*°n Alfred
’erron
11 - Adon
ÜUfiMdes ^L^Aiem. -^Dannende "Pro0ramm:
■schau
। Kulturfilm
'evsanrmluna
nifflon
>tvrv-rdmmü
'chäfer,OffenbochLR
»des Vereins
'erben um zahlreichen Lr- LerDorstand
wtalttta
Heflen-Äafiau,
XV
2Ul ßcn
zustande u f outen
oder frei rt günM «crk nörttt ergertal
Tee zleimuns ege- »Jong«
SUdttheater
6‘ 1'6> Si'Ä’i *:w l92fc'Ä>
e l»K nie t0*? qjtkeS
Wsiko^
Mütterliche, liebev. Pflege finden'Kinder jeden Alt,, gut Hecknit. auch erbolungdbed. Gesunde Hobenlust. in kl. Landilädlch. o. Gieben.Mäb.PrelS. 3JleBgerei.s6r.an- gcbotc unt. 1252P an den Gteh. An;.
WHHH** 5600 Mk. acfl. gute si6et6eit u. niouotL Surfj.’u leib geb s6r.«ng. u.OMa. d.Gb-M.
Ltt.52.
Sorch- oagen rkauten, Lieser- ubouen. nt. 0938 «zeiget.
Ä
M B-lP
Lö*1”-
>■ *
tP8- ..............
winn BadtMwn, gute
- * Lmdvraw, ioiort
1 abweben. Seme grobe Uebemabme. ' ^6r.tiilofiert.unt.
U7ODa.b.06.M
jchej
Tret- daus Jage zu
nt.0942 neiget.
Mfttolü findet ven'.Smo- N^e'ksereti. k,Landstädt6enbe Gießen- MK
Vereino^"^
W- ;;S2* i",ss; ojlbbaltunj [iiD
ickte w lagen zu icht.
lern, neliier.
»terib_
ungey
llr.38 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 15. Zedruar 1952
Japan kämpst um seinen Absatz.
Die japanisch-chinesischen Wiftschastsbeziehungen.
Der neueste Wochenbericht des Instituts für Äon- juukturforschung besaßt sich mit der Loge ich Oft- osten. Die tieferen Ursachen für den Konflikt zwischen Japan unD Chino sind, wie ausgeführt wird, in der Entwicklung der Wirlschoftsstruktur dieser bei- den Landet in den letzten Jahrzehnten zu suchen. Der Bruttoproduktionswert der japanischen Industrie dürfte 1928 etwas über 7 Mrd. Yen betragen haben. Mach japanischen Schätzungen entfallen 60 Prozent dieser Produktion aus die Aus- fuhr, andere Schätzungen geben die Ausfuhrquote nur mit 40 bis 50 Prozent an, indes ist auch dieser Prozentsatz noch immer zwei, bis Dreimal so hoch wie in anderen hochkapitalistischen Ländern. Daraus ergibt sich, daß d i e Ausfuhr für die japanische Volkswirtschaft von ausschlaggebender Bedeutung ist und daß jede größere Störung des Luslandabsatzes die japanische Wirtschast empfindlich treffen mutz.
In den letzten Jahren boten nun Indien und China, die wichtigsten Ausfuhrmärkte Japans, aus strukturellen Gründen nichtmehrdieglei. d) e n Absatzmöglichkeiten wie bisher. In diesen Gebieten entstanden mehr und mehr eigene Indu ft r len, die innerpolitischen Wirren Chinas und schließlich die allgemeine Schrumpfung des Welthandels infolge der Weltwirtschaftskrise erschwerten die Lage noch weiter. Dazu kam, daß auch durch die Abkehr vom Goldstandard nicht verhindert werden konnte, daß in China, das bis vor kurzem mehr als ein Drittel der japanischen Ausfuhr aufnahm, der Absatz japanischer Waren unter dem Einfluß eines politischen Boykotts auf zunehmende Schwierigkeiten stieß In China selbst mit seinen fast 500 Millionen Menschen wird, seitdem China im Jahre 1930 seine Zollauto n c m i e zurückerhalten hat, die inländische Industrie durch Zölle gefördert. Da Japan unter allen Landern den größten Anteil an der chinesischen Einfuhr hat, wird von diesen Maßnahmen naturgemäß Japan auch am stärksten betroffen.
Japan und China stehen als Wirtschatssgebiele mit nahezu entgegengesetzten „Druckoerhältnissen"
sich gegenüber. Japan ist ein Land, dessen Industrieproduktion erheblich größer als die Aufnahmefähigkeit des einheimischen Marktes ist. Chinos Industrie ist im Vergleich zur Große des Londes erst wenig entwickelt. Es liegt nahe, bar, sich ber javanische Ausfuhrdruck in erster Linie auf bin chinesischen Markt auswirkt. Japans Anteil an ber djinefifdjen Wirtschaft hat sich do- her in ben letzten Jahrzehnten rasch erhöht, am Außenhandelsumsatz z. B. von 19 Prozent im Jahre 1913 auf 25,4 Prozent im Jahre 1929.
Bon besonderer Bedeutung für die gegenwärtige Lage ist die steigende Zahl der japanischen Industriewerke in China, die zum größten Teil in Schanghai ansässig sind. In der Baumroollinbuftrie hat sich die Zahl ber japanischen Werke von drei im Jahre 1915 auf elf im Jahre 1919 und 45 im Jahre 1931 er- hohl. Die chinesische Baumwollindustrie umfaßte 1931: Arbeiter insgesamt 255 256, davon in japanischen Unternehmungen 77 792, Spindeln 4,2 Millionen, davon in japanischen Unternehmungen 1,6 Millionen, Webstühle 33 580, davon in japanischen Unternehmungen 14 082. Das gesamte im Erwerbs- unternehmen angelegte japanische Kapital in China betrug nach Angabe des früheren Fi- nanzministers Imouyo Ende 1924 etwa 794 Millionen Pen, wovon 631 auf die Mandschurei, 162 Millionen auf das restliche China entfielen. Neue Investierungen dürften seither in erheblichem Umfange zu diesen hinzugetreten fein. Neuere Schatzungen geben das in chinesischen Industrie- und fjan- delsunternehrnungen investierte japanische Kapital mit 1,4 Mrd. Pen an. Diese Betrage stellen den weitaus größten Teil der gesamten japanischen Aus- landanlagen dar. Als Absatzgebiet für japa- nifche Waren hat vor allem M i 11 e l ch i n o (Schanghai) große Bedeutung. Dagegen sind Süd- china und die Mandschurei wichtige B e - z ugsgebiele für Rohstoffe der japanischen Wirtschaft (Sojabohnen, Oelkuchen, Kohle und Noh- eifen).
9J.-fpor(
Fußball in Hessen-Hannover.
3n ber Qlorbgruppe fiel am «Sonntag die Entscheidung in der Meisterschaftsfrage. Durch einen 2:1-Sieg über Sport Kassel holte sich Göttingen 05 den Titel endgültig. Tura Kassel schlug Hessen-Hersfeld überraschend mit 4:0, Gr.-All» merobe fertigte Einbeck 05 mit 7:1 ab und Grone schlug Northeim mit 2:1. 3n der Abstiegsfrage ist hier noch keine endgültige Klärung cingctrcten. 3n AbstiegSgefahr find noch: Gr.-Allmerode. Grone, Northeim, Einbeck und Sp. Vg. Göttingen. An zweiter Stelle hinter den mit 32:2 Punkten führenden Göttinger 05em liegt Sp. Verein Kassel mit 24:12 P, vor Sport Kassel mit 21:11 P.
3n der Südgruppe hat Vorussia Fulda mit 30:6 Punkten den Titel ebenfalls sicher. Am Sonntag fertigte sie den vorjährigen Bezirks- meister SC. 03 mit 3:1 Toren ab. Hessen 09 schlug Germania Fulda mit 2:1 und liegt mit 21:11 Punkten an Dritter Stelle hinter Germania Marburg, die 22:12 Punkte zählt. Kurhessen Marburg fertigte Horas mit 8. 0 ab.
Fußball Oer Gießener Mannschaften.
Bei den beiden hiesigen Sportvereinen herrschte gestern lebhafter Betrieb. Einen außerordentlich spannenden Kampf sah man auf dem Platz an der Liebigshöhe zwischen den Mannschaften der Spielvereinigung 1900 und des VfB.
Friedberg. Die 1900er lieferten eine überraschend gute Partie — wohl das schönste Spiel, daS von der Mannschaft in dieser Saison gezeigt wurde — und siegten verdient mit 3:1 Toren (Halbzeit 1:1). Einen prächtigen Kampf lieferten sich auch die 1. Iugendmannschaften Der beiden Vereine.
2: 1 endete das Treffen für die Gießener. Das Spiel der 2. Mannfchaft fiel auS. Rauborn trat nicht an. Die Lehrmannfchaft verlor gegen die spielstarke Elf von »Teutonia" Watzenbom-Stein- berg auf eigenem Platze mit 0:3. Die 2. 3ugcnD weilte in Marburg bei ber 1.3ugcnb der (Germanen und verlor mit 0:2. Die 2. Schuler spielten gegen die 1. Schüler von Müschen heim unentschieden 1:1.
Die L iga deS D f B. war spielfrei. Die 2. Mannschaft überfuhr auf dem Platz in Wieseck die 1. des PlatzbesiherS mit 9:1 Toren. Die 1.3ugenD spielte gegen Garbenteich unentschieden 1:1 und die 1. Schüler erreichten gegen Die Schüler von Wieseck auch nur ein Unentschieden von 2: 2.
Süddeutsche Fußballmeisterschaft.
Niederlagen der Favoriten.
An diesem Sonntag ging es bei Den süddeutschen Meisterschaftsspielen in beiden Abteilungen recht lustig zu. Es ergab verschiedene Ueberrafcbungen. So büßte in derAbteilungRordwest Die favorisierte Frankfurter Eintracht in Neckarau
gegen Len VfL mit c-ner 2 0-Riederlage zwei wertvolle Punkte ein. Damit liegt nach den 3er- luftpimftcn gerechnet der T‘2. Neckarau mit Der Eintracht zusammen in Führung. Aber dichtauf folgt der FSV. Frankfurt. Der nach feinen Hie- Derlagen gegen Worms und SSalDbof gegen Den Sa arm elfter FK. Pirmasens einen klaren 6:1-Lieg erfocht Wormat a Worms und Der FSD.Mainz trennten sich nach einem ausgeglichenen Spiel mit einem Remis von 2:2. Recht spannend ging es in Saarbrücken zu. wo Der FB. Saarbrücken nach überlegen durchgeführtem Spiel fc nen knappen
1 0-Sieg gegen Den SV. Daldhos lediglich einem Eigentor der Waldhöfer zu verdanken hat.
3n Der Abteilung öüDnft lieferte d.esmal Die SpVg Sürth Die ileberrafdjung Sie ließ sich von Dem ZV. Anstatt mit 1 0 Die bciDen Punkte abnebmen Gegen Bauern München mußte Der Karlsruher FV nach fünf Unentschieden mit 4:0 Die erste Niederlage e.nstecken. Pforzheim war wiederum in guter Verfassung und gewann gegen München 18b0 mit 2 0. Mit 6 2 wurde der VfB. Stuttgart vom 1. FE. Rürnberg überfahren.
Oie Deutschen Gkimeisterschasten.
D. Moh-München gewinnt den 16,2 Kilometer-Langlaus.
Mit Dem über 16,2 Kilometer führenden Langlauf wurde am Freitag — wir berichteten bereits kurz darüber — die deutsche Skimeisterjchaft in Schreiberhau emgeleitct. Zahlreiche BJinterfport- Gäste hatten sich eingefunben, nur ber starke jroft — am jreitagmorgen herrschten 11 Grad Kälte — hielt bie schlesischen Zuschauer noch in ihren war- men Zimmern zurück io daß ber Start am Freitag- früh fast unter Ausschluß ber Oeffentlichkeit erfolgte.
Sieger des Rennens wurde der Münchener W. Motz in 1:09:53,8. Im Kampf um die Plätze lieferten sich die Bayern ein scharfes Treffen, aus Dem Willi Bogner erfolgreich heroorging und dabei nur sechs Sekunden mehr als der 'Münchener Sieger benötigte. Der Borarlbcrgcr Meister Rudi Matt belegte in 1:10:41,4 den dritten Platz, während der jugendliche Münchener Steinhäuser in 1:11:04,4 einen hochachtbaren vierten Platz belegte. Der als Leichtathlet bestens bekannte Münchner W. K o e ■ n i g lief in der Altersklasse die beste Zeit in 1:20:25, in Klaffe II wurde der Deutschböhme Ettrich m 1:21:17,3 erster Preisträger. In Klaffe III siegte der Wiener Horn in 1:38:42.
Bayern zum sünftenMaleStaffelmeister
Die Deutschen Ski-Meisterschaften in Schreiberhau wurden am Samstag mit chem 40-Kilome- tcr-Canglauf, Dem Langlauf der HeereS-Skiläufcr und Dem Damen-Abfahrtslauf fortgesetzt. Zahlreiche Besucher hatten sich eingefunden. Als erste starteten die Läufer zum 40-Kilometer- S t a f f e 11 a u f. Hier waren bie baherischen Vertreter weitaus überlegen und sie belegten auch mit ihren bei Den Mannschaften die ersten Plätze. Tie zweite bayerische Mannschaft lieferte ein schnelles Bennen und führte fast über Die ganze Strecke. Bogner brachte Bayern 2 in Führung und seine Mitläufer Krebs, Mytz, Darchin- g e r und Gustl Müller dehnten Den Vorsprung bis Aum Ziel auf fünf Minuten aus.
Als nächstes wurde Dann Der Langlauf für Heeresa ngehörige gestartet, bei Dem die Würzburger 3nsanteristen in ihrer Klasse eine ganz hervorragende Leistung boten unD auch Die besten Plätze belegten. Bei Den Mittclgebirgs-tz truppen wurde Gefr. S ch i e s z e l (3.-R 20 Passau» Sieger, und bei Den Hochgebirgstruppen kam Obergesr. S ee w e g (Pionier-Batl. 7 München) als erster ein.
Der Darnen-Abfckhrtslaus sah die Breslauerin Frl. Heinzelmann in Front.
Akademische Winterspiele.
Der Canglauf.
Die 8. akademischen Skiwettkämpfe aller Länder, die in Grindelwald zur Durchführung gelangen, wurden mit dem 14-Kilometer-Lang- I a u f fortgesetzt. Bei ausgezeichneten Schneeverhältnissen und schönem Winterwetter konnten in allen Klassen achtbare Zeiten erzielt werben. 3n Der HaupMasse siegte der Turiner Holzner in 1,11,48.2 vor Dem Münchener Rommel in 1,13,26.3. 3n Klasse II gab es einen schönen deutschen Erfolg durch Dr. v st e r m e i e r (München), Der in 1,13,37,1 siegte.
Der Slalomlauf.
3m Dritten Wettbewerb Der 8. Akademischen Ld» Wettkämpfe aller Länder im Grindelwald, Dem Slalomlauf, schnitten die Deutschen Vertreter weniger günstig ab. Eine führende Volle spielten Diesmal die InnSbrucker. von Denen Dellekarth in Der schwierigen Gefchicklichkeits-Prüfung mit 2:14,8 Minuten Die beste Zeit Des Tages herausholle 2iad> ihm belegten feine Landsleute Solcher mit 2:16 Min. und Hans Qlcuner mit 2:16.2 unb H ßcubner in 2:20.3 Min. Die nächsten Plätze Der Münchener Rommel kam in 2.34.8 Min. erst an 7. Stelle ein. 3n Klasse II siegte Dr. Steiner iSt. Gallen) in 2.28.6 Min . während Dr. Öfter- meier iMünchen) mit 3:01 4 Min. nur Dritter wurde.
UI.Winter-Olympiaöe
®röltum#braalen wieder Olympiasieger
Troy starker Regengüße konnte am Donnerstagnachmittag auf ber Olnmpia-Schanze in Lake Placid das Skispringen zur Kombination abgewickelt werden. Fast 15 000 Zuschauer waren erschienen und sic bekamen auch trotz des feuchten und pappiacn Schnees hervorragende Leistungen zu sehen. Die Sprünge lagen durchweg an der 60 Meter Grenze und sie wurden fast ausnahmslos in guter Haltung gestanden. Der beste Mann mar der Norweger Hans Binjarengen, ber mit 62,5 Meter einen neuen Schanzenrekord aufstellte. Im Gesamtergebnis fiel aber der Sieg an seinen Landsmann Grottums- braaten, der auf Grund feiner guten Zeit im IN- Kilometer-Langlauf beim Springen nur auf Sicher beit auszugehen brauchte Der jetzt 33jährige Gröt- tumsbraaten hat bie Kombination bereits bei ben Olympischen Winterspielen 1"2N m St. Moritz ge wonnen. Das Ergebnis: Kombination (18-Kilo meter-Langlauf unb Sprunglauf) 1. Hans Gröt- tumsbraaten (Norwegen) Note 446; 2. Die Steeneu (Norwegen) Note 436,5, 3. Hans Binjarengen (Nor wegen) Note 434,6; 4. Sverre Kolterub Note 418,7; 5. Ericsson (Schweben) 'Note 402,3; 6. Borton (Tschechoslowakei); 7. Czech (Polen); 8. Simounek (Tschechoslowakei).
Das Klassement der Nationen
stellt sich nach dem großen Erfolg der 'Norweger in ber Kombination wie folgt: 1. Amerika 78; 2. Nor wegen 49, 3. Äanaba 36; 4. Schweben 24, 5. Oesterreich 15; 6. Finnland 10; 7. Schweiz 5; 8. Deutschland 4; 9. '.Rumänien 3, 10. Belgien, Italien unb Tschechoslowakei je 1 Punkt.
Finnischer Sieg im 50-ftilomcler-Daurrlauf.
Zur allgemeinen Uederraschung kam am Sams- tagmittag boch noch ber am Vormittag abgesagte 50'Kilometer-Ski-Dauerlauf zur Durchführung. Man hatte ollerbings eine neue Strecke wählen müssen unb auch auf dieser waren bie Schneever haltnisse burchaus nicht cinroanbfrei. Die zweite Uederraschung in biesem Wettbewerbe war der große Erfolg ber Finnländer, bie bie beiben ersten Plätze besetzten, wahrenb bie favorisierten Schweden ganz zurückfielen. Das Ergebnis: 1. Saarinen (Finnland) 4:26,48 Std., 2. Ci i la nen (Finnland) 4 28,07 Ltd.; 3. !R u b ft a b ft u e n (Norwegen) 14:31,40 Stb.; 4. Die Hegge (Norwegen) 4:32,03 Ltd., 5. Beftab (Norwegen) 4:32,14 Stb.; 6. Utter ft r ö m (Schweben).
Vögel nisten in Dampfkesseln.
Feierabenddesuch
auf einer Hamburger Abwrackwerft.
Bon Heinrich Hauser.
An schönen Wintertagen, wenn auf dem Land die Sonne scheint, liegt Hamburg oft in einem kalten Rebel eingehüllt. Die Wärme, die aus Den Mauern Der Häuser steigt, ist stärker als Der geringe Frost. Dieser Bebel sieht aus wie Feuer- raud), grau und blutig. Alle Farben scheinen verwischt und gegenseitig aufgehoben, wie eine verschmierte Palette. Man sieht die Sonne wie bet einer Sonnenfinsternis.
An solchen Tagen fahre ich hinüber in das seltsame Riemandsland, das zwischen Hamburg unb Harburg liegt. Dort liegt, am Köhlbrand- kanal. Die Abwrackwerft. Der Dampfer .Phönix", der zwischen Hamburg und Harburg verkehrt, ist Der älteste Hafendampser, Den wir hier haben. Mit seinen großen Schaufelrädern, mit seiner schwarzen Haut erinnert er an einen eilig rudernden Pinguin. Mit diesem Schiff fahren keine Fremden. Die Passagiere sind Stammgäste, Milchmänner mit ihren schottischen Hunde!arren, Hausierer mit Wachstuchballen, Bauernfrauen mit Kiepen, Zollbeamte mit schwarzen Eapemanteln und grünen Mühen
Die Milchmänner sammeln sich um Den Grog- ausschank hinter dem Maschinenhaus. Die rauhen, rasselosen, starkknochigen Köter lagern sich zwischen die Räder ihrer hochbeinigen Gefährte^ )“.ncxl1’ wenn ein warmer Ocldunst von der Maschine her sie streift. Diese schottischen Karren sind die ty- pischsten Fahrzeuge für Hamburg, Skelette von Wagen; die Milchkannen hängen an Haken an ber Unterseite des Gestells.
Wir fahren von Den Landungsbrücken elbab- wärts, legen an bei den Altonaer Brucken uno steuern Dann herüber nach Dem Rordufer und in den Köhlbrandkanal hinein.
Wenn man den Hamburger Hafen kennt und liebt. Dann wird man jetzt bei jedem Wiedersehen traurig gestimmt. Der Hafen sieht wie eine aufgeräumte gute Stube am Sonntag aus. Er erinnert an die trostlose Zeit von l91^- ^16
Deutschland keine Schiffe hatte, ^.^.^^ouetten der Krane an Den Schuppen regen sich nicht. Das Pochen der Riethämmer auf den großen Werkten, das dem ganzen Hafen Schwung und Rhythmus gab, hat aufgehört. Fast alle Hellinge liegen leer.
Der größte Teil der kleinen Fahrzeuge, die das Hafenbild lebendig machten, die Barkassen und Fährboote, sind aufgelegt.
ES gibt nur eine Stelle im Hasen, wo das alte Geben herrscht: daS ist Der „Russenschuppen". Roch blüht der Handel mit Rußland. Wir passieren den Walterdorfer Hasen, ein riesiges neues Hasen, decken, gebaut für den Bedarf Der Zukunft. Es ist eine bittere 3ronic, daß gerade dieser Hasen heute angefüllt ist mit einer ungeheuren Flotte. Aber diese Flotte liegt still; sie ist aufgelegt. Die Masten, die Schlote, die weißen Ausbauten überragen die Kaimauer in vielen Reihen dicht an dicht. Kein Rauch steigt aus den Schloten auf. 3m Räherkommen bemerkt man, daß Die Farben Der Rümpfe unD Der Ausbauten stumpf geworden sind, daß Rost streifen an den Schloten entlang- laufen, daß die schwarze Außenhaut mit Mennigflecken' ausgebeffert ist. Es find Hunderte von Schiffen, die hier liegen, eS find 700 000 Tonnen Schiffsraum, mehr als ein Siebentel der ganzen deutschen Flotte. Darunter besinden sich Schiffe wie Die „Cap Polonio“. die zu dem Stol.; des deutschen Schiffbau- zählen. Darunter befinden sich Schiffe, Die neu von Der Werst gekommen sind, Schiffe, Die daS Meer nur bei Der Probefahrt getragen hat.
Ilie habe ich den grauenhaften Starrkrampf untere» Wirtschaftslebens so ungeheuerlich symbolisch DargefteUt gesehen.
Die Abwrackwerft liegt am Korbmacherfand. Mit Den runden Dächern ihrer Schuppen sicht sie aus wie einer Der versteckten Flughäfen im Krieg. Sie hat eine hölzerne Pier nach Dem Äö&lbranD- kanal zu. ein Slip, um Schiffe auf Den Strand zu ziehen, und ein großes, verwildertes Gelände dahinter als Lagerplatz für die Trümmer.
3m flachen Wasser liegen schwarze Schiffsrümpfe. Die schon Der Außenhaut entkleidet find. Mit ihren nackten Spanten sehen sie wie Walgerippe aus. Zur Seite geneigt, liegen sie im Schlick, ein entmaftetcr Segler, zwei Dampfer, wie sie im Krieg in Amerika aus Holz gebaut wurden. Schwimmende Särge, die einmal Millionen gekostet haben; heute weniger wert al» daS schlechte Holz, aus dem man sie baute.
Räher am Ufer ragen aus Dem Wasser Dampfkessel. sonderbar nackt und entblößt, fast mitlciD- erweckend mit ihren runden, gliederlofen Tonnen- leibern und Den kurzen, schief liegenden Ansätzen der Schlote. Sie scheinen so ausgesetzt, so verlassen, wie Babys. Denen Die Mutter fortgelaufcn ist. Sin sonderbarer Zaun umgibt das Werstgelände. Cr besteht auS lauter ineinandergellochtenen
Ringen. Drahtgeflecht, tiefrot von Rost: es find Minennetze aus dem Krieg.
UnD jetzt trete ich ein in Den seltsamsten aller Friedhöfe. Es ist ein verwilderter Ort. GraS und Gestrüpp umwuchern die Schiffstrümmer, fo daß man im ersten Augenblick in einen Zaubergarten einzutreten meint Da wachsen Schisfsschlote aus Dem Gras wie Baumstümpie Schisss-Ventilatoren recken große, rostige Mäuler gespenstisch au- Ge- sträuch. Ankerketten liegen in Brennesselgestrüpp wie Schlangen aufgeroilt Die Füße verwickeln sich in versteckte Drähte. Man stolpert über einen mächtigen Baumstamm, und es ist ein Mast. Wie Vogelscheuchen erheben sich allenthalben Skelette von Maschinen, mit riesigen Zahnrädern, Ankerwinden, Donkeykessel, Rudermaschinen. Keslclrohre winden sich zwischen Hecken von Relingsstühen und Geländern. Man muß vorsichtig gehen zwischen Den Fußangeln Der Ankerslunken; zwischen scharskantigen Blechen. Die verrostet aus Dem Boden stechen, zwischen halb versunkenen Schienen, Riet- köpsen und Schrauben.
3n ihrem Verfall haben Die Dinge wieder or. ganische Gestalt gewonnen. Die Ratur hat sie ohne Zögern überwuchert. Der Rost, Der Erde vermählt, scheint wie ein Dünger für allerlei Unkraut. Die Vögel bauen Rester in Den Höhlungen Der Dampfkessel, die Anker überziehen sich mit Moos, und Die Winden ranken sich um da- Takelwerk der Masten.
Mitten in diesem Zaubergarten, auf rätselhafte Art dahingelangt, liegen Die Schiffe verschollener Zeiten. Da sind Die Dampfbarkafsen. Die von Den alten AfrikaDampfern aus durch die Brandung fuhren. 3hre Schlote sind mit Segeltuch verbunden. das Teakhol.z der Kajüte ist gebleicht und ausgelaugt. Balken stützen ihren scharfen ÄicL Da sind Die Kajüten großer Schiffe mitten auf Die Wiese hingestellt. Die Hühner picken in Der Sec- grasmatraye des Kapitäns. Schafe weiden daS GraS. das aus Der Kommandobrücke sprießt. Da sind Zlußdampser von füdamerikanischen Strömen nut flachem Boden und großem Heckrad. Da sind Rettungsboote verschollener Konstruktion mit gebogenen Davit- und zersprungenem Hol^. Da sind Scheinwerfer von Kriegsschiffen, dreifach gestaffelte Bettgestelle von Auswandererfchiffen, Ru- dermafchinen, Steuersegmente und Maschinentele- graphen.
3ch sehe feinen Menschen: die wenigen Arbeiter der Werft sind in den Schuppen tätig. 3d) gehe und klettere durch meinen Z^uvergarten, ich drehe an Ventilen, durch Die lein Dampf mehr strömt, ich versuche die Hebel Der Dampfwinden. ich Drehe
das Steuerrad, das kein Schiff mehr lenkt, iw lege Den Mafchinentelegraphen auf volle Fahrt voraus. 3d) rauche meine Pfeife im Damensalou und sitze auf Dem ©elänDer Der geheiligten Korn- manDobrüdc. 3ch fahre in Gedanken auf Den braunen, crDgefättigten Strömen Brasiliens, und die Brandungsbarkasfe trägt mich auf Dem Kamm Der Brandungswelle an Den weißen, heißen Sand von Afrika. 3ch bin tn Der Takelage eine« Segelschiffe» im Passat unb stehe wieder auf dem eisernen Dea eines Minensuchbootes in der Rordsee wie vor vielen 3ahren. 3ch versehe mich in das Dasein Der Kapitäne Dieser Schiffe 3n Den verrosteten Auswandererkojen liegend, lebe ich mich hinein in .Die Angst und in das Hoffen dieser Menschen. 3d) spüre Dem Leben der Heizer nach, Die vor Den rostigen Feuertüren gestanden haben, und Dem Des Matrosen, dessen Hand das Steuerrad umfaßte.
Die Abwrackwerft ist mir ein Zaubergarten aus Traum und Erinnerung.
Zeitschriften.
- Der .Kunstwort". (Verlag Georg D. W. Eallwey, München.) - DaS Februarheft interessiert zuerst durch das ^Russische Tagebuch" von Peregrinus, das in Der Fülle Der vornehmlich auf das politische und wirtschaftliche russische Problem sich beschränkenden Berichte über Rußland sich dadurch auszeichnet, daß hier zum ersten Male ein scharfsichtiger, welterfahrener Beobachter unS daS Rußland und den russischen Menschen von heute auf Dem Grunde seelischer unD erb* Hafter Derwachfenheit zeigt. Ein Aufsatz „6til- gefetze pflanzlicher Formgestaltung im Lichte Goethescher Äaturanschauung" von HanS Andre zeigt, welch starke Antriebe die neuere Raturbetrachtung und Raturphilofophie, ja sogar Die craltc Forschung Durch Goethes großartige Einfälle unD Studien empfangen hat. Die „Losen Blätter" bringen eine der Seegeschichten von Martin Luserkc. .Der Dwnpfer, Der aufs Land heraufkam" Schellenberg fchreibt über Den nordischen Dichter Andreas Haukland. BricciuS fährt in der Betrachtung der Wirtschaftskrise fort. Megerle weist auf Polen als einen ber gefährlichsten politischen Brandherde Europas hin. Das Heft schmücken Wiedergaben nach Werken Rudolk Schlichters, eigenartige Schilderungen starker innerer Erlebnisse; ferner Photos des schottischen Malerphvtogravhen David Octavius Hill, der bereits zu Beginn der Photographie porträtistische Gipfellerstungen vollbrachte.
i


