Ausgabe 
14.11.1932 Frühausgabe
 
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Gießener Gtadttheater.

Gastieret der Comedian Harmonists.

Man kennt sie schon: aus dem Radio, von Schallplatten, aus dem Kabarettfilm oder gar leibhaftig. Wer sie aber noch nicht gehört hotte, der war bestimmt erstaunt, als der erste Ton laut wurde: denn das klang völlig anders als nlles, was man sonst von einem Männerchor oder wenigstens von einem Quartett zu hören ge­wöhnt ist. Sie sind zwar zu sechst, aber richtig singen tun nur vier von chnen: der fünfte be­gleitet am Flügel (mit schmiegsamer Anpaffungs- fahigkeit) und der sechste der kleine, in der Matte bringt die komischen Pointen.

Sie singen mezza voce, piano, pianissimo, E'.,st sehr schnell und in einem bestechenden Rhyth­mus. Ihre Musizierfreudigkeit erinnert leb- hnft an die Weintraubs. Ruch sonst liegt der Vergleich nahe: die Comedian Harmonists machen den Eindruck einer auf menschliche Stimmen transponierten Jazzband. Di« Vokal-Harmonie ihres Gesanges scheint instrumental empfunden: ie wirken, wenn sie wollen, wie ein Orchester, so geschlossen fügt sich der kleine Klangkörper zu- ammen. Sie sind nicht gerade flüsternde Bari­tone und Tenor«, aber sie verzichten auf jeglichen Effekt durch Lautstärke. Sie imitieren die In­strumente einer modernen Schlagerkapelle, aber wenn es darauf ankommt, heben sich die Einzel­stimmen, zumal ein sehr Heller, weicher, tta- lienisch gefärbter Tenor, individuell und charak- terlstisch aus der gesummten Begleitung oder im Kanon heraus. Sie bringen Variationen, Para­phrasen, Verzierungen über der Erundmelodi« und Synkopen; und auch wenn sie in einem verwir­renden Tempo singen, bleibt jedes Wort deutlich und akzentuiert. Obwvhl es um manche von den Testen nicht schade wäre, wenn man sie nicht ver­stünde. Bei einem Schlager ist die Musik die Hauptsache; und Blödsinn, wenn er schön ge-kun- <j«n wird, wirkt meistens gar nicht mehr als das, was er ist; manchmal sogar liebenswürdig.

So sind die Comedian Harmonists. Ihre Vor- trag,folge umfaßte zwölf Rummern; aber mit den Zugaben, die verinutlich in dem zwcistün- dlgcn Programm bereits einkalkuliert waren wurden es erheblich mehr. Sie begannen mit 8toct Liedern von Werner R. H e y m a n n aus dem TonfilmEin blonder Traum", wovon 6c« 'vuoers das zweite,Irgendwo auf der Welt", ganz zart und lyrisch hingesummt, entzückend vorgetragen wurde. DaS Gegenstück dazu:ES

Nachklänge zur schwedischen Gustav-Adois-Feier.

Besuch in der Riddarholmskirche. - Das Deutschtum und Schwedens großer Tag.

Von unseren Dr.

((Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Stockholm, im November 1932.

Der Sang ist verschollen ... Es ist wieder still geworden in den felsigen Straßen des nordischen Venedigs, durch die in der letzten Woche so oft die XJieber der Studentenchöre schallten, wo Mili-tär- kapellen, Fackelzüge und riesige Menschenmengen in zzestrleidung und Feststimmung einherzogen. Mit dem Tage von Lützen ging das Gustao-Adolf-Jahr zu Ende.

Auch die altertümliche Kirche auf der Insel Rid- darholmen, mitten im Stadtbild von Stockholm, ist wieder in die beschauliche vornehme Ruhe zurück­gesunken, aus der sie für einen Tag lang so jäh gerissen wurde. An dem Tage, als überall die Glocken läuteten, als in Stadt und Land bei Arm und Reich geflaggt wurde an dem Tage, als ganz Schweden feinen großen n i g feierte und sich drinnen an dem grünen Sarko­phag die evangelische Welt sammelte, um dem Hel­den von Lützen für seinen Kampf und Heldentod zu danken.

^.-Berichterstatter.

Armen und Kranken in der deutschen Kolonie aber auch in der deutschen Heimat eine Weih­nachtsfreude bereiten soll.

Manches hat die Gertrudskirche, von deren Turm eben das schöne Glockenspiel ertönt, im Laufe der drei Jahrhunderte ihres Bestehens erlebt. Doch nie­mals eine Feier wie den 300. Jahrestag der Schlacht bei Lützen. Nicht deswegen, weil König Gustav sich mit den Spitzen der Behörden eingesunden hatte, und nicht, weil ein Gast aus der deutschen Heimat der Erlanger Theologe Althaus die glänzende Gedächtnisrede hielt. Das Eigenartige und Einzig­artige war die Promotion hervorragen­der schwedischer Gelehrter zu deutschen Ehrendoktoren, eine Ehrung, die die Vertreter der deutschen Hochschulen in feierlicher Weise selbst in der Gertrudiskirche vornahmen. Den Höhepunkt bildete der Augenblick, als der Primas der schwedi­schen Kirche und Nachfolger Nathan Söderbloms, Erzbischof Erling Eidem, die Insignien des Ehrensenators .der Lutheruniversität Halle-Witten­berg entgegennahm

Das Gegenstück hierzu war die feierliche Promo­tion der deutschen Hochschullehrer in der Aula der Universität Uppsala. Kaum ein Land der Weit hat alte akademische Bräuche so treu bewahrt, wie die nördlichste Universität der Welt. Als die Dekane der Fakultäten ihren mehr als hundert in- und aus­ländischen Doktoren den seltsamen faltenreichen Dok­torhut mit der Goldkokarde aufsetzten wobei jedes­mal ein Kanonenschuß ertönte als die lateinischen Reden und Glückwünsche durch den Saat schallten und Lorbeerkränze und goldene Doktorringe verteilt wurden als die feierliche Prozession der Uni- versitätsbehörden und der neuen akademischen Wür- denträger durch den Saal schritt da konnte man sich leicht in das Zeitalter Gustav Adolfs zurückver­setzt fühlen, in dessen Zeichen der Festakt stand.

Würdige Feste zu feiern hat man in Schweden schon immer verstanden. Kein Wunder in einem Lande, dessen Wohlstand und hoher Lebensstandard in allen Bevölkerungsklassen sprichwörtlich ist, dessen politischer Kampf keine Erbitterung kennt, und wo alle Gegensätze leidenschaftslos ausgetragen werden. In einem Lande, wo nicht alle Gedanken durch wirt­schaftliche und politische Sorgen absorbiert werden, wo ein ganzes Volk sich stolz um eine historische Er­innerung sammeln kann. Für all die Gäste, die von nah und fern zur Gustav-Adolfs-Feier nach Stock­holm kamen, wird Schwedens großer Tag unver­geßlich bleiben.

Nur die frischen Kränze in dem Grabchor der goti­schen Kirche mit der durchbrochenen eisernen Turm spitze erinnern noch an jenen großen Tag. Seit langem ist In der Riddarholmskirche kein Gottes­dienst mehr abgehalten worden; das letzte Mal war es, als Schweden feine Landesmutter, die deutsch- gebürtige n i g i n Victoria, zu Grabe trug. In dem schwedischen Pantheon auf der Insel Riddar- holmen haben seit langen Jahrhunderten alle Könige und großen Führer der schwedischen Heere und der Politik ihre letzte Ruhe gefunden. Es sind viele dar­unter, die ihren Namen in die Weltgeschichte schrie­ben. Doch keiner, der sich mit Gustav Adolf ver­gleichen läßt. Kein Wunder allo, daß der 300. Todes­tag das großartigste Fest seit Menschengedenten wurde.

Während die Sonne, die jetzt im nordischen Win­ter nur wenige Stunden über dem Horizont steht, blutrot hinter derStadt zwischen den Brücken" und dem glitzernden Salzsee versinkt, betreten wir die Riddarholmskirche. Hier herrscht immer die seltsame Stimmung des Mittelalters jener Zeit, wo Schweden europäische Großmacht war und eine Welt vor demLöwen aus Mitternacht" erzitterte. Doch am stärksten ist die Riddarholmsstimmung im abend­lichen Dämmerlicht. Die Bankreihen, wo damals die Vertreter des Protestantismus so vieler Länder Platz genommen hatten wo der greise König Gustav seinem Vorfahr auf Schwedens Thron huldigte, sind leer. Ein Luftzug spielt mit den an der Decke auf­gehängten, zerfetzten Flaggen und Standarten aus vielen ehrenreichen Feldzügen.

Und drüben ragt in dem mächtigen Grabgewölbe der grüne Marmorsarkophag von Gustav Adolf empor, umgeben von unzähliaen lebenden und me­tallenen Kränzen, deren vielfarbige Schleifen auch jetzt von der weltgeschichtlichen Mission des Königs sprechen, wenn man die Inschriften nicht enziffern kann.

Dumpf schlagen die Wellen des Mälarsees an das kleine Eiland,wo Schwedens Ehre unterm Mar­mor schluinmert". Der spitze Kirchturm drüben in der Stockholmer Altstadt weist uns den Weg zur alten deutschen St. Gertrudskirche. Das Deutschtum in Stockholm spielt nicht im entferntesten mehr die Rolle wie zur Zeit Gustav Adolfs ober im frühen Mittelalter, wo der Stadtrat zur Hälfte aus Deutschen bestehen mußte und Deutsch die Um­gangssprache der Gebildeten war. Eine im Vergleich zu damals kleine Zahl von Stockholmer Deutschen ist es, deren geistigen Mittelpunkt heute die deutsche Kirche bildet. Auch für die Stockholmer Deutschen war das Gustav-Adolfs-Jubiläum in St. Gertrud ein Festtag, den man nicht vergessen wird.

Gegenüber der deutschen Kirche, im Gemeindeheim und der Wohnung des Hauptpastors, finden wir die Fenster erleuchtet. Dort rüsten fleißige Hände für den großen Wohltätigkeitsbasar, der den

Der verheerende Wirbelsturm aus Kuba.

2700 Tote-IxiesigerSachschaden.-EinesensaLionelleVoraussagederKaiaftrophe.

Die Zahl der Toten, die der verhee­rende W i r b « l st u r m in Kuba gefordert hat, wird 'etzt auf insgesamt 2700 Personen angegeben. In Santa Cru; wurde über die Hälfte der Be­völkerung getötet. Der Sachschaden beläuft sich nach den vorläufigen Schätzungen auf rund 20 Millionen Mark. 40 Prozeent der Zuckerernte und für 2 Millionen ohgeernteter Zucker sind ver­nichtet worden. Die Stadt Santa Eruz, die völlig zerstört ist, bietet einen grauenhaften Anblick. Zwischen den Trümmern stehen Soldaten, die rücksichtslos auf jeden Plünderer schie- ß e n. Di? Leichen der Gelöteten find zu hunderten ausgeschichiet und werden mit größter Eile in Massengräbern bestattet, um ansteckende Krank- heilen zu vermeiden. Von allen Setten treffen Arzneimittel, Nahrung und ^'echung für die von ö.r Kat sttephe verschont? Bevölkerung und die Verwundeten in Santa Cruz i.n.

Der militärische Oberbefehlshaber von Santa Cruz berichtet von einer sensationellen Vor­aussage der K a t a st r o p h e. die ihm die Rettung von Hunderten von Menschen ermög­

lichte. Ein Fischer stürzte mitten in der Rächt in seine Wohnung mit den Worten:Seht das Meer und den Himmel an und Ihr werdet wissen, daß ganz Santa Cruz Überschwemmt wer­den wird." Der Befehlshaber tat hierauf fein Möglichstes, um die Bewohner zur Flucht zu veranlassen, wobei er des öfteren sogar mit der Schußwaffe drohen mußte. Trotzdem gelang es ihm, nur verhältnismäßig wenige zu retten, bevor die Katastrophe hereinbrach.

Der Wirbelsturm hat auf der kleinen Insel Cayman Brac bei Kuba 67 Personen ge­tötet und 1 00 schwer verletzt. Alle Ge­bäude wurden vernichtet. Die Einwohner sandten SOS.ZRufe nach Wasser, Rahrungsinitteln, Klei­dung und Aerzten aus. Die Küstenwache in Miami (Florida) fing einen Funkspruch eines englischen Dampfers an den Gouverneur von Jamaica auf, der besagt, daß der in diesen Tagen Zentral-Kuba heimsuchende Wirbelst urm auch auf den Inseln nordwestlich Jamaicas großen Schaden anrichtete.

Oie Neuregelung der Dullereinfuhr.

Berlin, 12.Rov. (WTB.) Mit Wirkung vorn 15. Rovember 1632 wird die Einfuhr von Butter neu geregelt. Der Zollsatz für Vutter beträgt von diesem Tage ab autonom 100 Mark, jedoch vertragsmäßig für alle meistbegün­stigten Länder 75 Mark für einen Doppelzentner. Die Einfuhr von Butter wird von diesem Läge ab grundsätzlich verboten. Sie wird je­doch ohne Einfuhrbewilligung zugelassen für be­stimmte, den einzelnen Erzeugungsländern zuge­teilte Kontingente, die nur über die mit ten Erzeugungsländern vereinbarten Zollstellen eingeführt werden dürfen. Als Einlaßstellen gel- ten bis auf weiteres die bisher zur Abfertigung der Butterzollkontingenle benutzten Zollstellen.

Die für das K a l e n d e r j a h r 1 9 3 3 festgesetz­ten Kontingente dürfen, wie bisher die Zoll- kontingente, nur in Monatstcilen von nicht mehr als dem zehnten Teil des einzelnen Kontingentes bis zu dessen Erschöpfung eingeführt werden. Je­doch können in den einzelnen Monaten nicht aus-

genutzte Kontingentsteile in den folgenden Mona- ten bis zum Ende des Kalenderjahres eingeführt werden. Sobald das dem einzelnen Lande zuge­teilte Kontingent e r sch ö p f t ist, darf Butter, die aus dem betreffenden Lande stammt, n i ch t m e h r zur Einfuhr zugelassen toerben.

Mit manchen Ländern, nämlich mit Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen Reuseeland, den Riederlanden, Oesterreich, Schwe- den, Ungarn, sowie der Union der Sozialistischen Sowjetrupublilen ist eine Vereinbarung getroffen, itoonadj Butter, die in diesen Canern erzeugt ist, nur dann auf das ihnen zustehend? Kontingent anzurechnen ist, wenn die Senhung mit einer Kontingentsbescheinigung des Ursprungslandes Ersehen ist. Solche Sendungen dürfen von den Einlaßstellen nur bann auf das Kontingent ab­gefertigt werden, wenn die Kontingentsbeschei­nigung bei der Zollabfertigung vorgelegt wird. Butter, die aus Ländern stammt, die zwar Einlaß- stellen benannt, aber keine Bestimmung über Kon­tingentsbescheinigungen getroffen haben, ist ohne weiteres auf das dem betreffenden Lande zu- stehende Kontingent anzurechnen.

Meine politische Nachrichten.

Im Greifswalder Landfriedens­bruchprozeß, dem die Zusammenstöße zwi­schen Kommunisten und Rationalsozialisten am 17. Juli vor den Baracken an der Loitzer Land­straße zugrunde lagen, bei denen drei Rational­sozialisten getötet und mehrer« verletzt wurden, verurteilte das Schwurgericht die Hauptangeklag- ten Pcters und Behrens wegen schweren Land­friedensbruches in Tateinheit mit Gewalttätigkei­ten und Wasfenmißbrauch zu je zehn Jah­ren Zuchthaus, den Barackenbewohner Simsch zu acht Jahren Zuchthaus und die Ar­beiter Drespe und Tennert zu sechs bzw. fünf Jah­ren Zuchthaus. Zehn Angeklagte erhielten Ge­fängnisstrafen.

*

An der Universität Innsbruck ereigneten sich Kundgebungen gegen den Privatdozenten für Völkerrecht, Dr. Reuß-Ricolussi. Der Vortragende sah sich genötigt, feine Vorlesung abzubrechen. Die Kundgebungen erfolgten wegen einer Rede bei einer Gedenkfeier für Südtirol, bei der sich Dr. Ruh u. a. gegen das Verhalten der reichsdeutschen Rationalsozialisten zur Süd- tirolfragc gewandt hatte.

Aus aller Welt.

Flugrakelenstart in Berlin-Tempelhof.

Oluf einem von der Berliner Flughafengesell- schäft auf dem Tempelhofer Flugplatz veranstal- teteJV Slugtag führte der Osnabrücker Ingenieur Ll l l i n g erstmalig der Oeffentlichkeit die von ihm erbauten Flugraketen vor. Die erste Rakete erreichte eine Höhe von 700 Meter und ging dann, tote vorgesehen, im Gleitflug wieder her- unter. Der zweite Start hatte sehr unter den - werdenden Böen zu leiden. Der Abschuß der dritten Rakete wurde aus Sicher- heitsgründen von der Flugpolizei untersagt, da der Bodenwind inzwischen auf 14 Sekundenmeter angefchwollen war und ein Riedergehen der Ra­kete innerhalb der Zuschauerplätze befürchtet wurde. Die Veranstaltung wird bei günstigem Wetter wiederholt werden.

(Sronau in Berlin.

Der deutsche Weltflleger von Gronau ist mit der Besatzung seines Flugzeuges zu einem kurzen Aufenthalt in Berlin eingetroffen. Begleitet wurde er von den Berliner Direktoren der Dornier-Mc- tallwerke. Der Flieger reift von hier nach Warne- münde; die offiziellen Berliner Empfangsfeierlich­keiten werden erst später stattfinden.

Grubenunglück in Lancaster.

Auf der KohlengrubeEdge Lane" in der Nähe von Wigan (Lancaster) ereignete sich eine schwere Explosion. Als die Explosion geschah, befan­den sich dort 106 Mann. Hiervon wurden 2 4 ge­tötet , 6 d e r I e ß t und 72 unverletzt gerettet. Vier Leute werden noch vermißt. Es wurden fieberhafte Anstrengungen gemacht, die vier 23er« mißten in Sicherheit zu bringen. Alle Versuche blieben jedoch erfolglos, so daß man die Hoffnung auf ihre Rettung so gut wie aufgegeben hat. Die Z a hl der Todesopfer erhöht sich damit wahrscheinlich auf 2 8. 15 Tote sind unter größten Schwierigkeiten aus dem 300 Meter tiefen Schacht aji die Oberfläche gebracht worden. Alle Leichen waren mit Brandwunden bedeckt, manche waren vollkommen unkenntlich. In einem anderen englischen Bergwerk bei Jlkeston wurden zwei Bergleute infolge Gesteinseinsturzes getötet.

Wegen versuchten Landesverrats verurteilt.

Der erste Strafsenat des Kammergerichts in Verlin verurteilte den Konrektor Alfred Karch wegen versuchten Verrats militäri­scher Geheimnisse zu fünf Jahren -3 uch thaus, zehn Jahren Ehrverlust und Zu- ' lässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht. Karch hatte Verbindungen mit den französischen Rach­richtenstellen angeknüpft, um ihnen geheimzuhal­tende Rachrichten über den Stand der deutschen Wehrmacht zu übermitteln.

führt kein anderer Weg zur Seligkeit". Eine

w.tzige Jazz-Imitation mit kabarettmäßig ein­

geborener Sprechszene hießHallo, was machst du, Daisy?". Dagegen wurde der SchlagerHeut fahr ich mit dir in die Ratur" von einer Män- nerchor-Parodie eingeleitet und mit allerlei Ra­turlauten neckisch verziert. Aus der Hohe ihres art.st.schen Vortrages und chrer rhythmischen Eleganz zeigten sich die Sechs mit demOnkel Bumba" und mit dem glänzend gesungenen Matrosenchvr ausBomben auf Monte Carlo".

Olber, wer hätte das gedacht, sie können auch smk>ers: sie fangen Volkslieder, erst ein italieni» >ches, dann dasHeidenröslein", zuletztIn einem kühlen Grunde" ganz schlicht, ganz stil­gerecht, ohne Mätzchen, Spielerei und Glanz­lichter.

Im vierten Teil waren sie wieder in ihrem eigentlichen Element und so, wie die meisten sie kennen:Gib mir den letzten Abschiedskuß", ..Heute Rächt oder nie" (Kiepura würde ge­launt haben!) und etwas unheimlich Spanisches aus Sevilla oder so ähnlich.

Damit war das offizielle Programm zu Ende aber nur das offizielle. Kein Mensch wollte Ye mgehen; d e Leute blieben einfach sitzen, tram­pelten und klatschten. Don den mancherlei Zu­gaben seien noch verzeichnet:Die Puppen-

..Der Blumentopf", die hübsche Parodie -Wir sind von Kopf bis Fuß auf Liebe cin- gcftcllt und die pantomimisch belebte drollige Serenade der Hofsänger". Als sie schließlich lächelndAuf Wiedersehen" fangen, begann sich das ausverkaufte Haus langsam zu leeren. Es war der stürmischste Erfolg, den wir bisher in dieser Spielzeit erlebt haben. hth.

Nobelpreisträger Galsworthy

Don Felix panten.

Alljährlich werden im Spätherbst am internatio­nalen Totalisator gewisse Namen genannt: die Kandidaten für den literarischen Nobel­preis, der immer noch als die große repräsenta- llve Ehrung gilt. Favoriten waren in diesem Jahre: Stefan George (Deutschland), Paul Valery (Frankreich), John Galsworthy und H. G. Wells (England) unb Maxim Gorki (Rußland). Einige minder^ bedeutende Dichter schieden sofort aus, ebenso Stefan George, weil es nicht wahr- 'chemlich war, daß der Preis, nachdem ihn eben Thomas Mann erhalten hatte, schon wieder an

Deutschland gehen würde; auch fehlt Stefan George, mag man zu seinem Werk stehen wie man will, jene Jnternationalität, die für diese Auszeichnung maßgeblich ist. Aus diesem Grunde war auch der Franzose zu verabschieden, der in Wesen und Werken Stefan George sehr ähnlich sieht, der also gleich­falls nicht gemacht ist, die Welt in einer Weise zu erobern, daß er für den Nobelpreis in Betracht tarne; Gorki mußte aus Gründen feiner Welr- amchauung gestrichen werden, die von der des No­belpreiskomitees weltenweit entfernt ift also blieben nur di« Engländer, auf die auch schon darum gesetzt werden mußte, weil England wieder einmal an der Reihe" war. Wird auch bestritten, daß die Landeszugehongkeit bei der Verteilung beachtet wurde, die internationale Höflichkeit verlangt doch, daß bei dieser weithin beachteten Ehrung auch die -Nationalität des Gekrönten berücksichtigt würde; nod) immer hat man den Nobelpreis für Literatur zugleich auch als Ehrung für ein Land empfunden.

Man braucht heute nicht mehr herumzurätseln, warum von den Engländern nicht Wells sondern ^alöworthy bevorzugt wurde. Der Spruch ist ge- fallt, Wells tritt mit feiner beinahe unübersehbaren Keije von Romanen und wissenschaftlichen Werken m den Hintergrund, John Galsworthy rückt mit einem Werk, das an Umfang viel kleiner, aber einheit icher und dichterischer ist, ins Helle Licht des Augenblicks. * * * 7

Galsworthy wir kennen seinen Kopf von den ^banden seiner deutschen Ausgaben: ein eng- Ilscher Gentleman, ein feines und durchgeistigtes Gesicht: er wurde 1867 in Devon geboren, wo er am Rande von Dartmoor seit vielen Jahren lebt, oeme Bildung empfing er nach englischer Art in ^rrow und in Oxford. Herkunft, Antlitz und Er- Zlchuna verraten bei ihm schon viel von den feeli- r 7*ra en.' seine Entwicklung bestimmen; es sind die gleichen, die das Wesen des englischen Gentlemans geprägt haben: eine gewisse Wohl- habenheit eine gewisse Würde, ein gesundes Da- ftkscher Luft, auf eigener Scholle: so ift er

u ^nIa9{ und Werdegang dem Autodidakten Wells gerade entgegengesetzt. Diesen urenglischen pyj*en treten mit der Zeit andere Kräfte entgegen, loiche, die gegen diese aristokratisch-feudalen beinahe revolutionär wirken: Besinnung auf die Gesell- Ichaft, aus der er kommt, auf ihre Kultur und Ueberkultur. auf bie Bedeutung des Staates und |eiri«r Mcnschenschichten. Aus solchen Kämpfen wird er , ,,?lutrer ,a^er Werte, ein Führer aus sei­ner Gesellschaft mit ihren Kasten wohin? Seine Werke geben die Antwort.

3n derInsel der Pharisäer" (1904) /nJ bicJReife eines Aristokraten durch alle Gesellschaftsschlchten Englands; überall findet er

'die Menschen satt und selbstgefällig in Beharren und Besitz, überall gleich hartnäckig in der Vertei­digung alter ererbter Rechte und Gewohnheiten. In seinem äußeren Aufbau beinahe ein moralisieren­der Reiseroman, wie er im 18. Jahrhundert ge- schrieben wurde, zugleich aber das Programm für den späteren Galsworthy, der an die Gesellschaft immer von neuem kritisch und zergliedernd heran- tritt.

Dieses Thema behandelt er dann in feinem um- fangreichsten Werk, das auch bei uns am bekann­testen geworden ist, in derForsytesag a", die aus einer ganzen Reihe von Romanen besteht, die sich durch viele Jahre hinziehen. Der erste erschien 1906, der letzte vor etwa zehn Jahren in englischer Sprache. In diesen Werken führt Galsworthy ein altes Geschlecht durch die Zeit des Weltkrieges in eine junge Generation und bis zur Schwelle der Gegenwart. Das starke Geschlecht £>er Forsytes ist ihm der Inbegriff des Eigentums und des Boden- befitzes, aber was bedeutet die neue Zeit für die Entwicklung einer solche Famllienreihe?

Das große Werk gibt die Antwort. Galsworthys Romane sind erschöpfende Einblicke in die jeweiligen gesellschaftlichen Situationen und in ihre Probleme. Er ift nicht der erste, der solche monumentalen Ge­mälde schafft. Balzac schrieb die Bände feiner Menschlichen Komödie", Zola die Geschichte der Rougon-Macquart. Aber während sich Zola schmei­chelte, die Naturgeschichte einer Familie wirklich im naturgeschichtlichen" Sinne beschrieben und gedeu­tet zu haben, kann man das Werk Galsworthys als eine künstlerische Naturgeschichte bezeichnen, als eine solche, die sich nicht nach dennatürlichen" Ent­wicklungsgesetzen richtet, sondern als eine solche, die «durch die Gesetze der künstlerischen Schau bestimmt wurde. Zola wirkt am stärksten dort, wo fein Na- turalsmus von der Jntuitton überrannt und er zum Seher und Romantiker wird freilich zu einem romantischen Seher wider Willen. Galsworthy wird es aus künstlerischem Bedürfnis, nach künst­lerischen Gesetzen. Aus seinem Werk wird die Ver­einigung des Menschlichen mit dem Kosmischen spürbar. Er selbst tritt dabei weit hinter seine Ge­stalten zurück, er analysiert und kommentiert sie nicht^er bildet. Er gibt damit große epische Kunst, deren Schöpfer hinter seinen Visionen unsichtbar bleibt.

Er hat auch Dramen geschrieben, di« in Deutsch­land bekannt und gespielt wurden, die man in Gng= lanb bisweilen so überschätzt hat, daß der Drama­tiker über den Epiker gestellt wurde. Den Nobel­preis aber verdankte Galsworthy sicherlich feinem großen Romanwerk, das beinahe zwei Jahrzehnte lang öen Inhalt seines Lebens gebildet hat.

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