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12.11.1932 Erstes Blatt
 
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Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, (2. November 1952

Ur. 267 Zweites Blatt

des Kleinbürgertums überhaupt keinen Alkohol mehr kennengelernt hat und auch deswegen wenig Verlangen nach ihm trägt. Außerdem ist zweifellos das Argument der Prohibitionsfreunde richtig, daß in zwölf Jahren eine Maßnahme von so weittra­gender Bedeutung sich noch nicht einmal zur Hälfte ausgewirkt haben kann. Immerhin ist die Parole der Demokraten gegen die Prohibition keine bloßes Wahlmanöver auch von ernsten Kennern des Alkoholproblems ist l>äufig die Aeußerung gefal­len, daß man mit solchen Methoden nur das Ge­genteil, nämlich eine krankhafte Steigerung des Alkoholbedürfnisses, erreichen könnte.

Es wird sich also zeigen müssen, ob diele unpo­puläre ParoleGegen den Alkohol!", die längst ihre Schlagkraft eingebüßt hat, in Zukunft von den neuen Steuermännern Amerikas gestürzt werden kann oder ob sie so fest in der Verfassung oer> ankert ist, daß selbst das neue Amerika nichts gegen sie vermag. In jedem Falle werden die deutschen Brauereien und Winzer gut tun, wenn sie sich von dem Sieg derNassen" in Amerika nicht alhu viel versprechen. So schnell ist die in der Verfassung verankerte Prohibition nicht erledigt: eine Ver­fassungsbestimmung kan nur geändert werden, wenn sich eine Zweidrittelmehrheit öcr beiden Parlamente dafür ausgesprochen hat, und wenn außerdem zwei Drittel der Bundesstaaten, ebenfalls wieder nach Beschluß der Bundesparlamente mit Zweidrittel- Mehrheit, zuqestimmt haben. An diese Möglichkeit glaubt kein Mensch. Es kann also nur eine Aende- rung auf dem Wege erfolgen, daß die Ausfüh- rungsbestimmungen zu dem Amendement der Verfassung geändert werden, in dem Sinne viel­leicht, daß di e einzelnen Staaten selbst zu bestimmen haben, welches Getränk als toxicating" anzusehen ist. Vielleicht gestatten dann die hauptinteressierten Staaten wieder die Einfuhr von leichten Bieren und Weinen. Auf Vorrat brau­chen die deutschen Brauereien also noch nicht zu arbeiten. Es wird noch eine gute Weile dauern, bis die ersten Abrufe erfolgen werden. Im Übrigen tritt Roosevelt auch erst am 4. März nächsten Jahres sein Amt an. In der Zwischenzeit zwi­schen Wahl und Amtsantritt bezeichnet man drüben das Parlament als ein solchesder lahmen En­ten" weil es keine Lust verspürt, irgendwelche Be­schlüsse von größerer Bedeutung zu fassen.

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uf'chmiM, Unbehagen sind i für die Stau. Sie künden Unterleib Schäden vnbetti- r schlimme Zustände folgen, brauengurt vonidm. an raum die Erlösung. Lrmü. itn und Schmerz hören aus, nicht mehr schwer. Unser gurt beweist durch seine große un wert. Line einfachere 11,50 Mark »wohlsom, ijchgute Dienste. Unvttbmb e/ttvillA Tha>B-Saw>og SsV/r-S^^undem-

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gen Marburger Amtsbezirks zweifellos durchführ­bar und auch aus sachlichen Gründen zu vertre­ten. Diese Frage geht «aber nicht allein die Reichsfinanzverwaltung an, sondern sie ist auch von großer Bedeutung für die hessische Re­gierung, die Provinzialdirektion Oberhessen, die Kreisämter, die Gießener Stadtverwaltung und die gesamten Wirtschaftsinteressenten des Gießener Bezirks. Wenn auch bei den Behörden in Gießen bis jetzt von den aus Kassel gemeldeten

Plänen der Reichsfinanzverwaltung nichts be­kannt ist nebenbei bemerkt ist auch nicht zu er­warten, daß man von Berlin aus seine Reform­karten allzufrüh offenlegen wird, so sollte doch von allen in Betracht kommenden Behörden und Wirtschaftsstellen jetzt schon energisch und gründ­lich darauf hingewirkt werden, daß eine Reform der Reichssinanzverwaltung in Hessen und Hessen- Rassau nichts an dem Weiterbestand des Haupt­zollamtes in Gießen ändert.

Was wird aus -er Prohibition?

Keine Möglichkeit auf einen Wechsel von heute aus morgen.

Don John Decker.

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Revoi r b

Mit dem unerwartet großen Wahlsieg Roose­velts über Hoover haben nicht nur die Demokraten über die Republikaner gesiegt, sondern auch d i e Prohibitionsgegner über d ie Anhän­ger des A l k'o ho l ve r b o t s. Die kleine scherzhafte Geschichte, die man sich in Neuyork als angeblich wahr einige Tage vor der Wahl von einem Mann namens Roosevelt erzählte, der wegen Trunkenheit von einem Polizisten namens Hoover verhaftet wurde, hat somit ihren ernsten, konkreten Hintergrund bekommen. Und so hat sich von einem Tag auf den andern mit erneuter Dringlichkeit die Frage gestellt: Waswird nunausderPro- h i bi t i o n ? Wird es jetzt möglich sein, diese zwei­schneidige Angelegenheit aus der amerikanischen Verfassung auszumerzen? Ist mit demdemokrati­schen Erdrutsch", der eine Umstellung der gesamten Aemterbesetzung Amerikas mit sich brachte, die not­wendige Dreiviertelmajorität der Staaten und die Zweidrittelmajorität im Senat und im Kongreß gegeben, um dieses Gesetz für immer zu begraben?

Es ist augenblicklich trotz des Siegestaumels der Demokraten außerordentlich schwer, auf diese Frage eine befriedigende Antwort zu geben. Es ist zwar richtig, daß zum erstenmal seit Zwölf Jahren ein offizieller Anlaß auch von exponierten Persönlich­keiten ganz ungeniert mit Alkohol begossen wurde. Ebenso unbestreitbar ist, daß sich an der illegalen Alkoholbörse der Gangsters eine schwere Panik bemerkbar gemacht hat, die vielfach zum Verkauf von Alkohol zu Schleuderpreisen führte. Aber die Verfassung eines Riesenlandes ist nun einmal durch eine Wahlkampagne nicht auf den Kopf zu stellen. Denn nicht Personalfragen sind es gewe­sen, die die Prohibition zum Gesetz und zum Der- fassungsbestandteil gemacht haben, sondern eine langwierige Entwicklung über ungefähr hun­dert Jahre, eine Entwicklung, die von gewissen Faktoren gefördert und stetig unterstützt wurde, an deren Macht die Amerikaner und insbesondere die Demokraten heute ebenso wenig rütteln kön­nen wie vor Jahrzehnten.

berufsmäßig geistige Getränke ausschenkte. Diese persönliche Note der Methodisten erregte bei den anderen Konfessionen so starkes Aufsehen, daß sie nach und nach alle diese Klauseln annahmen. Auf der Plattform der Kirche also entstand bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts jene alko­holfeindliche Stimmung, ohne die es niemals zu einer gesamten Prohibition gekommen wäre.

Aus dem Boden der Kirche wuchs ihrerseits eine Strömung, die langsam zu einem ausschlaggebenden kulturellen Faktor in den Vereinigten Staaten wurde: die Frauenbewegung. Eines ihrer Hauptargumente war von jeher ihre erklärte Geg- nerscl)aft gegen berauschende Getränke, die sich vor allem in der Gründung der berühmtenAnti- Saloon-Liga"' kundtat. Wie mächtig auch heute noch die Frauenvereinigungen in Amerika sind, geht nicht nur aus der Prohibition selbst her­vor, sondern auch aus den zahllosen Skandal- affairen berühmter Leute, von denen bloß der Fall der Ehescheidung Chaplins erwähnt sei.

In dem Maße aber, in dem Kirche und grauen sich gegen den Alkohol aussprachen, wurde die Geg­nerschaft 6egen den Alkohol auch von dritter maß- geblicher/Seite gefördert, nämlich von feiten der Gr oßk-apita listen. Zn den neunziger Jahren machte der Ausspruch Edisons die Runde:Ich weiß mir etwas Besseres mit meinem Gehirn an­zufangen, als es zu vergiften." Es ist klar, daß die großen Unternehmer, die sich zugleich als Re­formatoren der Arbeiterklasse fühlten, wie vor allem Henri; Ford, mit allen zehn Fingern nach die­sem Argument griffen. Allmählich wurde die Pro­hibition für die überwiegende Mehrzahl der ameri­kanischen Arbeitgeber zur moralischen Pflicht wen wundert es allo, daß diese morali,che Pflicht später auch gesetzmäßig erhärtet wurde Auf das religiösen Motiven entspringende ^Ausfchankverbot von Branntwein an Sonn- und Feiertag n folgte das Verbot, das Soldaten und Negern untersagte, Überhaupt konzentrierten Alkohol zu sich zu neh­men Die sportlichen Instanzen der Ver­einigten Staaten taten zudem das ihre, das Alko-

ber gestrigen Neu York er Börse blieb gegeiiüber den Schwierigkeiten in der innerpolitischen Situation fast wirkungslos. Die Kulisse schritt zu kleinen Po- sitionslösungen, zumal von der Kundschaft Orders Vorlagen. .

Am Elektromarkt lagen Chade-Aktien 3 Mk. fest, was auch für die übrigen Elektrizitätspapiere kleine Kursbejserungen zur Folge hatte. Auf die weitere Aufwärtsbewegung des Kupferpreises konnten sich Otavi Minen um 0,75 Mk. erhöhen, während die Mehrzahl der Montanaktien um 0,50 bis 1 v. H. nachgaben. Leicht befestigt waren noch Kunstseide- werte, Aku gewannen 0,25 v. H., Bemberg 0,50 o. H. IG. setzten 0,50 v.H. niedriger ein, dagegen zogen Rütgerswerke um 0,25 o. H. an. Don son­stigen Werken verloren Deutsche Linoleum 1 v. H anderseits konnten sich Gebr. Junghans um 0,50 v H. erhöhen. Aus den übrigen Marktgebieten stagnierte das Geschäft vollkommen.

Am Rentenmarkt blieben Deutsche Anleihen unverändert. Reichsschuldbuchforderungen gaben nach behauptetem Beginn etwa 0,50 v. H. nach. Am Auslandsrentenmarkt zogen 4prozentige Goldmexi- kaner 0,25 v.H. an. Am Markte der festverzms- lichen Papiere lag kleines Angebot vor, so daß die Kurse durchweg leicht zurückgingen. Deutsche An­leihen blieben auch im Verlaufe gut behauptet, während Reichsschuldbuchforderungen nochmals leicht abgeschwächt waren. .

Am Aktienmarkt war die Haltung in der zweiten Börsenstunde überwiegend schwächer. IG. verloren 0,75 v. H. und die Mehrzahl der übrigen Marktgebiete etwa 0,25 bis 0,50 v. H. Chadealtien blieben relativ «ut gehalten.

Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,25 v. H. um 0,25 v.H. ermäßigt bei sehr leichter Tendenz.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus: Sonntag, 13. Rov.: Anfang 14.30 Ahr: 3m weißen Röhl; Anfang 19.30 Ahr: Don Carlos. Montag, 14.: Geschlossen. Dienstag. 15.: Die Boheme; An ang 20 Uhr. Mittwoch, 16.: Tie Walküre; Anfang 18 Uhr. Donnerstag, 17.: Tie Entführung aus dem Serail; Anfang 2J Uhr. Freitag, 18.: Don Carlos; Anfang 19.30 Uhr. Samstag, 19.: Hoffmanns Erzählungen; Anfang 20 Uhr. Sonntag, 20.: Anfang 11.30 Uhr: Ge­denkfeier für Dr. Ludwig Rottenberg; Anfang 13 Uhr: Siegfried. Montag, 21.: Margarethe; Anfang 19.30 Uhr. ,

Schauspielhaus: Sonntag. 13.: Der Raub der Sabinerinnen; Anfang 16 Uhr; Wetter ver­änderlich: Anfang 20 Uhr. Montag, 14.: Slorian Geyer; Anfang 20 Uhr. Dienstag, 15.: Die end­lose Straße; Anfang 20 Uhr. Mittwoch, 16 : Lie­belei, Anfang 16 Uhr; Florian Geyer, An ang 20 Uhr. Donnerstag, 17.: Hedda Gabler; Anfang 20 Uhr. Freitag, 18.: Tanzabend Riddy Impe­koven; Anfang 20 Uhr. Samstag, 19.: Moral; An­fang 20 Uhr. Sonntag, 20.: Iph gerne auf Tauris Anfang 16 Uhr; Die endlose Straße Anfang 20 Uhr. Montag, 21.: Faust. 1. Tsil; Anfang 19Uhi

Berlin ruhig und schwächer.

Berlin, 12. Nov. (WTB. Funkspruch.) In den Kreisen des Publikums machte sich eine gewisse Ent­täuschung über die Rückgänge zum Ende des gestri­gen Börsenverkehrs bemerkbar, so daß der stim­mungsmäßige Einfluß der festen Veranlagung Amerikas, auf den man noch im Dormittagsoer- kehr größere Hoffnungen gesetzt hatte, so ziemlich wirkungslos gemacht wurde. Auch die Unterneh­mungslust der Spekulation ließ zu wünschen übrig, so daß die Samstagbörse bei ruhigem G e - schäft kein einheitliches Bild zeigte. Im übrigen will man auch die Weiterentwicklung in der In­nenpolitik, insbesondere das Ergebnis der Be­sprechungen des Reichskanzlers mit den Führern der Landerregierungen und der Parteien, sowie die Auswirkungen des Abbaues von 140 Ministerial- beamten abwarten, ehe man sich zu Neuengagements entschließt.

Beachtung fanden Mitteilungen über Paketoer- täufe, die außerhalb der Börse vorgenommen wor­den sind, zumal man mit weiteren Umschichtungen rechnet. Dem eintägigen Generalstreik in «der Schweiz maß man keine besondere Bedeutung bei. Die Ver­änderungen gegen gestern waren vom Zufall ab­hängig und beliefen sich meist nur auf Bruchteile eines Prozentes nach oben oder unten. Ganz selten bemerkte man Abweichungen bis zu 1,50 v. H. Im Verlaufe ergaben sich^ bei kleinstem Geschäft Ab­bröckelungen bis 1 v. H.

Am Anlagemarkt war es zunächst noch fester. Deutsche Anleihen hatten kaum Veränderungen auf­zuweisen. Im Verlaufe gaben Neubesitz und Schutz­gebiete bis zu 20 Pf. nach. Reichsschuldbuchforde­rungen und Reichsbahnvorzugsaktien gingen nach behaupteter Eröffnung um 0,5 v. H. zurück Von variablen Jndustrieobligationen fetzten Hoesch 2,25 v. H. höher ein, die übrigen Werte gingen nach freundlicherer Eröffnung zurück. Dollarbonds konn­ten sich eher wieder befestigen. Pfandbriefe, Kom- munalobligationen, Landschaften usw. wurden bei Feststellung der Einheitskurse bis zu 0,5 v. H. schwächer. Von Ausländern waren Bosnier schwä­cher, Mazedonier etwas freundlicher, im übrigen ergaben sich nur sehr kleine Abweichungen nach beiden Seiten.

Am Geldmarkt war die Situation zu gestern völlig unverändert. Tagesgeld blieb mit 4,13 v. H. an der unteren Grenze und Monatsgeld mit 5 bis 7 v. H. Privatdiskonten waren weiter in geringen Posten angeboten, doch steht dem genügend Kaufneigung gegenüber. Nach Reichswechseln und Reichsschatzanweisungen zeigte sich weiter kleine Nachfrage.

Frankfurt schwächer.

Frankfurt a. M., 12. Nov. (WTB. Drahtmel­dung ) Die Wochenschlußbörse eröffnete bei f a ft vollkommener G e s ch ä f t sst i 11 e zunächst in uneinheitlicher Haltung, später überroogen_meift kleine Abschwächungen. Der feste Schluß

Hauptzollamt Gießen.

Dor einigen Tagen hat dieKasseler Post" eine Meldung über angebliche Reformen in der Reichs- finanzverwaltung in Hessen und Hessen-Nassau verbreitet. Danach soll (vgl. Gieß. Anz. Nr. 263 vom 8. Nov.) geplant sein, in Frankfurt a. M. ein neues Landesfinanzamt für Hessen und Hessen- Nassau aus den jetzigen Landesfinanzämtern Darm­stadt und Kassel zu bilden, ferner soll nach jener Kasseler Meldung die Frage geprüft werden,ob die jetzt in Marburg und Gießen bestehenden Häuptzollämter künftig nicht von einer Hand geleitet werden könnten, d. h. ob entweder das Amt in Gießen, oder das in Marburg aufgelöst werden könne". Aus dieser Darstellung des Kasse­ler Blattes muß der Schluß gezogen werden, daß unter Umständen Gefahr für den Fortbe - ftanb des H a u p t z o 11 a m t e s Gießen be- l)ie Bedeutung des Hauptzollamts Gießen für den Gießener Wirtschaftsbezirk und für ganz Ober­hessen erkennt man bei einem Einblick in den- tigteitsbereid) des Amtes. Das Arbeitsgebiet dieser Behörde umfaßt die gesamte Provinz Oberhessen mit 3288 Quadratkilometer und 328 490 Einwoh­nern in vier Städten und 430 Gemeinden. Dem Hauptzollamt Gießen sind die Zollämter Fried­berg, Lauterbach, Bad-Nauheim, Nidda und Gießen- Bahnhof, die Bezirkszollkommissare in Gießen, Friedberg, Lauterbach und Nidda, sowie die Zoll- aufsichtsstellen in Gießen, Butzbach, Friedberg, Bad-Nauheim, Vilbel, Lich, Hungen, Nidda, Bü­dingen, Lauterbach, Herbstein, Alsfeld und Grün­berg unterstellt. Beim Hauvtzollamt in Gießen werden 23 Beamte, bei den Unterstellen 35 Beamte, ferner beim Hauptzollamt ständig noch zwei An- gefteUte und zwei Arbeiter beschäftigt. Im Bezirk des Hauptzollamts Gießen befinden sich an wich­tigen Betrieben, die der Steueraufsicht unterliegen: 40 Brennereien, darunter 25 landwirtschaftliche Kartoffelbrennereien und eine gewerbliche Groß­brennerei, 7 Brauereien, 56 Zigarren- und Rauch­tabakfabriken, darunter 4 mit mehr als je 100 Ar­beitern, außerdem 26 nicht sechständige Werk­meisterbetriebe, in denen Zigarren hergestellt wer­den, mit einer jährlichen Produktion von insgesamt rund 175 Millionen Zigarren, 25 Steuerlager jur Zigarren, eine Rübenzuckerfabrik in Friedberg und vier Essigfabriken. Diese Auszählung enthält nur die wichtigsten Betriebe des Amtsbezirks. Außer­dem sind im Bezirke des Hauptzollamts Gießen noch vorhanden: <Jmei öffentliche Niederlagen für unverzollte Waren und 18 Privatläger für unver­zollte Waren, darunter ein Lager mit rund 16 000 Ballen Rohtabak. Die Einnahmen des Hauptzott- amts Gießen einschl. der Unterstellen belaufen sich jährlich auf etwa acht Millionen Mark.

Diesem ileberblid über den Tätigkeitsbereich des Gießener Zollamtes möchten wir einige Vergleichszahlen über das Hauptzollamt in Marburg gegenüberstellen. Das Mar­burger Amt bearbeitet ein Gebiet von 3754 Quadratkilometer Größe mit rund 316 000 Ein­wohnern; der Fläche nach ist also der Mar­burger Bezirk größer, jedoch' steht er hinsicht­lich der Einwohnerzahl hinter dem Gießener Hauptzollamtsbezirk zurück. Dem Marburger Amt sind 2 Zollämter (dem Gießener Amt 5), 2 Bezirkszollkommissare (Gießen 4) und 6 Zoll- aufsichtsstellen (Gießen 13) unterstellt. Also auch in. dieser Hinsicht steht das Marburger Amt hinter der Bedeutung des Gießener Amtes zurück. G.e ches ist bei der Zahl der Beamten zu Der- metkn. Das Hauptzollamt Marburg hat 11 Be­amte (Gießen 23), bei den Marburger Unter­stellen sind 17 Beamte (Gießen 35) beschäftigt. Rimmt man bei diesem Vergleich noch den Um­fang der Industrie im Gießener und im Mar­burger Bezirk hinzu, so ist festzustellen, daß auch hier der Gießener Hauptzollamtsbezirk einen sehr erheblichen Vorsprung vor dem Marburger Amtsbezirk aufweist.

Bedeutungsvoll für die Geltung des Haupt­zollamtes G.eßen ist aber noch eine Reihe weiterer beachtenswerter Merkmale, die bei der Entschei­dung der Frage:Gießen oder Marburg?" zu denken geben müssen. Gießen ist nicht nur Provinzialhauptstadt und Sitz der Landesuni­versität. sondern auch Knotenpunkt von sechs Bahnlinien und die Stätte eines Flughafens. Ferner ist Gießen als Zentrum der hessischen Zigarrenindustrie und Ausfallstor für dj^e ober­hessische Steinindustrie, die Hol^wirtschaft des Vogelsbergs, des Eisen-, Erz- und Braunkohlen­bergbaues, ansehnlicher Kalkwerke und Zement- fabrilc.i, der Ziegeleiindustrie und de. S:nto*r n- fabr kation, der Holz-, Eisen- und Metcul^err- beitungsindustrie, der Mine/aiwai.ercjuellen, der Mühlen-, Papier-, Leder-, Molkerei- und Wurst­warenindustrie usw. auch für die Reichsfinanz­verwaltung ein Platz von größter Wichtigkeit. Man braucht durchaus keinen überspitzten Lokal­patriotismus an den Tag zu legen, wenn man behauptet, daß angesichts dieser Größe der Wirt­schaftsfaktoren im G ebener Bezirk ein Vergleich mit den Marbu.ger Verhältnissen unbedingt zum Vorteil von Gießen ausfallen muß.

Die maßgebenden Stellen der Reichsfinanzver­waltung werden diese Tatsachen bei einer etwaigen Reform des Verwaltungsapparates im Sinne einer Vereinfachung und Kostenersparnis nicht übersehen dürfen. Ihre Entscheidung kann und/ muß bei der gegebenen Sachlage nur dahin gehey daß das Hauptzollamt in Gießen u ter allen Umständen z u erhalten st. Iedoch wäre eine Erweiterung des GiehHrer Hauptzollamtsbezirks in der Richtung des ss^tzi

Wenn man sich die Entstehungsge- schichte der Prohibition genau ansieht, dann kommt man zu dem Schluß, daß drei Fak- toreii bestimmend für ihre gesetzmäßige Einführung gewesen sind. Der erste Faktor, der innerhalb die­ser Hauptgründe die Schlüsselstellung einnimmt, ist die Kirche, speziell die Gemeinschaft der Methodisten. Als diese Kirche vor über hun­dert Jahren sich den entscheidenden Einfluß er­oberte, den sie seitdem in den Vereinigten Staaten besitzt, war es bereits ein ungeschriebenes Gesetz für ihre Priester, keinen Alkohol zu sich zu nehmen. In die Gemeinschaft der Methodisten konnte eben- berjenige aufgenommen werden, der nicht zig geistige Getränke ausschenkte. Diese

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holoerbot zum Gesetz zu machen. Nachdem im Jahre 1851 der Staat Maine einen verunglückten Ver­such von Teilprohibition gemacht halte, traten um die Jahrhundertwende zahlreiche Staaten mit einem Gesamtverbot an die Öffentlichkeit. Bei Kriegs­ausbruch war in über zehn Staaten Nord­amerikas, außerdem in zahlreichen Kolonien offi­ziell kein Alkohol mehr zu haben. Während des Krieges wurde der Umstand, daß ein großer Teil der eingewanderten Deutschen sich drüben mit der Herstellung von Bier abgab, erstens zum Ge­genstand einer heftigen Deutschenhetze und darüber hinaus zum Grund weiterer Propaganda für die Prohibition gemachr. Als schließlich in den zwei Jahren nach dem Krieg der Schnapskonsum so weit gestiegen war, daß statistisch zahlreiche ge­sundheitliche Schädigungen des Volkskörpers durch Alkohol festgestellt werden konnten, beschloß der amerikanische Senat im Verein mit dem Kongreß, der Verfassung den 18. Artikel anmhängen, in dem das Ausschankverbot aller berauschenden Getränke mit mehr als einem halben Prozent Alkoholgehalt ausgesprochen wurde

Zwölf Jahre also ist die Prohibition alt, die im Jahnuar 1920 zum Gesetz wurde. Die Schatten­seiten dieser Einrichtung Zunahme des Ver­brechertums, Teuerung, aber nichts Abschaffung des Alkohols, schwere wirtschaftliche -Schäden ohne er­sichtlichen soziologischen Vorteil springen seitdem auch dem naivsten Beobachter in die Augen. Es ist zwar richtig, daß eine ganze Generation, namentlich

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