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" „Hm GotieS teilten, was ist geschehen, gnädige Frau?" fragte Axel erschreckt.
„Mein Mann!" schluchzte Frau Melanie. „Mein Mann!" Und sie reichte Axel ein Telegramm hin. Dann sank sie weinend in einen Sessel zusammen. Hiltrud, die aus dem Nebenzimmer nachgeeilt war, umfaßte die Mutter zärtlich.
Axel Ivarsen wandte sich ab, wie um seine Rührung zu verbergen. In Wahrheit arbeitete sein Hirn in rasender Schnelligkeit, um diese Äachricht in seine Pläne einzuordnen. Das Schicksal kam ihm zu Hilfe. Kommerzienrat Bremer war der unsicherste Faktor in seinen Berechnungen gewesen. Wenn es ihm auch gelungen war, die Bekanntschaft der Bremerschen Damen zu machen, und beide durch seine geschickte und schmeichlerische Art zu gewinnen — dem Kommerzienrat gegenüber würde er vielleicht einen schweren Stand gehabt haben, denn diesem klarblickenden Manne wäre es wirklich nicht verborgen geblieben, wie die Ivarsenschen Fabriken seit dem Tode des alten Ivarsen heruntergewirtschaftet waren.
Auch über das Privatleben des Bewerbers hätte sich der alte Bremer vermutlich sehr genau erkundigt. Äurx, allerlei Schwierigkeiten hätten ihm noch im Wege gestanden.
All das war nun mit dieser Todesnachricht gelöst worden, lind so wurde es Axel fast schwer, seinem Gesicht den notwendigen Ausdruck der Teilnahme und des Kummers zu geben. Er muhte die ganze Kraft seiner Berstellungskunst aufbieten, . als er sich nun wieder den Damen zu- wandte, die sich schluchzend umschlungen hielten.
Ehrerbietig beugte er sich über die Hand der Frau Kommerzienrat.
„Gestatten Sie mir, gnädige Frau, Ihnen mein aufrichtigstes Beileid auszusprechen", sagte _ er gedämpft, „und auch Ihnen, mein gnädig^ Fräulein. Bei allem Mitfühlen des schweren Verlustes, den Sie erlitten haben, empfinde ich es als eine Gnade des Geschickes, daß ich in diesem schweren Augenblick bei Ihnen weilen darf. Der Gedanke, daß Sie diese Hiobsnachricht gcmz allein erhalten hätten, daß niemand in_ diesem Moment an Ihrer Seite gewesen, wäre für mich entsetzlich. Verfügen Sie über mich wie über einen Sohn, gnädige Frau. Ich möchte alles tun, um Ihnen abzunehmen, Was irgendmöglich ist. Haben Sie beide doch genug an dem unerwarteten Schlag zu tragen, der über Sie hereingebrochen ist."
Frau Melanie sah den vor ihr Stehenden dankbar an. „Sie sind ein guter Mensch, Herr Ivar- sen. Wir nehmen Ihre Hilfe dankbar an — nicht wahr, meine Hiltrud?''
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drückt. In der im Todeskrampfe zusammengekrallten Faust hielt der Verstorbene noch jenen unheilvollen Brief, in dem ein Unbekannter von ihm die Zahlung hoher Spielschulden forderte, die Hans Egon von Stübben gemacht hatte.
Eine halbe Stunde später flog eine Depesche mit der Todesbotschaft zu Frau Melanie Bremer, die nichtsahnend mit Hiltrud in G... weilte.
Tie Äachricht traf sie gerade, als sich die beiden Damen zu einer Dampferpartie fertigmachten und an der auch der zurückgekehrte Axel Ivarsen teilnehmen wollte. Jetzt wartete er bereits in dem kleinen Salon, der zu den Appartements der Damen Bremer gehörte. Auf dem Tische lagen zwei herrliche Sträuße, der eine aus mattgelben Aelken für Frau Melanie, der andere aus zartrosa Rosen für Hiltrud bestimmt.
Axel Ivarsen ging in dem kleinen Salon unruhig auf und ab. Er hatte die Damen Bremer seit seiner Rückkehr von seiner Geschäftsreise noch nicht gesehen. Aber es war ihm berichtet worden, daß Olaf Erikson unvermutet aufgetaucht war.
Das erfüllte ihn mit geheimer Angst.
Was konnte Erikson hier gewollt haben? So viel war Axel klar geworden, daß sich etwas zwischen Olaf und Hiltrud abgespielt haben muhte. Zu offensichtlich war damals Olafs Verlegenheit gewesen, als er ihn an den Tisch der Bremerschen Damen führen muhte. Zu betont auch Hiltruds Ablehnung. Es muhte sich während Olafs Aufenthalt als Gast auf Bremerschloh irgend etwas ereignet haben, was zu dieser Spannung zwischen ihm und den Bremerschen Damen Veranlassung gegeben. Aber, Axel wuhte das aus seinen vielfachen Erfahrungen mit Frauen, gerade solche Spannungen lösten sich oft und unerwartet in Freundschaft und Liebe. Das muhte um jeden Preis verhindert werden.
Wenn es ihm jetzt nicht gelang, durch eine reiche Verlobung sich zu rangieren, dann war die Geduld seiner zahlreichen Gläubiger für immer zu Ende. Seine kurze Reise jetzt hatte ja nichts anderem gedient, als diese Gläubiger noch einmal mit dem Hinweis auf seine bevorstehende Verlobung mit der reichen Stieftochter des Kommerzienrats Bremer zum Stillhalten zu bewegen.
Schwer genug war es gewesen. Und nun sollte ihm vielleicht dieser verhaßte Erikson in die Quere kommen?
In seine Gedanken hinein ertönte ein lauter Aufschrei von drinnen. Erschreckt lauschte er. Die Tür zum Nebenzimmer wurde aufgerissen — mit kreideweißem Gesicht erschien Frau Melanie.
Ärmel Hände Werk
Roman von Klothilde von Stegmann-Stein.
Copyright by Martin Feuchtwange'-. Halle (Saale) 14 ixorticRung Nachdruck verboten
Kommerzienrat Bremer stand in seinem Ankleidezimmer und machte sich zur Fahrt in die nahegelegene Kreisstadt bereit. Es war ein glühend heißer Tag. Der Kommerzienrat hatte von früh an ohne Unterbrechung bis zur Mittagsstunde gearbeitet, ohne sich einen Augenblick Atempause zu gönnen. Es waren ein paar Bestellungen auf Motoren eingelausen, die eine eilige Kalkulation und Beantwortung verlangt hatten, dazu die notwendigen Werkkonferenzen — nun fühlte er sich eigentümlich ermattet.
Gern hätte er sich eine halbe Stunde Ruhe gegönnt, aber es war höchste Zeit, wollte er den Zug noch erreichen. Hatte er sich doch für den Rachmittag bei dem Professor der Universität in der Stadt angemeldet, und auch bei seinem alten Iustizrat, mit dem er eine Aenderung des Testamentes zugunsten von Kurt besprechen wollte.
Franz, der Diener, hatte ihm vorsorglich alles zurechtgelegt und half seinem Herrn nun umsichtig und geschickt.
Schon stand Kommerzienrat Bremer fertig in einem leichten sommerlichen Anzuge, warf noch einen letzten Blick in den Spiegel und wollte gerade die Aktenmappe mit den für den Iustizrat notwendigen Dokumenten ergreifen, als es klopfte.
Das Hausmädchen brachte einen dringenden Eilbrief herein. Bremer warf einen Blick darauf: es war eine unbekannte Handschrift. Er öffnete — las — seine Augen bekamen einen starren Blick, quollen vor, ein gurgelnder Laut kam aus seinem Munde.
Franz, der nebenan die Schränke schloß, fuhr erschreckt herum — er sah seinen Herrn wanken. Ehe er noch entsetzt zuspringen konnte, fiel Bremer schwer, w'e von einem Axthieb gefällt, mit einem krachenden Geräusch zu Boden.
Wenige Minuten später war der Herr des Dremerwerks, von den Händen der erschütterten Hausangestellten gehoben, auf dem Diwan des Ankleidezimmers gebettet. Das unten wartende Auto jagte in die Stadt zum Arzt, ein Diener rannte hinüber zum Prokuristen im Bremerwerk.
Als der Arzt nach wenigen Minuten erschien, war schon alles zu Ende. Degener hatte seinem Herrn mit zitternden Händen die Augen zuge-
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Ueber das Vermögen der Ludwig Menges XIII. Witwe. Luise Menges geb. Lomes in Grohen-Linden, kreis Gießen, wird heute am 8. November 1932, nachmittags 3J4 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da die Gemeinfchuldnerin zahlungsunfähig ist. 7964D
Der Geschäftsführer Hermann Kirchner in Gießen. Am Nahrungsberg 16, wird zum Konkursverwalter ernannt.
Konkursforderungen sind bis zum 25. November 1932 bei dem Gerichte anzumelden.
Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten ober die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf
Freilag, den 2. Dezember 1932, vormittags 9 Uhr
vor dem unterzeichneten Gericht, Zimmer Nr. 101, Termin anberaumt.
Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen ober zu leisten, auch bie Verpflichtung auferlegt, von bem Besitze ber Sache unb von ben Forberungen, für welche sie aus der Sache abgesonberte Beftiebigung in Anspruch nehmen, bem Konkursverwalter bis zum 25. November 1932 Anzeige zu machen.
hessisches Amtsgericht zu Gießen.
Hiltrud nickte unter Tränen, unv Fran AekanEtz fuhr klagend fort: »Wir haben ja niemanden, der uns zur Seite steht. Hans Egon ist auf eina längeren Reise mit seinen Freunden, und unser Stiefsohn hat sich immer feindlich gegen mich gestellt. Auch die Angestellten vorn Bremerwerk stehen nur zu ihm und betrachten uns nur als Eindringlinge. Wir werden einen schweren Stand dort haßen."
Axel Ivarsen überlegte blitzschnell. — Jetzt war der Augenblick^da, wo er die Frauen überrumpeln mußte. Diese Stimmung der Trauer und Hilflosigkeit mußte ausgenützt werden; sie kam so günstig nicht wieder.
„Gnädige Frau", sagte er leise und mit zarter Stimme, »ich stehe unbedingt und mit allem, was in meinen Kräften steht, zu Ihrer Verfügung. Ich habe Sie vorhin gebeten, von meinen Diensten Gebrauch zu machen, als wäre ich ein Sohn von Ihnen. Gnädige Frau, verehrtes Fräulein Hiltrud, es ist vielleicht undelikat, in dieser Stunde von meinen Gefühlen und Wünschen zu sprechen. Aber wiederum läßt mich die heiße Sorge um Ihrer beiden Ergehen alle Bedenken zurückstellen. Cs wird Ihnen nicht verborgen geolieben fein, mit welchen Gefühlen ich Fräulein Hiltrud gegenüberstehe. Wenn Sie mir vergönnen würden, in diesen schweren Tagen an Ihrer Seite zu stehen, nicht wie ein Fremder, sondern wie —" Er zögerte, die Rührung schien ihn zu überwältigen. „Gnädige Frau", fuhr er dann entschlossen fort, „ich hcche die Ehre, Sie um die Hand Ihrer Tochter zu bitten, sofern Fräulein Hiltrud mich ihrer Zuneigung für würdig halt."
„Es kommt sehr überraschend. Baron Ivarsen". sagte Frau Melanie scheinbar verwundert und blickte ihre Tochter an. „Hiltrud muh entscheiden."
Hiltrud war sehr bleich geworden. Dor ihrem Geiste stand ein blonder, schöner Mann mit einem durchdringenden, klarblauen Blick — ein Schauer ging durch sie — sie muhte vergessen — und sie würde vergessen, wenn sie sich einem anderen zu eigen gegeben. Das war der Weg, jenem anderen , zu zeigen, daß man sich nichts aus feinen schulmeisterlichen Ermahnungen machte, dah man nichts mit ihm zu tun haben wollte, und dah es andere Männer gab, die sie begehrten.
„Gnädiges Fräulein", klang die werbende Stimme Ivarsens an ihr Ohr. Seine Augen ruhten mit einem Ausdruck von Verlangen und Unruhe auf ihr.
„Ich nehme Ihre Werbung an, Axel", sagte Hiltrud. Sie streckte ihm die Hand entgegen ihr Gesicht war sehr bleich.
l Fortsetzung folgt)
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