Ausgabe 
14.10.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Ur. 242 (Elftes Blatt

Zreitag, 14. Oktober 1932

182. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitSts-Buch- und Stelndruckerek K. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/ mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für denAn- zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Bietzen.

Erscheint täglich, autzer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Bietzener Familienblätter Heimat im Bild > DieScholle Monats-Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte 1.80 Zustellgebühr.. -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Zernfprechanfchlüffe unterSammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten. Anzeiger Stehen.

Postscheckkonto:

Frankfurt am Main 11686.

Oer Wahlkamps.

Hitler in Nordbayern.

Nürnberg, 14. Ott. (TU.) Die NSDAP, hielt am Donnerstag in Nordbayern dreiHit - lerversammlungen ab. Hitler sprach i n Nürnberg, wo er u. a. folgendes ausführte: Am 13. August habe er den Eintritt in das Ka­binett Papen in dem Bewußtsein der Verant­wortung abgelehnt, vor allem weil er schon da­mals vorausgesehen habe, daß das Wirtschafts­programm unbedingt zusammenbrechen müsse. Er habe nicht dreizehn Iahre gekämpft, um an die Stelle des marxistischen Bruderkrieges den bür­gerlichen Klassenftaat zu sehen. Eine Unterwer­fung komme für den Nationalsozialismus nicht in Frage. Er könne sein Ideal nur verwirklichen, wenn ihm die Macht in Deutschland werde. Wenn Herr v. Papen behaupte, vom Schicksal zur Bet­tung des Vaterlandes berufen zu sein, so frage er den Kanzler, wo denn er und seine Helfei: in den vergangenen 13 Zähren gewesen seien. Wenn heute die Soldaten zur Stühe der Negie­rung gegen das eigene Volk verwendet würden, so werde in einem nationalsozialistischen Deutsch­land der Soldat nur die einzige Aufgabe haben, dem Vaterland Schuh zu sein gegen die Feinde von außen. Cs gelte heute, den Kampf weiter­zutragen. um,zu den Millionen Nationalsozialisten neue Millionen heranzuführen, bis endlich die Stunde reif sei für die Schaffung des national­sozialistischen Reiches.

Der Christlich-soziale Volks- dienst im Wahlkampf.

Frankfurt a. M.. 13. Oft Die in Frank­furt a. M. tagende Vertreterversamm­lung des Christlich-sozialen Volks- dien st es in Hessen beschloß, mit einer e i g° nen Liste in den Wahlkampf einzutreten. Sie schloß sich damit der Auffassung des Reichsvor­standes an, daß es dem Wesen der Dolksdienst- bewegung entspreche, an ihren Dienst an Volk und Staat heranzutreten in unbedingter Frei­heit, grundsätzlich ohne jede Bindung an andere Parteien oder Gruppen, allein aus der Bindung des christ­lichen Gewissens heraus. 3rt einer Zeit, da unbeherrschte Leidenschaft das deutsche Volk im 3nnern zu zerreißen und nach außen hoff­nungslos zu schwächen droht, hält es der Dolks- dienst für doppelt geboten, nicht zurückzutreten von der notwendigen Aufgabe: im politischen Handeln unbeirrt hinzuweisen auf die letzten geistig-seelischen Tiefen alles menschlichen Ge­meinschaftslebens und auf den schweren Ernst sittlicher Verantwortung, über alles Eigeninter­esse hinaus, gegenüber dem Ganzen von Volk und Staat. Eine vorläufige Liste der Kandidaten enthält die Namen: Pfarrer V e i d t - Frankfurt a. M., Lehrer G r e b - Mainz. Prof. Dr. Koch- Gießen. Drehermeister W i e - m e r - Mainz, Oberpostsekretär Kuntz -Bens­heim, Druckereifaktor Weimer- Darmstadt, Pfarrer Page-Mainz, Rangiermeister Heh­le r - Bad-Nauheim, Landwirt Krausgrill- Kirtorf, Studienassessor Schneider- Neu-Isen­burg, Angestellter Götz-Worms, Dr. med. Georgi- Nieder-Ramstadt.

Hilgenbergs erste Wahlrede.

Stendal, 13.Oft. (TU.) Am Donnerstag begann der deutschnationale Parteiführer Dr. Hugenberg seinen Wahlkampf mit_einer Rede in Stendal, in der er u. a. ausführte: Das politische Problem für Deutschland kommt auf die Frage hinaus, ob wir den Staat oder die Partei wollen. Das schwarz-rote System lebte von der verfassungswidrigen Vergewalti­gung der nationalen Bewegung. Es lebte von dem außenpolitischen Bestreben, die guten B^ Ziehungen zu den gegnerischen Staaten durch Nachgiebigkeit und Hintansetzung der deutschen Interessen zu erreichen. Der unselige Dua­lismus zwischen Reich und Preußen lähmte jede Staatsarbeit. Die Interessenpolitik der Parteien machte jede wirkliche Reorganisation in Staat und Wirtschaft unmöglich. Wenn wir Deutschnationalen den neuen Kurs, der mit der Regierung Papen eingeleitet wurde, be­wußt unterstützen trotz mancher perso­neller Bedenken und trotz vieler Versäumnisse und Fehlgriffe, die man im Lande der Regierung zur Last legt dann tun wir das, weil wir uns bei der Frage, ob wir den Staat oder die Partei wollen, für den Staat entscheiden.

Wir sind nicht Gegner des Parlaments an sich, das als Kontrollorgan der Regie­rung eine große Bedeutung haben kann: Wir sind Gegner des Parlaments als Re­gierungsorgan. Wir sind auch nicht Gegner der Parteien an sich, sondern nur Gegner der im Parlamantarismus von Weimar begründeten Parteiherrsch i f t. In der Stunde der Not kann ein Volk nia-t von Parlamentsmehrheiten, sondern nur von Männern, die die Verant­wortung tragen, geführt werden. Wirkliche Entscheidungen sind in Deutschland meist nur gegenParlamentsmehrheiten erzwun­gen worden. 1862 stand Bismarck vor der Frage, ob er Preußen am Parlamentarismus zu­grunde gehen lassen oder ob er es g e g e n d a s Parlament retten wollte. Sein Entschluß gegen das Parlament hat 1870 und den 18. Ia- nuar 1871 erst' möglich gemacht. Die Parallele mit dem Iahre 1932 liegt auf der Hand. Hinter dem durch Oldenburg-Ianuschau berühmt ge-

Oer englisch-französische Meinungsaustausch.

Herriots Besprechungen in London.Wird Macdonald dem französischen Druck nachgeben?

London, 13.Oft. (TU. Funkspruch.) Um 11.30 Uhr begab sich h e r r i o t in die Amtswohnung 2N a c d o n a l d s. An der Eingangstür wurde er von Simon begrüßt, der vorher eine Viertelstunde bei Macdonald geweilt hatte, und dann fortging, f)erriet verließ kurz noch 18.30 Uhr Downingstreet. Lr> antwortete auf eine Frage, welcher Fort­schritt gemacht worden fei:Richtvie 1. Ander- ' feite wurde von britischer Stelle erklärt, die Be­sprechungen seien sehr freundschaftlich und befriedigend verlaufen. Sie werden morgen vormittag wieder ausgenommen werden.

h e r r i o t sährt morgen nachmittag nach Paris zurück. Macdonald wird auf dem Viktoria-Bahnhof zur verabschidung herriots anwesend sein. Morgen 'mittag findet ein Frühstück in der französischen Botschaft statt, heute abend gab der Staatssekretär des Aeußeren, Sir John Simon, ein Essen zu Ehren herriots, an dem außer dem Premierminister u. a. noch der französische Botschafter, der Schah­kanzler und der Unterstaatssekretär des Aeußeren, Sir Robert vansittart, teilnahmen.

Das amtliche Kommunique, das nach den englisch-französischen Besprechungen ausgegeben wurde, besagt lediglich: lieber die Schwierigkeiten, die hinsichtlich der neuen Entwicklung der Abrüstungsfrage aufgetaucht sind, haben in Downingstreet zwang­lose Besprechungen zwischen Ministerpräsi­dent herriot, Sir John Simon und dem französischen Botschafter stattgesunden. Die Unterredungen wur­den in sehr freundlicher Weise bis um 18.30 Uhr fortgesetzt und werden morgen vormittag um 10 Uhr wieder ausgenommen.

Worüber wurde verhandelt?

Herriot legt feinen Stcherheitsptan vor.

London, 13. Oft. (TU.) Von französischer Seite wurde erklärt, daß herriot dem englischen Minister­präsidenten bereits di e großen Linien des französischen Abrüstungsplanes mitge­teilt habe. Es dürfte jedoch nicht richtig sein, von einem fix und fertig ausgearbeiteten Plan zu spre­chen, dessen Punkte bereits unabänderlich feststünden, herriot scheine versuchen zu wollen, Gegenvor­schläge Macdonalds irgendwie in die fran­zösischen Vorschläge h i n e i n z u v e r a r b e i t e n. herriot habe tatsächlich ein allgemeines Abrüstungs­abkommen, einen Konsultativpakt und regionale Sicherheitsabkommen sowie die V i l d u n g einer internationalen Streitmacht im Sinne. Auch die Mutmaßungen über einen Vorschlag, ein internationales Waffen- undMuni- tionslager anzulegen, seien insofern nicht un­richtig, als herriot eine Reihe technischer An­regungen mitbringe, die aber noch keineswegs fest in den französischen Plan verarbeitet worden seien. Die Besprechungen mit Macdonald sollen eben in dieser Richtung weitgehend zu einer Klärung ber­tragen. havas meldet weiter, die französische Re­gierung bleibe dabei, daß eine Rüstungsherabsetzung

von zusätzlichen Sicherheitsgarantien abhängig ge­macht werden müßte, die sie durch Konfultativpakte und Regionalabkommen zu erzielen gedenke. Eng- lischerseits sei man gegen jede neue inter­nationale Verpflichtung und rege u. a. als Lösung an: 1. einen politischen Waffen- stillstand für 10 Jahre, durch den Deutsch­land sich auf den gegenwärtigen territorialen Status quo verpflichten solle; 2. Freiheit für Deutschland, alle Rüstungskategorien zu besitzen, wenn auch in beschränktem Umfange; 3. eine pro­gressive Rüstungsherabsetzung der übrigen Mächte.

Viermächiekonferenz in Genf?

Macdonald kommt den französischen Wünschen entgegen.

Havas verzeichnet eine Aeußerung aus fran­zösischen Kreisen, derzufolge die Wahl des Konferenzortes zur Prüfung der deutschen Gleichberechtigungsforderung bereits erörtert wor. den sei und zwar sei Genf als Konferenz­

ort gewählt worden. Macdonald habe na­türlich versucht, Herriot für London als Ort der Viererkonferenz zu gewinnen. Herriot habe das jedoch abgelehnt, um nicht der Abrü­stungskonferenz und indirekt dem Völkerbund die­ses Problem zu entziehen. Um aber ein Ent­gegenkommen zu beweisen, habe der französische Ministerpräsident die Möglichkeit von Besprechungen zwischen den Vertretern der Hauptmächte zuaelassen, vorausgesetzt, daß sie in Genf, das heißt, im Ra hm en desVöl- kerbundes stattfinden und nur vorbereiten­den Charakter trügen. Anscheinend habe Herriot Macdonald für seine Ansicht gewonnen.Echo de Paris" bemerkt, man spiele mit Worten, wenn man behaupte, daß nach der Einigung der vier Mächte die Abrüstungskonferenz noch Ent­scheidungsfreiheit haben würde. Entschei­dungen würden eben ohne Befragung der Mehrheit der Staaten getroffen. Herriot sei es den Verbündeten Frankreichs schuldig, sich formell sein Recht vorzubehalten, während der ge­samten Dauer dieser Viererkonferenz frei mit ihnen in Verbindung zu bleiben.

60 Lahre Deutsche KolomalgeseNschast.

Von Gouverneur z. O. Dr. Heinrich Schnee

Das deutsche Volk hat vor der Reichsgründung keinen dauernden Anteil an staatlicher Koloni­sation gehabt; die innere Zersplitterung machte das unmöglich. Nach der Errichtung des Deut­schen Reiches hätte Bismarck wiederholt Ge­legenheit gehabt, Kolonien für Deutschland zu erwerben, aber er nahm lange Zeit hindurch eine ablehnende Haltung ein. Es schienen ihm die Grundlagen dafür zu fehlen, nicht zuletzt auch die geistigen und Willensgrundlogen im deut­schen Volk. Ohne eine starke koloniale Bewegung hielt er es für aussichtslos, eine deutsche Kolonialpolitik zu beginnen, und eine solche Bewegung war trotz mancher Einzclbe- strebungen und Ansätze nicht vorhanden.

Im Iahre 1882 wurde in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitz des Fürsten Hermann zu Hohenlohe-Langenburg der Deutsche Kolo­nialverein gegründet zu dem Zwecke, die kolonialen Bestrebungen im deutschen Volk zu unterstützen. In kurzer Zeit gelang es den im Deutschen Kolonialverein tätigen Männern, dem Kolonialgedanken weite Verbreitung zu geben. Eine Welle nationaler und kolonialer Begeiste­rung ging durch das Land. Dietiefgehende Bewegung", die Bismarck zur Voraussetzung für eine deutsche Kolonialpolitik erklärt hatte, war vorhanden. Wesentlich unter ihrem Einfluß schritt Bismarck zur Erwerbung von Kolonien. Im April 1884 wurden die Erwerbungen von Lüheritz in Südwestafrika unter deutschen Schutz gestellt, in den folgenden Monaten Kamerun und Togo, dann die Erwerbungen in Neu-Guinea.

Neben dem Deutschen Kolonialoerein entstand im April 1884 die Gesellschaft für deutsche

Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaff.

Kolonisation, gegründet von Dr. Carl P e t e r s , der in längerem Aufenthalt in England sich darüber klar geworden war, was eigene Kolonien für. ein Volk bedeuten. Ihr Ziel war unmittelbarer Erwerb von Kolonien. In tatkräftigem Vorgehen sicherte Dr. Peters durch Verträge mit Eingebore­nen in Ostafrika das spätere Deutsch-Ostafrika, die größte und wertvollste deutsche Kolonie.

Die beiden Vereine schlossen sich im Jahre 1887 zur Deutschen Kolonialgesellschaft zu­sammen. Diese begeht in diesen Tagen durch .eine Festsitzung im Reichstag ihr 50jähriges Bestehen. Sie kann mit Stolz zurückblicken auf die große historische Leistung, daß sie Miturheber in und Helferin war für die Erwerbung des großen Kolonialreichs von der sechsfachen Ausdehnung des gegenwärtigen Deutschlands durch Bismarck.

An der erfolgreichen Entwicklung dieses Kolonial­reichs hat die Deutsche Kolonialgesellschaft bedeuten­den Anteil gehabt. Doch dann kam der Welt­krieg und an dessen Ende bas schmähliche Diktat von Versailles, das Deutschland unter Bruch des Vorfriedensvertrages und unter falschen Vorwänden den Verzicht auf seine sämtlichen über­seeischen Besitzungen aufzwang. Die Deutsche Kolonialgesellschaft führt seitdem den Kampf für die Wiedererlangung der deut­schen Kolonien Seite an Seite mit den mit ihr in der Kolonialen Reichsarbeitsge­meinschaft vereinigten Verbänden. Sie führt ihn in dem Bewußtsein, daß eine Erweiterung unserer zu schmalen Bodengrundlage eine Le - bcnsnotroenDigteit für das deutsche Volk ist. Sie führt ihn für die Zukunft unseres Volkes, für unsere Kinder und Kindeskinder.

wordenen Leutnant mit feinen zehn Mann, der dem marxistischen Spuk ein Ende machte, stand zwar nicht der durch die Parlamentsmehrheit angeblich vertretene Volkswille, wohl aber der wirkliche Volkswille.

Diesen Kurs mit allen Mitteln zu stützen, wenn er folgerichtig durchgeführt wird, ist für die Deutschnationale Volkspartei selbstverständ­liches Ziel. Diesem Ziel dient auch der jetzige Wahlkampf, der die Mehrheiten des bisherigen Reichstags brechen und die Sabotagemöglichkei­ten gegen den Regierungskurs erschweren soll. Der Regierung rufen wir die Mahnung zu, daß sie sich in ihrer Aufräumungsarbeit nicht durch das Geschrei derjenigen beirren läßt, die davon be­troffen sind. So lange die Ministerialbureaukra- tie noch die gleiche ist, die unter Müller-Fran­ken und Brüning für den alten Kurs gearbeitet hat so lange wird der ehrlichste Wille der Re­gierenden selbst von Nachgeordneten Stellen sabo­tiert werden. Dor allem darf die Regierung nicht vor den Türen des Zentrums Halt machen. Lind wenn man der Regierung Papen einen Vorwurf machen kann, dann ist es höchstens der, daß den Schritt gegen die marxistische Herrschaft in Preu­ßen nicht schon Wochen früher geschah und daß die Reinigungsaktion nicht noch gründ­licher durchgeführt wurde. Vielleicht wäre das schon geschehen, wenn dem gestürzten System nicht m Nationalsozialismus ein merkwürdiger Reise- nekäbrte entstanden wäre. Noch scheiden sich noch einmal die Geister. Weil wir Deutschnationalen das wollen was im Grunde das Volk ersehnt, deshalb sind wir in Wirklichkeit die Bewegung der deutschen Zukunft.

Cm Wahlaufruf der GpO.

Berlin 14. Oft. (TU.) DerVorwärts" bringt einen Aufruf des Vorstandes der Sozialdemokrati­schen Dartei Deutschlands, in dem es u. a. heißt: Reichskanzler v. Papen hat mit feiner Rede in Mün­chen der demokratischen Republik den Krieg erklärt An die Stelle einer Staatsgewalt, die vom Volk will Herr v. Papen das konservative Got- I SXZw* Er I°rd°rt für te Lander bi«

Versassungautonomie", d. h., bas Recht Monarchie unb Klassenwahlrecht wieder einzuführen. Der Ver­nichtungswille der Reaktion gilt den politischen unb sozialen Rechten. Wirb bas Slbelsregiment Die Dik­tatur bes Großgrundbesitzes verfassungsmäßig ver­ankert, so werden Lohnbruck unb Unterstützungsdruck damit verewigt.

Der Aufruf fordert dieEnteignung der staats- streichlüsternen Dynastien" unb des Großgrundbe­sitzers, die Verstaatlichung der Banken unb ber Schlüsselindustrien, bie planmäßige Leitung ber Wirtschaft zum Wohle der Gesamtheit durch einen sozialistischen Staatswillen! Die Nationalsozialisten hätten ber sozialen Reaktion in den Sattel geholfen. Ihr jahrelanger Kamps gegen bie Republik habe ber Reaktion ben Weg zur Macht geebnet. Die Kommu­nisten hätten, anstatt Schulter an Schulter mit ber Sozialdemokratie für bie Rechte bes arbeitenben Volkes einzutreten, in zahllosen Parlamentsabstim­mungen unb beim Volksentscheid am 9. August 1931 gemeinsam mit ben Nationalsozialisten unb Deutschnationalen den Kampf gegen die demokra­tische Republik geführt. Jetzt ernten sie, was sie gesät hätten. Wer die demokratische Republik, das gleiche Wahlrecht unb bas parlamentarische System jahrelang mit Hohn unb Haß bekämpft habe, ber könne sie heute nicht gegen bie Barone uerteibigen.

Oie Kandidaten der OBp. in Hessen Nassau.

F r a n k f u r t a. M., 13. Oft. (WSN.) Der Wahl- kreisvorstand ber Deutschen Volkspartei in Hessen- Nassau hielt gestern in Gießen eine Sitzung ab, in der bie Kandidatenliste ber Deutschen Volkspartei im 19 Reichstagswahlkeis Hessen-Nassau ausgestellt würbe. An Stelle bes bisherigen Spitzenkandidaten Dr W F Kalle, ber aus privaten Grünben eine Wieberaufstellung abgelehnt hatte, würbe ber Kauf­mann Dr. h. c. Richarb Merten (Frankfurt a. M.), Auf sichtsratsvorsitzender ber Metallgesellschaft AG.. unb ötabtoerorbneter, nominiert. Weiter enthält bie Kanbibatenliste folgenbe Namen: Dberftubienbireftor Dr. Franz Becke r (Kassel), Frau Stadtverordnete Marie R o e t h e r (Wiesbaden) Landwirt Friedrich Dinges (Bad Soden), Vermessungstechniker Adolf

Geyer (Kassel), Glasermeister Ludwig Schmidt (Kassel) und Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Walter Loh­mann (Weilburg). Der Wahlkreisoorstand be­schloß ferner einstimmig, Dr. Kalle zum Ehren­vorsitzenden des Wahlkreisvorstandes zu er­nennen.

OerVölkische Beobachter" zur Kanzlerrede.

München, 13. Oft. (TU.) ImVölkischen Beob­achter" beschäftigt sich Alfred Rosenberg mit ber Münchner Rebe bes Reichskanzlers, bie weniger eine fachliche Darstellung ber unerquicklichen politischen Verhältnisse als ein Abreagieren feines Zornes gegenüber der N S D A P. gewesen sei, bie vor seine Parteiherrschaft zu spannen ihm nicht gelungen fei. Weil sich Hitler am 13. August als bas 'erwachte Gewissen Deutsch- l a n b s fühlte, habe er es ablehnen müssen, eine solche Durchschnittsgröße w i e Herrn von Papen als Kanzler über sich anzuerkennen. Papen hätte nichts zu verlieren als fein schlechtes Renommee aus seiner Vergangenheit, Hitler bagegen bie Frucht eines 13jährigen Kampfes, ben Glauben von 14 Millionen Deutschen. Papens Lebensgeschichte habe nur negative politi cheLe i ft ungen zu verzeichnen. Er habe burch eine Betätigung im preußischen Zentrum bie marxi tische Herrschaft ge- förbert. Wenn jemals bas Deutsche Reich burch eine Persönlichkeit von beni geiftigen Aus - m a ß bes Herrn von Papen wirklich verkör- pert fein würbe, so könnte man drei Kreuze auf dem Grabe dieses Reiches errichten.

Or. Goebbels spricht in Rostock.

Rostock, 14. Oft. (ERB.) Der Führer der Berliner NSDAP., Dr. Goebbels, bezeich­nete hier in einer Wahlversammlung es als ver­hängnisvollen Irrtum, die nationalsozialistische Bewegung als eine Verlängerung des Vorkriegs­absolutismus bezeichnen zu wollen. Weil die nationalsozialistische Bewegung die Verantwor­tung für 14 Millionen Deutsche trage, könne sie nicht mit dem Posten eines Vizekanzlers zufrieden