nr.236 SvübauSsabe
182. Jahrgang
Keitag, 7. Oktober 1932
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton l)r H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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unter Sammclnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten. Anzeiger Gießen.
Hessens Finanz- und Kaffenlage.
Große finanzpolitische Aussprache im Hessischen Landtag.
Darmstadt. 6. Ott. (WHP.) Präsident Werner teilt mit, daß wegen der Reichstagswahlen der Landtag diese Woche seine Arbeiten abbrechen und am 15. Rovember wieder zusammenkommen wolle.
-In den eingeschobenen Abstimmungen wird der nationalsozialistische Antrag: Beförderungen von. Beamten aus politischen Gründen dürfen bis auf weiteres nicht vorgenommen werden, angenommen. — Für den nationalsozialistischen Antrag, die „Darmstädter -Zeitung" sofort einzustellen, stimmt eine Dl e h r h e i t von Rationalsozialisten und Kommunisten. Borsorglich — falls die Regierung den Beschluß nicht ausführt — beschließt das Haus bei nationalsozialistischer Stimmenthaltung die freie Lieferung der -Zeitung an alle Abgeordneten.
Abg. El aß (Rats.) gibt in einer persönlichen Erklärung zu, daß er bei seinen gestrigen Angriffen gegen eine Beamtin z. T. falsch unterrichtet war und auch gegen ihre Frauenehre nichts habe sagen wollen.
Fmanzmmister Kirnberger:
Der Staatsvoranschlag für 1932 schließt in Einnahme und Ausgabe mit rund 108 Millionen RM. ab. Gegenüber dem Staatsvoranschlag 1931 bringt der 1932er Vorschlag eine Verminderung um r u n d 30 Millionen R M. Von dieser Kürzung entfallen auf persönliche Kosten rund 18 Millionen RM. Die sachlichen Ausgaben sind auf 37,6 Millionen RM. heruntergegangen; diese Minderung erhöht sich noch um 1,9 Millionen RM., die als nachträgliche Globaleinfparung bei den Einnahmen in Kap. 16 etatrsiert werden mußte. 3m bisherigen Verlauf des Etatsjahres ist es sogar gelungen, die Ausgaben ^noch unter diesen so sehr gedrosselten Saßen zu halten. Anderseits hat jedoch die weiter fortschreitende Konjunkturabgleitung zu einer Verminderung der steuerlichen Erträgnisse geführt. An Ueberweisungssteuern für den hessischen Staatshaushalt 1932 ist eine Mindereinnahme von 3 435 000 RM. zu erwarten, der Landessteuereingang wird aber den Voranfchlags- ziffern nohekommen. Die Erträgnisse des werbenden Vermögens haben bislang eine rückläufige Bewegung gezeigt. Die Einnahmen aus Forftdomänen lasten einen Rückgang von 200 000 RM. erwarten. Die Pachtermäßigungen belasten voraussichtlich das Rechnungsjahr mit 260 000 RM. Insgesamt werden sich also die Einnahmen gegenüber dem Voranschlag um 3 8 9 5 0 0 0 R M. vermindern. Es wird eine weitere Herabminderung der Ausgaben um 500 000 RM. erreicht werden können. An Deckungsmitteln fehlen nach dem seitherigen Stand also 3 395 000 RM. Um die Lücke im Staatshaushalt wieder auszufüllen, wird an die Einführung einer Schlacht ft euer gedacht werden müssen. Die Ka ss e n v e r h ä lt n i ss e des Landes sind nach wie vor äußerst angespannt. Sehr erhebliche Einnahmerückstände sind insbesondere dadurch entstanden, daß viele öffentliche Körperschaften nicht in der Lage waren, ihren Verpflichtungen gegenüber dem Staat rechtzeitig nachzukommen. Diese Tatsache mußte leider zur Folge haben, daß auch der Staat seinerseits mit seinen Ueber- weisungen an Gemeinden und Kommunalverbände vielfach in Rückstand kommen mußte. Es ist dadurch zwangsläufig ein internationaler Kaffenausgleich entstanden, dessen baldigste Beseitigung die Regierung eifrigst cinstrebt. Troß dieser äußerst schwierigen Kassenverhältnisse war es seither doch immer noch möglich, die allerdringendsten Staatsausqaben zu leisten; insbesondere konnten umlaufende Schaßanweisungen und Zinsscheine bei Verfall eingelöst werden.
Staatsrat Karcher
zeigt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit und die staatlichen Hilfsmaßnahmen, über die Gemeinden Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Danach sind in Hessen von 1926 bis 1931 insgesamt 6,241 Millionen Mk. Förderungen für 1 315 809 geleistete Tagewerke bewilligt worden. Für die 1930 beschlossene besondere Arbeitshilfe sind Zinsverbilligungen für 7,3 Millionen Mk. zugesagt. Es wurden für etwa 11,5 Millionen Mk. Arbeiten crusgeführt. Für Hochwasserschuh sind vom Reich 600 000 Mk., für S t r aß e n b a u 1,2 Millionen Mk. nach Hessen bereitgestellt. 600 000 Mk. sind für Meliorationen gesichert, weitere 400 000 Mk. stehen in Aussicht. Das Wtrtschasts- programm der Reichsregierung bedeute gewiß einen starken Schritt nach vorwärts, beschreite aber auch sehr bedenkliche Wege, besonders bei der Lohnkürzung. In Hessen seien bisher keine merkbaren Reuein stell ungen erfolgt; im Gegenteil liefen noch Stillegungsanträge aus großen Betrieben ein, die auch von der Möglichkeit eine 20prozentigen Lohnkürzung Gebrauch machen wollten. Für die starke hessische Exportindustrie entstünden aus der Kontingentierungspolitik der Reichsregierung schwere Gefahren mit dem Ergebnis weiterer Arbeitslosigkeit.
Oie Aussprache.
Abg. W e s p (Z.) übt heftige Kritik an den wirtschaftlichen Rotverordnungen der Reichsregierung, die alle reaktionären Bestrebungen im Arbeitgeberlager entfesselt habe. Rücksichtsloser Abbau aller Llnterstützungen, unerhörte Kürzungen
der Löhne und Gehälter, bedenkliche Eingriffe in das Streikrecht und die sozialen Rechte und Einrichtungen der Arbeiter bei gleichzeitigen Mil- llardensubventionen für die Unternehmer erregten das Volk in seiner Tiefe. Das Zentrum verlange m Hessen zur Linderung der allerdringendsten Rot u. a einen Staatszu schuh für den Winter h i l f e - Z entralausschuh.
Abg. Keil (Komm.) greift die Rationalsozia- nsten an, die im Ausschuß die Winterhilfe ab» gelehnt haben und sich der Taktik der System- Parteien damit angeschlossen hätten. Ein Täuschungsmanöver sei der nationalsozialistische Antrag, die Regierung möge die Dezirksfürsorge- verbände anweisen, die Richtsätze der Fürsorge in den Wintermonaten um 10 Prozent zu erhöhen. Das bedeute also 30 Pf. und zeige das soziale Gesicht der RSDAP.
Ab. Dr. Riepoth (D. Bp.) verlangt produktive Verwendung der Sondergebäude st euer zur Unterstützung des Handwerks. Die Sondergebäudesteuer müsse in den Kreis der mit Steuergutscheinen ausgestatteten Steuern eingegliedert werden.
Abg. Dr. Best (RS.) sieht in der Wirtschaftskatastrophe den grandiosen Beweis für die Richtigkeit des völkischen Gedankens auf wirtschaftlichem Gebiet. Rur ein kleiner Sektor der deutschen Wirtschaft diene dem Austausch mit anderen Rationalwirtschaften. Das Wirtschafts
gebäude des liberalistkschen Kapitalismus und Marxismus besitze im Volke keinen Grund und keinen Glauben mehr. Rur die nationalsozialistische Wirtschaftsform vermöge den Einzelnen und das Volk vor dem Untergang zu schützen.
Abg. Hauck (RS.) erklärt, seine Fraktion habe im 5. Landtag eine Winterhilfe beschlossen, die von der geschäftsführenden Regierung nicht durch geführt worden sei. Wenn damals der Winterhilfe Hindernisse im Wege gestanden hätten, so gelte heute dasselbe für den Winterhilfeantrag der SPD. Die nationalsozialistische Fraktion enthalte sich daher der Abstimmung. Die geschäftsführende Regierung möge zeigen, ob sie nach der Annahme der sozialdemokratischen Winterhilfe den Erwerbslosen etwas zu bieten habe. Rur eine A rundlegende Aenderung der bestehenden Staats^ und Wirtschaftsordnung und die Durchführung des nativ-- nalfozialistischen Arbeitsbeschaffungsprogramms werde Leben und Wohlfahrt jedes Deutschen sichern.
Abg. Abt (RS.) glaubt, angesichts der jeder Beschreibung spottenden Kürzung aller Unterstützungen durch das Herren-Kabinett sei allen Erwerbslosen die von den Rationalsozialisten beantragte zehnprozentige Erhöhung der Wohl- fahrtssähe wertvoller als die Winterhilfeanträge der Marxisten.
Hitler spricht auf der Reichspropagandatagung der NSDAP.
München, 6. Oft. (TU.) Die Reichspressestelle der RSDAP. teilt mit: 3m Mittelpunkt der heutigen Reichspropagandatagung der RSDAP. stand die Kampfparole Adolf Hitlers für den beginnenden großen Wahlkampf. 3n seinen Ausführungen wies Adolf Hitler darauf hin, daß die Widerstände, die sich der nationalsozialistischen Bewegung heute noch entgegenstellten, jener letzte Ansturm vereinigter Gegner seien, dem sich jede Bewegung gegen- ü versehe, wenn sie sich der letzten Entschei - düng vor demSiege nähere. Die Geschichte kenne feine große Umwälzung, deren Erfolg'von vornherein allen sichtbar gewesen sei. 3mmer habe erst ö i e letzte Ausdauer und die letzte Entschlußkraft in den entscheidenden Kämpfen dem Stärkeren den Sieg garantiert. Die nationalsozialistische Bewegung, die nicht auf kurze Sicht aufgebaut fei, besitze in ihrer inneren Kraft diese ungeheure Beharrlichkeit und Zähl gfeit, ohne auch nur einen Augenblick am Endsieg zu zweifeln.
Hitler legte dann im einzelnen dar, warum das Programm der Regierung von Popen zusammenbrechen müsse. Das wirtschaftliche Programm dieser Regierung könne nach allen vorhandenen Anzeichen bereits jetzt als erledigt gelten. Der innerpolitische Teil des Programms, der angeblich die Aufrichtung einer starken Autorität erstrebe, müsse an den geradezü lächerlichen Mitteln scheitern, mit denen man glaube, eine solche Autorität ohne die geringste Fundierung irn Volke auf» rechterhalten zu können. Man könne ein System nicht einfach ersehen durch irgendein neues Kabinett von Männern dieses gleichen Systems. Wenn man die parlamentarische Organisation ersetzen wolle, könne man das nicht durch eine Clique, die dem Volke ihren Willen aufzwingen wolle, sondern nur durch eine unparlamentarische Organisation, die bereits von unten her aus dem Volke selbst herausgewachsen sei. Der Regierung von Papen fehle eben die Ration als Kraftquelle und deshalb müsse auch zum Scha
den des Volkes ihr außenpolitisches Programm scheitern.
Hitler unterzog die außenpolitischen Methoden der Regierung von Papen, die Deutschland in eine völlige Isolierung hineintrieben, einer scharfen Kritik und zeichnete die positive Linie einer national- sozialistischen Außenpolitik. Auch auf diesem Gebiete sei es nichts mit den frommen Wünschen der Regierung von Papen, „den Ro- tionalsozialisten das dritte Reich vorweg zu nehmen". Hitler gab sodann die Richtlinien und Grundsätze für die politische Tendenz des Wahlkampfes bekannt. Er führte zum Schluß seiner immer wieder von stürmischer Zustimmung unterbrochenen Rede nach dem Bericht der RSK. aus:
„Im Bewußtsein, für das Recht und die Zukunft des Volkes zu kämpfen, geht die nationalsozialistische Bewegung mit dem Einsatz ihrer ganzen Kraft in den Wahlkampf hinein. (5te besitzt in ihrer Organisation alle Voraussetzungen eines erfolgreichen Kampfes, die überhaupt denkbar sind. Jeder einzelne wird sich ein- setzen bis zum äußersten. Wir Rationalsozialisten werden der Ration ein unerhörtes Vorbild unserer Willenskraft geben. Es gibt Leute, die sagen, ehe die Wahl kommt, ist die Regierung Papen wirtschaftlich längst zusam- mengebrochen und erledigt. Aber Friedensresolutionen werden in der nationalsozialistischen Bewegung nicht gefaßt. Wir werden für den 6. Ro- vember kämpfen, als ob davon Deutschlands Sein oder Richtsein abhängen werde. Ich sehe dem Kamps mit absoluter Zuversicht entgegen. Die Schlacht kann beginnen! In vier Wochen werden wir aus ihr als Sieger hervorgehen. Im Reichspräsidentenpalais wird dann wohl die Erkenntnis einhellig sein: Die nationalsozialistische Bewegung steht, sie ist da und wird niemals verschwinden. Cs gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder man gibt ihr die Macht, oder man gibt sie ihr nicht. Dann werden sie von der Macht dieserDewegung überwunden werden."
Reichsführertagung der Oeutschnationalen Bolkspartei.
Eine programmrede Hugenbergs.
Berlin, 6. Oft. (TU.) Im Preußischen Landtag fand am Donnerstag eine Reichsführertagung und eine Sitzung des Parteivor - standes -der DNDP. statt. Der Tagung wohnten neben dem Parteioorstand fast sämtliche Mitglieder der parlamentarischen Fraktionen 'jomic der Landesverbands- und Kreisoerbandsvorstände bei. Der Parteivorsißende Dr. Hugenberg hielt eine aus- führliche programmatische Rede, in der er die Richtlinien für den Wahlkampf gab. Hugenberg betonte zunächst, daß wir heute in anderen formen einen zweiten Youngplankampf zu führen hätten, den Kampf um die Regelung der privaten Auslandsschulden, die die vom Dawes- und Poungplan aufgesaugte deutsche Wirtschaft einfach nicht tragen könne. Die Last dieser ungelösten Frage vernichte den Wohlstand der
Welt, sie sei der Hauptgrund für di e A r - beitslosigkeit. Dr. Hugenberg erörterte dann das Verhältnis der DNDP. zu den Nationalsozialisten. Wenn die NSDAP. jetzt die Schwenkung zum reinen Sozialismus vornehme, so müsse sie daran zerbrechen. Die Mittelparteien hätten ihren eigenen Untergang verschuldet. Nun dürfe die Entwicklung nicht wieder zurück zum Parlamentarismus gehen. Dem neuen Kabinett gegenüber hatten die Deutschnationalen den Standpunkt eingenommen, daß es nach feinen Taten zu beurteilen fei. Abgesehen davon, daß zum erstenmal ein Kabinett ohne schwarzrote Mitwirkung zustande gekommen sei, habe die Regierung Papen das Verdienst, Preußen ohne Bürgerkrieg vom Mar- xismus befreit zu haben. Das hindere nicht, zu betonen, daß viele unerfüllte Wünsche und mancher Grund zur Besorgnis vorhanden sei.
Die Regierung dürfe nicht zögern, unter Ausschaltung aller parlamentarischen Einflüsse die drin
genden Aufgaben in Angriff zu nehmen, die noch unter der Reichspräsidentschaft Hindenburgs gelöst werden müßten, vor allem eine durchgreifende Wirtschaftsreform und die Verfassungsreform. Auch andere Aufgaben, wie die Erneuerung des Beamtentums und die Sanierung der Landwirtschaft seien noch durchzuführen, wenn auch der grundsätzliche Uebergang zum Kontingentsystem ein großer Schritt vorwärts sei. Die Frage der Schuldenregelung müsse durch einen autonomen Schritt der Regierung angepackt werden. Die Sozialisierungspolitik Brü- n i n g s mit ihrer dauernden Subventionierung großer Betriebe müsse schleunigst wieder gutgemacht werden. Aufhebung der aus der Erbschaft Brüning übernommenen sozialpolitischen Härten sei dringend notwendig. Die Unterstützung des Kurses der Regierung Papen bedeute keine Blankovollmacht. Die Deutschnationalen gingen ihren geraden Weg. Sie lehnten jede unklare Bindung und jede Verwischung ihrer Ziele ab, aber sie öffneten die Tore weit für alle, die sich mit ihnen zu gleichen Zielen verbunden fühlten. Auch gegenüber den Versuchen der Nationalsozialisten, den Kampf der Deutschnationalen durch planmäßige Störung von Versammlungen zu hemmen, würden sich die Deutschnationalen durch- z u s e tz e n wissen. „Wir scheuen", so schloß Dr. Hugenberg, „diesen Kampf, der uns aufgezwungen wird, nicht. Die DNVP. geht in diesen Wahlkampf mit dem Willen, ihre historische Mission zu erfüllen und mit dem Glauben an die Kraft ihrer Idee." In diesem Wahlkampf stehe die DNVP. als die einzige Parteibewegung da, die in der Lage sei, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der für die Zukunft der Nation notwendigen Form durchzuführen.
Eine Entschließung des Parteivorstands.
Der Parteivorstand der Deutschnationalen Dolkspartei faßte nach mehrstündiger Aussprache eine Entschließung, in der es u. a. heißt: Die Tore der DRVP. sind für alle Deutschen weit geöffnet, die sich mit ihr zu dem gleichen Ziele verbunden fühlen. Der Parteivorstand begrüßt die Maßnahmen und Erklärungen des Vorsitzenden, die auf Sammlung aller wahrhaft nationalen Kräfte gerichtet sind. Die DRVP. ist es gewesen, die in allen die gerade Linie gehalten hat, unmittelbar auf das Ziel der nationalen antiparlamentarischen Wiederaufrichtung zu. Es ist selbstverständlich, daß sie die Wendung begrüßt, die der vor sieben Jahren von uns erkorene Reichspräsident herbeigeführt hat. Es ist unsere und der deutschen Jugend heilige Aufgabe, treu dem großen deutschen Ziele und unzugänglich für alle Versuchungen die Aufgabe von Harzburg auch ohne den einstigen Bundesgenossen zu Ende zu führen. Einem Rückfall in den Weimarer Parlamentarismus werden wir uns auf das Schärfste widersetzen. Wir haben nicht deshalb jahrelang erbittert gegen Rot und Schwarz gekämpft, um Deutschland jetzt durch parlamentarische Koalitionen um den Erfolg betrügen zu lassen, ober um Rot und Schwarz als Bundesgenossen gegen eine Regierung Hindenburg einzusetzen, die nach ihren bisherigen Taten weder rot noch schwarz ist. Eine Kampfesart, die sich gegen uns und gegen die jetzige Regierung der gleichen Mittel bedient wie nach der Revolution die Sozialdemokraten sie anwandten, kann uns weder schrecken, noch schaden.
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Der Parteivorstand richtete unter Hinweis auf den Brief Hugenbergs an den Reichskanzler, in dem die schleunige Beseitigung derschwe» ren sozialen Lasten der Juni-Rot- verordnung gefordert wird, an die Reichsregierung im Romen sozialer Gerechtigkeit und wahrer Kameradschaft aller Berufsstände nochmals die dringende Bitte, die Rotverordnung vom 14. Juni beschleunigt abzuändern. In der Vorstandssitzung sprach Dr. Hugenberg den Wunsch aus, den Ruf „Heil Hugenberg", der sich gewissermaßen als Kennwort in den deutsch- nationalen Versammlungen eingebürgert habe, in den Kampfruf „Heil Deutschland" abzuändern. Mehr denn je müsse heute alles auf die Person Bezügliche in den Hintergrund treten. Die Person sei nichts, die Idee des Vaterlandes alles.
Stuhlschlacht in einer deutschnationalen Wahlversammlung.
Berlin, 6. Olt. (TU. Funkspruch.) Eine am Donnerstagabend in der „Reuen Welt" abgehaltenen Wahlversammlung des Kreisvereins Reukolln der DRVP. nahm einen sehr unruhigen Verlauf. Eine größere Gruppe von Rationalsozialisten, die im hinteren Teil des Saales Platz genommen hakte, machte fortgesetzt Zvis'ei- rufe. Heilrufe auf Hugenberg wechselten mit Heilrufen auf Hitler ab. Als bann der Hauptredner des Abends, Reichstagsvizepräsi. ent Graes das Wort nahm, erscholl nach einiger Zeit von nationalsozialistischer Seite ein Zwischenruf, der dem Versammlungsleiter, Stadtrat Steinhofs, Veranlassung gab, die Entfernung dieses Zwischenruters aus dem Saal durchzusetzen. Es erhob sich ein allgemeiner Tumult. Von allen Seiten wurden Stühle, Diergläser und Aschbecher sowie sonstiges Inventar weit in den Saal hineingeschleudert. 3m Ru entwickelte sich ei n e S ch I ä g e r eEin Teil der Versammlungsteilnehmer verlieh fluchtartig den Raum. Von allen Seiten drang Schupo


