Einzelbild herunterladen

öl

D 0 II

- ty= 2 61 lOll

- i JJTi, a s h=h?

lM a?*l

s

s

1' öÖ7(0o ts?B ME

- 7- "'ti-.n

2.5ti « 2 So^i 2i

2.^0: 5?S ?£ ög1*: jsg

tf3S«

^.^Ss--."s0.L dVV-^y<U rt - J 2 c< S i 2 '

.,;1Si3s>rocrP

;, xSfffS

> = 33-.

, " i> S 3

: . -o rficr 'S- - o (II o

3-en

5'2,6/-.f? 2^ o Z "n -» y r~!'>~ s»2

Nr. (ÖZ Zweites Blatt

KnegswolkenimFemenOsten

Don Dr. Paul Rohrbach.

Die Lage 'm Fernen Osten wird immer ähn­licher der vor zwanzig Jahren, vor dem Aus­bruch des russisch'japanifchen Krieges von 1904. Es ist damit noch nicht gesagt, daß es auch dies­mal zu einem Waffengang zwilchen den Aussen und den Japanern kommen wird, ober man muh mit der Möglichkeit rechnen. Auf der russischen Seite liegt, anders als vor 1904. wo Rußland in der Expansion begriffen war und Die Japaner geradezu herausforderte. aller­dings keine Neigung dazu vor. Japan ober ist heute im Vorbringen und Rußland sieht seine Stellung in Ostasien gefährdet. Gin sehr wichtiges Moment dabei scheint zu sein, daß Japan wiederum, wie vor zwanzig Iohren, \ m Einverständnis mit England handelt.

Man darf nicht vergessen, daß der russische Diktator Stalin nach ollen Aochrichten. die darüber zu erhalten find, ein schwerkranker Mann ist. Die Berufung ausländischer Aerztc. namentlich deutscher Autoritäten, nach Moskaus ist Tatsache. Sie wird in der Sowjetpressc auch zugegeben, mit der etwa- merkwürdig klingen­den Begründung, die hohen Fuktionäre in Mos­kau liehen sich regclmähig von Zeit zu Zeit untersuchen, um festzustellen, ob sie etwas Be­sonderes für ihre Gesundheit und Arbeitskraft tun mühten. Ob Stalin an Krebs erkrankt ist, wie in der russischen Emigrantenpresse in Paris behauptet wird, ob er ein Gehirnleiden hat, wie seinerzeit Lenin, oder ob auch diese Riesen­natur einfach im Begriff ist, der unausgesetzten Ueberspannung seiner seelischen Kräfte zu unter­ließen, unter der vor einigen Jahren der zum Wirtschastsdiktator ernannte frühere Chef der Tscheka. Dserschinski, zusammenbrach, tut wenig zur Sache.

Sollte Stalin tatsächlich vom Schauplatz ver­schwinden, so würde das für Sowjetruhlond noch mehr bedeuten, als etwa der Tod Mussolinis für Italien. Der Faschismus in Italien ist darum inner lich stärker, als der Bolschewismus in Rußland, weil er nicht, gleich diesem, heimlich von tiefen inneren Spaltungen durchsetzt ist, und weil Italien wirt- lchaftlich gesunder ist als Sowjetrußland. Wer näher Bescheid weiß, dem sind zwar auch die matten Stellen unter der faschistischen Vergoldung nichts Unbefann les, aber als Ganzes steht das System relativ auf festen Füßen. In Rußland ist es n u r d i e f u r ch t bare Energie Stalins, die bisher alle Spal­tungserscheinungen unterdrückt und dazu die Ent­schlossenheit ausgebracht hat, um desFünfjahres- plans" willen die Nahrungsnot und die deutlich sicht tare zunehmende Verkümmerung des ganzen russi­schen Lebens zu ignorieren. Geht er Mit dem Tode ob, so ist nicht zu übersehen, welch ein Wirrwarr dann in Rußland ausbricht

Am besten über diese Dinge unterrichtet sind Tokio und London, und weil man dort eine klare Vorstellung baooei hat, was »in Rußland pas­sieren kann, darum richtet man sich auf das Kom­mende ein. In Tokio, heißt es, ist den dort an- roefenaen Pressevertreternamtlich" mitgeleilt wor­den, daß Japan die russischen Truppenzusammen- Ziehungen an der mandschurischen Grenze zunächst mit Ruhe ansähe, jedoch unter Umständen bereit sei, in den Streit zwischen Rußland und der neuen mandschurischen Republik einzugreisen". Umgekehrt meldet das offizielle Blatt der Sowjetregierung in Moskau, die politische Lage im Fernen Osten habe sich sehr zugespitzl; die vollkommene 'Verantwortung trage jedoch die japanische Regierung,die die Re­gierung Puji zu einem Konflikt mit Rußland treibe"; die japanische Presse bringe Märchen über Rußland und schasse so eine Kriegsstimmung? Zu diesenMärchen" gehört jedenfalls auch die von Japan verbreitete Nachricht, daß die Russen an der mandschurischen Grenze neun Divisionen zujammen­gezogen hätten. Hinzugesügt wird, daß im Falle einesrussisch-mandschurischen Konflikts" die japanische'Armee nicht werde neutral bleiben können.

Derrussisch-mandschurische" Konflikt ist natürlich

Madrider Bilderbogen.

Don Hans iHofel

Zwischen schmutzigen, engen Gassen, wie man sie nur im Süden findet, liegt der ..Rastro", der Trödel- r markt Madrids. Ein ganzes Stadtviertel scheint ab­gebrochen worden zu sein, um hier zum Verkauf aus- geboten zu werden. Alles, was auch nur im entfern­testen noch eine Verwendungsmöglichkeit zeigt, taucht hier wieder auf. Immer gibt es noch ärmere Leute, die die Gegenstände, ine andere schon zehnmal in den Müllkasten geworfen haben, wieder benutzen können. Der Rastro ist der große Umschlaghafen für alle ge­strandeten Güler. Sjat jemand eine Wohnungseinrich- K tung, die vor Altersschwäche fast oder ganz zersallen ist ein Trödler vom Rastro kaust sie immer noch. Will ein junges Paar ein Schlafzimmer erstehen f; auf dem Rastro wird cs aus Möbeln aller Stile und Jahrhunderte zusammengestellt. Alles ist hier - zu haben, vom Hosenknopf bis zum Wäscheschrank, oon der Ocllampe bis zum Radio. Man kann einen Grabstein erstehen, unter dem früher ein Marques & begraben lag. man kann sich aus vielen Einzelheiten : ein Auto zusammenbauen lassen, das wahrscheinlich nicht viel weiter als den Berg hinunter fahrt. Gin 1 Schuhputzer kann mit ein paar Peseten auf den Rastro gehen und als Minister nach Hause kommen, lorerofoftiime, die vor kurzem noch in bunter Seide "i. <ji den Arenen leuchteten, hängen nun zwischen alten Regenschirmen und Krücken, ein Flugmotor neben einer Serie Abortdeckel, eine Apostelfigur neben Grammophonplatten, Fährradcr neben Generals . epaulctten, Rosenkränze neben Steigbügeln Ein , Schuh, der schon zehnmal seinen Besitzer gewechselt hat, kommt zum letztenmal hierher, um in seine Be fliinbteile aufgelöst zu werden; cs gibt immer noch Liebhaber, die sür ein paar Centimes durchlöcherte | Sohlen und schiefe Absätze kaufen. Autoreifen kehren j als Gummipantoffeln ganz eigenartiger Konstruktion wieder. Ein Arbeiter, der sich für 10 Gen tim os ! einen Radioknopf erstanden Hai, sucht in den übrigen Ständen das Fehlende für einen kompletten Radio r apparat. Eine Fünfzehnjährige verhandelt aufgeregt ( wegen eines Stückes Spitze, für das der Verkäufer absolut zwei Real haben will.

Hier gilt ein anderes Währungssnstern es geht um ..perra chica" oder .^orda (kleine ober große | Hündin 5 oder 10 Cent,mos), um Real und Duro li (25 Centimos und 5 Pesetas). Wenn einer es nicht ß fertig bekommt, den Preis auf die Halste ober ein Drittel zu brücken, hat er überbezahlt. Das Hanbeln . bedeutet ein besonderes Vergnügen, obwohl sich Kau

Siebener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gderhessen)Montag, 9. Mai (952

bloße Regie. Die sog. Regierung Puji ift e i n e o er­be rf t e japanische Regierung. Puji, der frühere chinesische Kaiser und jetzige lebenslängliche Resident der Mandschurei, hol ja bei seiner Amts­übernahme erklärt, die neue Republik brauche keine eigne Armee, da ja Japan so freundlich sein wolle, ihr oon seinen Truppen nach Bedarf zu leihen. Es geben auch Gerüchte, Japan wolle sichdurcheinen Hand st reich der chinesischen O st bahn bemächtigen. Dasselbe versuchten befanntlid) vor einigen Jahren die Chinesen, indem sie die rus­sische Bahnoerwaltung und das russische General­konsulat in Chardin aufhoben und Dokumente photo­graphisch oeröstentlichten, aus denen heroorging, daß diele russischen Stellen kommunistische Propaganda gegen die Regierung Chinas trieben. Die Dokumente werden wohl echt gewesen sein, aber die Russen küm­merten sich nicht darum, schickten Truppen nach der Nordmandschurei, und China, bas bem keine beroaff- netc Macht entgegen)ufegen hatte, mußte auf der ganzen Linie klein beigeben.

Die chinesische Ostbahn verbindet auf dem direk­ten Wege durch die Rordmandschutei das russische Gebiet Transbaikalien mit Wladiwostok, dem einzigen brauchbaren Seehasen Rußlands am Stillen Ozean Bei Chardin, das die Japaner auch schon besetzt haben, zweigt der südliche Arm der Dahn nach Mulden und Port Arthur ab. Die Streitkräfte, die Rußland seinerzeit nach der Mandschurei schickte, um China wegen der chinesischen Ostbahn zum Rachgeben zu zwingen, nahm es damals nach Transbaikalien Mirüd. Don neun Divisionen, die bei normaler Stärke mehr als 150 000 Mann bedeuten würden, war aber keine Rede; eS war kaum der fünfte

Teil, meist Kavallerie, außerdem Flugzeuge. Daß mit der sehr leistungsschwachen sibirischen Dahn inzwischen eine solche Verstärkung ftatt- gcfunden haben sollte, ist mehr als unwahrschein­lich. Befehlshaber war der sogenannte General D l ü ch e r, ein früherer Unteroffizier der za­ristischen Armee, den die Phantasie eines Fran­zosen (A. F. Legendre in einem übrigens lesens­werten. äußerst japanfreundlichen Buch. ,1'Asic contre f Europc, eben in Paris erschienen) sogar zu einem deutschen Generalstabsoffizier .Bluekher" macht. Blücher soll auch jetzt Kom­mandeur *ber russischen Truppen in Transbai­kalien sein.

Wenn die Japaner, im stillen Einver­ständnis mit England und vielleicht auch mit Frankreich, den Krieg mit Ruß­land wollen, so können sie ihn natürlich als ..Derbündete" des armen Puji alle Tage haben Fällt Stalin, als der bisherige Antriebsmotor der Sowjetmacht, aus. und gebt bann in Moskau alles brünier und drüber, während Japan in das russische Ostasien einrückt, so könnte leicht, auch ohne viel Rachh.lfe von andrer Seite, dein Bolschewismus das Lebenslicht ausgeblafen wer­den. Das jehige konservative Regime in Eng­land wird ihm keine Träne nachweinen. 3m Gegenteil, ein neues bäuerlich-bürger­liches Rußland wäre für England wie für Frankreich ungleich wünschenswerter, als der Sowjetstaat. Für die deutschen, an Rußland gegebenen privaten und öffentlichen Riesen- Irebite würden sich dann aUerdings die oft genug erhobenen Warnungen als gerechtfertigt erweisen.

Die Äahrungsmillelkonlrolle in Gießen.

Die Arbeit der Nahrungsmittelpolizei in Gießen im Jahre 1931.

Dom Polizeiamt Gießen erhalten wir den nach­stehenden interessanten Bericht;

Die Rahrungsmittelkontrolle wird im allge­meinen in der Ocffentlichkeit wenig beachtet. Hin und wieder verschafft ein auffallendes Gerichts­urteil einen Einblick in diese wichtige Aufgabe der Polizei. 3n welchem weit größeren Umfang aber sich diese polizeiliche Tätigkeit im Laufe eines Jahres auswirkt, möge zur Beruhigung der Bevölkerung und zur Warnung für gewissen­lose Händler nachstehende Schilderung zeigen.

Cs wurden im Jahre 1931 vom Polizeiamt Gießen 412 Proben von Rahrungs- und Genuß­mitteln dem Chemischen Untersuchungsamt Gießen zur Nachprüfung übergeben.

Cs waren folgende (die Zahl der Beanstan­

dungen ist in Klammern beigefügt):

Mehl-, Back- und Teigwaren 21 (2)

Konbitoreiwaren, Fruchtsäfte, Obst- und

Obstkonserven 16 (7)

Wurst, unb Fleischwaren 11 (1)

Milch unb Milchkonseroen 297 (23)

Butter unb Käse 33 (13)

Margarine unb sonstige Fette unb Oele 3 (0)

Wein unb Obstwein 4 (0)

Bier unb Branntwein 4 (2)

Wasser unb Mineralwasser 3 (0)

Kaffee, Tee, Kakao unb Schokolade 4 (0)

Essig, Gewürze unb Spezereiwaren 12 (2)

Sonstige (Bcbraudjsgegenftänbe 4 (0)

Don sämtlichen untersuchten Proben wurden beanstandet: 50 Proben = 12,1 v. H.. gegen im Vorjahre 13,4 v. H. Wie die Aufstellung ersehen läßt, erstreckt sich ein sehr großer Teil der Unter­suchungen auf Milch unb Milchpräparate. Weiter wurden 1306 Milchproben durch die Rahrungs- mittelfontrollbeamten vorgeprüft. 3n 44 Fällen, bei welchen die Milch verdächtig erschien, mußten bei Landwirten in verschiedenen Ortschaften von unseren Kontrollbeamten in den Früh- unb Abendstunden Stallproben erhoben werden. We­gen Rahrungsmittelfälschungen usw. wurden 45

Anzeigen erhoben und erhebliche Strafen ver­hängt.

Außerdem wurden 1916 Revisionen in allen Gewerbebetrieben und Handlungen, in welchen Rahrungs- und Genußmittel zum Verkauf stehen, gelagert unb hergestellt werden, z. D. auep in Backstuben, Mehlkammern, Wurst küchen und Speiseeisherstellungsräumen auf Reinlichkeit, sach­gemäße und vorschriftsmäßige Behandlung der Ware vorgenommen. Hier wurden einige Mängel festgestellt. Drotgewichtsrevisionen wurden 260 vorgenommen, wobei auch das von auswärts zu­gefahrene Brot der Gewichiskontrolle unterzogen worden ist. 44 Brote, die Mindergewicht bis zu 140 Gramm hatten, wurden weggenommen und die betreffenden Bäcker zur Anzeige gebracht. Auch auf die Kohlen, die in Säcken den Ver­brauchern zugefahren werden, wurde ein be­sonderes Augenmerk gerichtet Bei 243 Stich­proben konnten strafbare Fälle von Minderge­wichten in den Säcken nicht festgestellt werden. Ferner sei hier noch erwähnt, daß der Wochen­markt, der Straßenhandel, der Ncischtransport, das Vorrätighalten von Hackfleisch in der Som­merzeit und die Fleifcheinfuhr unter dauernder polizeilicher Kontrolle stehen

Um die Bevölkerung vor gesundheitlichen Schä­den zu schützen, ist reichsgesetzlich geregelt, baß alle Tiere, deren Fleisch zum menschlichen Genuß bestimmt ist, und nicht restlos im eigenen Haus­halt verwendet wird, vor und nach der Schlach­tung von einem amtlich verpflichteten Fleisch­beschauer oder Tierarzt untersucht werden 3n Gießen ist durch eine besondere Polizeiverord­nung geregelt, daß alles frisches Fleisch von Rindvieh, Schweinen, Schafen. Ziegen und Pfer­den. das v-n Metzgern, Händlern. Hotels und Wirten von außerhalb eingeführt wird, auf dem kürzesten Wege zur Rachschau in den städtischen Schlachthof zu verbringen ist. Hier fei zur Unter«' richtung der Einwohnerschaft noch erwähnt, daß die Einfuhr von frischem Fleisch in Gießen in den Monaten April bis September nur in der

fer unb Verkäufer längst über die Endsumme einig sind, gehen Forderungen unb Gebot noch lange hin und her. Flüche, Begrüßungen, Angebote, Beteue­rungen, Argumente aller Art schwirren durch die Luft, die ganze Budenstadt scheint ein Affenstall ober ein lärmenbes Zigeunerlager.

Nur die wohlhabenden und alteingesessenen Tröd­ler haben ihre Zeltbuden, die Uebrigen breiten auf einem Stück zerschlissenen, schmutzigen Tuchs ihr Co­ger aus. Fahrstraße, Gehsteig, Treppen sind besetzt. Dazwischen drängt sich die Menge, tritt in Silber­löffel und sorgsam geordnete Nägelreihen, stößt an Kleiderschränke und Pferdesättel Manchmal trifft man noch einen seriösen alten Herrn, der hier nach alten Kunstwerken jagt. Es soll aber schon lange her sein, daß man auf bem Rastro noch wertvolle Ob­jekte aufstöbern konnte.

Nicht weit vom Rastro, in einer kleinen Seiten straße sitzt ein öffentlicher Schreiber. Alt, vertrocknet und mit einem grauen, schmutzigen Stoppelbart. Sein Anzug, der noch die guten Tage erlebte, als er vor zehn oder fünfzehn Jahren in irgendeinem dunklen Büro die Zeit mit Fakturenschreiben, Unter­haltungen und Rauchen verbrachte, wird heute nur noch notdürftig durch ein paar Flicken zuiammen- gchaltcn. Die Feber immer noch etwas kokett hinterm Ohr, sitzt er an der weihgekalkten Wand in der Sonne und wartet auf feine Kunden. Gegenüber im Schatten steht sein kleiner Tisch mit einem unförmi­gen, oerklecksten Tintenfaß, einem Lineal und em paar Dogen Schreibpapier mit Umschlägen, von einem bunten Kiesel beschwert.

Ich mußte erst einmal in aller Ruhe eine Anzahl Zigaretten mit ihm verrauchen, dann eingehend die ganze politische und wirtschaftliche Lage besprechen, bis er sich etwas näher auf die Eigenart seines Be triebes einließ. Aber als er erfuhr, bah meine Wiege nicht weit ab von den Faberlchen Bleistiftfabriken ftanb, ein Artikel, mit bem er während seiner frühe­ren Tätigkeit viel zu tun hotte war unsere Freund­schaft vollkommen.

Pepino", wie er seiner gurfenförmigen Nase wegen genannt wird, schreibt nicht nur die Liebes­briefe für die Dienstmädchen des Stadtviertels, Ion- dern macht auch alle Beschwerden an die Haus­besitzer, wenn die Reklamationen bei den Portiers nichts genügt haben, oder die schwierigen Eingaben an die öffentlichen Stellen. Er fungiert in vielen Fällen für die Bewohner dieses ärmsten Viertels als erster juristischer Berater unb weiß bank seiner Er­fahrungen genau, ob es bester ist. Rd) ohne Justiz

zu einigen ober obein kleines Schreiben nichts schaden könne". Für diese Arbeiten hat er auch den besonderen amtlichen Stil, sehr höflich und etwas geschraubt, mit vielen Kommas und Klammern und wenig Punkten. Solch ein Brief kostet mindestens 80 Centimos oder, falls eine längere Konsultation vorausgegangen ift, sogar eine Peseta. Kleine Liebes. biUette macht er für 20 Centimos, auf bestem Seinen- papier, wie er ausdrücklich versichert. Soll es aber schon ein längerer Bries (ein mit vielen herzlichen, leidenschaftlichen ober verzweifelten Sätzen, läßt er sich seine Phantasie mit 40 bis 50 Centimos be­zahlen. Für das Vorlesen empfangener Briese ver­langt er nichts, wenn ihm die Beantwortung anoer­traut wird.

Seine besten Kunden sind immer noch die Dienst Mädchen, vor allem, wenn sie aus den Dörfern der südlichen Provinzen kommen, wo die Analphabeten noch 80 unb 90 o. H. der Bewohner ausmachen. Manchmal haben sie noch nachträglich etwas lesen gelernt, manchmal auch ein wenig schreiben, aber das yidjt bei weitem nicht, einen Bries und be­sonders einen Liebesbrief, der unbedingt ein paar übersteigerte Wendungen und Buchstaben mit schönen Schnörkeln enthalten muß, allein sertigzuftellen. So bleibt nur Pepino, den man als neutrale Person in seine Herzensangelegenheiten einweihen kann, nicht ohne ihn vorher zu strengstem Schweigen zu ver­pflichten.

Mir erzählte er aber doch oon einer Maruja, einer kleinen hübschen Andalusierin, die sich zu weit mit ihrem Corios eingelassen hatte unb nun mit einem Kind unb fast ohne Arbeitsmöglichkeiten da. sitzt, unb für bie er nichts weiter tun könne, als ihr die Briefe, worin sie den Ungetreuen an ihre Liebe unb seine Doterpslichten erinnern will, kostenlos zu schreiben.Aber der Schuft bat weder auf die zarten Bekenntnisse, noch auf die deutlichen Drohungen reagiert", erklärt er mir gekränkt, unb dies scheint ihn ebenso zu beleidigen, wie die Unanständigkeit Maruja gegenüber.

Die zweieinhalb bis drei Peseten, die er täglich verdient, genügen ihm, um feine Schlafstelle und ein paar Teller Suppe zu bezahlen. Es bleibt sogar noch genügend für einige Giäfer Wein unb etwas Tabak. Mehr braucht er nicht, feine Angehörigen sind tot. Ich werde wahrscheinlich der letzte Schreiber in diesem Viertel sein", meint er resigniert,denn durch die vielen tausend neuen Schulen, bie die Regierung nun bauen lassen will werden wenig Mädchen blei­ben, bie nicht ihre Briefe selber schreiben können.

Ah. da kommt die kleine Concha, sicher hat sie schon von ihrem Miauet Antwort erhalten'' Als

Zeit von 6 bis 20 Uhr unb von Oktober biS Marz nur von 7 bis 19 Uhr hattfinbcn bad. Aus die Einfuhr von frischem Fleisch zur Racht- yit mit der Eisenbahn wurde cm besonderes Augenmerk gerichtet

Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen gegen diele Verordnung mußten in 23 Fällen erhoben werden.

Gleichzeitig wird daraus hingewiesen. daß auch auswärtige Metzger, Bäcker unb Händler Fleisch- und Wurstwaren usw. nach der Ladenfchlußzeit ihren Kunden in der Stadt Gießen nicht mehr zubringen dürfen.

Bei aller Strenge, welche die Polizei auf diesem lebenswichtigen Gebiete übt. ist die Be- anstandungSziffer. 12.1 vH. gegen 13.4 v. H im Jahre 1930. immer noch verhältnismäßig hoch

Es wird deshalb an die Verbraucher die Bitte gerichtet, alle ihnen bekannt werdenden Mängel auf diesem Gebiete zur Kenntnis der Polizei zu bringen.

5ie Polizeibeamten haben Weisung, diesem wichtigen Gebiet ihrer Tätigkeit unausgesetzt die schärfste Aufmerksamkeit zu widmen.

HandwerkertagunginLaubach

D Laubach. 7. Mai. Dieser Tage fand hier im .Solmser Hof" eine große Handwerker- versammlungdesBezirkSverbandeS S ch o t t en-Gedern - Laubach unb U l - richftein statt, bei der auch die Spitzenver­treter des hessischen Handwerk- anwesend waren. 'Zunächst begrüßten Spenglermcister Döll im Rainen de- Laubacher Vereins für Handel und Gewerbe und Bürgermeister Högy für die Stadt Laubach die zahlreichen Teilnehmer und wünsch­ten der Tagung guten Verlaus. Sodann wie­der Leiter der Versammlung, der Vorsitzende de- Dezirksverbandes Zeschkh (Schotten», in seiner Begrüßungsansprache auf die Rot de- Hand­werks bin, die sich ganz besonders im Vogelsberg bemerkbar mache, und forderte zu noch festerem Zusammenschluß aller Handwerker auf. Bezirks­rechner und -schriftführer M ö s i n g e r (Schot­ten) trug die Rechnung de- BezirksverbandeS vor. die mit einem (leinen Ueberfchuh abfchloß. Der seitherige Vorstand, bestehend auS den Herren Z e f ch k h-Schotten (1. Vors.), Döll- Laubach (2. Vorsitzender) unb Mösinge r-Schotten (Schrift­führer und Rechner» wurde wiedergewäblt. Die übrigen Beisitzer des Vorstände- letzen lich aus den jeweiligen Vorsitzenden der beteiligten OrtS- gewerbevereinen zusammen.

Als erster Referent sprach der Vorsitzende des Hessischen Landesverbandes, Dieter (Cberstadt), über die Rotlage des Handwerks und die zur Abhilfe gestellten Forderungen, die in einem 13 Punkte umfassenden Programm den deutschen Regierungen und Parteien vorgelegt worden sind. Sodann referierten Gewerbeschulrat Dr. Bön­nings (Gießen) über den Rückgang des Hand­werks durch die Maschinisierung der Großbetriebe, der Direktor der Handwerkskammer in Darm­stadt, Schüttler (Darmstadt), ergänzend über die Forderungen des deutschen Handwerks, der Syndikus der Handwerkskammer-Rebenstelle Friedberg. Dr. Reif (Friedberg), über wirt­schaftspolitische Tagesfragen des Handwerks und der Vorsitzende des Arbeitsamtes Gießen. Re­gierungsrat Dr. Bues, über den freiwilligen Arbeitsdienst. Sämtliche Redner ernteten reffen Beifall.

Hieraus verlas Spenglermeister Döll (Lau- bach) eine durch Vermittelung der Handwerks­kammer Darmstadt an die Hessische Regierung ge­richtete Cntfchließung. in der auf die besondere Rotlage der Handwerker des Kreises Schotten eingehend hingewiesen und dringend steuerliche Entlastung gefordert wurde. Die Entschließung fand einstimmige Annahme. Rach einer kurzen Aussprache über das Lehrlingswesen wurde die Versammlung geschlossen.

ich dieses kaum sechzehnjährige Mädchen etwas um ruhig an der Ecke warten sehe, verabschiede ich mich, um die beiden mit ihren Sorgen allein zu lassen.

Zeitschriften.

Das Eheproblem gehört heute mitten hinein in die große Krilis unserer Zivilisation. Es ist nicht zu denken ohne die zunehmende Loslösung des Menschen von Grund und Boden, ohne Land­flucht und Verstädterung, ohne Ueberentwicklung^ von Technik und Verkehr, ohne Arbeitslosigkeit und Wirtschaftselend. Von dieser Schicksalslage aus behandeln die Süddeutschen Monats­hefte (München, das Problem in ihrem neuesten SonderheftZusammenbruch der Ehe" Hans Damm (Leipzig) schildert zunächst die Ur­formen der Ehe. Linen geschichtlichen Rückblick gibt Otto Warneyer (Leipzig), namentlich über die Entwicklung bei den Kulturvölkern von der Vielehe zur Einehe. Die Ehe im kanonischen Recht behandelt V. Heribert Holzapfel O.F.M. (München». Heber Luther uni) die Ehe sagt Dekan Langenfah (München) schlichte und schone Worte. Interessante rechtliche Vergleiche durch die Völker zieht Ernst Gottfcho (München Dann beginnt sozusagen der aktuelle Teil des Heftes mit einem Beitrag von Toni Harten-Hoencke (Berlin), .Das Beispiel Amerikas", aus dem das Problematische der in Amerika besonders weitgehenden Rechte der Frau hervorsticht. Es folgt die große Abhandlung ..Das Beispiel Ruß­lands^ von Emst Drahn (Berlin», wohl der erschütterndste Beitrag des Heftes. Warum unb in welchem Maße wir uns in Deutschland auch jenen Zuständen nähern, ^etgt Michael Calmes (Köln), der Generalsekretär de- Volkswartbun­des. in seinem Beitrag ..De Ehekrisis in Deutsch­land". Die ganze staatspolitilche und soziologische Bedeutung der Frage aber wird zusammeckgefaßt in dem Aussatz Ehe und Bevölkerung-Problem' von Richard Korherr (München), dem bekannten Verfasser der Schritt Geburtenrückgang". Er weist auf- die Tat'ache hin. daß der Sinn der Ehe daS Kind war und ist und daß die kinder­reiche Familie einst der Rormaltyp der Familie war.Set Völkertod ist ein taufend- und mil­lionenfacher Familientod. Jedes Volk wächst und stirbt in leinen Familiew Die heutige Zivilisa­tion ist wie jede Zivilisation eme einzige Front gegen das Geben, voran gegen den Kinderreich­tum."