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Aus der provinzialhauptstadt.
Drehen, den 13. Januar 1932.
Schädliche Geldgeschäfte.
Heuerbinge nehmen, so schreibt man unS, noch verschiedenen Anzeichen die privaten GeldgeschäUc gröberen Umfang an Mancher, der heute über freie Mittel verfügt, hält es für besser, selbst daS Geld auszuleihen, weil er dabei höhere Zinsen als für Einlagen bei Geldinstituten erlangt. Ob dieses Verfahren für den einzelnen, zumal in den heutigen Zeiten, wirklich der vernünftige Weg ist. bleibt zu bezweifeln, denn für die Geldanlage spielt die Hohe der Zinsen allein nicht die entscheidende Rolle. Es kommt doch sehr darauf an, ob das Geld auch sicher angelegt ist, und vor allem, ob es im Bedarfsfälle auch zur Verfügung st eh t.
Vei zuverlälsigen Geldinstituten ist das Geld im allgemeinen so sicher angelegt, wie es nach menschlichem Ermessen überhaupt möglich ist. Geldinstitute Haden eine grobe praktische Erfahrung, einen ausgezeichneten Apparat, und sie können auch besser als der einzelne übersehen, in welche Richtung das ihnen anvertraute Geld am besten zum Wohle der Volkswirtschaft weitergeleitet wird. Selbstverständlich können auch dort, zumal in Krisenzeiten, Verluste im Kreditgeschäft eintreten, aber sie werden normalerweise ckicht vom Einleger getragen. Anders ist es, wenn der einzelne Geldbesitzer selber sein Geld in Krediten (Hypotheken usw.) ausleiht. Er kann im allgemeinen nicht eine grobe Erfahrung in der Auswahl der Schuldner und im Verkehr mit ihnen haben. Er must daher ein sehr erhebliches Risiko eingehen und bürdet sich die ganze Mühe bei der Erledigung der juristischen und steuerlichen Fragen auf, die solches Geldgeschäft nun einmal mit fich bringt, besonders dann, wenn die Zinszahlung oder die Kapitalrückzahlung nicht veteinbarungs- gemäb erfolgt und gerichtliche Schritte notwendig werden. Wenn man all die Mühe, die Arbeit, die Kosten, das hohe Risiko usw. berücksichtigt, die daS Selbstausleihen von Veld zur Folge hat, dann stellt sich heraus, dab diese Belastungen und Gesahren durch den höheren ZinSgewinn sicherlich nicht ausgeglichen werden. Vor allem aber kann der Geldausleiher daS Kapital im Bedarfsfälle nicht sofort zurückerhalten, er ist an lange Kündigungstermine gebunden, während er bei einem soliden Geldinstitut über seine Einlagen frei verfügen kann. Bei näherem Zusehen ist es also nicht klug, autu velbstausleihgeschäft überzugehen, vielmehr bleibt es nach wie vor richtig, mit zuverlässigen Geldinstituten seine Geldgeschäfte zu erledigen.
Oie Sürflcrfleuer 1931.
(WTD.) Am11 i ch. Für Lohnempfänger ist die erste Rate der Bürger st euer bei der nächsten auf den 10. Oanuar folgenden Lohnzahlung vom Arbeitgeber einzubehalten und binnen einer Woche an die in der Steuerkarte bezeichnete Wohnsiygemeinde des Arbeitnehmers abzuführen. Viele Gemeinden haben die Bürger- steuer mit Rücksicht auf das außergewöhnliche Anwachsen der Lasten aus der Wohlfahrts- Erwerbslosenfürsorge in so erheblichem Umfange anspannen müssen, dab die Entrichtung der einzelnen Raten für die Steuerpflichtigen sich zum Teil aubcrordentlich hart auswirkt. Dies mub für dieses Jahr, um die Gemeinden instand zu halten, ihren Der- pslichtungen für die Wohlfahrtsempfänger auch weiterhin nachzukommen, im Interesse der Gesamtheit in Kauf genommen werden. Es ist aber zu hosten, daß auch diejenigen Gemeinden, die dieses Jahr eine besonders hohe Dürger- fteuer erheben müssen, bei äuberster Sparsamkeit — a u f d i e hinzuwirken im Interesse jedes Bürgers liegt — die Vürgersteuersätze für das nächste Jahr ernt ä b i ge n können.
Bei dieser Gelegenheit wird noch darauf hingewiesen, dab sich Arbeitgeber, die ihrer Verpflichtung zur Einbehaltung und Abführung der Dürgersteuer nicht nachkommen, haftbar und auch strafbar machen.
Öer Diehmarkt-Konflikt beendet.
Nachdem am Montag zwischen der Stadtverwaltung und den Vertretern des DiehhandelS erneute Verhandlungen über die Frage der D i e h - marktgeb ühren stattgefunden haben, die zu einer Verständigung führten, hat der Fi- nanzausschub des Stadtrats gestern vormittag auf Grund der Verständigung beider Teile beschlossen. das) die Diehmarktgebühren mit sofortiger Wirkung wie folgt neu festgesetzt werden: Die Marstgebühr für Grohvieh wird von 80 auf 60 Pf. pro Stück gesenkt, die Auftriebsgebühr für Kälber bleibt mit 30 Pf. pro Stück unverändert, die Gebühr für Fresser wird von 30 auf 40 Pf. pro Stück bestimmt. Rach dieser Verständigung sind die Viehhändler benachrichtigt worden, dab der Gießener Viehmarkt wieder in der gewohnten Weise stattfinden wird. Damit kann man den Boykott gegen den Gießener Viehmarkt als beendet ansehen, wobei allerdings nicht zu verschweigen ist, daß man zu diesem Ergebnis auch schon vor mehreren Wochen kommen und damit einen Boykott mit seinen schädlichen Auswirkungen vermeiden konnte.
Knegerverein Gießen.
Der Kriegerverein Gießen beging am Samstagabend im Eafö Leib d e Feier seines 58 ©i f ungd- festeS in der einfachen Form eines Familienabends. Diele Mitglieder mit ihren Angehörigen, Mitglieder befreundeter Vereine und eine Anzahl Düste hatten sich eingefunden. Schneidige Marschmusik und ein kerniger Vorspruch leiteten die Veranstaltung ein. Rechnungsrat Schiffnie hielt an Stelle des erkrankten 1. Vorsitzenden, Land- zerichtsrats Stümpert, eine kurze Ansprache, in der er u. a. besonders den Dataillonskomman- beur, Oberstleutnant KIepke, und die übrigen Herren des Offizierskorps, wie auch den Redner des Abends willkommen hieß.
Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag über das Thema ..Schuh unserer Hnmat gegen Eingriffe aus Lustfahrzeugen". Der Redner, ein diesiger Offizier im Ruhestand, gab einen Ucber- dlick über das Ausmaß der Rüstungen auf dem Debiete des Flugzeugwesens bei den ehemaligen jeinbbunbftaatcn, und kennzeichnete an Hand ent- 'prechenden Ziffernmaterials die Gefahr n die unserem Daterlande in einem künftigen Kriege von dieser Waffengattung aus drohen. Der Vortragende betonte die unbedingte Notwendigkeit umfassender Schutzmaßnahmen, erörterte die Möglichkeiten und die Systematik eines au schaffenden zivilen Luftschutzes und gab Richtltnien für das
Verhalten der Bevölkerung bei eben tue! m Flug- zeugangr f en. S.ne Anzahl guler Lichtbild.r v.r- anschaulichte und bereicherte den Vortrag, der mit lebbastem Beifall ausgenommen wurde.
Oberstleutnant K l e p k e sprach sodann einige TDorte des Dankes für die Einladung und betonte im Hinblick auf das Thema des VortrageS, daß wir in Deutschland nicht auf ein Wunder (X-, Todesstrahlen usw.) halfen dürsten, das uns b:n Gefahren des Luftkrieges enthebt: das deutsche Volk sollte vielmehr darauf bedacht sein, seine Wehrhaftigkeit wieder zu erringen, die allein der zuverlässigste Schutz des Vaterlandes sein könne.
Anschließend wurde durch Rechnungsrat S ch i f s n i e die Ehrung langiäbnger Mitglieder vorgenommen. Für 52jährige Mitgliedschaft wurde Andreas Göbel ausgezeichnet. Au.znchnun'en für 42jährige Mitgliedschaft erhielten Professor Dr. P o p p e r t, Ludwig Kimmel, Karl Währ um, Ludwig Decker und Hch. Weimer. Für 25jährige Mitgliedschaft wurden Phil. Müller, Gustav Wittmann. Gustav Schurmann und Philipp Rahm geehrt. Professor Dr. Kraemer nahm außerdem Gelegenheit, den Kameraden Karl Haupt, der nunmehr seit 25 Jahren im Vorstand tätig ist, in einer besonderen Ansprache zu ehren und ihm die silberne Medaille „Für Verdienst" im Namen der Hassia-Kriegerkarneradschaft zu übermitt.l'. Gin gemeinsam gesungenes Lied beschloß d e Ehrung.
3m weiteren Verlause deS Abends hielt Kam. Albin Klein eine kurze Ansprache, in der er die großen Erfolge der Kleinkaliberschühen her- vorhob. Die Altschützen hatten im vergangenen Jahre wiederum den Wanderpreis der H.rssia- Kriegerkameradschast an sich br'.ngen und damit endgültig erringen können. Für einen, anderen Schießwettbewerb, aus dem dieselben vier Schützen als Sieger hervorgingen, wurde den Kameraden zum Zeichen der Anerkennung ein Erinnerung^» geschenk übermittelt. Die Iungschützen, die im vergangenen Jahre zum erstenmal um den Wanderpreis der Iungschützen in den Wettbewerb traten. konnten ebenfalls den Wanderpreis der Hassia-Iugend erringen; auch ihnen wurde eine Auszeichnung zuteil.
Ein Marsch beschloß den 2T5enb. der in seiner Gesamtheit einen sehr harnumischen Verlauf nahm.
Pornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater Gießest, .Hanneles Himmelfahrt", 20 bis 22 Llhr. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: »Douaumont".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, als 14. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement „Hanneles Himmelfahrt", Traumdichtung in zwei Teilen von Gerhart Hauptmann. Die Spielleitung hat Peter F a f s o t t. Ende 22 Uhr. — Die nächste Wiederholung des Zeitstückes „Verstehen wir uns?" von Peter von Preradovic mit Frau Auguste Prasch-Greoenberg in der Rolle der Großmutter findet Freitag, 15. Januar, 20 Uhr, a(s 14. Vorstellung im Freitag-Abonnement statt. Spielleitung: Peter Fassott. Ende 22 Uhr.
— Vorträge über aktuelle Lebensfragen. Zu dem aktuellen Thema: „Der Mensch und daS Leben in der Gemeinschaft" werden auf Einladung der Bewegung für religiöse Erneuerung, der Thristengemeinschaft, zwei öffentliche Dorträge von Heinrich Ogilvie (Amsterdam) gehalten. Der Redner ist feit der Begründung der Ehristengemeinschaft als Mitarbeiter tätig. Er spricht am Donnerstag, 14. Januar, über ,So- Aigle und antifOAiale Triebkräfte im modernen Menschen"; am Freitag, 15. Januar, über .Die Ehe als Tlrtatsache des sozialen Lebens". Die Vorträge finden jeweils um 20.15 lH)r in der Universität. Hörsaal 40, statt. Näheres in der heutigen Anzeige.
— Vortrag im VDA. Man schreibt uns: Wer sich um die Frage der Erhaltung des Auslanddeutsch- tums sorgt, möge nicht versäumen, den Vortrag zu besuchen, den Dr. theol. Clemens Scherer aus Berlin, der Generalsekretär des Reichsoerbandes für die katholischen Ausländsdeutschen am kommenden §reitagabend im Gießener Studentenhaus hält. Dr.
ch er er spricht über „Volkstum und Kirche im Nationalitätenkampf". Siehe Anzeige vom Samstag.
*
"VeränderungimGiehenerKreis- tag. Wie im neuesten Amtsverkündigungsblatt bekanntgegeben wird, ist an die Stelle des von seinem Kreistagsmandat zurückgetretenen Wilhelm Lepper (Komm.) zu Gießen der Arbeiter Karl Hildebrand zu Wieseck als kommunistisches Kreistagsmitglied getreten.
Sie Steuererklärungen für 1931. Der Reichssinanzminister hat als Frist für die allgemeine Abgabe der Steuererklärungen zur Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer bei der Veranlagung für die 1931 endenden Steuerabschnitte die Zeit vom 15. bis 29. Februar 1932 bestimmt.
•• Kein Geld in gewöhnliche oder eingeschriebene Briefe! Die Oberpostdirektion Darmstadt teilt mit: Immer wieder läßt sich das Publikum dazu verleiten, bares Geld oder Wertsachen in gewöhnlichen oder eingeschriebenen Briesen zu versenden. Es bietet hierdurch ungetreuen Elementen innerhalb und außerhalb der Postbeamtenschaft Anreiz und Gelegenheit, fich auf eine verhältnismäßig bequeme und leichte Weise Geld zu verschaffen. Den Scha- den trägt in der Regel der Absender: denn wird der Geldinhalt der Briese entwendet, so erhält er bei gewöhnlichen Briefen überhaupt keinen, und bei eingeschriebenen Briefen nur dann Ersatz. wenn der ganze Brief, also der Brief mitsamt dem Geldinhalt, in Verlust geraten ist. Wird der Einschreibbrief dagegen nur seines Wertinhalts beraubt, so zahlt die Deutsche Reichspost nach den Bestimmungen des Postgesehes keinen Ersah. Darum versende man kein Geld in gewöhnlichen oder eingeschriebenen Briefen! Die einzig richtige Art, Geld zu verschicken, ist die mit Postanweisung, Zahlkarte oder Geldbries.
** Die ölte ft c Stadtanlage von Gissten. 3m Oberhessischcn Geschichtsoerein bespricht am morgigen Donnerstag Stadtbaurat Gravert die neuesten Untersuchungen über die älteste Stadt« anlage Gießens. Der Lichtbildervortrag findet um 20.15 Uhr im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstraße Nr. 34, bei freiem Eintritt statt. Es wird nicht nur über die Entwicklungsgeschichte, sondern auch über die genauen Einzelheiten der ältesten Burganlage und des Stadtkerns an Hand von etwa 25, nach längeren Vorarbeiten angefertigten Plänen gesprochen werden. Auf dem Wege über die verschiedenen Nebengebiete ist alles das untersucht worden, was bisher an Einzelergebnisfen über die älteste Stadt als Bauwerk in früheren Veröffentlichungen vorlag, nachzuprüfen und gegebenenfalls richtigziiftellen, um ein möglichst klares Bild der Grundlage der Entwicklung zu erreichen. Die gefundenen Ergebnisse sollen als Unterlage
für den neuen Bebauungsplan ausgewertet werden. Lei der bisher noch kaum von einer Seite erfolgten Untersuchung der Entstehung Gießens wird es sicherlich neben den fachlich eingestellten Kreisen manchen eingAprenen Gießener interessieren, ;u erfahren, wie »eit bis jetzt die Anfänge der Geschichte seiner Stadt geklärt sind. (Dgl. die heutige Anzeige.)
Die Maul- und Klauenseuche in Obcrhesfen. 2m Kreise Gießen wurde in Hof-Güll und in Annerod die Maul- und Klauenseuche amtlich festgcstcllt Sperrbezirke sind Hos-Güll bzw. die Gemeinde Annerod; Bccb ch ungsgebiet d e Gem riung Mu chcn- heim bUD. die Gemarlung Annerod * Weiter wurde die Maul- und Klauenseuche in Ilsdorf (Kreis Alsfeld) amtlich festgestellt, der Ort Ilsdorf ist zum Sperrgebiet und die Gemarkung zum Deobachtungsgcb et erklärt-
" Allerlei Diebstähle. Der Polizeibericht meldet: Gestohlen wurden aus einer Wohnung ein blaufeidenes Damenkle.d mit gc'bcn Acr- mein, ein schwarzer Marcngorock mit Weste und mittels Einsteigens aus einer Speisekammer ein Schinken. Ein um die Wcihnacht5z:it entwendeter Rodelschlitten ist bei der Kriminalpolizei sicher- gestellt. Personen, d.e zur Ermittelung der Diebstähle Angaben und bzgl. deS Schlittens Eigentumsansprüche gellend machen können, werden ersucht, der Kriminalabteilung Nachricht zu geben.
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daß Ihre Anzeigen
für He wer feen!
Bitte geben Sie sie frühzeitig auf, damit für eine wirkungsvolle, gute Anordnung des Satzes gesorgt werden kann
*• Landwirtschaftlicher Haushaltungskursus in Michelftadt. Die Landwirtschaftskammer in Darmstadt hat am 4. Januar einen weiteren fünfmonatigen Haushaltungskursus an ihrer Haushaltungsschule zu Michelstadt i. O. eröffnet. Der praktische und theoretische Haushaltungsunterricht erstreckt sich auf die Anleitung im selbständigen Kochen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des ländlichen und bürgerlichen Tisches, Zubereitung und Aufbewahrung der Speisen, Molkereibetrieb, Kleintierzucht, Gartenwirtschaft, Waschen und Bügeln, Buchführung und Handarbeits- unterricht. Ferner wird Unterricht in allgemein bildenden Fächern, Säuglings, und Krankenpflege erteilt. Die Teilnahme an dem Unterricht ist nicht nur Töchtern von Landwirten, sondern auch denen des Mittelstandes zu empfehlen.
“ Ausstellung edler P e lztiere. Wir werden gebeten, dem Prämiierungsverzeichnis dieser Ausstellung nachzutragen, daß sich die Edelpelztierfarm des Herrn I. Kaufmann (Ehrenurkunde des Landesverbandes Brandenburg, für Nutria) in Webern (bei Klein-Bieberau) im Odenwald befindet.
" Ordnung und Sauberkeit in den Zügen der Reichsbahn. In letzter Zeit wird wieder über Verstöße von Mitreisenbcnaegen die Ordnung in den Zügen geklagt. Die Klagen erstrecken sich in der Hauptsache auf Mitnahme zu umfangreichen Handgepäcks in die Abt;i'e Belegen von mehr Plätzen, als Fahrkarten gelöst sind und Belagern der Fenster und Türen der Abteile während des Aufenthaltes auf den Bahnhöfen, achtloses Beiseitewerfen von Papierresten, Obstschalen, leeren Schachteln, Zigarren- und Zigarettenresten, das Auflegen der Füße ohne Unterlagen auf die Sitze, rücksichtsloses Oesfnen der Fenster, Richtbe'olgung des Rauchverbots in den Nichtraucherabteilen, Beschmutzen der Aborte, Benutzung der awdlicgcnben Handtücher zum Reinigen der Fußbekleidung und auf die Anbringung von Zeichnungen und Anschriften anstößigen Inhalts an den Türen und Wänden der Abteile und Aborte. Das Zugpersonal der Reichsbahn ist deshalb erneut angewiesen worden, auf strenge Durchführung der in der Eisenbahn-Verkehrsordnung enthaltenen Bestimmungen zu achten. Das reisende Publikum wird gebeten, die Reichsbahn in ihren Bestrebungen, den Aufenthalt in den Zugetz so angenehm wie möglich zu machen, be- reitwilligst au unterstützen und den Anordnungen des Zugpersonals nachzukommen.
DHE. Gießen. Vom besten Wanderwetter begünstigt, unternahm am Sonntag der VHE. Gießen mit über 60 Teilnehmern feine erste Vereinswanderung im Jahre 1932. Vom Ausgangspunkt Fronhausen ging es zunächst auf guter Landstraße über die Lahnbrücke durch Bellnhausen zur Frühstücksrast nach Hassenhausen. Hinter dem Orte wurde der Wald erreicht, wo man auf die rote Punktmarkierung, ein Werk des rührigen Gießener Wegebezeichnungs-Ausschusfes, stieß und diesem Zeichen nunmehr folgte. Aus guten Waldwegen kam man an Lichtungen vorüber, von denen man prächtige Blicke auf die von der Sonne beleuchteten Dörfer des Ebsdorser Grundes hatte, während in der Ferne Frauenberg und Amöneburg sichtbar waren. Bald war Treis erreicht, wo eine Mittagspause am Platze war. Nachdem das Lumdatal überschritten und man auf der Höhe angelangt war, genoß man nochmals vor dem Walde reizvolle Blicke auf die Orte der Rabenau, auf die Burgen Gleiberg und Staufenberg, sowie den Dünsberg. Das Zeichen leitete die Wanderer weiter durch schönen Waldbestand und schließlich über den Hohe Berg nach dem Endziel Großen-Duseck, wo sich inzwischen noch mehrere Nachzügler eingefunden batten, und man sich bei guter Stimmung bis zur Heimfahrt vortrefflich unterhielt.
Kirche und Schule.
Landkreis Gießen.
X Wieseck, 11. Ian. In der Reihe der bei unserer Schuljugend beliebten Lichtbild stun- d e n wurden am Sonntag in der Kirche 30 Bilder von Kinderfreude — Kinderglück gezeigt; es folgten 50 Bilder aus der deutschen Missionsge- schichte. Den Beschluß des Missionssonntags machte für die Erwachsenen eine Missions- l i ch t b i l d st u n d e, in der der Ortsgeistliche Bilder von der Missionierung Deutschlands und der von Deutschland aus getriebenen Mission erläuterte.
preutzen.
Steuererhöhungen werden abgelehnt.
Z Krofdorf, 12. Jan. Die Gemeinde- Vorsteher des Amtsbezirks Atzbach und Lau'n sb ach haben in einer gemeinsamen Tagung beschlossen, die von der Aussichlsbehörde infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage und der damit verbundenen Ausgabenoermehrung des Kreises und der Gemeinden geforderte Erhöhung der Bür- gersteuer, der Bier st euer und der R e a I st e u e r u m I a g e n abzulehnen. Die Gemeindevorsteher haben ihre ablehnende Stellung, nähme bamit_begrünbet, daß sie ber Bürgerschaft die erhöhten Steuern angesichts der ständig steigenden Arbeitslosigkeit und des Niedergangs der Landwirtschaft und des Gewerbes nicht zumuten können und sie sich bei der Geldarmut der meisten Steuerzahler von der geforderten Steuererhöhung auch keinen Erfolg versprechen.
jrrcis Bicvcnkopf.
* Diebenkopf. 12. Ian. Die Polizei ist einer größerenDiebstahlSaffäre aufbie Spur gekommen. Auf der Ludwigshütte bei WaUau wurde im Lause der letzten Wochen eine große Anzahl Ocfen gestohlen. Bisher gelang es der Polizei, 27 Oesen zu ermitteln und sicherzustellen. An den Diebstählen ist eine größere Anzahl Personen beteiligt. Bisher konnten 10 Personen festgestellt werden, von denen sieben bereits verhaftet und in das Gerichtsgefängnis zu Marburg e.ngeliefert wurden. Nachdem bekannt wurde, daß sictz die Polizei mit der Dicbstahlsangelegenheit beschäftigte, haben verschiedene Besitzer die unrechtmäßig ungeeigneten Ocfen in die Lahn, bzw in den alten Schacht eines ehemaligen Bergwerks bei Wal lau geworfen. Die Ermittlungen über die Besitzer dieser Ocfen haben ebenfalls schon zum Erfolg geführt.
Steuerproiest derLandgemeinden des Kreises Wehlar.
WEN. Wetzlar, 12. Ian. Die Sinan- -en deS Kreises Wetzlar befinden sich in einer außerordentlich bedenklichen Situation, die noch verschärft wird durch die Stcucrforberungen. die zur Sanierung der Landesbank der Rheinprovinz erforderlich werden. Eine heute in Wetzlar tagende Versammlung von sämtlichen Gemeindevorstehern des Kreises Wetzlar faßte nach längerer Aussprache einstimmig folgende Entschließung: „Gegen die geplante Erhöhung der (Bürger ft euer auf 350 Prozent* des normalen Satzes und der Bier st euer auf das Doppelte legen wir hiermit den e n t - schieden st en Widerspruch ein. Mit Befremden stellen wir fest, daß man durch diese Zumutung zeigt, daß die maßgebenden Stellen die Notlage unserer Landgemeinden noch nicht erkennen. Die Steuern haben jetzt schon eine untragbare Höhe erreicht, denn schon jetzt stellt eS sich heraus, dah ein großerTeilder Steuern nicht bezah lt werden kann und die Not noch im Steigen begriffen ist. Die Ausgaben für Wohlfahrtslast en und Krisenfürforge wachsen in einem beängstigenden Maße, während die Einnahmen der Gemeinden immer kleiner werden. Eine weitere Steigerung der Steuerlasten ist nicht mehr möglich. Sie würde zum größten Teil nur auf dem Papier stehen und in der Bevölkerung berechtigte Empörung Hervorrufen. Wir erheben im letzten Augenblick unsere warnende Stimme als verantwortliche Führer unserer Gemeinden. Sollte man aber trotzdem die beabsichtigten Steuererhöhungen durch M a ch t s p r u ch festsetzen, ohne auf das Können der Gemeinden Rücksicht zu nehmen, dann sehen wir uns gezwungen, unseren Kassen Anweisung zu geben, mit den eingehenden Steuergeldern und Abgaben in erster Linie die Bedürfnisse der Gemeinden abzudecken und uns weitere Schritte vorzubehalten. Wir fordern nachdrücklichst eine erhebliche Senkung aller öffentlichen Ausgaben und Heber* nähme der Wohlfahrtslasten auf eine breitere Basis."
Amtsgericht Gießen.
* Gießen, 12. Ian. Das Verfahren in Sachen oH Alleininhabers der Firma Balser in Gießen, Mäusburg, Erich Bedarf daselbst, Privatklägers, gegen den Chauffeur Willi Lepper in Gießen, Angeklagten, wegen verleumderischer Beleidigung sand in der heutigen Verhandlung seinen Abschluß durch einen gerichtlichen Vergleich zu Gunsten des Privatklägers, durch den dieser, weil dies auch schon auf andere Weise geschehen war, von jedem Verdacht, strafbare Handlungen, wie sie ihm von dem Angeklagten vorgeworfen worden sind, begangen zu haben, völlig gereinigt wurde. Lepper hatte unter IV. in Nummer 6, 3. Jahrgang, deS .Gießener Echo", also öfsentlich, bei bem hiesigen Stadtvorstand angefragt, ob es wahr fei, daß die Firma Balser durch fingierte Aufträge die ötabt um mehrere tausend Mark geschädigt habe und ob der Stadtvorstand bereit sei, deshalb eine Hnterfuchung einzuleiten, in der auch die Arbeiterschaft vertreten sein müsse. Die Folge dieser Anfrage war die eingangs erwähnte Privatklage. Den für einen Geschäftsmann außerordentlich schwerwiegenden und kreditgefährdenden Vorwurf hat der Angeklagte in der Verhandlung in l einer OB ci fe aufrechterhalten; er erklärte, falsch informiert gewesen zu fein und eS schuldhaft versäumt zu haben, den Informationen auf ihre Richtigkeit nachhaltiger, wie er es getan, nachzugehen. Der gerichtliche Vergleich, in dem auch diese Erklärungen ausgenommen worden sind, ging dahin, daß der Angeklagte die Beleidigungen unter dem Ausdruck des Bedauerns zurücknahm, da von feinen diesbezüglichen Behauptungen nicht das Gering st e w a h r sei. Der Angeklagte verpflichtete sich ferner durch den Vergleich, im .Echo" feinen Anhalt in der darin näher angegebenen Weife zu veröffentlichen unb die gleiche Veröffentlichung im .Gießener Anzeiger" unb in ber .Oberheffi* fchcn Volkszeitung binnen einer bestimmten Frist aufnehmen zu lassen. Er übernahm sämtliche nicht unbeträchtlichen Kosten, barunter auch diejenigen, die durch die Veröffentlichungen entstehen werben. Falls ber Angeklagte feinen Verpflichtungen hinsichtlich ber Kosten und ber Veröffentlichungen nicht nachkommt, ist beten Vergleich hinfällig, und bas Verfahren geht weiter.


