Angesichts der Stärkeverhältnisse der Parteien wird man aus dieser Formulierung schließen dürfen, daß es sich dem Regierungsauftrag an einen Nationalsozialisten, sei es nun Hitler oder ein Mann, den Hitler als seinen Vertrauensmann herausstellt, nicht widersehen wird. Somit scheint sich die Entscheidung auf die Frage zuzuspihen, ob Hitler die Führung einer solchen Regierung übernehmen will, die durch einen Koalitionscharakter zur Rücksichtnahme gezwungen ist. Wir halten es durchaus nicht für wünschenswert, und so sind wohl auch die Forderungen des Zentrums nicht zu verstehen, daß wir zu dem schauerlichen Ver
fahren des deutschen Parlamentarismus früherer Tage zurückkehren sollen. Wohl aber soll der Führer einer neuen Regierung schon durch die personelle Zusammensetzung seines Kabinetts $u erkennen geben, daß er nicht eine einfet* tige Parteidiktatur anstrebt. Die Dinge brauchen rücht so zu verlaufen, daß der Regierungschef sich Männer aufdrängen läßt, die nur der Partei, nicht ihm aber persönlich genehm sind. Aber der Wille zur Rücksichtnahme und zur Zusammenarbeit muß deutlich erkennbar werden. Die Frage, vor die Hitler gestellt sein wird, zielt also dahin, ob er sich über die Partei zu erheben vermag.
Polizeiaktion gegen die KPD. in Preußen
n, in p a r -
Berlin, 12. Aug. (TU.) Auf Anordnung des preußischen Ministers des Snnern wurden am Freitag in ganz Preußen überraschend und schlagartig Durchsuchungen bei den Geschäftsstellen und Funktionären sowie bei führenden Mitgliedern der KPD. und der ihr angeschlossenen Organisationen, insbesondere bei dem Roten Massenselb st schütz und der A n - tifaschistischen Aktion vorgenommen. Aus verschiedenen Städten liegen bereits die Ergebnisse dieser Haussuchungen vor. InKöln wurden außer umfangreichem Schriftenmaterial auch Waffen gefunden. InKoblenz wurde ebenfalls umfangreiches Schriftenmaterial sichrrgestellt. Auch wurden vereinzelt Waffen und Schlaginstru- mente beschlagnahmt. In K i e l wurden verschiedene Waffen gesunden. 11. a. wurde in einer Wohnung eine Anzahl zu Flachwaffen umgearbeitete Stahlstangen beschlagnahmt. Vei Haussuchungen in Stettin wurde Druckschriftenmaterial zutage gefordert, das unbedeutenden Charakter trug. Heber das Ergebnis in F r a n k - f u r t a. M. ist noch nichts bekannt. Zwischenfälle haben sich dort nicht ereignet. Die Durchsuchung in Wiesbaden hat größere Waffenbestände nicht zutage gefördert. Heber das beschlagnahmte Material, wie Mitgliederverzeichnisse, Korrespondenz mit verbotenen Organisationen usw. war von den amtlichen Stellen vorerst keine authentische Mitteilung zu erhalten.
Parattelaktion in Hamburg.
Hamburg, 12. Aug. (WTB.) Seit Freitag früh ist die politische Polizei in ganz Hamburg mit Durchsuchungen bei kom
munistischen Parteiangehörij kommunistischen Parteibureaus uni teillokalen beschäftigt. Die Untersuchungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der vor drei Tagen erfolgten Aushebung des Rotfrontkämpferbundes in Hamburg.
gcsetz unterliegen. Bei dem ebenfalls im Dolkshaus wohnenden sozialdemokratischen Verkehrsleiter B r a n d e l wurden Gewehr- und Pistolenmunition, sowie ein alter Revolver gefunden.
Das in Sonneberg erscheinende sozialdemokratische Blatt „Thüringer Volksfreun b", das seit einiger Zeit in Coburg gedruckt wird, ist durch die oberfränkische Kreisregierung vom 12. bis 15. August verboten worden.
TränengaSbomben in Warenhäusern.
Krefeld, 12. Aua. (CNB.) Am Freitag, gegen 17.30 Uhr, wurden fast gleichzeitia in den Krefelder Einheitspreisgeschäften der Firmen W o o l w o r t h und E h a p e sowie in dem Warenhaus von Leonhard Tietz Tränengasbomben geworfen. Die Wirkung des Tränengases war außerordentlich stark. Das Publikum mußte fluchtartig die Verkaufsräume verlassen, und das Derkaufspersonal konnte sich nicht mehr in den Räumen aufhalten. Die Fe u e r w e h r wurde hinzugezogen, um mit Hilfe von Schutzbrillen und Gasmasken die notwendige Hilfe zu leisten. Die beiden Einheitspreisgeschäfte mußten geschlossen werden. Die Täter sind unerkannt entkommen.
Weitere Anschläge.
Halle, 12. Aug. (TU.) Dor der Wohnung des nationalsozialistischen Kreisleiters Rost in Sangerhausen ging in der vergangenen Nacht ein Sprengkörper hoch, wobei einige Fensterscheiben zertrümmert wurden.
Guben, 12. Aug. (WTB.) In den letzten Nächten wurden in Guben Fensterscheiben in einem Konfektionshaus und in Konsum- filialen eingeschlagen. Jetzt konnte ein der NSDAP, angehörender Mann als Täter verhaftet werden.
Gegen Mittag wurde das Parteibureau der KPD. am Valentinskamp überraschend durch ein großes Polizeiaufgebot beseht. Ferner durchsuchte man bei dieser Gelegenheit auch die Redaktion der „Hamburger Volkszeitung^'. Gegen 13 Uhr wurde das Dureau der Antifa in der Kaiser-Wilhelm- strcche besetzt. Auch hier setzte die Polizei ein größeres Aufgebot an Beamten ein und sperrte auch die beiden Zugänge, um Zusammenstöße und Zusammenrottungen während der Durchsuchung zu verhindern. Heber die bei den Durchsuchungen gemachten Funde gibt die politische Polizet vorerst noch keine Mitteiluttg.
Waffenbeschlagnahme im Sonneberger Dollshaus.
Sonneberg (Thüringen), 12. August. (WTB.) Die Landespolizei nahm am Donnerstag gemeinsam mit der politischen Polizei überraschende Haussuchungen in Sonneberg vor. Nach dem Polizeibericht wurden im Volkshaus bei dem Reichsbannerführer Veit eine Armeepistole mit gefülltem Magazin, sieben automatische Mehrlade- Pistolen, 226 Schuß Munition, sowie weitere 100 Schuß Pistolenmunition beschlagnahmt. Bei dem gleichen Reichsbannerführer fand man außerdem zwei Kleinkaliberbüchsen, die dem Schußwaffen-
Berliner „Hofbericht".
Don der Auferstehung des Volksliedes.
Der Zug der Zeit hat auch in die Höfe zwischen den Häuserschächten der Großstädte ganz allmählich zwar, aber nun schon deutlich hörbar, neue Noten hereingeweht. Diese neuen Noten entstammen alten, lange vergessenen und verlegten Blättern. Es sind jene Notenblätter, die eines Tages beschrieben waren! kein Mensch wußte von wem. Sie sangen sich von Mund zu Mund weiter, waren bald in aller Munde und wurden die Lieblinge ihrer Stämme und schließlich ganzer Völker. Es ging mit ihnen nicht anders als mit dem Vogellied. Ein Gott Stic irgendwem in einer begnadeten Stunde zu zen gegeben, was unausgesprochen fast in jedem enschenherz an Freud- und Leidoollen der Erweckung auf den Flügeln des Gesanges harrt; weil die Seele des Volkes in jenen kleinen, schlichten und innigen Weisen klingt und singt, wird „dereinst mit dem letzten Dichter aus der letzte Mensch hin- ausziehen."
Um es in plattem Deutsch auszudrücken: Das Volkslied ist bei den „H o f s ä n g e r n" der ganz große Schlager geworden. Das mag beim ersten Anhören seltsam berühren, in einer gehetzten Zeit, in der sich noch immer viele auf der Oberfläche dünnsten Gedankenschaums und geächteter Gefühlsunterströmungen treiben lassen, mit dem uneinge- standenen Motto „Nach uns die SintflutI" Noch bis vor einigen Monaten hüpften, kaum daß sie erbrütet und auf Aetherwellen wie billigste Saisonware feilgeboten waren, die neuesten Schlager der musikalischen Konfektion am laufenden Band wie losgelassene Bremer Stadt- Musikanten aus dem zentralafrikanischen Busch zwi- schen Vorder- und Hinterhaus in die Fenster herein und bis zu den Dachstuben empor. Meist Jugendliche mit Wimmerinstrumenten und jenem öligen Schmalz in der Stimme waren ihre mehr oder weniger berufenen Mittler. In Soli, Duetten und Trios wurden sie bis zum Uebelwerden gedroschen. Ein halbes Dutzend Mal innerhalb weniger Stunden den gerade allerneuesten Schlager über sich ergehen lassen müssen, dazu gehören Nerven aus einem Material, das in der heutigen Zeit einfach nicht bezahlt werden könnte. Doch man soll über Tote — oder lind sie nur scheintot? — nichts Bö- sts reden. Nach sieben und mehr fetten Tantiemen- Jahren und einer vitaminarmen Gefühlsepoche lieber handfeste, aber nahrhafte und verdauliche SachenI An literarischer oder musikalischer Haus- mannkost ist nod) keiner eines seelischen Todes gestor- den, der nicht schon vorher innerlich kränkelte. Aller
polnisch-französische Wirtschaftsverständigung.
Warschau, 12. Aug. (TU.) Am Freitag wurde in Paris nach mehrmonatigen schwierigen Verhandlungen eine polnisch-französische Wirtschaftsverständigung erzielt. Das Abkommen sieht vor allen Dingen die Regelung der Kontingente für die polnische Einfuhr nach Frankreich vor. Als Gegenleistung wurde von polnischer Seite Frankreich eine Reihe von Einfuhrerleichterungen für Industrieerzeugnisse zugestanden.
Frankreich hatte bekanntlich in den letzten Monaten durch seine Handels» und Kontingentpolitik die polnische Einfuhr stark heruntergedrückt, und es bestand die Gefahr einer völligen Abdrosselung der polnischen Ausfuhr nach Frankreich, vor allem von Holz und einigen anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Durch die nunmehrige Verständigung hat das polnisch-französische Handelsabkommen vom Jahre 1925, das auch weiterhin in Kraft bleibt, eine Abänderung erfahren, die bei den polnischen Wirtschaftskreisen die Hoffnung auf einen neuen Auftrieb der außerordentlich stark zurückgegangenen polnischen Einfuhr nach Frankreich erweckt.
gings liegt viel daran, wie die Portionen zurechtgemacht und serviert werden.
Dem kommt zu Hilfe, daß sich die soziale Struktur der „Hofsänger" ganz augenfällig umgeschichtet hat und auch in den Lebensaltern eine Verlagerung nach dem „Mittelalter" und darüber eingetreten ist. Leute, die es sich in der Kinderstube nicht haben träumen lassen, daß sie die Lieder, die sie damals „spielend" lernten, einmal zur Untermauerung ihres abgebröckelten Daseinsfundaments als fah- rende Sänger der Neuzeit in den Steinwüsten der Großstädte zu Gehör bringen müßten, stellen einen zunehmenden Prozentsatz. Mag auch sonst alles verschüttet werden, eine gute Kinderstube bleibt wertvollstes Familienerbstück. Die Renaissance des Volksliedes auf diese Art findet so ihre erste Be- gründung und erklärt die häufig überraschende Kultur der sprachlichen und gesanglichen „Stimme aus der Tiefe", die das unwillkürlich lauschende Ohr trifft. „Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder, die längst ich vergessen geglaubt!" Sei es „A m Br unnen vor dem Tor e", oder „In einem kühlen Gründe" oder „H e i d e r ö s l e i n". Eben weil in dem Volkslied eine unsterbliche Seele lebt, taryx auch die Unzulänglichkeit der Mittel die Wirkung nur sehr vereinzelt banalisieren.
Wenn außerdem begreiflich ist, daß jemandem, der „bessere Zeiten gesehen" hat und der nun von der Hand in den Mund zu leben gezwungen ist, der Sinn u. noch weniger dasSingen nach parfümierten und ebenso trivialen Asphaltblüten steht, dann wird den Beobachter auch die Wahrnehmung nicht überraschen können, daß diese modernen Troubadours erzieherisch auf ihre Konkurrenten eingewirkt haben. Umgebung färbt erfahrungsgemäß ab. Und deshalb haben sich nunmehr auch die Vertreter einer angeblich „versachlichten" Generation die Lieder zum Vortrag angeeignet, die sie in der Mehrzahl sicher nur vom Hörensagen kannten. Ab und zu sprengen zwar noch immer „Iazz-Banditen" den ausgegrabenen Liederschatz mit „Oh Monah" und anderen „letzten Modeschreien" der Gassenhauer- Muse. Aber sie gehören schon zu den Seltenheiten, wie das früher die Volkslieder waren, die heute eine betriebsame und konjunkturfixe Schlagerindustrie etwa im Stil der „Liede der Matrosen" züchten möchte.
Es machen sich ja genug Anzeichen dafür geltend, daß die Zeiten ihrem Ende entgegengehen, in denen altmodisch und vorgestrig war, wer nicht das Herz auf Taille und die Seele auf Sexappeal tragen zu müssen glaubte. Die Auferstehung des Volksliedes, in den ummauerten Einöden großstädtischer Menschenmassen trägt sicher mit zu einem Gesundungsprozeß bei, der kein Rückfall in
Sie „nationalen Minderheiten" in Senischland.
Was die Reichstagswahlen lehren.
In P o l e n herrscht Trauer. Die letzten deutschen Reichstagswahlen zeigten, daß die polnischen Minderheits stimmen im Deutschen Reiche weiter in scharfem Rückgänge sind. Schon vor den Reichstagswahlen hatte die „P o l o n i a“ in Kattowitz, baS Blatt Kvrfanths, diesen Rückgang ahnungsvoll beklagt. Ahnungen trügen nicht; aber das Wahlergebnis vom 31. Juli hat selbst die von ihr geäußerten pessimistischen Erwartungen übertroffen.
Rund 34 969 Stimmen wurden auf die Listen der „Rationalen Minderheiten" abgegeben, davon 33 411 für die polnische, 1508 für die dänische Liste, was gegenüber den Reichstagswahlen von 1930 einen Verlust von weit mehr als 50 v. y. darstellt.
Dor -allem interessieren in diesem Zusammenhänge die polnischen Stimmen, die in Oberschlesien, der sogenannten «Hochburg des Polen- tums", und in Ostpreußen, das nach polnischer Auffassung von einer „polnischen Mehrheit" bewohnt wird, abgegeben wurden: in Oberschle- sien waren es rund 14534, und in Oft* Preußen ganze 2845.
Die „Polonia" muh es wissen, wenn sie fest- stellt, daß die öffentliche Meinung in Polen seit Jähren durch übertriebene Gerüchte von dem in Deutschland herrschenden Wahlterrvr „belogen" worden ist. Es gibt keine Wahlbeeinflussung in Deutschland, und wer teilt, tarnt sich frei zur Minderheit bekennen. Aber wenn dies nur 34 969 Staatsbürger tun, so bestätigt das wieder einmal, in welchem Maße
die Zahlen der polnischen Propaganda — Phantasie sind,
und zweitens zeigt sich, daß die Mehrheit der nicht deutsch sprechenden deutschen Staatsbürger sich gar nicht als „Minderheit" im polnischen Sinne fühlt, schon weil der deutsche Staat keinerlei minderheitenrechtliche Bedrückung kennt. „Daß das heutige Polen für die polnische Bevölkerung jenseits der Grenze sowohl in kulturpolitischer, wie auch in wirtschaftlicher Beziehung eine immer geringere Anziehungskraft besitzt", hat — auch darin ist der „Polonia" nicht zu widersprechen — zweifellos mit dazu beigetragen, daß die Zahl derer, die auf; staatspolnische Lockrufe hereinfallen, von Wahl zu Wahl immer kleiner geworden ist.
Aus aller Well.
Attentat aus Milets berühmtes „Angelus"-Vild.
Im Louvre in Paris wurde das berühmte Gemälde „A n g e (u s" des Franzosen F. F. Mil- let mit einem Rasiermesser schwer beschädigt. Der Täter, ein Zljähriger Ingenieur, ist f e ft g en ommen worben. Er konnte bei seinem Verhör keinen Grunb für feine Tat angeben. Man glaubt es mit einem Qeiftesge- störten zu tun zu haben. Die Konservatoren bes Louvre finb ber Ansicht, baß bas Gemälde wieder hergestellt werben kann. — Das 1867 entftanbene Bild „Angelus" (Engelsgruß) stellt ein Bauernpaar bar, wie es beim Abendgeläute bie Arbeit auf bem Felde prüft und in stiller Andacht verharrt, solange die Glocke ertönt. In katholischen Ländern wird beim Morgen» und Abendgeläute von allen Gläubigen der Engelsgruß („Ave Ma- ria" usw.) gesprochen, daher der Name des Bildes. Das Epochemachende im Werke des französischen Meisters bestand darin, daß zum ersten Male-Ge- statten aus dem Volke, aus der Wett der Arbeit, zur Darstellung von künstlerischen Motiven verwendet wurden.
Veruntreuungen eines Bremer Getreidemaklers.
Der Mitinhaber der bekannten Bremer Getreidemaklerfirma Gebr. Riefe, Ernst Riefe, ist feit einigen Tagen verschwunden. Man nimmt an, daß er unter Mitnahme von rund 70 000 Mark ins Ausland, wahrscheinlich nach Holland, geflüchtet ist. Riefe war es gelungen, größere Mengen Getreide in feinen Besitz zu bringen, die er sofort zu Schleuderpreisen auf den Markt warf, um seine Lieferanten zu befriedigen. Da keinerlei Deckung vorhanden ist, sollen die Lieferanten einen Schaden von etwa 50 000 Mk. haben, während eine angeblich mit 20 000 Mk. an der Firma beteiligte Bremer Dank Sicherheiten in Händen haben foll. Gegen Riefe ist Steckbrief erlassen worden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, daß er sich einen Auslandpaß hat aus stellen lassen.
Sühne für Grabschändungen in Dessau.
Das Schöffengericht in Dessau verurteilte den 20 Jahre alten Arbeiter Paul Bieler aus Dessau zu einem Jahr sechsMonaten Gefängnis. Er hatte Ende Juni gemeinsam mit zwei von ihm angestifteten Schuljungen empörende Grabschändungen auf dem alten Dessauer evangelischen Friedhof verübt, wobei etwa hundert Grabdenkmäler umgetoorfen oder zerstört wurden.
finsterstes Mittelalter zu werden braucht. Der Weg zu einer neuen Romantik, von ber man munkelt, wirb ohnehin fein Märchenpfab fein, an bem bie blaue Blume blüht.
Exotische Kochkunst.
Don Dr. W. Lüders.
Wenn wir heute Lobeshymnen auf bie Zweck- Mäßigkeit und Bekömmlichkeit ber vegetarischen Kost singen und sie als eine ber wertvollsten Erfindungen des 20. Iahrhunberts zum Wohle ber Allgemeinheit hinftellen, bann sollten wir uns einmal vor bem Beginn ber Lobeshymne den S p ei f e z e t t e l b e r Naturvölker in ben verschiedenen Landstrichen ansehen.
Dort spielt seit attersher die vegetarische oder pflanzliche Kost eine Hauptrolle der gesamten Ernährung. Hoch lebe bie Banane — nieder mit dem Schwein! So lautet die Parole ber wilden Volksstämme, bie sich nur von dem ernähren, was ein gütiger Gott ihnen in ben Mund wachsen läßt. Nur bei ben Kannibalen, bie sich vereinzelt mit Schweinezüchten beschäftigen, kann es passieren, baß ein heißhungriger Europäer vor bem Geschlachtetwerden von den gastfreundlichen Leuten gefragt wird, ob er lieber von einem langen ober kurzen Schwein, d. h. Fleisch von einem Menschen ober einem wirklichen Schwein essen möchte.
Verfolgen wir diese Speisezettel ber Milben weiter, so können wir immer feststellen, baß mit ber Höherentwicklung einer Kultur immer gleichzeitig eine reichhaltigere unb ausgewähltere Kost zu fin- ben ist. Nicht nur ber brutalste Hunger wird mehr befriedigt, sondern bie Ausgestaltung, Zubereitung unb Ausschmückung bes Mahls nimmt immer gewähltere Formen an.
Bei ben kleinen Völkern Afrikas finden wir die verschiedensten Degetabilien in einer Weise zube- reitet, daß wir Europäer bei ihrem Genuß entsetzt die Flucht ergreifen würden. Ebenso würde es uns bei den Hottentotten ergehen, die bar jedweden Geschmacks bie grauenvollsten Dinge verzehren. Ihre Nationalspeise besteht aus einer kleinen, mehligen Zwiebelart, die auf Kohle oder Tierdünger gebraten wird.
Die Abessinier essen Fletsch nur bei festlichen Gelegenheiten. Dann legen sie bas gebratene Kuh- sleisch nach Sitte ber Angelsachsen nicht auf Teller, sondern auf kuchenförmige, ungesäuerte Brote, Tess benannt, aus feinstem weißen Mehl. Schweinefleisch gehört zu den verbotenen Genüssen, während reichlich gewürztes Gemüse, stark mit Pfesser untermischt, ju ben beliebtesten Leckerbissen zählt.
Hinrichtung eines Raubmörders.
Im Lichthof des Stuttgarter IustizgebäudeS wurde der 30 Jahre alte ledige Kraftwagenführer Gotthilf Lachenmeir aus Oppelsbohm (Oberamt Waiblingen), der am 22. Februar 1931 den Kaufmann Steiner aus Stuttgart ermordet und beraubt hatte, hingerichtet.
Autobusunglück in Oberbayern. — Ein Toter, mehrere verletzte.
Aus Oberammergau wird gemeldet: Aus der steilen Bergstraße von Oberau nach Ettal stürzte ein Münchener G e f e 11 f.ch as t s - autobus den Derghang hinab. Dvnden Insassen wurde einer getötet, mehrere verletzt.
Schreckliches Autounglück.
Einen furchtbaren Tob fanb biefer Tage ein Kraftwagenbesitzer, ber sich auf ber Heimfahrt von Paris nach Versailles befanb. Kurz vor Versailles hatten Arbeiter des Telefonamtes ein Draht- kabel quer über bie Lanbftraße gespannt, um einen Telefonmast zu errichten. Obwohl vor unb hinter bem Kabel Warnungstafeln ausgestellt waren, raste ber Autofahrer in voller Fahrt gegen bas Drahtseil, bas ihm ben Kopf vom Rumpfe trennte. Sein neben ihm sitzenber Begleiter erlitt so schwere Verletzungen, daß man an seinem Aufkommen zweifelt.
Riesiger hotelbiebstahl an der Riviera.
Wie aus Juan Les Pins an ber Mittelmeerküste gemelbet wirb, ist bort in einem ber großen Hotel- ein aussehenerregenber Juwelenbied- sta h 1 verübt worben, ber bas Werk eines internationalen Hotelbiebes sein dürste. Als ein reicher Engländer mit seiner Familie von einem Spaziergang zurückkehrte, mußte er die peinliche Entdeckung machen, baß aus seinem Zimmer ein mit einem Sicherheitsschloß versehener Koffer verschwunben war. In bem Koffer befanben sich u. a. Schmucksachen im Werte von 70 000 Pfund Sterling.
Erdbeben bei Smyrna.
Ein heftiges Erdbeben hat, wie aus Stambul gemeldet wird, Murla in der Rähe von Smyrna heimgesucht und 87 Häuser zerstört. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt.
Verantwortlich für Politik: 3.23.: Ernst Blumschein.
Bei ben Brahmanen unb Hinbus finden wir ben Genuß des Fleisches nur in ben höheren Kasten gestattet unb auch bann nur Ochsenfleisch, bas teilweise ben Göttern geopfert ober burch einen Priester geweiht wirb. Die gewöhnliche Nahrung besteht aus Reis, ber in ben verschiebensten Arten zubereitet, mittels eines zusammengerollten Malvenblattes zum Munde geführt wird. Wasser unb Milch finb die Hauptgetränke — einzig und allein an hohen Tagen wird ein aus Zwiebeln, Tamarinden, Pfeffer und Wasser zubereitetes Getränk gereicht, das sich größter Beliebtheit erfreut.
Je weiter wir nach Süden kommen, um so mehr fällt uns die Kultivierung der Nahrungspflanzen, Gemüse, Kartoffeln, Reis Pisang und Kokosnüsse auf. Der wilde Stamm der Bata auf Sumatra lebt fast rein vegetarisch mit Zuhilfenahme der schärfsten Gewürze. Nur an den wenigen Festtagen bes Jahres verzehren sie Fleisch, auch dann, wenn es längst in Fäulnis Übergebungen ist.
Jeder Volksstamm hat [eine Spezialgerichte, der Kalmücke liebt feine süßen und sauren Käse, der Tscherkesse schwört auf Hammelfleisch, ber Chinese und ber Japaner halten Reis unb Tee in Ehren, unb sicher würbe jeber einzelne von ihnen energisch ben Kopf schütteln, wenn man ihm für sein Nationalgericht ein beutsches Kasseler mit Sauerkraut zum Tausch anböte.
Greta Garbo wird getröstet.
Die Filmschauspielerin Greta Garbo gilt im persönlichen Umgang nicht gerade als übertrieben liebenswürdig, und teer es wagt, sich ihr zu nähernj, ohne die Genehmigung dazu auf dem Instanzenwege untertänigft eingehvlt zu haben, dem zeigt sie meist nicht das charmante Lächeln, das sie im Licht der Jupiterlampen aufzusetzen pflegt. Trotzdem war es, wie man sich in Holly- toooi) erzählt, einem jungen Studenten, den sie flüchtig kennengelernt hatte, gelungen, die Film- fonigm zu bewegen, ohne alle Formalitäten einer Einladung zum Mittagessen Folge zu leisten, da er fie gerne seiner Mutter vorstellen wollte. Im Derlauf der Unterhaltung kam man natürlich auch auf den Film zu sprechen, und die alte Dame, die nie ein Kino besuchte und kaum noch die Zeitungen las, fragte ihren Gast, ob sie nicht auch versucht hätte, beim Film anzukommen. Greta, gerührt von dieser seltenen Weltfremdheit, antwortete fast schühtern: „Dersucht habe ich es wohl...", worauf die alte Dame tröstend einfiel: „Sie müssen nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, mein Kind, ich könnte mir gut vorstellen, daß <ruf der Leinwand ihr Gesicht ganz wirksam ift“


