Nr. 59 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
viens:ag, ch. Februar 1952
MiensKolomalpoMundseineAachbarn
Don Dr. Max peblt
Bei der Betrachtung des mandschurischen Problem- zeigt sich, daß nach dem Grimmschen Dort die Japaner ein Volk ..ohne Raum" sind. Zu den Völkern ohne Raum in Europa gehört aber neben Deutschland auch vor allem Italien. Italien ist in noch schlechterer Lage alsDeutsch - land. Diese- könnte al- vorwiegende-Industrie, land sich zur Rot noch selbst ernähren, da es im allgemeinen die Rohstosse eine- Industrielande-, vor allem die Stöhlen. in keinem Boden birgt. Es fehlt ihm nur insolge der Eifersucht der Konkurren- ten an Absatzmöglichkeiten. Italien aber kann das nicht, denn e- hat weder Eisen n 0 chK 0 hle in nennen-werten Mengen. Seine Bevölkerung ist nach der Zählung von 1928 auf 40 Millionen Köpfe gestiegen bei 312 510 Quadratkilometer zu. meist gebirgigen Heimatbodens, während Frank« reich mit seinem reichen, mit Erdschätzen geseg. ncten Boden aus 551 000 Quadratkilometer nur ebensoviel Bewohner hat.
Run könnte, wer oberflächlich eine politische Weltkarte betrachtet, der Meinung sein,' Italien habe ja genügend Kolonialraum, um feine überschüssige Bevölkerung zu ernähren. Aber der Schein trügt: da- Land Tripoli- ist eigentlich nur ein Küstenstreisen, hinter dem gleich die W ü st e folgt' es ist auch erst in den letzten Jahren etwa- weiter in- Innere hinein unterworfen toor- den. Da- nach dem Weltkriege von den Englän. dern mit einer groben Geste an Italien überlassene Iubaland (91 000 Quadratkilometer) ist aber klimatisch so schlecht, dast selbst der ziem« lich tropenfeste Italiener dort nicht arbeiten kann und ch i n e s i s che K u l i - die Arbeit überneh. men müssen.
So sind die Italiener bei ihrem starken Ge- burtenüberschuh — der allerdings in letzter Zeit zurückgeht — genötigt, ihre überschüssige Bevöl- fcrung al- „Ozeansachsengänger" über- Meer zu schicken. Die Hauptländer der Auswanderung sind Ämeri^l. Süds rankreich, Algier und Tunis. Hier liegt dauernd ein latenter Konfliktstoff der Zukunft vor. Im Jahre 1881 hatte Frankreich diese- gegebene italienisch« Gegenufer den Ito- kienern vor der Rase weggenommen, so daß da- gereizte Italien damals in den Dreibund trat. In Tunis aber wohnen dreimalsovielIta- licner a l S Franzosen, die durchaus nicht die Absicht haben, sich zu assimilieren und „gute Franzosen" zu ©erben; in Algier sind gleichfalls zwei Drittel der Bewohner Italiener und Spanier. Mit Recht sagt Professor Hennig, das; Tuni- und Algier nicht auf die Dauer französische Kolonie und italenischeS SiedlungSland sein können
ES ist klar, dast da- Mutterland da- Schicksal dieser Kolonien mit besonderer Spannung verfolgt. So hat denn auch Mussolini im Jahre 1927 fern Beispiel der Engländer im Burenkrieg folgend den Grundsatz ausgesprochen, dah ein Land auch g e w i s s e R e ch t e ü be r seine auSgewanderten Kinder in Anspruch nehmen müsse WaS das im Konfliktssalle bedeuten kann, ist klar: vielleicht hat Witschall in der Zeitschrift für Geopolitik nicht unrecht, wenn er meint, ein ..vierter Panischer Krieg' sei durchaus sicht unwahrscheinlich.
Freilich hat Italien zum grasten Teil an seiner Kolonial not selber schuld. Statt sich als Preiseiner KriegSteilnahme gutes und au-reichende- Siedlungsland ou-zubedingen ftante e j wie gebannt auf die Irredenta mit ihren men- ichengesüllten Gebieten, die seinem Wanderdruck wenig Helsen können. Run must eS, im Gegensatz zu den früheren Derbündeten, vor allem zu Frankreich, versuchen, seinem Mangel an notwendigen Rohstossen entgegenzutreten Besonder- ist es daher aus ungehinderten Schifssverkchr angewiesen. Kraftvoll hat Mussolini die Aufgabe angegriffen. Im ganzen Mittelmeer hat er auf
italienischem Boden grobe Flugstationen er- richtet, die mit ihren Flugzeugen — wenigstens in der Theorie — da- Mittelmeer beherrschen Da ein moderne- Bombenflugzeug mit 3000 bi« 3600 Kilogramm Belastung einen AltlonsradiuS von etwa 700 Kilometer hat. so scheint die- wirk- lich möglich. Diese neuen Flugzeughäsen befinden sich dicht an der französischen Grenze auf Sardinien. auf Sizilien, in Rordafrika und auf den Ionischen Inseln Die Enge aber zwischen Sizilien und Afrika kann leicht durch Minen verseucht werden. Aus diese Weise hofft Musfolin, durch Absperrung und Beherrschung des östlichen Mittel- meer- die Z u s u h r von Erdöl für die Flotte und den Autoverkehr zu sichern. Denn diese Oel- versorgung spielt gerade bei dem Mangel an Steinkohlen für Italien eine besonders grobe Rolle. Daher ist e- denn auch auf eine umsichtige Oelverforgung besonders bedacht. Alba, n i e n . jetzt saft ein italienischer Schuhstaat, steht mit seinen Erdölschähen fast ganz unter italienischem Einfluß. Auch mit Rumänien sind bindende Abmachungen getroffen, die allerdings infolge der franzosenfreundlichen Haltung de- Lande- nicht ganz sicher sein werden. Umfangreiche Verträge sind auch mit Ruhl and abgeschlossen worden.
Wohin wendet sich nun der Wanderdruck Italiens. nachdem jetzt die Bereinigten Staaten das Kontingent der einwandernden Italiener stark herabgesetzt haben und auch Frankreich der ita-
Gpielvereinigung 1900 Gießen.
1900 (Liga) — DfB. Friedberg (Liga, Meister de» Taunuskrelse») 3:1 (1:1).
Da- Spiel de- vergangenen Sonntag- auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe lag weit über dem Riveau dessen, was man sonst auf dem Sportplatz der Epielvereinigung zu sehen gewohnt ist Biele Zuschauer hatten sich Ungesunden. Brachte schon das vorhergehende Spiel der beiden Iugendrnannschaften der genannten Dereine einen rassigen Kamps, so war man von dem Spiel der ersten Mannschaften auf da- Angenehmste berührt. Die Epielvereinigung gewann den Kampf. Das Grgebnis kommt etwa- überraschend. Man hätte bestimmt die Friedberger als Sieger vermutet. Dabei konnte man nicht sagen, dah di« Gäste irgendwie enttäuschten. Zwar ihre Zusammenarbeit war nicht so exakt wie man glaubte dah sie sein würde, von einem ausgesprochenen süddeutschen Flachpah konnte man auch nicht sprechen, die Mannschaft spielte manchmal reichlich hoch. Trotzdem aber zeigten die Gäste beachtliches Können und forderten die Blauweihen zu einer Kraftprobe ersten Ranges heraus. Die Friedberger spielten fair, schnell, ideenreich, die Läuferreihe stand gleichgut -um Sturm wie zur Verteidigung, dem Sturm mangelte es allerdings an dem letzten Einsatz, und diesem Umstand war die Riederlage zuzuschreiben. Die besten in den Reihen der Gäste waren der Mittelstürmer Su- d i e, der Mittelläufer Gutmann und der linke Verteidiger Kohn
Die Blauweihen fpielten am Sonntag ihr bestes Spiel. Alle Mann waren auf dem Posten. Rascher Flankenwechsel, flotte- Zuspiel, genaue Ballabgabe, entschlossener Torschuh (allerdings manchmal daneben und darüber) charakterisierten das Spiel. Hervorragend waren die beiden Flügelstürmer; Lippert tat sich verschiedentlich besonders hervor, die Verteidigung war sehr
lienischen Einwanderung Schwierigkeiten macht? Es verfährt nach seinem AltionSprogramm, das die faschistische Regierung, offen wie keine andere. ausgesprochen hat. Seine Hauptforderung ist die völlige Beherrschung des Adriatischen Meeres: H marc nostro. Run hat Italien zwar nach Kriegsende Triest und durch den Gewaltstreich auch Fiume gewonnen, auch Enklaven an der dalmatinischen Küste, aber sonst wird eS überall durch die starke kroatisch-slowenische Landbevölkerung, seinen erbitterten Feind, zurückgedrängt Jugoslawien aber, der eigentliche Rachfolger Oesterreichs tm Südosten, hat nach anfänglicher italien- freundlicher Politik unter dem alten Balkanfuchs' Palitfch sich ganz sranzö'ilcher Führung angeschlossen. Dies enge Bündnis wurde im Ro- vember 1927 durch einen französisch-jugoslawischen Freundschaft-- und Schiedsvertrag besiegelt; eine französische Flotte wurde 1930 von der Bevölkerung mit Jubel ausgenommen
Daher hat sich Italien vor allem an Albanien gehalten, das eS tvirtfchalllich fast völlig beherrscht. Aber auch hier läuft die Maschine nicht ganz reibungslos. Denn diese- ..verschleierte Protektorat" Italien- wird von dem in allen orientalischen Ränken geübten, diplomatisch erfahrenen Könige Ahmet Zogul geleitet, der in manchen Dingen mehr Selbständigkeit zeigt, alS den Italienern lieb ist.
So muh sich Italien, dasjenige Land in Europa. das am meisten al- Volk ohne Raum" bezeichnet werden kann, mühselig gegen die Widerstände seines großen Wanderdruttes wehren. Und dabei gibt es auf der Welt genug Völker, die im Gegensatz zu Italien und Deutschland „Raum ohne Volk" haben und sehr wohl helfen könnten.
schlagfertig, der Sturm in bester Epiellaune. Die Läuferreihe brachte den Ball unermüdlich nach vorne und unterband manchen Angriff der Gäste schon im Keime. Schmidt im Tor war sehr gut.
DaS Spiel begann in flottem Tempo. Es ergab sich schon in der ersten Minute ein Eckball für Friedberg, der jedoch nicht verwertet wurde. Dann drängte 1900. Ein Torschuh wurde zur Ecke abgewehrt, die aber ebenfalls nichts einbrachte. Die Blauweihen erkämpften sich nun eine leichte Feldüberlegenheit, lagen immer etwas mehr vor fcem gegnerischen Tor und tatsächlich gelang es Lippert schon in der 7. Minute, für feine Mannschaft den Führungstreffer zu erzielen. Aus dem Gedränge heraus ging überraschend ein scharfer und wohlplacierter Schuh knapp unter die Latte. Der Tormann machte vergebliche Anstrengungen. Bald darauf bot sich den Friedbergern eine Ausgleichsmöglichkeit. Die Verteidigung war aber auf dem Posten. Die Gäste gingen leer aus. Der Kampf wogte auf und ab. Die Friedberger hoben vorübergehend die Vorherrschaft der Platzbefiher im Feldspiel auf, vermochten aber erst kurz vor dem Wechsel den Ausgleichstreffer zu erzielen. Schmidt lief bei einem fchönen Angriff des Friedberger rechten Flügel- aus dem Tor, warf sich dem Ball entgegen, der Halbstürmer gab ab und bann landete das Leder im leeren Tor.
Rach der Pause begann der Kampf mit unverminderter Heftigkeit. Manche Chance wurde ausgelassen. Die Friedberger machten alle Anstrengung. ihrerseits die Führung zu übernehmen. Es gelang nicht. Vielmehr brachte Heilmann auf eine Flanke von rechts durch Kopfball seine Mannschaft abermals in Führung, und schliehlich stellte Lippert durch einen dritten Treffer den nicht unverdienten Sieg der Dlauweihen sicher.
Der Schiedsrichter (D a u s e r - Wetzlar) war in seinen Entscheidungen gerecht und amtierte zur Zufriedenheit beider Parteien.
SJ.-fpor/
Gießener Konzeriverein.
Liederabend Eva Liebenberg.
Es wird wohl manchem, der M u f s o r g s k i S Lieder und Tänze des Todes in ihrer packenden Wucht erleben konnte, nicht bewußt geworden sein, dah dieser Mann schon über fünfzig Jahre tot ist. so lebensnahe, so gegenwartsgebunden, so unmittelbar erschien dieses ODcrt. Während Muf- sorgfkiS Schaffen in der französischen Musik mit ihrem Impressionismus schon früher von maß- gebendem Einfluß wurde, so trat man bei uns erst nach dem Kriege für ihn ein; fein .Boris Godunoff" konnte sich nut stärkstem Erfolge auf dem Epielplan der deutschen Opernbühne behaupten. Vielleicht war dieser Zeitpunkt am besten geeignet. dieser in kompositionstechnischer Hinsicht durchaus auf Opposition eingestellten Musik Eingang zu verschaffen. Wir sind alle mehr oder minder Zeuge gewesen, wie stark die Umwälzung in dem musikalischen Schaf len des letzten Iahrzcchntes bei uns war, wie überall an dem llebcrfommencn gerüttelt wurde, um sich von der Tradition zu lösen, wie neue Ansatzpunkte gesucht und neue Wege gebahnt wurden
Eine ganz ähnliche Situation lag s. Z. bei Mus- forgski vor. Dem rusß-chen Musikleben, das bisher gänzlich unter westeuropäischem bzw. füb- europäischem Einfluß gestanden hatte, war durch Glinkas Oper „Das Leben für den Zaren" die Richtung auf die nationale Eigenart gewiesen worden. Fünf junge russische Musiker, die „Ro- ©atoren", ober, wie man sie auch spöttisch nannte, bas ..mächtig« Häuflein", traten bewußt für bie Schaffung einer spezifisch rus'i'chen Musik ein. Da sie alle mehr ober weniger Dilettanten waren, hatten sie sich ihre Kenntnisse weniger burch ein geordnete« Stubium als burch bie Erfahrung unb gegenseitigen Meinungsaustausch erworben. Sie fanben ihren Weg fast instinktmäßig, unbelastet burch Tradition. Unter biesen Fünfen war es Musforgski. der mit der elementaren Kraft und Realität zu dem erstrebten Ziel am weitesten vordrang: zur Wahrheit im musikalischen Ausdruck. Abgesehen von den Dühnenwerken gewähren die ..Lieder und Tänze des Todes" den besten Einblick in das Schaffen des Meisters.
Würde man sie mit dem uns geläufigen Lied- begriff messen, so könnte man sie schwerlich erfassen. Mussorgski versucht, jedem Bild, jeder Situation der Dichtung die ihr angemessene musikalische Entwicklung zu geben. Man muß dabei er
staunen über die Fülle genialer Einfälle und über die fast instinktmäßige Treffsicherheit in der Wahl der AusdruckSmittel. ES vermag im Augenblick zu erschüttern, mit elementarer Kraft mitzureißen; ja. diese elementare Gewalt läßt beim Hörer nicht bewußt werden, daß ihm eigentlich das fehlt. Wadas musikalische Kunstwerk auSmacht: nämlich die straffe, organisch« geistige Formung in einer letzten überzeugenden, endgültigen Durchgestaltung. Diese bei Mussorgski auf ihrer Einmaligkeit beruhende Kraft des Ausdrucks würde bei jedem, der ihm folgen würde, zur Manier ©erben und an Wirkung unb innerem Wert einbühen.
Jedes der vier Bilder, in denen er den Tod. erleben läßt, ist für sich treffend charakterisiert, so durch die Tanzrhythmen in „Trepak", oder durch den Sarkasmus des „Ständchens", durch den Schmerz der Rlütterlichkeit im .Wiegenlied", durch daS grausig Triumphierende im , Feldherrn". Dem Bannenden, Erschütternden dieser Svenen wurde Eva Liebenberg zu einer Kund«rin voll starker Größe. Sie erfüllte die einzelnen Bilder mit gewaltigen dramatischen Akzenten und ließ den im Werke gebundenen Realismus sich mit zwingender Gewalt auf den Hörer auswirken. Mit ihrem modulationsfähigen Organ konnte sie jeder inneren Regung überzeugend Bildhaftigkeit verleihen, jeder Stufe seelischer Erregung plastische Auswirkung geben. Hier fand das Werk die ihm zukommende Gestalterin.
Der erste Teil deS Programme- ©ar dec Kunst des Belcanto gewidmet. Hier konnte man erneut feststellen, wie feinsinnig stilgemäß Eva Liebenberg diese- im Vortrag so überaus schwierige Gebier meisterte Richt in der vortraglichen Zuspitzung, aber auch nicht in der gesanglich artistischen Leistung sieht sie ihr Ziel, sondern sie erfüllt ihre Gaben mit innerem Leben, so daß sie stets durch ursprüngliche Ratürlichleit den Hörer für sich gewinnt. Ihr Vortrag war ebenso stark vergeistigt in dem „Pieta, Signore" (Altitalienischer Meister). wie in den beiden Händelarien (Arie der Kleovatra aus ..Julius (Sä'? ar“. ..Arioso"). W c schon früher, muh auch hier wieder betont werden, dah sic der deutschen Sprache die gleichen gesanglichen Wirkungen abzugewinnen imstande ist wie der italienischen.
3m Lied fängt sie mit sicherem Griff die Grund« ftümnung ein und läßt mit beseelter Verinnerlichung im Etrophenlied die wiederkehrende Melodie im Sinne des Teiles in ständig neuem Lichte erscheinen; fo bei Schuberts .Rähe des Geliebten" und der „Fischerweise". Mit der dritten
Echubertgabo („Die junge Rönne"), rollte sie ein ergreifendes Seelengemalde auf.
Der besonderen Vortragsgabe der Sängerin ist es zu danken, daß von den Robert-Franz- Liedern »Auf dem Meere" mit seiner Anschaulichkeit und .Herbst" trott seiner Sentimentalität für den in heutiger Zeit so selten berücksichtigten Komponisten warben.
Es ist der Künstlerin hoch anzurechnen, daß sie nach einem überaus schweren Krankenlager ihren hiesigen Verpflichtungen nachgekommen ist. Daß die Stimme sich nicht immer ganz frei und dem Willen der Sängerin gemäß entfalten konnte, muh angesichts der erschwerenden Umstände unbedingte Rachsicht des Hörers erfordern Auch nach dem letzten großen Eindruck werden fich alle Hörer darin einig fein, der Konzertgeberin völlige Genesung zu wünschen, damit sie in kommender Zeit wieder in alter Frische von ihrer großen Kunst spenden kann.
Rach langer Pause waltete Paul Meyer (Frankfurt) am Flügel; und wieder zeigte es sich, dah wir in ihm einen Begleiter haben, der jeder Situation gewachsen ist, der sich mit Rach- giebigteit dem Solisten anzupassen und dennoch feine musikalische Individualität zu voller Entfaltung zu bringen vermag. Dr. H.
Ein Gerichtshof schaut einem Goldmacher zu.
Die Probe seiner Goldmacherkunst, die der polnische Alchimist Dunckowski, wie bereit- gemeldet, einem Pariser Gerichtshof in dem für ihn eingerichteten Laboratorium der Ingenieurschule vorführte. hat großes Aufsehen erregt, und es war auch wirklich ein eigenartiges Schauspiel. Der Goldmacher, der wegen Betrugs angeklagt ist unb dem dieser Versuch als Beweismittel gestattet worden ©ar. wurde aus seiner Zell« im Sante-Ge- sängnis nach dem Laboratorium geführt, dessen Fenster mit schwarzem Papier verkleidet waren, um jedem Reugierigen den Einblick unmöglich zu machen. Die er zwischen seinen Apparaten, den Schmelztiegeln und a© glühenden Glasröhren stand und hantierte, da erinnerte er wirklich an einen Alchimisten des Mittelalters, und die schwarzen Roben der Anwälte und Professoren mit ihrem Pelzbesatz und die schwarzen Trvddelhüte gemahnten'an die ferne Zeit, in der jene Amts tracht auf gekommen war. Man muhte unwillkürlich an den großen Alchimisten Ricola- Flamel denken,
Deutsche G^kimeisterschast.
Gumdold Sprunglauf-Sieger. Rudi Matt Meister 1932.
Die deutsche Skimeifterfchaft 1932 wurde am Sonntag mit dem Sprunglauf entschieden. Der Arlberger Rudi Matt, der schon im Langlaus den dritten Platz belegt halte, wurde auch diesmal Dritter und brachte somit die Kombination vor dem Inn-brucker G u m b o l d . der im Lang- lau) als Erster einkam. an sich und wurde damit deutscher Sk meister 1932 Der Titelverteidiger Gustav Müller- Bavrisch-Zell kam. nachdem er schon im Langlaus stark ins Hintertreffen geraten ©ar. im sonntäglichen Sprunglauf durch einen Sturz um feine Chancen und belegte nur den siebenten Platt 3m Langlauf hatte sich der Traunsteiner Willi Pog ne r noch Vesser placiert alS Matt, kam aber auch dann durch Stürze zurück. — Sieger des Sprungläufe- wurde der Innsbrucker Gumbold. der in allen drei Gängen über 50 Meter wett kam
Thüringer Sieg im 50-Kllvmeter-Dauerlaof.
AIS weiterer Wettbewerb der deutschen Ski» Meisterschaft wurde am Montag in Schrerbcrhan der 50-Kilometer-Dauerlauf und der Patrouillenlauf der Flachlandtruppen für die deutsche Heere--Skimeisterfchafl ausgetragen. Zum 50-Kllometcr-Dauerlauf halten sich nur 34 Teilnehmer am Start eingefunden Die Schneever- bältniffe ließen guten Sport zu. Sieger wurde Erich Marr (Friedrich-roda) in 3:30:06,7 vor Ernst Krebs «München) in 3: 30:29,7 und Okto Wahl in 3:34:46,2. — Bester Altersläufer war der Dresdener Schneider in 4:40:45.
III. Winter-Olympiade.
Die Schlußzeremonie.
Im Anschluß an das Entscheidungsspiel im Eishockey zwischen Kanada und USA sand am Sams- tagnachmittag im Eisstadion zu Lake Placid noch die feierliche Schluhzeremonie her Olympischen Winterspiele statt. Die sportlichen Wettkämpfe waren allerdings nod? nicht ganz beendet, ha bat' Dierer-Dobrennen erst am Sonntag in Angriff genommen werden Tonnte. Zu der Schluhseier marschierten wieder die Vertreter aller 17 beteiligten Rationen auf. Während der Feier herrfchte ein starker Schneesturm, trotzdem harren Tausende von Zuschauern geduldig aus. Bei der Preisverteilung wurde auch die deutsche Eishockey-Mannschaft. die für ihren dritten Platz mit bronccnen Medaillen ausgezeichnet wurde, lebhaft applaudiert. Das Schlußwort sprach der Präsident des Internationalen Olympischen Kv- milees, Graf Baillel-Lalanr
Beginn der Diererdobreane«.
Auf der Mt. van Hocvenbergbahn wurde am Sonntag das Vierer-Bobrennen mit den beiden ersten Läufen in Angriff genommen. Durch den hochliegenden lockeren Schnee hatte die Bahn an Schnelligkeit verloren 3n den beiden ersten Läufen hielt sich „Amerika 2“ i Führer Fiske > am besten, er erzielte auch mit 1:59.16 Min. im zweiten Lauf die beste Zeit des TageS. Recht gut schnitt Deutschland 1 (Führer Kilian) ab, der den dritten Platz erreichte. Rach Erledigung der beiden ersten Läuse führte Amerika 2 vor Amerika 1, Deutschland 1, Schweiz. Italien. Rumänien und Bob Deutschland 2 (Führer von Mumm).
... unb bie Entscheidung.
Der von Kilian gesteuerte Bob „Deutschland 1" vollbrachte in den beiden letzten Läufen am Montag eine sehr anerkennenswerte Leistung, im dritten Laus fuhr er sogar die zweitbeste Zeit. 3m Gesamtergebnis blieb aber her deutsche Bob hinter den beiden amerikanischen Schlitten, von denen Amerika 1 im vierten Laus mit 1:54:28 Minuten die beste Zeit des Tages erzielte. Der zweite deutsche Bob war wesentlich besser als am Vortage, konnte jedoch vom letzten Platz nicht wegkommen. Immerhin wurde den deutschen Bob- fobrem auch eine bronzene Plakette zuteil.
der in einem kleinen Haus in einer benachbarten Straße sich vor saft einem halben 3ahrtausen1> über seinen Holzlohlen-Osen beugte und in groben Schmelztiegeln aus Ton Gold herstellte, das ihm nach her Legende der Zeit zu einem ungeheuren Vermögen verhalf. Dunikowski trug einen weißen Strandanzug und fiel dadurch etwa- au« dem mittelalterlichen Rahmen. Alle« blickte gespannt auf ihn, als er seinen Versuch begann, und man hörte in dem Schweigen nur das Surren einer Zeitlupenkamera, mit der alle Bewegungen feiner Hände und jeder Vorgang im Film festgehalten wurden. Seine beiden Anwälte Maitre Iores und Maitre Pimienta standen etwa- beiseite, als sich der Goldmacher an sie wandte und um die Erlaubnis bat. einige kurze Erklärungen abgeben zu dürfen. Dieser Antrag rief sofort ein Kreuzfeuer von Fragen der Sachverständigen und Richter hervor Die Szene verwandelte sich von einem Laboratorium plötzlich in eine Gerichtssitzung, in der die Anwälte BeweiSanträge stellten. Die Versuche wurden durch eine Reihe von Zwischensällen gehemmt. Zunächst konnte Dunikowski feine Apparatur nicht recht in Gang bringen. Dann behandelte er die Masse, au« der er das Gold gewinnen wollte, mit einigen Säuren, und bann sollten seine vielbesprochenen „Z-Strahlen“, in denen das eigentliche Geheimnis seiner Kunst liegt, in Kraft treten. Aber eine der „Z-Röhren" zersprang und verbrannte das Gesicht des Alchimisten dicht unter dem Auge Die Verletzung war nicht ernsthaft, aber die Sitzung mußte unterbrochen ©erden, und so ist das Geheimnis noch nicht gelöst. Dunikowski behauptet, daß e- ihm gelungen sei. einen unbekannten radioaktiven Stoss durch besondere elektrische Strömungen dazu anzureaen, daß er eine neue Art Strahlen hervor bringt. Mit diesen sog. „Z-Strahlen" will er dann Gold machen.
Locbschulnacknchten.
Der Lehrstuhl der deutschen Philologie an der Frankfurter Universität ist an Stelle von Professor H. Raumann dem ordentlichen Professor Dr. Julius Schwietering in Münster i. W. angeboten worden.
Zur Wiederbesetzung des durch das Ableben von Professor W- Dorkastner an der Universität Halle erledigten Lehrstuhles der gerichtlichen. Medizin ist ein Ruf an den außerordentlichen Professor und Direktor dos 3nftitut« für gerichtliche Medizin an der Unwcr'llät Heidelberg Dr. Walter Schwarzacher ergangen.


