lung veider Herren bei den Neuwahlen nicht zu rechnen war. Auf die Organisation der DVP. bleibt dieser Schritt aber ohne jede Wirkung. Die letzten Beratungen der führenden Persönlichkeiten der Partei aus dem ganzen Reiche haben ergeben, daß sichalleihreTeilemitderZiel- setzung der Partei st ellung einig wissen. Diese gehe dahin, einen möglich st vollständi- gen Zusammenschluß des nationalen Bürgertums zu erreichen, wobei die politischen Grundlagen der DBP. gewahrt bleiben müssen. Alle Wahlkreise und Ortsgruppen der DBP. sind gewillt, dieses Ziel durch geschlossenes Vorgehen gemeinsam mit der Parteileitung zu erreichen, nicht aber durch etwaige Sonderaktionen oder persönliche Rücksichten stören zu lassen.
Reich und Länder.
Welche Verfaffungsrcforrnpläne hat das neue Kabinett?
München, 8. Juni. (TU.) Der neue Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r gab der „München- Augsburger Abendzeitung" Gelegenheit zu einer Unterredung, in der u. a. über die Ansichten der Reichsregierung-über den Fragenkomplex „Reich und Länder" gesprochen wurde. Der Minister erklärte u. a., daß von der Reichsregierung selbst- verständlick keinerlei Reformenim Sinne einer Abwürgung der Länder beabsichtigt sein würden. Woran man denke, sei die sogenannte „Gleichschaltung" von Reich und Preußen, wobei eine Aufnahme des preußischen Ministerpräsidenten in die Reichsregierung möglich sei. Ob aber diese Mitgliedschaft mit einer Vereinigung von Ministerposten im Reick und in Preußen verbunden sein würde, sei noch eine offene Frage.
Beginn der Memelverhandlungen im Haag.
Hakg, 8. Juni. (WTB.) Vor dem Ständigen In- ternationalen Gerichtshof begannen die öffentlichmündlichen Verhandlungen im Memelstreit. Am Tisch der einen Prozeßpartei nahm für Frank- re i ch der juristische Berater des Quai d'Orsay Prof. Basdevant, für I t a l i e n der italienische Kronjurist Pilotti, für England der englische Kronjurist Sir William Malkin und für Japan dessen Gesandter im Haag Matlumaga Platz; für die andere Partei ist der litauische Gesandte in London Sidsi» k a u s k a s erschienen. Die Sitzung wurde vom Vizepräsidenten Guerrero (San Salvador) eröffnet. Der englische Vertreter erhielt das Wort zu seinem Plädoyer für die klägerische Partei. Er betonte, daß das Memelstatut nicht einseitig durch Litauen cchge- ändert oder durch litauische Gesetze oder Verordnungen abgelöst werden könne. Eine Abänderung könne lediglich aus Antrag des Memeler Landtags stattfinden. Daher könne sich die litauische Regierung für ihr Verhalten gegenüber dem Präsidenten des Direktoriums bzw. dem Memeler Landtag nicht auf ihre eigene Gesetzgebung berufen. Die englische Regierung sei, unbeschadet ihrer Auffassung, daß Präsident Böttcher bei seiner Reise nach Berlin außerordentlich unklug gehandelt habe, der Ansicht, daß die sechs Wochen nach seiner Reise erfolgte Absetzung keineswegs durch die vorangegangenen Vorfälle gerechtfertigt sei. Diese Vorfälle hätten durchaus nicht den ernsten Charakter gehabt, den die litauische Regierung ihnen beigelegt' habe. Der litauische Präsident habe kein Recht zur Absetzung des Direktorium. Die Vertreter der übrigen Signatarmächte schlossen sich den Darlegungen des englischen Vertreters an.
Hierauf stellte der Vertreter Litauens, Gesandter Sidsikauskas, den Antrag, ihm eine dreitägige Frist zur Beantwortung der Ausführungen der Gegenpartei zuzubilligen.
Der Gerichtshof hat diesem Antrag stattgegeben.
Amerika
gegen jede Gchuldenstreichung
Schulden und Reparationen haben nichts miteinander zu tun.
Washington, 8. Juni. (TU.) Das Staatsdepartement wendet sich in einer Erklärung erneut gegen die Streichung der Kriegsschulden. In der Erklärung heißt es, die amerikanische Regierung hat stets darauf hingewiesen, daß sie m i t den Reparationen nichts zu tun habe und die Lösung dieser Frage den beteiligten Mächten überlassen müsse, die jetzt in Lausanne hoffentlich zu einer Einigung gelangen werden. Das Staatsdepartement hat stets die Schwierigkeit des internationalen Schuldenproblems betont, da der Bundeskongreß sich im Dezember des Jahres 1931 in einer gemeinsamen Entschließung beider Häuser gegen eine Ermäßigung oder Streichung der Schulden der Alliierten ausgesprochen habe Das Staatsdepartement hat ferner stets darauf hingewiesen, daß bei Streichung der interalliierten Schulden Amerika auf alles verzichten und nichts erhalten würde. Mit anderen Worten, das amerikanische Volk solle zu den eigenen Lasten auch noch den Löwenanteil der Kriegskosten der Alliierten übernehmen. Eine derartige Reaelung würde keineswegs der amerikanischen Auffassung entsprechen. Der amerikanische Standpunkt gehe dahin, daß eine Streichung der Reparationen durch die europäischen Staaten die amerikanische Regierung nicht verpflichtet, auch die Schulden zu streichen. Vom Staatsdepartement wird betont, daß dieser Standpunkt allen an der Lausanner Konferenz interessierten Regierungen bekanntgegeben worden sei.
Oie Bauern in Sowjeirußland.
.Moskau (über Kowno), 8. Juni. (TU.) Wie amtlich gemeldet wird, hat sich in Baku ein Fall abgespielt, der die größte Aufmerksamkeit der Sowjetregierung und des Hauptvollzugsausschusses der kommunistischen Partei auf sich gelenkt hat. Mehrere Abteilungen der berittenen Polizei haben ganz plötzlich auf dem Freien Markt in Baku, auf dem die Bauern ihre Lebensmittel zu freien Preisen verkaufen dürfen, die Händler und Käufer auseinandergetrieben. Ein Schwarm berittener Sowjetmiliz hat bei den Bauern sämtliche Lebensmittel beschlagnahmt und über 100 Verhaftungen vorgeyommen. Verschiedene Behörden haben sofort beim Vollzugsausschuß schärfsten Einspruch erhoben, auf dessen Anordnung dann die gesamte Leitung der Bakuer Miliz verhaftet und von ihrem Dienst enthoben wurde. Im amtlichen Bericht heißt es u. a., die Beamten hätten die Befugnisse überschrit-1
Mcdmald zum Wochenendbesuch in Paris erwarlei
England beurteilt die Aussichten für Lausanne günstiger.
Paris, 8. 3uni. (111.) Das französische' Außenministerium veröffentlicht folgende amtliche INittei- lung: Der britische Ministerpräsident Macdo- n a l d und Außenminister Simon werden am Samstagabend in Paris eintreffen, wo sie den Sonntag zu verbringen gedenken. Die englischen Staatsmänner werden die Gelegenheit benutzen, um sich mit Ministerpräsident herriol über die beide Länder interessierenden Probleme zu unterhalten. Der britische Botschafter Lord Tyrrell hat dem Ministerpräsidenten herriot folgendes Telegramm des Außenministers Simon übergeben: „Ich bitte, den Ministerpräsidenten herriot zu verständigen, daß der britische Außenminister und ich uns glücklich schätzen, die französische Einladung anzunehmen. Wir haben feine Erklärung inder Kammer mit Befriedigung gelesen und sind überzeugt, daß der geplante direkte Meinungsaustausch wesentlich dazu beitragen wird, den Weg für eine befriedigende Lösung in bezug auf die Probleme, die in Genf und Lausanne behandelt werden, vorzubereiten."
Nach einer Meldung aus London soll das Programm der englischen Regierung für die Reparationsregelung in Lausanne folgende drei Möglichkeiten vorsehen:
1. Die vollkommene und einfache Streichung der Reparationen, die im Prinzip immer die englische These gewesen sei,
2. eine reduzierte Schlvhzahlung Deutschlands, wodurch die Reparationen ein und für allemal abgelöst werden sollen,
3. ein sehr langfristiges Moratorium für Deutschland, nach dessen Ablauf das Reich in stark vermindertem Umfange feine Zahlungen wiederaufnehmen soll.
„Matin" berichtet ferner, daß Macdonald die Absicht habe, herriot den Vorschlag zu machen, die Lausanner Konferenz nach der Aussprache über die Reparationsfrage zu vertagen und die Arbeiten entweder in der Schweiz oder in London zur Prüfung des zweiten Teils der Tagesordnung zu einem Zeit
punkt wieder aufzunehmen, an dem es den vereinigten Staaten möglich fein werde, Delegierte zu empfangen.
Die „Times" bemerkt, daß Herriot die A b - rüstungnicht von irgend einem besonderen Plan abhängig gemacht habe. In dieser Hinsicht unterscheide sich Herriots Haltung von der seiner Vorgänger, was man in England begrüßen werde. Besonders Ententen und Bündnisse verstießen gegen den Völkerbundsgeist. Es sei ferner -mehr als einmal der englischen Regierung sehr unangenehm gewesen, wenn eine französische Regierung auf dem Standpunkt gestanden habe, daß FrankreichundEnglandanjedeFrage gemeinsam Herangehen müßten, nachdem schon vorher eine gemeinsame Auffassung gefunden worden sei. Dies führe dazu, daß die anderen Mächte weniger entgegenkommend seien. Englands Politik bestehe darin, wohlwollend Ab st and zu halten, was jedoch nicht ausschließe, daß in Sonderfällen eine Verständigung mit einem Lande notwendig fein könnte. Herriot habe diese englische Auffassung richtig verstanden, wenn er nicht auf besondere Freundschaften hinziele, sondern seine Bereitschaft zu gemeinsamer Wiederaufbauarbeit angeboten habe.
Zu den Aeußerungen Herriots über die Reparationsfrage sagt das Blatt, daß Herriot Festigkeit, aber auch Verständnis gezeigt habe. Die Anerkennung der Schulden fei notwendig, auch wenn sie nicht bezahlt würden. Die Ansicht, daß Abänderungen nur durch gegenseitiges Abkommen und nicht durch einseitige Erklärungen vorweg genommen werden dürften, fei richtig. Es müsse ein Kompromiß für die Ein st ellung der Zahlungen gefunden werden. Die Zahlungsverpflichtung dürfe nicht abgelehnt werden. Wenn man die Erklärungen Herriots mit denen Neuraths vergleiche, so verbessere sich die Aussicht auf ein Abkommen in Lausanne. Ein Erfolg in Lausanne würde /ine nütz- liche, ein Mißerfolg eine vernichtende Wirkung auf die Verhandlungen von Genf, Ottawa und London haben.
Die Landtagswahl in Hessen.
Deuischnationale Volkspartei und „Rationale Einheitsliste".
Die Landespreffestelle der Deutschnationalen Volkspartei schreibt uns:
Ein Mitglied der Deutschen Volkspartei überreichte uns ein Rundschreiben des Landesverbandes Hessen der Deutschen Volkspartei vom 29. Mai 1932. Weil dieses Rundschreiben „An alle Mitglieder" als vertraulich gilt, sehen wir von einer Veröffentlichung ab. Da es aber eine Reihe unrichtiger Behauptungen enthält und vor allem wiederum den Absagebrief des Vorsitzenden der Deutsch- nationalen Volkspartei in Hessen an den „Ausschuß für bürgerliche Sammlung" erwähnt und angreift, übergeben wir diesen Brief der Oeffentlichkeit. In dem Schreiben heißt es:
„Die Parteien der Mitte hatten schon bei der letzten Reichstagswahl starke Einbuße an Wählern und Mandaten zu verzeichnen. Bei den letzten Landtagswahlen, insbesondere in Preußen und Bayern haben sie, unter Berücksichtigung ihres früheren Bestandes, sogar vernichtende Niederlagen erlitten. Ferner sind die Versuche, wie sie z. B. Graf Westarp gemacht hat, eine neue Sammlungsaktion einzuleiten, völlig fehlgeschlagen.
Diese Vorgänge zwingen zu dem Schluß — mag man zu den einzelnen Parteien stehen, wie man will —, daß die Wählerschaft kein Vertrauen mehr zu den Mittelparteien und insbesondere zu Samm- lungsvorschlägen hat. Von dieser Tatsache muß man ausgehen, wenn man praktische Politik treiben will.
Die Deutschnationale Volkspartei, die heute weniger denn je eine Mittelpartei ist, hat in der Vergangenheit zweimal den Versuch gemacht, trotz der Warnungen einer Anzahl ihrer Führer, insbesondere Hugenbergs, in der Regierung mitzuarbeiten, in dem Glauben, die Regierungspolitik maßgebend in ihrem Sinne beeinflussen zu können. Beide Male schlug der Versuch fehl. Die auf Kompromißpolitik eingestellte Gruppe schied dann aus der Partei aus und hat es bei der darauf folgenden Reichstagswahl und erst recht bei den letzten Landtagswahlen nicht vermocht, auch nur ein Mandat aus eigener Kraft zu erlangen. Auch dieses Beispiel muß von einem erneuten Sammlungsversuch abschrecken.
Verstärkt werden unsere Bedenken durch die Lieberzeugung, daß die auf einer bürgerlichen Einheitsliste gewählten Abgeordneten, also die von Ihnen vorgesehene bürgerliche Fraktion im Landtag niemals eine gedeihliche Arbeit leisten werden können, weil in ihr Kräfte zusammen- gefaßt find, die weltanschaulich stark ausein- anderstreben. Auch die Ausübung eines Fraktionszwanges halten wir bei den gegebenen Verhältnissen für unmöglich.
Seitdem die Partei unter der Leitung von Hugenberg steht, hat sie wieder an Stärke und Ansehen gewonnen. Sie würde dieser ihrer Entwicklung und damit auch der Stellung der bürgerlichen Wählerschaft überhaupt einen schweren Schlag versehen, wenn sie sich jetzt ihrerseits auf eine der von Ihnen vorgeschlagenen Art „Sammlungspolitik" einliehe. Zahlreiche uns in den letzten Tagen aus Stadt und Land, und zwar auch aus Kreisen, die uns seither fernstanden,
zugegangenen eindringlichen Warnungen bestätigen uns die Dichtigkeit unseres Vorgehens.
Llnserer Partei sind alle Elemente willkommen, die auf den Boden des nationalen Widerstandes und der Bekämpfung des Marxismus treten wollen. Daher können wir uns eine Sammlung nur in der Weise denken, daß die Mittelparteien von der Aufstellung eigener Kandidatenlisten ab- sehen und ihre Wähler auffordern, für die Deutschnationale Liste einzutreten. Ist dieser Wille bei den Mittelparteien vorhanden, dann sind wir gerne bereit, in bezug auf die Personenauswahl berechtigten Wünschen entgegenzukommen."
Minister Leuschner im Gerichtssaal tätlich angegriffen.
Darmstadt. 8. 3uni. 3n einem Schnellgerichtsverfahren gegen den Kaufmann Berg- ft räß er und den Drogisten Horstmann wegen Beleidigung des 3nnenministers gab es zu Beginn der Sitzung eine erregte S&ene. Minister Leusch- n e r, der als Zeuge geladen war, wurde plötzlich von einer Frau miteinemStock aus den Kopf geschlagen, so daß eine blutende Verletzung entstand. Die Frau wurde von der Polizei sistiert. 3n der Verhandlung wurden die beiden Angeklagten, die in der Dacht vom Samstag auf Sonntag den Minister und dessen Frau in der Straßenbahn von Eberstadt nach Darmstadt gehänselt und dann beleidigt hatten, gemäß dem Antrag des Staatsanwalts zu je zwei MonatenGefängnis verurteilt. Dem Minister wurde außerdem Publikationsbefugnis in den Darmstädter Zeitungen zugesprvchen. Minister Leuschner bekundete als Zeuge, daß es wohl die übelste Hetze gewesen fei, die er je erlebt habe. 3n ber Llrteilsbegründung betonte der Vorsitzende, die jungen Leute hätten ihr zahlenmäßiges Liebergewicht in einer unschönen, ja feigen Weise ausgenutzt.
Oer frühere Abgeordnete Buttler verurteilt.
Darmstadt, 8.Juni. (WSN.) Vor dem Schöffengericht Darmstadt hatten sich die bisherigen nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Joses Buttler und Kern aus Eberstadt wegen Vergehens gegen das Schußwaffengesetz zu verantworten. — Wie bekannt, wurde Buttler am Abend des 15. Februar auf der Modau- brücke in Eberstadt mit einer Schußverletzung in der rechten Hüste aufgefunden. Das Gericht gelangte insbesondere auf Grund des Gutachtens der Frankfurter Sachverständigen Professor Popp und Dr. Hans Popp zu der Ueberzeugung, daß sich Buttler ohne Zweifel selb st den Schuß beigebracht haben müsse. Vervollständigt wurden die Indizienbeweise durch das auch heute vor Gericht wiederholte Geständnis des nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Kern aus Eberstadt, daß er d i e von Buttler benutzte Waffe an diesen verkauft habe. Buttler wurde wegen Erwerbs der Waffe zu 50 Mark Geldstrafe und wegen unerlaubten Führens der Waffe zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Kern erhielt wegen Verkaufs der Waffe an Buttler 30 Mark Geldstrafe.
t e n und die Partei und die Regierung könnten sich solche Uebergriffe nicht l e i st e n.
Kleine politische Nachrichten.
Am Samstagoormittag wird der Reichskanzler die Vereinigten Ausschüsse des Reichsrates in Anwesenheit der Ministerpräsidenten der größeren Länder zu einer Besprechung über die allgemeine politische Lage und die zu erwartenden Notverordnungen empfangen.
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Die Stadt Duisburg-Hamborn ist zur Zeit nicht in der Lage, die am 1.3uni fälligen Zinsscheine der 7-Millionen-Reichsmark°An- leihe von 1928 einzulösen. Alle vorhandenen flüssigen Mittel müssen im Augenblick für die Wohl
fahrtspflege bereitgehalten werden. Die Stadt hofft, daß ihr vorn Reich und Land Hilfe zuteil wird.
Der Fehlbetrag im Haushaltsplan der Stadt Köln, der in der nächsten Woche den Stadtverordneten unterbreitet werden soll, beläuft sich auf rund 25 Millionen Mark. 3n den Haushaltsplan ist kein Zuschuß des Reiches eingesetzt.
3n einer geheimen Stadtverordnetensitzung wurde mit großer Mehrheit (gegen zwei Rationalsozialisten und 'einem Kommunisten) die Vorlage des Magistrats, dem ehemaligen Reichskanzler Dr. Brüning das Ehrenbürgerrecht derStadtMünsterzu verleihen, angenommen.
Das badische Staatsministerium hat soeben folgende Verordnung erlassen: Die Verordnung des Staatsministeriums vom 21. Juli 1923 über dis Bestimmung des 11. August (Reichsverfassungstag) als gebotener Festtag wird aufgehoben.
Die nationalsozialistische Fraktion der Bremischen Bürgerschaft hat einen Dringlichkeitsantrag eingebrachl, worin mit Rücksicht auf die Men- derung des politischen Willens der Bevölkerung die sofortige Auflösung der Bürgerschaft gefordert wird.
Der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hat beschlossen, gegen den früheren Ersten Dundesvorsitzenden, Oberpräsident z. D. H ö r s i n g, sowie gegen drei weitere Mitglieder des Reichsbanners das Ausschlußverfahren einzuleiten. Zum Stellvertreter des jetzigen Ersten Bundesvorsitzenden Karl Höltermann wurde der Reichstagsabgeordnete Gustav Ferl (Magdeburg) gewählt.
Aus aller Welt.
Deutscher Flottenbesuch in Stockholm.
Bom 11. bis 17.3uni findet ein Besuch deutscher Kriegsschiffe in Stockholm statt, an dem der Kreuzer „Königsberg", das Torpedoboot „Seeadler" und die 4. Torpedoboothalbflottille teilnehmen. An Bord des Kreuzers „Königsberg" befindet sich der Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte Konteradmiral A l - brecht, auf dem Torpedoboot „Seeadler" de« Ches der 2. Torpedobootsflottille, Fregattenkapitän M o o h, Kommandant des Kreuzers „Königsberg" ist Fregattenkapitän Den sch. Die 4. Torpedoboothalbflottille besteht aus vier Booten und wird geführt von dem Halbflottillenchef, Korvettenkapitän Stande (Halbflottillenboot, Torpedoboot „Albatros").
Profesfor Piccard steigt in Zürich zum zweilcy Stratosphärenflug auf.
Lleberraschend erschienen Schweizer Herren mit Möbelwagen im Auftrage von Professor Piccard, um den kompletten Höhenballon, der bisher bei foer Ballonfabrik Riedinge e in Augsburg lagerte, abzuholen. Profesfor Piccard hat sich nach eingehendem Studium der örtlichen Verhältnisse entschlossen, den zweiten Stratosphärenflug von Zürich aus zu unternehmen. Der Ballon wird unter belgischer Flagge unb unter der Führung von Professor Piccard selbst in Begleitung des belgischen Physikers Coshns aufsteigen. Für das Datum des Aufstiegs sind die Witterungsverhältnisse ausschlaggeberck». Als Startplatz ist der Sportplatz der Graßhop- pers bei Zürich in Aussicht genommen. Professor Piccard hofft, daß er in der Stratosphäre eine Windströmung von Rord nach Süd antrifft, um mit dem Ballon die Alpen zu überfliegen und i n der Pv- Ebene zu landen.
vom Deutschen Merkmeislerverband.
Der Deutsche Werkmeisteroerband, Sitz Düsseldorf, die älteste und größte Organisation der technischen Betriebsangestellten, hat soeben seinen Geschäftsbericht herausgegeben. Der wirtschaftliche Niedergang hat die Mitgliederbewegung relativ gering beeinträchtigt. Ziemlich groß ist aber die Zahl der stellenlosen Mitglieder. Zu Ende der Berichtszeit wurden 18 800 gezählt. Dementsprechend ist auch die Ausgabe für Unterstützungen gestiegen. Werden die Leistungen der Nebeneinrichtungen hinzugerechnet — der Verband hat eine Sterbekasse, einen Brandoersicherungsverein und eine Berufskrankenkasse, Ersatzkasse —, so ergibt sich für die Jahre 1930/31 eine Gesamtausgabe von über 16,5 Millionen Mark, die den Mitgliedern wieder zugeflossen sind. 110 000 Auskünfte über alle möglichen Rechtsgebiete wurden erteilt. Auch die Bildungs- beftrebungen der Mitglieder wurden gefördert durch Veranstaltung beruflichfachlicher-, wirtschaftlicher-, arbeitsrechtlicher- und Sozialversicherungs-Kurse im ganzen Reichsgebiet. Vom 11. bis 13. Juni hält der Verband seinen 30. Verbandstag in Mannheim ab. In Verbindung damit findet eine große öffentliche Kundgebung statt, an der mehrere taufend Werkmeister aus Südwestdeutschland teilnehmen werden.
Giftschmuggler vor Gericht.
Dor dem Erweiterten Schöffengericht Dürnberg begann ein Kokain- und Salvarsan-Prozeß gegen neun Angeklagte, £>ie geglaubt hatten, durch den Schleichhandel mit diesen Mitteln leicht zu Geld kommen zu können. Die allermeisten von ihnen sind aber nicht nur finanziell schwer geschädigt worden, sondern müssen jetzt auch nod) Gefängnisstrafen gewärtigen, da die Sache rechtzeitig auf gedeckt werden konnte. 3m übrigen gelang es den Angeklagten gar nicht, sich echtes Kokain bzw. Sal- varsan zu verschaffen; ihre Lieferanten verkauften ihnen nämlich für gutes Geld meist wertlos e Mischungen aus Kokain und Borax bzw. wertlosen Oder statt Salvarsan, der natürlich trotz großer Reisen nirgends abgeseht werden konnte.
Zwei Jahre Gefängnis für eine Rabenmutter.
Wegen Kindestötung wurde vom Schwurgericht | Deuwied die Ehefrau Schlosser aus Brühldors bei Kirchen a. d. Sieg zu zwei 3ahren Gefängnis verurteilt. Als der Mann der Angeklagten im 3ahre 1929 nach Amerika auswanderte und sie lange nichts von ihm gehört hatte, ging sie ein Verhältn s mit einem anderen Manne ein. Am 4. März 1932 schenkte sie in aller Heimlichkeit einem Kind das Leben. Sie setzte in den kalten Morgenstunden das Kind zunächst etwa eine Stunde hinter dem Hause aus, schickte ihre beiden anderen Kinder zur Schule und warf dann das Deugeborene, das, wie die Angeklagte angab, inzwischen gestorben war, in die 3auch e g r u b e. 3hr eigener Vater fand das Kind im April in der Grube und erstattete, ohne zu ahnen, daß es das Kind seiner Tochter war, sofort Anzeige. Das Gericht machte die Feststellung, daß das Kind bei der Geburt gelebt hatte.
Ein Vater von elf Kindern tödlich verunglückt.
Ein Bauunternehmer, der auf einem Fahrrad nach Hause fahren wollte, wurde auf der Land- straße bei Düsseldorf von einem Kraftwagen ü b e r f a h r e n. Der Verunglückte, der etwa 50 Meter von dem Auto mitgeschleift wurde, war sofort tot. Er hinterläßt 11 Kinder.
Das Schuldkonto einer Räuberbande.
3n DowiBetschej in der Wojwodina wurden Untaten einer Räuberbande aufgedeckt, die in der Kriminalgeschichte beispiellos dastehen dürsten. Es wurde festgestellt, daß die Bande mindestens 86 Morde verübt hat. Die meisten Opfer wurden erschossen, acht Personen erschlagen. Die Verbrechen reichen bis in die Zeit des Umsturzes zurück. Auf Grund von Zeugenaussagen wurdet»


