Ausgabe 
7.12.1932 Erstes Blatt
 
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Ur. 288 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefjen)

lttittwoch, r. Dezember 1952

Bücher unter dem Weihnachtsbaum.

Politik und Geschichte.

TheodorBirt: Frauen derAntike. In Lemenband 4,80 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (479) Ern einzigartiges fernes Buch, Las uns den Zauber der antiken Welt von einer neuen Seite erschließt. Nur ein Meister wie Prof. Theod. Birt, der berühmte Marburger Alchisto- riker, der alles zugleich mit Len Augen des Künst­lers und Gelehrten sieht, konnte den ungeahnten Reichtum antiken Frauenlebens so eindrucksvoll ge­stalten. Mit inniger Liebe versenkt er sich in Seele und Gedankenwelt der Alten und weiß auch die Schattenseiten im leuchtenden Bild seiner Frauen­gestalten mit köstlicher Ironie zu zeichnen. Etwas von der Anmut und süßen Grazie der Griechinnen liegt über diesem Buch. Diel Liebe und Leidenschaft, viel Freundschaft und Haß wird in diesen Blättern lebendig. Die kühle Berechnung der.Politikerin, die schlichte Einfachheit der jungen Frauen, das In­trigenspiel der römischen Kaiserinnen, die Sinnen­lust der Tänzerinnen die Vielgestaltigkeit der Frauenseele hält den Leser bis zum Schluß gefan­gen. Schicksal und Charakterblld einer Aspasia, Sappho, Kleopatra, Fulvia und ihrer namenlosen Schwestern, von deren Taten und Dulden uns die Geschichte erzählt, üben auch auf den modernen Men­schen eine starke Anziehungskraft aus.

Willy Andreas, Deutschland vor der R e f o r ma t i o n. Eine Zeitenwende. 656 S. Groß-Oktav. Leinen Preis 14 Mark. Deutsche Ver­lags-Anstalt Stuttgart. (359.) Wie eines der unendlich vielgestaltigen bunt gegliederten Tafelge- mälde mittelalterlicher Meister baut der Heidelberger Historiker Willy Andreas eine großartige und ein- drucksvolle Ueberfchau deutscher Kultur auf, wie sie uns für diese schillernde und schwer greifbare Epoche in der hier zugleich gebotenen Fülle der Erschei­nungen und schärfsten Herausmodellierung der gro­ßen Linie erstmals und einzig zu sein scheint. Kirche und Volksreligiösität, Staat, Gesellschaft und Wirt­schaft, Geistesleben und Kunst: die ganze deutsche Wett am Vorabend der Reformation, in ihrer Er­regtheit und ihrem Drang nach neuen Lebens­formen unserer Zeit innerlich verwandt, breitet sich vor uns aus. Erkenntnisse einer ungeheuren Quel­lenforschung werden zu einem kristallklaren, bei aller Vielseitigkeit und Farbigkeit niemals verwirrenden Gesamtbild deutschen Lebens zusammengesügt, das sich uns mühelos ohne den Ballast des kritischen Apparates zur überaus fesselnden Lektüre darbietet. Meisterhaft sind die Porträts einzelner Persönlich­keiten wie das des Kaisers Maximilian, des Philo­sophen Nikolaus von Kues, der Humanisten Reuch- lin und Erasmus, des streitbaren Ulrich von Hutten, des großen Arztes Paracelsus, Albrecht Dürers u. a. Ausgezeichnet auch die wirtschaftshistorischen Schil­derungen und die Darstellung der Bauernbewegung. Das Buch ist die beste Widerlegung der oft ge­hörten törichten Behauptungen von der Unlesbar­keit gelehrter Gesch chtswerke, es wird vielmehr aerade in interessierten Laien kreisen sich schnell einen festen Platz erobern.

Otto Flake, Die Französische Re­volution 1789 bis 1799 mit 24 Bildern nach zeitgenössischen Vorlagen. Preis geb. 7,50 Mark. Ver.ag Hesse & Becker in Leipzig. (281.) Die­ses Buch des bekannten Romanciers und Essayisten unterscheidet sich vorteilhaft von ähnlichen Unter­nehmungen belletristischer Geschichtsschreibung. Ge­lassen, ohne falsches Pathos, mit jener ruhigen Sach­lichkeit, die diesem gigantischen Stoff allein ange­messen erscheint, in glänzendem Stil, der den Der- fasser doch nie zu überspitzten Formulierungen hin- reißt, gibt Flake ein trotz der Gedrängtheit in allen wesentlichen Zügen scharf getroffenes und eindrucks, volles Bild der großen Revolution und ihrer trei- benden Kräfte.

H. R Knickerbocker: Kommt Europa wieder hoch? Preis kart. 4.80 Mark. Verlag Ernst Rowohlt KG., Berlin W. 50. (371.) Der bekannte amerikanische Journalist, dessen Bücher über Sowjetrußland und Deutschland bereits einen routinierten Reporter und Wirtschaftsexperten ver­rieten, hat auf einer Reise durch die Hauptstädte Europas, für seine uyr ihre erheblichen Kapitalan­lagen bangenden Landsleute die Hand an den Puls der europäischen Wirtschaft gelegt. Und siehe da, dem rosenroten Optimismus des Herrn Knickerbocker erscheint der Befund über Erwarten befriedigend. Jeder der Staatsmänner, die er in Berlin und Rom, Paris, Brüssel und London und in den Donaulän­dern interviewte, hat zwar seine Sorgen, aber Herr Knickerbocker ist nicht gewillt, das Heer der sauer­töpfischen Miesmacher zu vermehren. Seine Zahlen sollen eine beredte Sprache der Zuversicht und des Glaubens an Europa sprechen. Namentlich was der Amerikaner über die Lage der Nachfolgestaaten schreibt, erscheint uns, von historischen Schiefheiten abgesehen, überraschend oberflächlich. Daneben fin­den sich Kapitel des interessantesten wirtschaftspoli- tischen Materials, überraschend scharfsinnige, von einem gesunden Instinkt eingegebene Erkenntnisse des Wesens der europäischen Krisis und der Not­wendigkeit feiner Heilung.

Die neue Stalling-Dücherei.Schriften an die a t i t> n. Jeder Band gebd. 1 Mk. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. (317.) Der Versuchs in großem Rahmen die neuen Orb» nungskräfte ^ufzuzeigen, liegt in dieser neuen Schriftenreihe vor. Daß er mit glücklicher Hand und bewußtem GestaltungswiUen unternommen wurde, zeigen schon die ersten 14 Bände, die jetzt erschienen sind. Von der Krise unserer Zeit han­delt ein Historiker, Jacob Durckhardt, in dem BandDie weltgeschichtlichen Krisen". Ms Burk­hardt 1868 in subtiler Geschichtserkenntnis das Wesen der großen Krisen schilderte, konnte er nicht wissen, daß unser Volk sechzig Jahre spater eine Zeit erleben würde, die mit geradezu unheimlicher Präzision all das wiederholte, was er erschaut hatte. Eine Begleiterfcheinung der Krise ist wirt­schaftliche Rot und Arbeitslosigkeit. Daß diese Rot nicht ganz unverschuldet ist und bei gesundem wirtschaftlichen Denken gemildert werden kann, zei,gt der Band:Grundsätze deutscher Wirt» schaftspolitik" von Dr. Hjalmar Schacht. Die seelischen Folgen der Arbeitslosigkeit für den Einzelnen, die Familie und zuletzt für das ganze Volk schildert Bruno Relissen Haken in seiner Er­zählungDie Ehe des Arbeitslosen Martin Krug".Der Soldat von 1917 wird von Werner Deumelburg mit aller Eindringlichkeit ge­schildert. Auch derHauptmann", den H. H. Frei­herr Grote in seiner Novelle schildert, ist einer

von den Siegern des Weltkrieges, die es in bei­den Lagern gegeben hat. Moeller van den Drucks Begründung eines deutschen Sozialismus, Jedes Volk hat seinen eigenen Sozialismus", ist im Zusammenhang dieser Schriftenreihe von be­sonderer Bedeutung. Gegenstück und Ergänzung zu dieser Schrift ist Hans BognersBildung der politischen Elite". Welche außenpolitischen Wege das neue Reich gehen muß, wenn es einen na­tionalen Willen besitzt, zeigt Franz Mariaux in der SchriftRationale Außenpolitik". Der Beitrag von Lothar Schreyer über denBamber­ger Reiter" ist eine Wallfahrt zum Heiligtum der Deutschen, dem Bamberger Dom'und seinem Rei­ter. Christliches und deutsches Wesen werden hier in ihrer höchsten und innigsten Verschmelzung er- sühlt. Karsthans schildert einen wefentlichen Ab­schnitt des Bauernkriegs in seiner ErzählungDie Weinsberger Ostern". 1813 wurde Görres zum großen Rufer einer zu neuen geistigen Formen

drängenden Zeit. Richard Curinger wählte sich diese Gestalt in seiner RovelleDer deutsche Gör- res". Heinrich Dauer unternimmt cs, in fei­nem WerkeSchwert im Osten. Die Staats­schöpfung des deutschen Ritterordens in Preußen", den Ordensstaat, in der Geschichte und in seinen Grundelementen aufzuzejgen. Aus dem Schicksal des baltischen Adels sind die Erzählungen ent­standen die Otto Freiherr von Taube in seinem DuchDaltischer Adel" berichtet. Herbert Blank zeigt in seiner SchriftPreußische Offiziere", wie die alten konservativen und die jungen liberalen Kräfte 1813 in opservvllem Zusammengehen den Sieg über einen der größten Feldherrn aller Zei­ten erfochten haben. Wer Drandenburg kennen­lernen will, muß mit Franz Schauwecker auf Drandenburgische Fahrt" gehen. Er wird das alte und das neue Drandenburg finden, aber immer das preußische.

Kinderbücher und Zugendschristen.

Gert Fauth: Wer hat die Zehn­tausend? Eine lustige Geschichte. 200 Seiten mit 26 Bildern von Paul Simmel. Geb. 3,80. Rütten & Loening Verlag, Frankfurt a. M. (502.) Dieses Duch wird von jung und alt mit Spannung gelesen werden. Ein Derliner Müllkutscher hat seinem Töchterchen Lene ein Lotterielos gekauft, das zehntausend Mark ge­winnt; aber ein windiger Kerl stiehtt das Geld. Bei Rächt und Rebel jagt Lenchen mit einem mutigen Kameraden dem Dieb nach, ein Land­streicher beteiligt sich an der Verfolgung, schließ­lich wird der Missetäter gefaßt. Paul Simmel hat die Höhepunkte der humorvollen Geschichte mit lustigen Dildern dar gestellt.

Abenteuer-Geschichten. Heraus­gegeben von Mfred Sternbeck. Großoktav. 128 Seiten. Mit vier Ton-Vollbildern von Wer­ner Ehomton. In Ganzleinen mit farbigem Schutzumschlag 3,20 Mk. Herold-Verlag Levy & Müller, Stuttgart. (365.) Mfred Stern­beck hat eine Reihe interessanter Menteuerge- schichten von fernen Meeren und Gestaden für die Jugend ausgewählt und bearbeitet. Mitreißend sind die Schilderungen vom ersten Zusammentref­fen mit dem Gorilla, von blutigen Kämpfen mit den gefürchteten Seeräubern der hinterindifchen Inseln, von gefahrvollen Jagden auf Löwen und andere Großraubtiere in den Steppen Afrikas, von Lleberfällen der vereinigten Indianerstämme unter ihrem großen Häuptling Sitting Dull. Mit Spannung folgt man dey packenden Berichten über die ungeheuren Strapazen verwegener Polarfor­scher, den Erlebnissen eines deutschen Abenteu­rers bei den wilden Indianern Südamerikas, den Jagden auf heimtückische Tiger oder wilde Ele­fanten in den Dschungeln Indiens. Es ist ein Duch. das jeder frische Junge mit Begeisterung liest.

Darbra Ring, Petras Reise. Er­lebnisse eines kleinen Mädchens. 104 Seiten. Mit 10 Textbildern von Bruno Fuck. In Ganzleinen mit farbigem Schutzumschlag 2,00 Mk. Hcrold-Der- lag Levy & Müller, Stuttgart. (369.) Ein herzerfrischendes Kinderbuch, ganz erfüllt von dem natürlichen Humor, der den Nordländern eigen ist. Zwei kleine Mädchen, Petra und Ulla, begeben sich mit ihrem Großvater auf eine Reise in die Großstadt. Petra, ein fröhliches, natürliches Land- kind, in Freiheit aufgewachsen, begeht dort keck und unbefangen die unmöglichsten Dummheiten

und Streiche in allerbester Absicht. Ulla, das etwas verzogne, verzärtelte Stadtkind dagegen folgt dem waghalsigen Büschen nur sehr zaghaft bei seinen Unternehmungen auf eigene Faust. Was die bei­den zum Schrecken des geplagten Großvaters in der Großstadt alles anstellen, das muß man ge­lesen haben.

Andersens Märchen. Ausgewähltund herausgegeben von Erich Georgi. Grohoktav. 160 Seiten. Mit sechs farbigen Vollbildern und 56 Tcxtbildem von Ernst Kutzer. In Goldfolie oder in Ganzleinen gebunden mit farbigem Schuhum­schlag 3,60 Mk. Herold-Verlag Levy & Müller, Stuttgart. (368.) Eine Fülle echten Mär- chenzaubers ist in dieser neuen Ausgabe von An­dersens Märchen eingefangen. Der Wiener Mei­ster Ernst Kutzer wird mit seinem wahrhaft künst­lerischen Buchschmuck die Herzen im Sturm ge­winnen.

Sepp Dauer, Hans Eichhorn der Lausbub. Eine lustige Geschichte von den Tie­ren des Waldes. Quart. 192 Seiten. Mit vier farbigen Vollbildern und 20 Textbildern von Mana Grengg. In Ganzleinen gebunden mit far­bigem Schutzumschlag 4,80 ML Herold-Verlag Levy & Müller, Stuttgart. (367.) Ein lusti­ger Geselle ist Hans Eichhorn, der im Walde von Hirande lebt. Seine weiße Schwanzspihe deu­tet darauf hin, daß es Hänschen ganz faustdick hinter den Ohren hat, und das zeigt sich auch bald in seinen lustigen Einfällen und tollen Streichern Fast alle Tiere des Waldes haben un­ter seinem Schabernack zu lmden, aber keiner kann dem übermütigen kleinen Kobold wirklich ernstlich böse sein.

Fürchtemichnit. Der Nachtwächter vom Donnerwald. Märchenbilderbuch für kleine und große Kinder. Geschrieben und gezeichnet von seinem Freund dem Waldkauz. 32 Seiten. 12 farbige Voll­bilder und viele Bilder im Text. Halbleinen 4,50 Mark. Verlag Josef Müller, München 13 (373) Wie Fürchtmichnit, des Zwergenkönigs Nachtwächter, seine Abenteuer und Kämpfe besteht mit dem Igel und dem Fläschchen Berberitzensaft, der bösen Kröte, dem Eidechs-Drachen und dem Flieger ... im Don­nerwald, am Hexenstein, bei der Linde, am Polter­bach im Zaubergrund ... das wird, daheim am war­men Ofen vorgelesen und beguckt, große Augen und lachende Gesichter machen.

Kalender und Almanache

Deutscher Almanach für das Jahr 1 9 33. Mit Beiträgen von E. G. Kolbenheyer, Leopold Ziegler, Hans Künkel u. v. a. Kartoniert 1,50 Mk. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. (248) Die neue Ausgabe des Almanachs, die in geschmackvoller buchkünstlerischer Gestaltung (durch Georg Satter) erschien, wahrt bei aller Buntheit und Vielseitigkeit der Beiträge Niveau und geistige Linie der Vorgänger. Führende Geister unseres kul­turellen Lebens geben in größeren Originalbeiträ­gen die gedankliche Durchdringung unserer geistigen Lage: E. G. Kolbenhever schreibt über die neueDeutsche Freiheitsidee ; Leopoid Ziegler, der bekannte Philosoph und Goethe-Preisträger, behandelt in einem programmatischen AufsatzDer Mut zur Bewußtheit" die tiefsten Fragen und Nöte der Zeit; Prof. Eduard Spränget schreibt über denpädagogischen Genius", wie er sich in Sokra­tes, Pestalozzi und Fröbel manifestierte und auch der großen Erziehungsaufgabe der Gegenwart oor- anleurhten muß; Prof. Heinz Kindermann gibt in umfassendem lieber blick die Linie der Entwicklung der modernen Literatur vom Expressionismus bis zur neuesten Strömung derIdealistischen Sachlich­keit". Neben den Denkern stehen die Dichter: grö­ßere Novellen der jungen Autoren Hans Künkel, A. Artur Kuhnert, Wilhelm Stolzenbach, Gedichte von Ruth Schaumann, Max Reuschle, Kramer, Zernatto und Brock­meier. Zum 70. Geburtstag Gerhart Hauptmanns schreibt fein Freund und Jünger Hans o. Hülfen über die Stellung des Dichters zum deutschen Volk; aktuelle Beiträge vervollständigen das vielseitige Bild des Jahrbuchs. Besonders reizvoll ist ein Auf­satz von Karl Daupel; er berichtet mit reichen Proben über das Ergebnis eines Preisausschreibens des Verlags Reclam, zu dem über tausend Einsen­dungen jugendlicher Künstler von 612 Jahren ein­gingen, und eröffnet ein bezauberndes Reich kind­licher Einbildungskraft.

MeyersHi st orifch-Geographischer Kal e n d e r 1933. 36. Jahrgang. 365 Tagesblät­ter mit je einem Bild, Sonnen- und Mondphasen, Gedenktagen, Sprüchen, Gedichten und Literatur- nachlweifen. Außerdem Jahreskalender, astrono­mische Gesamtüberficht, sachlich geordnetes Verzeich­nis der Abbildungen und farbiges Titelbild. Als Abreißkalender eingerichtet. Preis 4 Mk. Verlag Bibliographisches Institut AG., Leipzig. 391) MeyersHistorisch-Geographischer" hat für jeden Tag ein besonderes Blatt. Hier erblickt man täglich neue Ausschnitte aus dem Weltbild, Geschichtliches, Naturkundliches, Geographisches, vor allem Tech­

nisches und dazu kurze, immer sachdienliche Erläute­rungen und eine Reihe sorgfältig und kritisch aus- gewählter Gedenktage. Der Preis ist als niedrig zu bezeichnen.

Die bekannten und beliebtenSp em an ns Kalender" für' das Jahr 1933 sind im Verlage von W. Spernann in Stuttgart erschienen; uns legen vor: Alpen-Kalender; Foto-Kalender; Frauen- Kalender; Kunst-Kalender; Literatur-Kalender; Mu­sik-Kalender; Natur-Kalender; Wander-Kalender; und als NeuheitGraf Zeppelin-Kalender". (384) Sie kosten 2,40 Mk. (Der Zeppetin-Ka'ender 2, Mk.) und enchalten als Zugabe je acht Kunst- Ansichtskarten. Allen gemeinsam: ein vielseitiger, abwechslungsreicher Inhalt, sehr schöne, klare, gut reproduzierte Bilder und eine gediegene und ge­fällige Ausstattung. Die Stoffverteilung der einzel­nen Kalender ist |o geschickt und den verschiedensten modernen Interessengebieten entsprechend vorge­nommen, daß für jeden Geschmack etwas Passendes gesunden werden kann.Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen." Die genannten Vorzüge machen die Spemann-Kalender, die sich seit langem mit Recht großer Beliebtheit erfreuen, zu Geschenk­zwecken besonders geeignet, zumal auch der Preis in Anbetracht der Ausstattung und der Fülle des Inhalts sehr wohlfeil genannt werden darf.

EllyPetersensHunde-undKatzen- falenber 193 3. Ein künstlerischer Wochenabreiß. kalender mit 65 Tierbildern. Preis 1,95 Mk. Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München. (321) Der Jahrgang 1933 ist wieder vortrefflich geglückt. Hund und Katze geben sich auf seinen schönen Kunsrdruckbildern Der besten Tierfotografen ein friedliches Stelldichein. Jeder Tierfreund wird daran seine helle Freude haben. Da ist z. B. die berühmte Schauspielerin Elisabeth Bergner zu sehen mit ihrem schwarzen Scotch Terrier, oder Gerhart Hauptmann mit seinen putzigen Drahthaarteckeln, oder der nie lachende Duster Keaton und seine ebenso ernste Bulldogge. Andere Bmtter zeigen die beiden schnurrigen Hauskatzen der Frau Petersen Tünnes" und den SiamkaterPrinz", die Schä­ferhündin Anni als Pflegemutter eines kleinen Löwen und dreier kleiner Pumas im Berliner Zoo, treffliche Studien eindrucksvoller Tierphysiognomien, Kinder und Tiere im gemeinsamen Spiell Eine Reihe geglückter Bilder entstammen dem letzten Fotowettbewerb, zu dem auch heuer wieder den Liebhaberfotografen hohe Geldpreise ausgesetzt sind. Eine liebevolle und fröhliche Stimmung strahlt Elly Petersens anmutiger Kalender aus, Latz jedem Tier­freund dabei Las Herz aufgeht.

Deutsche Erzähler.

Franz Werfel: Das Geheimnis des Saverio. Rovelle. Reclams Llniversal- Dibliothek Rr. 7184. Geh, 35 Pf., geb. 75 Pf. (454.) Die Rovelle, eine der besten novellisti- fchen Leistungen des Dichters, läßt die Eigenart, abgründige Tiefe und seelische Intensttüt Wer­fels in der Darstellung eines geheimnisvollen Falles erleben, in dessen Mittelpunkt ein ge­nialer Maler-Fälscher steht. Wie Werfel das Geheimnis dieses Menschen anleuchtet, allmäh­lich enthüllt und bis zur Katastrophe entwickelt, das ist von bedeutender Meisterschaft und er­regender Spannung. Die Rovelle wird von vielen Freunden des Dichters mit tiefer Anteilnahme ausgenommen werden.

C. G. Kolbenheyer: Die Begeg­nung auf dem Riesengebirge, Samm­lungDie kleine Bücherei" des Verlages Albert Langen-Georg Müller in München. (400.) Ein junger Gelehrter, in seiner Entfaltung und selbständigen Wirksamkeit gehindert, beschließt freiwillig zu sterben, um mit der ihm aufgezwun­genen Lebenslüge Schluß zu machen. Wie die in freier winterlicher Bergwelt sich ereignende Be­gegnung mit einem aus anderem Lebenskreise kommenden, seinen Weg in seltsamem Zufall kreu­zenden Menschen den zum Tode Entschlossenen wieder in das Leben zurückführt, das erzählt Kolbenheyer in dem kleinen, ernsten Meisterwerk diese rgedanllich klaren und tiefdringenden neuen Rovelle-

Paul Alve rdes: Kleine Reise. Aus einem Tagebuch. (Die kleine Bücherei", Bd. 9.) Albert Langen-Georg Müller, München 1932. (402.) Alverdes, den wir unseren Lesern schon mehrfach mit Erzählungen in der Unterhaltungsbeilage vorgestellt haben, hat sich durch seinePfeiferstube" und den Rovellenband Reinhold oder die Verwandelten" als einer der wenigen aus unserem jüngeren Schrifttum eben- büvtig dem Kreis der anerkannten Großen zu­gesellt. Ein Tagebuch von einer Reise durch die Schweiz und Rorditalien, meint man, müsse jeder schreiben können, der dort war. Aber wer hat diesen offenen, unbefangenen Blick, diese kluge Menschlichkeit, diesen übermütigen, gra­ziösen Witz, und wer beherrscht die Sprache wie Alverdes? DieKleine Reise" ist ein sonniges Duch, hinter dessen heiterer Anmut sich gedanken­reiche Besinnlichkeit verbirgt.

Manfred Hausmann: D ie Früh­lingsfeier. Fünf Rovellen. 264 Seiten. Buch­ausstattung Hans Meid, Berlin. Geb. 2,85 Mk. Carl Schünemann, Verlag, Bremen. (504.) Das Buch handelt von den kleinen Dingen des Lebens, von der Stille des Abends und dem Geheimnis der Dacht. Es schildert die leise Be­gegnung zweier Herzen, eine Trennung, eine Freude oder ein innerliches Erschrecken. Diese Erzählungen, mit deren Erscheinen Manfred Hausmann alle Augt»n auf sich lenkte, atmen den Zauber eines großen Beginns und sind in ihrer Ursprünglichkeit von keinem seiner spä­teren Bücher übertroffen worden.

Aus fremden Literaturen.

Helen Thomas, Welt ohne Ende. Roman. Aus dem Englischen übertragen von W. E. Süskind. In Leinen 5 Mk. (Deutsche Ver­lags-Anstalt, Stuttgart.) (451.) Helen Thomas erzählt die Geschichte ihres beschatteten und dennoch dank innerem Reichtums glückseligen Lebens. Es ist die Geschichte einer Ehe, beginnend mit einer rührend zarten Jugendliebe des sieb­zehnjährigen Mädchens zu David, dem jungen Studenten, der seine ersten poetischen und essayisti­schen Arbeiten schreibt. Zart und poetisch schildert Helen Thomas die Entwicklung dieser innigen Iugendfreundschaft, Aus eine wunderbare Art verbinden sich mit ihrem Leben die Ratur und die englische Landschaft, deren Zauber ihr David auf langen Spaziergängen erschließt. Immer wie­der wird ihr das gemeinsame Erleben der Ratur zu einem K.rastquäl, zur Stärkung ihrer inneren Fröhlichkeit. Sie haben mit schweren materiellen Sorgen zu kämpfen, aber auch in den dunkelsten Augenblicken fühlen sich die Gatten untrennbar verbunden und die reine Menschlichkeit der Frau und ihre unermeßliche Liebe leuchten gerade aus dieser Düsternis hervor. Die Aufzeichnungen schließen im Weltkrieg, da David an die Front geht, von der es, wie man ahnt, keine Rückkehr gibt.

Warwick Deeping: Der alte Py - bus und sein Enkell Roman aus dem Eng­lischen. Deutsch von Fritz von Dothmer. 332 Sei­ten. Buchausstattung Hans Meid, Berlin. Geb. 5,50 Mk. Carl Schünemann, Verlag, Bremen. (509.) Der englische Erzähler Deeping ist ein Kenner der Wirklichkeit, und besitzt den Blick für die posittven Kräfte des Gebend und auch den un­erschütterlichen Optimismus, daß Opfermut, Treue, Standhastigkeit früher oder später im Leben end­gültig triumphieren. Dieser Optimismus w'rd dem Roman die Herzen der Leser gewinnen. Die Er­findungsgabe des Erzählers hält immer neue Lieberraschungen bereit und entwickelt ein Bild des modernen englischen Lebens in allen Schich­ten.

Sigurd Hoe I: Ein Tag im Okto­ber. Ehr-Roman aus dem Rorwegischen. Deutsch von Konstantin Reichardt. 364 Seiten. Buchaus­stattung Hans Meid, Berlin. Gebd. 5,50 Mk. E-rl Schünemann, Verlag, Bremen. (506.) Der ganze Roman spielt an einem einzigen Tag. Die­ser Tag ist wie ein Schnittpunkt, von dem aus ein Bündel Großstadtschicksale auf gerollt wer­den: Beamte, Gelehrte, Rentner, Kleinbürger, Typen, tote sie der Zufall des Zusammenwob- nens in einem Mietshaus zusammenführt, sie alle stehen blitzartig erhellt in der Geschlossenheit ihres Lebensraumes vor uns. Das erregende Moment, das die Handlung in Bewegung seht, ist der Schrei einer Frau. Der SchreiIch will nach Hause" durchdringt an diesem Abend das Haus und ver­bindet alle Bewohner in gemeinsamer Spannung und Teilnahme. Alle erkennen plötzlich ihr eige­nes Schicksal, fühlen ihre Einsamkeit, ihre Ver­lorenheit. die Fremdheit in ihren Ehen. Alle er­fahren durch den erschütternden Tod der Heldin einen Antrieb zum gegenseitigen Verstehen und zu einem besseren mitmenschlichen Zusammenleben.