Hoherodskopf, des Dismarckturmes, des Denkmals auf der Herchen- hainer Höhe, an der Einführung des Schisportes (er war einer der ersten Läufer im Vogelsberg) hat er wirksamsten Anteil. Die Vereinszeitschrift des VHC., den „Frisch Auf", hat er als Schriftleiter stets glänzend redigiert. 3n allen Zweigvereinen des VHC. wird daher am 18. April von den vielen VHC.--Schwestern und -Brüdern ihres lieben Carl Linck herzlich und dankbar gedacht werden. Zahllos und wohlverdient sind alle di« vielen Ehrungen, Ehrenmityliedschaften, die ihm von den verschiedenen Derernen und Korporationen verliehen wurden.
Noch heute wirkt er unermüdlich für sie alle. Als Mitglied des Kreistages betätigt er sich auch im kommunalpolitischen Leben des Kreises. Stets treudeutsch, deutschnational, geradeaus war sein Sinn gerichtet.
3m Oktober 1928, nach seiner Ruhestandsvev- setzung, bezog Carl Linck mit seinen beiden Schwestern sein „59 Kulturstufen" hoch gelegenes Heim in Schotten mit der herrlichen Aussicht über sein von ihm so geliebtes Gebirge. Froh begrüßt wurde er von uns Schottern, besonders von seinen engeren Freunden, die sich zu mancher frohen Tafelrunde nach des Tages schwerer Arbeit um ihn, den frisch, fromm-fröhlichen, sangeslustigen, nie alt werdenden 3unggesellen gruppieren „und stolz darauf" (Kraftausdruck unseres Carl) sind, ihn mit seiner wackeren VHC.-Stimme und Rednergabe, seinem unverwüstlichen Humor und seiner Lebensfrische gerade in dieser Notzeit den Ihren nennen zu dürfen. Er frischt uns oft auf! älnd darum dem wackeren Jubilar ein herzliches „Frisch Auf" und „Schi Heil!" E.M.
• Kirchliche Nachrichten
Evangelische Gemeinden.
Sonntag, den 17. April. Jubilate.
Stadtkirche. 8 Uhr: Pfr. Becker; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markusgemeinde; 9.30: Pfarrassistent Knell; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfarrassistent Knell. — 3o- hanneskirche. 8: Pfr. Bechtolsheimer; 10: Iahresfest des Mädchenbundes der Lukasgemeinde; im Anschluß daran Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde; 9.30: Pfr. Ausfeld; 11: Kinderkirche für die JohanNesgemeinde; Pfr. Ausfeld; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfr. Ausfeld. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; zu- 0 Christenlehre für die Neukonfirmierten der rgemeinbe; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. — Llisabeth-Kleinkinderschnle. 9.45: Pfr. Lic. Waas. — Klein-Linden. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; Kollekte; anschließend Beichte und hl. Abendmahl für die männliche Jugend. — Wieseck. 9.30: Beichte; 10: Predigtgottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls; 13.30: gottesdienstliche Feier der Aufnahme der Kleinsten in die Schule (Chorschule). — Atten-Buseck. 9.30: Beichte; 10: Gottesdienst; anschließend Feier des hl. Abendmahls; 13: gottesdienstliche Feier der Aufnahme der Kinder in die Schule. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Lollar; 13.30: Lollar. — Hausen-Garbenteich. 10: Hausen; 13: Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 13.45: Hauptgottesdienst — Grüningen. 10: Hauptgottesdienst. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Christenlehre für die männliche Jugend; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Stiftspfafrcr Draudt.
Katholische Gemeinden.
Samstag, den 16. April.
Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte.
Sonntag, den 17. April. 3. Sonntag nach Ostern.
Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jünglinge; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. Laubach. 10: Hochamt mit Pre- digtx. 14.30 Uhr: Vortrag und Andacht. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt.
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