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182. Jahrgang

Mittwoch, 10. zedruar 1952

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Gießener Anzeiger

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Dr. Fnedr. öilh. Lange. Verantwortlich für 'Politik Dr. Jrr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr J^.lbnriot; für den ädrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Tlaf Filler, sämtlich in Gieße >

Brüning vor der Abrüstungskonferenz.

Der deutsche Reichskanzler fordert in Genf gleiche Sicherheit für alle Völker und die Einlösung des feierlichen Abrüsiungsverfprechens der anderen.

Die amerikanischen Forderungen.

Genf, 9. Febr. (WTB.) Der stellvertretende Führer der amerikanischen Delegation Botschafter Gibfon führte auf der heutigen Versammlung der Abrüstungskonferenz aus, Amerika werde nichts unversucht lasten, um tatsächlich einen Fortschritt in der Begrenzung und Herab­setzung der Rüstungen zu erzielen. Amerika halte die gegenwärtigen Ausgaben der Welt für- ftungszwecke für unnötig und unent­schuldbar. Niemand könne bestreiten, daß diese Rüstungen nicht nur die Folge, sondern auch d i e Ursache der gegenwärtigen politischen Un­sicherheit sind. Niemand könne bezweifeln, dah sie nicht nur zum wirtschaftlichen Niedergang bei­tragen, sondern den Weltfrieden ernstlich be- drohen. Das amerikanische Volk betrachte die Fortdauer dieser Zustände alS ein Versagen der Staatsmänner. Die Zeit sei vorbei, wo die Weltvölker diese- Versagen lange ruhig mit ansähen. Das Wettrüsten und die Milttärbünd- nisse, seit Jahrhunderten in Europa üblich, feien nicht imstande gewesen, den Frieden zu erhal­ten, sondern hätten im Gegenteil Kriege hervor- gerufen, unter deren Folge Sieger und Besiegte leiden. 'Das Sy st em der Antikriegsver­träge reduziere die Notwendigkeit nationaler Rüstungen auf die Wahrung der Ruhe und Ord­nung im Innern und die Verteidigung der Lan- d«-grenzen. Die amerikanische Regierung habe keinen neuen allumfassenden Plan. Aber tue ame­rikanische Regierung befürworte folgende Punkte:

1. Zugrundelegung de- Konventionsent­wurfes als praktische Diskussionsbasis unter völliger Bereitschaft, zusätzlich eVorschläge zu diskutieren.

2. Verlängerung der Lebensdauer der bestehenden Flottenabkommen unter möglichstem Beitritt Frankreichs und Ita­liens.

3. Proportionale Herabsetzung derD o n- nagezifsern in den Flottenabkommen, sobald alle Unterzeichner de« Washingtoner Abkommens dem Londoner Flottenverlrag beigetreten sind.

4. Abschaffung des Unterseebootes

5. Möglichst wirksameMaßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Flieger­angriffen.

6. Abschaffung von tödlichen Gasen und bakteriologischer Kriegssührung.

7. Beschränkung der Landheere auf die notwendige Zahl für die Ordnung im Innern und den Grenzschutz.

8. Beschränkung der Verwendung von Tanks und schweren fahrbaren Ge­schützen.

9. Begrenzung der Ausgaben für Mate­rial. damit nicht in der Qualität um die Wette gerüstet werde, wenn in der Quantität Begren­zung vereinbart ist.

Der Reichskanzler spricht.

Nach dem amerikanifchcn Vertreter nahm Reichs kanzler Dr. Brüning zu feiner großen Abrüstungs» rede das Wort. Der stanzler führte dabei aus:

Wenn ich in dieser feierlichen Stunde das Wort ergreife, so bin ich mir bewußt, daß diese Zusam­menkunft, zu der sich die Regierungen der ganzen Welt vereinigt haben, einen Vorgang non einzig­artiger und welthistorischer Bedeutung darstellt. Seit langem hat das deutsche Volk diese Stunde ersehnt. Was bisher als Wunschbild die Geister be­schäftigte, soll sich auf dieser Konferenz zum ver­pflicht e n d c n Gebot des Völkerrechts verdichten. Es soll nicht mehr jedes Land allein über feine Rüstungen bestimmen, sondern die '21 rt ti n d der 11 in fang der Nüstungen sollen durch gemeinsame Verhandlungen al­ler Staaten vereinbarlich fe st gelegt werden.

Die oercinbarliche freiwillige Abrüstung aller Staaten ist neben der großzügigen und ent­schlossenen Liquidation der wirtschaftlichen und finanziellen Restdeslände des Krieges, die den Diederausbau der Welt stören, der wich­tigste und dringendste Schrill, um die von der Katastrophe des Weltkrieges in ihrem Lebensmark getroffene Menschheit zu neuer Gesundung und neuem Aufstieg empor­zuführen.

Unseren Frontkämpfern von ehedem steht das Bild de« Weltkrieges in feiner ganzen Furchtbarkeit unvcrwifcht und unverlierbar vor Augen. Wenn es unserer Generation, der Generation der alten Kombattanten nickt gelingt, ein Bollwerk gegen die Wiederkehr solcher Katastrophen wieder aufzurichlcn. wie soll es dann den N a ch s a h r e n gelingen, die die Verhinderung des Krieges wohl als Ideal, aber nicht ko lebendig wie wir a I s unbedingte Pflicht und Notwendig­keit empfinden werden?

Der Wille a u m wahren Frieden, ein Gebot der christlichen Gesinnung, daß ist daL erste und wesentlichste Erfordernis, das jeder der an dieser Konferenz beteiligten Staaten mit­bringen muß. wenn sie einen Erfolg haben soll. Nicht einzelne Personen, nicht Gruppen pazifisti­

scher Träumer, sondern die organisierten Millio­nen der Kirchen, der Arbeiterschaft und, immer bedeutungsvoll, der Frauen, haben ihren Willen, ihr Verlangen klar zum Ausdruck gebracht. Ich bin überzeugt, daß auch jede der hier vertretenen Regierungen wünfcht, daß es ihr gelingen möchte, die Lebensziele ihres Landes aus friedlichem Wege zu erreichen.

Jeder muß mit ehrlichem Öeroiffen prüfen, wie weit er unter der Voraussetzung einer allgemein glichen Abrüstung aller Staaten feine Rüstungen nuf das im Völkerbundspakt vorge­sehene Minimum nur irgendwie f en - k c n kann. Daher begrüßen wir die Gesinnung, die vor einiger Zeil der leitende Staatsmann einer an deren Großmacht drastisch zum Ausdruck gebracht hat, indem er sich bereiterklärt, fein Land bis auf 10 000 Gewehre a b 3 u r ü ft e n, voraus­gesetzt. daß keine andere Nation mehr behält.

Daher fort mit dem Streben, die eigenen militärischen Kräfte f 0 hoch ro i e möglich tu halten und die des Nachbarn so viel wie möglich herabzudrücken. Jort mit dem Bestreben sich selbst mit dieser oder jener 3n- krpretation der Bestimmungen die Möglich­keit mi l i l ä r i f ch e r K r a f t e n l s a l l u n g zu sichern und sie anderen zu neh­men. Das ist der weg, um die Konferenz 3 u m Scheitern zu bringen und den be­stehenden unseligen Zu st and des bewaff­neten, auf ungleichen Rechten auf­gebauten Friedens aufrecht zu er­halten. Denn die Abrüstung ist unbedingt not­wendig. um neben anderen bedeutsamen Schrit­ten die unerträgliche Spannung zu besei­tigen, die heute lähmend auf der ganzen weit lastet und die Weltwirtschaft von lag zu Tag mehr zum Stillstand bringt.

Bei allen internationalen Bemühungen um Be­seitigung der Not der Gegenwart ist immer und immer wieder in elementarster Form die Erkennt- nis zum Ausdruck gekommen, daß die erste Voraus­setzung für das Gelingen solcher Bemühungen die Wiederher st ellung des Vertrauens ist. 'Nun, hier haben wir die Gelegenheit, diese Voraus fetzung ganz zu erfüllen. Die Abrüstung kann eine Realität schassen, die wie nichts anderes das Ver­trauen der Völker zu stärken vermag. Die wirt schaftUche Not der Welt beruht im gegenwärtigen Zeitpunkt zweifellos in erster Linie auf den po­litischen Zahlungen und den übertrie­benen ungleichen Rüstungen. Die Welt darf nicht daran zugrunde gehen, daß die Staats männer den M u t nicht finden können, die Erkenntnis, die sie in ihrem Innern tragen, ent­schlossen und einmütig zu verwirklichen.

Die Staatsmänner, die hier versammelt sind, tragen zudem eine besondere Verantwortung auf Grund einer der wett gegebenen feierlichen Zusage. Ich erinnere daran, dah die Sieger de» Weltkriege» bei Vorlegung ihrer Friedensbe­dingungen ausdrücklich als ihr gemeinsames und feierliches Bekenntnis niedergelegt haben, daß die allgemeine Herabsetzung und allseitige Beschränkung der Rüstungen eines der besten Mittel zur Kriegsverhütung sei und da­her als eine der ersten Aufgaben des Völker­bundes betrachtet werden müffe. Die deutsche Reichsregierung und das deutsche Volk for­dern nach der eigenen Entwaff­nung d i e allgemeine Abrüstung. Deutschland Hot daraus einen rechtlichen und moralischen Anspruch, der von niemand in Zweifel gezogen werden kann. Dos deutsche Volk erroartel von dieser Konseren; die Lösung des Problems der allgemeinen Ab­rüstung auf dem Boden der Gleichb-e- redjtigung und auf der Grundlage gleicher Sicherheit für alle Völker. Unsere Delegierten sind beauftragt, mit aller Energie die Verwirklichung diese» Zieles zu be­treiben.

Die deutsche Delegation kann aber 3um Aus­gangspunkt der praktischen Arbeiten nicht allein den Konventionsentwurf neh­men. den die Vorbereitende Kommission ausgear­beitet hat. Dieser Entwurf entspricht nicht den Erfordernissen des Tages. Er ist lückenhaft und schweigt überwesentlichePunkte. Die deutsche Delegation behält sich vor, zu gege­bener Zeit der Konferenz Vorschläge zu un­terbreiten. die diesem Mangel abhelfen Ziel die­ser Vorschläge wird fein, der allgemeinen und wirksamen Herabsetzung der Rüstungen praktische Wege zu öffnen und dem in neuen Vertragswer­ken, insbesondere dem Kellogg-Pakt, erfolgten Verzicht auf den Krieg durch Verbot und besondere Beschränkung aller der Walten Rech­nung zu tragen, die vorzugsweise dem An­griff dienen. Nur solche Maßnahmen, die K e r n und Wesen der Rüstungen treffen, können die letzten Ziele dieser Konferenz verwirklichen: allen Staaten ihr Recht auf gleiche Sicherheit zu gewährleisten.

Vorschläge, die eher einer Umgebung a l s einer Verwirklichung des von den Völkern erwarteten Konferenzzieles dienen könn­ten, würden auf die fachliche Kritik und den pflichtmäßigen Widerstand aller derer ge­faßt fein müssen, die sich für ein gerechtes und le­bensfähiges Ergebnis dieser Beratungen verant­wortlich fühlen.

DaS deutsche Volk ist sich klar darüber, daß nur durch eine allgemeine, nachhaltige, gleich­zeitige, ohne Vorbehalte und Hintergedanken be­schlossene und durchgeführte Abrüstung die läh­mende Spannung in der Welt beseitigt und die Menschheit wieder mit Vertrauen und Unter­

nehmungslust erfüllt werden kann. Ich erkläre hiermit, daß Deutschland als ein vollberechtigte» und vollverpflichtetes Mitglied des Völkerbundes und dieser Hohen Versammlung m 11 allem Nachdruck eintreten wird für eine allge­meine Abrüstung, für eine Abrüstung unmißver­ständlicher Art. wie sie im Völkerbundspakt f ü r alle Mitglieder in gleicher Weise vorgesehen ist, eine allgemeine Abrüstung, die für alle Völker ein gleiches Maß von Sicherheit schafft. Deutschland wird im Geiste weitgehender Solidarität und Verständigungs­bereitschaft. aber auch mit unbeirrbarer Energie diesem Ziele zustreben

Starter Ginbrud der Kanzlerrebe in Gens.

Brüning mit lebhaften Ovationen begrüßt. Starke Aufmerksamkeit. Anhaltender Beifall.

Gens, 9.5ebr. (XU.) Die Abrüstungskonferenz I erlebte heute einen großen Tag. Die Sitzung l stand völlig im Zeichen der großen Rede des Reichskanzlers, in der zum erstenmal Deutschland vor den Vertretern der ganzen Welt offen feinen feierlichen Rechtsanspruch auf Erfüllung der Deutschland im Versailler Ver­trag zugesicherten Verpflichtungen zur allgemeinen Abrüstung darlegte.

Der Andrang zu den Tribünen ist heule ungewöhnlich groß. Die Diplomatenloge ist schon lange vor Eröffnung der Sitzung bis auf den letzten Platz besetzt. Die Abordnungen sind vollzählig vertreten. Dos Bewußtsein ist all­gemein, daß Deutschland im Mittelpunkt dieser Konferenz steht. Die Spannung ivächst im Saale, als der sranzösiichc Dolmetscher die lieber fesmng der Rede des amerikanischen Botschafters Gibfon zu Ende führt. Die Reihen der Delegierten, die sich während der Uebersetzung der Rede Gibsons etwas gelichtet hatten, füllten sich rasch, als in den Wandelgängen Glockenzeichen ankündigten, daß der deutsche Vertreter das Wort ergreifen werde, stur; vor 11 Uhr flammten an der Stirnseite des Saales die Lichter auf, und der Präsident d c 1 F ü n : detc unter lautloser Stille der ganzen Versamm lung: Das Wort h a t Dr. Brüning, stanz- ler des Deutschen Reiches. Als Brüning, der in der ersten Reihe seinen Platz hat, der Redner­tribüne zueilte, wurde er von der Versammlung durch Händeklatschen stürmisch begrüßt. Es dauerte einige Minuten, bis der Kanzler dos Wort ergreifen konnte. Allgemein wurde bemerkt, daß bis jetzt keinem Redner von der Versammlung eine solche Ovation dargebracht wurde.

Der Kanzler spricht ungewöhnlich ruhig und gehalten. Schon bei seinen ersten Wor­ten herrscht atemlose Stille im ganzen Saal. Jedes Wort ist deutlich vernehmbar. Die Konferenz spürt, dah hinter den Worten des Kanzlers der g e s ch l 0 s s e n eW i l le des ganzen deutschen Volkes steht.

Die Rede des Reichskanzlers, deren Verlesung eine halbe Stunde in Anspruch nahm, wurde fortgesetzt von starkem Beifall un­terbrochen und sand auch zum Schluß langanhaltenden Beisall. Besonders auffällig war der Beifall an der Stelle, an der der Kanzler betonte, daß er nicht anzuerkennen vermöge, daß zwischen den richtig verstandenen

eigenen Interessen und den Gemeinfchaflsinter- essen aller Staaten ein unlesbarer Gegensatz be­stehe und daß Deutschland von dieser Konferenz die Lösung der Probleme der Abrüstung auf dem Boden der Gleichberechtigung und der Grund­lage gleicher Sicherheiten für alle Völker ver­lange Nur die französische und pol­nische Abordnung nahmen an dem allge­meinen Beifall nicht teil.

Die politische Wirkung.

Ter gcntätzigkc Charakter der Rede wirk» nnkerstrichcn.

G c n f, 9. Febr. (XU.) In internationalen strei­fen wird übereinstimmend dcr gemäßigte Cho rokter der stanzler-Röde hcrimigU-oben. Auf französischer Seite erklärt man, weil schärfere Ausführungen erwartet ZU haben. In englischen streifen wird die Rede Brünings inhost lich begrüßt und die Uebereinftimmung mit den gestrigen Erklärungen des englifchen Außen Ministers in wesentlichen Punkten feftgcftcUt. Es wird jedoch ein grundlegender Unterschied darin erblickt, daß der Reichskanzler in feiner Rede aus d r ü ck l i ch den A b k 0 m m e n s e n 1 w u r f des Völkerbundes in der gegenwärtigen Fasiung als Ausgangspunkt der praktischen Arbeiten a b ge­lehnt Hot. In neutralen Streifen wird darauf hin- gewiesen, daß der Reichskanzler einer Ausein­andersetzung mit der gestrigen Rede T a r bieus aus dem Wege gegangen ist und sich auf die allgemeine Feststellung beschränkt hat, daß Vor schlüge, die einer Umgehung des stonferenzzieles dienten, auf pflichtgemäßen Widerstand stoßen würden. Die Rede hat im allgemeinen in ausländi­schen Kreisen zweifellos einen guten Ein­druck gemacht. Der große persönliche Ernst, mit dem der Reichskanzler seine Rede ver- las, blieb in der Versammlung nicht ohne nach­haltigen Eindruck. Man nimmt an, daß der gemäßigte Charakter der Rede auf die inlcrnalio aale Lage und die bevorstehenden Tributverhand­lungen zurückzuführen ist, und daß die deutsche Reichsregierung sich ihre endgültige Stet lungnahme und ihre Vorschläge für den zweiten entscheidenden Abschnitt der Abrüstungskonferenz im Laufe dieses Sommers Vorbehalten will.

Das Echo in Deutschland.

Berlin. 9. Febr. ($11.) Sämtliche Berliner Blätter unterstreichen die politische Bedeutung der Rede des Reichskanzlers in Genf. Der .An­griff" (nat.-foz.) kritisiert, dah der Kanter nicht ein einzigesmal Frankreich als die ewige Bedrohung des Weltfriedens genannt habe und voller Optimismus von der Völkerbundsarbeit gesprochen habe. Brüning habe eine große, wohl feine letzte außenpolitische Chance verpaßt.

Der .Lokalanzeiger" ideutfchnatl.» hebt hervor, daß Brüning vieles von dem gesagt habe, 'vas zu fagen gewesen fei. Der Eindruck bet rutschen Auftretens sei zum Schluß jedoch ge­wesen, daß Brüning eine große Gelegen­heit nicht genug benutzt habe. Selbst die Neutralen hätten die Rede zu akademisch ge­sunden.

Die Börfenzeitung (konserv.) äußert Deutschland habe mit der heutigen Rede des Reichskanzlers nicht versucht, den Angriff Frankreichs unmittelbar abzuwehren und mit einem ebenso stürmischen G e g e n a n g r i s s zu be­antworten. Brüning habe zwar auch eine Art von Offensive getätigt, aber in der Arena, in der um Theorien und Ideale gerungen wird Die Deutsche Zeitung (btfdjnatL) spricht sogar -von einer verpaßten Gelegenheit". Die Kreuzzeitung idtschnatl.) nennt die Rede einen .Versager" und bezeichnet sie als .ver­hängnisvolle Weichheit".

Die .TAZ." (DVP.) unterstreicht, daß der Grundsatz der Gleichheit und Gleich­berechtigung durch alle Absätze der Rede

hindurchgehe. Wenn es so an Andeutungen nicht fehle, so hätte man Präzisionen vorgczogen Die Rede fei so geschickt abgefaßt, daß der Ver­fasser immer wieder sagen könne Was wollt Ihr? Ist nicht jedes Problem hier im Keime enthalten? Aber man werde zurückfragen dürfen Warum nur die Anspielung? Waruiu sovfiel Nachdruck in der Verkündung der Grund­sätze und soviel Vorsicht in den taktischen For­derungen und Anwendungen?

Das ..Berliner Tageblatt" idem.) rügt, daß der Kanzler eine polemische Bemerkung gegen die französischen Vorschläge eingeschlossen habe. Don diesem Schönheitsfehler abgesehen, habe der Kanzler ein zutreffendes Bild von dem Willen des deutschen Volkes, eine .Abrüstung unmißver­ständlicher Art" und gleiche Sicherheit für alle Völler zu schaffen, entworfen. Es bleibe zu be­tonen, daß er mit keiner Silbe von einer Alternative der Wehrfreiheit ge­sprochen habe. Es sei anzunehmen, daß es dem Kanzler gelungen fei, durch seine Rede wenigstens zur psychologischen Vorbereitung der notwendigen Atmosphäre des Vertrauens beizutragen. Die ..Dörfische Zeitung" (Hllftein) erklärt, daß ein Zweifel darüber nicht aufkommen könne, daß Deutschland auchvorernsten Konseauen- zen nicht zurückschrecken würde, wenn dec Gang der Konferenz von der deutschen Grund« forberung einer wirklichen Abrüstung fortführe Aus dem Echo der nächsten Tage werde man schließen können, ob taktische und allgemeine Er­wägungen bei den verschiedenen Mächten ent-