merklich abgeflaut. Die Spannung und Alarmbereitschaft werden etwas geringer, Skatkarten wagen sich ans Licht, um wenigstens ein Stückchen vom verlorenen Sonntag zu retten. Die ausländischen Berichterstatter rasen in Automobilen
umher, keine Phantasie aber kann irgend eine Hochspannung oder Revolutionsstimmung hervorzaubern. So können sie nichts Interessantes berichten. Ein gemütlicher Wahlsonntag.
Gustav-Adolf-Keier in Lützen.
ZestgotteSdienst und Gedächtnisrede des schwedischen Kronprinzen.
Das Städtchen Lützen hatte am Sonntag Festschmuck angelegt, um den Schwedenkönig Gustav Adolf zu feiern, der am 6.November 1632, also vor 300 Jahren, in der Schlacht bei Lützen gefallen ist. Der Vertreter der finnischen Regierung, General Mannerheim, erschien mit seinem Stab am Rathauseingang, vom Bürgermeister der Stadt begrüßt. Es folgte eine ganze Anzahl anderer namhafter Gäste, darunter hohe evangelische Geistliche aus Schweden. Finnland und aus dem Deutschen Reiche. Abordnungen schwedischer und finnischer Regimenter, der Ehef der deutschen Heeresleitung General von Hammer st ein und andere hohe Reichswehrofsiziere. Gegen 11 LIhr traf das schwedische Kronprinzenpaar ein. Die hohen Gäste begaben sich zum Gustav-Advlf-Gedenkstein, wo die Gustav-Adolf-Kapelle für einen
Gedächtnisgoiiesdienst
auSgestattet war. Bei dem Festgottesdienst hielt zunächst der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes, O. l)r. K a p p l e r, eine Ansprache: die eigentliche Predigt hielt Bischof Tr. Stadener aus Stockholm. ÄachBeendigung des Gottesdienstes gruppierten sich die Gäste um den Gustav-Adolf-Gedenkstein, wo als erster
der Kronprinz von Schweden
das Wort ergriff: „Es ist ein Brief des Königs Gustav Adolf an Axel Oxenstierna vorhanden, in dem der König sagt: ,3ch betrachte mich als einen, der auch in der Welt nie einen anderen Schatz gesucht hat, als die Pflicht meines Stan- des zu erfüllen, in dem mich Gott geboren hat'. Der König stand auf Deutschlands Boden so gut wie ohne Bundesgenossen, gegen sich eine Schar von Feinden.
Auf allen Gebieten des Staatslebens ist für Schwedens Volk Gustav Adolfs Werk von bahnbrechender Bedeutung gewesen.
Wir sehen in ihm ein kraftvolles Genie, einen Förderer geistiger und materieller Kulturarbeit, einen Erneuerer der Rechtspflege, einen gvohen Diplomaten und auf dem Schlachtfelde einen begeisternden Führer, und das nicht nur für das schwed.fchr Volk. Gerade auf Lützens Boden emp
findet man klar, daß er auch weit über die Grenzen des eigenen Landes hinaus soviel zu geben gehabt hat: was er getan hat für den Schutz der Gedankenfreiheit, hat sein« Bedeutung unvermindert erhalten, nicht nur auf rein religiösem Gebiet. Der Kronprinz legte dann im Auftrage des Königs Gustav V. von Schweden einen Kranz nieder. Der zweite Kranz wurde niedergelegt durch den General von Mannerheim im Ramen der finnischen Regierung. Dann sprach für die Reichsregierung der Oberpräsident von Merseburg, Dr. Sommer. Weitere Kränze wurden niedergelegt u. a. vom schwedischen Gesandten in Berlin, vom Chef der Heeresleitung, Freiherrn v. Hammer st ein, von der schwedischen Kirche, von der finnischen und der deutschen Kirche. Die Feier wurde geschlossen durch einen Vorbeimarsch der Truppen vor dem Kronprinzen von Schweden.
Ehrenpromotionen in Upsala.
In der Universität Upsala fand in Gegenwart des Königs Gustaf die feierliche Promotion von über 10 0 Doktoren und Ehrendoktoren statt. Aus Deutschland wurden neun weltbekannte Hochschullehrer zu Ehrendoktoren promoviert, die sich außer dem Marburger Theologieprofessor Otto, dem Freiburger Mediziner Aschoff und dem Lübecker Staatsarchioar Kretzschmar persönlich in Upsala eingefunden hatten. Es waren die die Theologen Geheimrat D e i ß m a n n - Berlin, Geheimrat v. D o b s ch ü tz - Halle und Prof. Stange aus Göttingen. Bon der juristischen Fakultät der Leipziger Prof. Richard Schmidt, von der medizinischen Fakultät Geheimrat Sauer- b r u ch und von der philosophischen Fakultät Prof. Erwin Baur vom Kaiser-Wilhelm-Änstitut. — Der Rektor erinnerte in der Festrede an die Beziehungen zwischen Gustav Adolf und der Universität Upsala. Jedem der neuen Doktoren wurde der schwedische Doktorhut mit goldener Kokarde aufs Haupt gesetzt, wobei jedesmal im gleichen Augenblick von einer benachbarten Anhöhe ein Kanonenschuß krachte. Programmwidrig sprangen hierbei eine ganze Reihe von Fensterscheiben entzwei. Außerdem erhielten die neuen Doktoren einen goldenen Doktorring und das Diplom.
Das Hessische Heimaiwerk in Obechrssen.
Erfolgreiche geistige BeireuungSarbeii.
Der Mittelpunkt der geistigen Betreuung dec im freiwilligen Arbeitsdienst stehenden Volksgenossen, das Hessis-che Heimatwerk, Abteilung Ober Hessen, tonnte jetzt auf den ersten Abschnitt seines Wirkens zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand am Samstagnachmittag im Cafe Dürgerhof in Gießen eine Zusammenkunft der Mitarbeiter statt, um einen Rückblick auf die bisherige Arbeit zu werfen und aus den Erfahrungen in den vergangenen Monaten Anregungen für weitere Tätigkeit in der geistigen Betreuung der Arbeitsdienstfreiwilligen zu gewinnen. Zu der Zusammenkunft waren aus allen Gegenden der Provinz Oberhessen und zum Teil aus dem benachbarten preußischen Gebiet etwa 200 Mitarbeiter erschienen. Ferner wohnten zahlreiche
Vertreter von Verwaltungsbehörden, der Arbeitsämter, der evangelischen Kirche und der Schulaufsichtsbehörden, der Kreisämter, der Universität, kommunaler Behörden usw. der Tagung bei.
Studienrat Schmidt- Gießen als Vorsitzender der Abteilung Oberhessen des Heimatwerkes begrüßte die zahlreichen Mitarbeiter, ferner den Vorsitzenden des Heimatwerkes, Oberschulrat H a s s i n g e r - Darmstadt, den Vertreter des De- zirkskommissars für den freiwilligen Arbeitsdienst, Dr. Kolb- Frankfurt a. M., die Behördenvertreter und die Presse mit herzlichen Worten.
Anschließend übernahm der Vorsitzende des Heimatwerks, Oberschulrat H a j s i n g e r (Darmstadt) die Leitung der Tagung. Rach Begrüßungsworten
Seim Hände Werk Roman von Klothilde von Gtegmann-Gtein. Copyright by Martin Feuchtwangrr, Halle (Saale) 9 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Melanie wollte begütigen: aber er wandte sich brüsk ab — und so verlieh sie wortlos den Raum.
Erst als er die Tür 6er Werkstatt klappen hörte, drehte sich Kommerzienrat Bremer um. Sein Gesicht war erschreckend bleich und trug einen Ausdruck des tiefsten Grams.
Mit müden Schritten wandte auch er sich dem Ausgang zu.
Plötzlich taumelte er, fuhr sich mit der Hand zum Herzen: gerade konnte er sich noch bis zu einem Schemel hintasten, der da neben dem Werktisch stand.
Kalter Schweiß bedeckte seine Stirn. Die Hand, mit der er nach dem Taschentuch griff, zitterte — wieder einer dieser Schwächeanfälle, die ihn seit einiger Zeit überkamen. Er mußte doch einmal den Hausarzt befragen. Vielleicht muhte man wirklich einmal heraus aus der Tretmühle, ausspannen, etwas für Körper und Rerven tun. Sine jähe Angst befiel den einsamen Mann und lieh den Atem noch schwerer, noch stockender gehen.
Menn er hier vor der Zeit abberufen wurde? Wenn ihm etwas zustiehe? Was sollte dann aus dem Dremerwerk werden? Aus dem Werk seiner Hände? Melanie und ihre Kinder betrachteten das Bremerwerk als eine nie versiegende Gold- quelle; sie hatten nicht das geringste Verständnis dafür, wieviel Sorgen, Mühen, angespannteste Arbeit nötig waren, um das Bremerwerk auf seiner Höhe zu halten, und daß die Sorgen der schweren Zeit auch ein solches Unternehmen bedrängten. Kurt war noch längst nicht mit dem Studium fertig, minderjährig dazu.
3a, wenn Kurt schon ins Werk eintreten könnte, dann würde einem um die Zukunft nicht bange sein. Es war doch wohl notig, demnächst einmal zum Arzt zu fahren.
Bei dieser Gelegenheit wollte er auch gleich einmal bei seinem alten Anwalt, dem 3ustizrat Peters, vorsprechen. Er hatte sein Testament gleich nach der zweiten Eheschliehung gemacht — damals, als er noch glaubte, in Melanie einen Ersatz für die geliebte erste Frau und eine Mutter für Kurt zu gewinnen. Alles hatte sich anders gestaltet, als er damals gehofft hatte. Und so war es wohl auch richtiger, andere Sicherheiten für Kurt in das Testament hineinzufügen. Weiter mußte man den bewährten Mitarbeitern, die in seinem Sinne die Firma mit aufgebaut hatten,
andere Vollmachten geben, damit an dem Werk seiner Hände nichts verdorben werden konnte.
*
Cs war eine Stunde später. Kommerzienrat Bremer und der Betriebsingenieur gingen zusammen über die kleine Brücke, unter der der Fluh schäumend über das Stauwehr brandete.
Gedankenvoll blieb Bremer stehen.
„Was halten Sie von der Verbesserung, die der Junge da an dem Motor gemacht hat, lieber Moeller?"
„Daß sie ganz außerordentlich ist, Herr Kommerzienrat, das scmenannte Ei des Kolumbus", sagte Moeller lebhaft. „Prächtig ist der Kurt geworden. Wenn der erst mal richtig in der Praxis ist, Herr Kommerzienrat, das gibt einen ungeahnten Aufschwung in unterem Werk. Der Junge ist zum Maschineningenieur geboren, wie selten einer. Die Konkurrenz wird Augen machen!"
Bremers frohes Gesicht wurde sehr ernst. „3a, wenn er erst so weit wäre, daß er hier mit herein könnte in die Arbeit, mein guter Moeller! Dann wäre auch mir ein Stein vom Herzen gefallen. Was soll werden, wenn ich hier mal vorzeitig herausgehe? 3ch weiß ja, ich kann mich auf Sie verlassen und auf meine anderen alten Mitarbeiter: aber ich hätte doch gern mein eigen Fleisch und Blut hier drin; man hat manchmal so komische Ahnungen, als ob man schneller, als man denkt, ab berufen würde."
Moeller sah seinen Chef erschrocken an. Spürte der Kommerzienrat nun auch, was ihnen, den alten Angestellten und Mitarbeitern, längst mit Sorge zu Bewußtsein gekommen war. daß fein Aussehen sich in der letzten Zeit erschreckend verändert hatte? Aber man durfte das auf keinen Fall zugeben. So sagte denn Moeller und gab seiner Stimme einen Ton von Sorglosigkeit:
„Tas sind nervöse Vorstellungen, Herr Kommerzienrat. die ihre Ursache nur in 3hrer Heber- arbeitung haben. Sie müssen nur einmal ein paar Wochen ausruhen: bann stecken Sie mit 3hrer unverwüstlichen Kraft auch die 3üngften von uns in die Tasche. Und was den Kurt anbelangt, wenn Sie ihn schon gern im Werk drinsehen — warum lassen Sie ihn nicht schon jetzt mit der Hochschule aufhören? Was die ihm dort an theoretischem Kram beibringen, davon hat er schon genug. Und in der prÄtischen Arbeit lernt er hier viel besser. 3ch weih von Kurt selbst, dah er am liebsten schon heute hier im Werk mit Hand anlegte."
„Schön und gut, lieber Moeller: aber gerade ich als Mann der Praxis weiß, was eine gute theoretische Ausbildung für einen 3ngenieur zu bedeuten hat. Kurt soll ruhig bis zum Examen durch halten. Und was mich anbelangt — nun ja,
an alle Mitarbeiter und an die Gäste hob er mit warmer Anerkennung
die uneigennützige Tätigkeit oller Mitarbeiter als besonders bedeutsamen Faktor des Heimatwerkes
hervor. Hierauf sprach er in längerer Rede über die Grundgedanken und die hohen Ziele der geistigen Betreuungsarbeit beim freiwilligen Arbeitsdienst, die aus zaghaften Anfängen zu einem anerkennenswerten Faktor im Gesamtbereich der großen sozialen Aufgaben geworden sei. Ute Darlegungen des Redners waren von so großer Bedeutung, daß sie über den Kreis der Mitarbeiter des Heimatwerkes hinaus Beachtung verdienen. Wir werden daher auf diese Rede noch besonders zurückkommen.
Der Vertreter des Bezirkskommissars für den freiwilligen Arbeitsdienst, Dr. K o l b-Frankfurt a. M. teilte sodann u. a. mit, daß am 30. September
im Bezirk des Landesarbeitsamts Hessen rund 60 000 Arbeitsdiensifreiwillige vorhanden waren, von denen rund 30 000, also 50 Prozent durch die geistige Betreuung erfaßt wurden.
Weiter betonte der Redner, daß sich die Arbeitsleistungen im freiwilligen Arbeitsdienst durchweg gut entwickelt haben und allgemein die Arbeit als bester Erziehungsfaktor zutage trete.
Der Geschäftsführer der Abteilung Oberhessen des Heimatswerkes, cand. theol. Seipp -Gießen, gab einen kurzen Bericht über die Entwicklung des Betreuungswerks in Oberhessen im Verlaufe der letzten Monate. In der Woche vom 12. bis 18. Juni wurde die Betreungsarbeit ausgenommen. Damals standen 11 Mithelfer zur Verfügung, von denen 15 Maßnahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes mit etwa 200 Arbeitsdienstwilligen erfaßt wurden. Vier Woche später, in der Woche vom 24. bis 30. Juli, erfaßte die Abteilung Oberhessen mit Unterstützung von 48 Betreuern schon 128 Maßnahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes mit rund 2000 Arbeitsdienstwilligen.
3n der kommenden Woche werden durch 75 Mitarbeiter 147 Maßnahmen mit mehr als 3000 Arbeitsdienstwilligen geistig, beruflich und sportlich betreut werden.
Etwa 30 Maßnahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes mit über 1000 Arbeitsdienstwilligen können noch nicht regelmäßig betreut werden, weil in manchen Gegenden noch geeignete örtliche Mitarbeiter fehlen. Man hofft aber, bis Ende dieses Jahres soweit zu sein, daß in Oberhessen keine unbetreuten Arbeitsdienstwilligen mehr vorhanden sind. Hierzu ist die Mithilfe weiterer geeigneter Kräfte notwendig. Heute sind es im ganzen 125 Damen und Herren, dte di« Betreuungsarbeit durchführen. Den Stellen, die die Durchführung dieser Werbung ermöglichen, gebührt besonderer Dank.
Grundsätzlich ist zu bemerken, daß der freiwillige Arbeitsdienst kein Rentabililälsunter- nehmen sein soll und darf. Nach dem Willen des Gesetzgebers und nach der Auffassung des Reichskommissars ist der srelwilige Arbeitsdienst vorwiegend ein Lrziehungswerk, bei dem allerdings die ernste, werteschaffende Arbeit das wichtigste
Erziehungsmittel ist.
Für die geistige Betreuung kommt es primär nicht darauf an, was geboten wird, sondern darauf, wie es geboten wird. Sowohl von einem hochinteressanten, fesselnden Vortrag, als auch von einer ganz schlichten Erzählung kann eine große erzieherische Wirkung ausgehen. Sinn und Zweck dieser Erziehung soll sein, den vielleicht jahrelang arbeitslosen Menschen wieder in dauernde DerbinLung zu Arbeit, Boden und Gemeinschaft zu bringen und in ihm den Sinn für Heimat, Volk, Vaterland, Gemeinschaft, Pflichterfüllung und Disziplin zu wecken und zu pflegen. Besonders zu berücksichtigen ist, daß der Stofs der Betreuung innerhalb des Anschauungskreises der Arbeitsdienstwilligen liegt. Es soll veracht werden, die Betreuungsarbeit im Winter und darüber hinaus zu steigern, sowohl hinsichtlich der geistigen, als auch der beruflichen und sportlichen Seite. Nach der geistigen Seite hin sollen möglichst
Sie haben ja vielleicht recht, es mögen Grillen sein... Vielleicht hat Gott mir noch eine lange Arbeitszeit zugemessen. 3ch mochte arbeiten können, bis ich meinen Jungen als meinen Nachfolger hier einführen kann. Aber, wenn es mal nicht so sein sollte — nicht wahr, Moeller, auf Sie kann ich mich verlassen? Sie werden meinem Jungen inrmer als Freund und Berater zur Seite stehen?"
Er streckte die Hand aus, in die der Betriebsingenieur die seine legte. „Auf mich können Sie sich verlassen, Herr Kommerzienrat, und auf die anderen hier auch. Wir alle, wo wir auch stehen, sind mit dem Bremerwerk auf Gedeih und Verderb verwachsen. Lind der Kurt, Herr Kommerzienrat, der wird wie Sie. Mit dem zusammen zu arbeiten, wird für jeden von uns eine Freude sein."
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„Na, Erie, was sagst du?"
Kurt stand mit glücklich strahlendem Gesicht da und sah mit zärtlichem Stolz auf sein Motorboot „Wasserjungfer", das nun wieder still am Strande lag.
„Was ich denke?" fragte Erika zurück und kniete vor der kleinen Luke in dem hinteren Teil des Bootes. „Ich denke, daß wir die gute .Wasserjungfer' erst einmal trocken reiben müssen."
Bei diesen Worten hatte sie schon einen Lappen aus der Tiefe der Luke geholt und begann mit allen Kräften auf dem leuchtenden Rot des Mahagoni herumzureiben: aber sie hatte doch noch Zeit, einen spitzbübischen Blick zu Kurt hinübcrzuwerfen.
„Dummchen!" gab der zurück. „Ich frage doch, was du zu der Anerkennung meines Vaters und der von Moeller meinst?"
„Daß ich nichts anderes erwartet habe! Ich habe ja gewußt, daß deine Verbesserung an der Zündung gut ist. Ich habe es ja gleich gespürt, als ich das Steuer in die Hand genommen hatte, wie ganz anders sich das Boot fährt. Du, mit dem möchte ich mal auf ein Rennen gehen!"
„Ach, Unsinn! Diese neue Sache muh erst richtig durchkonstruiert werden — so ist das noch gar nichts. Das muh noch viel besser werden."
Erika rieb eifrig weiter an dem Holz des Bootes.
„Na, dazu hast du ja auf der Hochschule noch Zeit genug. Wann fährst du denn wieder?"
Kurt seufzte. „Liebermorgen, Erie. Es wird mir diesmal so schwer. Ich weiß nicht, bei jedem neuen Abschied fühle ich mehr und mehr, wie ich hier an der Heimat hänge. An der Heimat und —“
Er redete nicht weiter und sah mit einem sehnsüchtigen, brennenden Blick auf das junge Mädchen, das in dem Boot auf den Knien lag und
noch mehr als bisher VolkslieSerabende, Oemelft® fchafts- und Familienabende und Ausspracheabends hinzutreten. Wo es möglich ist, soll auch
die berufliche Fortbildung der Arbeitsdienst- willigen stärker ins Auge gefaßt
werden. Schließlich wird auch die sportliche De-« treuung stark ausgebaut, wofür als sachverständiger Berater der Leiter des Instituts für Leibes« Übungen an der Llniversität Gießen, Herr Dr. Möckelmann, der Abteilung Oberhessen des Heimatwerkes zur Seite steht. Konnten bisher durch die freiwillig zur Verfügung stehenden Kräfte dieses Instituts wöchentlich etwa 15 Maßnahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes sportlich betreut werden, so wird diese Zahl von der Übernächsten Woche ab zunächst auf etwa 50 steigen, und es ist zu hoffen, daß bis Ende dieses Jahres sämtliche Arbeitsdienstwilligen auch sportlich betreut werden können.
Oie Aussprache.
Der ganze Verlauf der Aussprache stand auf hohem Niveau und brachte eine Fülle von wertvollen Anregungen. Bei dem großen Umfang der Erörterung müssen wir uns auf eine summarische Zusammenfassung der wichtigsten Vorschläge beschränken. LI. a. wurde gefordert, größtes Gewicht auf die Ausbildung der Kolonnenführer zu legen, da diese die wichtigste Position! für das Gelingen oder Mißglücken der Arbeitsdienstaufgabe darstellen. Bei dieser Frage muh beachtet werden, dah das Werk des freiwilligen Arbeitsdienstes nicht vorübergehend, sondern bestimmt auf sehr lange Sicht eingestellt ist. Di« Arbeitsleistung und die geistige Betreuung müssen sich ergänzen, wobä die Arbeit als stärkster Erziehungsfaktor im Vordergründe stehen muh. Weiter wurde mit Nachdruck die Forderung erhoben,
die jetzige Beschränkung in der Zulassung zum Freiwilligen Arbeitsdienst auf Leute nur bis zu 25 Jahren unter allen Umständen zu beseitigen und den Einsatz aller Arbeitsdienstwilligen auch über 25 Jahre hinaus unbeachtet ihres Atters möglich machen.
Ferner muh die Zulassung der Arbeitsdienstwilligen mindestens auf vierzig Wochen erfolgen, damit nicht diejenigen Leute, die sogleich nach Einführung des freiwilligen Arbeitsdienstes mit ihrer TätiAeit begannen, nach Vollendung der ersten 20 Wochen ausgeschaltet werden. Für die gesamte junge Generation ist das Opfer des Volksdienstes derArb.eitzu fordern. Künftig ist bei neuen Arbeitskolonnen zunächst ein Vortrag über Sinn und Zweck des freiwilligen Arbeitsdienstes zu halten, damit die Leute erkennen, wie diese Einrichtung angesehen werden muh. Weiter wurde gewünscht, dah auch die Bürgermeister sich noch stärker als bisher für die Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes und für die Teilnahme der Arbeitsdienstwilligen an der geistigen Betreuung einsehen möchten. Als empfehlenswert wurde es bezeichnet, informatorische Vorträge über alle diese Fragen vor den Bürgermeistern halten zu lassen. Als notwendig bezeichnete man es weiterhin, dah
in allen Ortschaften Pfarrer, Lehrer und Bürgermeister eine Gemeinschaft zur Förderung aller Zweige des Freiwilligen Arbeitsdienstes bilden möchten,
ein Standpunkt, der namentlich auch von der höchsten Stelle der evangelischen Kirche in Ober* Hessen nämlich vom Superintendenten, als berechtigt und b.herzenswert dringend empfohlen wurde. Aus diese Weise könne und müsse der freiwillige Arbeitsdienst in allen seinen Teilen zu einer Sache der Dorfgemeinschaft werden, auf diesem Wege werde er zum Brückenschlag zwischen den verschiedenen Schichten der Cinwoh^ nerschaft. Ferner wurde angeregt, auch großstädtische Arbeitslose auf das Land zu bringen und hier mit den ländlichen Arbeitslosen zu vermischen. Als notwendig sah man es weiterhin an, das Schwergewicht des Freiwilligen Arbeitsdienstes nicht nur auf die Jugendlichen
eifrig arbeitete. Die schlanke, kindhafte Gestalt war angespannt, das blonde, reine Gesicht gesenkt. Jegt hob Erika verwundert den Kopf und fragte:
„Warum redest du denn nicht weiter, Kurt?
Er schwieg noch immer und sah sie an. Sie begegnete seinem Blick, in ihr unschuldiges Staunen kam Llnsicherheit — eine bange Frage, ein süßer Schreck, durch den die Ahnung des Unausgesprochenen schauerte. DHon senkte Erie wieder die blauen Augen.
„Komm mal her, mein Lieber — und hilf!" sagte sie nach einer Weile mit gemachter Munterkeit. „Vorläufig bist du noch nicht wieder auf der Hochschule, sondern hier, und kannst auch was tun fürs Vaterland."
Sie warf ihm mit einem Schwung einen der Putzlappen direkt an den Kops.
Aber Kurt ging nicht auf ihren burschikofenTon ein. Er hielt den Lappen, den er glücklich gefangen, in der Hand und starrte darauf, als wäre in ihm ein Rätsel verborgen, das er lösen mühte.
„Erie", fragte er plötzlich leise und scheu, „Erie, es dauert mxh so lange, bis ich fertig bin, und ich bin immer so viele Monate von hier fort, vorn Dremerwerk und von dir — Erie, wirst du immer daran denken, dah niemand auf der Welt es so gut mit dir meinen kann wie ich? — Hör doch endlich mal mit dem dummen Gepuhe auf! — Du, Erie, wenn ich dich später mal fragen würde, ob —“ Er griff nach ihrer kleinen Harck».
„Laß doch!" flüsterte sie erschreckt. „Die ist ist ja ganz schmutzig, und nach Schmieröl riecht sie außerdem."
„Das schadet nichts. Erie, das ist ja von der Arbeit, von meiner Arbeit, von unserem Doot. Erie, ich habe dich lieb, ich habe manchmal Angst, daß du irgend jemanden lieber haben könntest als mich."
„Du dummer Kurt", sagte das kleine Mädchen leise, und in ihrer Stimme schwang etwas ganz Neues, was die unbefangene Kindlichkeit hinwegnahm. „Wie könnte ich denn jemals einen anderen lieber haben als dich!?"
Lind dann brach sie ab, wie erschrocken. Kurt hatte sich auf die kleine, schmutzige Hand gebeugt uno e nen heißen Kuh auf die braunen Finger gedrückt.
„Erie", flüsterte er, „das Wort nehme ich mit — und ich werde es nie vergessen — hörst du, Erie, nie! — Lind nun helfe ich dir."
Mit einem Sah war auch er im Doot, dicht neben dem erglühenden Mädchen, und rieb, als wäre nichts gewesen, eifrig an den Schrauben und an dem Gestänge des schlanken Dootes, bis es hell erglänzte. (Fortsetzung folgt.)


