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inz, Hindenburgstr. 19
uar 1932, in Wiesbaden.
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itaß, 17. Januar, nach: athol. Vereinshaus wie4 hauch, wie ich mit mel:- en gefeiert habe und t im gefressen hat. / 2 itr । die verrat ich aber nl± ’f.mit Die nächste AuL Freund Kasperl Larifar
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Nr. 12 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Zreitag, 15. Mannar (932
Kampf ohne Ende.
England und Indien.
Don d. Mulden.
Als vor einiger Zeit die ersten Sturmzeichen daS Wiederaufflammen des indischen Freiheitskampfes ankündigten, da konnte weder daS Ausmaß noch die Bedeutung dieses Kampfes vorausgeschaut werden, weil das Verhalten aller ausschlaggebenden Machtfaktoren noch nicht fcststand. Heute aber, da nicht nur die na- tionalistifche Partei Indiens, sondern auch die indischen Mohammedaner, das englische Parlament und der indische Dizekönig ihre Taktik festgelegt haben, tritt erst die ganze Tragweite deS erbitterten Ringens inS volle Licht.
Mm sich d i e psychologische Atmosphäre zu vergegenwärtigen, in der dieser Kampf beiderseits geführt wird, muh unbedingt, mit kurzem Rückblick auf die beiden Londoner Rundtischkonferenzen, zurückgegriffen werden. Denn sie verleihen dem heutigen indischen Kamps einen ganz anderen Charakter, alS ihn alle bisherigen Kämpfe dort hatten. Sie geben, einerseits, der englischen Regierung einen nicht nuv machtpolitischen, sondern auch ideellen Rückhalt. Aus der andern Seite aber wird gerade an ihm klar, wie sehr Engländer und Inder aneinander vorbeireden und um verschiedene Dinge ringen.
In der Tat: war nicht die erste Rundtischkonserenz, die knapp vor einem Jahr zu Ende ging, ein Erfolg im Sinne der indischen Dersaffungsreform? Ist sie nicht über den von den indischen Rationalisten heftig bekämpften Simon-Bericht weit hinausgegangen, indem sie außer der Provinzialoutonomie auch Ministerverantwortlichkeit im Zentralparlament undMm- wandlung Indiens in einen Bunde-- st a a t vorsah? Mnd doch blieb die große nationale Organisation Indiens, der sogenannte All- indische Kongreß, nicht nur dieser ersten Rundtischkonfcrenz fern, sondern selbst nachdem # jene Erfolge feststandcn, war die De teil i- aungEondhisals Vertreter des Allindischen Kongresses an der zweiten Rundtischkonferenz, die oas Werk der ersten' fort» fetzen und weiterführen sollte, durchaus ungewiß. Warum? Weil die ganze Aufmerksamkeit der indischen Rationalisten von dem lokalen K a-m p f, dos Wort im Sinne ganz Indiens genommen, von dem Kampf an Ort Und Stelle mit Englands konkreter Macht weit mehr in Anspruch genommen wurde, als von den Zukunstsreformen der Dersassung, und mochte auch diese Zukunft keine entfernte sein!
Mit voller Klarheit trat diese Sinnesrichtung zutage, als Gandhi seine Abreise nach London zur zweiten Rundtischkonferenz davon abhängig mochte, daß die indische Regierung die Gewaltakte, die bei der Steuereintreibung an den Dauern von Gujrat begangen wurden, wiedergutmache. Wenn sich Gandhi dennoch schließlich zur Reise noch London entschloß, so geschah es also Don vorne herein in recht geteilter Stimmung. Mnd da die zweite Londoner Konserenz, infolge der nicht beizulegenden Streitigkeiten zwischen Hindus und Mohainmedanern mit einem völligen Mißerfolg endete, kehrte Gandhi vollends in hoffnungsloser Stimmung nach Indien zurück — die Geduld der indischen Rationalisten aber platzte.
Diese äußerste, aber lang vorbereitete Spannung der politischen Atmosphäre macht uns begreiflich, wie sehr die indischen Rationalisten nunmehr eine Entladung, eine endgültigeEnt» fcheidung, herbeisehnen „Diesmal wird es einen schweren Krieg bis zum Ende geben. Ich hoffe, die Ration wird bereit sein, die äußersten Opfer zu bringen", so lautet kennzeichnend die Botschaft an die indische Ration, die Wallabhai Patel, der Präsident des Rationalkongresses, vor feiner Mebersübrung ins Gefängnis erließ.
Englands Haltung ist entgegengesetzt Das heißt: in dem entbrannten Kampf will es auch aufs Ganze gehen, aber das Endziel dieses Kampfes für E igland ist: der Aufschub einer endgültigen politischen Entscheidung
Vom ultravioletten Licht.
on proteflor L>r. Paul Kirchberger.
Daß das gewöhnliche Licht aus einer großen Zahl »erfchiedener Lichlarlen besteht, oder noch besser aus- gedrückt, daß es einen oolllommen stetigen Ueber- gang zwischen zwei Grenzlagen darstellt und somit unendlich viele Lichtarten in sich schließt das war lange Zeit ein stark umstrittener Satz, kein Geringerer als Goethe hat Diele Jahre lang einen vergeblichen Kamps gegen diese Wahrheit geführt. Heute >fi es uns eine geläufige Tatsache, daß das sichtbare Licht nur ein ganz winziger Ausschnitt aus dem großen Gebiet der elektromagnetischen Wellen ist, und in gewissem Sinne ist nichts lehrreicher, als sich eindringlich oorzustellen, daß von zwei elektro lAagnetischen Wellenvorgängen, die an sich nicht iinbers verschieden sind wie rotes und blaues Licht der eine vom Menschen als Licht empfunden wird, rrährend der andere die etwa sonst herrschende Dun- ktlheit nicht im mindesten aushclll. Wenn irgendeine Zalsache, so zeigt uns diese, daß unsere Sinne zwar nicht „Betrüger" sind, als die sie mitunter gescholten rrurben, aber boch sehr einseitige Berichterstatter bie uns von ber Welt da draußen ein ganz anderes Bild entwerfen, als dies andere Berichterstatter tun nürden.
Man kann es als einen besonders schweren Mangel unseres Auges hinstellen, daß es gerade die kürzeren Lichtwellen, also ungefähr die, die erheblich kürzer sind als ein halbes Tausendstel Millimeter, nichi mehr als Licht wahrnehmen läßt, tnrnn gerobe biese von ben Physikern „ultraviolett" genannten Wellen sinb in vielfacher Hinsicht ganz hervorragenb wichtig Zunächst zeigt uns unsere heutige Physik, baß biese Strahlen sozusagen besonbers „grobkörnig" sinb: man kann sie mit grobem Kies vergleichen, währenb bie übrigen, nämlich bie blauen, gelben, roten unb erst recht bie sogenannten ultraroten Strahlen bie Rolle eines immer feiner roerbenben Sanbes spielen. Denn dos Licht, ober überhaupt bie Strahlung, hat, wie sich seit einem Bierteljahrhunberl immer klarer unb betulicher herausstellt, sozusagen körnigen Aufbau Es ist fein Wunber, baß bie Wirkung in vieler Hinsicht um so stärker ist, je gröber bie Körner sinb, b. h je größer bie Grunbteilchen, aus benen bas Licht besteht. Daß bie Wirkung auf bas Auge hiervon eine Aus- nobrne macht, unb baß bieses nur Licht einer gewißen Mittelsorte als solches empfinbet, ist mertroürbig unb muß als Grunbtatsache hingenommen werben.
Oie Kämpfe in -er Mandschurei.
Oben: Japanischer Minenwerfer-Dorposten auf der südmandschurischen Strecke. — Unten: Panzerwagen mit Schnellfeuerkanonen werden auf einer nördlichen Eisenbahnstation zusammengestellt.
über Indien, und vielmehr der Weg organisierter Reformen. Der ganze Mnterschied der Kompf- taktik zwischen Lord Irwin, dem bisherigen, und Lord W i l l i n g t o n , dem jetzigen Dizekönig von Indien, tritt zutage, wenn man etwa das Gandhi-Irwin-Abkommen vom März 1931 mit der gegenwärtigen Situation vergleicht. Damals Reigung zu Kompromissen, ja zu offenbar faulen Kompromissen, wie die berühmte Freigabe des „friedlichen Streikpostenstehens". heute rücksichtslosester systematischer Kampf, bei dem die Positionen des Gegners eine nach der andern vernichtet werden sollen: Verhaftung der Spihenführer Wallabhai Patel, Gandhi, Iowahartal Rehru (der zu zwei Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde): dann, um keine Rachfolger aufkommen zu lassen, massenhafte Verhaftungen unter den Kongreßmitgliedern: und schließlich Erklärung des ganzen All- indisdhen Kongresses für eine illegale Organisation. Der Generalstab des Feindes, der dem ganzen Lande, den Ortsgruppen Parolen und Direktiven gibt, soll vernichtet werden: aber auch die Ortsgruppen selbst werden unterdrückt — um auch hier die Rachfolge auszuschalten. Durch Rot- verordnungen wird auch „friedliches Streikpostenstehen" verboten. Kurz, Willington greift auf der ganzen Front durch.
Mag sein, daß diese neue, radikale Kampfes» taktik Englands inderPerson des neuen Vize- königs begründet ist. Dennoch darf nicht vergessen werden, daß auch die ganze Situation heute anders beschaffen ist als bisher. Richt nur kann sich England auf die beiden Rundtischkon- ferenzen als Deweis seines guten Willens berufen, sondern auch machtpolitisch ist ein bedeutsamer Wandel — durch die jüngsten Parlamentswahlen — eingetreten: Willington weiß hinter sich ein durch und durch konservatives Parla
ment. Rur ein weißer Rabe war jener Abgeordnete der in der Opposition befindlichen Arbeiterpartei, der neuerdings der Regierung einen schweren Vorwurf daraus machte, daß sie nicht abermals mit Gandhi paktierte, und der sogar den baldigen gänzlichen Verlust Indiens durch England prophezeien zu können glaubte. Der überwiegenden Tories-Mehrheit des Parlaments hingegen dürfte eine erfolgreiche britische Kraftprobe in Indien nur recht sein, zumal da die P a r te i ve r hä l t n i ss e in Indien selbst diese Kraftprobe begünstigen.
Denn während Gandhi sich in London für den Beschützer aller Aermsten seiner Heimat erklärte und ausdrücklich von feinem Kampf um die Aufhebung der Mnberührbarkeit der niedrigsten Kaste sprach - wurde er bei der Landung in Indien von den Parias mit einer nicht mißzuver- stehenden feindseligen Kundgebung empfangen: ein deutlicher Beweis dafür, daß Gandhis Autorität durchaus nicht die gesamte Hindu-Bevölkerung umfaßt. Schwer ins Gewicht fällt ferner die Haltung der Mohammedaner Indiens. Die Zeiten, da Hindus und Moslems — in der Epoche der indischen Kalifats-Bewegung — Schulter an Schulter gegen England marschierten, sind dahin. Schaukat-Ali, der Führer indischer Mohammedaner, damaliger Bundesgenosse Gandhis, trat diesem in London demonstrativ entgegen. Mnd im Beginn des gegenwärtigen Kampfes in Indien erließ ein anderer Führer der Mohammedaner. Mohammed Jakob, einen öffentlichen Aufruf an feine Glaubensgenossen, in dem er sie aufforderte, die Regierung zu unterstützen, und zugleich die Tätigkeit des Allindischen Rational- kongresses verurteilt. Mnd wie England sich durch die zweite Rundtischkonferenz die Mnterstühung der Mohammedaner Indiens gewann, so hat es durch die erste Konferenz die Dundesge-
nossenschast der indischen Fürsten aufs neue gefestigt. Die Mnterstützung der Mohammedaner hatte nicht einmal durch den im Dezember 1931 in Jerusalem abgehobenen, stark antienglisch gerichteten panislamischen Religions- kvngreß irgendeine Einbuße erlitten. Denn Hchau- kat-Ali begab sich zwar aus London nach Jerusalem und hat auch das Angebot eines Sitzes in ber dort beschaffenen Exekutive erhalten, aber ab« gelehnt — aus Gründen, die bisher noch nicht ganz klar sind.
• Alle diese Faktoren ermöglichten die Heftigkeit deS englischen Vorgehens. Sein radikaler Charakter scheint aber auch überraschend schnell einen Erfolg erzielt zu haben. Denn nach den jüngsten Meldungen aus Indien macht sich dort ein Abflauen deS Widerstands bemerkbar. Mnd schon treten auf den Plan auch die bekannten Vermittler: Vayakar und Sapru, die bereits nach der ersten Rundtischkonferenz zwischen London und dem Allindischen Rationalkongreß zu vermitteln suchten, und nun zwischen Gandhi und Willington wohl mit Wissen des letzteren, zu vermitteln bemüht sind. Bei der überaus großen Wendigkeit Gandhis, die sich schon öftere* zeigte, ist daS Zustandekommen irgendeiner Zwischenlösung, eines Waffenstillstands, nicht unmöglich. Würde aber ein solcher Waffenstillstand schon jetzt, nach so kurzem Kampfe, indischerseits angc'trebt werden, so wären seine Bedingungen für die indische Rationalpartei durchaus ungünstig. Vor allem würden die Armee-und Polizeihoheit, über die auf der zweiten Rundtischkonferenz verhandelt werden sollte aber infolge der indisch- mohammedanischen Zwistigkeiten nicht verhandelt wurde —, in der revolutionären Atmosphäre Indiens erst recht als Reservate in Englands Hand bleiben, und mit ihnen, neben der Finanzhoheit, die allen Keime immer wieder ausbrechender Konflikte zwischen England und seiner Kronkolonie.
Weitere Zunahme
deS Lahnschisfahrtsverkehrs.
WSR. Diez, 14. Jan. Wie die soeben abgeschlossenen statistischen Angaben über die Lahlisch i f f a h r t im Jahre 1931 erkennen lassen, weist auch dieses Jahr trotz der starken wirtschaftlichen Rotlage eine weitereAufwärts- entwicklung des Frachtverkehrs aus. Die Gesorntverfrachtung betrug im Jahre 1929 = 53131, 1930 = 74 374 und 1931 - 105 482 Tonnen. Man rechnet damit, daß nach Anlage der geplanten Verladerampen in den Städten der Frachtverkehr noch weiter zunehmen wird. In der Hauptsache werden Kalksteine aus dem Mittellahngebiet verfrachtet.
Strompreissenkung bei der Heag.
WSR. Darmstadt, 14. Ian. Die Heag . die den größten Teil der Provinz Starkenburg mit Strom versorgt, macht bekannt, daß sie im Zug der allgemeinen Preissenkungsaltion oic Grundgebühren des Wohnungs- tarif s von 70 auf 60 Pfennig bzw. für Qteben- raume von 35 auf 30 Pfennig und alle anderen Grundgebühren um 10 Prozent gesenkt hat. Die Einführung des Wohnungstariss mit seinen Preisvorteilen ist nunmehr allen Haushaltungen möglich, da bei Kleinstabnahme die Differenz soweit zurückgezahlt wird, daß auf k e i n e n F a l l der Licht st rompreis über 38 Pfennig (bisher 40 Pf.) liegt. Der allgemeine Grundstrompreis ist bereits im Oktober 1931 um 10 Prozent gesenkt worden. ES tritt eine nochmalige Senkung um 2 bzw. 1 Pf. pro Kilowattstunde in den verschiedenen Staffeln ein. Die Großabnahmepreise senken sich automatisch infolge der Kohlenpreissen- fung durch die in den Verträgen enthaltene Kohlenpreisklausel. Die Preissenkungen bedeuten einen Einnahmeausfall von 225 000 Mark, dem 100 000 Mark Ersparnisse durch die Rotverordnung gegenüberstehen. Die Strompreise des Werks bewegen sich zur Zeit unter den Dorkriegssätzen.
Aber dieses oom Auge nicht wahrgenommene Licht ist für unseren Körper keineswegs ohne Bedeutung! Im Gegenteil, nach neueren Anschauungen ist gerade dieser ultraviolette Teil des Lichtes gesundheitlich besonders wichtig Die allgemein bekannte Wir- tunp der Hochgebirge und der Seeluft beruht zum großen Teil auf ihrem Reichtum an ultravioletten Strahlen. Sie sind es, die die bekannte Bräunung der Haut Hervorrufen, die Hauttätigkeit und somit unseren Stoffwechsel anregen. Daß die Bildung der sogenannten Vitamine, jener besonders in den legten Jahren untersuchten, zwar nur in sehr geringer Menge vorhandenen, aber für unser Leben not wendigen Stoffe, durch Bestrahlung mit ultravio lettem Licht begünstigt wird, ist in aller Strenge nachgewiesen In manchen Fällen können sich sogar die Bestrahlung der Nahrungsmittel und die Bestrahlung der sie verzehrenden Lebewesen gegenseitig ersetzen. Die gesundheitsschädlichen Wirkungen, die das Leben in Großstädten und zumal in gejch offenen Räumen, wie Bureau, Fabrik-, Schulräumen ufro. unzweifelhaft mit sich bringt, beruht zwar nicht ausschließlich, aber doch sicher zum erheblichen Teil auf dem Mangel an ultravioletten Strahlen
Man hat nun versucht, diesen Mangel ausz^g e chen und auch den Großstädter der heilsamen uitromo letten Strahlen teilhaftig werden zu lassen. Zunächst hat man einen bösen Feind entdeckt, der viele Jahrhunderte lang als gänzlich harmlos galt, nämlich die gewöhnliche Fensterscheibe Sie hält in der Tai ultraviolettes Licht fast völlig fern, was das Auge natürlich nicht merkt, da es >a dieses Licht ohnehin nicht als solches empfindet Neuerdings werden nun Gläser hergcstellt. die ultraviolettes Licht durchlassen Sie sind natürlich etwas teurer als gewöhnliches Glas, immerhin aber brauchte der höhere Preis ihre Verbreitung nicht zu hindern. Allein jedoch werden es diese Gläser kaum schaffen, denn die Voraus setzung dafür, daß sie ultraviolettes Licht durchlassen, ist natürlich die, daß solches Licht vorhanden ist. Nun werden aber gerade die ultravioletten Strahlen zwar nicht von der Luft als solcher, aber doch von verunreinigter Luft, wie wir sie in unseren Großstädten ja leider meist haben, stark zurückgehalten Die eben erwähnten Gläser können also nur dort, wo das ultraviolette Licht nicht schon von der Lust zurück- gehalten wird, heilsam wirken. Das find aber wieder Gegenden, wo dies minder notwendig ist als gerade eben in den Großstädten.
Neuerdings ist ein anderer Gedanke zur Abhilfe aufgetaucht. Man weist nämlich dem künstlichen Licht
die Aufgabe zu, die das natürliche nicht bewältigen kann, die Lieferung der ultravioletten Strahlen. Grundsätzlich ist dies sehr einfach. Das Licht ist nämlich um so reicher an ultravioletten Strahlen, je heißer die Lichtquelle ist, aus der es stammt. Die Temperatur der Sonye beträgt etwa 5000 bis 6000 Grad Diese Hitze wird von keiner irdischen Licht quelle auch nur entfernt erreicht. An sich ist also kein Licht auch nur annähernd so reich an ultravioletten Strahlen wie das Sonnenlicht. Wenn wir aber bedenken, daß selbst im Hochgebirge und am Meer ein großer Teil dieser Strahlen die Erde nicht erreicht, weil sie von der Luft verschluckt werden, so erscheint der Wettbewerb mit der Sonne wieder aus- sichtsooll Wir kommen ihr aber um so näher, je hoher die Temperatur des Glühfadens in unseren Glühlampen ist Uebrigens ist die Steigerung der Temperatur auch aus wirtschaftlichen Gründen erwünscht, und daraus folgt eben der Drang, für den G.ahdraht Metalle von immer höherem Schmelzpunkt zu bekommen, die eine Steigerung ihrer Tem peratur erlauben Neuerdings versieht man nun Glühlampen, die wegen ihrer hohen Glühtemperatur ein an ultravioletten Strahlen reiches Licht erzeugen, mit Glas, das diese Strahlen durchläßt: denn die bohe Temperatur nützt natürlich wieder nichts, wenn das (Blas der Birne für diesen wichtigen Teil der Strahlen undurchlässig ist
Schließlich soll ein Punkt nicht vergessen werden, die Bedeutung der ultravioletten Strahlen für Lichtbildaufnahmen, insbesondere für die ja immer schwie- rige Aufnahme in Jnnenräumen. Daß rote Strahlen auf die Lichtbildplatte nicht wirken, ist ja bekannt, um so stärker ist die Wirkung der blauen, violetten und ultravioletten Strahlen, und auf ihnen beruht vornehmlich das Zustandekommen des Bildes. Es ist aber nun einmal ein Urtrieb des Menschen, photographiert zu werden, und nach einer freilich nicht ganz sicher verbürgten, von einem meiner Freunde aber um so häufiger erzählten Geschichte soll schon der Perserkönig leqres diesen Wunsch geäußert haben: es wurde ihm freilich bedeutet, daß er noch einige tausend Jahre warten müsse, da die Photo graphie noch nicht erfunden fei, worüber er schwer ergrimmt war. Nicht ganz so groß sind die Anforderungen, die heute in dieser Hinsicht an unsere Geduld gestellt werden, aber auch sie erscheinen manchem zu groß, und deshalb hat man ja beispielsweise die Er- inbung des aus Magnesium bestehenden Blitzlicht mlvers gemacht: aber das Blitzlicht hat bekanntlich eine zwei Seiten; zwar ist die Aufnahme längst
I vorüber, wenn die eigentliche Blendung des Auges eintritt, aber es scheint, daß die Erwartung eines
| sehr grellen Lichteindrucks dem Gesichtsausdruck nü.jt sonderlich zustatten kommt, wie jeder zugeben wird, der sich ein bei Blitzlicht aufgenommenes Gruppenbild ansieht.
Auch hier hilft eine ähnliche Lampe, die vor einiger Zeit auf ben Markt gekommen ist. Man steigert bas von ihr ausgehenbe ultraviolette Licht ba- burch, baß man bie Lampe überlastet, also einen besonbers starken, bie Temperatur bes Glühfabens steigernden Strom burch sie hinburchgehen läßt. Da- burch geht sie zwar schnell entzwei, aber was tut ber Mensch nicht alles^ wenn es sich barum handelt, daß er recht schöne Bilder von seiner werten Person erhält!
Zeitschriften.
— „Philosophie und Lebe n", hg. von Prof. Dr Aua. Messer: Verlag Felix Meiner, Leipzigs Vlil. Iahrg. 1932; viertelst drei Hefte 1,80 Mk., Einzelheft 0,75 Mk. - Das 3a- nuar-Heff ist vor allem Problemen der Rechtsund Staatsphilosophie gewidmet. Mcber Aristokratie und Demokratie spricht Amtsrichter Bach (Stuttgart), über das Problem der Revolution Landgerichtsrat Eberhard «Schwerin), über „die deutsche Frau und den heutigen Staat" Direktor Holzhausen iSonneberg); der Herausgeber behandelt die Idee der freien Rechtsfindung (nach Ernst Fuchs). In der „Aussprache" wird die Idee der Demokratie und das Thema Politik und Weltanschauung erörtert.
— Mutter und Kind. Zeitschrift für Ernährung, Pflege und Erziehung des Kindes Verlag Elwin Staude, Osterwieck am Harz Vierteljährlich (3 Hefte) 1,65 Mk. einlchl Porto — Das Geleitwort zum Beginn des neuen Jahrgangs schreibt Prof. Dr. Rott. Es folgt dann eine Plauderei über „Pflege, Ernährung. Erziehung des fünf Monate alten Säuglings" von Oberin D. Woerner, die allen jungen Müttern Fingerzeige gibt, was bei der Pflege und Ernährung des Säuglings zu beachten und was zu vermeiden ist. Prof. Dr. Kurt Blühdorn behandelt das Thema: „Skrophulose", A. Hoffmann das Thema: „Warum so wenige Stotterer geheilt werden". Die Zeitschrift ist für alle jungen Mütter, Säuglings- und Kleinkinderpflegerinnen von Wert; jedes Heft ist anschaulich illustriert.


