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dieser Reise gesprochen zu haben. Denn es war doch bestimmt ratsam, hierzubleiben und zu sehen, was Heinz Lerhosf oder Heinz Altendorf, wie er jetzt hieß, für neue Pläne hatte. Daß ihm Hilma eht das Mittel zum Zweck sein sollte, war klar. Vielleicht war ihm aber auch Rora Sellin emst nur das Mittel zum Zweck gewesen?
Das war jetzt gleich! Ganz gleich war es, wer und was Rora Sellin gewesen.
Geliebt hatte er diese schöne, schlanke grau! So geliebt, daß er sie heiraten wollte. Aber sie war Lerhoffs Frau gewesen und — hatte ihn, Fritz Lohgarten, bestohlen!
Das schied sie bis in alle Ewigkeit von ihm, und auch, weil sie die Frau dieses Mannes gewesen war.
Gewesen? Weshalb setzte er denn das als gewesen voraus? Rora würde noch heute die Frau des Sängers sein. Er würde Hilma niemals heiraten können, denn er war ja bereits gebunden. .*
3a, war es denn aber dann nicht notig, der Stiefmutter und Hilma diese Tatsache schonungslos zu offenbaren? Er war das doch dem Vater und dem Ansehen des alten Ramens schuldig?
Lohgarten brannte sich eine neue Zigarette an.
Ein Skandal? Und Hilma mitten darin? Und damit auch er und sein Harne? Das burfte nuyt sein Er mutzte also den Damen sagen, datz Alten- dorf-Lerhoff damals verheiratet gewesen war.
Er konnte verwitwet, konnte geschieden sein! Gewiß Aber nichts war eben natürlicher, als daß Hilma nur ein Mittel zum Zweck war.
Merkwürdig! Was konnte denn gerade jene Firma Lerhosf für ein Interesse daran habew ihn zugrunde zu richten? Denn darum handelte es sich doch gewiß in diesem Falle letzt wieder Wie sollte er nur die Beweggründe je erkennen? Dabei war es höchst sonderbar. Er hatte nie die Ansicht gehabt, behördliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Etwas Geheimnisvolles zog ihn zu dem schönen Sänger, und dennoch verachtete €r(Sänger? Der Erbe der Lerhoffschen Firma war Sänger! Verdiente sich sein Geld auf diese Weise. Das war auch sehr sonderbar. Denn Konsul Habermann hatte in Baden-Baden erzählt, die Lerhoffs seien sehr reich und Heinz der einzige Sohn. Bißchen leichtsinnig, sonst aber ein netter Kerl.
Fritz Lohgarten stand vor einem Rätsel.
Dennoch! Etwas schälte sich klar heraus: der Sänger haßte ihn! Haßte ihn nicht wegen der Affäre mit Rora, die ja obendrein nur ein abgekartetes, unwürdiges Spiel gewesen bat, sondern er haßte ihn aus einem anderen Grunde.
Warum aber? Wenn er das doch ergründen lD@ine Lösung lag nahe. Schmutzig und unehren- : haft!__ ,
Er blickte sie forschend an. 1
„Unehrenhaft? 3n dem Sinne, wie du es meinst, gewiß nicht. Und ich warne euch auch nicht vor einem Verkehr mit ihm, weil ich dazu kein Recht hätte. Es ist eine ganz persönliche Angelegenheit, die auch ganz persönlich zwischen uns erledigt worden ist. Wie gesagt, es ist dann ganz eure Sache, wie ihr euch euer Leben einrichtet und mit wem ihr verkehrt."
Ein Argwohn setzte sich in ihr fest, wuchs höher, nahm Gestalt an. Vielleicht wollte er heiraten, und nun ergriff er die erstbeste Gelegenheit, um sie und Hilma aus seinem Hause zu entfernen?
„Sollte die Sache, vielleicht eine kleine Reiberei mit Altendorf, nur ein Vorwand sein? Du willst heiraten?" fragte sie.
Er lachte leicht auf.
„Gewiß nicht. Vorläufig wüßte ich nicht, wen ich heiraten sollte. Aber eines Tages wird es so weit fein, und dann würdet ihr ja sowieso von hier fortgehen, denn ich würde wünschen, mit meiner Frau allein zu sein", sagte er offen.
Sie war machtlos dieser Offenheit gegenüber, und so sagte sie mit zuckendem Munde:
„Gut also. Ich sehe es selbst ein, datz es am besten ist, wenn wir schon jetzt dein Haus verlassen, denn es mühte ja vielleicht doch bald einmal sein. So kann es ebensogut schon. jetzt geschehen. Aber du hast es dir wohl doch nicht richtig überlegt? Gesprächsstoff bieten wir den Leuten auf Monate hinaus."
Es zuckte wie Mitleid um feinen Mund.
„Liebe Mama", meinte er nach einer Weile, „mir persönlich wäre es ganz gleich, was die guten Leutchen reden, aber um deinetwillen, da du diese Redereien nun einmal fürchtest — gut, ich werde einem befreundeten Architekten Auftrag erteilen, hier das ganze Haus gründlich zu reno- vieren. Ich verreise inzwischen, und ihr bezieht die Villa um Pfeilsring." .
„Gewiß, sagte sie aufatmend, „so wird es gehen. Und nun möchte ich gern einmal mit Hilma sprechen." .... , .
Er begleitete sie höflich zur Tur, öffnete und schloß diese Tür. Als er sich allein sah, brannte er sich eine Zigarette an und rauchte mit tiefen Zügen.
Er fühlte eine Erleichterung in sich, weil nun endlich einmal Klarheit geschaffen worden war. Diese Klarheit war nun eher geschaffen worden, als er eigentlich beabsichtigt hatte, aber es war sehr gut so. Sehr gut war es!
Er trat ans Fenster, sah hinaus. In diesen letzten Tagen war es recht herbstlich geworden. Das Laub fiel!
CBerreifen! m ,
Er konnte verschiedene Geschäftsfreunde besuchen, konnte allerlei persönlich erledigen. Ader — er bereute plötzlich, feiner Stiefmutter von
Eine Firma wollte in vollster Absicht deü Untergang der anderen Firma herbeifuhren, um dadurch zu gewinnen. Aber daran glaubte Fritz Lohgarten nicht. . _
Er wurde den Gedanken nicht los, daß efl etwas anderes sein muhte.
Was aber? Diese Frage quälte ihn, obwohl ei sich das nicht eingestehen wollte.
Diese Annäherung Altendorfs an Hilma! Del Sänger heiratete Hilma nicht. Er war davon Überzeugt, dah sich der Stiefschwester stolze Hoff» nuna nicht verwirklichen würde.
Wenn Altendorf aber doch ernsthafte Absichten hatte? Wenn er Hilma heiratete? Was dann?
Es muhte sich dann doch zeigen, was man eigentlich bezweckte. Und wenn er jetzt verreiste, gerade jetzt — konnte man dann Nicht eine neue Teufelei gegen ihn anzetteln? .
Das Grübeln machte ihn elend. Er fürchtete keine Machenschaften. Seine Firma stand rein und makellos da. Aber gegen Maulwurfe war man machtlos. Wenn sie einem Schaden zufugten, ohne daß man ihrer habhaft werden konnte, dann war das immer schlimm.
Was aber sollte er nur jetzt tun?
Diese törichte Hilma! Die nicht emfeben wurde, dah ein Mann wie dieser gefeierte Sänger sie niemals aus Liebe zur Frau nahm. Die nicht einmal vermögend war. ___
Fritz Lohgarten klingelte seinem Diener.
„Ich will ausgehen, Johann." , ,
Der Diener verstand, und eine Minute daraus war er auch schon mit Hut, Mantel, Stock und Handschuhen zur Stelle.
Fritz Lohgarten verlieh ferne Wohnung. Er mußte an die Luft, muhte ein paar Menschen leben
Ohne dah er sich dessen bewußt, hatte er den Weg nach den Arbeiterhäusern zu genommen. Run war er plötzlich mitten zwischen den Garten und wurde gegrüßt und grüßte wieder.
An Werkmeister Dolschers Haus blieb er stehen und blickte lächelnd auf das kleine, feine Dingelchen das da einen großen Strauß Georginen schnitt, während Mutter Dolscher zwischen den Gemüsebeeten umherging und einiges zurecht- ^Er"'grüßte. Mutter Dolscher erschrak, dann wurde sie rot vor Freude.
„Ach, der Herr Lohgarten! Recht schonen guten Tauten Tag, Frau Dolscher. Ra, war die Ernte ^Io, sehr gut war sie. Was man in so einem Garten alles ziehen kann — nicht w glauben. Dieses Jahr hatten wir schon viel Obst.
„DaS freut mich. Ra, und die Kleine?
„Der bekommt die gute Luft. Sie hat schon rote , Backen. Traute, komm doch mal her!"
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Roman von Gert JRofbberg.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Hier das gesicherte, reiche Heim verlassen, war mehr als gewagt: aber Hllma war so selig, d ß der gefeierte, schöne Mensch sie verchrte RiEals würde sie sich dieser harten Maßnahme des Ellef
£ wollen, und Unfaebcn und Zw.°. tracht würden immer da sein. ;ra . _ nFu>re ODcnu sie aber in die Villa am PfeEng über- stellten dann war es ans mit dem Schlaraffen- E hon !)Sen sie wieder rechnen müssen. Wenn auch nicht so wie früher, aber doch rechnen. Wie unfein von Fritz, dah er ihr ihr früheres, ke ckes Dasein in Erinnerung gerufen hatte! Und wie hart gemeihelt sein Gesicht war! Er lleh sich nichts abringen, weder im Guten noch im Dösen das sah sie. Zu allen inneren Äantpfen »am noch die Demütigung, daß er ibr heute klipp und klar erklärt hatte, eine Verbindung nut Hilma käme für ihn weder letzt noch später in ^Was sollte sie nur noch sagen? Was konnte sie sagen? Sie muhte doch auf reden Fall erst noch einmal mit ihrer Tochter sprechen, ehe sie dem Stiefsohn etwas Bestimmtes Mitteilen konnte.
Mein Gott sie, die Mutter, war durchaus nicht erpicht darauf, dah aus der Anbetung und dem Flirt zwischen dem Sänger und Hilma eine Ehe wurde Denn sie glaubte da eben an kein Gluck. Und um einer bloßen Laune Hilrnas willen diese ganze gesicherte Position aufs Spiel sehen, die man bis jetzt inne gehabt, war ein leichtsinniges Spiel, das man schwer bereuen konnte.
Aber was hatte nur Fritz mit dem Sänger? Woher mochte er ihn kennen?
Und was für eine Feindschaft bestand zwischen ihnen, daß Fritz sich derart von Altendorf zurückzuziehen wünschte?
„Da du dich nicht näher erklären willst, so kann ich dir jetzt im Augenblick leider nicht sagen, wie ich mir meine Zukunft zu gestalten gedenke", sagte sie nach einer Weile. Dann setzte sie noch pinju: „Und Hilma wird sich keine Vorschriften machen lassen. Dazu ist sie eben doch zu alt“ .
„Gewiß! Ich verüble ihr das auch keineswegs, nur hier in meinem Hause empfange ich Herrn Altendorf nicht mehr."
Angst kroch plötzlich in ihr hoch. Und diesmal war es nicht die Angst um ein reiches, sorgloses Leben.
„Wenn ich nur wüßte, was du gegen Altendorf hast. Fritz. Ist es etwas Unehrenhaftes, was dich von ihm trennt?" _____________


