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Gesangverein Concordia
gegr. 1861
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Ur. 112 Zweiter Blatt Gtehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Samstag, 14. Mai (932
Die volkspolitische Gegenwartsausgabe
zur Werbewoche des Vereins für das Deutschtum im Ausland.
lung vom 6taottbcutl<t>tum zum Volksdeutschtum sich burchgefetzt frat. wenn wir un» baä *oft schon zu umsangreich gewordene Schrifttum vergegenwärtigen, dann cm- finden wir mit stecht Genugtuung über da-, was erreicht ift.
Don Reichsminifter d. O. Dr. Geßler, Äerlin.
Au- Anlaß der Werbewoche des Landesverbands Hessen des DDA., die ihren 2b- schluh in dem allgemeinen Sammeltag am 29. Mai findet, verdienen die folgenden Ausführungen de» Ersten Vorsitzenden des DDA besondere Beachtung.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Böllern, besonders zu den in sich geschlossenen Rationen des Westens, die geschichtlich und geistig den ihnen vorbestimmten Baum erfüllt haben, steht das deutsche Boll immer noch in einem Kamps um sein äußere- Daseinsge- biet, seine innere Form und um seine geschichtliche Sendung. Stärkste Gegenkräfte sind wieder überall am Werke, um Deutschland zu einem geographischen Begriff und das deutsche Volk zum Kulturdünger zu machen. Helfen kann unS nur klarste Erkenntnis der Lage und alS Ergebnis dieser öffenntni» ein zum selbstverständlichen Wesensinhalt werdendes Aationalgesühl, das willensmähig gegen alle Gefahren und Bedrohungen die starken, immer noch in unserem Volke schlummernden Lebenskräfte zu geschlossenem Einsatz bringt-.Wenn nun einmal ein Drittel unserer Volksgenossen austerhalb der Grenzen des verengten und verstümmelten Deiches lebt, must das Schicksal dieses weit über den an sich schon beträchtlichen zahlenmästigen Anteil hinaus wichtigen Teiles der Ration für alle Deutschen bedeutsam sein. Diese Aleberlegung geigt, dast der VDA nicht dieser oder jener Verband mit irgendwelchen löblichen Sonderzwecken ist. sondern eine Organisation, deren Arbeit von geschichtlicher Bedeutung werden kann, wenn sie vom Geiste des geschichtlichen Verantwortungs- bewusttseinS getragen ist
beweisen. Aber die Weltwirtschaftskrise, die alle Staaten und Völker erschüttert, trifft unfere Volksgruppen brausten besonders hart, weil sie in den meisten Fällen nicht nur nicht aus die Unterstützung ihrer Staaten rechnen können, denen sie häufig nur 6tiefbürgcr sind, sondern sogar mit dem unerbittlichen Willen ihrer Staaten zu rechnen haben, gerade diese Wirtschastsnot zur Entwurzelung der sremdsprach.gen Minderheiten zu benutzen. ES ist natürlich, dast unter diesen Umständen unsere Volksgenossen brausten erwartungsvoller denn je auf daS Deich blicken. Dicht etwa in dem Sinne, dast sie nun glauben, das verarmte und getretene deutsche Dinnenvolk könne ihnen durch Geldmittel auch nur aus der gröstten Dot Heraushelsen. Aber daS Dewusttsein. dast im Deich eine starke, lebendige Volksbewegung besteht, die sich des AuhendeutschtumS annimmt, bedeutet eine nicht zu unterschätzende moralische Stärkung deS Daseinskampfes der deutschen Austenposten.
Wir sind ein gute» Stuck vorwärtsgekommen seit Kriegsende- Der VDA- ist ein nach aufoen hin machtvoll wirkender Verband geworben und hat mit vielen Millionen Mark, die er seit Kriegsende für seine Zwecke aufgebracht hat. eine Arbeit geleistet, die besonders als Ausdruck einer geistigen Umschichtung aus dieser Zeit nicht mehr wegzudenken ist. Wenn wir an die machtvollen Pfingstkundgebun- gen der vergangenen Jahre zurückdenken, bei denen jedesmal daS deutsche Volk sinnbildlich ausmarschierte, verkörpert vor allem durch die deutsche Jugend aller Stämme und Gebiete, wenn wir überblicken wie im ^Schul- und Erziehungswesen die geistige Reueinstel-
Aber was ist noch nicht erreicht? Wir müssen es unS doch eingesichen. dast da- binnen- deutsche Bewußtsein immer noch in verhängnisvollster Weile unser Volk beherrscht. Man braucht nur an die peinlichen geschäftlichen Kundgebungen gewifser reichsdeutscher Fremden- verkehrsorganisationen zu denken, die in den Begriff „Ausland" deutsche Gebiete tote u. a böhmische Bäder und österreichische Länder nicht nur mit einbeziehen, sondern geradezu anpran- getn Die Tatsache bah der deutsche Daseinskampf nicht nur auf den politischen und wirtschaftlichen Feldern geschlagen wird, sondern dast es noch eine dritte Front gibt, die des DationalitätenkampfeS schlechthin, ist dem Reichsdeutschen immer noch nicht in genügendem Maste gegenwärtig So gewaltig die deutschen Volksverluste der vergangenen Jahrhunderte gewesen sind, so wichtig die Tatsache ist, dast der Kamps seit dem vorigen Jahrhundert bewustt aufgenommen ist. die tiefere Bedeutung diefeS Kampfes um den deutschen Menschen und den deutschen Lebensraum ist noch nicht BewusttseinS- gut aller Deutschen geworden. Und gar der Zusammenhang dieses Kampfe- mit der. groben deutschen Missionsidee, der Ausgabe der Befriedigung des LebenS in Mittel- und Osteuropa, hat sich bisher nur in geistig führenden Schichten durchgeseyt Hier liegt eine gtofje Ausgabe des D D A. der sicherlich in besonderem Maste dazu berufen ist. diele Ideen, die ja die Grundlage seiner Arbeit bilden, in die Massen hineinzutragen, Schuharbeit ift keine Hilfstätigkeit, keine Wohllahrtspslege. sie ist keine Lereinsangelegenheit an sich, sondern sie ist ein lebenswichtiger Teil deS gewaltigen national- politischen Aufgabenkreises, den die Zeit unserem Volke gesetzt hat.
Für die Volksdeutsche Bewegung ist das „AuS- landdeutschtum" nicht ein Ding an sich, bas irgcnbtoie schlecht und recht „betreut" werden must, sondern wir fühlen im Geben und Dehmen die Einheit deS deutschen Gesamtvolke S. die sich in der Gemeinsamkeit der Bedrohung sämtlicher Gruppen unserer Ration drinnen und drausten nach der negativen Seite hin zeigt und die nach der positiven Seite hin einen geschlossenen Gegenwillen auslösen must. Wie im Kriege, in der Zeit der stärksten Gefährdung des Deiches eine Welle des Hasses und der Verfolgung auch über das Ausland- deutschtum hinwegging, so spüren wir heute wieder, wie die Krisenlage des deutschen Kern- I indes alle Gegner unseres Volkstums drausten zu verstärkter lätigleit ermuntert. Aus allen Deutschtumsgebieten erhalten wir Rachrichten, dast man diq, Ohnmacht Deutschlands ausnutzt, nicht nur, um die Errungenschaften der letzten Jahre zu zerstören, sondern um überall dort, wo es möglich erscheint, gegen den Lebensbestand der Volksgruppe selbst vorzugehen.
Wäs haben wir diesen Angriffen ringsum entgegenzusehen? Ueberatl drausten stehen unsere Volksgenossen in kulturellen Abwehr- und Aus- bauDtrbänbcn zusammengefaßt auf Posten Sie tun ihre Pflicht sowohl aus dem Felde der grosten Politik, wie die Rationalitätenkongresse beweisen, in denen eS gelungen ist, die verschiedensten Rationen zu gemeinsamem Vorgehen zusammenzu- sühren. sie tun ihre Pflicht auch in der Kleinarbeit des Tages, wie die Berichte der mit dem DDA. in Fühlung stehenden Kulturorganisationen
503* Landsmannschaft Darmstadtia.
An Pfingsten dieses Jahres wird die Land s - Mannschaft Darmstadtia, zusammen mit zahlreichen Alten Herren und vielen Freunden und Gästen, in einem der Bedeutung des Tages würdigen und den Zeitverhältnissen angepastten Rahmen die Feier ihres 50jährigen Best e h e ns festlich begehen.
Die Vorgeschichte der Darmstadtia führt zurück auf die Abi kurrenten des Darm- städter Lubwig-Georg-Ghmnasiums v o m tz e r b ft 18 81. bic unter sich einen auster- ordentlich starken Zusammenhang besahen. Dem jungen Studenten, der die Lanbesuniversitäk bezog und nicht als Richtinkorporierter seine Tage verbringen wollte, bestand damals nur die Möglichkeit. sich entweder den bestehenden drei Korps, den zwei Burschenschaften, wissenschaftlichen Vereinen ober solchen Verbindungen anzuschltesten, die hinsichtlich der Satisfaktionsfrage einen anderen Standpunkt als jene ..Muli" einnahmen. Ihnen sagten alle diese Möglichkeiten nicht zu und man beschlost, auf der Hochschule zusammen- zubleiben und „eine Vereinigung von Darmstädtern zu gründen, die. frei von Rücksicht auf eine Bindung durch religiöses Bekenntnis und Fachwissenschaft, die Pflege studentischer Geselligkeit und echt ivgendlichen Frohsinns zum Ziel haben sollte". Und so zogen bann dreizehn junge Manner, alles Füchse im studentischen Sinne, auf die Universität und fanden im Eafe Ebel ein
„Heim", wo sie jeden Sonntag das Giestener Bier in einem Rahmen vertilgten, der mit den Begriffen einer geordneten Kneipe wenig zu tun hatte. Diese Erkenntnis führte dazu, dast sehr bald „eine Kneipordnung der Darmstädter-Vereinigung" ausgearbeitet und der Korona von den Verfassern am 11. Februar 1882 in einem vorn Rauch eines qualmenben Ofens erfüllten Hinterzimmer der „Stadt Mainz" vorgelegt wurde. Diese Ordnung, die von den Verfassern als Statuten gedacht war. war der erste feste Rahmen für den Zusammenschlust. und die Landsmannschaft betrachte jenen Tag als ihren Gründungstag. Der innere Ausbau der Vereinigung schritt nun rasch fort, und es nimmt schließlich kein Wunder, dast am 11. Mai 1886 die offizielle Anmeldung der „Verbindung Darmstadtia" bei Seiner Magnifizenz dem Herrn Rektor erfolgte. Diese Anmeldung trägt bereits die Damen von 43 Unterzeichnern. Die ursprünglich gemeldeten Farben violett-weist-rosa wurden in violett-weist-rot umgeändert, diese Farben wurden aber nicht getragen. Darmstadtia war also schwarze Verbindung.
Schon wenige Semester nach der Gründung fing sie an. in allgemeinen Fragen der Studentenschaft eine Dolle zu spielen. Der beste Abdruck dafür dürfte sein, dast ihr damaliges Mitglied. der als A.H. erst vor kurzem verstorbene Oberstudiendirektor Geh. Schulrat Dr. Otto,
Oie klugen Daisleuie.
(Sine pfingsigeschichie von Hans Friednch Älunck.
Zu Pfingsten wünschen sich alle Leute das schönste Wetter und in dem Jahr, von dem ich erzähle, war es in der Stadt Bremen auch bis zum Samstagabend herrlichster Sonnenschein gewesen Aber als die Leute anderen Tags in den Himmel guckten und die weihen Kleider, die schon bereit lagen, anziehen wollten, regnete es zum Gotterbarmen, und ein böser Wind fuhr durch alle Gassen.
Dun wohnte eine Ratsfrau am Marktplatz der Stadt, der war es besonders leid, dah das Wetter so arg geworden toar; sie war erst jung getraut und hatte sich sehr auf den Pfingstweg mit ihrem Mann gefreut. Statt dessen sah der Ratsherr nun brummend im Stadthaus, um eilig allerhand Arbeit, die ihm liegengeblieben war, fertigzustellen und die arme Frau sah in übler Laune dem Degen zu und dachte nach, wer von den vielen Widersachern der wackeren Stadt solches Wetter beschert haben könnte.
Wie sie das nun noch überfinnt, kommt, obschon cs Psingstmorgen ist, ein riesiger Fischhändler vorbei, der hat die Mühe tief über die Ohren gezogen, schiebt feinen Wagen vor sich her und bleibt norm Haus der Ratsfrau stehen. Und er ruft wie die Leute alltäglich tun:
„Aal, gröncr Aal,
Uns Fru, kamen Se maal Mal, Dat Mäken fitt in' Kellerlock Und flickt den Ärinolinenrod."
Die Frau merkt gleich, dah da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, sondern dast einer gekommen ist, der nichts vom heiligen Festtag weist. Und weil sie eine entschlossene Frau ist, geht sie selbst die Treppe hinab und tut wirklich. alS wenn sie die Fische ansehen wollte. Sie weih aber mit dieser Art Doll Bescheid, es ist früher oft auf ihren Spuren gewesen, u.iD sieht, dast der Händler ein alter Waterkerl aus der Weser ist: wahrscheinlich ist es auch der, welcher den schlimmen Degen über die pfingstliche Stadt gebracht hat.
Wie der Mann feine Fische zeigt, beginnt er auch bald zu reden, dah er die Frau schon als Kind habe spielen sehen, wie schön sie geworden sei und wie gern er sie immer gemocht habe — da tut die Ratsfrau wie ein Schelm, legt den Finger auf den Mund und lädt den Wasserkerl wie einen alten Bekannten ein, er solle ihren Garten besehen.
..Ich weist wohl", sagt sie geheimnisvoll, .chr seid ein hoher Herr und nicht der. für den ihr euch ausgebt Und gewiß gefallt ihr mir auch.
Aber mein Mann ist sehr streng, verbergt euch doch rasch im Brunnen, bis er zum Garten hinausgegangen ist." •
Der Wasserkerl, der so einen freundlichen Empfang kaum erwartet hat, geht wirklich in den Brunnen, um auf den Ausgang des Ratsherrn zu toarten; und draußen in den Straßen regnet es schon weniger.
Lange dauert es nicht, da kommt ein anderer Geselle eifersüchtig die Straße entlang. Und er fegt wie der Wind heran und klingelt, und wie das Mädchen nach seinem Begehren fragt, will er gleich von ihr wissen, ob nicht vorhin ein schlimmer Besuch ins Haus eingelassen fei. Er ist so neidisch, er will gleich in die Tür: die Ratsfrau muß selbst kommen, weil der Zank unten im Haustor nicht aufhört.
Er habe vor einem Dieb und Räuber zu warnen, sagt der zweite Schmachter, macht einen Bückling und fragt, ob er die schöne Frau nicht im Garten besuchen dürfe, hier draußen könne er es ihr nicht betraten.
Es ist ein langer Geselle mit pausbackigem Gesicht, die Frau weiß nicht gleich, woher sie ihn kennen könnte. Aber sie vermutet, dast auch er an dem Wetter Schuld hat. tut schalksfreundlich und sagt, sie wolle wohl gern hören, was er zu lagen habe, aber er müsse noch warten, bis ihr Mann durch den Garten gegangen sei. Und sie schickt ihn in den großen Birnbaum, in dem soll er sich verstecken. Kaum hat er Ms getan, da hört der Wind zu stoßen auf und der Himmel hellt sich auf.
Die Ratssrau hätte nun gern ihrem Mann Bescheid gegeben und ihn ermahnt, mit ihr auszu- gehen: sie war nur in Sorge, was sie mit den beiden Gesellen im Garten anfangen sollte. Schließlich rief sie ihren Knecht und ihre Jungfer, schickte den Knecht aus. den Ratsherrn eilig her- beijurufen und sagte der Magd, sie müsse einmal durch den Garten gebe, als habe sie eine Botschaft zu bestellen. Und wenn Leute sie anredeten, müsse sie diesem diese und jenem jene Antwort geben. _
Als nun das Mädchen beim Brunnen voruber- karn, brummte ihr einer zu, wie lange es denn zum Teufel noch Muere. bis der Mann aus bem Haus sei. Ach. antwortete sie, genau wie ihre Herrin es sie geheißen hatte, da wäre noch ein anderer gekommen, mit dem müsse sie zuerst fertig werden.
Als die Jungfer danach am Birnbaum vor- überfam, saß der Windkerl ungeduldig auf dem untersten Zweig.
Er müsse noch etwas Geduld haben, flüsterte sie rasch, der Wassermann säße im Brunnen und ihre arme Herrin wage sich nicht vorüber.
Kaum hatte der Wind das gehört, da ist er wie ein Wirbel über den Brunnen und bann
kopfüber hineingefahren, um mit dem Debenbuh- ler abzurechncn Man hört Ms Wasser in der Tiefe entsetzlich schlagen und plantschen.
Gerade da ist der Ratsherr heimgekehrt und die Frau hat ihm mit fliegenden Worten von ihrer List erzählt. Da hat der Mann den Knecht gerufen und Die beiden haben sich zu dem polternden, fechtenden Brunnen begeben. Und sie haben eilig den großen Holzdeckel hinaufgehoben, haben ihn mit allen Steinen beschwert, deren sie habhaft werden konnten, und noch drei große, eiferne Klammern über die Ränder geschoben.
Dann sind Mann und Frau, weil es inzwischen das schönste Wetter geworden war. den langen Tag im Freien gewesen und haben die beiden Betrogenen mit ihrem Zorn allein gelassen. Und noch die ganze Dacht hindurch hat der Deckel auf dem Brunnen gewackelt, und es hat gestöhnt und gejammert in seiner Tiefe. Aber der Bremer Ratsherr hat gewollt, daß auch am Montag schönes Wetter sei, kein Mitleid hat er gehabt.
Erst am Dritten Tag hat der Mann die Sturmwarnung am Hafen hochziehen lassen. Dann ist er mit seinem Knecht beigegangen, hat die Krampen losgeklammert und hat mit einem langen Stock Die Steine einen nach Dem anderen von dem wackeligen Deckel geschoben. Bis der plötzlich mit einem Knall in die Luft gegangen ist und zwei wilde Kerle aus der Tiefe hochgesprungen sind. Und es ist ein entsetzliches Dienstagswetter über die arme Stadt gekommen, aber die Feiertage waren doch nach aller Frauen und Jungfrauen Wunsch gewesen, es war nichts mehr dran zu ändern.
Erinnerst du dich noch?
Von Heinrich Hauser.
Erinnerst du dich noch:
21 n Die kleinen Nester der Pfifferlinge, die am Waldrand den Teppich der Nadeln keife heben wie runde winzige Stinbcrfinger, leuchtend vor Frische nach dem Regen.
An die Büschel Der Blaubeeren, m Die nur uns niederwarfen, träumend, es wäre ein unenDlicher Wald voll Pslaumenbäumcn.
An Das Rauschen des Mühlrabs, an Den sprühen- Dcn Fall Der Tropfen, ohne Ende, an Die Wasier- ncbel im Schatten Der Holunberbüsche, an die Spiele Der kleinen Wellen über Hellen, gerippten Sand- grunD.
An Den süßen Dust von Kalmus, an die weichen Binsenstengel, aus Denen ich Matten flocht.
An Das betäubende Konzert Der Frösche in Den weißen Nebeln über Den Teichen unter dem Dicken, gelben Mond.
neben zwei anderen Herren als Vertreter der rtenschaft *ur B.emarckhulln^ung am 70. Geburtstag des Reichskanzlers entsandt wurde D'n Zufall Mt es gewollt, daß zehn Jahre später r.n anderer Darmstädter, der leider auch schon verstorbene ßtuDienbtrcftor Hertsch. diesmal in den Farben der Landsmannschaft, dem Altreichskanzler als Vertreter der Lande-- Universität huldigen durste.
Unter der Studentenfchaft herrschte damals eine tiefgehende Zerrillenheit. Verrüfe erschwerten den Austrag von Händeln mit der Waffe, und der „Holzkomment" führte zu ubellten Prügeleien. Die Forderung der „Ehrenhaftigkeit . wie he Darmstadtia auf ihre Fahnen geschrieben hatte, sand in derartigen Szenen keine Befriedigung Man verlangte von Anfang an von ledern Mitglied Da» Bekenntnis zur Genugtuung mit der Waffe. Daher wurde auch das Fechten als regelmäßige körperliche Hebung betrieben Das beste Verhältnis bestand damals zu dem ..Blümchen", MS zwanzig Jahre später als Darmstadtia in Gestalt der Landsmannschaft 6 b a 11 i a den Weg zur Deutschen Landsmannschast fand
Heben der Pflege studentischen Frohsinns legte die Verbindung stets Wert daraus, daß ihre Mitglieder den Zweck ihres Daseins. Ms Studium und das Eramen. nicht vergaßen. Sin Blick in das Altherren-Verzeichnis der LandSmonn- fchast zeigt, daß sie diese Tradition hochgehalten hat. Besonderer Wert wurde ferner schon in den ersten Jahren der Schulung der Mitglieder »m gesellschaftlichen Leben beigemeffen. So waren bereits die ersten Jahre gekennzeichnet durch MS Streben zur Erziehung zu Ehrenhaftigkeit. Mannhaftigkeit. Freundschaft und sicherem Auftreten in der Studentenschaft und Gesellschaft.
Bei der Pflege der Wehrhaftigkeit durch das Fechten und bei den vielen Händeln. Die sich aus Der Mißgunst gegen Die Heranwachsende junge Verbindung ergaben, wurde nichts unangenehmer empfunden als das Fehlen eigener Waffen. Das Pauken auf den Fechtböden der Korps und Burschenschaften und das Austragen von Partien mit fremden Sekundanten usw. wurde der toaffen- srohen Verbindung immer lästiger. Fochten die Darmstädter doch in der kurzen Zeit seit Der Gründung bis zum Erwerb eigener Waffen im Jahre 1893 schon 72 Partien alS Beleger Hinzu kam. daß man seitens anderer Korporationen ein ..Auffechten" des unbequemen Rivalen versuchte. So verlangte die aktive Verbindung immer mehr eigene Waffen und gleichzeitig, da eigene Waffen einer schwarzen Korporation damals nicht anerkannt worden wären, den Heber gang in einen schlagenden Verband. Persönliche Beziehungen zur damaligen Landsmannschaft Gennania-Mar- burg wiesen auf den Evb. L E hin, und nach mannigfachen.Schwierigkeiten, die im Kreise der Alten Herren erst überwunden werden mußten, fielen die Würfel Wenige Tage nach Dem elften Stiftungsfest, am 18. Februar, versammelte sich die schwarze Verbindung zum letztenmal in ihrer Kneipe im .,Postkeller" in Der Wagengasse zum Frühschoppen, und unter Anlegen der heute ncch getragenen Farben wurde die freie 5» ndsmannschastDarmstadtia auS der Taufe gehoben. Mit Der LanDsmannschaft Germania in Marburg unD Der Turnerschaft Phi- lippina wurden eifrig die Schläger gekreuzt, und an Pfingsten erfolgte die Aufnahme Der Landsmannschaft in den Eoburger L. E. 20 Jahre hindurch hat Darmstadtia. abgesehen von einer kleinen Unterbrechung anläßlich der Spaltungen im Tob. L. E. im Jahre 1897. allein die Fahne der Landsmannschaft in Gießen hochgehalten und keinen leichten Stand gehabt. Mm so stolzer darf sie Mrauf sein, daß und wie sie sich vielen Widersachern gegenüber durchzusetzen wußte und Mbei nicht nur nach außen hin ihre Stellung
An das Summen Der Bienen in Den Durchsonnten Gipfeln Der CinDcn.
An Die gelben Bernsteinaugen Des HunDes Hexe, Der begraben liegt unter Den Dichtgestellten glatt- rinDigen Buchenstammen im Friedhof im Wald
An Die Einmachgläser in Der Speisekammer mit ihren Deckeln aus Pergamentpapier, mit ihren gekräuselten Rändern schnurumwunden, mit ihren gezackten Zetteln.
An Die blauen Satten voll saurer Milch unter Den Drahtnetzsturzen, umsummt von Fliegen.
An Den Blitz, Der in Ditz Mühle schlug, an Die Feuerkugel, Die barst in Der schwarzen Nacht: an Den Schrei Der Frauen.
An Den Geschmack Des Wassers aus der Pumpe: nach Holz, nach Moos, nach Erde.
An Das Geheimnis Des Mistelbuschs, Das sich enthüllte im Herbst beim Fallen Der Blätter.
An den Geschmack Der Sauerkirschen, gestohlen in Der Dämmerung vor lau unD Tag, an Die kühle, zusammenziehenDe Wollust ihres Fleisches, Das zäh unD blutig um Die Kerne saß.
An Den Geschmack Der letzten, faltig gewordenen Pflaumen an den kahlen Aesten im November.
An den flachen Kahn, den wir über Die Teiche ftaften, an Das Glucksen Des Wassers unter seinem Bretterboden, an Das wehende Nixenhaar Der Wasserpflanzen am GrunDe Der Teiche.
An Den Geruch von feuchtem Mehl, Der um Die Mühle war, an Das weiße Gesicht Des Müllers, gebeugt unter prallen, weißen Säcken
An Das Singen von wehendem Sand im Wind,' an die goldenen Wolken Blütenstaub über Den Getreidefeldern.
An Den Geruch geschlagener Feuersteine. An Den süßbetäubenden Geruch abgeschossener Patronenhülsen.
An Das Flimmern Der Lust in der Mittagshitze.
An Das Glitzern der Espenblätter, die gittern in einem Hauch von Luft, Den unsere Haut nicht spürt.
An Den klirrenden Flug der Rebhühner: wie ae rütteltes Blech klingt Das, wenn die Körper Der Vögel schwer sind, gemästet von Korn im Herbst.
An den pfeifenden Flugeischlag der wilden Enten: an den Feuerstrahl aus den Läufen der Doppelflinten.
An Dos schrillende Geräusch, wenn die Sensen gebengelt werden, an das raffende, prasselnde, klirrende Einschneiden ihrer Klingen in junges Gras.
An den goldenen Glanz Der LupinenfelDer, stark- duftend wie wilder Honig.
An den hellen Klang Der Axt im Wald: an Kuckucksruf, an knarrende Wagenräder im Sand und fernen Peitschenknall
An Die gefleckten Leiber der Forellen über hellem Grund der Bäche: wie bas Wasser bunkel würbe nach beinern Schuß, wie ber Fisch hochkam mit weißem Bauch und blutigen Stiemen.
Erinnerst Du dich noch?


