Hr. IKZ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)Donnerstag, U. Zuli 1952
Welche Berechtigungen können Berufsschülern gegeben werden?
Don Architekt CH. Leichum, Gewerbelehrer.
Man gibt immer mehr der Ansicht Raum, daß „der schassende Mensch der wichtigste und entscheidendste Faktor der Betriebe ist", und daß olle „Errungenschaften auf technischem Gebiet letzlich auf den Mann der Werkstatt zurückgehen, ohne dessen Fleiß, Hingebung und Verantwortungsgefühl die Gedanken der Erfinder und Forscher nicht zu verwirklichen wären" (Soziales Museum, Franksurt/M. 1930). Aus diesem Grunde ist es verständlich, wenn heute der Ausbildung der Werktätigen besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.
. Das Berechtigungswesen in Deutschland ist ein gusgedehntes, und es ist eigentlich ein Wagnis, nach noch weiteren Berechtigungen zu fragen und zu suchen. Mit der Absolvierung aller Bildungsanstal- ten, ganz aleich, welcher Richtung, sind Berechtigungen aller Art verknüpst. Weshalb sollen dann nicht auch dem werktätigen Jugendlichen, welcher seine fachlich-theoretische Ausbildung auf der Be- pufsschule erhält und am Ende dieser Ausbildung durch seine Leistungen und Kenntnisse ein bestimmtes Maß von fachlich-theoretischer Bildung nachweist, gewisse Berechtigungen zugestanden werden?
Die Berechtigungen, die für den Berufsschüler in Frage kommen, sind ganz besonderer Art und werden durch die Bedeutung der Berufsschule im Berufs- und Wirtschaftsleben bedingt.
• Die Lehrpläne der Berufsschulen sind allgemein so erweitert worden, daß während des dreijährigen Pflichtschulbesuches dem Berufsschüler alle die fachlich-theoretischen Kenntnisse vermittelt werden, die derselbe bei Ablegung der Gesellenprüfung nachweisen muß. Ja, der befähigte Schüler ist heute in der Lage, sich während seines Schulbesuches auch diejenigen Kenntnisse zu erwerben, die es ihm späterhin ermöglichen (dies gilt für eine ganze Reihe von Berufen), den theoretischen Teil der M e isterprüsung ohne weiteres abzulegen. Es wäre deshalb die Forderung zu erheben, dem Be- rufsspieler nach erfolgreichem Berufsschulbesuche die Berechtigung einzuräumen, von der Ablegung der theoretischen Gesellenprüfung befreit zu sein. In der Praxis wird dieses von feiten der Gesellenprüfungsausschüsse ja auch allgemein so gehandhabt', die Aus- schüsse vereinfachen sich ihre Arbeit, indem sie die Zeugnisnoten der Berufsschulzeugnisse für die Prüfung verwerten. Dieses Verfahren oder ähnliche sind jedoch ganz von der örtlichen Einstellung der Prüfungsausschüsse abhängig.
Die Forderung, das Abgangszeugnis der Berufsschule (Durchschnittsnote genügend) rechtlich gleichzustellen mit der theoretischen Gesellenprüfung, ist unerläßlich
und sollte von allen beteiligten Kreisen im eigensten Interesse vertreten und die Verwirklichung derselben angestrebt werden.
seit einigen Jahren ist man der Auffassung, daß eine gehobene Berufsausbildung als Ersatz für fremdsprachliche Bildung und für sonstige Mängel in der Allgemeinbildung anzuerkennen ist. Aus dieser Erkenntnis heraus hat man den Fachschulen (gehobene Berufsschulen) das Recht eingeräumt, ihren Absolventen die mittlere Reife zu erteilen, wenn dieselben an einem zweijährigen Dollunterricht teilgcnommen haben. Rach den für den Erwerb der mittleren Reife geltenden Bestimmungen ist jedem, der nicht über die Dauer der allgemeinen Schulpflicht hinaus noch zwei Jahre an einem Voll- unterricht teilnahm, der Erwexb der mittleren Reife unmöglich gemacht. Diese Bestimmung bedeutet einen Rückschritt gegenüber den Bestimmungen der Vorkriegszeit über den Erwerb des „Einjährigenzeugnisses", was damals gleichbedeutend war mit der heutigen mittleren Reife, und zwar insofern einen Rückschritt, als man vergaß, daß vor dem Kriege dieses Einjährigenzeugnis, auch ohne zehnjährigen Vollunterricht nachzuweisen, vor einer Prüfungskommission erworben werden konnte.
Cs war — und das ist hier von besonderer Bedeutung — also jedem Berufstätigen möglich, ohne an einem Unterricht teilnehmen zu müssen, die mittlere Reife zu erlangen.
Ja, es bestanden auch vor dem Kriege schon Bestimmungen, wonach junge Leute, die sich in ihrem Berufe hervorragend auszeichneten durch Anfertigung oder Ausführung besonderer Arbeiten meist künstlerischer Art, von dem Nachweis der wissenschaftlichen Befähigung befreit und zu einer erleichterten Prüfung zur Erlangung des Einjährigen- Zeugnisses zugelassen werden konnten (§89 Abs. 6s der alten deutschen Wehrordnung „Künstler-Einjähriges"). Alle berufstätigen Jugendlichen, denen nicht über die allgemeine Schulpflicht hinaus Doll- unterricht zuteil wurde, sind heute während ihrer Berufsausbildungszeit Schüler der Berufsschule. Es ist deshalb eine wahlberechtigte Forderung, wenn verlangt wird- daß auch jenen Bildungsanstalten, die ihre Schüler neben der praktischen Arbeit in erster Linie für die berufliche Tätigkeit, für die Wirtschaft und das Leben vorbereiten, das Recht zur Erteilung der mittleren Reife verliehen werde.
Eine allgemeine mittlere Reife im Berufsleben kann es ja nicht geben. Diese kann nur an allgemeinbildenden Lehranstalten erworben werden.
Die mittlere Reise, verliehen an den Berufsschulen, muß berufliche Richtung haben, d. h. sie ist für jede Berufsgruppe besonders zu formen.
Die Erlangungsmöglichkcit kann nach zwei Seiten hin ausgearbeitet werden, einmal nach der Richtung des oben Gesagten über das ehemalige sogenannte „Künstler-Einjährige", dann nach der Seite der erweiterten Unterrichtskurse, welche dem Schüler über den Pflichtunterrichs hinaus „Gelegenheit zum Erwerb einer entsprechenden Bildung geben" (Be- rufsfchultag Jena 1928). Es wäre dann zu unterscheiden eine mittlere Reife beruflicher Art, eine B e ru ss r.e i f e, und eine mittlere Reife allge
meiner Art, eine Schulreife. Die erstere, verliehen durch die Berufsschulen, kennzeichnet die Be- küsseignung, die letztere, erworben an allgemein- bildenden Lehranstalten, berechtigt zu weiterer Schulung zum Zwecke wissenschaftlicher (Studien) Arbeit.
Ergänzungen der Darmstädter Stadtverwaltung.
WER. D a r m st a d t, 13. Juli. Die in der letzten Zeit umlaufenden Gerüchte über die geplante Einrichtung einer weiteren Beigeordneten st elle, finden ihre Bestätigung. In einer Zuschrift an die Presse begründete Oberbürgermeister Mueller den Wunsch der Stadtverwaltung. Jahrzehntelang habe die Berwaltung der Stadt Darmstadt aus dem Oberbürgermeister und fünf Beigeordneten bestanden. Inzwischen sind zwei verstorbene Beigeordnete nicht wieder erseht worden, ebenso fanden keine Ersatzwahlen für die pensionierten Bürgermeister D a u b und Duxbaum statt, und die Stelle des Bürgermeisters Mueller wurde nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister ebenfalls nicht wieder beseht. Damit besteht das Verwaltungskollegium nur noch aus drei Mitgliedern. Keine einzige Stadt in ganz Deutschland von der Größe Darmstadts habe eine gleich billige Berwaltung. In der letzten Zeit ist nun Bürgermeister Rihert durch ^Überarbeitung und Rervenansttengung dienstunfähig, so daß nur zwei Bürgermeister die Geschäfte der Stadt versehen. Das sei zu wenig. Es sei unvermeidbar, daß die Berwaltung wieder vervollständigt werde, da die Berantwortung nach dem Gesetz nicht auf nachgeordnete Berwaltungs- beamte übertragen werden könne. Der Oberbürgermeister hofft, daß die Bevölkerung und auch der gesamte Stadtrat für diese Wünsche der Stadtverwaltung Verständnis zeigt.
Verabschiedung des Haushaltsplans in Bad-Nauheim.
WSR. Bad - Rauhe irn, 13. Juli. Der Stadttat verabschiedete in seiner gestrigen Sitzung den städtischen Haushaltsplan, der in der Betriebs- und Bermögensrechnung mit 1 941 000 Mk. (300 100 Mk. weniger als 1931) und in der Betriebsrechnung allein mit 1 698 500 Mk. (177 400
Jedem Franzosen sein Miniatur-Tank.
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„Tank gegen Festung", ein Spielautomat, den jetzt ein Pariser Unternehmen an verschiedenen Orten ausgestellt hat. Dieses seltsame Geschicklichkeitsspiel ist vielleicht typisch für unsere Zeit, die soviel von Abrüstung und Weltfrieden spricht und sich doch so gern mit jeglichem Kriegshandwerk beschäftigt.
Siebenlausend wollen spielen...
3m Arbeitsnachweis der Schauspieler.
Don Liliom.
Wie viele junge Mädchen, wie viele junge Bur- schen sitzen auch heute noch auf der Schulbank der letzten Klasse und tragen einen Traum im Herzen, nein, mehr als einen Traum, den festen Entschluß: Ich gehe zum Theater!
Nicht nur ihretwegen lohnt es sich, einmal nachzuforschen, wie heute die Arbeitsmöglichkeiten und Aussichten, wie heute die gesamte Situation für die Büh- nenschauspieler aussieht! Theater ist eine Sache, die, wie jede Kunst, uns alle angeht. Wie steht es heute mit diesem Beruf? Antwort auf diese Frage kann uns nur die „Parenna" geben, das ist die vor eineinhalb Jahren gegründete öffentliche Nachweis- ftelle für Bühnenangehörige in der Potsdamer Straße in Berlin, mit zwei Zweigstellen in München und Mainz.
Ein großer, holzgetäfelter Raum, geschmückt mit bunten Statistiken: das ist das Wartezimmer des paritätischen Stellennachweises, und es ist dicht gefüllt. Viele, entmutigend viele sitzen hier in den Vormittags-, Mittags- und Nachmittagsstunden herum, und trotzdem sind es längst nicht alle, denn die Besuche der Stellensuchenden sind durch Besuchskarten genau geregelt: jeder hat das Recht, hier viermal im Monat herzukommen und einen der Disponenten zu sprechen.
Und trotzdem diese Fülle. Wenn man sich die statistischen Zahlen angesehen hat, wundert man sich auch darüber nicht mehr. Von 12 000 Bühnenangehörigen sind 7 00 0 arbeitslos! Also mehr als die Hälfte. Wie sollen da selbst die Begabtesten noch Platz finden?
Auf den ersten Blick würde allerdings kein Mensch auf den Gedanken kommen, daß er es hier mit Arbeitslosen zu tun hat. Das Elend wird hier gut versteckt, das gehört zum Beruf. Besonders die Fronen sehen so gut angezogen und so gepflegt aus, manche geradezu elegant, daß man fast meinen könnte, in irgendeinen Klub geraten zu sein, dessen Mitglieder sich ein Stündchen unterhalten wollen.
Aber wenn man diese Augen sieht, die sich nervös und gehetzt auf jeden Eintretenden richten, wenn man den schlecht verhehlten Neid sieht, sobald irgend jemand in das Disponentenzimmer gerufen wird, wenn man unter der Aufmachung, unterem Puder
und dem künstlichen Lächeln die schlaffen und zerfurchten Züge sieht, dann weiß man, daß auch hier ein Kampf um bie Existenz geführt wird, der immer verzweifelter wird, je weniger man es sich merken lassen darf. .
Während man so sitzt, Stunden und Stunden, während man mit den anderen halb vorsichtig, halb renommierend plaudert, über Rollen, die man gespielt hat, die man spielen möchte und die man beinahe bekommen hat — ist plötzlich aus irgendeiner Ecke her das Gerücht in Umlauf geraten, daß der Intendant I aus P heute morgen anwesend sein wird. Noch andere wissen plötzlich auch, was er sucht: er sucht angeblich eine Naive und einen Heldenoater.
Von diesem Augenblick ab sind im ganzen Raum nur noch Naive und Heldenväter vorhanden, ohne Unterschied des Alters, des Aussehens und des eigentlichen Rollenfachs. Wer begabt ist, muß doch alles spielen können, und wer ist hier nid), tief und unweigerlich von feiner Begabung überzeugt?! Und außerdem bleibt ja gar keine Wahl. Ein Platz ist frei, und man muß sehen, daß man unter Hunderten die Möglichkeit findet, sich, gerade in diesen Platz einzusetzen und sich dort zu erhalten.
Plötzlich fint)eaUe Augen konzentriert auf irgendeinen Punkt gerichtet, aber sie sehen nichts, sie sehen nach innen, sie sehen die Vorsprechszene, die jeder einzelne nun rasch noch einmal memoriert.
Minna von Barnhelm und Klärchen, Wendla und Hannele, alle „naiven" Rollen werden in schweigenden Sätzen jetzt von all diesen Frauen dort gesprochen, denn man muß ja bereit fein, wenn die Tür aufgeht und man vor dem Allgewaltigen steht. Man muß alle Nerven beisammen haben, man muß Liebreiz und Schelmerei, Innigkeit und Temperament, man muß seine ganze Begabung leuchten lassen, ohne Partner, ohne Dekoration, ohne Stichwort und ohne Atmosphäre muß man es schaffen, daß der Allgewaltige dort hinter der Tür aus den vielen gerade diese eine her- aussucht und ihr das Ersehnte bietet: den Kontrakt.
Der „Allgewaltige" aber ist in den meisten Fällen ein müder, abgehetzter Direktor oder Intendant, der einen ganz bestimmten Gagenetat nicht überschreiten darf, der Rücksicht nehmen muß auf sein schon vorhandenes und eingespieltes Personal, und der, selbst beim besten Willen, nicht bei all den zitternden und nervösen Naiven die gleiche Aufmerksamkeit bewahren kann, denn er ist ja auch nur ein Mensch,
und zwanzigmal sich dieselbe Szene aus „Minna von Barnhelm" anhören müssen,- ermüdet eben schrecklich.
Und außerdem: zwanzig wollen engagiert werden, fünfzehn vielleicht sind unzweifelhaft begabt und verdienten diese Ermutigung .. aber nur ein Platz ist frei.
Wohin mit den anderen?
Einige helfen sich durch. Finden eine kurze Stellung in einer Eiskonditorei, verkaufen Obst auf den Straßen ... geschickte Frauen unter ihnen gehen als billige Schneiderinnen ins Haus, machen Hüte, schreiben in Zeitungen, bieten sich als Stütze und Gesellschafterin an. Aber die anderen?
Wenn man herauskommt aus diesem Warte- saalderTalente, stehen im Toreingang Zettelverteiler und fordern zu Zusammenkünften auf. Auf solchen Versammlungen werden alle möglichen Forderungen gestellt und auch angenommen. Redner aller Parteien steigen auf die Tribünen und wettern gegen Direktoren, gegen einzelne Disponenten, gegen den ganzen Stellennachweis. Man verlangt: Zahlung eines Garderobenzuschusses von hundert Mark für jeden, der Stellung gefunden hat. Kontrolle der Vermittlung durch einen Erwerbslosenausschuß. Oeffentliche Bekanntgabe aller freien Stellen.
Aber all das, selbst wenn es sich durchführen ließe, würde nichts helfen. Denn es bleibt, allen Maßnahmen zum Trotz, «die furchtbare nackte Ziffer: Zwölftausend wollen spielen ... und nur für Fünftausend ist Platz.
Ein Erfinder unserer Zeit.
Die Lebensgeschichte King C. Gillettes, des verstorbenen amerikanischen Rasierklingenkönigs, ist mehr als die Geschichte eines erfolgreichen Er- finders, wie es deren zu allen Zeiten mehr oder weniger gegeben hat. Es ist die Geschichte des materiell erfolgreichen Erfinders schlechthin, des Erfinders, der mit allen Fasern seiner Persönlichkeit ein Kind unserer Zeit ist, und es gibt kein besseres Musterbeispiel für die Voraussetzungen, die ein Erfinder unseres Jahrhunderts erfüllen muß, wenn er mit dem Kind seines Geistes nicht nur Ruhm, sondern auch Geld verdienen will, als die Geschichte des Aufstiegs von Kimg C. Gillette. Bei aller Würdigung seiner Verdienste um die bärtige Männerwelt darf man doch wohl feststellen, daß es zahlreiche Erfinder gegeben hat und noch gibt, öie wett wesentlichere
Der neue Gesandte der Tschechoslowakei in Deutschland, Dr. Dojtech M a st n y , der seit 1925 sein Land in Rom vertrat, bei der Ankunft in Berlin
Mark weniger als 1931) in Einnahmen und Ausgaben abschließt. Der vorhandene Fehlbetrag von über300 000Mark, in der Hauptsache durch den geringer veranschlagten Steuereingang (138 000 Mk.) und die Mehrbelastung für Wohlfahrtspflege (117 600 Mk.) hervorgerusen, wurde restlos durch Abstriche auf der Ausgabenseite gedeckt, so daß die von der städtischen Verwaltung vorgesehene Einführung der Bürger» und Getränkesteuer vermieden werden konnte.
Zahresfest
der Nieder-Namstädter Anstalten.
Unter größter Beteiligung wurde am Sonntag das Iahresfest der Nieder-Ramftädter An st alten für Epileptische und Krüp- p e l gefeiert. Der Festgottesdienst in der Dorfkirche war überfüllt. Dichtgedrängt lauschte eine nach Hunderten zählende Gemeinde der Festpredigt von Stadtpfarrer Sch m i d t (Schlitz), der aufrief zum Dank für das, was der Herr der Kirche auch im ver- äangenen Jahre an dem Liebeswerk in Nieder Rom- ftabt getan hat, aber auch zur Mitarbeit an diesem Werk. Die Anstaltschöre verschönten die erhebende gottesdienstliche Feier.
Nach kurzer Pause, während der die Besucher Gäste der Anstalt waren, begann im Garten die Nachversammlung, die Pfarrer Wagner aus Darmstadt, der Vorsitzende des Vereins „Anstalt für Epileptische", mit einer Begrüßungsrede eröffnete. Sodann übermittelte der Superintendent der Provinz Starkenburg, Oberkirchenrat Dr. Mülle r, der mit dem Präsidenten des Landeskirchentages, Archivdirektor D. Herrmann, erschienen war, die Grüße und Wünsche der Landeskirche. Den Jahresbericht erstattete der Direktor der Niedei .Ham- städter Anstalten, Pfarrer Schneider. Aus seinem Bericht sei besonders erwähnt, daß im letzten Jahre eine Abteilung für Blöde eingerichtet wurde, die nach kurzer Zeit voll besetzt war. Der schon lange notwendige Umbau der Küche und der Heizungs- anlage wurde vollendet. Im Männerhaus wurde eine geschlossene Station für solche Kranke, die besondere Aussicht bei Tag und Nacht nötig haben, geschaffen. Die Arbeit im Krüppellehrlingsheim hat sich weiter entwickelt, während das Krüppelheim mit viel Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Sieben Lehrlinge aus dem Heim machten mit gutem Erfolg ihre Gesellenprüfung. Insgesamt wurden im Rechnungsjahr 1931/32 in der Epileptischen Anstalt an 107 000 Pflegetagen 439 Kranke verpflegt, im Krüppelbchm 54 Kinder an 8440 Pflegetagen. Der Bericht schloß mit der Bitte, auch fernerhin das Liebeswerk in Nieder-Ramstadt tatkräftig zu unterstützen. Pfarrer
und für die Menschheit wichtigere Dinge erfunden haben als eine neue Rasierklinge, und denen ihre Erfindung dennoch nicht einmal einen kleinen Bruchteil des Vernwgens eingetragen hat, das Gilette sich erwarb, in dessen Fabriken heute mehr als eine halbe Milliarde Mark investiert sind.
King C. Gilette war 41 Jahre alt, als er die ausw«hselbare Rasierklinge aus Ahrfederstahl erfand, und man erzählt sich, daß er diese Erfindung ganz systematisch gemacht hat. Der Amerikaner wollte durchaus etwas erfinden, und da er gleichzeitig mit seiner Idee möglichst viel Geld verdienen wollte, fragte er sich zunächst: welcher Art muß seine Erfindung sein, damit man recht viel Prosit aus ihr schlagen kann? Die Antwort auf diese theoretische Frage stand bald fest. Sie lautete: die Erfindung muß einem allgemeinen Bedürfnis entsprechen. Sie muß ohne weiteres einleuchten. Sie muh für jeden erschwinglich sein, und schließlich muh sie aus irgendeinem Gegenstand bestehen, den man nach dem Gebrauch wegwirft, damit der Absatz von vornherein recht groß ist. Vielleicht bewegten diese Gedanken Gillette besonders stark, während er sich gerade rasierte, vielleicht lenkte ihn irgendein bestimmter Anlaß gerade auf das Rasierproblem — Tatsache ist jedenfalls, daß die Rasierklinge den rein theoretischen Forderungen, die an eine lukrative Erfindung gestellt werden können, in geradezu idealer Weise entspricht.
Gillette hat sich vieler Tricks bedient, um seine Erfindung populär zu machen und um ihr Absatz zu verschaffen. Der Erfolg hat ihm Recht gegeben. Seine Geschichte sollte an der Spitze einer Fibel für Erfinder stehen.
Hochschulnachnchten.
Der Nestor des Lehrkörpers der Danziger Technischen Hochschule und zugleich der Nestor des deutschen Stahl- und Brückenbaues, Geh. Regierungsrat Dr.-Ing. h. c. Reinhold Krohn, ist im Alter von fast 80 Jahren gestorben.
Die Versetzung des o. Professors Dr. Siegfried Koehler von der Universität Breslau in gleicher Eigenschaft an die Universität Halle ist erfolgt; er übernimmt hier den Lehrstuhl der mittleren und neueren Geschichte als Nachfolger von Professor O. Becker.


