Herriot zur Gleichberechiigungsdebatte mit Deutschland.
Eine neue CRebe über die französische Abrüstungspolitik.
Toulouse, 6. Rov. (WTD.) Auf dem Kongreß der Radikalen erklärt« Ministerpräsident Herriot, wenn man daran denke, daß England einzig und allein deshalb 1914 in den Krieg eingetreten sei, weil es einen Akt unterschrieben hatte, der die R e u t r a l i t ä t Bellens garantierte, dann habe man nicht das Recht, an der englischen Unterschrift irgendwie zu zweifeln. Ter Friede würde in weitem Ausmaße gesichert sein, wenn alle Unter* schriften den gleichen moralischen Wert hätten, den England der seinigen gegeben habe. Aber Locarno decke nicht alles. Dieser Vertrag enthalt« Lücken, die Driand leider nicht habe ausfüllen können. Dasselbe gelte vom K e l I o g g - A n t i kr i e g s p a kt, den die Vereinigten Staaten zwar unterzeichnet hätten, der aber abstrakte Stellen enthalte, die die amerikanischen Delegierten selbst zu ergänzen sich bemühten.
Die Frage der Gleichberechtigung sei ein Beweis für den Mangel des guten Glaubens. Als er die deutsche Rote erhalten habe, habe er zunächst geantwortet, daß er keine geheimen und vertraulichen Verhandlungen annehme. Das sei für niemand verletzend. Er halte an der Völkerbundspolitik fest. Auf den Inhalt der Rote habe er i n einem Punkte geantwortet: Rein, Frankreich werde niemals einwilligen! Aber hinsichtlich der Gleichberechtigung habe er einfach auf seine Erklärung in Genf verwiesen. Er habe sich gegen einige gegen Frankreich erhobene Anschuldigungen des Imperialismus gewandt. Allerdings habe er des weiteren erklärt, daß er die Formel, wenn mit ihr eine Aufrüstungsabsicht verbunden sein sollte, nicht annehmen würde. Leider habe man ihm nicht geantwortet. Anstatt seinen Worten den wahren Sinn zu geben, habe man sich in Aeußerungen ergangen, von denen man zum mindesten sagen könne, daß sie nicht gerade liebenswürdig gewesen seien. Er lasse gewisse Anklagen gegen Frankreich nicht durchgehen. Rechtsgleichheit ja, aber nur, wenn die Formel die Absicht in sich schließe, ein späteres Regime gemeinsamer Sicherheit einzuführen. Wenn diese Formel aber nur Absichten zur Aufrüstung und zur Ver
stärkung der Angriffsstreitkräfte verdecke, dann nein!
Zu dem sogenannten „k o n st r u k t i v e n P a n" bemerkte Herriot dann noch, Frankreich habe das Rotwendige verlangt, aber nichts Undurchführbares. Ietzt müsse man die Antworten ab -- warten. Es dürften ermutigende und auch aggressive Antworten eingeh-en. Unglück über die, die Frankreich des Imperialismus berichtigten! Er werde sie verfolgen und überall zeigen, daß sie lügen. Wer wünsche etwa eine Hegemonie? Etwa das französische Volk? Die Bauern, Angestellten und Arbeiter, die vier Jahre lang in den Schützen^ grüben gelegen hätten, sollten Militaristen sein? Frankreich stehe über solchen Verdächtigungen. Frankreich biete wieder einmal der Welt den Frieden. Es habe keinen anderen Wunsch als die Kinder, die ihm verblieben seien, in der Arbeit, im Frieden und in der Freiheit auszuziehen.
Kabmeiisrai in Paris.
Herriot über außenpolitische Fragen.
Paris, 7. Rov. (WTD.) Kriegsminister Paul-Boncour erstattet« in dem heut« vormittag abgehaltenen Kabinettsrat Bericht über die Aufnahme des Sicherheits- und Abrüstungsplanes in Gens. Ministerpräsident Herriot unterrichtete dann die Kabi- neittsmitglieder über seine Reise nach Spanien.
Rach dem KabinLttsrat erklärte Herriot den Iournalisten, durch Einbringung des Sicher- heits-und Abrüstungsplanes habe sich die Stellung Frankreichs in Genf verbessert. Heber seine Reise nach Spanien sagte er: „Erster Tag: Höflichkeit, zweiter Tag: Herzlichkeit, dritter Tag: Begeisterung". Zu der Frage der französisch-italienischen Beziehungen erklärte der Ministerpräsident, man müsse diese Beziehungen auf eine vernünftige Grundlage stellen. Ein Regime der Radelst i ch p o l i t i k könne nicht andauern: nach dem Kriege sei man gegenüber Italien ungerecht gewesen, man müsse anerkennen, daß das italienische Volk beträchtl'che Anstrengungen gemacht habe. Cs hätte neutral bleiben können, aber es sei in den Krieg eingetreten, und zwar zu einer Zeit, als man schon wußte, daß er fürchterlich sein würde.
Aus alter Welt.
Gronau in Genua.
Der deutsche Weltflieger Wolsg. v. Gronau ist, von Rom kommend, in Gen u a ge land et. Das Wetter über den Alpen ist sehr schlecht und die Ausläufer des Schlech>twettergebietes reichen bis Genua, so daß Gronau sich entschlosi- sen hat, vorerst noch dort zu bleiben.
Feierliche Inthronisation des neuen Bischofs von Meißen.
Rachdem der neue Bischof von Meißen, Peter ßegg e, in den letzten Tagen aus Hamburg in Bautzen eingetroffen war, fand eine Sitzung des Domkapitels St. Peter statt, in der der neue Oberhirte von seiner Diözese Besitz ergriff. Im Anschluß daran ging die feierliche Inthronisation in der Domkirche vonstatten. Rachdem die päpstliche Ernennungsbulle verlesen worden und die Einkleidung des Bischofs mit den Abzeichen der geistlichen Würde erfolgt war, hielt Bischof Segge ein feierliches Pontifikalamt und
sprach von der Kanzel aus zu der Gemeinde. Mit den üblichen gottesdienstlichen Handlungen ging di« Feier zu Ende.
Ein neuer Devisenskandal.
Auf Veranlassung des Vernehmungsrichters beim Amtsgericht Berlin-Mitte wurde Haftbefehl gegen den Kaufmann Adolf Borchardt, den Bergwerksdirektor Gustav Cordes, den Makler Heinrich Holländer, den Bankbeamten Leonhard Kubernuß, den Geh. Rcg'.erungsrat H. Tillich, Bureoudirektor im preußischen Wchlfahrtsministerium, wegen des Verdachts des Devisenvergehens erlassen. Die Angeklagten sollen über das Konto des Regierungsrats Tillich ausländische Effekten in beträchtlichem Wert« verkauft und den Gegenwert an die ausländischen Auftraggeber gezahlt haben, Hm das Manöver zu verdecken, wurden Scheinquittungen ausgestellt, nach denen der Verkaufserlös zu Wohlfahrtszwecken gegeben wurde.
Goeihe-Bund.
Erster Dichter-Abend: Hans Carossa.
Der im bürgerlichen Beruf als Arzt tätige Dichter Carossa, dessen bisher nicht eben viele und nicht besonders umfängliche Bänd« füllendes Werk — zumal nach dem Erscheinen seiner letzten Erzählung „Gion" — immer steigend« Bedeutung gewinnt, las in der Renen Aula vor einem großen Zuhörerkreise. Er begann mit dem Dortrage etlicher Abschnitte aus einem im Entstehen begriffenen Buch, einer Bekenntnisschrift und Dankschrist für Mitlebende. Den besinnlich-heiteren Auftakt bildeten Erinnerungen aus frühen Kindheitstagen, in deren paradiesisch besonnte Landschaft die Königstragödie am Starnberger ihre Schatten wirst und die schweifende Phantasie des Knaben Carossa zu wunderlichen Taten erregt.
In ganz leise mundartlich gefärbtem, sonoren Tonfall klar und gegliedert erzählend, ließ der Dichter einige persönlich durchlebte und formulierte Gedanken über den Krieg folgen: über dessen Entartung, die längst jener romantischen Verklärung entrückt ist, womit noch Rovalis den Krieg umgeben wollte. Dann wendet sich der Begriff, merkwürdig gleitend, vom Politischen ins Geistige: Heraklits berühmter Ausspruch spielt in die Gedankengänge hinein. And zuletzt ist die Rede von der heilsam-reinigenden Wirkung des Krieges, der dem Frieden seinen Wert bestätige.
Den Abschluß des ersten Teiles bildete eine Episode aus dem Frühjahr 1918, von einem bayerischen Anterosfizier berichtend, dessen Entschlossenheit dem Miterlebenden denkwürdig schien. Für den Hörer beruhte das spezifisch« Gewicht dieser Erzählung in der eigentümlichen Wendung aus der nahen und gleichsam sinnlich greifbaren Wirklichkeit kriegerischen Geschehens in die unwirklich fernen Bezirk« d«r Kindheitserinnerung: und nur einem Dichter konnte die Verschmelzung der knabenhaften Geschichte von der „chinesischen Mauer" in seiner süddeutschen Heimat mit dem knappen und männlichen Bericht vom jähen Sterben eines Soldaten und vom Angriff auf die englische Stellung so selbstverständlich gelingen.
Rach der Pause las Carossa einige wenige Gedichte: gedanklich geprägte Strophen von sehr gemessener Form zunächst: dann eine ganz klassisch anmutende Vision „Heimliche Landschaft", dann „Die Ahnfrau", ein in dunklen Akkorden auf gefangene^ Erlebnis (bei dessen Vortrag man flüchtig an Hölderlin denken mußte, stärker an Dillinger erinnert wurde) — zuletzt „An eine Katze", tiefsinnige Zwiesprache mit einem vor Zeiten heiligen Tier.
Als Abschluß: ein Zusatzkapitel zu dem neuen Buch vom Arzt Gion, handelnd von der Bekehrung und Belehrung einer alten Mutter und von der beglückend erfüllten Sehnsucht eines
in lachsfarbenes Trikot gekleideten jungen Herkules, den Begabung und Ehrgeiz vom biederen Schlosserhandwerk zur schwierigen Kunstübung dörflicher Akrobaten treiben. Wer hier zuerst etwa auf eine Szene wie zwischen der sterbenden Aase und ihrem phantasierenden Sohne Peer Gynt gefaßt war, wurde bald abgelenkt, erfreut und beschwichtigt von der durchsichtig-klaren Prosa und jener überlegenen, unaufdringlichen und halb verdeckten Heiterkeit Carossas, die eine scharf gesehene und dargestellte Begebenheit wie mit warmen Goldlichtern überspielt. Gerade hier wird manchem Carossas Auszeichnung mit dem Gott- sried-Keller-Preise sinnvoll begründet erschienen sein.
Die Hörerschaft dankte mit herzlichem Beifall für «ine schöne und nachhallende Stunde. —y—
Konzert des Gängerkranzes.
Joseph Haydn: „Die Schöpfung".
Obwohl Haydn durch die eingehende Kenntnis der Händelschen Oratorien tiefgehende Anregungen für sein eigenes Schaffen empfangen hatte, so führt dennoch die „Schöpfung" weit über das von Händel ülierkommene Erbe hinaus. Es war sicher eine glückliche Fügung, daß Haydn erst zu der Zeit an dieses Oratorium Herangehen konnte, als er die neu erwachte Instrumentalmusik mit ihren individuellen Ausdruckswerten zu einem hohen Grade der Vollendung geführt hatte. Bei ihm bricht im Gegensatz zu Händel, dessen subjektives Erleben mehr dem eines Menschheitstypus entspricht, rein persönliche Aneignung und Durchformung des Stoffes hervor. Die weltanschaulichen Wandlungen des Zeitalters der Empfindsamkeit, des Sturmes und Dranges finden hier in der inneren Symbolik des Naturlebens, in reizvollen finnigen Szenen ihren Niederschlag. Der Urgrund, auf dem aber das monumentale Werk erwuchs, war Haydns tief irn Religiösen wurzelndes gläubig-naivesGotteserlsben. Nur einer souveränen, aus dem Praktischen erwachsenen Meisterschaft konnte es gelingen, die bilderreiche Sprache des vorliegenden Textes musikalisch völlig zu erschließen, ohne dabei etwa intime Einzelzüge zu übersehen oder sich gar in Einzelheiten zu verlieren. Immer wieder werden wir die Großzügigkeit im Gelamtaufbau bewundern müssen, die in ihrer Ausgereiftheit und innerer Ausgeglichenheit eine Sonderstellung einnimmt. Die reichen Ausdrucksmöglichkeiten des symphonischen Jnftrumentalstils werden hier erstmalig der geistigen Sphäre des Oratoriums nutzbar gemachte ja. in der Einleitung mit ihrer gegen- ätzlichen Thematik, im Aufstrahlen des Lichtes in )cr musikalischen Abbildung des Wandels der Ge- tirne, und nicht zuletzt in der Jnstrumentaleinlei- tunfl des dritten Teils. In der organischen Durcharbeitung der Ensemblesätze und mit Chor weist er ebenso über seine Vorgänger hinaus, wie er z. B.
Ein« solch« Quittung war von ö«m Vorsitzenden eines Erwerbslosenverbandes unterzeichnet, der zuevst auch vorgeführt, dann aber auf freien Fuß gesetzt wurde, da er offenbar gutgläubig gehandelt hat.
von einem Lastauto zu Tode geschleift.
Ein entsetzliches Anglück ereignete sich dieser Tage in Bromberg. Das Auto eines B.erverlages überfuhr eine etwa 65jährige Frau. Der Chauffeur versuchte zu entfliehen, ließ sofort die Scheinwerfer und die Beleuchtung der Autonummer verlöschen und raste davon, ohne zu ahnen, daß d e greise Frau sich an dem Fahrgestell des Wagens verfangen hatte und mit- geschleift wurde. Der Chauffeur achtete nicht auf die Zurufe der Passanten, sondern durchfuhr mehrere Straßenzüge in schnellstem Tempo, bis er endl ch nach einer Strecke von etwa 2 Kilometer den Wagen anhielt, das Opfer seiner Fahrt vom Kraftwagen befreite und dann verschwand. Man fand die schrecklich verstümmelte Leiche der Frau, der durch die Räderoewegung das Fleisch von den Knochen gerissen war, und die eine schreckliche Schädelspaltung aufwies. Der Chauffeur ist geflohen. Die Polizei verhaftete heute einen Mitfahrer.
Schweres Verkehrsunglück. —
Drei Tote, ein Schwerverletzter.
Ein Lastzug, dessen Triebwagen mit etwa 100, und dessen Anhänger mit etwa 200 Zentner beladen waren, geriet bei L i e g n i tz in einer Kurve infolge der Rässe ins Schleudern. Als der Kraftwagenlenker auf die rechte Straßenseite fuhr, geriet er mitten in eine Gruppe von Personen hinein, die gerade eine nationalsozialistische Wahlversammlung verließen. Drei Personen wurden vom Anhänger erfaßt, gegen die Mauer gedrückt und völlig zerfleischt. Ein SA.-Mann wurde außerdem schwer verletzt.
Luftschuhübng über Mitteldeutschland.
In Fortsetzung der im Frühjahr und Sommer abgehaltenen Flugmeldeübungen und unter Verwertung der seinerzeit gesammelten Erfahrungen findet in Kürze eine Flugmelde- und Luftschutzwarnübung in Teilen der mitteldeutschen Länder und preußischen Provinzen statt. Ein auf klärender Vortrag über die Hebung wird demnächst vom Großsender Leipzig übertragen.
Ein Teil des vermißten deutschen Postflugzeugs aufgefischt?
Ein belgisches Lotsenboot hat in der Rähe des Feuerschiffes „Maas" ein Rad vom Fahrgestell eines Flugzeuges auf* gefischt, das vermutlich von dem vor etwa einer Woche über der Rordsee verunglückten und spurlos verschwundenen deutschen Post- fl ugzeug stammt. Der um das Rad befindliche Teil trägt di« Kennzeichnung „Elektron- Metall G. m. b. H., Konstanz-Stuttgart". Typ 965,150.
Zwei Todesopfer eines Familiendramas.
Ein furchtbares Verbrechen hat sich in Dabrowole im Kreise Alypu an der memel- ländischen Grenze zugetragen. Der Besitzer D a- b r o w o l s k h schickte frühmorgens seine Frau mit einem Auftrage in einen Schuppen. Ohne sein W f,"en gab seine im Hause lebende Mutter ihrem Enkel, dem 16jährigen Sohn des Besitzers, die Weisung, der Mutter im Schuppen zu helfen. Plötzlich sahen die Rachbarn Flammen aus dem Schuppen herausschlagen. Als sie hinzueilten, fanden sie, daß die eine Tür des Schuppens vernagelt, die andere zugebunden war. Ehe es gelang, die Türen zu öffnen, brach der Schuppen in sich zusammen. Aus den Trümmern zog man die verkohlten Leichen der Frau und des Iungen hervor. Dem Besitzer wird vorgeworfen, das Feuer aus Anstiftung seiner Geliebten selbst angelegt zu haben, um die Frau aus dem Wege zu schaffen. Dabrowol- sky hatte seine Frau oft mißhandelt und ihr im dritten Teil bei dem Duett (Adam und Eva) mit dem psalmodierenden Chor auf satztechnisches Neuland vorstößt. Als ein typisches Beispiel der Mischung weihevoller Feierlichkeit mit menschlich- indlviduellem Empfinden mag das Engelterzett gelten. Einzigartig und innerlich mit sich fortreißend wird es immer wieder sein, wie Haydn ein geradezu volkstümlich anmutendes motivisches Material einer großen geistigen, religiösen Tendenz dienstbar macht.
Eine Chorvereinigung, die sich dieses Werk zum Ziel setzt, ehrt sich mit diesem Vorhaben, wenn sie imstande ist, den hohen Ausgaben zu entsprechen. Es konnte kaum ein geeigneteres Werk geben, um einem 25jährigen treuen und gewissenhaften Wirken im Dienst der Chormusik einen Markstein zu sehen. Es soll bei dieser Gelegenheit besonders betont sein, daß Herr Albert Kasten, soweit ich in den letzten Iahren seine Ausführungen verfolgen konnte, stets durch fein gründliches solides Musizieren zu einem achtbaren Faktor im Gießener Musikleben geworden ist. Daß nur durch unermüdliche Schaffenskraft und Einsetzung der ganzen Persönlichkeit der Destand eines Gemischten Chores gewährleistet und seine Sangesfreudigkeit gefördert und hohen Zielen zugesührt werden kann, ist eine, jedem Einsichtigen bekannte Tatsache. Auch diesmal bewies er wieder mit den chorischen Leistungen, in welch peinlich sorgfältiger Weise er gearbeitet hatte. Mit bewegter Frische waren die einzelnen Sätze erfüllt, sauber und klar in ihrer Plastik erklangen die fugierten Sätze.
Dem Orchester, der Kapelle des Inf.-Regts. 15, war e ne nicht alltägliche Aufgabe gestellt worden. Im allgemeinen müßte bei den Bläsern noch mehr auf ein fein differenziertes Piano geachtet werden: im einzelnen zeigten besonders die Holzbläser sehr beachtliche solistische Leistungen. Der re.n symphonische Anteil am Werke erhob sich stellenweise zu starken Akzenten.
Die Anforderungen, die Haydn an feine Solisten stellt, sind, dem Hochstand der Sangeskunst seiner Zeit entsprechend, sehr groß. Er verlangt nicht nur ausdrucksstarke Koloraturbeherrschun^ in den Arien, sondern auch durchschlagende stimmliche Kraft in den Ensemblefähen mit Chor. Helma Kolbe (Soprans, Frankfurt, führte die Arien und die Cnsemblesätze musikalisch sinngemäß durch, die Koloraturen in den Arien wurden gewissenhaft behandelt. Eine zu einseitige Bevorzugung der isolierten Kopfstimme in der Höhe lieh ihr Organ in den Ensemblefähen mit Chor sich nicht zu der klanglichen Breite entfalten, die der musikalischen Situation angemessen gewesen wäre. Es wäre der Sängerin für künftige Fäll« dringend anzuraten, nicht immer in das Rotenblatt hinein* jufingen, sondern sich von dem Schallreflex im Raume bei der Tongabe leiten zu lassen. Dem Tenor Anton Knoll (Frankfurt) schien der
mit Totschlag gedroht. Cr hatte jedoch nicht gewußt, daß auch sein Sohn sich im Schuppen befand. da er sonst wohl den Brand niemals angelegt hätte.
Die Goethe-Medaille für Gcheimrat Adolf Gottstein.
Der Reichspräsident hat dem Ministerialdirektor a. D- Geheimrat Professor Adolf Gott- stein in Berlin-Charlottenburg anläßlich seines 75. Geburtstages in Anerkennung seiner Verdienste um die wissenschaftliche Durchforschung der sozialen Hygiene die Goethe-Medaille für Wissenschaft und Kunst verliehen.
Furchtbare Unwetter über Rordnorwegen.
Heber Rordnorwcgen, besonders in der Gegend von Tromsö, hat in den letzten Tagen ein furchtbares Hntoetter getobt. Man befürchtet, daß Schiffe untergegangen sind. Der engl sche Fischdampfer „Golden Deeps" ist mit 13 Mann Besatzung gesunken. Der Kapitän und drei Mann der Besatzung konnten gerettet werden. Vom Lande aus sah man das Schiff hilflos in der hohen See treiben.
Zehn portugiesische Fischer ertrunken.
Ein porkugiesischses Fischerboot wurde am Cap Mondego von einem anderen Boot so heftig g e- rammt, daß «s sofort sank. Von der 25 Mann starken Besatzung find zehn ertrunken.
Kleine politische Nachrichten.
Das Sondergericht Altona hat in dem Kom - munistenprozeß über die Itzehoer H n- ruhen vom 31.3uli d. I., bei denen der SA.- Mann Peter Koelln erschossen wurde, den Angeklagten Hildebrand zu zwölf Iahren und zwei Monaten Zuchthaus, Rieger zu zehn Iahren zwei Monaten Zuchthaus verurteilt.
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Im Brünner Prozeß wurden gegen 14 Mitglieder der deutschen Jugendorganisation „Iung sturm" acht Angeklagte zu Gefängnisstrafen von 12 bis 18 Monaten verurteilt, zwei Angeklagte zu sechs Monaten Cinschließung mit dreijähriger Bewährungsfrist. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Sämtliche Verurteilten sind verpflichtet, die Kosten des Strafverfahrens zu tragen. Die acht zu Gefängnisstrafen verurteilten Angeklagten verlieren die bürgerlichen Ehrenrechte.
De« italienische Mi nist errat hat unter dem Vorsitz Mussolinis einen Amnestie- und Gnadenerlaß für politische Vergehen gutgeheißen, der bereits' 'dem König zur Hnterschrift zugeleitet worden ist. Der Erlaß be- tirifft auch ausgesprochen antifaschistische Vergehen und stellt den weitestgehenden politischen Gnadenakt dar, der seit dem Bestehen des Königreiches ausgesprochen worden ist. Gewisse Einschränkungen sind nur gegenüber rückfälligen und sich verborgen haltenden Verbrechern gemacht worden.
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In Beloit (Wifcomsin) verhafteten Bahnpolizeibeamte zwei Neger, die im Verdacht stehen, einen Anschlag auf den Sonderzug des Präsidenten Hoover geplant zu Haden. Die Polizei hatte Kenntnis von dem Anschlagsplan erhalten und ließ während der ganzen Nacht die Stelle der Strecke überwachen, an der die Schienen beschädigt werden sollten. Die beiden Neger wurden in dein Augenblick verhaftet, als sie sich an der fraglichen Stelle zu schaffen machten.
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Die mexikanische Regierung hat ein Dekret erlassen, durch das die Bodenschätze an Gold, Kupfer, Antimon, Quecksilber, Aluminium, Phosphaten, Salpeter, Kohle, Platin, Eisen und Wismuth nationalisiert werden. Man will wissen, daß die gegenwärtigen Mineral- und Erdölkonzessionen, die sich in den Händen von Ausländern befinden, unberührt bleiben.
Hebergang in bie hohe Quart durch nicht besonders glücklichen Sitz der Stimme einige Schwierigkeiten £|".t bereiten, sobald stärkere dynamische Grade erforderlich waren: In der mittleren Lage entsprach er durchaus den gestellten gesanglichen Ausgaben. In den rein lyrischen Teilen vermochte er durch geschickt« Verwendung der Mezza voce besondere Wirkungen zu erzielen. Kammersänger Ernst Everts (Barmen) zeigt« sich mit der Durchführung der Bahpartie als ein routinierter Vertreter seines Faches, der stimmlich zu des „Bodens Tiefe" hinunter^usteigen vermochte. Im einzelnen wäre stellenweise noch ausgeprägtere Charakterisierung und feinere dynamische Abstufung am Platze gewesen.
Johannes R e b e l i n g gab am Harmonium den Rezitativen sicher« musikalische Stütze.
Dr. H.
Tonfilm: „Schuß im Morgengrauen".
Da spielt eine einsame Tankstelle mitten im Wald eine gewisse Rolle: man denkt erst, die kennt man schon, aber es ist nur ein einziger Tankwärter drin, und der heißt weder Fritsch noch Rühmann, und es ist überhaupt ein bißchen unheimlich in der Gegend und nicht recht gehcuer, besonders nicht in der Villa, die ganz nahebei liegt, auch sehr einsam und übrigens preiswert zu verkaufen. Die Sache fängt damit an, daß in dieser für einen smarten Kriminalfall wie geschaffenen Landschaft ein Auto in höchst auffälligem Zickzackkurs über die Landstraße torkelt — im Morgengrauen. Und die Sache hört damit auf, daß wieder ein Auto, aber ein anderes, in sonderbaren Kurven über die Wald- straße schlingert. Diesmal hat es indessen eine andere Bewandtnis damit. Es bleibt auch nicht bei dem einen Schuß, es fallen im Laufe dieser aufregenden und durchsichtigen Begebenheit noch mehrere, und zuletzt gibt es — in der einsamen Villa — ein regelrechtes Feuergefecht. Das ist ganz grauslich, aber der Regisseur Alfred Z e i s l e r hat es verstanden, die düsteren Vorgänge mit einigen heiteren Episoden zu würzen und aufzulockern, und es entsteht so eine Mischung, deren Wirkung auf den Zuschauer bereits in sehr erfolgreichen Kriminalaffären erprobt ist. Der Film hat also Tempo, Spannung, auch Humor und überdies eine gediegene und pointierte Besetzung: gute Bekannte von früher: Karl Ludwig Diehl, Speelmanns, Lorre, Loos und Ode mar: olle vortrefflich. (Der erfahrene Kinobesucher wird übrigens schon aus der Besetzung die Kräfteverteilung ein wenig abschätzen können und seine Schlüsse auf den Gang der Ereignisse ziehen.) Außerdem: Ery Bos, neuer Ufa-Stern, und die Ni k o l a j e o a ; Heinz Salf - n e r und Curt Vespermann. Man verbringt einen angenehmen Nachmittag ober Abend, schwankend zwischen Gruseln und Lachen: im Lichtspielhaus.


