Ur. 242 (Elftes Blatt
Zreitag, 14. Oktober 1932
182. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Oer Wahlkamps.
Hitler in Nordbayern.
Nürnberg, 14. Ott. (TU.) Die NSDAP, hielt am Donnerstag in Nordbayern dreiHit - lerversammlungen ab. Hitler sprach i n Nürnberg, wo er u. a. folgendes ausführte: Am 13. August habe er den Eintritt in das Kabinett Papen in dem Bewußtsein der Verantwortung abgelehnt, vor allem weil er schon damals vorausgesehen habe, daß das Wirtschaftsprogramm unbedingt zusammenbrechen müsse. Er habe nicht dreizehn Iahre gekämpft, um an die Stelle des marxistischen Bruderkrieges den bürgerlichen Klassenftaat zu sehen. Eine Unterwerfung komme für den Nationalsozialismus nicht in Frage. Er könne sein Ideal nur verwirklichen, wenn ihm die Macht in Deutschland werde. Wenn Herr v. Papen behaupte, vom Schicksal zur Bettung des Vaterlandes berufen zu sein, so frage er den Kanzler, wo denn er und seine Helfei: in den vergangenen 13 Zähren gewesen seien. Wenn heute die Soldaten zur Stühe der Negierung gegen das eigene Volk verwendet würden, so werde in einem nationalsozialistischen Deutschland der Soldat nur die einzige Aufgabe haben, dem Vaterland Schuh zu sein gegen die Feinde von außen. Cs gelte heute, den Kampf weiterzutragen. um,zu den Millionen Nationalsozialisten neue Millionen heranzuführen, bis endlich die Stunde reif sei für die Schaffung des nationalsozialistischen Reiches.
Der Christlich-soziale Volks- dienst im Wahlkampf.
Frankfurt a. M.. 13. Oft Die in Frankfurt a. M. tagende Vertreterversammlung des Christlich-sozialen Volks- dien st es in Hessen beschloß, mit einer e i g° nen Liste in den Wahlkampf einzutreten. Sie schloß sich damit der Auffassung des Reichsvorstandes an, daß es dem Wesen der Dolksdienst- bewegung entspreche, an ihren Dienst an Volk und Staat heranzutreten in unbedingter Freiheit, grundsätzlich ohne jede Bindung an andere Parteien oder Gruppen, allein aus der Bindung des christlichen Gewissens heraus. 3rt einer Zeit, da unbeherrschte Leidenschaft das deutsche Volk im 3nnern zu zerreißen und nach außen hoffnungslos zu schwächen droht, hält es der Dolks- dienst für doppelt geboten, nicht zurückzutreten von der notwendigen Aufgabe: im politischen Handeln unbeirrt hinzuweisen auf die letzten geistig-seelischen Tiefen alles menschlichen Gemeinschaftslebens und auf den schweren Ernst sittlicher Verantwortung, über alles Eigeninteresse hinaus, gegenüber dem Ganzen von Volk und Staat. Eine vorläufige Liste der Kandidaten enthält die Namen: Pfarrer V e i d t - Frankfurt a. M., Lehrer G r e b - Mainz. Prof. Dr. Koch- Gießen. Drehermeister W i e - m e r - Mainz, Oberpostsekretär Kuntz -Bensheim, Druckereifaktor Weimer- Darmstadt, Pfarrer Page-Mainz, Rangiermeister Hehle r - Bad-Nauheim, Landwirt Krausgrill- Kirtorf, Studienassessor Schneider- Neu-Isenburg, Angestellter Götz-Worms, Dr. med. Georgi- Nieder-Ramstadt.
Hilgenbergs erste Wahlrede.
Stendal, 13.Oft. (TU.) Am Donnerstag begann der deutschnationale Parteiführer Dr. Hugenberg seinen Wahlkampf mit_einer Rede in Stendal, in der er u. a. ausführte: Das politische Problem für Deutschland kommt auf die Frage hinaus, ob wir den Staat oder die Partei wollen. Das schwarz-rote System lebte von der verfassungswidrigen Vergewaltigung der nationalen Bewegung. Es lebte von dem außenpolitischen Bestreben, die guten B^ Ziehungen zu den gegnerischen Staaten durch Nachgiebigkeit und Hintansetzung der deutschen Interessen zu erreichen. Der unselige Dualismus zwischen Reich und Preußen lähmte jede Staatsarbeit. Die Interessenpolitik der Parteien machte jede wirkliche Reorganisation in Staat und Wirtschaft unmöglich. Wenn wir Deutschnationalen den neuen Kurs, der mit der Regierung Papen eingeleitet wurde, bewußt unterstützen — trotz mancher personeller Bedenken und trotz vieler Versäumnisse und Fehlgriffe, die man im Lande der Regierung zur Last legt — dann tun wir das, weil wir uns bei der Frage, ob wir den Staat oder die Partei wollen, für den Staat entscheiden.
Wir sind nicht Gegner des Parlaments an sich, das als Kontrollorgan der Regierung eine große Bedeutung haben kann: Wir sind Gegner des Parlaments als Regierungsorgan. Wir sind auch nicht Gegner der Parteien an sich, sondern nur Gegner der im Parlamantarismus von Weimar begründeten Parteiherrsch i f t. In der Stunde der Not kann ein Volk nia-t von Parlamentsmehrheiten, sondern nur von Männern, die die Verantwortung tragen, geführt werden. Wirkliche Entscheidungen sind in Deutschland meist nur gegenParlamentsmehrheiten erzwungen worden. 1862 stand Bismarck vor der Frage, ob er Preußen am Parlamentarismus zugrunde gehen lassen oder ob er es g e g e n d a s Parlament retten wollte. Sein Entschluß gegen das Parlament hat 1870 und den 18. Ia- nuar 1871 erst' möglich gemacht. Die Parallele mit dem Iahre 1932 liegt auf der Hand. Hinter dem durch Oldenburg-Ianuschau berühmt ge-
Oer englisch-französische Meinungsaustausch.
Herriots Besprechungen in London.—Wird Macdonald dem französischen Druck nachgeben?
London, 13.Oft. (TU. Funkspruch.) Um 11.30 Uhr begab sich h e r r i o t in die Amtswohnung 2N a c d o n a l d s. An der Eingangstür wurde er von Simon begrüßt, der vorher eine Viertelstunde bei Macdonald geweilt hatte, und dann fortging, f)erriet verließ kurz noch 18.30 Uhr Downingstreet. Lr> antwortete auf eine Frage, welcher Fortschritt gemacht worden fei: „Richtvie 1“. Ander- ' feite wurde von britischer Stelle erklärt, die Besprechungen seien sehr freundschaftlich und befriedigend verlaufen. Sie werden morgen vormittag wieder ausgenommen werden.
h e r r i o t sährt morgen nachmittag nach Paris zurück. Macdonald wird auf dem Viktoria-Bahnhof zur verabschidung herriots anwesend sein. Morgen 'mittag findet ein Frühstück in der französischen Botschaft statt, heute abend gab der Staatssekretär des Aeußeren, Sir John Simon, ein Essen zu Ehren herriots, an dem außer dem Premierminister u. a. noch der französische Botschafter, der Schahkanzler und der Unterstaatssekretär des Aeußeren, Sir Robert vansittart, teilnahmen.
Das amtliche Kommunique, das nach den englisch-französischen Besprechungen ausgegeben wurde, besagt lediglich: lieber die Schwierigkeiten, die hinsichtlich der neuen Entwicklung der Abrüstungsfrage aufgetaucht sind, haben in Downingstreet zwanglose Besprechungen zwischen Ministerpräsident herriot, Sir John Simon und dem französischen Botschafter stattgesunden. Die Unterredungen wurden in sehr freundlicher Weise bis um 18.30 Uhr fortgesetzt und werden morgen vormittag um 10 Uhr wieder ausgenommen.
Worüber wurde verhandelt?
Herriot legt feinen Stcherheitsptan vor.
London, 13. Oft. (TU.) Von französischer Seite wurde erklärt, daß herriot dem englischen Ministerpräsidenten bereits di e großen Linien des französischen Abrüstungsplanes mitgeteilt habe. Es dürfte jedoch nicht richtig sein, von einem fix und fertig ausgearbeiteten Plan zu sprechen, dessen Punkte bereits unabänderlich feststünden, herriot scheine versuchen zu wollen, Gegenvorschläge Macdonalds irgendwie in die französischen Vorschläge h i n e i n z u v e r a r b e i t e n. herriot habe tatsächlich ein allgemeines Abrüstungsabkommen, einen Konsultativpakt und regionale Sicherheitsabkommen sowie die V i l d u n g einer internationalen Streitmacht im Sinne. Auch die Mutmaßungen über einen Vorschlag, ein internationales Waffen- undMuni- tionslager anzulegen, seien insofern nicht unrichtig, als herriot eine Reihe technischer Anregungen mitbringe, die aber noch keineswegs fest in den französischen Plan verarbeitet worden seien. Die Besprechungen mit Macdonald sollen eben in dieser Richtung weitgehend zu einer Klärung bertragen. havas meldet weiter, die französische Regierung bleibe dabei, daß eine Rüstungsherabsetzung
von zusätzlichen Sicherheitsgarantien abhängig gemacht werden müßte, die sie durch Konfultativpakte und Regionalabkommen zu erzielen gedenke. Eng- lischerseits sei man gegen jede neue internationale Verpflichtung und rege u. a. als Lösung an: 1. einen politischen Waffen- stillstand für 10 Jahre, durch den Deutschland sich auf den gegenwärtigen territorialen Status quo verpflichten solle; 2. Freiheit für Deutschland, alle Rüstungskategorien zu besitzen, wenn auch in beschränktem Umfange; 3. eine progressive Rüstungsherabsetzung der übrigen Mächte.
Viermächiekonferenz in Genf?
Macdonald kommt den französischen Wünschen entgegen.
Havas verzeichnet eine Aeußerung aus französischen Kreisen, derzufolge die Wahl des Konferenzortes zur Prüfung der deutschen Gleichberechtigungsforderung bereits erörtert wor. den sei und zwar sei Genf als Konferenz
ort gewählt worden. Macdonald habe natürlich versucht, Herriot für London als Ort der Viererkonferenz zu gewinnen. Herriot habe das jedoch abgelehnt, um nicht der Abrüstungskonferenz und indirekt dem Völkerbund dieses Problem zu entziehen. Um aber ein Entgegenkommen zu beweisen, habe der französische Ministerpräsident die Möglichkeit von Besprechungen zwischen den Vertretern der Hauptmächte zuaelassen, vorausgesetzt, daß sie in Genf, das heißt, im Ra hm en desVöl- kerbundes stattfinden und nur vorbereitenden Charakter trügen. Anscheinend habe Herriot Macdonald für seine Ansicht gewonnen. „Echo de Paris" bemerkt, man spiele mit Worten, wenn man behaupte, daß nach der Einigung der vier Mächte die Abrüstungskonferenz noch Entscheidungsfreiheit haben würde. Entscheidungen würden eben ohne Befragung der Mehrheit der Staaten getroffen. Herriot sei es den Verbündeten Frankreichs schuldig, sich formell sein Recht vorzubehalten, während der gesamten Dauer dieser Viererkonferenz frei mit ihnen in Verbindung zu bleiben.
60 Lahre Deutsche KolomalgeseNschast.
Von Gouverneur z. O. Dr. Heinrich Schnee
Das deutsche Volk hat vor der Reichsgründung keinen dauernden Anteil an staatlicher Kolonisation gehabt; die innere Zersplitterung machte das unmöglich. Nach der Errichtung des Deutschen Reiches hätte Bismarck wiederholt Gelegenheit gehabt, Kolonien für Deutschland zu erwerben, aber er nahm lange Zeit hindurch eine ablehnende Haltung ein. Es schienen ihm die Grundlagen dafür zu fehlen, nicht zuletzt auch die geistigen und Willensgrundlogen im deutschen Volk. Ohne eine starke koloniale Bewegung hielt er es für aussichtslos, eine deutsche Kolonialpolitik zu beginnen, und eine solche Bewegung war trotz mancher Einzclbe- strebungen und Ansätze nicht vorhanden.
Im Iahre 1882 wurde in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitz des Fürsten Hermann zu Hohenlohe-Langenburg der Deutsche Kolonialverein gegründet zu dem Zwecke, die kolonialen Bestrebungen im deutschen Volk zu unterstützen. In kurzer Zeit gelang es den im Deutschen Kolonialverein tätigen Männern, dem Kolonialgedanken weite Verbreitung zu geben. Eine Welle nationaler und kolonialer Begeisterung ging durch das Land. Die „tiefgehende Bewegung", die Bismarck zur Voraussetzung für eine deutsche Kolonialpolitik erklärt hatte, war vorhanden. Wesentlich unter ihrem Einfluß schritt Bismarck zur Erwerbung von Kolonien. Im April 1884 wurden die Erwerbungen von Lüheritz in Südwestafrika unter deutschen Schutz gestellt, in den folgenden Monaten Kamerun und Togo, dann die Erwerbungen in Neu-Guinea.
Neben dem Deutschen Kolonialoerein entstand im April 1884 die Gesellschaft für deutsche
Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaff.
Kolonisation, gegründet von Dr. Carl P e • t e r s , der in längerem Aufenthalt in England sich darüber klar geworden war, was eigene Kolonien für. ein Volk bedeuten. Ihr Ziel war unmittelbarer Erwerb von Kolonien. In tatkräftigem Vorgehen sicherte Dr. Peters durch Verträge mit Eingeborenen in Ostafrika das spätere Deutsch-Ostafrika, die größte und wertvollste deutsche Kolonie.
Die beiden Vereine schlossen sich im Jahre 1887 zur Deutschen Kolonialgesellschaft zusammen. Diese begeht in diesen Tagen durch .eine Festsitzung im Reichstag ihr 50jähriges Bestehen. Sie kann mit Stolz zurückblicken auf die große historische Leistung, daß sie Miturheber in und Helferin war für die Erwerbung des großen Kolonialreichs von der sechsfachen Ausdehnung des gegenwärtigen Deutschlands durch Bismarck.
An der erfolgreichen Entwicklung dieses Kolonialreichs hat die Deutsche Kolonialgesellschaft bedeutenden Anteil gehabt. Doch dann kam der Weltkrieg und an dessen Ende bas schmähliche Diktat von Versailles, das Deutschland unter Bruch des Vorfriedensvertrages und unter falschen Vorwänden den Verzicht auf seine sämtlichen überseeischen Besitzungen aufzwang. Die Deutsche Kolonialgesellschaft führt seitdem den Kampf für die Wiedererlangung der deutschen Kolonien Seite an Seite mit den mit ihr in der Kolonialen Reichsarbeitsgemeinschaft vereinigten Verbänden. Sie führt ihn in dem Bewußtsein, daß eine Erweiterung unserer zu schmalen Bodengrundlage eine Le - bcnsnotroenDigteit für das deutsche Volk ist. Sie führt ihn für die Zukunft unseres Volkes, für unsere Kinder und Kindeskinder.
wordenen Leutnant mit feinen zehn Mann, der dem marxistischen Spuk ein Ende machte, stand zwar nicht der durch die Parlamentsmehrheit angeblich vertretene Volkswille, wohl aber der wirkliche Volkswille.
Diesen Kurs mit allen Mitteln zu stützen, wenn er folgerichtig durchgeführt wird, ist für die Deutschnationale Volkspartei selbstverständliches Ziel. Diesem Ziel dient auch der jetzige Wahlkampf, der die Mehrheiten des bisherigen Reichstags brechen und die Sabotagemöglichkeiten gegen den Regierungskurs erschweren soll. Der Regierung rufen wir die Mahnung zu, daß sie sich in ihrer Aufräumungsarbeit nicht durch das Geschrei derjenigen beirren läßt, die davon betroffen sind. So lange die Ministerialbureaukra- tie noch die gleiche ist, die unter Müller-Franken und Brüning für den alten Kurs gearbeitet hat so lange wird der ehrlichste Wille der Regierenden selbst von Nachgeordneten Stellen sabotiert werden. Dor allem darf die Regierung nicht vor den Türen des Zentrums Halt machen. Lind wenn man der Regierung Papen einen Vorwurf machen kann, dann ist es höchstens der, daß den Schritt gegen die marxistische Herrschaft in Preußen nicht schon Wochen früher geschah und daß die Reinigungsaktion nicht noch gründlicher durchgeführt wurde. Vielleicht wäre das schon geschehen, wenn dem gestürzten System nicht m Nationalsozialismus ein merkwürdiger Reise- nekäbrte entstanden wäre. Noch scheiden sich noch einmal die Geister. Weil wir Deutschnationalen das wollen was im Grunde das Volk ersehnt, deshalb sind wir in Wirklichkeit die Bewegung der deutschen Zukunft.
Cm Wahlaufruf der GpO.
Berlin 14. Oft. (TU.) Der „Vorwärts" bringt einen Aufruf des Vorstandes der Sozialdemokratischen Dartei Deutschlands, in dem es u. a. heißt: Reichskanzler v. Papen hat mit feiner Rede in München der demokratischen Republik den Krieg erklärt An die Stelle einer Staatsgewalt, die vom Volk will Herr v. Papen das konservative Got- I SXZw* Er I°rd°rt für te Lander bi«
„Versassungautonomie", d. h., bas Recht Monarchie unb Klassenwahlrecht wieder einzuführen. Der Vernichtungswille der Reaktion gilt den politischen unb sozialen Rechten. Wirb bas Slbelsregiment Die Diktatur bes Großgrundbesitzes verfassungsmäßig verankert, so werden Lohnbruck unb Unterstützungsdruck damit verewigt.
Der Aufruf fordert die „Enteignung der staats- streichlüsternen Dynastien" unb des Großgrundbesitzers, die Verstaatlichung der Banken unb ber Schlüsselindustrien, bie planmäßige Leitung ber Wirtschaft zum Wohle der Gesamtheit durch einen sozialistischen Staatswillen! Die Nationalsozialisten hätten ber sozialen Reaktion in den Sattel geholfen. Ihr jahrelanger Kamps gegen bie Republik habe ber Reaktion ben Weg zur Macht geebnet. Die Kommunisten hätten, anstatt Schulter an Schulter mit ber Sozialdemokratie für bie Rechte bes arbeitenben Volkes einzutreten, in zahllosen Parlamentsabstimmungen unb beim Volksentscheid am 9. August 1931 gemeinsam mit ben Nationalsozialisten unb Deutschnationalen den Kampf gegen die demokratische Republik geführt. Jetzt ernten sie, was sie gesät hätten. Wer die demokratische Republik, das gleiche Wahlrecht unb bas parlamentarische System jahrelang mit Hohn unb Haß bekämpft habe, ber könne sie heute nicht gegen bie Barone uerteibigen.
Oie Kandidaten der OBp. in Hessen Nassau.
F r a n k f u r t a. M., 13. Oft. (WSN.) Der Wahl- kreisvorstand ber Deutschen Volkspartei in Hessen- Nassau hielt gestern in Gießen eine Sitzung ab, in der bie Kandidatenliste ber Deutschen Volkspartei im 19 Reichstagswahlkeis Hessen-Nassau ausgestellt würbe. An Stelle bes bisherigen Spitzenkandidaten Dr W F Kalle, ber aus privaten Grünben eine Wieberaufstellung abgelehnt hatte, würbe ber Kaufmann Dr. h. c. Richarb Merten (Frankfurt a. M.), Auf sichtsratsvorsitzender ber Metallgesellschaft AG.. unb ötabtoerorbneter, nominiert. Weiter enthält bie Kanbibatenliste folgenbe Namen: Dberftubienbireftor Dr. Franz Becke r (Kassel), Frau Stadtverordnete Marie R o e t h e r (Wiesbaden) Landwirt Friedrich Dinges (Bad Soden), Vermessungstechniker Adolf
Geyer (Kassel), Glasermeister Ludwig Schmidt (Kassel) und Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Walter Lohmann (Weilburg). — Der Wahlkreisoorstand beschloß ferner einstimmig, Dr. Kalle zum Ehrenvorsitzenden des Wahlkreisvorstandes zu ernennen.
Oer „Völkische Beobachter" zur Kanzlerrede.
München, 13. Oft. (TU.) Im „Völkischen Beobachter" beschäftigt sich Alfred Rosenberg mit ber Münchner Rebe bes Reichskanzlers, bie weniger eine fachliche Darstellung ber unerquicklichen politischen Verhältnisse als ein Abreagieren feines Zornes gegenüber der N S D A P. gewesen sei, bie vor seine Parteiherrschaft zu spannen ihm nicht gelungen fei. Weil sich Hitler am 13. August als bas 'erwachte Gewissen Deutsch- l a n b s fühlte, habe er es ablehnen müssen, eine solche Durchschnittsgröße w i e Herrn von Papen als Kanzler über sich anzuerkennen. Papen hätte nichts zu verlieren als fein schlechtes Renommee aus seiner Vergangenheit, Hitler bagegen bie Frucht eines 13jährigen Kampfes, ben Glauben von 14 Millionen Deutschen. Papens Lebensgeschichte habe nur negative politi cheLe i ft ungen zu verzeichnen. Er habe burch eine Betätigung im preußischen Zentrum bie marxi tische Herrschaft ge- förbert. Wenn jemals bas Deutsche Reich burch eine Persönlichkeit von beni geiftigen Aus - m a ß bes Herrn von Papen wirklich verkör- pert fein würbe, so könnte man drei Kreuze auf dem Grabe dieses Reiches errichten.
Or. Goebbels spricht in Rostock.
Rostock, 14. Oft. (ERB.) Der Führer der Berliner NSDAP., Dr. Goebbels, bezeichnete hier in einer Wahlversammlung es als verhängnisvollen Irrtum, die nationalsozialistische Bewegung als eine Verlängerung des Vorkriegsabsolutismus bezeichnen zu wollen. Weil die nationalsozialistische Bewegung die Verantwortung für 14 Millionen Deutsche trage, könne sie nicht mit dem Posten eines Vizekanzlers zufrieden


