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fernen dem Auslande gegenüber übernommenen Verpflichtungen zu entziehen. Die öffentliche Meinung der Welt außerhalb Frankreichs, ein nicht zu unterschätzender Bundesgenosse, hat diese grundsätzliche Wendung in der deutschen Finanz­politik anerkannt. Ihr Riederschlag findet sich in den Berichten der beiden Sachverständigen­ausschüsse, und gestützt auf ihr Votum konnte der Chef der deutschen Regierung den Bot­schaftern Englands und Frankreichs erklären, daß Deutschland nicht mehr in der Lage sei. weitere Reparationszahlungen zu leisten. Er hat weiter keinen Zweifel dar­über gelassen, daß Deutschland auf der Konferenz von Lausanne auf einer endgültigen Lö­sung bestehen müsse und sich mit irgend­welchen vorläufigen Regelungen, die nur Un­sicherheit und Mißtrauen in die weitere Ent­wicklung verstärken mühten, nicht zufrieden geben könne.

Die deutsche Regierung treibt also die Repara­tionsfrage, die den deutschen Wiederaufbau seit Kriegsende immer wieder verhindert hat, auf die Spitze. Die Lage i st bitterernst. Frank­reich wird bis zum äußersten einer radikalen Be­reinigung widerstreben, die Bereinigten Staaten halten sich zurück, auf Englands Llnterstühung ist nur sehr bedingt Berlaß, ausschließlich Italien scheint bereit zu sein, in Lausanne an Deutsch­lands Seite zu treten. Trotzdem muß die deutsche Regierung den Stein ins Rollen bringen und eine Entscheidung erzwingen, sollen die schweren moralischen und materiellen Opfer nicht wiederum vergebens gebracht sein. Gewiß Grund genug für den Leiter der deutschen Politik, sich ähnlich wie Laval, sein künftiger Gegenspieler in Genf und Lausanne, nach Rückendeckung umzu- schauen und den Versuch zu machen, die ge­marterte, in sich zerrissene, in allen Rerven ge­spannte Ration durch ein gemeinsames Bekenntnis zum höchsten und reinsten Symbol deutschen Wesens emporzureißen und durch Bekundung eines Willens zusammenzuschweihen zu einer starken, lückenlosen Front des ganzen deutschen Volkes,' das über allem Hader und Zwist der Parteien und Stände, Klassen und Welt­anschauungen nicht die Pflicht vergißt, in der Stunde ernster Entscheidungen geschlossen hinter die Männer zu treten, in deren Hände die Vertretung der gemein­samen nationalen Sache gelegt wurde.

War der Gedanke des Reichskanzlers wirklich so absurd, wie er heute fast erscheinen mag, wo er von Parteitaktik zerpflückt und zerzaust am Bo­den liegt und Deutschland wieder einmal der stau­nenden Welt ein klägliches Bild innerer Zwie­tracht bot, wo ein Zusammenstehen der Ration auf das Ausland stärksten Eindruck gemacht hätte. Brünings Vorschlag ging dahin, durch Zu- sammenwirkenallerParteien von Hit­ler bis zu den Sozialdemokraten einen Reichs- tagsbeschluh herbeizuführen, der mit der für Ver­fassungsänderungen notwendigen Zweidr'.ttclmehr- heit die am 12. Mai ablaufende Amtsdauer des Reichspräsidenten von Hindenburg verlängert hätte. Brünings Ziel war einmal, un­serem Volke schwere innerpolitische Kämpfe in einer Zeit zu ersparen, wo alle ge­sammelte Kraft der großen außenpoliti­schen Auseinandersetzung zugewandt sein muß, und zum anderen dem Volke den starken innerenHalt, der von der Persönlichkeit des Feldmarschalls ausgeht, auch für die kommenden schweren Iahre zu bewahren, der deutschen Außenpolitik aber die außerordentliche Werbekraft des Mannes zu erhalten, der für die Welt Symbol deutschenSelbstbehaup- tungswillens geworden ist. Es war des Kanzlers selbstverständliches Recht, ja seine wohl­verstandene Pflicht, die von ihm angestrebte ge­meinsame Dertrauenskundgebung der Parteien für Hindenburg, wenn sie zustande gekommen wäre, als stärkste und nachhaltig st eRücken- deckung für seine Arbeit in Lausanne zu betrachten und auszuwerten. Lind das um so eher, als Hindenburg niemals ein Hehl daraus gemacht hat, daß Dr. Brüning der Mann seines persönlichen Vertrauens ist, dessen Politik er billigt.

Die Aktion des Reichskanzlers ist gescheitert. Den tief beschämenden Vorgängen der letzten acht Tage noch einmal in allen Einzelheiten nach­zugehen, wollen wir uns und unseren Lesern er­sparen. Den Kanzler oder seine verantwortlichen Mitarbeiter trifft vielleicht der Vorwurf zu Recht, zwei möglich« Wege, die ihn zum Ziel hätten führen können, nicht auseinandergehalten zu ha­ben. Entweder Geheimdiplomatie oder volle Oef- fentlichkeit. Zog er die parlamentarische Lösung der von der Verfassung vorgeschriebenen regu­lären Volkswahl aus den oben geschilderten Grün­den vor und wollte er sich hierfür die Mitwir­kung der Parteiführer vorweg sichern, mußte er ^greiflicherweise für strengste Diskretion bis zur Beendigung der vorbereitenden Aktion Sorge tra­gen, um Empfindlichkeiten zu schonen, Intriguen zu unterbinden, Konterminen auszuweichen und Kuhhändel auszufchalten. Fühlte er sich indessen stark genug, das Volk als Bundesgenossen gegen etwa widerstrebende Parteien ins Feld zu füh- ren, um die Volkswahl zu erzwingen, wenn di« parlamentarische. Lösung auf unüberwindliche Widerstände stieß, dann bedurfte es sorgfältiger Vorbereitung der Oeffentlichkeit, um rechtzeitig seinem Vorhaben günstige Stimmung zu schaffen, bevor seine Aktion begann. Der Kanz­ler hatte sich für den Weg geheimer Fühlung­nahme entschieden, der seiner Ratur zweifellos gemäß war, geriet dann aber mitten in den Ver­handlungen mit Hitler aus Gründen, die nicht völlig klargestellt sind, auf den zweiten Weg auf dem er ausglitt, sobald die Verhandlungen von der Gegenseite in die Länge gespielt wurden und auf dem er schließlich böse zu Fall kam, als die Führer der Opposition nach mehrtägigem Palaver untereinander, mit ihren Parteiinstanzen und Mannern des Kabinetts endlich mit dem Rein herausrückten, das ihnen schon lange auf der Zunge gelegen hatte. Hitlers politischer In- stinkt hätte ihn vielleicht davor bewahren kön­nen. sich in diesem Trauerspiel um Deutschlands Wurde in eine wenig beneidenswerte Rolle hin- eindrängen zu lassen. Er hat jedenfalls anschei- nend zu Beginn der Verhandlungen mit dem Kanzler ein gewisses Verständnis für dessen Vor­schlag an den Tag gelegt und ist offenbar erst nach seiner Fühlungnahme mit Hugenberg und unter dem Einfluß einigerUnversöhnlichen" sei­ner eigenen Partei zu der Absage gekommen, die er dann wenigstens in die denkbar höflichste Form eines Briefes an den Kanzler und einer von seinem Beauftragten dem Reichspräsidenten überreichten Denkschrift kleidete, so daß von sei­ner Seite vermiedeii wurde, noch unnötig Por­zellan zu zerschlagen, wo die Ration ohnehin schon vor einem Scherbenhaufen stand. H u g e n -

Ein seltener Jang der Berliner Polizei.

Zalschmiinzerwerkstatt ausgehoben. Feudales Ehepaar auf dem Wochenmarkt bei frischer Tat verhaftet.

Der Falschgeldzentrale in der Berliner Krimi­nalpolizei ist ein sensationeller Fang geglückt, und zwar konnten der 42 Iahre alte Dr. Cornell Sa­la b a n , Autor mehrerer juristischer Bücher, und dessen 33jährige Ehefrau als Falschmünzer entlarvt und fe st genommen werden. S. hat bereits seit dem Iahre 1929 falsche Zwei- Mark-Stücke hergestellt und zusammen mit seiner Frau auf den Berliner Wochenmärk­ten umgesetzt. Insgesamt sind von den bei­den bisher mehr als 30 000 dieser raffiniert hergestellten Falschgeldstücke in den Verkehr ge­bracht bzw. als Fälschungen angehalten worden. Salaban bewohnte in Lichterfelde eine luxuriös eingerichtete zweistöckige Villa, wo er nachts in einem verborgenen Kellerraum die Falschstücke auf einer Prägemaschine herstellte. Sein zahlreiches Hauspersonal ahnte nichts von dem dunklen Treiben seines Dienstherrn, der das Leben eines begüterten Privatmannes führte, das er scheinbar aus den Erträgnissen seiner wis­senschaftlichen Arbeiten bestritt.

Die Entdeckung erfolgte durch die Anzeige eines Obst- und Gemüsehändlers, der auf den der­

berg, der als Führer der Deutschnationalen spa­ter ebenfalls hinzugezogen worden war, benutzte jedoch die Gelegenheit, dem Reichskanzler in einem der Oeffentlichkeit übergebenen Brief mit betonter Schroffheit erneut schärfstes Mißtrauen und Kampf bis zum äußersten anzukündigen und den Rücktritt der Regierung zu verlangen, ohne, wie man es Wohl hätte erwarten können, auch nur mit einem Wort die Bereitwilligkeit seiner Par­tei anzudeuten, bei einer Wahl durch das Volk für den Feldmarschall einzutreten.

So hat der Reichskanzler seine Wünsche zu Grabe tragen müssen und nun scheint ungeachtet des Ernstes der Stunde und der Bemühungen, die Person des Reichspräsidenten gus dem klein­lichen Parteigezänk herauszuhalten, ein hem­mungsloser Kampf aller gegen alle ent­fesselt zu fein. Die Rationalsozialisten melden für die Präsidentenwahl bereits eine eigene Kan­didatur an für den Fall, daß Brüning bis dahin nicht zurückgetreten sei, ja, radikale Heißsporne der Partei scheuen sich nicht, den Reichskanzler als Wortführer des deutschen Volkes und Anwalt sei­ner Interessen auf der Tributkonferenz in Lau­sanne auf das schwerste zu diskreditieren, seine Verhandlungsfähigkeit anzuzweifeln und dem Ausland« laut zu verkünden, daß Brünings Rein" ja nicht ernst gemeint sei, Deutschland erwarte nichts anderes, als daß der Kanzler aus Lausanne auch wieder eine Rie­de r l a g e mit nach Hause bringen werde. Das ist eine Kampiesweise, die aus innerpolitischen Bedürfnissen jede Rücksicht auf die Interessen der Ration bedenkenlos beifeiteschiebt. Solche Me­thoden haben die gleichen Leute, die sich heute ihrer bedienen, noch vor kurzem den Sozialdemo­kraten in lauter Empörung vorgeworfen. Wo bleibt hier das Machtwort Hitlers, den als souveränen Führer der nationalsozialistischen Be­wegung die volle Verantwortung trifft für den unermeßlichen Schaden, der durch die Fortsetzung einer solch hemmungslosen Polemik den vaterlän­dischen Interessen zugefügt wird? So kann es unmöglich weitergehen, wenn Deutschland sich nicht im Endkampf um die Befreiung von den Tri­buten schon in der vorbereitenden Phase die erste schwere Riederlage in blindem Selbstzerflei­schungswahn durch eigene Hand beibringen will. Das überaus peinliche Schauspiel der letz­ten Tage war schon eine außenpolitische Schlappe, die wir noch zu spüren bekommen werden. Kann sich unser Volk nicht in letzter Stunde zusammen- reihen und das innerpolitische Parteigezänk zu- rückstellen. bis außenpolitisch die Entscheidung ge­fallen ist? Können unsere Parteien nicht einmal selber eine jede ihrer Stelle die nationale Disziplin und Selbstzucht aufbringen, die sie vom Gegner verlangen und beim Ausland stets be­wundern? Sollte es nicht möglich sein, statt uns ganz auseinanderzureden und, während in Lau­sanne die Tributverhandlungen beginnen, daheim in wilden Parteiorgien blindfanatisch aufeinan­der loszuschlagen, das ganze Volk trotz allem, was schon geschehen, um die ehrwürdige Gestalt des großen alten Mannes zu sammeln, um den uns die ganze Welt beneidet? Dann aber tut Eile not. Mahrauns Vorschlag, dem Feld­marschall durch Volksentscheid erneut das Amt des Reichspräsidenten zu übertragen, ist gut gemeint und aller Anerkennung wert, scheidet je­doch aus, da er vor Ablauf der Amtsdauer tech­nisch nicht mehr durchgeführt werden kann. Es muh also dabei bleiben, daß ein Ausschuß poli­tisch nicht gebundener Männer von Rang und Ansehen Hindenburg erneut die Kandidatur für die Präsidentenwürde anträg't und die Parteien von den Rationalsozialisten bis zu den Sozial­demokraten bedingungslos auf die Aufstellung eigener Kandidaturen verzichten. Auch unter die­ser selbstverstündlichen Voraussetzung ist die Uebemahme der Kandidatur eine schwere Zu­mutung für den greifen Feldherrn und bedeutet das große bittere Opfer seines Lebensabends, ein Opfer, das unser Volk sich wahrlich nicht ver­dient hat.

Hindenburg und die presse.

Dortmund. 15.Ian. (ERD.) Im Westfä- lifch-Riederrheinischen Institut für Zri.ungs- forschung sprach Oberregierungsrat Dr. Heide von der Presseabteilung der Reichsregierung über Pressepolitik im neuen Deutschland".

Dr. Heide wies auf die grundlegende Aenderung in der Auffassung der Regierungsstellen hin, die die Presse nunmehr als selbständigen, gleichberech­tigten Faktor betrachten, streifte hierauf die Schaf­fung und die Arbeitsweise der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes und kam schließlich auf die Unterrichtung des Reichspräsiden­ten durch den Chef der Presseabteilung zu spre­chen. Diese Information sei so umfassend, wie kaum eine zweite auf der Welt. Es verdiene hervorgehoben zu werden, daß Reichs­präsident v. Hindenburg trotz seines hohen Alters ein« Reihe maßgebender Zeitungen selbst gründlich studiere und wahrend des Vortrages des Reichspressechefs von verblüffender Sachkenntnis zeugende Fragen zu stellen pflege. Die ihm vorgelegten Zeitungsausschnitte seien häufig mit zahlreichen Randbemerkun­gen versehen, die bewiesen, wie sehr der

schiedenen Wochenmärkten im Westen der Stadt sein Geschäft betrieb und verschiedentlich falsche Zweimarkstücke bekommen hatte. Der Händler be­obachtete eine Frau, die bei ihm zwei Apfel­sinen gekauft und mit einem falschen Zweimark­stück bezahlte. Er sah, wie sie sich dann mit einem Manne traf. Die Frau ging die Stände ent­lang. kaufte hier und dort eine Kleinigkeit, dann begegneten sie sich wieder und der Mann steckte ihr heimlich neues Falschgeld zu. Die Beamten konnten feststellen, daß die Frau 3 9 Falsch- stücke in Zahlung gegeben hatte. Zehn­mal hatte sie für 10 Pfennig Suppen­grün gekauft und jedesmal ein Zwei­markstück g'e w e ch s e l t. Getrennt verliehen sie den Markt und trafen sich einige Strahenzüge weiter. Hier bestiegen sie vor den erstaunten Augen der Beamten, die sie beobachtet hatten, eine elegamte Horchlimousine und fuhren davon. Auch auf dem Emserplatz in Wil­mersdorf erschien das Paar und machte seine Einkäufe. Rachdem es etwa sieben Stücke aus- gegeben hatte, wurden der Mann und feine Frau verhaftet.

Reichspräsident den Pressefragen seine Aufmerk­samkeit zuwende.

ASDAp. und Präsidentenwahl.

Die Partei hat sich ihre Entsck,lüfte Vorbehalten.

München, 15. Ian. (CRB.) Wie die Presse­stelle der Reichsleitung der RSDAP. mitteilt, find die von verschiedenen Blättern verbreiteten Meldungen, dah in den Verhandlungen um die parlamentarische Verlängerung der Amtszeit des Herrn Reichspräsidenten seitens der nationalisti­schen Parteiführung über d i e Kandidaten­frage für die verfassungsmäßige Volkswahl verhandelt oder auch nur ge­sprochen worden sei, völlig unzutreffend. In den Verhandlungen habe nur die Liquidie­rung derverfehlten Brüning-Aktion" in einer für die Interessen des deutschen Volkes erträg­lichen und angemessenen Weise zur Debatte ge­standen. Darüber hinaus habe die RSDAP. zur Volkswahl selb st in den Verhandlun­gen keinerlei Stellung genommen und sich ihre Entschlüsse Vorbehalten.

Richtigstellungen der Reichsregierung.

Berlin. 15. Ian. (CRB.) Amtlich. Die imVölkischen Beobachter" ausgestellten Behauptungen, Reichskanzler Brüning sei von autoritativer ausländischer Seite darauf hinge­wiesen worden, daß er ohne die Unter­stützung Hitlers als nicht verhand­lungsfähig angesehen w.rde, werden von unterrichteter Seite als frei erfunden und aus der Luft gegriffen bezeichnet.

Von zuständiger Stelle wird die Meldung, daß der Führer der RSDAP. Adolf Hitler in der Frage der Präsidentenwahl einen neuen Be - s u ch beim Reichskanzler abstatten werde, als unzutreffend bezeichnet. Die in dem Schreiben Hitlers an den Reichskanzler angekün­digte Denkschrift über die verfassungsrecht­lichen Gründe für die Ablehnung einer parlamen­tarischen Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten ist bisher in der Reichskanzlei noch nicht eingegangen.

Verstimmungen

in der Harzburger Front.

Berlin, 15. Ian. (CRB.) 3m Hinblick auf bi« vorn 18. bis 23. Ianuar stattfindenden Kam­merwahlen an der Universität B« r - I i n veranstaltete heute abend der Wahlblock Stahlhelm und Deutschnationale" eine Kund­gebung, auf der Major a. D. v. Stephani, der Landessührer des Stahlhelms Berlin, scharf gegen die Rationalsozialisten Stellung nahm und ihnen vorwarf, aus der Harzburger Front ausgebrochen"ju fein, indem Hitler an feine Anhänger die Losung ausgegeben habe, eine eigene Liste für die Kammerwahlen aufzustellen. Den Forderungen Hitlers, auf der Wahlliste an führender Stelle vertreten zu sein, könne der BlockStahlhelm und Deutsch- nationale" nicht stattgeben, da die Rational- sozialisten noch nicht die 51 Prozent der Wähler hinter sich haben. Mit besonderer Schärfe wandte sich v. Stephani gegen das System der Rationalsozialisten, den Deutschen zum So­zi a l i st e n zu machen. Stephani lehnte das Wort Sozialist ab; denn es bedeut« nichts anderes, als daß der deutsche Arbeiter zum Proleten gemacht werden soll«. Di« Rationalsozialisten gehen auch, so betont« v. Stephani zum Schluß, darin fehl, den Faschismus aus Italien auf Deutschland übertragen zu wollen. Deutsch­lands Stärke liege in seinen Stämmen und nicht in einem Einheitsstaat, wie er von den Fa­schisten propagiert werde.

Die Arbeit

des Preiskommissars.

Berlin, 15. Ian. (TU.) Wie der Reichskom­missar für Preisüberwachung mitteilt, haben bis­her insgesamt 65 Werke ihr« Strom» und Gas­preistarife herabgesetzt. U. a. find Lichtstrom- preissenkungen eingetreten in Bremerhaven um 5 Pf., in Dresden (Sächsische Werke) von 48 auf 46 Pf., ferner in Eberswalde, Görlitz, Halber­stadt, Halle, Hildesheim, Küstrin, Löwen, Lucken­walde, Lüneburg, Rordhausen, Oberhausen, Stet­tin und Wiesbaden. Die Gastarife sind u. a. in folgenden Städten gesenkt worden: Bremerhaven, Siegen, Buxtehude, Wiesbaden, Halberstadt, Glatz, Eberswalde und Plauen. Die Vertreter des Verbandes Deutscher Spediteure haben mitgeteilt, daß ein« 10proz«ntige Senkung durch» geführt worden sei in Mainz, Chemnitz, Berlin und Leipzig. Im Wuppertal ist eine 20proz«ntige Kürzung der Tarife eingetreten, während in Landsberg a. d. Warthe die Kürzung 33 v. H. gegenüber dem Stand vom 31. Dezember 1931 beträgt. Auch di« Kleinverkaufspreise für Brennspiritus sind feit dem 1. Ianuar um 10 v. H. niedriger. Die Preise für Verband­stoffe sind allgemein um 10 v. H. gesenkt worden.

Ein deutschnationaler Antrag auf Landtagsauflösung.

Darmstadt, 15. Ian. (ID$71.) 3m hessischen Landtag hat der deutschnationale Abgeordnete Böhm einen Antrag auf Landtagsauflösung eln- gebracht. (Eine Begründung ist dem Antrag nicht beigegeben, aber er geht wohl von der Tatsache aus, daß nach dem Scheitern der national- sozialistischen Verhandlungen mit dem Zentrum die Aussichten für eine Re­gierungsbildung bei der gegenwärtigen Zu­sammensetzung des Landtags gering erscheinen. Für die Annahme des Auflösungsantrages ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig, die nur bei Zustimmung einer der beiden seit­herigen Regierungsparteien (Zentrum und Sozialdemokraten) erreicht wird. Die Rational- fozialisten haben sich zu dem Antrag noch nicht geäußert.

Keine OevalvationSpläne.

Berlin, 15. Ian. (CRB.) Amtlich. In der Presse tauchen wieder Gerüchte auf über eine von der Regierung beabsichtigte Devalva­tion durch Herab stempel u*n g-4> er Zah­lungsmittel. Von unterrichteter Seite wird hierzu mitgeteilt, dah derartige Pläne von keiner verantwortlichen Stelle auch nur erwogen worden sind. Die öffentliche Erörterung der an sich ganz unmöglichen Ge­rüchte sei nur dazu geeignet, eine schädliche Wir­kung hervorzurufen. -

Oie Biersteuer.

München, 15. Ian. (TU.) Nach einer Mittei­lung des Bayerischen Brauerbundes sind die letzten Meldungen über eine angeblich bevorstehende Sen­kung der Biersteuer falsch. Der Reichsfinanzmini­ster habe vielmehr erklärt, daß er zur Zeit keine Senkung der Biersteuern in Aussicht stellen könne. Damit kämen aber auch die Voraussetzungen für eine Bier- Preissenkung in Wegfall. Der Bayerische Brauerbund hat deshalb in einem Telegramm an den Reichsfinanzminister auf die ungeheure Bestür­zung und Erregung in Bayern wegen der Ablehnung der Biersteuersenkung hingewiesen. Die bereits verfügten Preisherabsetzungen beim Brau- und Gastwirtegewerbe müßten ohne Mitwir- kuna des Fiskus völlig verpuffen und ein Massen- sterben der Brauereien wnb Gastwirtbetriebe sei unvermeidbar, wenn sich nicht im letzten Augenblick noch eine andere Auffassung durchsetze. Heute finden Verhandlungen mit dem bayerischen Preiskommissar, Prof. Dr. Zahn, über den Bierpreis statt.

Oie Kündigung verheirateter weiblicher Beamter.

Berlin, 15. Ian. (CRB.) Der Reichspost- minister hat _ nachstehende Verfügung erlassen: Wenn in Fällen, in denen verheirateten weib­lichen Beamten das Dienstverhältnis gekündigt worven ist, sich herausstellt, dah die wirt- schaftlicheVersorgunguichtmehr ge­sichert erscheint, so ist die Kündigung zurück­zunehmen. Es entspricht nicht der Absicht des Reichspostministeriums, dah die Kündigung in der Schwebe gehalten und die Beamtin über den Ablauf der Kündigungsfrist hinaus auf Widerruf beschäftigt wird. Gegebenenfalls würde die Kündigung später von neuem auszusprechen sein.

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Oie polnische Flui.

Ter BevölkrrungsdruS auf die deutsche Oslgrenze.

Warschau, 15. Ian. (Täl.) Rach vorläufigen Angaben über die zweite Volkszählungin Polen ist in den letzten zehn Iahren ein Be­völkerungszuwachs um 1 8,9 v. H. zu ver­zeichnen, das sind rund 5 Millionen mehr a l s im Iahre 1921, wo 26,8 Millionen Ein­wohner gezählt wurden. Demnach hat Polen heute 31,9 Millionen Einwohner ohne das in den Kaser­nen untergebrachte Militär. Der größte Bevölke­rungszuwachs ist in den östlichen, also zum überwiegenden Teil in den von Richtpolen be­wohnten Wojewodschaften festzustellen. Er beträgt durchschnittlich 34,2 v. H. An zweiter Stelle stehen die Zentralwojewodschaften mit 19,3 v. H. Dann folgen die südlichen Wojewodschaften mit 13,7 v. H. und schließlich die westlichen mit 11,7 v. H. Der geringe Zuwachs in den west­lichen Bezirken wird u. a. auch auf dieMassen - Verdrängung der Deutschen zurückge- führt. Don allen Städten weist Gdingen den größten Bevölkerungszuwachs auf, nämlich 854,7 v. H. Es zählt 30 200 Einwohner.

Englands Politik in Indien.

Der Erfolg der starken Hand.

London, 15. Ian. (Täl.) Bei der Abreise des Ausschusses der englisch-jnd.schen Kon e:enz legte der Staatssekretär für Indien, Sir S. Hoare, vor der Presse den Standpunkt der englischen Re­gierung dar. Er habe gehofft, auf Gandhi mä­ßigend eingewirkt zu haben, aber die indischen Rationalisten, unter denen sich zahlreiche Kommunisten befänden, hätten leider d ie Oberhand gewonnen. In.olgedessen hätte die Regierung eingreifen müssen. Die Regierung habe vorgezogen, in drastischerWeisemit einemSchlag und im ganzen zuhan­deln, statt allmählich hier und da vereinzelt vorzugehen. Das sei die sicherste und letzten Endes auch die humanste Methode. Bisher habe sie hier­durch bereits große Erfolge erzielt. Sowohl an der Rordwestgrenz«, wie in Bengalen und in den bereinigten Provinzen sei d i e auf * rührerische Bewegung im Abflauen. Die notwendigen Maßnahmen würden, so ver­sicherte Hoare, keine Stunde länger in Geltung­bleiben, als unbedingt notwendig sei.

Oer Brand bei Sarrasani.

Die behördliche älnterfuchung der Brandursache im Zirkus Sarrasani hat ergeben, daß meh­rere Zirkusangehörige trotz Verbotes im Ankleideraum geraucht haben. Das Feuer ist demnach höchstwahrscheinlich auf Un­achtsamkeit zurückzuführen. Von den Elefanten werden zwei dauernde schwere Folgen der Brand­wunden davontragen und zwei andere werden erblinden.

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