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Lichtspielhaus Gießen

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des mit großer Spannung erwarteten Tonfilms

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24. Fortsetzung.

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Sein oder Nichtsein

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Der Geist des neuen Staates Kulturpolitik

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1. Donnerstag, den 14. April, 8.16 Uhr ab en de

Wirtschaftskrise und Sozialismus Innenpol.

Er starrte sie groß an. Sie empfand beinahe Angst vor ihm.Ich muß jetzt heim!" sagte sie unsicher.Laß es dir gut gehen, Dieter! Du kannst ruhig auf Recklinhausen bleiben. Ich werde die nächsten Monate sehr wenig hier sein. Und bis ich dann wiederkomme--"

Du willst dich verloben?" bemerkte er heiser.

Möglich!"

Mit Doktor Wander?"

Vielleicht!"

Seine Gestalt wuchs drohend vor ihr auf. Und mich glaubst du so leichten Kaufes loszu- kriegen?" zitterte seine Stimme.Du täuscht dich, Suse! Ich habe dich gewarnt. Erinnere dich an meine Antwort, als du mich fragtest, was sein würde, wenn du mir eines Tages den Abschied geben wolltest. Der Fluß ist noch immer da!" Er hatte sie am Arm gefaßt und drängte sie dem Ufer zu.Ich gehe nicht allein, habe ich dir da­mals geschworen! Dieser Schwur hat auch noch heute Geltung! Begreifst du?"

Ja!" sagte sie trotzig.Aber du hast kein Recht mehr, dich als meinen Richter aufzuspielen. Ich trage keinerlei Schuld, daß es so gekommen ist. Nur du allein bist dafür verantwortlich."

Seine Hände gaben sie langsam frei. Er deckte sie für Sekunden über die schmerzenden Augen und darm über den verzerrten Mund, daß das Stöhnen, welches iljm in der Kehle saß, nicht über die Lippen kam.Ich habe dich wie mein Heiligstes verehrt--und du mißgönnst einem

Kinde das Leben!"

Ich mißgönne es ihm nicht", sprach sie ruhig. Jedenfalls ist es das beste, wenn du es zu dir nimmst. Es muß ja nicht gerade hier sein. Das ist deine Pflicht, über die du nicht hinaus kannst, noch dazu, nachdem auch seine Mutter tot ist."

Er suchte einen Augenblick Ordnung in das Chaos seiner Gedanken zu bringen und raffte sich wieder zu einer Frage auf.Wer hat dir von allem gesprochen?"

Sie wurde etwas verlegen und zuckte nur die Schulter.Das ist ja schließlich Nebensache. Ich habe es eben erfahren. Bon wem, das ist doch gleichgültig. Da du es nicht leugnest, hat wohl alles seine Richtigkeit."

3. Donnerstag, den 21. April, 8.15 Uhr abends

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Vorträge zur politischen Lage von Professor Horaetter im

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Die Möglichkeit einer längeren Abwesenheit von Recklinhausen, mit der Suse gerechnet hatte, war ihr vereitelt worden. Die Mutter wurde im Zeiträume von vierundzwanzig Stunden von einer schweren ^.Grippe befallen und lag fiebernd zu Bett. Gradnitz kam jeden Abend mit dem Wagen von Groß-Steinach herüber und konnte sich in der Sorge um die geliebte Frau nicht genug tun.

Suse, die noch nie einen Kranken gepflegt hatte, fürchtete sich vor den Nächten, in denen sie mit der Fiebernden allein war. Man hatte erst an eine Krankenschwester gedacht, ober Suse hatte entschieden abgelehnt. Margret kam, und es war das erstemal, daß die Jüngste eine gewisse Hoch­achtung vor dem Wissen und Können derAelteren empfand.

Die Frage, wie es Doktor Wander gehe, lag ihr auf der Zunge. Aber sie wagte die Aeltere nicht zu bitten, ihr Auskunft zu geben. Einmal nur war dessen Name erwähnt worden, da hatte die junge Aerztin ein so undifinierbares Lächeln um den Mund gehabt, daß Suse sich gründlich darüber geärgert hatte. Wenn Lenore kam, würde sie schon etwas über ihn erfahren.

Ihre Tage waren jetzt reichlich ausgefüllt. Was sonst die Mutter erledigt hatte, verblieb ihr zu tun. Bald gab es über dieses, bald über jenes Anordnungen zu treffen und einen Entschluß zu fassen. Nie war es Malnow selbst, der zu fragen kam. Immer suchte er eine Mittelsperson, die ihm ihre Antwort überbringen mußte.

Um so mehr erschrak sie, als es eines Abends an das Arbeitszimmer der Mutter klopfte und Dieter Malnow im Türrahmen erschien. Sie hob sich aus dem Stuhl und ging ihm zwei Schritte entgegen.

Ist etwas passiert, Dieter?"

Nichts", sagte er ruhig.Ich bin nur gekom­men, um meine Entlassung zu erbitten."

Du bist krank?" Es war ihr unmöglich, zu ver­hüten, daß ihre Stimme zitterte. Sie hatte ihn seit zwei Wochen nicht mehr gesehen, nun stand er vor ihr wie ein Schwindsüchtiger. Die Backen­knochen sprangen vor, duntte Ränder zogen sich unter den Augen hin.Warum willst du denn ich" Sie war außerstande, fertig zu sprechen. Mit fahrigen Händen zeigte sie nach dem Stuhl, der neben ihrem Schreibtisch stand.

Er sah es gar nicht und hielt die Finger um die Krempe seines Hutes gelegt.Ich wollte Sie

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nur bitten, Fräulein von Recklinhausen, mein St» suchen Ihrer Frau Mutter zu unterbreiten. Och selbst--

Dieter!" unterbrach sie ihn verzweifelt.Dir sind doch ganz in Frieden auseinandergegangen!"

Gewiß, gnädiges Fräulein! Ganz in Frieden, Sie haben seinerzeit an meine Ehre appelliert daß ich aus dem, was einmal zwischen uns wor keinen Vorteil zu schlagen suche. Sie sehen, das, ich Ihren Wunsch bis ins Kleinste respektiere, Wann darf ich hoffen, den Bescheid Ihrer Frau Mutter übermittelt zu bekommen?"

Tie Mama wird sich fürchterlich aufregen!" sagte sie vorwurfsvoll.Warum willst du nich, bleiben?" Sie biß sich auf die Lippen und war ratlos, weil sie dasDu" nicht vermeiden konnte. Sobald die Mutter gesund ist, reise ich weg. Dann bin ich dir aus den Augen."

Das ist durchaus nicht nötig, gnädiges Frau, lein. Es ist auf der ganzen Welt üblich, daß -a wo sich Differenzen ergeben, immer der Kriech, zu weichen hat, niemals der Herr!"

Dieter, ich wußte nicht, daß du so maßlos grausam sein könntest." Das Weinen war jh, nahe, und gleichzeitig ergriff sie ein ungeheurer Zorn gegen ihn, der ihr alles ruhige Heberlegen nahm.Du darfst nicht glauben", nun hatte |U wieder dasDu" gebraucht,daß solch ein Posten wie du ihn hier innegehabt hast, einem jeden Tag auf dem Tablett dghergebracht wird." Mein Gott, wie ich mich ausdrücke, dachte sie entsetzt. Lenore würde sich schämen, wenn sie es hörte.

Da drang seine Stimme schon wieder in hei- serem Versagen zu ihr herüber:.Es wäre zuvi?! an Güte verschwendet, wenn Sie sich um meine Zukunft sorgen wollten, gnädiges Fräulein. wird wohl immer wieder jemand geben, der einem Arbeitswilligen Unterschlupf gewährt. Wen,; nicht Gott, schließlich ist das Leben noch lange nicht das Kostbarste, das man zu bet- lieren hat."

Dieter!" Der letzte Rest von Fassung drohte sie zu verlassen.Tu bist nur deshalb gefommen, mich zu quälen", weinte sie.Dann geh' eben, wenn du glaubst, daß es anderswo besser ist. Du wirst schon sehen, an wieviele Türen du klopfen mußt, bis dir wieder eine Verwalterstelle angeboten wird."

Ich bin auch hier nur Knecht gewesen!" ent­gegnete er ruhig.Und ich hoffe, gnädiges Fräu­lein, daß ich wenigstens das Zeugnis ausgestell, bekomme, daß ich meine Pflicht getan und da- Menschenmöglichste geleistet habe.

(Fortsetzung folgt.)

So schlecht bin ich noch nicht!" erwiderte er tonlos,daß ich das Wesen verleugne, in welchem das gleiche Blut fließt, wie in mir selbst!"

Jetzt war es beinahe Mitleid, das sie für ihn empfand. Es war so, wie Lenore sagte, er war doch ein guter Mensch.Sei mir nicht böse, Dieter!" bat sie in einem Anfluge von Weichheit und aus dem Rest übergroßer Liebe heraus, den sie noch immer für ihn fühlte.

Er hielt beide Hände vor das Gesicht gedrückt. Trotzdem vernahm sie sein krampfhaft verhal­tenes Schluchzen, das ihr an allen Nerven riß.

Dieter!" stammelte sie und legte die Hand auf seinen Arm. Als seine Finger herabglitten, waren sie nah von Tränen.

Für eine Sekunde lehnte sie den Kopf gegen seine Schulter und bot ihm die blühenden Lippen. Er schob sie von sich und wandte sich wortlos ob.

Verletzt kniff sie den Mund zusammen und ging mit raschen Schritten den Hang hinauf, dem Hause zu. Als sie zurücksah, stand er noch immer an der gleichen Stelle, das Gesicht dem Wasser zugekehrt. Auf ein so friedliches Auseinander­gehen hatte sie nicht zu hoffen gewagt. Nun war alles ohne besondere Szenen vorübergegangen. Daß er nicht einen Augenblick ju leugnen versucht hatte, buchte sie nur zu seinen Gunsten.

Ein anderer würde sich wahrscheinlich bis zur Hartnäckigkeit verteidigt haben. Er hatte ohne weiteres bekannt, daß er bereute, was gewesen war. Tos war eigentlich schön und mannhaft von ihm und bewahrte ihm ein freundliches Erinnern bei ihr.

Noch einmal wandte sie den Kopf zurück, er­schrak, als sie ihn nicht mehr erblickte und atmete auf, als sie ihn auf einem Weidenstumpf sitzen sah. Er hatte die Arme zwischen den Knien hängen und den Kopf über das Wasser geneigt. Ich werde Wander nie so über alles lieben können, wie ihn, dachte sie, von einem Gefühl der Verzweiflung erfaßt.

Eine leise Stimme mahnte sie, zurückzulaufen, den Kopf an seine Knie zu schmiegen und ihn zu trösten:Es ist wieder alles gut, mein DieterI Ich komme ja doch nicht weg von dir. Ich will, wenn es sein muß, auch das Kind um mich dulden, weil es doch das deine ist. Und ich will versuchen, es zu lieben, wie ich dich liebe!"

Sie hielt bereits im Gehen inne. Da sah sie Doktor Wander mit Lenore vom Garten nach den Wiesen herabkommen.

Tie Minute reuevoller Selbsteinkehr war vor­über. Mit fliegendem Haar und hastig atmenden Lungen stand sie gleich darauf vor den beiden und ging mit ihnen nach dem Gute zurück.

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