Einweihung des Monialehrenmals in Bremen
wurden.
„Am heutigen Tage, an dem in Bremen das Deutsche Kolonialehrenmal für die im Weltkriege gefallenen Kolonialkrieger eingeweiht wird, ne i g e ich mich in Lhrfurch-l vor dem Anden-
Ein politischer Mord vor dem dichter.
Kolonialbesitz zugrunde legte und die Bemühungen der Deutschen Kolonialgesellschaft um Wiedererkämpfung die'es Rechtes schilderte. Im Anschluß an seine Ansprache verlas Exzellenz v. Lindequist folgende Kundgebung des Reichspräsidenten:
ken unserer deutschen Brüder, die im Weltkriege in den Deutschen Schutzgebieten auf verzweifeltem Posten kämpften und ihre Treue zum Vaterland mit dem Tod besiegelt haben, wöge auch ihr Beispiel uns stets eine Mahnung fein, den Geist, der Deutschland in seinem großen Verteidigungskampf für Ehre und Leben beseelt hat, auch in Zukunft wach zu hallen! Allen Teilnehmern an der Jeier, der ich einen guten Verlaus wünsche, sende ich herzliche Grütze und den Ausdruck treuen Ge- deukens."
Die eigentliche Festrede hielt General v. L e t - tow-Dorbeck. Kolonialer Wille, so führte er aus, koloniale Pietät und das Können eines Meisters haben dieses Denkmal geschaffen. Es erzählt von kolonialer Arbeit, von Erfolgen und Opfern. In seiner Krypta sollen verzeichnet sein, die ihr Leben liehen für Deutschlands Kolonien. Die Taten unserer Toten wirken fort, sie rufen uns werbend zur Racheiserung. älnd nun den Blick nach vorwärts, so schloß er, ein großes Volk muh Kolonien haben, um leben zu lönnen. Allein nur einem freien Volke sind Kolonien ein Segen. Der erste Schritt zum Wieder- erwerb muh daher getan werden zu Hause in der Heimat. Möchte es gelingen, die Gröhe des Vaterlandes zu bauAr. In sein Hoch auf Deutschland und das Deutschlandlied, mit dem die Kundgebung schloß, stimmte die Menge begeistert ein.
Die Ehrengäste begaben sich hierauf in die Krypta, in der auf steinernem Tisch das Buch mit den Ramen der 1500 in den Kolonien Gefallenen liegt. Bürgermeister S p i t t a übernahm auch diese Ehren- und Erinnerungsstätte in den Schuh des bremischen Staates. Dann wurde zu Fühen des Kolonialelefanten von den Vertretern der 'Behörden und Korporationen zahlreiche Kränze niedergelegt, womit die imposante Feierlichkeit ihr Ende erreichte.
V o r b e ck. Links und rechts von der Figur des afrikanischen Elefanten hatte die Ehrenkompanie des ersten hanseatischen Bataillons, Infanterie- Regiments Rr. 16 mit dem Musikchor Aufstellung genommen. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge wohnte dem feierlichen Akte bei.
Der Vorsitzende der Bremer Ortsgruppe der Deutschen Kolonialgesellschaft, Achelis, begrüßte die Gäste und übergab das Ehrenmal dem Präsidenten des Senats der Freien Stadt Bremen, Bürgermeister Dr. S p i t t a.
Ramens der Deutschen Kolonialgesellschaft sprach Exzellenz v. L i n d e q u i st, der frühere Gouverneur von D.mtsch-Südwestafrika, der seiner
spater in seinem „Umgang mit Menschen" — und es mag seine persönlichste Lebenserfahrung ge- wesen fein bte diese Warnung so dringlich er- scheinen laßt. Tatsächlich ist die Kette seiner losen Streiche zur Fessel seiner Freiheit geworden und wie sein in Kassel unter so günstigen Vorzeichen eröffnetes Schicksal infolge seiner' übermütigen Foppereien anderer nur zu bald zur älngunst sich gewendet hat, so hat auch er selbst offenbar innere Wandlungen erfahren, von denen sich aller- omgs kaum sagen läht, ob sie ihn wirklich in ein solches Vernunftwesen, wie er später zu sein scheint, umgeandert oder etwa sein Wesentliches erst zutage gefördert haben, das eine ungestüme Iugend zuvor nicht hatte aufkommen lassen. Zwischen diesem Kasseler Hofjunker und jenem Autor
-Umgangs mit Menschen" obwalten außer dem Altersunterschied auch solche des Temperaments und der Denkungsart — als wären da zwei Menschen, die nicht das Mindeste miteinander zu schaffen haben. So mag das Leben aber wohl mit einem ftnelen, der, wie der junge Knigge, selbst mit dem Leben zu spielen geglaubt hat.
Wenn der Gemeinderai schwänzt.
Wo eine Gemeinde ist, besteht auch ein Gemeinderat, dessen Mitglieder die Pflicht übernommen haben, über Wohl und Wehe der Gemeinde zu wachen. In einer Gemeinde an der Grenze Riederösterreichs gab es seit der Krisis kein Wohl mehr und die Gemeinderatsmitglieder wurden es müde, sich immer nur mit dem Wehe 8U leschäftigen, sie schwänzten die Sitzungen. Ordnete De; Bürgermeister eine Sitzung an, so blieb sie beschlußunfähig mangels jeglicher Beteiligung selbst der Gemeinderäte. Bis dem Bürgermeister die Geduld riß. Als er wieder einmal zur Sitzung kam, und nichts im Saale fand, als unbesetzte Stühle, alarmierte er die Feuerwehr und gab ihr den Auftrag, die Gemeinderatsmitglieder im Wagen nach dem Rathaus zu holen, wenn nötig, mit Gewalt. Gleichzeitig ließ er bekannt machen, daß er beim nächstenmal die Feuerwehr nicht mit einem Wagen schicken wurde, sondern mit der Spritze. Die säumigen Gemeinderäte werden dann pudelnaß gespritzt und müssen in diesem Zustand die Sitzung ertragen einerlei, ob sie sich dabei einen Schnupfen holen, der sie von der Teilnahme an der folgenden Sitzung auf Grund eines ärztlichen Attestes befreit.
Oes Freiherrn von Knigge tolldreiste Lugend.
Don Will Scheller.
„Schrecke, zerre, und necke auch niemand, selbst Deine Freunde nicht, mit falschen Rachrichten, mit Witzeleien oder was sonst auf einen Augenblick be- unnihigt und in Verlegenheit seht! Es gibt der wahrhaft mißvergnügten, unangenehmen, ängstlichen Augenblicke so viele im Leben, daß es wohl Bruderpflicht ist. alles Hinwegzuräumen, was die Last der wirklichen und eingebildeten Plagen auch nur um ein Sandkorn beschweren kann." .Diese höchst moralische Vorschrift aus Knigges !I./Ä!?als erschienenen „Umgang mit Men- fq^n laßt schlechterdings nicht ahnen, daß der Schulmeister des gesellschaftlichen Lebens, der sich hier äußert, noch anderthalb Iahrzehnte zuvor gerade in dem „geglänzt" hat, was er hier als das verabscheuungswürdige Widerspiel guter Sit- ten vom Katheder herab mit sichtlich erhobenem Zeigefinger predigt.
In der Tat war Adolf Franz Friedrich Ludwig üreiherr von Knigge, 1752 zu Dredenbeck bei Han-
^baren, eine Zeitlang, nämlich von 1772 bin 177c, das enfant terrible des Kasseler Hofes und wenn bedacht wird, daß es dort unter ßanfc Friedrich ll. nicht eben sauertöpfisch zuging, €rmcff^n. Daß schon eine tüchtige Portion Lausbublgkeit dazu gehörte, hier derart aufzu- !a r ö Geschichten davon noch bis ins späte 19^Iahrhundert hinein erzählt wurden.
Der hessische Hofjunker von Knigge konnte sich das freilich leisten, weil er gerade um seiner Munterkeit und seiner heiteren, oft sarkastischen Geistes willen^von dem Landgrafen in seine Rähe gezogen war. Friedrich hatte fein Vergnügen daran, wenn etwa em steifleinener Hofmarschall bei einem Mas- fenfeft mit einem Zettel auf dem Rücken einherstolzierte, der seinen Ramen trug, und sich wun- Ete, daß alle Welt ihn erkannte: dem Assessor
Wurde darum fein Haar gekrümmt.
ei2 harmloser Spaß dem gegenüber A Hamwveraner sonst sich zu leisten Opfern seiner tollen Streiche !■! Erster Stelle jene Engländer die
hatten1 Ä/Ä hessischen Hofsitten erkundigt an,rxQI bieV\bor9e(af^ stürzen sie sich
Den Landgrafen und fingern an seiner Weste herum. Betroffen weicht der Fürst
Schwere Angriffe auf National' soziatisten in Ludwigshafen.
Ludwigshafen. 6. Iuli. (WTD. Funkspr.) Rach einer Mitteilung der Polizei kam es gestern abend bei einem älmzug der Rationalsozialisten zu erheblichen Störungen durch politische Gegner. In der schmalen Gasse zwischen Anilin- und Liebigstratze erfolgte e i n offenbar vorbereiteter Angriff in stärkerem Maße. Es wurden Steine ge* toorfen; eine Frau gab sogar fünf Schüsse auf den Zug ab, und eine starke Gruppe drang in der Sodastrahe aus die Rationalsozialisten ein, die sich schließlich zur Wehr setzten. Das Heber- fallkommando trennte die Streitenden. Später wurden die Rationalsozialisten dann wieder te*ncn beworfen. Hunderte von politischen Gegnern stürzten sich erneut auf den Zug, wurden aber durch berittene Schuh- Polizei zerstreut. Wiederholt machte die Polizei vom Gummiknüppel Gebrauch. Zwei Verletzte wurden in das Krankenhaus eingeliefert, sechs weitere Verletzte sind festgestellt worden, -i.eun Personen wurden festgenommen.
Immunität des preußischen Ministerpräsidenten aufgehoben.
Berlin, 6. Iuli. (VDZ.) Der Geschäftsordnungsausschuß des Preußischen Landtages beschloß auf Antrag des Abg. Frank H. (Rats.) zur Durchführung einer Privatklage und zur Strafverfolgung des Abg. Or.b.c. Braun „wegen übler Rach rede und Beleidigung des Re- gierungsrats Adolf Hitler" mit den Stimmen der Rationalsozialisten, des Zentrums und der Deutschnationalen dem Landtag die Aufhebung der Abgeordnetenimmunität Brauns vorzuschlagen. Cs handelt sich hierbei um Vorwürfe, die Ministerpräsident Braun in seiner Eigenschaft als sozialdemokratischer Abge-
ordneter anläßlich der Lauenburger Ausführungen Hitlers erhoben haben soll.
Die Universität Leipzig geschlossen.
Berlin. 6. Iuli. (ERB.) In der Universität Leipzig kam es zu R u h e st ö r u n g e n. Rach- dem bekannt geworden war, daß das sächsische Kultusminis er u n i i * van einer nationalsozialistischen Mehrheit beschlossene Studenten Verfassung abgelehnt habe, versammelten sich die nationalsozialistischen Studenten. Während des Absingens des Horst-Wessel-Liedes erschien der Rektor der Universität, Pros. Dr. Lipp, und ermahnte die Studenten zur Ruhe. Da aber die Mahnungen deS Rektors nicht befolgt wurden. ließ der Rektor die Universität räumen und die eisernen Tore schließen.
Oie Türkei in den Völkerbund eingeladen.
Veilritt noch im Juli.
Genf, 6. Juli. (TU.) Die außerordentliche Völ- kerbundsoersammlung beriet heute vormittag die Frage der Einladung der Türkei.
16 Redner, darunter die Vertreter aller Großmächte, sowie Oesterreichs, Ungarns, Bulgariens, Australiens, Irlands, Polens, Portugals u. a. begrüß t e n den Vorschlag, die Türkei einzuladen und erklärten, ihn ohne Einschränkung zu unterstützen. Der Vertreter Deutschlands, Gesandter Göppert, der anstelle des durch die Lausanner Konferenz verhinderten Außeimiinisters von Neurath der Versammlung beiwohnte, führte u. a. aus, Daß die bisherige Abwesenheit der Türkei von Genf eine empfindliche Lücke im Völkerbund bedeutet habe: benn die Türkeit ' sei unter der weisen Führung ihres berühmten Staatsoberhauptes ganz besonders befähigt, am Friedenswerk des Völkerbundes mitzuarbeiten. Deutschland sei vor allem deshalb glücklich, sich der Einladung anzuschließen, da sich diese Einladung an einen alten und treuen Freund Deutschlands richtet.
Nach Beendigung der allgemeinen Aussprache nahm die Versammlung e i n ft i m m i g eine Entschließung an, die feststellt, daß die Türkei alle Voraussetzungen für bi e Aufnahme inden Völkerbund erfülle. Es wurde des- I halb beschlossen, die türkische Regierung z u m B e i- »m™«.»«».,.«.,..,- , -f—rmiiwnrnmMiM ter Pantoffelschritt im Gang unvernommen, bis jemand in der lautlos geöffneten Tür den Schlafrock und die Rachtmühe bemerkt, die der Landgraf öu tragen pflegte — der sich alsbald mit ungnädigem Kopsschütteln entfernt. Da stockt das lustige Treiben aber es ist ein falscher Landgraf gewesen, der Hofjunker von Knigge nämlich, der in des abwesenden Fürsten nächtlicher Gewandung seinen Scherz getrieben hat und, weil dieser so gut gelungen ist, wieder in den Kreis der Herrin angenommen wird.
‘3010 aber hatte er es aufs Reue mit ihr der» Dorben. und diesmal gewiß mit Fug und Recht: es ist kaum zu glauben, wird aber ernsthaft berichtet daß er durch Bettelkinder Ungeziefer in Federspulen sammeln und diese lieblichen Tiere während eines Abends „mehreren Damen unter vertraulichem Ohrenslüstem in die bauschende Frisur krabbeln ließ. Das war denn freilich ein ftarfeö Stück und führte, ruchbar geworden, natürlich abermals zu seiner Verbannung.
Auch von dieser muß er nochmals begnadigt worden sein, denn sein Schicksal vollendete sich zuletzt durch ein Wort und in Gegenwart der Landgräsin. Diese hatte eine weder durch Schönheit noch durch Geist ausgezeichnete, aber gutherzige Hofdame, deren Reiaung zu Knigge dle- sem Anlaß gab, sie nach Kräften aufzuziehen und aus ihrer vielleicht verzeihlichen Schwäche die nach seiner späteren philosophischen Ansicht gewiß un» tjerzeibnebe Tugend feines Witzes zu machen.
Die Landgräfin hatte dies eine Weile mit angesehen und sich wohl auch einen Plan zurecht- gelegt, der in einem einzigen Gedanken sich sammelte: er wird verheiratet und damit all seinem Unfug ein Ende gemacht. Und richtig I Eines Morgens, als er es wieder einmal so toll treibt, Daß das arme Fräulein vonD. zwischen Erröten und Erbleichen nicht mehr aus noch ein weiß wendet sich die Fürstin zu dem Kavalier und sagt', der gesamten Umgebung vernehmlich, sie vermute' haß hinter feiner auffälligen Bevorzugung der jungen Dame doch wohl ernste Absichten verborgen und, wohl xum erstenmal in seinem Leben r-Ik1199* um c^Tte Antwort verlegen. Er verneigt sich nur und verneigt sich wieder und weiß keine Rettung als die Landgräfin ihn und die Hofdame bei der Hand nimmt und der Gesellschaft in aller oorm als Brautpaar präsentiert.
Rach der bald darauf erfolgten Heirat war seines Bleibens in Kassel nicht lange mehr. „Suche
Manschen auch den Swächsten nicht, in : Gesellschaften lächerlich zu machenl" So heißt es
tritt' einzuladen. Diese Entschließung wird der türkischen Regierung mitgeteilt werden. Die Versammlung wird, sobald die Antwort der tür- k'schen Regierung eingetroffen ist, erneut zusom- mentreten. Die nächste Sitzung soll Montag, den 18. Juli stattfinden.
Aus aller Welt.
Er will das Lindberghkind ermordet haben.
Das „Prager Tagblatt" meldet aus Waag N e u st a d t l (Slowakei): Ein 31jähriger Amerikaner^ der feinen Namen nicht angeben will, stellte ber (Ben barme rie in Waag Neustadt! mit der Selbstbeschuldigung, der Mörder des r 9h 'Kindes zu sein. Er sei zusammen m nad) dem Morde nach London
gefluchtet, wohin man ihnen Geld nachgesandt habe Sie seien dann nach Paris gefahren, wo sie sich einen Kraftwagen Marke Durand kauften und dann über Antwerpen und Brüssel durch Deutschland und die Tschechoslo- a/e' um tn die Sowjetunion zu flüchten. In Sillein habe man ihm alle Dokumente gestohlen. Seine Genossen hätten die Flucht fortgesetzt. Er sei m Sillein in einen Autobus gestiegen und mit tiefem nach Waag Neustadl gefahren. Der Amerikaner war sehr erschöpft und brach fast zu- lammen, als er sich der Gendarmerie stellte. Er spricht nur englisch, allerdings mit fremden Akzent hat aber em slawisches Aussehen.
Eine nicht alltägliche Danksagung.
D ü rgei-m eister Wilhelm Hörmann in Sindelfingen erläßt anläßlich seiner Zur- Ruhe-Setzung folgende, nicht gerade alltägliche Danksagung: Mit dem heutigen Tage scheibe ich aus meinem Amt, das mir durch das Vertrauen £em^n^5ur.9ec am 21 • Mai 1895 übertragen wurde Es ist mir cm diesem Tage innerstes Be- 7 x n?' ^rdhc^n D^k zu sagen für all die Liebe unb Anerkennung und die freundliche Gesinnuna. die ich von so vielen Seiten währendrneiner nun mehr als 46jährigen Tätigkeit au f dem h iesigenAathaus erfahren durfte Meinen Widersachern trage ich nichts nach. Wenn ich einmal jemand weh oder wenn ich unrecht getan
111V ^um Verzeihung. Für DoS Wohl und Gedeihen meiner Vaterstadt wird auch künftig mein Herz schlagen. Mit dem Amt ®urbe lege ich aber auch die Würde und den Titel nieder, und so bitte ich, in i ch k ü n f t i a mit mcinein §amiliennamcnanre&cn au wollen. Ich scheide aus meinem Amt aus mit Den Worten Schillers:
„In den Ozean schifft mit tausend Masten der Iüngling;
Still, auf gerettetem Boot, treibt in den Hafen der Greis".
älnd ferner:
„An dem Eingang der Dahn liegt die älnendlich- reit offen.
Doch mit dem engesten Kreis höret der Weiseste
80 Frauen und 1 Mann.
®aö Baseler Strafgericht hatte am 20. Mai €lnfnJPr€rilat‘ona-€n Hochstapler namens I. Korn nvon sieben deutschen StaatS- anwaltschaften wegen Betrügereien in Höhe von über 100 000 QKorf gesucht wird, wegen Betrugs zu elnemHa.b Iahren Zuchthaus verurteilt. Korn hatte in den letzten sechs Iahren mit über 8 0 graue n. von denen 23 in Basel wohnen. © f?I€ r t9€r.n unterhalten und auf ihre Kosten gelebt. In einem Falle hatte er drei grauen gegenüber die Rolle des Sohnes aus reichem Hause gespielt ™ den drei Stauen 9000 Franks abgeschwindelt.
?N>^ttOnsgericht bestätigte heute das erstinstanzliche Urteil.
Mieder blutige Neligionskämpse in Bombay.
3n 3°m5aö kam es wieder zu blutigen Kämpfen SwischenHindus und Moham- ' medanetn. wobei zwölf Personen ge- tötet und rund 100 verwundet wurden. Ob- gleich die Polizei aufs schärfste einschritt, und sogar viermal auf die Menge Salven abgab, nahmen die Unruhen ihren Fortgang. In dem betroffenen Stadtteil ist jeder Verkehr lahrn- gelegt. Sämtliche Geschäfte sind geschlossen.
Senkung derKurzarbeiierunierstützung
Berlin, 6. Iuli. (ERB.) Der Prräsident -bet Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat durch Runderlaß den Arbeitsämtern mitgeteilt, daß mit Wirkung von der laufenden Woche an die Kutz- arbeiteruntetstützungen zu senken seien. Durch neue Verordnung sind die Sähe um nicht ganz 10 Prozent gekürzt worden. In der letzten Aprilwoche waten noch rund 290 000 Kurzarbeiter beschäftigt: diese Zahl ging in der letzten Maiwoche ein wenig zurück. Die stärkste Kurzarbeitsziffer während des vergangenen Winters betrug etwas über 300 000.
Deutsch-französischer Grenzzwischenfall
Pirmasens. 6. Iuli. (TA.) Am Mittwoch nach 9 älhr erschienen ein französischer Leutnant und ein -Unteroffizier in Dom etwa fünf Kilometer von der Grenze entfernt liegenden Dorf Ludwig Winter/ Als die Dorfbewohner zusammenlie'en, erklärten die Franzosen, die aus Richtung Obersteinbach (Elsaß! gekommen waten, daß sie sich „ve tritt en" hätten. Sie tränkten darauf am Dorfbrunnen ihre
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zurück, die Fremden unentwegt ihm nach. Er glaubt fast. Irrsinnige vor sich zu haben ober gar Banditen — da erreichen sie schließlich den Zipfel feinet Westentasche und drücken ehrfürchtig ihre Lippen darauf. Eben dies hatte Knigge ihnen als eine Sache vorgestellt. die der Landgraf an feinen Gästen besonders schätze, die sich dabei durch seine scheinbar bescheidene Zurückhaltung nicht hindern lassen dürfte. Run — der Dichter dieser Szene, der zugleich ihr Regisseur gewesen ist, konnte mit ihrem Verlauf zufrieden sein.
Richt nut beim Landgrafen selbst, der damals schon ein älterer, ob auch beweglicher Herr war sondern auch bei der jungen und lebenslustigen Landgrafin Philippine, der zweiten Gattin sei- nes Herrn, hatte der Hofjunker einen Stein im »rett. Zu den „kleinen, phantastischen Gesellschaften geladen, die sie au veranstalten pflegte toenn der Landgraf den Abend auswärts oer- brachte, hatte er den Auftrag, die hohe Frau rechtzeitig und geschickt davon in Kenntnis zu fic ein"«! auf andre Weise durchaus nicht benachrichttgen konnte, fang er ihr während
Gottesdienstes am Sonntag zur Melodie „Ein feste Burg ist unser Gott", die gerade gefangen tourbe, die Meldung zu. die er zu machen hatte und zwar mit dem tteffend unterlegten Text: „■Deut Abend geht der Land graf aus.
Er hielt es also mit allen, wie er hinwiederum feinen mit feinen Olelereien und Plc gen verschonte So spann er — beispielsweise — aus der Beobachtung. daß eine junge Dame bei der Hoftafel unter dem Tisch heimlich einen zu engen Schuh augauxfeben Pflegte, die Geschichte vom verlore-
Schuh. Durch einen Pagen läßt er nämlich eii^s Tages den bewußten Schuh unvermerkt wegnehmen, und weidet sich an der Verlegenheit der alr$ aIkr8 aufsteht, um im Salon Kaffee au 9C&-^8 ^t das Tasten des Fußes nach SÄ’? verschwunden, und die Aermste hat alle Muhe, mit nur einem Schuh gute Miene aum dosen Spiel zu machen und ihr Mißgeschick zu verbergen. Aber es nützt ihr alles nichts, der Page erscheint wieder und überreicht ihr knieend vor aller Augen den verlorenen Schuh — auf silbernem Tablett. 1 '
dieser und ähnlicher Art mochte er es schließlich doch mit der Landgräfin verdor- ben haben, — jedenfalls war er eine zeitlang von ihrem abendlichen Zirkel ausgeschlossen. Als dieser wieder einmal recht ausgelassen unter sich ist. bleibt infolge der allgemeinen Heiterkeit ein wohlbekann-
Pferde. Als einer der Zollbeamten sich näherte, ergriffen die Franzosen die Flucht, von den Beamten auf Fahrrädern sowie von Einwohner verfolgt, ohne jedoch eingeholt werden zu können. In letzter Zeit sind auch wiederholt Grenzüberfliegungen französischer Militärflugzeuge erfolgt. Es wäre an der Zeit, daß diesen zweifellos absichtlichen Besuchen franzöftschen Militärs auf deutschem Boden ein Ende gemacht würde.
B r e m e n. 6. Iuli. (WTB.) Im Beisein zahlreicher Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, des Heeres und der Marine und in Anwesenheit der Staatssekretäre und Gouverneure unserer ehemaligen Kolonien sowie vieler Delegationen von vaterländischen Verbänden wurde heute das hier errichtete Kolonialehrenmal. ein Werk des Münchener Künstlers Professor Dehn, feierlich enthüllt. Das Ehrenmal stellt einen Elefanten aus Klinkern dar, der auf einer Krypta steht. Zwei Bildnisse trägt der Sockel des Denkmals, eines gilt dem Gedenken des Pioniers des deutschen Kolonialgedankens. dem Bremer Franz Cd. Ad. Lüde- r i h. das andere dem Führer der deutschen Schutztruppen in Afrika, General Le 11 o to -
Urteile der Einzelrichter und Bezirksschösfengerichte ist das Rechtsmittel der Berufung, gegen Entscheidungen der Berufungsinstanz (Strafkammern) das Rechtsmittel der Revision nach wie vor zuläf- f i g. Die Einschränkungen der Reichsnotverordnung treten erst für solche Strafsachen in Kraft, deren Hauptverfahren nach dem 1. Juli 1932 eröffnet
Berlin, 5. Iuli. Dor der 12. Strafkammer Des Landgerichts i hatten sich vier Kommunisten und vier Stennesleute wegen Totschlags an dem 15jährigen Gymnasiasten £ycr- bert Rorlus zu verantworten. Rach der Anklage veranstaltete die Hitlerjugend am 24. Ianuar eine Hauspropaganda in Moabit. Am Tage vorher soll der Angeklagte Iohannes Kuhlmann sich mit einem Verkehrslokal der Kommunisten ins Benehmen gesetzt, ihnen von der geplanten Hauspropaganda Kenntnis gegeben und ihnen einen äleberfall nahegelegt haben. Dabei soll er den Kommunisten zehn Stiefel Bier versprochen haben, wenn sie den Bäcker Richard Mond von der Hitlerjugend t o t s ch I ü g e n. Die Kommu- nisten gingen auf den Vorschlag ein. Vierzig bis fünfzig von ihnen übernachteten in einem Verkehrslokal in der Oldenburger Straße. Am folgenden Tage wurde die Hitlerjugend u m - aTT9£ffen-- .... — -uMW-vuvWqiu|ulU, uti
ST”!» aber seiner Angreifer durch einen Ansprache das Recht Deutschlands auf Schreck: chuß erwehren und in einem Auto flüch - .rt , ■ - - ■ - 1
t e n. Dagegen wurde Herbert R o r k u s in der Zwinglistraße zu Boden geschlagen und durch fünf Messerstiche getötet. Der Tat dringend verdächtig sind die Kommunisten Simon, der nach der Tat ein Messer gezeigt und erklärt hat, damit habe er Rvrkus „fertiggemach t“, ferner Klingbeil und Tack, die sämtlich geflüchtet sind. Von den heutigen Angeklagten haben sich zwei Kommunisten und vier Stennesleute wegen Verstoßes gegen § 1 der Rotverordnung (Verabredung zum Verbrechen gegen Das Leben), die übrigen wegen schweren Landfric- densbruchs und Raufhandels zu verantworten. Die Verhandlung wird mehrere Tage in Anspruch nehmen.


