Ausgabe 
10.10.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

gen Unterhaltung mit den Vertretern der deutsch- nationalen Reichstagsfraktion erklärt habe. Die Regierung werde alles zur Minderung der Arbeitslosigkeit tun und nach Mög­lichkeit die Unterstützungssätze un kommenden Winter erhöhen.

Lieber 200000 Mann im Freiwilligen Arbeitsdienst.

Halle, 9. Oft. (CAD.) Reichsorbeitsminister Schaeffer besichtigte am Samstag in Be­gleitung des Reichskommissars für den Freiwilli­gen Arbeitsdienst, Präsidenten Syrup, die sozialen Einrichtungen und die Maßnahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes des Stahlhelms in und bei Halle. 3m Anschluß daran führte der Reichsarbeitsminister in einer Ansprache aus, die Reichsregierung sei sich selbstverständuch llor darüber, daß der Freiwillige Arbeitsdienst, Rötstandsarbeiten und Kreditmaßnahmen nur PalliaHümittel seien. Die Hauptsache bleibe die Anregung des Unternehmergei st es. Es möge sein, daß die eine oder andere der ver­schiedenen, von der Regierung in diesem Sinne getroffenen Maßnahmen nicht den erhofften Er­folg habe: aber im ganzen lasse sich doch er­kennen, daß das Programm sehr erfolg­reich fei. Jedenfalls sei der saisonmäßrge Ruck- gang nach der Septemberstatistik unterblieben, vielmehr sei im Gegenteil eine kleine Belebung festzustellen. Er habe das Vertrauen zur deut­schen Wirtschaft, daß sie nicht versage und nicht Präsident Syrup machte Ausführungen über den Stand des Freiwilligen Ar­beitsdienstes, seine Kosten und Probleme. Der Gedanke des Freiwilligen Arbeitsdienstes, erklärte er u. a., hat sich durchgesetzt. Vor einem Jahr waren es 300 Arbeitswillige in Deutsch­land. im Juli diese- IahreS 40 000, und heute ist die Fahl 200 000 überschritten. Dies dürfte die Iahresdurchschnittszahl für den Frer- wllligen Arbeitsdienst bleiben. Die Beschäftigung dieser Zahl bedeutet einen Aufwand von 120 Millionen aus Reichsmitteln. Damit ist aber der Freiwillige Arbeitsdienst erst zu drei Fünfteln finanziert. Die zwei Fünftel Restkosten, 80 Mil­lionen, sind von den Trägern der Arbeiten auf­zubringen. Ein Arbeitsdienstwilliger kostet also im Jahre rund 1000 Mk. Ein Jahrgang Jugend- licher im Alter von 18 bis 25 Jahren umfaßt nach Abzug von 5 bis 10 Prozent Untauglicher etwa 500 000 Mann: seine Beschäftigung im Frei­willigen Arbeitsdienst würde einen jährlichen Aufwand von 500 Millionen bedeuten. Augen­blicklich sind an Arbeiten in Ausführung: an Bodenverbesserungen und Wasserregulierung 1250 Maßnahmen, an Verkehrsverbesserungen. beson­ders Verbesserung landwirtschaftlicher Verkehrs- und Forstwege 1050 Arbeiten, Wald- und Forst- arbeiten über 500, Siedlungen etwa 300.

DieMlelparteiemmWahlkamps

Berlin, 8. Ott. (VDZ. Funkspruch.) Nachdem die Bemühungen, die bürgerlichen Mittelparteien für den kommenden Reichsta^roahlkampf auf einer gemeinsamen Liste zu vereinigen, schon vor längerer Zeit gescheitert sind, da die Deutsche Volks- p art ei ihr Wahlbündnis mit den T) e u t-f d) na­tionalen erneuert und der Chriftlich-So- ziale Volksdienst erklärt hat, daß er auch diesmal selbständig und ohne jede Bindung vorgehen will, können jetzt auch die Versuche, die recht­lichen Mittelparteien auf eine gemeinsame Grundlage zu bringen, als gescheitert angesehen werden. Trotzdem werden diese Parteien aber auf eine Beteiligung an den Wahlen nicht verzichten, sondern mehr oder weniger s e l b st ä n d i g in den Wahlkampf gehen. Die W i r t s ch a f t s p a r t e i hat ihr Wahlbündnis mit der B a y e r i s ch e n Volks­partei erneuert, so daß wie bei der letzten Reichs- tagswahl ihre Stimmen auf der Reichsliste der Bayerischen Volkspartei erneuert werden. Die end­gültigen Beschlüsse der Landoolkpartei über ihr Vorgehen bei der Reichstagwahl werden in einer Parteiausschußsitzung fallen, die am Sonntag in

Gießener Gtadttheater.

August Hinrichs: Freie Bahn dem Tüchtigen".

Das ist die mit freundlicher Ironie und gefälliger Hand auf die Bühne gebrachte Geschichte von einem Mann, der sozusagen trotzdem das große Los ae- roinni. Trotzdem, das heißt: obgleich er von sich aus in seiner Ahnungslosigkeit geflissentlich alles tut, um den Gewinn zu hintertreiben.

Ein Studienrat ist das, aus der alten und noch älteren Schule, vom ältesten Schrot und Korn, ein Pädagoge mit eisernen Grundsätzen, eiserner Pedan- terie und eiserner Weltfremdbeit. Womit zugleich Gelegenheit geboten war, die Fabel des dreiaktigen Lustspiels um das immer wieder beliebte und eigent­lich unerschöpfliche Thema vom Gegensatz der Gene­rationen zu bereichern.

Dieser Mann aus einer schönen Zeit lange vor dem Stiege sitzt mit Frau und Kindern in einem kleinen Nest' und bewirbt sich um den Direktorvosten in einer größeren Stadt. Er hat seine Verdienste, aber er würde ihn nie bekommen, denn er Der traut dabei auf seine Persönlichkeit, seine Tüch­tigkeit und seine Zeugnisse.

*

Das langt natürlich nicht, wenn man kein Glück hat und vor allem auf Beziehungen und Protek­tion aus Prinzip zu verzichten wünscht. Er muß, um ans Ziel zu kommen, mit sanfter Gewalt dahin geschoben werden, wohin er soll. Der Witz dabei ist erstens, daß er sich dagegen wehrt; zwei­tens, daß er gar nicht merkt was mit ihm geschieht: und drittens, daß er jede Gelegenheit, die ihm so­zusagen auf dem Tablett serviert wird, mtt be­wundernswerter Treffsicherheit verpaßt.

Da, ist zum Glück ein einflußreicher Jugendfreund Der Frau des unseligen Kandidaten: der nimmt sich ber ^vache an. Ein Wunder, daß er es schafft, denn der otubienrat der sich gröblich mißverstanden glaubt, vermasselt jede sorgfältig eingcfädelte, per- (onlldjc Beziehung mit der Gründlichkeit, die ihm auch sonst eigen ist.

*

der neugebackene Direktor zum «chluh diesem Iugendfteund im Vollgefühl des eigenen Wertes auf die Schulter, um ihm zu demon- trieren, daß es ja Gott sei Dank auch so gegangen sei. Der lächelt nur und hält sich schadlos, denn er

Publizist Mussolini.

Don unserem römische.» L.-Korrespondent.

Rom, September 1932.

Zum Journalisten geboren, hat Mussolini seine Berufung niemals verleugnet, weder vorher noch nachher. Das heißt, er schrieb,schon für die Oeffent- ljchkeit bevor er einen Beruf daraus machte, und er blieb sich treu, als er ihn mit einem andern, dem des Staatsmannes und Führers, vertauscht zu ha­ben glaubte. Es ist einem echten Publizisten eben nicht möglich, wider seine Bestimmung zu handeln.

Als der Anführer der Schwarzhemden den Weg zum Kapitol zurückgelegt hatte und zum Führer einer Nation wurde, glaubte er die innere stimme zum Schweigen bringen zu sollen, nur in vertrauten Stunden sprach er von seiner nostalgia,. feinem Heimweh nach der kämpferischen Feder, im Um­gang mit Journalisten nannte er sie nur und behau- beite sie als Kollegen, und wenn es gar zu uner­träglich wurde, das selbstauferlegteetummjein, dann sündigte er heimlich: schrieb pi'eubongme Ar­tikel, gab seine Zunge irgendeinem Minister, ließ etwas drucken, was man nur alshalboftizws ober höchstens anscheinend von Mussolini selber infpi- riert" bezeichnen durfte, wenn auch keinerlei Zwei­fel über die Vaterschaft bestehen konnte, denn die Geisteskinder Mussolinis sind unverkennttich, sie gleichen einander wie Zwillinge und gleichen alle dem Duce. Als er das selber merkte, fing er fachte, sachte an, sich wieder in die geliebte Presse hinein­zuschmuggeln mit offenem Visier, die amerikanischen Zeitungen schrieben unter einen Artikel: Don Benito Mussolini, und allmählich wurde aus der Sensation eine Selbstverständlichkeit die Zeitung hat ihn wieder.

Damit ist ein neues Element in die internationale Politik, die amtliche, die offiziöse, die mit Manschet­ten und deutenden Zeigefingern ausgeputzte, hinein­getragen worden, mögen die zünftigen Diplomaten auch die Hände ringen über ein so traditionswidri­ges Verhalten einesverantwortlichen Staatsman­nes". Es wäre schöner gewesen, wenn Bismarck keinen Harden gebraucht ober benützt hätte, man kann nur hoffen, daß sich die neue Sitte gegen die Stickluft der Kabinette und die öde Scholastik der Konferenzredner behauptet. Allerdings muß man

eben ein Mussolini fein, hieb- und stichfest als Journalist, Zeitungsartikel von Staalslenkern zwei­ter Garnitur interessieren weniger. Dor allem muß man nicht Allerweltsjournalist, sondern Publizist sein, wie denn die italienische Bezeichnung pubbli- cista viel treffender ist als das unmöglicheTages­schreiber". Ein Publizist schreibt nicht wie irgendein Lokalredakteur für den Tag, er schreibt für die Zeit, denn er vermag sie zu gestalten, indem er Zeu­ge schichte macht. Der Artikel eines Duce kann in das Dölkerschicksal rascher und kräftiger eingreifen als ein langwieriger Notenaustausch zwischen Re­gierungen. Es kommt auf diese Weise ein männ­licher, ein persönlicher Zug in das internationale (Betriebe, das den großen Masten immer undurch­sichtiger, immer verworrener und verdächtiger er­scheinen muß. Es ist etwas anderes, wenn man weiß: Sv denkt der Führer der italienischen Groß­macht, als wenn es heißt: Aus dem (Kommunique der Regierung wird man vielleicht schließen können, daß--

Als Staatsleiter ist der Duce der beste Garant seines Leitartiklers Mussolini, man hat nich^ zu be­fürchten, daß sein Verleger nicht mit ihm einver- standen sein könnte. Damit bekommen diese neu­artigen Zeitungsartikel ein ungeahntes Gewicht und das Ansehen der Presse wird abermals gehoben, die siebente Großmacht, wie man früher zu sagen pflegte, stellt die als übermächtig angesehene Ge­heimdiplomatie in den Schatten. Was vermag die jorgfältigft gesponnene Intrige gegen das blanke Schwert eines solchen Artikels? Ein Siegfried hat es tief ins Gekröse des diplomatischen Lindwurms gebohrt, der sich unverwundbar glaubte.

Deutschland ist im Recht." Mussolini schreibt es so hin in einem Zeitungsartikel. Und aufheulend bricht das Reptil, besten giftiger Atem seit vierzehn Jahren Europa verheerte, zusammen. In Genf mor­gen sie nun noch nachstammeln, was sie wollen, es ist umsonst, es nützt keine Drohung und kein Ein­schüchterungsversuch mehr, ein Zeitungsartikel, die blanke Waffe des großen Publizisten, hat das Wun­der geschafft.

Berlin stattfindet. Die Staats pari ei, die ihre Hoffnungen auf eine Listenverbindung mit den Sozialdemo traten, die bei den letzten Wahlen angeboten worden war, gesetzt hatten, sind durch die Absage der Sozialdemokra­ten stark enttäuscht worden. Sie werden jetzt den Wahlkampf wahrscheinlich ebenfalls wieder allein bestreiten müssen.

Zinanzministerkonferenz in Berlin?

Schwerin, 8. Ott. (TU.) Der Mecklenburg - schwerinische Ministerpräsident G r a n z o w hat sich mit einem Schreiben an die Finanz- Minister der Länder gewandt, in dem es heißt, die Aussprache des vom Reichsfinanz­minister einberufenen Sparausschusses habe zu keinerlei nennenswerten Ergebnissen geführt. Da die Haushalt- und Kassenlage aller Länder drin­gend alsbaldige Sparmaßnahmen erfordern, vom Reich aber einstweilen ein Entgegenkommen nicht zu erwarten sei. schlage er vor,"Daß die Fi­nanzminister der Länder zu einer Be­sprechung zusammentreten, die am 15. Oktober in Berlin stattfinden soll.

Aus öfter Welt.

Einen Amlsgerichtsrat erschossen.

Der 71jährige Landwirt Wölke aus Treppendorf bei Lübben in der Mark erschoß dieser Tage Den Amtsgerichtsrat Tilk in dessen Amts­zimmer. Wölke hat mit dem Erschossenen ro e gen Rückgängigmachung der Zwangs- versteigerung seiner Wirtschaft die im Januar erfolgen sollte, verhandelt. Im Saufe dieser Verhandlungen zog er einen Revolver und

hat sich bei der Gelegenheit mit der Tochter des Hauses verlobt, worüber denn wiederum der Papa in seiner Ahnungslosigkeit sich schrecklich wundern muß.

Das begibt sich alles mit einer harmlosen Ge­läufigkeit und Nettigkeit, mit einer lustfpielmäßiaen Ironie, die nie bis an die Grenze ernsthafter Problematik und sogenannter blutiger Satire her- anreicht, so daß die drei Akte locker und unbeschwert genug bleiben, um ihren Zweck einer freundlichen Abend- ober Sonntagnachmittagsunterhaltung treff- lich zu erfüllen.

Es wurde sehr hübsch gespielt. Unter Herrn Hey- fers sauberer, von lebhaftem Tempo getragener Regie kam eine flüssige und abgerundete Aufsüh- rung zustande, bei der alle Mitwirkenden sichtlich mit Lust und Liebe und viel Vergnügen bei der Sache waren. Bühnenbildner Löffler hatte das Stück mit gefälligen Innendekorationen ausgestattet.

*

Im Mittelpunkt stand Karl D o l ck als Studien- rat Dr. Bröker: er hat sich in diesen verschollenen Typ versenkt und machte den ewig vor Aerger und Gereiztheit kollernden, aus einer Empörung und Aufregung in die andere stürzenden Pädagogen, der völlig ahnungslos und fremd in der ihn umgeben- den Welt steht, mit viel Humor.

Man versteht gar nicht, wie dieser Mann zu einer so netten Frau kommt: Adele heißt sie und wunde von Maria Koch mit gleichbleibender, heite­rer Ruhe und freundlich-weiblicher Ueberlegenheit gegeben.

Fräulein Liesel '.geling, eine neuer Name rm alten Ensemble, stellte sich in der Rolle der jungen Ursula Bröker vor und darf mit diesem Debüt, Das einen recht vorteilhaften Eindruck hinterließ, wdhl zufrieden sein. Sie gab eine moderne junge Dame, Die ihren Eltern reichlich gewachsen ist. schlck, selbst- sicher, energisch unD geschäftstüchtig.

*

Die junge Generation war außerdem durch zwei Primaner vertreten. Rainer (Eggemann als Axel Butenkamp, ein schlaksiger blonder Junge und HansguckindieLuft mit Hamburger Dialekt, himmel­stürmenden Projekten und erster Liebe; ferner Herr Hamel: ein von Problemen minder beschwerter, munterer und frecher Taugenichts, dessen Ehrgeiz un? ^°Lente fich wehr auf sportlichem Gebiet aus­toben. Beide sehr nett.

schoß Dem Amtsgerichtsrat eine Kugel in Den Kopf, Die ihn sofort tötete. Der Täter floh, konnte aber in einem Lokal ba ID gefaxt merben. Er gehört Der Kommuni st ischen Partei an und war längere Zeit in seiner Anstaü zur Un­tersuchung seines GeisteszustanDes interniert.

Ein Landjäger niedergeschossen.

In einer der letzten Nächte wurde der Oberland jäger Ti em a n n in Jsselhorn bei Bielefeld davon verständigt, daß in einer Wirtschaft in Holtkampen ein Einbruch erfolgt sei. Der Oberlandjäger machte sich sofort auf Den Weg nach Holtkampen und traf unterwegs Drei Radfahrer, Die ohne Licht fuhren. Als er sie zu stellen versuchte, gaben sie mehrere Schüsse auf ihn ab. Er rief um Hilfe, und nun kehrte einer Der Täter zurück unD schoß nochmals auf ihn. Mit Drei Schüssen, einem Bauchschuß und zwei Oberschenkelschüssen wurde der Beamte auf- gefunden und ins Krankenhaus eingeliefert.

Mord an einem Kaufmann.

3n Lvewen (Kreis Drieg) drangen dieser Tage zwei Wanner in die Kolonialwarengroß­handlung des Kaufmanns Adolf Ludwig ein, während zwei andere Männer auf der Straße Schmiere standen. Einer der Männer gab auf den Kaufmann Ludwig, der den Einbrechern ent­gegentrat, mehrere Schüsse ab, die den Ladenbesitzer tödlich verletzten. Die Täter konnten in der Dunkelheit unerkannt entkommen. Zusammenstoß im Kanal. Norwegisches Motor­schiff gesunken.

Der DampferQlfric Star", der nach Buenos Aires unterwegs war, ist auf der Höhe von Dungeneß in einer der letzten Rächte mit dem norwegischen MotorschiffCharente" zusam-

Jochen Hauer war Der hilfreiche Iugendfteund, welcher Der gnädigen Frau zu Liebe alles (auch für sich selbst) zum Besten wendet: eleganter und liebens- mündiger Mann von Welt, mit sanfter Ironie Die Fäden Des Geschickes in Händen haltend.

Herr Heys er gab schneidig und repräsentativ Den Bürgermeister, in steter Sorge um Die Balanzie- rung Des kommunalen Etats. Jyrn zur Seite Frau Schubert-Jüngling und Herr Dieten als ergötzliche Typen aus Dem Stadtverordnetenkolle- aium. Herr Hub als vierter in Diesem Bunde schoß jedoch mit frankfurterischer Beredsamkeit und trefflichen Pointen entschieden Den Vogel ab.

Die Neuigkeit gefiel Dem Publikum ausnehmend. Es gab sogar bei offener Szene Beifall. hth.

3n Der Türkei.

Don Knut Hamsun.

Wir gleiten in den Bosporus hinein.

Stadt auf Stadt zu beiden Seiten, je weiter wir fahren: es sind bloß ein paar Minuten zwi­schen jeder. Cs ist im Grunde eine einzige end­lose Stadt. Wir sehen alles, was am Lande vor sich geht, so nah ist es: und alles, was wir sehen, ist anders, als wir es uns gedacht hatten. Sind wir denn nicht in der Türkei? Dreißig Jahre lang habe ich nun über ein gewisses Land am Bosporus gelesen, das ruchlose Sultane an den Rand des Abgrunds gebracht hätten. Diese klei­nen Städte liegen mitten zwischen Weinbergen und 'Blumengärten; schwer und rot glüht es zu uns herüber von den Rosenbeeten; ein Märchen ist es, durch das wir fahren.

Wo die Drei Wasser des Mannarameeres, des Goldenen Horns und des Bosporus zusammen- stoßen, liegt die Hauptstadt der Türkei. Solch eine Lage für eine Stadt hat in Der ganzen Welt nicht ihresgleichen auf beiden Seiten die na­turschönen Höhen unD unten Die Wasser! Die StaDt liegt in zwei Weltteilen. Konstantinopel hat nicht Den Farbenreichtum Moskaus, es hat rächt daS Grün, das Gold und Rot seiner Kuppeln, aber es hat etwas, waS Moskau nicht hat: die toet> ßen Minaretts gegen den blauen Himmel.

Ich habe ja nicht Die ganze Welt gesehen, aber es gibt sicher nur einen Cyub. Cs ist Die heilige Stätte. Cyub ist eine Welt Der Gräber. jlnD eine Welt der Zypressen, Der Platanen, der Blumen. An vielen Orten find Moscheen, überall sind Tempel des Todes. UnD überall ist Friede. Die

mengestoßen und dem Vernehmen nach schwer beschädigt worden. Er nahm Die Drei Passagiere und 18 Mann der Besatzung derCbarcnte an Bord und fuhr unter Rotsignalen nach Dover weiter. Das MotorschiffS^arnte, das von einem Schleppdampfer ins Schlepptau genommen worden war, ist ungefähr fieben Seemeilen nord­östlich von Dungeneß gesunken. Der Schlepper kehrte nach Dover zurück, wo er die Mannschaft DerCharente" landete. Die er von dem Dampfer Aftic Star" übernommen hatte.

Verkehrsunglück. Motorradfahrer getötet

Aus Bad Schmalbach wird gemeldet: In den letz­ten Tagen ereignete sich auf der Aarstraße in der Nähe der Füllfchen Mühle ein Zusammen st zwischen einem Motorrad unD einem Auto. Der Kunstmaler Hans Backmeister, ein Sohn des Oberstaatsanwaltrats Backmeister in Limburg, war mit ziemlicher Geschwindigkeit aus der Richtung Bad Schmalbach gekommen und wollte einen an­dern Motorradfahrer, August C h r i st e von Bad Schwalbach, überholen. Ehriste seinerseits wollte einem alten an Krücken gehenden Mann aus Dem Wege fahren unD kam im Augenblick, als Back- meister an ihm vorbeifuhr, mit dem Motorrad zu Fall. Dackmeister war durch das Ueberholen stark auf die linke Seite gekommen. Infolge der feuchten Straße geriet er Dann ins Rutschen. Mit ungeheurer Wucht fuhr er auf einen vorschriftsmäßig auf der rechten Straßenseite fahrenden kleinen Opelmagen auf. Dabei zog er sich einen schrneren Schö­be l b ru ch zu, an dessen Folgen er kurz danach im Krankenhaus oerstarb.

Großfeuer in einer Lodelschwinghschen Kolonie.

3n einer der letzten Rächte wurde die große Kolonie derDodelschwinghschenAnstal- t e n 2 e t h e l bei Bielefeld von einem verheeren­den Großfeuer bcimgcrud)t, das vermutlich auf Brandstiftung zurückzuführen ist. Zwei riesigs Feldscheunen sowie die Hälfte eines Gebäudekom- plexes, in dem das Jungvieh untergebracht wird, fielen den Flammen mit Der gesamtenErntc von runD 2000 Morgen zum Opfer. Günstige WinDverhältnisse verhinderten eine Vernichtung der gesamten Kolonie. Große Ernte- und Vieh­bestände sind vernichtet, Der Schaden ist sehr groß. Der Dramaturg Des Deutschen Theaters gestorben.

In einer Der letzten Nächte ist Der Dramaturg Des Deutschen Theaters unD langjährige Mitarbeiter Max ReinharDts, Arthur K a h a n e, in Berlin einem Herzleiden erlegen. Kahane mar 61 Jahre alt geworden.

Die Stadl Rordheimfund größtenteils niebergebtannL

Die Stabt Novbheimsunb, 90 Kilometer von Ber­gen am Hardanger-FjorD, ist zum großen Teil n i e» oergebrannt. Das Post- unb Telegraphen- gebäuDe sinb nur noch Branbruinen. Die meisten nieibergebrannten Gebäude waren, -wie in Norwe­gen üvlich, aus Holz gebaut und größtenteils Ge­schäftshäuser wie barübengelegene Etagenwohnun­gen. Alle Holzwarenfarbriken Des Städtchens sind ebenfalls ein Opfer Des Brandes geworden. Ein großer Teil Der Bevölkerung ist obDa chlos und wirb vorläufig in Bergen Wohnung nehmen müs­sen. Der Schaden geht in Die Millionen.

Große Unterschlagungen bei der Kammereikasse Nordhorn.

Vor einigen Tagen mürbe ein E i n b r u ch in Die Kämmereikasse Der Stadt Novbhorn begangen, bei Dem Dem Täter 2000 Mark in Die Hande fielen. Ein Kassenbeamter konnte der Tat überführt wer­ben unb legte ein Geständnis ab. Hierbei kam zutage, daß weiterhin üer 40000 Mark u n - terfch 1 agen worden ^ind. Der Stadtkämmerer, der die Unterschlagung zugeben muhte, sowie Der Kassenbeamte wurden in Haft genommen.

Räubminrocfen im griechischen Erdbebengebiet.

Das Athener MorgenblattProia" meldet, daß sich im griechischen Erdbebengebiet das Räuberunwesen in steigendem Maße be­merkbar macht. In den vergangenen Rächten haben die Banditen die Minendirektion Stratonion und das Hilfskomitee, das im Direktor-Garten übernachtete, plötzlich überfallen. Cs ent­wickelte sich eine Schießerei, wobei ein Sol­dat getötet wurde, während es den Räubern gelang, in der Dunkelheit zu entkommen.

Zypressen stehen senkrecht und unbeweglich, sie finb starr wie Türme: in den Palmenhamen flat­tern die Blätter leise, wenn ein Lüftchen geht, sonst kein Laut. Auch wir fangen unwillkürlich an. behutsam aufzutreten, während wir unS weiter und weiter von Straße und Stadt entfernen. Unb wir sprechen leise im Lande deS Todes.

Wir setzen unS.

Zum Friedhof ziehts den Menschen auch im le- benbigen Leben, um zu ruhen. Er ist die Insel im brausenden Meer. Aber es gibt keine Stätte, wo das Leben so kämpfte und siegte wie hier. Die größten Bäume gibt eS hier und die zappeligsten Regenwürmer. Auf dem Kirchhof daheim wuch­sen einige Himbeeren, die sich selber gepflanzt hatten und ohne Pflege gediehen. Jedes Jahr kamen sie wieder, und wir Kinder wußten so gut, wo sie ftanDcn! Jede Deere war ein Mundvoll Wein...

Die Toten ruhen in einem reichen Lande. Sie selber sinds, die es reich machen: alleS wächst gut auf einem Friedhof. Die Toten sorgen selber dafür, daß sie sich eine gesunde und reinliche Um­gebung schaffen, eine kräftige Vegetation, eine fruchtbare Erde, auf der alles wachsen kann.

Weiter drinnen, hinter uns, rauscht ein Pal­menhain: wir lehnen fast mit dem Rücken Daran. Mag das Wetter noch so still sein. Die Fächer- Palmen regen sich leise, weil sie so breite Blätter haben, und eS geht ein fast unhorbareS Raunen von solch einem Hain aus. DieS Raunen unb die breiten Blätter und diese ganze grüne Herr­lichkeit machten uns still und stumm. Wir sitzen und lassen uns zurückführen zu einem Wohlbe- kannten, nach einem Lande, in dem wir einst ge­wesen sind, zu einem Erlebnis im Traum oder aus einem früheren Leben. Unsere Wiege war vielleicht einmal ein Lotos, der in einem Pal­menlande stand und und schaukelte...

Hochschulnacbncbten.

Der Marburger Extraordinarius Ernst Nauck ist als Nachfolger von Professor Böker, der den anatomischen Lehrstuhl in Jena übernimmt, als erster Projektor nach Freiburg i. Br. berufen worden.

Der außerordentliche Professor Dr. Siegfried Sdlbacher von der Universität Heidel­berg ist als Nachfolger von Professor Spiro zum Ordinarius und Direktor der physiologisch- chemischen Anstalt Der Universität Basel er­nannt worden.