Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Samstag, (2. November 1952
Ur. 267 Zweites Blatt
des Kleinbürgertums überhaupt keinen Alkohol mehr kennengelernt hat und auch deswegen wenig Verlangen nach ihm trägt. Außerdem ist zweifellos das Argument der Prohibitionsfreunde richtig, daß in zwölf Jahren eine Maßnahme von so weittragender Bedeutung sich noch nicht einmal zur Hälfte ausgewirkt haben kann. Immerhin ist die Parole der Demokraten gegen die Prohibition keine bloßes Wahlmanöver — auch von ernsten Kennern des Alkoholproblems ist l>äufig die Aeußerung gefallen, daß man mit solchen Methoden nur das Gegenteil, nämlich eine krankhafte Steigerung des Alkoholbedürfnisses, erreichen könnte.
Es wird sich also zeigen müssen, ob diele unpopuläre Parole „Gegen den Alkohol!", die längst ihre Schlagkraft eingebüßt hat, in Zukunft von den neuen Steuermännern Amerikas gestürzt werden kann — oder ob sie so fest in der Verfassung oer> ankert ist, daß selbst das neue Amerika nichts gegen sie vermag. In jedem Falle werden die deutschen Brauereien und Winzer gut tun, wenn sie sich von dem Sieg der „Nassen" in Amerika nicht alhu viel versprechen. So schnell ist die in der Verfassung verankerte Prohibition nicht erledigt: eine Verfassungsbestimmung kan nur geändert werden, wenn sich eine Zweidrittelmehrheit öcr beiden Parlamente dafür ausgesprochen hat, und wenn außerdem zwei Drittel der Bundesstaaten, ebenfalls wieder nach Beschluß der Bundesparlamente mit Zweidrittel- Mehrheit, zuqestimmt haben. An diese Möglichkeit glaubt kein Mensch. Es kann also nur eine Aende- rung auf dem Wege erfolgen, daß die Ausfüh- rungsbestimmungen zu dem Amendement der Verfassung geändert werden, in dem Sinne vielleicht, daß di e einzelnen Staaten selbst zu bestimmen haben, welches Getränk als „toxicating" anzusehen ist. Vielleicht gestatten dann die hauptinteressierten Staaten wieder die Einfuhr von leichten Bieren und Weinen. Auf Vorrat brauchen die deutschen Brauereien also noch nicht zu arbeiten. Es wird noch eine gute Weile dauern, bis die ersten Abrufe erfolgen werden. Im Übrigen tritt Roosevelt auch erst am 4. März nächsten Jahres sein Amt an. In der Zwischenzeit zwischen Wahl und Amtsantritt bezeichnet man drüben das Parlament als ein solches „der lahmen Enten" weil es keine Lust verspürt, irgendwelche Beschlüsse von größerer Bedeutung zu fassen.
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gen Marburger Amtsbezirks zweifellos durchführbar und auch aus sachlichen Gründen zu vertreten. Diese Frage geht «aber nicht allein die Reichsfinanzverwaltung an, sondern sie ist auch von großer Bedeutung für die hessische Regierung, die Provinzialdirektion Oberhessen, die Kreisämter, die Gießener Stadtverwaltung und die gesamten Wirtschaftsinteressenten des Gießener Bezirks. Wenn auch bei den Behörden in Gießen bis jetzt von den aus Kassel gemeldeten
Plänen der Reichsfinanzverwaltung nichts bekannt ist — nebenbei bemerkt ist auch nicht zu erwarten, daß man von Berlin aus seine Reformkarten allzufrüh offenlegen wird —, so sollte doch von allen in Betracht kommenden Behörden und Wirtschaftsstellen jetzt schon energisch und gründlich darauf hingewirkt werden, daß eine Reform der Reichssinanzverwaltung in Hessen und Hessen- Rassau nichts an dem Weiterbestand des Hauptzollamtes in Gießen ändert.
Was wird aus -er Prohibition?
Keine Möglichkeit auf einen Wechsel von heute aus morgen.
Don John Decker.
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Revoi r b
Mit dem unerwartet großen Wahlsieg Roosevelts über Hoover haben nicht nur die Demokraten über die Republikaner gesiegt, sondern auch d i e Prohibitionsgegner über d ie Anhänger des A l k'o ho l ve r b o t s. Die kleine scherzhafte Geschichte, die man sich in Neuyork als angeblich wahr einige Tage vor der Wahl von einem Mann namens Roosevelt erzählte, der wegen Trunkenheit von einem Polizisten namens Hoover verhaftet wurde, hat somit ihren ernsten, konkreten Hintergrund bekommen. Und so hat sich von einem Tag auf den andern mit erneuter Dringlichkeit die Frage gestellt: Waswird nunausderPro- h i bi t i o n ? Wird es jetzt möglich sein, diese zweischneidige Angelegenheit aus der amerikanischen Verfassung auszumerzen? Ist mit dem „demokratischen Erdrutsch", der eine Umstellung der gesamten Aemterbesetzung Amerikas mit sich brachte, die notwendige Dreiviertelmajorität der Staaten und die Zweidrittelmajorität im Senat und im Kongreß gegeben, um dieses Gesetz für immer zu begraben?
Es ist augenblicklich trotz des Siegestaumels der Demokraten außerordentlich schwer, auf diese Frage eine befriedigende Antwort zu geben. Es ist zwar richtig, daß zum erstenmal seit Zwölf Jahren ein offizieller Anlaß auch von exponierten Persönlichkeiten ganz ungeniert mit Alkohol begossen wurde. Ebenso unbestreitbar ist, daß sich an der illegalen Alkoholbörse der Gangsters eine schwere Panik bemerkbar gemacht hat, die vielfach zum Verkauf von Alkohol zu Schleuderpreisen führte. Aber die Verfassung eines Riesenlandes ist nun einmal durch eine Wahlkampagne nicht auf den Kopf zu stellen. Denn nicht Personalfragen sind es gewesen, die die Prohibition zum Gesetz und zum Der- fassungsbestandteil gemacht haben, sondern eine langwierige Entwicklung über ungefähr hundert Jahre, eine Entwicklung, die von gewissen Faktoren gefördert und stetig unterstützt wurde, an deren Macht die Amerikaner und insbesondere die Demokraten heute ebenso wenig rütteln können wie vor Jahrzehnten.
berufsmäßig geistige Getränke ausschenkte. Diese persönliche Note der Methodisten erregte bei den anderen Konfessionen so starkes Aufsehen, daß sie nach und nach alle diese Klauseln annahmen. Auf der Plattform der Kirche also entstand bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts jene alkoholfeindliche Stimmung, ohne die es niemals zu einer gesamten Prohibition gekommen wäre.
Aus dem Boden der Kirche wuchs ihrerseits eine Strömung, die langsam zu einem ausschlaggebenden kulturellen Faktor in den Vereinigten Staaten wurde: die Frauenbewegung. Eines ihrer Hauptargumente war von jeher ihre erklärte Geg- nerscl)aft gegen berauschende Getränke, die sich vor allem in der Gründung der berühmten „Anti- Saloon-Liga"' kundtat. Wie mächtig auch heute noch die Frauenvereinigungen in Amerika sind, geht nicht nur aus der Prohibition selbst hervor, sondern auch aus den zahllosen Skandal- affairen berühmter Leute, von denen bloß der Fall der Ehescheidung Chaplins erwähnt sei.
In dem Maße aber, in dem Kirche und grauen sich gegen den Alkohol aussprachen, wurde die Gegnerschaft 6egen den Alkohol auch von dritter maß- geblicher/Seite gefördert, nämlich von feiten der Gr oßk-apita listen. Zn den neunziger Jahren machte der Ausspruch Edisons die Runde: „Ich weiß mir etwas Besseres mit meinem Gehirn anzufangen, als es zu vergiften." Es ist klar, daß die großen Unternehmer, die sich zugleich als Reformatoren der Arbeiterklasse fühlten, wie vor allem Henri; Ford, mit allen zehn Fingern nach diesem Argument griffen. Allmählich wurde die Prohibition für die überwiegende Mehrzahl der amerikanischen Arbeitgeber zur moralischen Pflicht — wen wundert es allo, daß diese morali,che Pflicht später auch gesetzmäßig erhärtet wurde Auf das religiösen Motiven entspringende ^Ausfchankverbot von Branntwein an Sonn- und Feiertag n folgte das Verbot, das Soldaten und Negern untersagte, Überhaupt konzentrierten Alkohol zu sich zu nehmen Die sportlichen Instanzen der Vereinigten Staaten taten zudem das ihre, das Alko-
ber gestrigen Neu York er Börse blieb gegeiiüber den Schwierigkeiten in der innerpolitischen Situation fast wirkungslos. Die Kulisse schritt zu kleinen Po- sitionslösungen, zumal von der Kundschaft Orders Vorlagen. „„„ . „
Am Elektromarkt lagen Chade-Aktien 3 Mk. fest, was auch für die übrigen Elektrizitätspapiere kleine Kursbejserungen zur Folge hatte. Auf die weitere Aufwärtsbewegung des Kupferpreises konnten sich Otavi Minen um 0,75 Mk. erhöhen, während die Mehrzahl der Montanaktien um 0,50 bis 1 v. H. nachgaben. Leicht befestigt waren noch Kunstseide- werte, Aku gewannen 0,25 v. H., Bemberg 0,50 o. H. IG. setzten 0,50 v.H. niedriger ein, dagegen zogen Rütgerswerke um 0,25 o. H. an. Don sonstigen Werken verloren Deutsche Linoleum 1 v. H„ anderseits konnten sich Gebr. Junghans um 0,50 v H. erhöhen. Aus den übrigen Marktgebieten stagnierte das Geschäft vollkommen.
Am Rentenmarkt blieben Deutsche Anleihen unverändert. Reichsschuldbuchforderungen gaben nach behauptetem Beginn etwa 0,50 v. H. nach. Am Auslandsrentenmarkt zogen 4prozentige Goldmexi- kaner 0,25 v.H. an. Am Markte der festverzms- lichen Papiere lag kleines Angebot vor, so daß die Kurse durchweg leicht zurückgingen. Deutsche Anleihen blieben auch im Verlaufe gut behauptet, während Reichsschuldbuchforderungen nochmals leicht abgeschwächt waren. .
Am Aktienmarkt war die Haltung in der zweiten Börsenstunde überwiegend schwächer. IG. verloren 0,75 v. H. und die Mehrzahl der übrigen Marktgebiete etwa 0,25 bis 0,50 v. H. Chadealtien blieben relativ «ut gehalten.
Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,25 v. H. um 0,25 v.H. ermäßigt bei sehr leichter Tendenz.
Spielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus: Sonntag, 13. Rov.: Anfang 14.30 Ahr: 3m weißen Röhl; Anfang 19.30 Ahr: Don Carlos. Montag, 14.: Geschlossen. Dienstag. 15.: Die Boheme; An ang 20 Uhr. Mittwoch, 16.: Tie Walküre; Anfang 18 Uhr. Donnerstag, 17.: Tie Entführung aus dem Serail; Anfang 2J Uhr. Freitag, 18.: Don Carlos; Anfang 19.30 Uhr. Samstag, 19.: Hoffmanns Erzählungen; Anfang 20 Uhr. Sonntag, 20.: Anfang 11.30 Uhr: Gedenkfeier für Dr. Ludwig Rottenberg; Anfang 13 Uhr: Siegfried. Montag, 21.: Margarethe; Anfang 19.30 Uhr. ,
Schauspielhaus: Sonntag. 13.: Der Raub der Sabinerinnen; Anfang 16 Uhr; Wetter veränderlich: Anfang 20 Uhr. Montag, 14.: Slorian Geyer; Anfang 20 Uhr. Dienstag, 15.: Die endlose Straße; Anfang 20 Uhr. Mittwoch, 16 : Liebelei, Anfang 16 Uhr; Florian Geyer, An ang 20 Uhr. Donnerstag, 17.: Hedda Gabler; Anfang 20 Uhr. Freitag, 18.: Tanzabend Riddy Impekoven; Anfang 20 Uhr. Samstag, 19.: Moral; Anfang 20 Uhr. Sonntag, 20.: Iph gerne auf Tauris Anfang 16 Uhr; Die endlose Straße Anfang 20 Uhr. Montag, 21.: Faust. 1. Tsil; Anfang 19Uhi
Berlin ruhig und schwächer.
Berlin, 12. Nov. (WTB. Funkspruch.) In den Kreisen des Publikums machte sich eine gewisse Enttäuschung über die Rückgänge zum Ende des gestrigen Börsenverkehrs bemerkbar, so daß der stimmungsmäßige Einfluß der festen Veranlagung Amerikas, auf den man noch im Dormittagsoer- kehr größere Hoffnungen gesetzt hatte, so ziemlich wirkungslos gemacht wurde. Auch die Unternehmungslust der Spekulation ließ zu wünschen übrig, so daß die Samstagbörse bei ruhigem G e - schäft kein einheitliches Bild zeigte. Im übrigen will man auch die Weiterentwicklung in der Innenpolitik, insbesondere das Ergebnis der Besprechungen des Reichskanzlers mit den Führern der Landerregierungen und der Parteien, sowie die Auswirkungen des Abbaues von 140 Ministerial- beamten abwarten, ehe man sich zu Neuengagements entschließt.
Beachtung fanden Mitteilungen über Paketoer- täufe, die außerhalb der Börse vorgenommen worden sind, zumal man mit weiteren Umschichtungen rechnet. Dem eintägigen Generalstreik in «der Schweiz maß man keine besondere Bedeutung bei. Die Veränderungen gegen gestern waren vom Zufall abhängig und beliefen sich meist nur auf Bruchteile eines Prozentes nach oben oder unten. Ganz selten bemerkte man Abweichungen bis zu 1,50 v. H. Im Verlaufe ergaben sich^ bei kleinstem Geschäft Abbröckelungen bis 1 v. H.
Am Anlagemarkt war es zunächst noch fester. Deutsche Anleihen hatten kaum Veränderungen aufzuweisen. Im Verlaufe gaben Neubesitz und Schutzgebiete bis zu 20 Pf. nach. Reichsschuldbuchforderungen und Reichsbahnvorzugsaktien gingen nach behaupteter Eröffnung um 0,5 v. H. zurück Von variablen Jndustrieobligationen fetzten Hoesch 2,25 v. H. höher ein, die übrigen Werte gingen nach freundlicherer Eröffnung zurück. Dollarbonds konnten sich eher wieder befestigen. Pfandbriefe, Kom- munalobligationen, Landschaften usw. wurden bei Feststellung der Einheitskurse bis zu 0,5 v. H. schwächer. Von Ausländern waren Bosnier schwächer, Mazedonier etwas freundlicher, im übrigen ergaben sich nur sehr kleine Abweichungen nach beiden Seiten.
Am Geldmarkt war die Situation zu gestern völlig unverändert. Tagesgeld blieb mit 4,13 v. H. an der unteren Grenze und Monatsgeld mit 5 bis 7 v. H. Privatdiskonten waren weiter in geringen Posten angeboten, doch steht dem genügend Kaufneigung gegenüber. Nach Reichswechseln und Reichsschatzanweisungen zeigte sich weiter kleine Nachfrage.
Frankfurt schwächer.
Frankfurt a. M., 12. Nov. (WTB. Drahtmeldung ) Die Wochenschlußbörse eröffnete bei f a ft vollkommener G e s ch ä f t sst i 11 e zunächst in uneinheitlicher Haltung, später überroogen_meift kleine Abschwächungen. Der feste Schluß
Hauptzollamt Gießen.
Dor einigen Tagen hat die „Kasseler Post" eine Meldung über angebliche Reformen in der Reichs- finanzverwaltung in Hessen und Hessen-Nassau verbreitet. Danach soll (vgl. Gieß. Anz. Nr. 263 vom 8. Nov.) geplant sein, in Frankfurt a. M. ein neues Landesfinanzamt für Hessen und Hessen- Nassau aus den jetzigen Landesfinanzämtern Darmstadt und Kassel zu bilden, ferner soll nach jener Kasseler Meldung die Frage geprüft werden, „ob die jetzt in Marburg und Gießen bestehenden Häuptzollämter künftig nicht von einer Hand geleitet werden könnten, d. h. ob entweder das Amt in Gießen, oder das in Marburg aufgelöst werden könne". Aus dieser Darstellung des Kasseler Blattes muß der Schluß gezogen werden, daß unter Umständen Gefahr für den Fortbe - ftanb des H a u p t z o 11 a m t e s Gießen be- l)ie Bedeutung des Hauptzollamts Gießen für den Gießener Wirtschaftsbezirk und für ganz Oberhessen erkennt man bei einem Einblick in den Tä- tigteitsbereid) des Amtes. Das Arbeitsgebiet dieser Behörde umfaßt die gesamte Provinz Oberhessen mit 3288 Quadratkilometer und 328 490 Einwohnern in vier Städten und 430 Gemeinden. Dem Hauptzollamt Gießen sind die Zollämter Friedberg, Lauterbach, Bad-Nauheim, Nidda und Gießen- Bahnhof, die Bezirkszollkommissare in Gießen, Friedberg, Lauterbach und Nidda, sowie die Zoll- aufsichtsstellen in Gießen, Butzbach, Friedberg, Bad-Nauheim, Vilbel, Lich, Hungen, Nidda, Büdingen, Lauterbach, Herbstein, Alsfeld und Grünberg unterstellt. Beim Hauvtzollamt in Gießen werden 23 Beamte, bei den Unterstellen 35 Beamte, ferner beim Hauptzollamt ständig noch zwei An- gefteUte und zwei Arbeiter beschäftigt. Im Bezirk des Hauptzollamts Gießen befinden sich an wichtigen Betrieben, die der Steueraufsicht unterliegen: 40 Brennereien, darunter 25 landwirtschaftliche Kartoffelbrennereien und eine gewerbliche Großbrennerei, 7 Brauereien, 56 Zigarren- und Rauchtabakfabriken, darunter 4 mit mehr als je 100 Arbeitern, außerdem 26 nicht sechständige Werkmeisterbetriebe, in denen Zigarren hergestellt werden, mit einer jährlichen Produktion von insgesamt rund 175 Millionen Zigarren, 25 Steuerlager jur Zigarren, eine Rübenzuckerfabrik in Friedberg und vier Essigfabriken. Diese Auszählung enthält nur die wichtigsten Betriebe des Amtsbezirks. Außerdem sind im Bezirke des Hauptzollamts Gießen noch vorhanden: <Jmei öffentliche Niederlagen für unverzollte Waren und 18 Privatläger für unverzollte Waren, darunter ein Lager mit rund 16 000 Ballen Rohtabak. Die Einnahmen des Hauptzott- amts Gießen einschl. der Unterstellen belaufen sich jährlich auf etwa acht Millionen Mark.
Diesem ileberblid über den Tätigkeitsbereich des Gießener Zollamtes möchten wir einige Vergleichszahlen über das Hauptzollamt in Marburg gegenüberstellen. Das Marburger Amt bearbeitet ein Gebiet von 3754 Quadratkilometer Größe mit rund 316 000 Einwohnern; der Fläche nach ist also der Marburger Bezirk größer, jedoch' steht er hinsichtlich der Einwohnerzahl hinter dem Gießener Hauptzollamtsbezirk zurück. Dem Marburger Amt sind 2 Zollämter (dem Gießener Amt 5), 2 Bezirkszollkommissare (Gießen 4) und 6 Zoll- aufsichtsstellen (Gießen 13) unterstellt. Also auch in. dieser Hinsicht steht das Marburger Amt hinter der Bedeutung des Gießener Amtes zurück. G.e ches ist bei der Zahl der Beamten zu Der- metkn. Das Hauptzollamt Marburg hat 11 Beamte (Gießen 23), bei den Marburger Unterstellen sind 17 Beamte (Gießen 35) beschäftigt. Rimmt man bei diesem Vergleich noch den Umfang der Industrie im Gießener und im Marburger Bezirk hinzu, so ist festzustellen, daß auch hier der Gießener Hauptzollamtsbezirk einen sehr erheblichen Vorsprung vor dem Marburger Amtsbezirk aufweist.
Bedeutungsvoll für die Geltung des Hauptzollamtes G.eßen ist aber noch eine Reihe weiterer beachtenswerter Merkmale, die bei der Entscheidung der Frage: „Gießen oder Marburg?" zu denken geben müssen. Gießen ist nicht nur Provinzialhauptstadt und Sitz der Landesuniversität. sondern auch Knotenpunkt von sechs Bahnlinien und die Stätte eines Flughafens. Ferner ist Gießen als Zentrum der hessischen Zigarrenindustrie und Ausfallstor für dj^e oberhessische Steinindustrie, die Hol^wirtschaft des Vogelsbergs, des Eisen-, Erz- und Braunkohlenbergbaues, ansehnlicher Kalkwerke und Zement- fabrilc.i, der Ziegeleiindustrie und de. S:nto*r n- fabr kation, der Holz-, Eisen- und Metcul^err- beitungsindustrie, der Mine/aiwai.ercjuellen, der Mühlen-, Papier-, Leder-, Molkerei- und Wurstwarenindustrie usw. auch für die Reichsfinanzverwaltung ein Platz von größter Wichtigkeit. Man braucht durchaus keinen überspitzten Lokalpatriotismus an den Tag zu legen, wenn man behauptet, daß angesichts dieser Größe der Wirtschaftsfaktoren im G ebener Bezirk ein Vergleich mit den Marbu.ger Verhältnissen unbedingt zum Vorteil von Gießen ausfallen muß.
Die maßgebenden Stellen der Reichsfinanzverwaltung werden diese Tatsachen bei einer etwaigen Reform des Verwaltungsapparates im Sinne einer Vereinfachung und Kostenersparnis nicht übersehen dürfen. Ihre Entscheidung kann und/ muß bei der gegebenen Sachlage nur dahin gehey daß das Hauptzollamt in Gießen u ter allen Umständen z u erhalten st. Iedoch wäre eine Erweiterung des GiehHrer Hauptzollamtsbezirks in der Richtung des ss^tzi
Wenn man sich die Entstehungsge- schichte der Prohibition genau ansieht, dann kommt man zu dem Schluß, daß drei Fak- toreii bestimmend für ihre gesetzmäßige Einführung gewesen sind. Der erste Faktor, der innerhalb dieser Hauptgründe die Schlüsselstellung einnimmt, ist die Kirche, speziell die Gemeinschaft der Methodisten. Als diese Kirche vor über hundert Jahren sich den entscheidenden Einfluß eroberte, den sie seitdem in den Vereinigten Staaten besitzt, war es bereits ein ungeschriebenes Gesetz für ihre Priester, keinen Alkohol zu sich zu nehmen. In die Gemeinschaft der Methodisten konnte eben- berjenige aufgenommen werden, der nicht zig geistige Getränke ausschenkte. Diese
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holoerbot zum Gesetz zu machen. Nachdem im Jahre 1851 der Staat Maine einen verunglückten Versuch von Teilprohibition gemacht halte, traten um die Jahrhundertwende zahlreiche Staaten mit einem Gesamtverbot an die Öffentlichkeit. Bei Kriegsausbruch war in über zehn Staaten Nordamerikas, außerdem in zahlreichen Kolonien offiziell kein Alkohol mehr zu haben. Während des Krieges wurde der Umstand, daß ein großer Teil der eingewanderten Deutschen sich drüben mit der Herstellung von Bier abgab, erstens zum Gegenstand einer heftigen Deutschenhetze und darüber hinaus zum Grund weiterer Propaganda für die Prohibition gemachr. Als schließlich in den zwei Jahren nach dem Krieg der Schnapskonsum so weit gestiegen war, daß statistisch zahlreiche gesundheitliche Schädigungen des Volkskörpers durch Alkohol festgestellt werden konnten, beschloß der amerikanische Senat im Verein mit dem Kongreß, der Verfassung den 18. Artikel anmhängen, in dem das Ausschankverbot aller berauschenden Getränke mit mehr als einem halben Prozent Alkoholgehalt ausgesprochen wurde
Zwölf Jahre also ist die Prohibition alt, die im Jahnuar 1920 zum Gesetz wurde. Die Schattenseiten dieser Einrichtung — Zunahme des Verbrechertums, Teuerung, aber nichts Abschaffung des Alkohols, schwere wirtschaftliche -Schäden ohne ersichtlichen soziologischen Vorteil — springen seitdem auch dem naivsten Beobachter in die Augen. Es ist zwar richtig, daß eine ganze Generation, namentlich
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