zu vermindern, daß sie die sozialen Sicherungen der Angestellten nicht beachten, vor allem den dort Beschäftigten eine untarifliche Behandlung zuteil werden und die gesetzlichen Arbeitszeitbestimmungen außer QLd)t liehen. Wo solche Beobachtungen gemacht würden, müsse von Gewerkschaftsseite mit allen Mitteln eingegrifsen werden. Es könne nicht angängig sein, daß diese Unternehmungen ihre Kalkulationsbasis auf Kosten der Arbeitnehmer, die ihre Hauptkundschaft darstellten, gegenüber dem selbständigen Einzelhandel günstiger gestalten. In der weiteren Aussprache befaßten sich einige CT ebner mit den örtlichen Verhältnissen. Vertrauensmann Schwarz machte ebenfalls zum Vortragsthema einige Ausführungen und gab sodann einen kurzen Bericht über den Verlauf des Derbandstags des DHD., der kürzlich in Hamburg stattfand und an dem er als Abgeordneter teilgenommen hatte. Er verlas einige dort gefaßte Entschließungen und betonte besonders die geschlossene Haltung in allen Fragen der Derbandspolitik, die sich auf dem Verbandstag gezeigt habe. Ein ausführlicher Bericht über den Derbandstag werde in einer der nächsten Versammlungen gegeben werden. Aach einer Mitteilung über ein Protesttelegramm der Verwaltung des DHD. an die Reichsregierung gegen die beabsichtigten neuerlichen ungerechten Belastungen der Arbeitnehmer, wurde die Veranstaltung geschlossert.
Oberheffen.
Lauterbacher Prämienmarkt.
& Lauterbach, 11.Juni. Der Lauterbacher Prämienmarkt fand diesmal bei günstigem Wetter statt. Die Kauflust war, gegenüber früheren Jahren, bedenklich Zurückgegangen, für die gegenwärtigen Verhältnisse jedoch einigermaßen befriedigend. Die Erwartungen, die man auf die mit dem Markt verbundene Verlosung setzte, wurden übertroffen. Fast alle Lose wurden abgcsetzt. Der Prämienmarkt hat wiederum bewiesen, daß es nötig ist, ihn trotz der schweren Zeit beizubehalten, um wenigstens von Jahr zu Jahr einen lleberblick über den Stand der Viehzucht im Kreise Lauterbach zu ermöglichen.
Aufgetrieben waren 88 Stück Großvieh (Prämiierungstiere) von bester Qualität. Im vorigen Jahre war der Auftrieb stärker, jedoch nicht so hochwertig. Ferkel und Schweine waren insgesamt 481 Stück aufgetrieben (130 mehr als im Vorjahre), Ziegen 151 Stück. Das Großvieh, ein Teil der Schweine und die Ziegen waren lediglich zur Prämiierung aufgetrieben worden. Für Ferkel wurden 12 bis 16 Mark je nach Qualität bezahlt. Bessere Tiere erzielten Preise über Notiz. Der Handel ging flott, es verblieb jedoch etwas Ueberstand.
Auf dem Krämermarkt, der wieder sehr stark beschickt war, herrschte großes Gedränge. Die Umsätze dürften allerdings nicht allzu groß gewesen sein. In Anbetracht des guten Marktbesuches dürfte auch die Geschäftswelt unserer Stadt auf ihre Rechnung gekommen sein.
Landkreis Gießen.
* Wieseck, 13. Juni. Am Samstagabend wurde hier im Saale der Gastwirtschaft von Hormann eine Wählerversa m m lung der Eisernen Front alsbald nach Beginn von der Gendarmerie a u f g e l ö st, weil an der Versammlung auswärtige Besucher teilnahmen, für deren Anwesenheit die erforderliche behördliche Genehmigung fehlte.
= Göbelnrod, 11. Juni. Wie die Aotzeit sich auswirkt, zeigt sich auch bei der Besetzung der Gemeindeämter. Unser 78jähriger Polizei- und Gemeindediener Johannes Seng, der seit etwa 50 Jahren sein Amt bekleidete, hat nun wegen Altersbeschwerden sein Amt niedergelegt. Aus der Zahl der Bewerber — 15 — hat der Eemeindevorstand den seitherigen Beigeordneten Heinrich Kern ausgewählt, der, wenn er bestätigt wird, sein Amt als Beigeordneter niederlegen muß, um Polizeidiener zu werden.
Elisabeth
erobert sich das Glück Vornan von Margarete Anlelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle.
8. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Kaum war sie mit der Säuberung fertig, als auch schon bie- Wirtin erschien, um Elisabeth zum Abendessen zu holen.
Drüben im Wohnzimmer sa^en s hon vier Mädchen um den gedeckten Tisch herum. Elisabeth hatte noch nie etwas so Schmutziges gesehen, wie das Tischtuch, das Frau Meyers Abendbrottisch schmückte.
Es gab billige Wurst, Bückling und ein bißchen Käse, dazu einen dünnen, hellfarbigen Tee.
Elisabeth formte nichts essen; sie hatte Zeit genug, sich ihre Tischgenvssinnen zu betrachten.
Was mochten das für Mädchen fein, die um den Tisch saßen, eifrig zulangten und — ohne sich um die Reue zu kümmern — sich ihre mehr oder weniger anziehenden Erlebnisse berichteten. Ab und zu warf eines der Mädchen einen neugierigen Blick auf Elisabeth; keine aber wagte es, Das Verbot der Wirtin zu überschreiten, die AÄie jetzt schon irgendwie aufzuklären. Die würde npch früh genug merken, was die älhr geschlagen ygtte. Solche Landgänschen durfte man nicht kopfscheu machen, die mußte man erst zähmen. Darauf würde sich die gute Frau Meyer schon verstehen.
Am anderen Morgen erwachte Elisabeth sehr früh. Hm acht llhr schon verließ sie' ihr Zimmer, fix und fertig angezogen. Vielleicht hatte sie Glück und konnte die Wohnung verlassen, ohne von Frau Meyer oder einer der anderen HauS- genossinnen gesehen zu werden.
Sie hatte eine fürchterliche Aacht hinter sich. Gewissensbisse und Angst hatten sie kaum schlafen lassen; ihre Kleider hatte sie nicht abgelegt, weil sie sich vor der schmutzigen Bettwäsche geekelt hatte. Sie sah übernächtig aus und zerquält.
Leise öffnete sie die Tür zu dem Korridor, lauschte hinaus. Aichts rührte sich. Auf Zehenspitzen schlich Elisabeth hinüber zur Wohnungstür. <3ie war nicht verschlossen.
Im nächsten Augenblick stand Elisabeth im Treppenhaus, rannte die Treppe hinunter, kam ungehindert auf die Straße.
Wie gehetzt lief Elisabeth die Straße hinunter, ohne sich um den Weg zu kümmern.
Aur erst einmal fort aus dieser Gegend, dann würde sie sich schon weiter finden.
Kreuz und quer lies sie, durch viele Straßen. Dis sie auf einem belebten Platz stand, einen Schutzmann sah.
Zahreötagung des
Im Kaisersaal der Burg Gleiberg fand am Sams- tagnachmittag unter dem Vorsitz des Provinzial- direktors G r a e f die gut besuchte Generalversammlung des Gleiberg-Vereins statt. Als Vertreter des Kreises Wetzlar und der preußischen Auftichtsbehörde wohnte Landrat Miß- Wetzlar der Tagung bei.
Der Vereinsvorsitzende, Provinzialdirektor Graes, teilte in seinem Geschäftsbericht für 19 31 zunächst mit, daß sich die Zahl der Mitglieder im Jahre 1931 auf 559 belief; durch Austritt verlor der Verein 74, durch Tod 11 Mitglieder. Der Entschlafenen wurde in der üblichen Weise ehrend ge- dacht. Die Bewegung des Mitgliederstandes in den letzten Jahren war folgende: 1924 = 445, 1925 = 478, 1926 = 493, 1927 = 535, 1928 = 579, 1929 = 647, 1930 = 632. An größeren Unterhaltungsarbeiten wurden insbesondere Teile der Schildmauer, der westliche Giebel des Albertusbaues und ein Teil der östlichen Ringmauer ausgebessert. Zu den Kosten dieser Arbeiten wurde der Rest des von dem Landeshauptmann der Rheinprovinz bewilligten Zuschusses in Höhe von 1000 Mark mit 500 Mark verwendet. Ferner wurde der Bodenbelag des Altaps erneuert, im Kaisersaal wurden zwei Ventilatoren eingebaut. Sämtliche Gartenmöbel wurden zum Schutz gegen Witterungseinflüsse mit einem neuen Anstrich versehen und die Wandbescbieserung in größerem Umfang erneuert. Der Auffahrtsweg zur Burg, dessen Zustand schon längere Zeit Veranlassung zu Bedenken gegeben hatte, konnte im Berichtsjahre neu hergerichtet werden. Insgesamt wurden aufgewendet: für Unterhaltungsarbeiten: 1924 = 830,51 Mk., 1925 = 2101,96 Mk., 1926 = 1888,11 Mk., 1927 = 1814,48 Mk., 1928 = 1967,60 Mk., 1929 = 4541,63 Mark, 1930 -- 2042,09 Mark; für Neubauarbeiten: 1928 = 5540,05 Mark, 1930 = 913,64 Mark. Die Vereinsveranstaltungen im Berichtsjahre konnten als wohlgelungen bezeichnet werden. Allen Spendern und hilfsbereiten Freunden wurde herzlich gedankt. Auch für das kommende Geschäftsjahr stehen dem Verein hinsichtlich der Unterhaltung der Burg Ausgaben bevor, die er nur lösen kann, wenn alle Freunde und Gönner ihn weitest gehend unterstützen. Der Vorstand richtete deshalb im Geschäftsbericht die Bitte an die Mitglieder, trotz der schweren Zeit treu zur Gleiberg-Fahne zu halten, damit es ihm auch fernerhin möglich ist, die Burg Gleiberg, das stolze Wahrzeichen der ganzen Gegend, und damit einen beliebten Ausflugsort zu erhalten. Der Geschäftsbericht wurde einstimmig genehmigt.
Die Rechnungsablage 19 31 /32 wies an Einnahmen 8517,20 Mk., an Ausgaben 8461,85 Mk., mithin einen Ueberfchuß von 55,35 Mark aus. Die Rechnung fand ohne Aussprache allseitige Zustimmung.
Der Voranschlag 1932/33 wurde in Ein-
Im benachbarten Saasen bemüht sich umgekehrt der Polizeidiener um den Dürgermeisterposten.
* Bellersheim, 11. Juni. Bürgermeister Müller hat sich entschlossen, aus Gesundheitsrücksichten das Amt des Bürgermeisters niederzulegen. Bürgermeister Müller, der an einer schweren Augenkrankheit leidet, leitete seit 13 Jahren die Geschicke unserer Gemeinde. Die Neuwahl eines Bürgermeisters ist bereits für den 26. Juni vorgesehen. Bisher haben sich drei Bewerber gemeldet.
Kreis Friedberg.
* Kirch-Göns, 13. Juni. Gestern fand in unserer Gemeinde Bürgcrmei st erwähl statt. Cs waren fünf Wahlvorschläge eingereicht. Abgegeben wurden insgesamt 494 gültige Stimmen. Beigeordneter Müller erhielt 131, Gemeinderatsmitglied Müller 125, Gemeinderatsmitglied Röhrig 151, Reinhard Textor 69 und Otto Wilhelm Zoller 18 Stimmen. Das Ergebnis macht eine Stichwahl zwischen dem Beigeordneten Müller und Gemeinderatsmitglied
Sie zog ihren Zettel aus der Tasche, fragte den Schupo nach der dort verzeichneten Adresse.
„Ja, Fräuleinchen, das ist weit weg von hier, in "einer ganz anderen Gegend. Da^ Beste wäre, Sie würden sich eine Taxe nehmen und hinfahren, sonst können ©ie es kaum finden."
Elisabeth bedankte sich. Dort drüben standen Autodroschken.
Rach einer Viertelstunde etwa hielt der Wagen vor einem vornehmen Hause in einer ruhigen und gepflegten Straße.
Elisabeth läutete an der Hausglocke. Ein Zimmermädchen erschien, in schwarzem Kleid und weißer Schürze.
Zögernd nannte Elisabeth ihren Ramen.
„Oh, Fräulein Pfilipp!" sagte das Mädchen. „Wir hatten schon solche Sorge um Sie, weil Sie gestern nicht gekommen waren. Die gnädige Frau wird glücklich sein, daß Sie endlich da sind." “ Das Mädchen führte Elisabeth ins Hausj eine kurze, teppichbelegte Treppe hinauf, in eine gemütlich eingerichtete Diele.
Hier wartete Elisabeth klopfenden Herzens auf das, was nun weiter folgen würde.
Wenige Minuten später erschien eine ältere Dame. Sie streckte Elisabeth beide Hände entgegen.
„Oh, wie gut, daß Sie da sind, Fräulein Pfilipp! Wir hatten solche Sorge um Sie. Ich bin Frau Schelrner, eine Tante des Herrn von Eckertsburg. Er hat mich gebeten, mich Ihrer anzunehmen, und ich freue mich, daß wir Hausgenossen werden. Ich habe schon viel Gutes von Ihnen gehört, und ich hoffe, wir werden sehr gute Freunde werden.
Ich führe Sie gleich in Ihr Zimmer, damit Sie sich zurechtmachen können.
Ich hole Sie dann bald zum Frühstück, und Sie erzählen mir, was eigentlich mit Ihnen los war."
Elisabeths einsames Herz hatte sich vom ersten Augenblick an der warmherzigen, mütterlichen Frau erschlossen, die sie so liebevoll empfangen hatte. Wie dumm sie gewesen war, daß sie nicht gleich hierher gekommen. Mit dieser Frau würde sie sicher gut zusammenleben können.
Willig lieh sie sich von Frau Schelmer führen. Es ging wieder eine kleine Treppe hinauf. Frau Schelmer öffnete eine Tür.
Elisabeth konnte einen Ausruf des Entzückens kaum unterdrücken. Vor ihr lag ein helles, luftiges Zimmer mit entzückenden, hellgelben Schleiflackmöbeln. In der Mitte der einen Wand stand ein großes, breites Bett mit einer blauseidenen Steppdecke und blendend weißer Wäsche. Das übrige Mobiliar des Zimmers bildete ein runder Tisch, mehrere Armsessel mit blauseidenen Polstern, eine große, geblümte Couch, ein entzückender Frisiertisch mit großem Spiegel. Ein großer
Gleiberg-Amms.
nähme und Ausgabe mit 3100 Mark genehmigt. Zum Ausgleich des Voranschlags wurden 360 Mark aus dem Reparaturfonds eingestellt. Besondere Herstellungen sind für das laufende Jahr nicht vorgesehen, nur die notwendigsten Unterhaltungsarbeiten sollen ausgeführt werden.
Bei der V o r st a n d s w a h l, die für die Jahre 1932 bis 1935 vorzunehmen war, wurde der bisherige Vorstand mit Provinzialdirektor Graes als Vorsitzendem einstimmig wiedergewählt. Der Vorsitzende nahm die Wahl mit Dankesworten auch im Ramen der übrigen Vorstandsmitglieder an.
Einstimmig wurde sodann beschlossen, das Sommerfest 1932 als Gleibergtag am 3. I u l i in einfachem Rahmen zu begehen. Zu dieser Veranstaltung wird zahlreicher Besuch aus allen Bevölkerungskreisen erwartet. (Eintrittspreis 50 Pf. für Erwachsene, 30 Pf. für Studenten, 20 Pf. für Kinder.)
Von einer Senkung des Mitgliedsbeitrages wurde einstimmig abgesehen. Maßgebend für diese Stellungnahme war 'die Erwägung, daß der Beitrag mit 3 Mk. pro Jahr, also 25 Pf. monatlich, an sich schon sehr niedrig ist und daß damit die Erhaltung der Burg zum großen Teil bestritten werden muß. Man verkannte die Schwere der Zeit nicht, glaubte aber, angesichts der vorgenannten Gesichtspunkte auf das volle Verständnis der Mitglieder rechnen zu können.
Kaufmann Val. Frey und Landrat Miß (Wetzlar) dankten dem Vorstand des Vereins für seine vortreffliche Arbeit im Dienste der Vereinsziele, und sicherten ihm weitere tatkräftige Hnterstühung zu.
Der Vorsitzende teilte weiter mit, daß Kaufmann Leib (Gleiberg), Landwirt Karl Dender (Krofdorf), KreisfeuerwehrinspektorDi do r 6 (Gießen) und Rentier Wohlmuth (Gießen) für das Vereinsmuseum wertvolle historische Gegenstände gespendet haben. Den freundlichen Gebern wurde dafür herzlich gedankt.
Im Anschluß an die Iahrestagung fand eine Feuerwehrübung statt, an der die Kreismotorspritze von Gießen und die Freiwilligen Feuerwehren von Krofdorf, Gleiberg und Wißmar teilnahmen. Die Hebung unter dem Kommando des Kreisbrandmeisters Vogels (Wetzlar) und in Gegenwart des Kreisfeuerwehrinspektors D i d o r e (Gießen) hatte den Zwed, vor den Vereinsmitgliedern zu erproben, in welcher Weise im Ernstfälle Drandhilfe zu bringen ist und wie sie wirksam wäre. Der Verlauf der Hebung gab dem Kritiker, Kreisfeuerwehrinspektor D i d o r e, Veranlassung, den beteiligten Wehren seine Anerkennung auszusprechen.
Röhrig notwendig. Die Stichwahl soll am 3. Juli durchgeführt werden.
Kreis Büdingen.
zt Ranstadt, 12. Juni. In der vergangenen Rächt wurde im Geschäftszimmer des Landwirts und Rechners der Krankenkasse Wilhelm G o r r eingebrochen. Der Täter briidtc ein Fenster ein, stieg in den Raum, öffnete einige Behältnisse und einen Sekretär. Dem Einbrecher sind höchstens erwa 15 Mark in die Hände gefallen. Der Dieb scheint mit den Oertlichkeiten des Hauses vertraut zu sein. .
Kreis Alsfeld.
fd. B ü ß f e l d, 11. Juni. Unter starker Anteilnahme der Bevölkerung wurde Lehrer Appel, der seit dem Jahre 1900 in unserer Gemeinde amtierte, zu Grabe getragen. Pfarrer Wolf würdigte in seiner Trauerrede die mannigfachen Vorzüge des Verstorbenen. Der Gesangverein Hom- berg sang zu Ehren seines verstorbenen Dirigenten zwei Trauerchöre. Kranzniederlegungen der Behör-
Smhmateppich bebedte den Fußboden, und überall standen Blumen.
Roch nie hatte Elisabeth ein so reizendes Zimmer gesehen, selbst die Räume der Larsenschen Töchter hatten sich mit diesem Zimmer nicht im entferntesten vergleichen lassen.
Elisabeth kam alles vor wie ein Traum. Sie konnte es noch nicht begreifen, daß sie hier wohnen, daß das ihr Reich sein sollte.
Frau Schelmer riß sie aus ihrem Entzücken. .
„Ich sehe an Ihrem Gesicht, Kindchen, daß es Ihnen gefällt. Mein Reffe und ich, wir haben uns auch die größte Mühe gegeben. Sie sollen sich recht wohl bei uns fühlen. So, jetzt lasse ich Sie allein. In einer halben Stunde hole ich Sie zum Frühstück. Ich weiß übrigens, daß Sie Ihr Gepäck noch nicht haben.
Dort drüben in dem Schrank finden 'Sie einige Kleider. Ich habe sie für Sie ausgesucht. Hoffentlich finden Sie etwas Passendes. Sie werden froh fein, aus den Reisekleidern herauszukommen. Ich werde Ihnen sofort Wanda schicken, damit sie Ihnen hilft. Auf Wiedersehen also, in einer halben Stunde!"
Gleich darauf klopfte es an die Tür; das Stubenmädchen erschien.
Elisabeth war noch ganz benommen von dem, was sich in dieser letzten halben Stunde ereignet hotte. ©ie wäre am liebsten allein gewesen.
Sie überlegte, wie sie das Stubenmädchen bald wieder sortschicken konnte.
Zunächst mußte sie sich's gefallen lassen, daß Wanda ihre kleine Handtasche auspackte, alle Toilettengegenstände zurechtlegte und ihr behilflich war, sich auszukleiden. Elisabeth lieh alles fast willenlos über sich ergehen.
Dann war sie fertig, hatte eines der hübschen Wollkleider angezogen, die im Schrank hingen. Sie besah sich im Spiegel. Wie verändert sie aussah in dem eng anliegenden, modernen, dunkelbraunen Kleid mit dem weit auslaufenden Glockenrock, dem Wollkragen und der Aermel- rüsche! Ganz anders als in ihren unmodernen Kleinstadtfähnchen, die zeitlos waren und die ihre Jugend und ihre Schönheit mehr verborgen als gezeigt hatten. Eine völlig neue Elisabeth sah aus diesem Spiegel.
„Ich danke Ihnen, Wanda", sagte Elisabeth zu dem Stubenmädchen. „Ich möchte mich jetzt noch ein bißchen ausruhen, bis Frau Schelmer mich holt."
Gleich darauf hatte Wanda das Zimmer verlassen.
Elisabeth lag mit geschlossenen Augen auf dem Sofa und dachte über alles nach, was sich ereignet hatte.
Jetzt war sie also im Hause ihres Förderers, im Hause jenes dunklen Mannes, dessen Gegenwart sie erregte, vor dem sie sich fürchtete, dessen Blick sie scheu machte und unsicher.
den, der Gemeinde, der Schüler, des Schulvorstandes, des Gemischten Chores, des Gesangvereins „Frauenlob" Homberg, des Gesangvereins ,Liederkranz" Bleidenrod, des Bezirkslehreroereins Homberg und des Jmkervereins Homberg bewiesen die Hochachtung, die dem Verstorbenen überall entgegengebracht wurde.
Kreis Lauterbach.
* Schlitz, 11. Jüni. Die „Nationale Einheitsliste eröffnete mit einer stark besuchten Versammlung am Mittwoch den Wahlkampf zu den bevorstehenden Wahlen. Bürgermeister Dr. N i e p o t h sprach über die politische Lage in Hessen und im Reich. Der Vortrag fand bei den zahlreichen Zuhörern lebhaften Beifall.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
# Krofdorf, 11. Juni. Aus der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung von K r o f d o r s - G l e i b e r g'ist u. a. zu berichten: Die Ortsstelle Krofdorf des Arbeiter^Gewerkschafts- kartells hat bei der Gemeinde den Antrag gestellt, im Wege des freiwillig e^i Arbeitsdienst es ein Schwimmbad zu" errichten. Vorgesehen 'ist dafür eine Stelle im Fohnbachtal, nördlich der Rodheimer Straße, an der sogenannten „Bleiche". Die Gemeindevertretung konnte sich in Anbetracht der finanziellen Notlage der Gemeinde über diesen Antrag noch nicht schlüssig werden, zumal auch erhebliche Kosten durch Materialbeschaffung entstehen würden. Die Angelegenheit wurde bis zur Etatsberatung zurückgestellt. — Die Erhebung der Ge m e i n d.e b i e r st e u e r soll nach den Sätzen der Notverordnung vom 19. März 1932 erfolgen.
0 Hochelheim, 11. Juni. Dieser Tage fand hier eine f r e i w i l l i g e Grundstückversteigerung statt. Die Preise waren außerordentlich hoch und standen eigentlich in keinem Derhälk- nis zu der schlechten Lage und Unrentabilität der Landwirtschaft. Der Durchschnittspreis für den Morgen Acker- und Wiefenland betrug rund 2200 Mark. Ein Ackerplan von 3,5 Morgen Größe wurde mit 10 012 Mark bezahlt und von einem Besitzer erworben. Eine Wiese 28 Ar groß kostete 3660 Mark.
<> Niederkleen, 11. Juni. Der Mitpächter der hiesigen Gemeindejagd, Lehrer Lind- Butzbach, erlegte im Distrikt „An der Dornholzhäuser Seite" des Gemeindewaldes Niederkleen einen Keiler im Gewichte von 2 Zentner?.
Meine Strafkammer Gießen.
• Gießen, 10. Juni. Ein Viehhändler in Vilbel verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Büdingen, durch das er wegen eines Vergehens gegen das hessische Gesetz betr. Besteuerung des Gewerbebetriebs im älmherziehen zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt worden war. Auch die heutige Verhandlung ergab, daß er außerhalb des Gemeindebezirks seines Wohnorts ohne Begründung einer gewerblichen Riederlassung und ohne vorgängige Bestellung Warenbestellungen aufgesucht hatte, indem er sich zur Lieferung ostpreußischen Viehes erbot. Die Berufung wurde daher zurückge- w iese n.
Zwei junge Leute aus Vilbel hatten Wahlaufrufe an ein Haus gemalt und waren vom Amtsgericht Vilbel wegen groben Unfugs zu Haftstrafen berurteilt worden. Auf ihre und der Staatsanwaltschaft Berufung wurden sie heute wegen Sachbeschädigung zu 30 und 60 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Berufung der Staatsanwaltschaft, die Verurteilung eines Freigesprochenen erstrebte, hatte keinen Erfolg.
Freigesprochen wurde ein Landwirt aus L o r b a ch , der vom Amtsgericht Büdingen wegen Untreue zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte eine unter Eigentumsvorbehalt gelieferte Stute vor vollständiger
Bisher hatte sie ihn noch nicht zu sehen bekommen. Vielleicht, daß er gar nicht hier wohnte, daß ihre Angst umsonst gewesen war. Dann konnte das Leben hier sehr schön werden.
Frau Schelmer gefiel ihr ausgezeichnet. Sie' hätte sich keine angenehmere Hausgenossin wünschen können. Und die Wohnung, ihr Zimmer — das alles war herrlich.
Cs schauderte sie, wenn sie an Frau Meyer dachte, an das schmutzige Loch, an die Mädchen dort. Wie gut es war, daß sie noch rechtzeitig hatte fliehen können! Riemand durfte etwas von diesem scheußlichen Erlebnis erfahren.
Elisabeth mochte eine Viertelstunde gelegen haben, als es an ihre Tür klopfte. Frau Schelmer trat ein.
„Oh, sehen Sie aber hübsch aus, Fräulein Elisabeth! Sie haben sich aber in dieser halben Stunde gründlich verändert. Ja, ja, Kleider machen Leute.
Wir wollen mit dem Frühstück noch ein wenig warten. Herr von Eckertsburg hat sich angesagt. Er weiß nicht, daß Sie diese Rächt nicht hier zugebracht haben, und er braucht es auch nicht zu wissen.
Aber mir können Sie vielleicht erzählen, warum Sie fortgeblieben sind? Sie dürfen mir ganz vertrauen, Fräulein Elisabeth."
„Ja, ja, Frau Schelmer, ich vertraue Ihnen.. Ich... ich .. .hatte Angst vor Herrn von Eckertsburg. Er sieht so finster aus, durchbohrt einen mit seinen großen Augen. Hnd... und ich wollte mir eine andere Wohnung suchen. Eine Frau sprach mich an, am Bahnhof, als ich meinen alten Professor zur Bahn gebracht hatte. Sie sah so ordentlich aus... ich ging mit ihr... aber es war schrecklich dort.
Es gelang mir, heute morgen unbemerkt zu entkommen. Ich fuhr hierher, und jetzt bin ich so froh, daß ich hier bin. Ich werde sicher keine Dummheiten mehr machen..."
„Das haben Sie auch nicht nötig, Elisabeth. Sie dummes Mädchen —, Angst zu haben. Sie haben ja keine Ahnung, 'was für einen edlen Menschen Sie gefunden haben. Es gibt niemand, bei dem Sie besser aufgehoben sind als bei Herrn von Eckertsburg. Ich würde das auch sagen, wenn er nicht mein Reffe wäre. Aber ich bin überzeugt davon, daß Sie das bald selbst merken toerben, daß ich Ihnen gar nichts weiter zu sagen brauche.
Doch kommen Sie. Wir wollen einstweilen ßinübergehen. Ich werde Ihnen die anderen Zimmer zeigen. Sie soUen selbst sehen, wie schön es bei uns ist."
Frau Schelmer führte Elisabeth durch die kleine, reizende Wohnung. Es ging über eine gemütliche Diele zuerst in das Musikzimmer. Cs war nicht groß; in der Mitte des Zimmers stand ein Flügel.
(Fortsetzung folgt.)


