Ausgabe 
7.7.1932 Frühausgabe
 
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Der König, der mit 24 Jahren abdankte

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

Generalmajor

Max Freiherr von preuschen f.

WSR. Darmstadt, 6. 3uli. 3m Alter von 64 Jahren ist hier Generalmajor o. D. Max Freiherr von Preuschen gestorben. Während des Weltkrieges war er Kommandeur des Leibgarde-Regiments 115, bis ihn ein tücki­sches Leiden zwang, zur anderweitigen Verwen­dung in die Syeimat zurückzukehren. Rach dem Kriege nahm er seinen Wohnsitz in Darmstadt und übernahm das Präsidium der Kriegerkame­radschaftHassia", das er lange Zeit führte. Bis vor Jahresfrist war Preuschen auch Vorsitzender der Landesabteilung Hessen der Deutschen Adels­genossenschaft.

dem dicken Prügel zusammengeschlagen. Er hat auch auf Kuhn geschlagen, ebenso wie Maith seinerseits mit dem Kuhn abgenommenen Prügel auf die beiden Gegner eingeschlagen hat. Einzel- heiten sind nicht mit Sicherheit nachweisbar, es kommt auch nicht darauf an. Namentlich ist nicht mit Sicherheit zu ermitteln, wer dem Kuhn das Bein zerschlagen hat. Da die beiden Angeklagten gemeinschaftlich gehandelt haben, war jeder für den Erfolg verantwortlich. Mildernde Umstände wur­den angenommen, weil die Angeklagten noch jung sind, Heck unbestraft und Maith nicht schwer vorbestraft ist. Bei Maith kam auch mildernd in Betracht seine Aufregung, erschwerend die bestia­lische Fortsetzung der Mißhandlung, nachdem er von dem dazugekommenen Zeugen Kraft zur Ruhe ermahnt worden war. Bei check war erschwerend, daß sein Verhalten eigentlich unverständlich ist: er hat sich aus die für ihn falsche Seite geschlagen und hat gehetzt, wo er hätte vermitteln und begütigen sollen.

Die Verurteilten und der Staatsanwalt verzich­teten nach der Urteilsverkündung auf Einlegung der Revision.

I IRanu.

hatte am 2D. Mai s>ler namens 3. M »en deutschen Staats« gcreien in Höhe von oird, !v:gen Tetrugs mus verurteilt. Korn Wen mit übet [ ! in 'Bafel Safinen, Iten und a'ü ihre itk haü° er drei Sie DRotlc des 5zause gespielt tonte abgeschtvindclt. richt bestätigte heute

impfe in Bombay, wieder zu blutigen, as und Woham- s Personen gr­ündet wurden. Ob- irfste einschlitt, und inge Salven abgab, Fortgang. 3n dem -der Verkehr lahm-' sind geschlossen.

3um Tode des Exkönigs Manuel von Portugal.

Eine historische Reportage von Viktor Schweizer.

tet die Revision auc^dann einen Vorteil, wenn sie aussichtslos wäre. Das Gericht hat ihnen die Fähig­keit aberkannt, in den nächsten 5 Jahren öffentliche Aemter zu bekleiden. Solange das Urteil nicht Rechtskraft erlangt hat, bleiben s i e Beamte und müssen von der Stadt weiter bezahlt werden. Sie sind vom Dienst suspendiert und erhal­ten nur das halbe Gehalt. Aber das bekommen sie. Rechnet man, daß die Revision beim Reichsgericht sich monatelang hinziehen wird, dann werden sie in der Zwischenzeit mehr Geld an Gehalt beziehen, als die Kosten der Revision ausmachen würden.

Spaniens letzter Räuberhauptmann seht sich zur Ruhe.

Der letzte jener altspanischen Banditen, die in früheren Zeiten die Gebirge der Halbinsel und die Hauptstraßen unsicher machten, hat jetzt die feierliche Erklärung abgegeben, daß er sichvon seinen Beruf" zurückziehe und hinfortein ehr­liches Leben" führen wolle. 35 3ahre lang hat El Turon" seine ebenso gefährliche wie ruhm­reiche Laufbahn in den Kantabrischen Pyrenäen zurückgelegt, seitdem er wegen eines ersten Zu­sammenstoßes mit dem Gesetz aus seinem Heimats­dorf in Asturien am Fuße derSchwarzen Berge" in der Rähe der Kohlenbergwerke am Allerfluß fliehen mußte. Er machte dann zuerst Aufsehen, als er die Bahnstation der nahe gelegenen Stadt Reicastro beraubte; er erleichterte die Kasse nur um 20 Duros und ließ dafür sein Bildnis zurück. Seitdem hatEl Turon" bald als Führer einer Bande, bald auch allein Tausende von Heber* fällen und Einbrüchen verübt; meist besuchte er zur Winterszeit alleinstehende Billen, deren Be­sitzer sich in Madrid aufhielten. Der Verfolgung entkam er immer, indem er sich in die wilden und unzugänglichen Gebirgsklüfte oberhalb von la Sia, Lunada, El Cseudo und Piedras Luengas zurückzog. Die Bauernbevölkerung sympathisierte mit dem Räuber, der nach alter ritterlicher Ge­pflogenheit ihr nichts zuleide tat und nur die Reichen von ihremLieberfluß" befreite. Run aber istEl Turon" alt und grau geworden, und das Schicksal ereilte ihn endlich, indem er vor den Richterstuhl gebracht wurde. Der Richter fällte ein überaus mildes Urteil, das demguten Ruf" des alten Räuberhäuptlings entsprach. Er be­strafte ihn nicht wegen seiner Räubereien, sondern verurteilte ihn nur zu vier Monaten Gefängnis wegen der Bedrohungen der von ihm Beraubten. El Turon" war durch diese Milde so gerührt, daß er vor Gericht eine lange Rede hielt. Er bat für alle feine Verbrechen um Verzeihung aus Menschlichkeit und gelobte feierlich, er werde sich, sobald er entlassen sei, zur Ruhe setzen und in seinem Heimatdorf einehrenvolles Alter" ver­bringen.

liegt die Unendlich.

$ höret der Weiseste

Schwurgericht Gießen.

* Gießen, 6. Juli. Die gestern abend unter­brochene Verhandlung gegen den Ofensetzer Ludwig Josef Maith von Bleichenbach und den Bäcker Arnold check von Aulendiebach wegen der Blut­tat in Bleichenbach wurde heute vormittag um 9 Uhr fortgesetzt. Der Vertreter der Anklage, der Nebenkläger und die beiden Verteidiger nahmen in ausführlichen Darlegungen zu dem Beweisergebnis Stellung.

Staatsanwalt Dr. E ck e r t beantragte wegen g e « rneinschaftlicher gefährlicher Körper­verletzung mit tödlichem Erfolg gegen jeden der Angeklagten Gefängnisstrafen von je drei Jahren und neun Mona- t e n unter Anrechnung der Untersuchungshaft, so­wie Einziehung der bei der Tat benutzten Werk­zeuge. Der Vertreter der Nebenklage, Rechtsanwalt Luley, schloß sich diesem Antrag an. Die Ver­teidiger, Rechtsanwalt Dr. Schneider und Dr. Aaron, plädierten auf milde Strafen.

Das Gericht verkündete nach einstündiger Be­ratung des Urteils. Die Angeklagten werden wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Kör­perverletzung zu Gefängnis st rasen von je drei Jahren verurteilt. Die Un­tersuchungshaft wird angerechnet. Die bei der Tat gebrauchten Werkzeuge werden eingezogen. Die Angeklagten tragen die Kosten des Verfahrens.

Das Gericht nahm die Vorgänge in der gestern dargelegten Weise im wesentlichen als erwiesen an. Aus der Begründung des Urteils ist her- vorzuheben: Streum und Kuhn, die beiden Verlegten, find von einer Mitschuld an dem trau­rigen Ereignis nicht freizusprechen. Es besteht die Möglichkeit, daß die beiden noch an der Haustür, an die sie sich zurückgezogen hatten, etwas im Schilde führten. Tatsächlich waren aber Maith und Heck die Angreifer. Heck hat Streum mit

** Achtet auf den Kartoffelkäfer! Die Schulämter haben Ausschreiben erlassen, nach denen Sorge zu tragen ist, daß die Kinder in der Schule in geeigneter Weise über den Kartoffel­käfer und die durch ihn dem deutschen Kartoffel­bau und der deutschen Landwirtschaft drohenden Gefahren unterrichtet we.rdcn. Auf den Bürger­meistereien können Merk- und Flugblätter des Deutschen Pflanzenschutzdienstes über den Kar­toffelkäfer eingeschen werden. Wo sich der Schäd­ling zeigt, ist unverzüglich der Ortspolizeibehörde Mitteilung zu machen, damit sofort Gegenmaß­nahmen ergriffen werden können. Außerdem ist bas zuständige Landwirtschaftsamt, oder die zu- itändige Hauptstelle für Pflanzenschutz zu benach­richtigen.

** Sonntagsrückfahrkarten zur R e - gatta in Bad Ems. Am 9. und 10. Juli findet in Bad Ems die 52. Emser Regatta statt. Um den Teilnehmern und Besuchern eine billige Fahrtmög- lidjtcit zu bieten, werden von allen Orten im Um­kreise von 150 Kilometer um Bad Ems, also auch von Gießen und umliegenden Bahnhöfen, Sonn­tagsrückfahrkarten ausgegeben. Die Karten gelten nom Samstag, 9. Juli, 0 Uhr ab bis Montag, 11, Juli, 9 Uhr, zu welchem Zeitpunkt die Rückfahrt angetreten sein muß.

' D?*'V^r2inigung heimattreuer Oberschlesier hielt in ihrem Dereimslokal, Lim ..Andres", unter dem Vorsitz von Apotheker § aJ P Vyre gut besucht« Monatsversammlung ab. -2cadj Erledigung einiger geschäftlicher Angelegen­heiten wurde Bericht über die Ostdeutsche Kund- , gebung der Marburger Studentenschaft erstattet. Der Schriftführer gab an Hand der letzten Zei­tungsberichte «men Lieberblick über die Derhält- msse in Danzig und Zoppot, gegen die Polen den Boykott ausgesprochen hat. Er führt« für den Gröhenwahmsinn Polens eine Entschließung nach einem Vortrag des polnischen Generals Orlicz- Drescher auf der Tagung der Meeres- und Ko- -onialliga in Thorn an, in dem dieser Verschie­bung der polnischen Westgrenze bis an die Oder 'orderte, in der es u. a. heißt:Die viehische >lnd sinnlos« deutsch« Politik feiert Orgien, indem

lit Menschen" -und rebensersahning ge- !ng so dringlich er- je Kette seiner losen (beit geworden, und einstigen Vorzeichen seiner'übermütige ild zur Ungunst sich : Wt

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Buntes Allerlei.

Oie Bilanz der Sklarekiade.

Hinter den Sklareks haben sich die Gefängnistore geschlossen. Es wird die Bilanz gezogen. Da sind zunächst die K o st e n des Riesenprozesses. Die Gesamtkosten des Prozesses werden mit 200 000 Mk. angegeben. Da das Gericht nur den dringenden Ver­dacht hat, daß die Sklareks Vermögenswerte beiseite gebracht haben, Beweise aber nicht vorhanden sind, wird es unmöglich sein, die verurteilten Sklareks zur Tragung der Prozeßkosten mit heranzuziehen. Der Staat erleidet in diesem Falle einen Schaden, es ist gelungen, von den Mitangeklagten der Skla- reks Vermögenswerte sicherzustellen, die im Urteil als dem Staate verfallen erklärt wurden. Insgesamt sind dies 100 000 Mark. In der Berliner Stadt­verordnetenversammlung ist von den Deutschnatio­nalen beantragt worden, gegen die im Sklarekprozeß verurteilten städtischen Beamten Schadenersatzklagen einzureichen, um die durch sie verursachten Schäden möglichst wieder auszugleichen. Einige der Beamten sind ziemlich wohlhabend, verfügen über gute Bank­konten, und es wäre möglich, daß die Stadt einen Arrest gegen das Vermögen der verurteilten Be­amten erwirkt, um es sicherzustellen.

Uebrigens haben die Sklareks trotz des Urteils Glück, daß sie sich für ihr« Betrügereien Deutsch­land als Feld ausgesucht haben und nicht Rußland. In Moskau wurde zur gleichen Zeit ein Prozeß gegen Angestellte der staatlichen Kleiderhandlungs- stelle abgeschlossen. Der Staat wurde um mehrere Millionen geschädigt. Fünf Angestellte wurden zum Tod durch Erschießen verurteilt, fünf­zehn weitere zu langen Freiheitsstrafen. Die ver­urteilten Beamten werden übrigens gegen das Ur­teil größtenteils Revision anmelden. Für sie bedeu-

si« offen «men Krieg zur Eroberung Pornrnerel- lens zur Qlcnberung der Westgrenzen betreibt und uns gleichzeitig vom Meere verdrängen will. In der ständigen Wacht über die Grenzen un­seres Landes haben wir gleichzeitig einen Blick und einen Sinn für die Gebiete am Strande des polnischen Meeres und die polnischen Landes­teile, welche noch nicht unter die Herrschaft Polens zurückgekehrt sind und in welchen 1,5 Millionen Polen unter dem preußischen Joch leben und seufzen. Auf dieses polnische Land hat Polen ein historisches, ethnographisches und wirtschaftliches Recht. Wir müssen zur Verwirklichung eines Großmacht-Programms Polens übergehen. Einer Grohmachtentwickelung des polnischen Staates kann in der weiten Welt nichts entgegenstehen. Mit der Parole zur Vorbereitung einer wirt­schaftlichen Expansion, die mit einer politischen eng verbunden ist, treten wir vor das polnische Volk mit dem Rufe:Dom europäischen zum Welt-Polen!" Der Redner verwies weiter auf das geschlossene Eintreten der Polen für ihre politischen Ziele, denen der Deutsche leider keine gleiche Einigkeit gegenüberstellen könne. Darum wollen auch die Oberschlesier im Reiche Ver­ständnis für den Osten fördern, um durch ein­heitliche Strömungen den Gefahren im Osten rechtzeitig zu begegnen. Es wurde weiterhin auf die Ostdeutsche Kundgebung am 23. Juli anläß­lich des Deutschen Sängerfestes in Frankfurt a. M. aufmerksam gemacht und auf die Tagung'des Schlesierbundes" vjj Marburg anfangs Oktober hingewiesen. Ein gemütliches Beisammensein be­schloß die Versammlung.

** Tanzfest des Volks tanzkreises Gießen. Man berichtet uns: Es war ein guter Gedanke mehrerer Jugendbünde, ihr Volkstanzfest im lustigen Schiff der alten Ordenskirche auf dem Schiffenborg zu feiern, um geladenen und zu­fälligen Gästen ihre Kunst und Art zu zeigen. In ehrlichem Streben bemühte sich hier eine Schar junger Menschen, ihren Lebensstil in enger Verbundenheit mit den kostbaren Schätzen unseres Volkstums, mit V.llke l «>, Volksbreuch und Volks­tanz AU gestalten. Sie wollen daraus Kraft schöp­fen für ein großes Ziel, nämlich ganz aus inner­ster Seele heraus für die Gesundung und Ertüch­tigung unseres Volkes wirken zu können, daher meiden sie auch aus Lieberzeugung Rauschtrank und Rauschgift, dennJugend ist Trunkenheit ohne Wein!" Diese Gedankengänge führte der 'Leiter des Volkstanzkreises, Karl Denk, in seiner Begrüßungsansprache aus. Träger der Veranstaltung war die WehrlageH'ssens Kamps- schar" und die Jugendgruppe des Deutschen Gut­templerordens (sie hält seit Jahresfrist wöchentlich einen Volkstanzabend in der Schillerschule ab, der unter der bewährten Leitung von Karl Denk steht und an dem Jugendliche aus allen Bün­den teilnehmen können). Das Fest auf dem Schiffenberg war der Abschluß einer längeren Llebungszeit, und di« Leistungen bewiesen, wie glänzend di« gymnastische und musikalische Durch­bildung war. In bunter Reihe zeigten die Jun­gens und Mädchen Tänze der verschiedensten Art, die sie geschickt altem Volksgut entnommen und neu gestaltet haben. Anmut und Geschicklichkeit kommen gleicherweise zur Geltung, jeder Tanz hatte seine besondere Eigenart, die gut heraus­gearbeitet wurde. Es ist erfreulich, zu sehen, mit welcher Entschlossenheit sich die Jugendbewegung gegen Kitsch und Schund unserer Zivilisation wehrt und es versteht, durch Erschließung wah­rer Freude am Echten und Wahren der Jugend die feste Form einer sauberen und hohen Le- ben&auffaffung zu geben. Dies zeigte auch der Verlauf dieses Tanzfestes. Als besonders gelun­gen seien folgende Tänze erwqhnt:In Hamburg und in Altona",Klapptanz",Geestländer Polka",Jägertanz" (letzterer von derHessenju­gend" auch Klein-Linden getanzt). Erst der her­einbrechende Abend endete das Fest, und die letz­ten Tänze muteten im Schein der Papierlaternen besonders reizvoll an. Man hofft, durch solche Tanzveranstaltungen weitere Kreis« der Gießener Jugend für diese Art deutscher Dolkstumspflege zu gewinnen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 7. Juli 1932.

Oie Hygiene des Schlafens.

Gerade in der heutigen Zeit vermehrter Auf- Tegungen und vermehrter Anstrengungen, die mit dem Berufsleben verbunden sind, tritt das Pro­blem der Schlaflosigkeit mehr und mehr in den Vordergrund. Di« Llrsach« für dieses auf die Dauer recht quälende Leiden liegt in sehr ver­schiedenen Llmständen, wie Prof. Dr. Köhler, Köln, in denFortschritten der Medizin" betont. Der Arzt wird daher keineswegs grundsätzlich sich damit einverstanden erklären können, daß der Patient wahllos zu einem Schlafmittel greift, sondern in erster Linie wird er öairauf bedacht sein müssen, auf die Erkennung der Llrsachen sein Augenmerk zu richten. Die rein nervöse Schlaf­losigkeit ist, wie Professor Kohler meint, einer geeigneten seelischen Behandlungsmethode zu­gänglich, die sich streng auf di« Llmstände er­strecken muß, die dem Patienten den Schlaf rauben. Dazu bedarf «s der verständnisvollen völligen Einfühlung in die Seele des Sorgen- belabenen. Wer um ein durch den Tod verlorenes Familienmitglied in tiefe Trauer verseht wird, wird naturgemäß erst ganz allmählich von feinen Gedanken an dieses Llnglück befreit werden. lÄer wirtschaftliche Sorgen hat, die so stark sind, daß sie ihm den Schlaf rauben, wird sie sich auch vom besten Arzt nicht ausreden lassen. Der Arzt kann nur erreichen, daß der betreffende seine Lebensstimmung der Gegebenheit anzupassen versteht und allmählich wieder in ein seelisches Gleichgewichk kommt. Von diesem Gleichgewicht ist ja die Gestaltung der Rachtruhe in hohem Maße abhängig. Der Patient soll sich ruhig mit dem Arzt seines Vertrauens aussprechen, der mit Hilfe seiner Schulung sehr oft zur weit­gehendsten Beruhigung beitragen kann.

2m allgemeinen pendelt beim gefunden Men­schen in mittleren Lebensjahren die erforderliche Schlafdauer um 8 Stunden. Kinder haben ein größeres, ältere Leute meist ein geringeres Schlaf­bedürfnis. Schlechtes Schlafen kann krank machen und gutes Schlafen kann gesund machen. Das Maß der Erholung, das der Schlaf gewährt, ist abhängig von seiner Dauer und seiner Tiefe. Daß der Schlaf vor Mitternacht der beste ist, ist eine anerkannte wissenschaftliche Tatsache.

Wie verhält es sich aber mit dem Mittags­schläfchen? Wem ein Mittagsschlaf nach der Hauptmahlzeit Bedürfnis ist, der besonders für schwächliche und blutarme Frauen und Kinder und für morgens angestrengt arbeitend« Menschen -ein Bedürfnis ist, dem sollte man diese Zwischen­erholung nicht verwehren. Aber in der Regel vermag der Mittagsschlaf die Rachtruhe nicht vollgültig zu ersetzen, da er nicht die Tiefe des Nachtschlafes zu erreichen pflegt und bei zu lan­ger Dauer einen Müdigkeitszustand in den wei­teren Rachmittagsstunden hinterläßt.

Es ist wenig ratsam, die Arbeit bis kurz vor dem Schlafengehen am Abend auszudehnen. Mit schweren Gedanken" sich auf das Lager zu wer­fen, ist dem Eintritt des Rachtschlafes nicht gün­stig. Auch pflegt sich bei unzweckmäßiger Vor­bereitung die Steigung zum Träumen zu steigern. Ebenso falsch ist es, den Wagen kurz vor dem Schlafengehen mit Nahrungsmitteln zu über­laden, allerdings darf auch kein ausgesprochenes Hungergefühl vorherrschen, da Hunger dem Schlafbedürfnis vollkommen abträglich ist. Es ist deshalb grober Unfug, wenn gelegentlich Eltern Kinder zur Strafe ohne Abendmahlzeit zu Bett schicken.

Es soll also jeder dafür Sorg« tragen, daß sein Körper nicht ohne ausreichende Ruhe bleibt. Denn nur diese Ruhe vermittelt dem inneren Menschen neue lebensfreudige Kräfte für den nervenaufreibenden Betrieb unserer Zeit.

Dr. med. W. L.

Oie Wählerliste liegt offen!

Vom Sonntag, 10. Juli, bis einschließ­lich Sonntag, 17. Juli, liegt die Wähler- I i st e für d i c N e i ch s t a g s w a h l im Stadt­haus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 13, zur Einsicht­nahme offen. Personen, die bis zum 31. Juli 1932 das Wahlaltcr von 20 Jahren erreichen, Wahlbe­rechtigte, die in letzter Zeit ihre Wohnung gewech­selt Haden oder erst zugezogen sind, oder durch Ver­heiratung einen anderen Namen führen ufro., mögen nicht versäumen, sich von der richtigen Eintragung in die Wählerliste durch Einsichtnahme zu über­zeugen.. Man beachte die Bekanntmachung im hcu- ligcn Anzeigenteil.

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Wenn ein moderner Operettenlibrcttist sich auf der Suche nach dem Schauplatz für sein neuestes Textbuch befindet, dann wählt er mit Borliebe ent­weder ein fingiertes Balkanland, das es überhauvt nicht gibt, oder einen südlichen Staat an der west­lichen Spitze Europas, der tatsächlich auf der Land­karte zu finden ist. Mehrfach schon hat Portu­gal, der Ausdehnung nach an sich gar kein so kleines Ländchen, den zweifelhaften Vorzug ge­habt, daß die Wahl dieser Männer auf es fiel. Und hinter dieser belanglosen Tatsache verbirgt sich gleichnishaft eine historisch« Tatsache, die kaum be­stritten werden kann: in mancher Beziehung ist Portugal ein solches Operettenland, und zwar weni- aer aus sich heraus, als nach der Auffassung seiner früher regierenden Fürsten, die das Verbrechen be­gingen, ihre Krone und ihre Privilegien nicht ernst genug zu nehmen. Das Königshaus 'B r a g a n 3 a , das seit Jahrhunderten in diesem Lande am Ru­der ist, trägt schon seit Napoleons Zeiten den Stempel dieser leisen Lächerlichkeit, die lange Zeit ein Fluch für bas Land war. Aber der Augenblick- kam, wo das portugiesische Volk unter Anführung einer starken militärischen Kaste diesen Spuk von Lächerlichkeit und Fluch in mehreren Atten­taten bannte, um ihn schließlich in einer end­gültigen Revolution zu verjagen. Mit Portugals letztem König Mamuel, der vor wenigen Tagen in seinem Londoner Exil einer höchst un- feierlichen Mandelentzündung erlegen ist, ver­schwindet gleichzeitig der letzte Sproß des Hauses Braganza und die unrühmliche Hauptperson jenes Aufstandes vom 3. Oktober 1910.

Zwei Jahre hat die fragwürdige Herrlichkeit seiner Regierung gedauert. Als im Februar 1908 eine gut organisierte Verschwörung, an der fast sämtliche führenden Schichten Portugals direkt ober indirekt beteiligt waren, dem Leben des Kö­nigs Carlos und seines Kronprinzen Luiz Filippe ein Ende setzte, kam man in die Verlegenheit, den durch dieses Attentat erschütterten Thron einem jungen Menschen von neunzehn Jahren anver­trauen zu müssen, eben jenem Manuel, dem zweit- ältesten Königssohn. Hatten di« Revolutionäre nun gehofft, daß ein gewaltiger politischer Umschwung die Folge dieser Mordtat sein würde, hatten sie weiter ihre Hoffnung darin begründet, daß sie an= nahmen, Kreise des Militärs und der Hochfinanz würden den jungen König nunmehr als Stroh­mann im Lenkwasser ihrer eigenen Interessen vor­schieben und wirkliche Herren im Staate sein so sahen sie ihre Hoffnungen insofern getäuscht, als dieses Ziel zwar leicht in die Praxis um Zu­sehen war, aber keine erhebliche Besserung der wirtschaftlichen und politischen Lage Portugals herbeiführte. Das Königreich befand sich nach außen nach wie vor in den Händen zweier Macht­haber, die seine Politik so lenkten, wie es ihnen gerade paßte in den Händen des englischen Imperialismus und in den Händen der katholischen Diktatur, wie sie vom Vatikan ausging. Um diesen beiden wirklichen Herren Portugals wirksam gegenüberzutreten, brauchte es erstens eine fest« Hand, keine bloße Schattenmonarchie. Zweitens wäre auch im Innern ein umsichtig gehandhabter Staatsapparat vonnöten gewesen, der unter diesen Umständen jedoch, unter den Umständen einer üblen Günstlingswirtschaft und eines erbitterten Jnteressenstreites um die kleineren Vorrechte am Hofe und die großen Vorrechte im Land, kaum zu erwarten war. So spielten sich unter der Regie­rung Manuels, der nichts sehen konnte und noch weniger etwas sehen wollte, in der führenden Ge­

sellschaftsschicht eine Reihe groß angefeg» ter Schiebungen ab, während auf der ande­ren Seite die Lasten der Fremdherrschaft in ihrer vollen Schwere auf den Schultern der werktätigen Bevölkerung, der Arbeiter, Bauern, kleinen Grund­besitzer, kleinen Handelsmänner verblieben.

Es war ein beispielloser Tanz um das gol­dene Kalb, der sich in diesen Jahren in Portu­gal abspielte aber ein Tanz auf dem Pulver­faß. Denn unter diesen Umständen konnte in roeni- aer als zwei Jahren di« republikanische Partei des Landes erstarken und reif zur gewaltsamen Macht­übernahme werden. Manuels Interessen wendeten sich mehr und mehr von den Staategeschästen ab, sie gerieten immer deutlicher in den Jnteressenkreis jener Operettenfürstlichkeiten, die auf der Bühne ein Liebesabenteuer nach dem anderen erleben, ohne daß je auch nur beiläufig angebeutet wird, daß diese Männer in ihrer Eigenschaft als regierende Fürsten außer dem Beruf eines Easa- nova einen kleinen Nebenberuf haben. Manuel war zu dieser Zeit noch nicht volljährig, er kostete hemmungslos alle Freuden des Besitzenden dieser Welt aus, ohne sich groß den Kopf über andere Dinge zu zerbrechen. Seine Günstlinge hinderten ihn auch nicht daran, denn nichts Unangenehmeres hätte ihnen geschehen können, als einen wachsamen, auf seine Geschäfte konzentrierten Monarchen über sich zu haben. So mußte denn der Widerstand von einer anderen Seite kommen, von der Seite des republikanischen Bürgertums.

Am 3. Oktober 1910 wurde der als Monarchist bekannte Irrenarzt Dr. Bombarda von dem Leut­nant Nello erschossen eine Tat, die, so sehr man sie als das Verbrechen eines Geisteskranken hinzu­stellen suchte, doch wesentlich politische Hintergründe hatte. Dieses Attentat war jedenfalls das Zeichen zum Sturm. Noch in derselben Nacht rebel­lierte die Armee, vor allem die Artillerie, gegen ihre Offiziere, schlug sie blutig nieder und besetzte mit Einvernehmen der bürgerlichen Par­teien die Stadt Lissabon, wo sie die republikanische Fahne hißte. Die Königstreuen, überrumpelt durch diese Revolte, waren unter der Führung des Her­zogs von Opporto, Manuels Onkel, nicht in der Lage, einen wirksamen Widerstand zu organisieren. Sie wurden aus den Zentren des Landes her- ausgeworfen und in einem kurzen Guerillakrieg völlig aufgerieben. Kriegsschiffe schützten von der Seeseite her die Bewegung der Aufständischen, an deren Spitze nicht mehr die Armee, sondern be­reits die republikanischen Führer offen kämpften. In nur zwei Tagen war der Aufftand unter zahl­reichen Todesopfern so weit gediehen, daß sein (Er­folg als gesichert gelten konnte. Ein Gremium von bürgerlichen Wissenschaftlern, Kommunalpolitikern und einzelnen Offizieren trat an die Stelle der alten Oünftlingsregierung. Der König selbst aber war von Anfang an verschwunden. Ohne daß ihm großer Widerstand in den Weg gelegt worden wäre, konnte er mit seinen Angehörigen, einigen Getreuen und einem namhaften Geldbetrag nach Gibraltar entfliehen. Man kümmerte sich nicht viel um diese Flucht. Man war sroh, daß man ihn los war. England, derGroßaktionär" des portugie­sischen Königshauses, gewährte ihm in Twickenham bei London einen Unterschlupf, wo er das Leben seiner Operettenträume, ein Leben der Muße und Galanterie, weiterführen konnte. Dort ist er jetzt, nachdem er noch einige tausend Pferderennen und andere sportliche 'Veranstaltungen durch seinen Be­such verschönt hatte, im Alter von 43 Jahren ge­storben.