Einzelbild herunterladen

Ur. 131 Erster Blatt

182. Jahrgang

Dienstag, 7. Juni 1932

Erl chemt täglid), außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat» Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen NM. 1 95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Zerufprechanschlüste unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Liehen.

Postscheckkonto: firenffutl am Blain 11686.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

t>pid hbö Verlag: vrühl'fche Univerfifülr-Vuch' und Stebiörudertt R. Lange in Giehen. Sdfriftlething und Gefchäftrftelle: SchnMaße 7.

Annahme oon Anzeiaeu für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für 2lnjtigen von 27 mm Brette örtlich 8. auswärts 10 Neichspfennig: für N»- klameanjeigen van 70 nun Breite 35 Neichspfennig. piatjoorfdjrift 20'. mehr.

Chefredakteur

Dr. Fnedr. wilh. Lange. Berantöortlid) für Dvlitik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. jf).Ihi)riot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biegen

Landnöten.

Gerade angesichts des eben vollzogenen Kurs- Wechsels in der Ncichspolitik hat die in Mannheim durchgefiihrte große Wanderausstellunader Deutschen Landwirtschafts . Gesell­schaft eine größere Bedeutung als Gradmcsier für die Wirtschaftspolitik bekommen. An grunosaglichen Sympathietundgebungen zwischen Industrie und Landwirtschaft hat cs ja nie gefehlt. Man weiß aber, welche scharfen inneren Kämpfe während der Amtszeit der Regierung Brüning zwischen den wirtschaftspolitischen Vertretungen von Industrie und Landwirtschaft ausgesochten worden find. Soll für die Wirtschaftspolitik der Regierungswechsel einen Sinn bekommen, so müßte man jestt wieder z u einer klaren wirtschaftspolitischen Linie kommen, weil für alle Wirtschaftszweige die Ungewißheit noch verhängnisvoller ist als eine vielleicht auch für falsch gehaltene klare Politik.

Will man hier den Maßstab der Mannheimer Landwirtschaftsausstellung anlegen, so muß man zu­nächst wissen, daß es sich um die größte Ausstel- lun von Weltruf in Europa handelt, und daß auch in diesem Jahr wieder die Interessenten aus allen Erdteilen zahlreich vertreten waren. Es ist eben nicht nur eine Ausstellung, die bei dem jährlichen Wechsel durch alle deutschen Galle lediglich die Leistung der Landwirtschaft zeigt und dem Erfahrungsaustausch innerhalb des Berufsstan- des dient. Gleichzeitig ist es eine nahezu einzigartige Industrieschau, auf der so gut wie alle nur irgendwie mit dem weiten Gebiet der Landwirtschaft in Verbindung stehenden Firmen vertreten sind. Es ist also auch eine Leistungsschau der Industrie, wo- bei man zu berücksichtigen hat, daß diese Gemein- schaftsarbeit der verschiedenen Wirtschaftszweige auf der Grundlage einer nun bald fünfzigjährigen Selbst­hilfe der Landwirtschaft aufgebaut ist. Bei der DLG. konzentriert sich also alles, was mit dem Fortschritt der Landwirtschaft wirtschaftlich und wirtschaftspoli­tisch zu lun hat. Der einigermaßen im Widerspruch zu dem allgemeinen wirtschaftlichen Abstieg stehende Erfolg der Mannheimer Ausstellung zeugt davon, daß mit der praktischen und vorbehaltlosen Zusam­menarbeit zwischen den Berufsständen sehr viel mehr zu erreichen ist, als mit der Verschär­fung wirtschaftspolitischer Gegensätze, die doch nicht völlig gegenständlich find.

Sicht man sich Mannheim mit seinen 70 000 Ar­beitslosen, mehr als ein Viertel der Bevölkerung, an so ist diese steigende Rot im badischen Grenz- land nicht allein auf die Lostrennung Elsaß- Lothringens und die willkürliche Zerreißung eines geschlossenen Wirtschaftsgebietes zuruckzufuhren, son­dern auch auf die sinkende Kaufkraft der Landwirtschaft. Mannheim ist industriell eine der Zentralen der Landmaschinenindustrie, der Düngerindustrie, der chemischen Industrie und der Miihlcnindustrie, deren Konjunktur wesentlich von der Landwirt,chast abhängt. Die Grundlage für eine auf die Dauer erfolgreiche Gemeinschaftsarbeit ist also die Gesundung der landwirtschaft­lichen Verhältnisse, die freilich nur zum Teil durch handelspolitische Maßnahmen zürn Schutze der bürgerlichen Deredlungswirtschast zu erzielen ist. Fingerzeige für andere Möglichkeiten hat die Aus­stellung insofern gegeben, als in Auswirkung be? Ös?nild)qffeties9 die milchwirtschaftlichen Gerate einen Aufschwung genommen und auch zahlreiche Käufer gesunden haben, wie auch die Grünland- b e w e g u n g, die der Veredlung von ungenügend genutzten Ländereien dient, im sichtbaren Fortschritt begriffen ist. Aehnlich ließen sich gesetzliche Richt- linicn für andere Wirtschaftszweige vorstcllen wo­mit man gleichzeitig der Verbesserung der Ren a- bilität der Hebung der Qualität und der Arbeits­beschaffung in Stadt und Land dienen wurde.

Rudolf Karl Slatin war ein Junge von wenig mehr als sechzehn Jahren, als ihn Abenteuerlust aus der Wiener Handelsakademie herausholte und Aegypten verschlug, wo er mit den bekanntesten Afrikaforschern zusammenarbeitete und auf eigene Faust bis tief in den Sudan b'nem reifte, wo « nut Gorban Pascha bekannt wurde. Aber imch kurzer Zeit kehrte er doch schon in feine österreichische Hei- mat zurück und kam gerade zurecht, um den dos- Nischen Feldzug als Reserveoffizier mttzumachen und sich dadurch seine militärischen Anfangserfolge zu verdienen, die ihn zu seiner weiteren Laufbahn be­fähigten. Als der Krieg zu Ende war hielt es den inzwischen 21 Jahre alt gewordenen Claim wieder nicht in der zivilisierten Luft Europas Er folgte einem Ruf Gordons, der ihn als Finanzdiktator zu sich holte und ihn im Alter von 22 Wen jum Gouverneur der sudanesischen Pro vinz Darfur machte.

Mitten in diesem von betrügerischen Beamten aus- gesogenen Lande, das noch im Zeichen des Sklaven- bindels stand endlich em Weißer, der die Einwohner als Menschen'behandelte und für Recht und Gerech- ' tiqtcit sorgte. Kein Wunder, daß er im Sudan e ne Berühmtheit wurde. Das rettete ihn, als eine notwendige Folge einer jahrzehntelang angHmmel- ten Erbitterung der Aufstand ö es Ma y o i losbrach und der vom Haß getriebene Fanatismus sich in einem Vernichtungsfeldzug gegen alles, mas mit europäischer Kultur zu tun batte, auszutoben begann, olatin. den die Eingeborenen saattno Bafcka getau t hatten, war der einzige der sich 'n seiner Provinz gegen den Mahdi hielt und den Kampf in der Hoffnung auf Entsatz .ahrelang fort- , fnnnte bis aber auch für ihn die Stunde der Kapitulation' schlug. Er mußte sich auf Gnade und Ungnade dem Mahdi ergeben.

Und nun begann für ihn eine s^ere Leidens-e L Der Nachfolger des Mahdi vor allem, Abdullah,, ein Mensch von'viehischer Rohheit

stmkten, hat ihn bis aufs Blut gequält, hat chn als

Reichstagsneuwahlen am 3-1. Juli.

Berlin, 6.Juni. (WTB ) Der Herr Reichspräsident hat durch Verordnung vom heutigen Tag den Termin für die Neuwahlen des Reichstags auf Sonntag, Juli, festgesetzt.

Vor Erlaß der neuen No,Verordnung.

Mommi dic Vifchäftigtcnstc er?

Berlin, 6. Juni. (671B.) Der Montag ist von den Ministerien dazu benutzt worden, die Vor­lagen für die neue Notverordnung In Ressorlbesprcchungen vorzubereilcn. Namentlich ha­ben im Reichsfinanzmini ft erium die maßgebenden Instanzen unter dem Vorsitz von Reichsminister Gras Schwerin o. Krosigk den ganzen Tag über die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung des Etats und der Kaffenlage beraten.

In politischen Kreisen wurde heute abend lebhaft" erörtert, ob zu der Vorlage des Finanzministeriums auch die Beschäftigten st euer gehören wird; etwas Näheres war darüber nicht zu erfah­ren. Sicher ist aber, daß Graf Schwerin, entspre­chend der einzigen Bedingung, die er bei der Uebcr- nahme feines Amte» gestellt hat, alle» aufbieten wird, um einen Ausgleich der öffentlichen Finanzen herbeizuführen. 3m Reichsinnenrnini- flerlum und in den übrigen Ressort» haben heule ebenfalls eine Reihe von Besprechungen flaltgefun- den, so daß also da» Reichskabinelt, wenn e» mor­gen nachmittag Zusammentritt, alle Unterlagen vor­findet, um die Notverordnung noch im Laufe dieser Woche fertig,ustellen.

Der neue ReichSarbeifsminifler.

Präsident Schaeffer vom NcichovcrsichernngSamt.

Berlin, ö. Iuni. (IDIB.) Amtlich. Der Herr Reichspräsident Hal auf Vorschlag de» Reichskanzler» den Präsidenten de» R e i ch » o e r s i ch e r u n g » a m t e » Schaeffer zum Reich»arbeil»minister ernannt

Der bisherige Präsident des Reichsoersicherungs­amts und des Reichsoersorgungsgerichts -Hugo Schaeffer, der dieser Tage 57 Jahre alt wird, ist bisher politisch noch nicht Hervorge­lrete n. Er gilt als hervorragender Sachkenner aller im Reichsarbeitsministerium zu bearbeitenden Materien. Der neue Minister hat seine reichen Er­fahrungen auf dem Gebiet der Wirtschaft in füh­renden Stellungen der rheinischen Industrie wie auch im höheren Der- roaltungsbienft erworben. Rach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Tübingen und Berlin trat er zunächst in d i e Dien sl e der Firma Krupp, kam dann in den höheren Der- waltungsdienst in Württemberg, war 1909 bis 1916 Regicrungs- und Ministerialrat im roürttem- bergischen TI i n i ft erium des Innern, ab 1916 stellvertretender württernbergischer Bundes­ratsbevollmächtigter und dann Ministerial­direktor und stellvertretender württembergischer Bevollmächtigter zum Reichsrat. Im Jahre 1922 und 1923 während des Ruhrkampfes leitete er die Finanzen der Firma Krupp. Im März 1924 wurde er bann in bas Amt bes Präsibenten des Reichsoersicherungsamtes und des Reichsoerforgungsgerichtes berufen.

Falsche Gerüchte.

EinamtlichcsTcmcmiderRcichsregtcrung.

Berlin. 6. Juni. (60TB.) Amtlich. 3n bet Presse sind die verschiedensten falschen Gerüchte über den Reichspräsidenten und verschiedene Re­gierungsmitglieder in Umlauf. An Kombinationen

Sklaven behandelt, der an der Schwelle des Kalifen- palastcs stchcn und die Befehle des Mahdi erwarten muhte hat ihn sogar in Ketten gelegt und ihn in Eisen 'geschlossen auf seinen Wanderungen mitge- schleppt, bis schließlich nach mehr als elfjähriger Ge­fangenschaft sich ihm die Gelegenheit zur flucht bot, und er in einem wilden Wüstenritt, verfolgt von den Abgesandten des Mahdi, glücklich den rettenden Nil erreichte. In den Nachkriegsjahren sind wir an aben­teuerliche Ereignisse der Kriegsgefangenen gewohnt worben Damals aber 1895 waren bte Berichte über seine Flucht eine Weltsensation. Er wurde mit Ehren überhäuft, wurde österreichischer Freiherr, wurde ägyptischer Oberst und blieb dis 1914 in ber Verwaltung bes Suban. Im Kriege galt seine Hilfe den Armen und Verwundeten, seither l^t *r als einsamer Mann in Sudtirol. Ader fein Buch über die Gefangenschaft beim MahdiFeuer und Schwert im Sudan" ist auch heute noch ein Erlebnis für die Jugend, die dem FÜnfundsiebzigjahr,gen einen achtungsvollen Gruß in seine Einsamkeit schickt.

Da ist vor einigen Wochen vor dem Schöffengericht in Berlin e i n K u n st P r oz e ß abacroidelt worden, der über den lokalen Rah­men hinaus Beachtung verdient und auch ge­funden hat. Er schlvh barmt, daß $tn *un|t- Händler toeaen fortgesetzten De- truges und schwerer Urkundenfäl­schung zu einem 2ahr Gefängnis ve r-

über Rücktrittsabsichten deS Reichs­präsidenten, die in Zusammenhang gebracht werden mit Plänen über eine Berufung de S früheren Kronprinzen zum Reichs- verwefer ist fein wahre- Wort. Un­zutreffend sind auch die Behauptungen über Die Parteizugehörigkeit deS ReichSverkehrsmini- sterS Freiherrn Elz von Rübenach. Der

Minister stellt fest, daß er parteipolitisch 1 n keiner Weise gebunden ist. Auch Be­hauptungen über die "Berufung deS Staatssekre­tärs in der Reichskanzlei Planck sind unzu­treffend. Staatssekretär Planck bat auf ausdrück­lichen Wunsch von Dr. "Brüning sein neue- Amt übernommen.

Eine Aktion des Kanzlers zur Regierungsbildung in Preußen.

Ein Reichskommiffar sott tunlichst vermieden werden.

Berlin, 6. Juni. (CBB.) Die wir erfahren, Hal Reichskanzler v. Papen heute abend eine Aktion eingeleitet, die den versuch darstellt. In Preußen soweit rote möglich z u r Bildung einer par­lamentarischen Regierung zu gelangen.

Der Kanzler empfing zunächst den Führer der Deutfchnationaten, Geheimrat hugenderg, um ihm seine Ansicht über die Notroendigkelt einer schnellen Regierungsbildung in Preußen darzulegen, einer Notwendigkeit, die sich a 11 e In schon aus der Finanzlage oon selbst ergibt. L» sind roeitere Besprechungen mit den N a. I i o n a I f o z I a I i st e n und dem Zentrum geplant. Maßgebende Vertreter beider Parteien roaren heute nicht mehr zu erreichen. Ls ist deshalb anzunehmen, daß die nationalsozialistische Führung In Preußen und der Vorsitzende der Zenlrumssrak- tion, Abg. Sieger, von dem Kanzler morgen oder übermorgen empfangen werden. Mit diesen Besprechungen stehen wohl auch die heute aufge­tauchten Gerüchte über die Möglichkeit einer früheren Einberufung de» Landtag» Im Zusammenhang. Ob die Aktion zu einem Erfolg führt, steht natürlich noch dahin, da es natürlich in erster Linie auf die Parteien ankommt, mit denen noch gesprochen werden muß. Dem Reichskanzler wäre eine parlamentarische Lösung der preußischen Krise offenbar fchon deshalb erwünscht, da eine Reihe von Gründen namentlich wohl auch der Diderspruch aus Süddeutschland es als wün­schenswert erscheinen lassen, die Einsetzung eines Reichskommisfar» wenn irgend mög­lich zu v e r m e i b e n. G

In einem "Berliner "Blatt wirb ncuerbing» be­hauptet, baß De Aeichsregier.uiz bie schlechte Finanzlage in Preußen zum Anlaß nehmen werbe, einen Reichskommisfar zu ernen­nen. Aus bie,cm Grunde würde zunächst dec Landtag früher als ursprünglich beabsichtigt wie­der einberufen werden, um zu versuchen, einen neuen Ministerpräsidenten zu finden. Da dieses Beginnen jetzt schon al- aussichtS- 1 o S betrachtet werden könne, würde zur Ordnung der preußischen Finanzen ein Reichs­kommisfar ernannt werden. Es braucht kaum betont zu werden, daß es sich hierbei lediglich um Mutmaßungen handelt

Was bte Finanzlage angeht. so liegen die Dinge tatsächlich folgendermaßen Zwischen dem seiner­zeitigen ReichSsinanzminister Dietrich und dem preußischen Finanzminister Klepper ist eine Abmachung getroffen worden, derzufolge sich d aS Reich verpflichtete, den Fehlbetrag im preußischen HauShalt in Höhe von rund 100 Millionen Mark aus Reichsmitteln zu decken, wogegen die preußische Regierung auf ihre Anteile an der S i e d l u n g S b a n k verzichtete. Bon zuständiger preußischer Seite wird nunmehr erklärt, daß Preußen zwar seine Verpflichtungen hinsichtlich Der Siedlungsbank voll erfüllt habe, daß eS aber vom Reich b i S auf den heutigenTag noch keinen Pfennig alS Gegenlei­stung erhalten habe. Im übrigen ist die preußische Regierung der Ausfasjpng. daß sich zunächst die Parteien bemühen mühten, einen neuen Ministerpräsidenten zu finden Erst nach­dem die Verhandlungen hierüber erfolglos ge­blieben seien, könne die Frage der Errichtung eines ReichskommissariatS überhaupt in die De» battt geworfen werden.

Der neue Kurs in der Außenpolitik

formte. Erst nach feinem Tode fetzte die große Konjunftur ein, die zu phantastischen Preisen anstieg. Der lebende van Gogh wäre mit hundert Mark für ein Bild glücklich gewesen, heute zahlt man fünszigtausend Warf und mehr. Aber wohl­verstanden, nur für den Ramen. Diesen Trick hat sich ein Kunsthändler zunutze gemacht und Bilder auf den Marft gebracht, die zunächst als echt angesehen wurden, bann aber von einem Teil der Sachverständigen alS Fälschungen an- geprangert worden sind.

Die romantische Geschichte, daß diese Bilder aus russischem Besitz stammen, hat das Gericht nicht geglaubt, zumal da mit Hilfe der Röntgenphotographie die Fälschung des RamenS- zuges wohl mit großer Ächerheit nachgewiesen werden konnte. Aber die Tatsache bleibt doch bestehen, daß Kunsthändler und Künstler sich bei einer ganzen Reihe von Bildern in der Wif- fassung über die Echtheit scharf widersprachen, daß ein Kunsthändler sogar seine Meinung vor dem Prozeß und während deS Prozesses Dreimal geändert hat. Die Spekulation also, die in Bil­dern eine wertbeständige Anlage sucht, hat sich alS sehr gefährlich erwiesen, woraus eigentlich auch die Snobs die Lehre ziehen könnten, daß sie besser daran tun, das gute "Bild eines dar­benden lebenden MalerS zu taufen, als eine schlechte Fälschung.

Neuraths Besuch in London.

Fortführung

der Brüningfchcn Außenpolitik.

L o n d o n, 6. Iuni. (WTB.) Reichsaußenrninister Freiherr oon Neurath erklärte dem Ver­treter des Rcuterdureaus:Es muh für jeden un­voreingenommenen Beobachter klar sein, daß das neue deutsche Kabinett, das sich au» Männern guten Willens und gesunden Men- schenoerstandes zusammcnsetzt, die zum größ­ten Teil als Beamte beträchtliche Schulung für ihren jetzigen Posten erhalten haben, eine Fachregierung darstellt, die zusammen- berufen worden ist, um die vielen schwierigen Pro- bleme, denen sich Deutschland gegenübergestellt sieht, zu behandeln. An eine Wiederher st ellung der Monarchie denke man nicht, auch die

Behauptung, der Reichspräsident werde dem ehe­maligen Kronprinzen Platz machen, sei eine reine Erfindung.

Freiherr oon Neurath äußerte sich optimistisch über die zu erwartenden Ergebnisse der Lausanner und der Abrüstungskonferenz und betonte, daß bie deutsche Außenpolitik im wesentlichen ihre Kontinuität wahren würde. Er habe in Berlin Dr. Brüning persönlich gespro­chen, und er glaube sagen zu dürfen, daß Dr. Brü­ning die Uebemahme des Außenministeriums durch ihn billige. Er selbst sei ebenso überzeugt wie Dr. Brüning, daß die gegenwärtige Wirt- schastsdepression nur durch Zusammen- arbeit zwischen allen Ländern besei­tigt werden könne. Deshalb begrüße er den Vor­schlag einer Wirtschasiskonferenz.

urteilt wurde, weil das Gericht als erwiesen ansah. daß er einen schwunghaften Handel mit gefälschten Bildem des MalerS »an Gogh getrieben habe. Bilderfälschungen und Kunst- salschungen überhaupt sind ja feine Erfin­dungen von heute. Aber zu welchen grotesken Zuständen Die Auswüchse des KunfthandelS in Verbindung mit Dem Snobismus Der Liebhaber geführt haben, ist wohl noch nie so deutlich in Die Erscheinung getreten wie in diesem Prozeß.

Wir erinnern und noch, welch gewaltiges Aus­sehen es erregte, als seinerzeit die berühmte Tiara des Seitaphernes als Fälschung erwiesen wurde. Wir erinnern uns aus der verhältniS- mähig jüngsten Vergangenheit deS Herrn Dvssena, Der viel Geld mit Der Herstellung .antiker" Werke verDiente. 11 nD wir haben es in Den DorknegS- jähren eigentlich alle mit einigem Schmunzeln beobachtet, wie aller nur erdenklicher Kitsch auf alt ausgemacht nach Amerika hinüberamg, um dort alS .echt antik" die Sammlungen der Neu­reichen zu füllen. Damals hat der Unfug ange­fangen, daß nicht die Kunst, fondern der Rame des Künstlers bezahlt wird, und dieser Unfug ist in dem Prozeß um die van- Gogh-Bilder eigentlich öffentlich hingerichtet worden.

Dan Gogh hat daS Schicksal so vieler Maler erlitten, daß er beinahe verhungert ist und seine Bilder auch um ein Butterbrot kaum loSwerden