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bis zum Fälligkeitstermin beglichen werben; wenn man an meine Dienststelle Meldung macht, bin ich erledigt."
„Das lassen Sie nur meine Sorge sein!" beruhigte Axel gönnerhaft den Aufgeregten. „Ich werde mit den Leuten schon fertig werden. Geben Sie mir nur die nötigen Unterlagen und uber- lassen Sie mir die Verhandlungen. Aber eine Bedingung knüpfe ich daran: Sie geben mir schriftlich, daß Sie alle Anordnungen, die Ihre Mutter durch mich trifft, autheißen werden, denn ich sehe schon, daß es hier allerhand zu bereinigen geben wird. Ein Prokurist, der wagt. Ihnen die Zahlung einer so dringend notwendigen Summe mit der Ausrede zu verweigern, er müßte erst das Testament abwarten — ein solcher An- gestellter hat nicht das genügende Interesse für die zukünftigen Besitzer des Bremerwerks, denn daß Ihre Frau Mutter und Sie sowohl wie Hiltrud es sind, ist doch klar. Ihre Mutter erzählte mir schon häufig von der Parteinahme der meisten Angestellten hier für Ihren Stiefbruder. Das scheint mir hier wieder ein solcher Fall zu sein. Ganz gleich, wie die Testamentsvorschriften im einzelnen sein werden; ich halte es für richtig, so schnell wie möglich andere Zustände hier zu schaffen. Ich kenne ja einen solchen Betrieb, ich werde alles tun, um im Sinne meiner hochverehrten Schwiegermutter. Ihrer Mutter, einzugreifen."
Hans Egon, dem — wie allen schwachen Menschen — Energie immer imponierte, wagte nicht zu widersprechen. So unterschrieb er denn einen Schein auf dem er sich zugunsten seines Schwagers jeder Einmischung in die Geschäftsführung zu enthalten versprach.
Dreizehntes Kapitel.
Als Kurt auf dem Bahnhof in der Heimatstadt ankam, sah er Hans Egon neben einem ihm unbekannten Herrn stehen. Auch dieser Unbekannte war in korrektes Schwarz gekleidet und trug am Arm einhü Trauerflor. Etwas abseits von ihnen, in die Ecke des Bahnhofsgebäudes gedrückt, stand Erika. Ihr liebes Gesicht sah Kurt mit einem Ausdruck der zärtlichen Sorge und des Mitfühlens entgegen. Und nefer Blick aus den Augen des heimlich geliebten Mädchens war der erste Trost, den Kurt seit seiner Abreise aus der Universitätsstadt empfand.
Aber er vermochte nicht sogleich zu Erika zu gelangen, denn gleich beim Aussteigen empfing ihn Hans Egon. Er schüttelte ihm mit einem schmerzvollen Gesicht die Hand. Er wußte nicht, daß in Kurt ein Gefühl der bitteren Abwehr aufstieg. Jetzt — etzt konnten sie Trauer tragen um den Toten — dem Lebenden waren sie niemals gerecht geworden. '
Wer er kam nicht dazu, diesen bitteren Gedanken weiter nachzuhängen. Der fremde junge Mann, mit dem glatten, schönen Gesicht, trat einen Schritt vor und fragte gedämpft.
"Hans Egon, willst du nicht so freundlich sein —** Schon sagte Hans Egon:
„Dies, Kurt, ist Hiltruds Verlobter — Baron Axel Ivarsen?"
Kurt gab dem jungen Herrn höflich die Hand; er faßte es nicht sogleich, daß Hiltrud verlobt sein sollte. Er hatte nichts von den Ereignissen erfahren, die sich in dem Seebad abgespielt hatten.
Axel las das Vichtbegreifen von Kurts blassem Gesicht.
„Sie empfinden es vielleicht als taktlos, Herr Bremer'., sagte er glatt und gewandt, „daß Hiltrud und ich in diesen traurigen Stunden mit der Nachricht unserer Verlobung nicht, noch zurückhalten. Auch ich habe es mir lange und reiflich überlegt, ob man unseren Schritt nicht in diesem Augenblick mißverstehen würde Andererseits hielt ich es für meine Pflicht, den beiden Damen ganz und mit allen Kräften zur Seite zu stehen. Wenn ich Hiltrud keiner Mißdeutung aussetzen wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als die Verlobung letzt schon belanntzugeben. Ich hoffe, meine Gründe werden Ihnen einleuchten. In diesem Sinne bitte ich auch Sie, mich als Mitglied in Ihre Familie aufzunehmen."
Er streckte Kurt nochmals die Hand hin, in die Kurt mechanisch die seine legte. Er vermochte es nicht ein paar freundliche Worte zu sagen, wie es sich gehört hätte. Aber er war so müde — so müde — und diese lange, wohlgesehte Rede hatte m ihm ein Gefühl des peinlichsten Mißtrauens hervorgerufen.
Das alles war so glatt, so vorbereitet, der ganze etwas so Glattes, in dem schönen ©efi<t wie in der Stimme war etwas Weichlich- Einschmeichelndes, das Kurt mißfiel. Es war ihm auch alles so gleichgültig, so entsetzlich gleich- gültig. Er hatte nur einen Wunsch, heimzukom- men, dm Vater noch einmal zu sehen, ehe sie den .^schlossen - und ein Wort, einen Händedruck mit Enka zu tauschen.
„Verzeihen Sie", murmelte er hastig und ging wn den beiden Männern vorbei in die Ecke, wo Enka schüchtern und mit blassem Gesicht stand.
«sprach er leise, und die Tränen kamen ihm in die Augen, wie er ihr die Hand hin- streckte daß du gekommen bist, das ist gut — Ene, sehr gut ist es."
„Ich wollte dich doch gleich sehen, Kurt", flüsterte sie mit zuckenden Lippen. „Ach, Kurt, du weißt ia, was das ganze Bremerwerk, was wir
alle verloren haben. Aber du. ach. lieber Kurt * Hilflos sah sie ihn an; in ihren Augen stand das heiße Erbarmen, stand — ihr noch unbewußt - die Liebe für ihn.
Ich komme bald herüber, Erie", sagte Kurt hastig, denn er sah, wie Hiltruds Verlobter mit befremdetem Gesicht herüberschaute und Hans Egon etwas zu fragen schien, worauf dieser mit einem maliziösen Lächeln etwas erwiderte. Auch Erika schien dieses Lächeln gesehen zu haben. Blutrot zog sie ihre Hand aus der des Freundes mckte ihm noch einmal scheu zu und war in dem Dahnhofsausgange verschwunden.
„Zudringliche Person", näselte Hans Egon, als er nun neben Kurt und Axel den Bahnsteig entlang schritt:. „Es sah ja gerade so aus, als ob sie eigens zu deiner Begrüßung hierhergekommen wäre."
In Kurts blasses, übermüdetes Gesicht stieg Zornesröte. „Es scheint nicht nur so, Hans Egon — es ist so! Tlnd ich danke es Erika, daß iic mir bei dieser schweren Heimkehr als erste die Hand drücken wollte."
„Aber das ist doch eine Taktlosigkeit", erklärte Hans Egon, während er sich bequem in den Wa- 6enfond neben Kurt setzte, „sie tut ja gerade, als ob du niemanden hier hättest. Als ob sie zur Familie gehörte."
. .öa$ eine Kritik an der Art und Weise n t ^ec mein lieber Vater seine Ange- u^Uten behandelte, so muß ich doch sehr bitten.. fuhr Kurt auf, aber er vermochte nicht weiterzureden. u
fagte '^t)ar^cn unterbrach, indem er begütigend
Äurt ~ Sie gestatten doch, daß 1 r» ncni}€ —' Huns Egon wird doch nie« mafö wagen, an den Maßnahmen Ihres hochver- ehrten Vaters Kritik au üben. Vicht wahr, Hans ÄTLi to^ac doch pur eine ganz allgemeine ?^nchtung. Sie sind jetzt überreizt, das verstehe ich vollkommen, daher vermuten Sie jetzt in ledern harmlosen Wort einen Angriff. Wenn Sie erst ein wenig zur Ruhe gekommen sind, werden Sie die Dinge ganz anders ansehen. Heber die 2Irt, wie. man mit Angestellten umgeht, sind ja m der Tat die Meinungen außerordentlich Der- ftzedem Die patriarchalische Methode hatte sicherlich ihr sehr Gutes. Ob sie sich für die jetzigen Zeiten auf die Dauer bewähren kann, ist die Frage, aber doch kein Grund zu Meinungsverschiedenheiten."
„Vatürlich nicht", echote Hans Egon, der im Grunde genommen ein viel zu bequemer Mensch toar, um sich ernstlich mit jemandem auseinan- derzusetzen. (Fortsetzung folgt.)
Seiner Hände Werk Vornan von Klothilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchttvanger, Halle (Saale) 16 Sortierung. Nachdruck verboten.
fD,-ln dem stillen Sterbezimmer dem Wohnzimmer eine ab. Hans Egon sah Axel Ivarsen gegenüber. Er war vollkommen kopflos. h El^rist hatte sich entschieden geweigert, ^-der ^estamentseröffnung die Spielschulden zu bezahlen, von denen in der Hnglücksdepesche vie Jteoe war.
, kann es nicht verantworten", hatte der Amm erklärt, und aus seinen Worten sprach deutlich die Abneigung gegen diesen leicht- c Zungen Menschen, der den Chef ins Grab gebracht hatte. „Ich weiß nicht, wie die Testa- mentßbeftimmungen lauten, und ehe ich nicht weiß, wer in Zukunft über das Bremerwerk zu verfugen hat, gebe ich eine solche Summe nicht peraug. Die Zeiten sind auch nicht so rosig, Herr 'Referendar,- daß das Werk so ohne weiteres solche Abzüge aus den laufenden Eingängen vertragen könnte."
Unverrichteter Sache kehrte Hans Egon aus vem Geschäftskontor zurück und offenbarte sich voller Verzweiflung dem Verlobten seiner Schwester.
Marsen durchschaute sofort die Situation. Aus Frau Melanies Erzählungen hatte er schon ane gewisse Klarheit über das Testament, das Kommerzienrat Bremer zu Lebzeiten errichtet. Solange der Sohn aus erster Ehe noch nicht volljährig, war sie die Herrin hier. Alles also mußte so gelenkt werden, daß Frau Melanie unbeschränktes Vertrauen zu ihm, Axel, bekam — uad daß man seinen guten Schnitt machen konnte, ohne daß dieser Leichtsinn Hans Egons einem das Geschäft verderben konnte. Man mußte die ganze «yamilie, Mutter, Tochter und Sohn, ganz fest in den Fingern haben, um richtig operieren zu können.
Und so sagte er denn: „Machen Sie sich keine schwarzen Gedanken, Hans Egon! Ich werde doch meinen Schwager nicht im Stich lassen! Das notwendige Geld wird Ihnen ausgezahlt werden, sobald wir die Verfügung über das Vermögen haben."
„Aber dann ist es zu spät!" warf Hans Egon angstvoll ein. „Sie wissen, Spielschulden müssen
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