An die Leitung der Organisation uiib der Propaganda der nationalsozialistischen Bewegung! Parteigenossen uiib Führer! Der Sieg des 10. April ver- pflichtet mich, allen denen zu danken, die i n d e r Organisation der P r o p a g a n d a u n d der Presse durch ihre Arbeit die Voraussetzun- qcn schufen. Das Vertrauen von 13,5 Millionen Deutscher zu unserer Bewegung ist nicht nur der höchste Lohn für die geleistete Arbeit, sondern auch
die schwersteVerpflichtung für dicZu- k u n f t. Die nationalsozialistische Bewegung kann keine Ruhe kennen, ehe nicht das Ziel der nationalen Befreiung Deutschlands verwirklicht ist. Millionen deutscher Äcistes- und Handarbeiter, Millionen deutscher Bauern erwarten die Fort- s e h u n g unseres Kampfes. Die Arbeit beginnt morgen am 11. April zu dem nächsten schweren Kampf, gez. Adolf Hitler.
Auslandsecho der Präsidentenwahl
Die englische presse zur Wiederwahl Hindenburgs
London, 11. April. (WTB. Funkspruch.) Die Wiederwahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten mit einer absoluten Mehrheit wird von der eng- Uschen Presse mit Genugtuung begrüßt, oie wird als ein Sieg des gesunden Mensch e n v e r st a n d e s und als ein Beweis der politischen Reife der Mehrheit des deutschen Volkes be- ,zeichnet. Die Zunahme der nationalsozialistischen Stimmeii war erwartet worden. Dagegen hat der Rückgang der kommunistischen Stimmen einige Ueberraschung hervorgerufen. „Times" sagt: die deutsche Nation hält zu ihrem alten Chef, der in guten und bösen Tagen fest zu Deutschland gestanden hat. „Morning Post" führt aus, man dürfe Deutschland beglückwünschen zu einem Ergebnis, das ihm selbst zur Ehre gereiche und zugleich eine Erleichterung für Europa bedeutet. „Daily Telegraph" schreibt: Mit der Wiederwahl Hindenburgs ist eine hochwichtige Position für Vernunft und Umsicht ge
rettet worden. „Financial Times" sagt: Europa wird aufatmcn. Man darf erwarten, daß eine vernünftige Regierung fortfahren wird, eine schwierige Lage mit ruhigen Methoden zu behandeln.
französische preffestimmen zum Wahlergebnis.
Paris. 11. April. (WTB. Funkspruch.) Zur Wiederwahl Hindenburgs schreibt „Petit Pari s i e n“ : Die Anhänger der Ordnung und der Vernunft haben über die Elemente der Abenteurerpolitik gesiegt. Der gestrige Tag trägt eine doppelte Lehre: Aufrechterhaltung des Prestiges Hindenburg bei den Deutschen, die vernünftig sind und den Ausgleich wünschen, zum anderen den wachsenden Einfluß Hitlers auf eine gärende und neuerungssüchtige Äugend. — „Journal" hebt als größte Aeber- raschung des zweiten Wahlganges den Fortschritt der Hitlerbewegung hervor. — „Petit Äournal" und „Echo de Paris" erklären, das gestrige Wahlergebnis zeige die Stärke der nationalsozialistischen Bewegung.
Oie RGOAp. in Hessen. Nationalsozialistische Erwiderung auf die Veröffentlichung der Hessischen Regierung.
Darmstadt, 9. April. Unter der Ucberschrift „Der amtliche Kampf gegen die NSDAP. — Das hessische Innenministerium irrt sich. — Viel Lärm um nichts." bringt die Gauleitung Hessen der NSDAP, eine umfangreiche Erwiderung auf die Veröffentlichung der hessischen Regierung über die Organisation der nationalsozialistischen SA. und SS. und deren Zusammenziehung am 13. März. Einleitend wird erklärt, daß alle Einzelheiten der Veröffentlichung nach keiner Richtung hin dem tatsächlichen Sachverhalt entsprechen. Es sei Tatsache, daß die SA. der praktischen Massenpropa- o a n d a der Bewegung diene und die SS. besondere Aufgaben innerhalb dieser Propaganda zu erledigen habe. SA. und SS. seien also keine selbständigen Gliederungen. Da Adolf Hitler als deutscher republikanischer Staatsbeamter den Eid auf die Verfassung geleistet habe, und die SA. und SS. ausschließlich Adolf Hi t l e r u n t e r ste l l t seien, sehe man sich danach — so folgert die nationalsozialistische Erwiderung — „vor die ebenso peinliche wie bezeichnende Situation gestellt, daß eine republikanische Länderreaierung einen führenden Beamten einer anderen Länderregierung, indem sie seinen Leaalitätseid anzweifle, auf das gröbste beleidige". — Auf den Hinweis in der amtlichen hessischen Veröffentlichung, daß namhafte frühere Kommuni st en leitende S A.- F ü h r e r seien, erklärt die nationalsozialistische Erwiderung, daß „die NSDAP, als die Partei der Volksgemeinschaft von sämtlichen parlamentarischen und außerparlamentarischen Parteien die b e st e n Kräfteherausgezogen habe". Wenn darüber hinaus im Gau Hessen der NSDAP, eine verhältnismäßig recht hohe Anzahl von Kommunisten zu ihr übergetreten sei, dann sei das lediglich ein Beweis für die überaus starke Werbekraft, die vom Nationalsozialismus ausgehe. — Die angebliche straff-militärische Organisation der SA. und SS. sei gar nicht vorhanden. Dagegen könnten die Nationalsozialisten aktenmäßiges Beweismaterial über illegale Bestrebungen der „Eisernen Front" vorlegen. — Die Konzentration der SA. beim ersten Wahlgana sei vom Reichsinnenminister genehmigt gewesen. Außerdem hätte auch die „Eiserne Front" ihre Mitglieder — zum weitaus größten Teil schwer bewaffnet — aus der ganzen Provinz in und um Darmstadt zusammengezogen. — Zu der Feststellung der amtlichen Veröffentlichung über die Waffenkäufe von SA.- und SS.- L e u t e n wird in der Erwiderung erneut betont, daß die Partei den gesetzlichen Weg verfolge und jedeIllegalitätentschie- den ablehne. Sie sei bisher in allen Fällen rück- sichtslos gegen diejenigen eingeschritten, die gegen die diesbezüglichen Anordnungen verstoßen haben. Die nationalsozialistische Erwiderung schließt: „Es handelt sich bei der amtlichen Verlautbarung „ganz offentsichtlich um die Zusammenstellung einiger etwas verdrehter Tatsachen und um einige Kombinationen, die in dieser Form selbstverständlich haltlos seien."
Eine Entgegnung
-er Hessischen Regierung.
Darmstadt, 10. April.' (WSN.) Amtlich wird mitgeteilt: Von der Gauleitung der NSDAP, wird zu der Verlautbarung des hessischen Innenministeriums über die nationalsozialistischen Sturmabteilungen und Schutzstaffeln (SA. und SS.) in Hessen und deren Tätigkeit eine Erklärung veröffentlicht, die in allen wesentlichen Punkten eine Bestätigung der amtlichen Feststel- l u n g bildet. Es wird zugegeben:
1. die militärischeOrganisationsform der SA- und der SS.-Formationen, weil diese die „praktischste und einfachste" sei:
2. die Durchsetzung der.SA.° und SS.-Forma- tionen mit notorischen früheren Kommunisten. Das sei sogar in einer „verhältnismäßig recht hohen Anzahl" der Fall;
3. die Zusammenziehung der SA.» und SS.-Formationen an bestimmten Plätzen des Londes beim ersten Wahlgang der Reichspräsidenten, wähl.
Auch die Tatsache der umfangreichen Waffen- kaufe durch Angehörige der SA., und SS.-Fot» mationen konnte nicht bestritten werden. Es wird lediglich darauf Bezug genommen, daß nach den Grundsätzen der Partei die Mitglieder keine Waffen tragen dürfen und gesagt: Die Partei verurteilt ebenso scharf wie die Behörden den ungesetzlichen Waffenkauf, und sie sei bisher in allen Fällen rücksichtslos gegen diejenigen eingeschritten, die gegen die diesbezüglichen Anordnungen verstoßen hätten. Hierzu wird festgestellt, daß die in der amtlichen Verlautbarung des Innenministers vom 8. April genannten Personen (einschließlich der anderen nicht namentlich Beteiligten) sämtlich nach wie vor Mitglieder der Partei und als Führer und Unterführer in den SA.- und SS. .Formationen tätig sind. In keinem einzigen Fall ist von der Parteileitung gegen sie eingeschritten worden.
Die übrigen amtlichen Feststellungen werden mit der Behauptung bestritten, daß es sich dabei um Unterstellungen handele, die auf „Aeußerungen von Lockspitzeln" zurückgingen. Eine solche Unterstellung sei es auch, wenn — ohne Namen zu nennen — amtlich darauf hingewiesen würde, daß Führer, die in höheren Stellen der SA., und SS.-Formationen eingesetzt sind, wegen ehrenrühriger Delikte vorbestraft seien. Vorbehaltlich weiterer Mitteilungen wird vorerst nur festgestellt, daß der Führer der SS.-Standarte Nr. 33, der gleichzeitig der Führer der SS.-Standarte Nr. 2 ist — also der ober ft e SS. -Führer der NSDAP, in Hessen, wegen Begünstigung bei einem Betrugsfall mit 6 Wochen Gefängnis vorbestraft ist.
Dec preußische Landtag für morgen einberufen.
Oer Regierungsblock versucht die Geschäftsordnung zu ändern.
Berlin, 10. April. (VDZ.) Der Preußische Landtag ist telegraphisch zu einer Plenarsitzung für Dienstag, 12.April, einberufen worden. Auf der Tagesordnung stehen nur zwei Gegenstände, und zwar die Aenderung des § 20 der (9 e- fchäftsordnung über die Wahl des 211 i - nisterpräsidenten und der kommunistische Antrag, der sich gegen angebliche TBa hlbeein trächtig u n g der SPD. wendet. Die Plenartagung wird voraussichtlich nur einen Tag dauern.
Der Antrag zur Wahl des 2Ninisterpräsidenten geht von den Regierungsparteien aus. Danach soll in der Geschäftsordnung des Preußischen Landtags im § 20 im zweiten Absatz der zweite Sah gestrichen werden. § 20 der Geschäftsordnung besagt in seiner geltenden Fassung, daß der Landtag mit verdeckten Stimmzetteln den M i - nisterpräsidenten wählt. 3m zweiten Absatz heißt es dann, daß gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhält. Ergibt sich keine solche Mehrheit, so kommen die beiden Anwärter mit den Höch st en Stimmenzahlen in die engere Wahl. Dieser letztere Sah soll durch den Antrag der Regierungsparteien gestrichen werden. Die bisherige Fassung des § 20 hat zur Folge, daß in der Stichwahl ein Ministerpräsident
auch ohne die absolute Landtagsmehrheit gewählt werden könnte. Für die Streichung genügt eine einfache Mehrheit, da es sich nicht um eine Aenderung der Verfassung, sondern nur der Geschäftsordnung handelt.
Nichts kennzeichnet die Torschlußpanik der derzeitigen Regierungsparteien in Preußen schärfer und besser als der Versuch, durch eine Aenderung der Geschäftsordnung dem Lande Preußen wenigstens Herrn Braun als Ministerpräsidenten zu erhalten. Der derzeitige Regie- rungsblocf, der sich schon darauf eingerichtet hat, am 24. Avril vernichtend geschlagen zu werden, rechnet so: Zentrum, Sozialdemokratie und die Staatspartei werden höchstens 16 0 bis 17 0 Sitze im neuen Landtag erhalten. Wenn die Wahlbeteiligung ungefähr so hoch ist wie bei der Wahl des Reichspräsidenten, so wird der neue Landtag rund 460 Mitglieder zählen. Der derzeitige Regierungsblock wird also verdientermaßen eine einflußlose Minderheit, was er dadurch zu verhindern sucht, daß er mit Hilfe der Kommunisten wenigstens die Regierung der Rechten unmöglich machen will. Die Sache hat nur den kleinen Haken, daß auch ein Ministerpräsident der Minderheit unbedingt eine Mehrheit gebraucht, um verfassungsmäßig regieren zu können. Nicht nur für die Verabschiedung des Haushalts, für alle Gesetzvorlagen ist eine Mehrheit erforderlich, die der derzeitige Regierungs
block allein nicht aufbringen fann. Selbst wenn also der Handstreich auf die preußische Verfassung gelingen würde, dem Landtag und dem Lande einen Ministerpräsidenten aufzuzwingen, der nicht die Mehrheit des Volkes und der Abgeordneten hinter sich hat, so würde diese Verfassungsänderung bestimmt nur vankurzer Dauer sein. Eine Verfassungsänderung liegt zweifellos vor, auch wenn eine einfache Aenderung der Geschäftsordnung als Umweg gewählt wird. Es hätte dem, derzeitigen Regicrungsblock besser angcftanden, in Schönheit zu sterben, denn in einer parlamentarischen Demokratie muß die Regierungsmehrheit von heute jederzeit bereit seien, morgen in die Opposition zu gehen. Der Sieg Hindenburgs bei der Reichspräsidentenwahl ist keine Vertrauenskiindgebung für die derzeitige preußische Regierung, die sich barauf verlassen kann, daß sie am 24. April eine Absage erhält, die ihrer Regierung und ihrer Taten würdig ist.
„Mit gemischten Gefühlen."
Die „Germania" bedauert die Taktik der Weimarer Koalition.
Berlin, 10.'April. (Tel.-Anion.) Das Berliner Zentruinsorgan, die „Germania" schreibt zu der Einberufung des Pteußi- schen Landtags zwecks Abänderung der Geschäftsordnung über die Wahl des Ministerpräsidenten u. a.: Wir haben schon vor einigen Tagen unsere Skepsis über die politische Zweckmäßigkeit dieses Verfahrens zum Ausdruck gebracht und können sie heute nur noch verstärkt wiederholen. So unanfechtbar nach der sachlichen Seite die beabsichtigte Korrektur der Geschäftsordnung ist, so unklug und bedenklich ist es andererseits, das allzulange Versäumte in lehterStundevor derAeu- wahl des Landtages noch nachholen zu wollen. Aicht nur ist das Risiko einer peinlichen Riederlage mit schädlichen Wirkungen für den Ausgang der Wahlen sehr groß, auch der Vorgang an sich ist in dieser Stunde und unter diesen Umständen sehr wenig erfreulich. Die politische Klugheit des deutschen Volkes, die im Wachsen begriffen ist, und sich von dem Radikalismus zunehmend obwendet, scheint uns eine bessere Garan - tie für eine vernünftige Staatsführung in Preußen zu sein, als jener kleine taktische Schachzug, dem überdies der neue Landtag unter Umständen in der gleichen Form wieder» begegnen kann. Man wird deshalb der kommenden Sitzung des Landtages mit sehrgemischten Gefühlen und mit der Befürchtung entgegensehen, daß sie zu unerquicklich enEt- g e b n i s s e n führen kann.
Hugenbergs Antwort an Oingeldey.
Berlin, 9. April. ($11.) Der deutschnationale Parteiführer hat das folgende Telegramm an den volksparteilichen Parteiführer D i n g e l d e y als Antwort auf seinen offenen Brief gesandt:
..Wegen Wohlreise habe ich den WortlauH Ihres offenen Briefes erst gestern erhalten. Wenn Ähr Gegenvorschlag auf eine Verhandlung zwischen Ähnen und mir hinausgelaufen wäre, so hätte ich mich gegen Wochenende dafür freimachen können. Aber Sie schreiben von einer Verhandlung mit einem bestimmten Kreise verschiedener Splitterparteien. Dazu liegt offenbar zeitlich und technisch während der alle Kräfte in Anspruch nehmenden Wahlbewegung und angesichts der Listentermine keinerlei Möglichkeit mehr vor. Außerdem würdigen Sic in Ährem Briefe die p o l i * tische Grundlage nicht, auf der mein Vorschlag beruht. Sein Zweck war nicht, schlechthin mittelparteiliche, d. h. meist dem schwarz-roten System zugute gekommene Reststimmen vor dem Verlorengehen zu retten, sondern die entsprechend dem Willen der Wähler für den klaren Kampf gegen den jetzigen Kurs in Preußen und im Reiche zu sichern. Än diesem Sinne gibt Ähr Vorschlag keinerlei Garantie. Ob übrigens nicht entgegen Ährer Auffassung die Verwertung der Reststimmen an dem Mangel an Wohlkreismandaten scheitern wird, muß nunmehr die Wahl selbst ergeben."
Die der Antwort Hugenbergs bemerkt der Pressedienst der Deutschen Volkspartei:
„Wenn Herr Hugenberg in dem Vorschlag der Deutschen Volkspartei eine Garantie für die politische Zielsetzung vermißt, so übersieht er, daß Abg. Dingeldey ganz klar und deutlich den Kampf gegen das bisherige System der P arteiwirtschaft in Preußen zur politischen Voraussetzung der Verhandlungen machen wollte. Rur solche Parteien, die dieses Ziel anerkennen, würden für ein Zusammenwirken in Betracht gekommen fein. Der volksparteiliche Vorschlag hat darüber hinaus die Erwartung ausgesprochen, daß auch im Reich eine solche politische Entwicklung zu Erfolgen im Kampfe gegen Sozialismus und Radikalismus führen werde. Der Offene Brief Dingeldeys war ein letzter Versuch, die Sammlung des nationalen Bürgertums noch vor den Wahlen durch ein bestimmtes Ziel und auf dem Bo den der Gleichberechtigung aller Partner zu ermöglichen. Es kann jetzt nicht darauf ankommen, ob die eine oder andere Partei einen Vorteil zu erwarten hat, sondern auf die Bereitschaft zum Zusammenwirken aller bürgerlichen Gruppen. Diese ist in der Deutschen Volkspartei uneingeschränkt vorhanden, während Herr Geheimrat Hugenberg noch immer gewohnt ist, die Dinge in der Beleuchtung der Partei- t a k t i k zu sehen. Zweifellos ist festzustellen, daß nach dem ersten Ergebnis der Präsidentenwahl und nach dem Bruch der Harzburger Front ein gewisser Amfchwung auch bei Herrn Geheimrat Hugenberg zu verzeichnen ist. Diese Wandlung ist aber zu spät erfolgt, um für diese Landtagswahlen bereits zu einem Wahlbündnis ohne Preisgabe der politischen Grundanschauungen der beteiligten Parteien fruchtbar gemacht zu werden."
Ser Molvcmnschlag auf den Mchsbaukpräsideufeu Sr. Luther. Das Attentat zweier Währungsfanatiker. — Dr. Luther nur leicht verletzt. Oie Attentäter verhaftet.
Berlin, 9.April. (Wolff.) Auf den Reichs- banfptäfibenfen Dr. Luther, bet sich am Samstagabenb mit bem fahrplanmäßigen Zug nach Bafel begeben wollte, würbe um 20.52 Uhr auf bemPotsbamerBahnhof, Bahnsteig B, von
einem angeblich 34jährigen Werner Kertscher ein Schuh abgegeben, ber burch ben Rock ging unb ben Arm ff reifte. Dr. Luther trat feine Fahrt trotz bes Anschlags an. Der Attentäter sowie eine zweite Person, ein angeblicher Dr. Rosen aus Hamburg, würben fe ff genommen.
Rach den Bekundungen des diensttuenden Bahnbeamten hat der Vorfall, der sich in wenigen Sekunden abspiclte, folgenden Verlaus genommen: Genau um 20.52 Ahr, also acht Minuten vor Abgang des fahrplanmäßigen Zuges nach Bafel, um 21 Ahr, wurden die zahlreichen Personen auf dem Bahnsteig durch einen Schuß erschreckt. Äm selben Augenblick trat ein älterer Herr, Dr. Rosen, an den diensttuenden Dahnbeamten heran und teilte ihm mit, daß ein von ihm bezeichneter Mann soeben einen Schuh auf den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther abgegeben habe. Der dienst tuende Beamte alarmierte sofort die Polizeiwache auf dem Bahnhof, die die beiden Personen nach dem Stationsbureau brachte. Hier verlangte Dr. Rosen ein Blatt Papier, auf dem er zur allgemeinen Aeber- raschung niederschrieb, daß er selb st an dem Anschlag beteiligt sei, und daß er seine Aburteilung vor einem besonderen Gerichtshof verlange. Äm übrigen verweigerten sowohl Dr. Rosen als auch der Täter selbst jede weitere Angabe. Ähre Personalien wurden aus den vorgefundenen Papieren festgestellt, unter denen sich auch eine Einladung zu einer Sitzung des nationalsozialistischen Äuristenbundes, Abteilung, Volkswirte, befindet.
Dr. Luther hatte bereits seinen Mantel aus-
gezogen und im Schlafwagen abgelegt. Er war noch einmal aus dem Wagen gekommen, um sich von seinen Bekannten zu verabschieden. Als er vor dem Schlafwagen auf» und abging, feuerte der Täter aus nächster Rähe einen Schuß ab, der den Aermel seines grau melierten Reiseanzuges in Höhe der rechten Schulter durchbohrte. Die Kugel ist dann auf die Seitenwand des Schlafwagens aufgeprallt und ist dann wahrscheinlich in den Schotter zwischen die Gleise gefallen. Die Waffe ist eine 6,35-Millimeter- Schmeißer-Pistole, in deren Laus sich noch zwei scharfe Patronen befanden. Dr. Luther konnte über das Attentat selbst nur wenig sagen. Die Personen, die das Attentat verübt haben, sind dem Reichsbankpräsidenten von Ansehen ganz unbekannt. Einen der Täter hat Dr. Luther s e l b st s e st g e h a l t e n. Wie der Reichsbankpräsident erklärte, trat der Attentäter, der den Schuh abgegeben hat, auf ihn zu mit den englischen Worten: l suppose ... (Äch vermute ...). Die Wunde ist ein ungefährlicher, vier Zentimeter langer Streifschuß unterhalb des Oberarms. Die Wunde wurde von dem Dr. Luther begleitenden Major verbunden. Der Reichsbankpräsident hat die Reise fortgesetzt.
Wer sind die Tater?
Fanatische Währnngsiheoretiker. — Keine polrtischen Motive.
Berlin, 9. April. (WTB.) Bereits die ersten Vernehmungen bet beiben Täter, bie ben Anschlag auf Dr. Luther verübten, ergab, baß biesem Anschlag keinerlei politische Motive zu- grunbe liegen. Die beiben sinb vielmehr f a wa- tischeAnhängerbersog. Freigelb-u nV^ Freiwirtschaftslehre unb haben mit ihrer Tat lediglich gegen bie Währungspolitik bes Reichs- bankpräsibenten bemonstrieren wollen. Politische Grünbe geben sie vor, nicht gehabt zu haben.
Die beiben Täter Dr. Max Rosen unb Werner Kertscher hatten im Oktober v. 3. eine Klage gegen ben Reichsbankpräsibenten Dr. Luther unb bas gesamte Direktorium ber Reichsbank wegen Wechselreiterei, ber Anstiftung zum Betrüge, wegen Banknotenbetrugs unb wegen Hochverrats, wegen verschleierter Buchführung, wegen Schäbigung des beutschen Volksvermögens ufro. eingereicht. Dieses Strafverfahren ist aber von bet Staatsanwaltschaft bes Landgerichts I Berlin eingestellt worben. Allem Anschein nach haben bie beiben Kläger, um ihrem Unwillen Ausbruck zu geben, unb bie Aufmerksamkeit ber Oeftentlichkeit auf sich zu lenken, bie Tat begangen.
Dr. Max Rosen ist 1873 in Buenos Aires geboren, von wo er seit 1930 nach Conbon abgemelbel war. Soweit bisher festgestellt werben konnte, hatte Dr. Rosen keinen bauernben Wohnsitz gehabt. Er betätigte sich als Rechtskonsulent unb Volkswirtschaftler unb gilt in seinen Be-


