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nr.106 Erster vlatt

(82. Jahrgang

Samstag, Z. Mai 1952

Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild DieSchalle

Monats Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. -.25 Auch bei Nichterscheinen van einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Unioersiläls Such- und $teinöru<fcrci R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und ScschäftrsteNe: 5chulstratze 7.

Annahme von Anzeiaen für die Tagesnurnmcr vis zum Nachmittag vorher.

Preis fflr 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite artlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- blameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrist 20*, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Bcrantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr.H.THgriot: f ür den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen.

Äerpräsidenl der sranzösischenRepuM das Opfer einesAllenlals

Paris, 7. Mai. (WTB.) Auf den Präsidenten der Republik Paul Ooumer wurde gestern nachmittag, als er eine Buchausstellung eröffnete, von einem russischen Anarchisten ein Revolveranschlag verübt. Oer greife Präsident ist heute früh gegen 4 llhr den schweren Verletzungen erlegen.

Oer Hergang des Attentats.

Ter Präsident von drei Kugeln getroffen.

Paris. 6. Mai. (WIB.) lieber das Attentat auf Präsident Doumer liegen folgende Einzelheiten vor: Der präfjöenf der Republik, begleitet von einem Mitglied des Militärkabinetts, begab sich nach mittags in eine von der Bereinigung der Schrift­steller, die am Kriege teilgenommen haben, oeran- jiultcte Buchaus ft ellung. Der Präsident war um 15 Uhr im Ausstellungsgebäude erschienen, wo er vom Kriegsminister pietrl, Juffijminiftcr N e n n a u D und dem Präsidenten der Schriftsteller- Vereinigung, Claude J a r r i r e, empfangen wurde. Rach der Besichtigung des ersten Ausstellungs­raumes begab er sich, gefolgt von zahlreichen Per­sonen, in den dahinter liegenden Saal, in dem der Russe ©orguloro an einem Büchersland mit einem französischen Schriftsteller sprach. Als der Präsident sich diesem Stand bis auf wenige Schritte genähert hatte, drehte sich Gorgulow plötzlich um, zog einen Revoloerundgab hinter einander fünf Schüsse ab. von drei Kugeln durchbohrt, brach der Präsi­dent der Republik blutüberströmt z u jammen. Zwei andere Kugeln verletzten den Schriftsteller Jarrirc und den Chef der pariser Sicherheitspolizei, Guichard. Kriegsminister p i e- f r i stürzte sich als einer der ersten auf den Atten­täter und wurde bei der Verhaftung von Guichard unterstützt. Inzwischen trug man den bewusstlosen Präsidenten in seinen Kraftwagen und brachte ihn aus schnellstem Wege ins Krankenhaus.

Das abscheuliche Attentat aus den greifen Präsi­denten der französischen Republik ist ein Unglück für das französische Volk, das di e aufrichtige Teilnahme der ganzen Welt auslösen wird. Auch mir Deutsche werden in dem Ausdruck des Mitgefühls nicht zurückstehen. Der Meuchelmord als Mittel her Politik bleibt verdammenswert, wo immer er sich auch ereignet. Das Verbrechen stellt eine Handlung von möglicherweise tiefgehender Wir­kung dar. Am Sonntag findet in Frankreich d i e Stichwahl statt, die über die endgültige Zu­sammensetzung der französischen Kammer entscheiden wird. Bisher rechnete man dabei mit einem, wenn auch bescheidenen (frfolgc der Linken und der Mög­lichkeit einer Umbildung der französischen Regierung im Sinne einer gemäßigten Politik. Es waren An­zeichen dafür vorhanden, daß die Parteien der Ver­ständigung im .zweiten Wahlgange besser abjchneiden würden als beim ersten. Wie weit das Attentat auf bas Stichwahlergebnis von Einfluß fein wird, muß abgewartet werden. Zweifellos steht aber zu he- fürchten, daß die plötzlich angefachten politischen Leidenschaften einen chauvinistischen otimm'ungs- Umschwung herbeisuhren können. Es wäre nicht bas erstemal, daß das französische Volk von plötz­lichem Fanatismus ergriffen übereilte Entschlüsse faßte. Der Kampf um b i e RachfoI g e wird unter Voraussetzungen geführt werden, die das po­litische (Ergebnis möglicherweise fälschen. Der fran­zösische Chauvinismus wird sich die Möglichkeit nicht entgehen lassen, Kapital herauszuschlagen. In jedem Falle ist diese Untat ein Ereignis, das deswegen so unabsehbare Folgen haben kann, weil die euro­päischen Zustande und das innere Gleichgewicht Europas heute wirkliche Erschütterungen nicht vertragen können. Hoffen mir also, daß die Franzosen sich durch ihr Unglück nicht um ihr sonst so kühles Urteil bringen lassen.

Am Krankenbett des Präsidenten.

Paris, 6. Mai. (WTB.) Die Aerzte veröffent­lichten folgenden Bericht über den Zustand Dou- mers: Der Präsident der Republik ist von zwei Kugeln getroffen worden, und zwar die eine an der Basis des Schäd^els und die andere an der rechten Achsel. Star­ker Blutverlust. Der Patient ist sehr mitgenommen. Zwei Bluttransfusionen wurden vorge- nommen. Zustand sehr ernst. Die Schulter­verletzung hat sich als besonders gefährlich erwiesen, da die Kugel eine der großen Ar­te r i e n durchschlagen hat und so sehr starke Blutverluste verursachte. Im Laufe des Nachmittags und Abends wurden nicht weniger als vier Bluttransfusionen und die notwendigen Gefäßnahten vorgenommen. Schon nach der ersten Transfusion von -150 ccm schlug der Verletzte die Augen auf und erkannte den bechandeln - den Arzt, den er mit schwacher Stimme beim Namen nannte. Die beiden anderen K u - g c l n , die auf operativem Wege entfernt werden mußten, waren in den Schädel eingedrungen. Die erste mit dem Einschuß an der linken Schläfe saß hinter dem Nasenbein, bat den Sch nerv jedoch nicht zerstört. Die zweite Kugel schlug hinter dem linken Ohr ein und blieb im >)in!erlopf stecken. Acht A er sie waren unausgesetzt um den Präsidenten bemüht Als Tardieu gegen

17 Uhr das Krankenhaus verließ, erklärte er Presse­vertretern, Doumer habe seine Besucher erkannt und sich mit seiner Frau unterhalten können. Als Professor Gosset an fein Bett trat, habe er auch ihn erkannt und gesagt:Da kommt ja Gosset!" Als Doumer von den Schüssen getroffen wurde, soll er ausgerufen haben:Ist das denn m ö g I i ch?"

Gegen 22 Uhr zeigte der Kranke eine gewisse Erregung und sprach einige Worte. Pros. Gosset vernahm, daß Doumer fein Erstaunen über seine Anwesenheit in einem Zimmer mit weißgestriche­nen Wänden zum Ausdruck brachte. Man sagte Doumer darauf, er habe einen AutounfaU er­litten. Kurze Zeit darauf wurde ihm eine Mor­phiumeinspritzung verabreicht, die ihn beruhigte. Mm 1 Mhr verließ der Minister für nationale Verteidigung das Krankenhaus und erklärte, der Zustand Doumers sei außerordentlich ernst: die Verletzung der Schädelbasis habe sich auf das Gehirn ausgewirkt. Die Schwäche des Kranken nehme zu.

Oer Tod des Präsidenten.

Paris, 7. Mai. (IDIP. Funkspruch.) Um 4.40 Uhr ist der Präsident der Republik, Paul Doumer, den Verletzungen, die ihm bei dem Attentat bclge-

drachl worden sind, erlegen. Am Sterbebett des Präsidenten weilten seine Gattin, seine Tochter und sein Schwiegersohn, ferner Minister Präsident Iardieu, der Minister für die natio nalc Verteidigung, pietri, der Innenminister und andere Mitglieder der Regierung.

Um 5.15 Uhr wurde die Leiche des Präsidenten der Republik nach bcmElysLc übergeführt. Den Zug begleiteten Ministerpräsident Tardieu und die im Augenblick des Ablebens im Krankenhaus anwesenden Minister. Frau Doumer Hot einige Augenblicke später in Begleitung ihrer beiden Töch­ter das Krankenhaus ebenfalls verlassen. Als die Leiche im Elysse eintraf, erwiesen ihr die republika­nische Garde und die anwesenden Polizisten militä­rische Ehren.

Die sterbliche hülle istimElyfeevorlöusig aufgedahrt worden, angetan mit dem Großkreuz der Ehrenlegion und mit allen Orden und Ehren­zeichen. heute vormittag wird die Einbalsamierung erfolgen. Alsdann wird dos Publikum die Möglich­keit hoben, am Katafalk oorüberzuziehen. Die Ein­zelheiten über die Beisetzung des Staatsoberhauptes werden im Kodinettsrat, der um 11.30 Uhr im Außenministerium ftattfindet, festgesetzt werden.

Wer ist der Attentäter?

Ein offenbar irrsinniger russischer ^Smigrant, der den Anschlag verübte, um sich an Frankreich für die Duldung des bolschewistischen Regimes in Rußland zu rächen.

Die Festnahme des Attenlälers.

Äon der Menge fast gelyncht.

Die Vefucher. die Augenzeugen des Anschlages waren, stürzten f i ch auf den Angreifer und richteten ihn durch Stock» und Faustschläge übel zu. Den anwesenden Kriminalbeamten ge­lang es nur mit Mühe, ihn vor der Lynchjustiz zu bewahren. 3n seiner Tasche fand man ein in russischer Sprache abgefaßtes Notizbuch, in dem u. a. folgender Satz geschrieben steht:G o r- gulnto, Präsident dec russischen Fa­schisten und Mörder des französi­schen Stoatspräsidente n.

Oie Person des Täters.

Ein irrer Emigrant mit seltsamer Vergangenheit.

Gorgulow ist ein plump und bäuerlich aus- sehender Mann von 37 Jahren. Sein sonder­bares Benehmen und seine unruhig flackernden Augen scheinen die Auffassung vollkommen zu bestätigen, daß man es mit einem gefähr­lichen Irren zu tun hat. Während feines Verhörs sprach er unausgesetzt vor s i ch h i n. antwortete unklar auf die an ihn ge­richteten Fragen und summte von Zeit zu Zeit eine Melodie. Soweit aus seinen unjufammen- hängenden Reden hecvorgeht. bezeichnet sich der Attentäter als Dichter und Mystiker. Er er­klärte. er fei vor vierMonaten ausPrag nach Frankreich gekommen und habe sich dann in Monte Carlo niedergelassen. Gegen den Präsidenten der Republik habe er persönlich nichts gehabt. Doch fei er ein fana­tischer Gegner der Bolschewisten und habe als solcher gehandelt. Zu Ende des Ver­hörs erklärte der Attentäter ..Ich weih, daß ich sterben muh und werde als Soldat sterben" Seine Anhängerschaft habe ihn im Stich ge­lassen, er stehe allein. habe keine Helfers­helfer und lasse sich nicht kaufen.

Pawel Gorgulow ist von Geburt nicht Rational- ruffe, sondern Kubankosak. Er wurde im Jahre 1895 in bet Kosakenniederlassung Labinfkaja Staniza im Kaukasus geboren. Den Krieg machte er gegen Oesterreich und gegen die Türkei auf russischer Seite mit. Rach dem Kriege studierte er in Prag Medizin und galt schon damals unter seinen Bekannten für verrückt. Er hat einen Band Gedichte in völlig unzusammenhängenden Versen veröffentlicht. Ferner stammt eine politische Bro­schüre aus seiner Feder, die unter dem Rainen »Das grünt Programm, Wege zur Befreiung Rußlands" vollkommen phan­tastische Ideen enthält. Er bezeichnet sich gleich­zeitig als Faschist, Antimonarchist, Republikaner und Demokrat.

Oas Verhör.

W.lde politische Phantasien.

Das Ministerpräsidium veröffentlicht folgende amtliche Verlautbarung: Der Attentäter erklärte vor der Polizei, in Monaco eine national- russisch-faschistische, aber antiman­archistische Partei gegründet zu haben, die etwa 40 Mitglieder umfaffc. Diese Partei fei

jedoch nach und nach zerfallen. Die Unter­stützung, die die fowjetrusfische Regierung von einer grohen Anzahl europäischer Staaten er­halte. habe ihn dazu veranlaßt, einen .gro­ßen Schlag" auszuführen Zu diesem Zweck fei er nach Paris gekommen und habe den Prä­sidenten der Republik ermorden wollen. Er habe das Ziel verfolgt, Frankreich zu bewegen, Sowjetrußland den Krieg z u erklären. Er sei zwar eingroßerDer- ehrer Mussolinis und Hitlers, habe aber weder von Deutschland noch von Italien i r gendwelche Aufträge oder materielle Unterstützung erhalten. Er fei sogar ohne Wissen seiner Familie nach Paris gekommen und habe die Reise aus feinen eigenen Ersparnissen bezahlt. Am Donncrstagnachmittag habe er sich in dem Bureau der Vereinigung ehe­maliger kriegsteilnehmender Schriftsteller vorge­stellt und um eine Eintrittskarte für Die Eröffnung der Duchausstellung gebeten. Als man ihn nach seinem Ra men fragte, habe er sich feines PseudonymsB r a d" bedient, unter dem er in Europa und besonders in der Tschechoslowakei sehr bekannt sei, weil er in verfchiedenen dortigen Zeitungen Artikel veröffentlicht habe. In poli­tischen Kreisen ist man überzeugt davon, daß der grejfe Staatspräsident feinem politischen An­schlag, sondern der Tat eines Geistes­kranken zum Opfer gefallen ift. Gor­gulow war zweimal aus Frankreich ausgewiesen worden, und zwar wegen illegaler Ausübung des Arztberu- f e s. Seine Diplome waren von den hiesigen Be­hörden nicht als ausreichend angesehen worden. Auch verfügte er nicht über genügend Existenz- mittet

Oer Attentäter auf seinen Geisteszustand untersucht.

Er will das Lindbcrgh-Vaßy geraubt haben

Gorgulow wurde vom Untersuchungsrichter d i e Anklageschrift zugestellt. Sie lautet cilf Mordversuch an dem Präsidenten der Republik. Alsdann wurde er in das Sante- 6^ fängnis eingeliefert. Der llntcrfud)ungs» richtcr Hot drei medizinische Sachverständige bestellt, die Gorgulow auf seinen Geisteszustand untersuchen sollen. Er stellte den Antrag, daß ihm von Amts wegen ein Verteidiger zur Ver fügung gestellt werde. Das bei Gorgulow vorgcsun dcne, in russischer Sprache geschriebene Heil enthalt eine A r t Plädoyer, in dem Gorgulow erläu­tert, weshalb er den Präsidenten der Republik töten wollte. Nach seiner Ansicht lei Rußland Frank­reich während des Krieges zu Hilfe gekommen, aber Frankreich habe nichts getan, um Ruß land zu helfen, das iowsetistifche Joch abzuschütteln. Am Schluß Des Aussatzes be- zichtigt sich Gorgulow selbst, den Sohn Lind- berghs geraubt z u haben. Er habe mehr als 60 000 Franken ausgegeben, um ihn entführen zu lassen. Das Kind werde als Geißel von russischen Terror, st en aus gezvAe n. Ha- oas bemerkt hierzu, dieler Schluß der Aufzeichnun- gen scheine darauf hin zuweisen, daß Gorgulow nicht im Vollbesitz seiner gsiftigen Fähigkeiten sei.

Memels Sieg.

Auf dein Leidensweg der Deutschen des Memel- landes ist dos Ergebnis der Wahlen z u m memeflänbifdjen Landtag ein Lichtblick in besonders dusterer Zeit In diesen lagen, in denen sich schwarze Wolken gegen die Ostmark drohend zujammenballen, ist Das laute Bekenntnis der Metnelländer zu ihrem Deutschtum ein leuchten des Fanal der Warnung, das hoffentlich nicht nur in Kowno verstanden werden wird. Trotz unerhör­ten Terrors durch die Schergen der litauifckten Machthaber ist die bisherige deutsche Mehrheit im memelländischen Landtag unerschuttert Von ins gesamt 29 Sitzen fallen wiederum insgesamt 24 den deutschen Parteien zu, während sich die Litauer wie bisher mit nur fünf Mandaten begnügen müs­sen. Die Memelländer haben mit dem Stimmzettel die richtige Antwort erteilt aus die litauischen Ent deutschungsbestrebungen, die seit dem bewaffneten Einfall der Litauer in Das im Auftrage der Bot schasterkonferenz von französischen Truppen besetzte Gebiet und dem Abzug der Franzosen im Februai 1923 nicht ausgehort haben, das kerndeutsche Land und seine Bewohner unter fri)ärffkn politischen und wirtschaftlichen Druck zu halten, wobei die neuen Herren. vor keiner Gewalttätigkeit zurückschreckten und auch die feierlich beschworenen Vertrage miß achteten. Denn das Memelland ist ja nicht litauisch Das Memelabkommen vom -V Mai 1921 zwischen den vier Schutzmächlen Frankreich, England, Ita lien und Japan einerseits und Litauen andererseits, gewährt den, Memelland weitgehende gesetzgeberische, finanzielle und verwaltungstechnische Autonomie unter der Staatshoheit Litauens. Aber die Uninter eisiertheit der Signatarmächte dieser Memelkonven- tion, die Gleichgültigkeit des Völkerbundes und die Ohnmacht des Reiches schufen die Lage, die Litauen mit der ganzen unverfrorenen Gerilfenheit und tückischen Brutalität eines selbst jahrhundertelang von Polen und Russen in gleicher Weise bedrückten Volkes ausnützte, um aui dem langsameren, aber sicheren Wege der Unterdrückung des Deutschtums sich zum Herrn Des Memellandes zu machen und damit das nachträglich zu erreichen, was ihm in Versailles durch den Widerstand von Franzosen und Polen versagt geblieben war.

Der» Gebiet um Memel, 2400 OüäkftäkkNometer ijiit rund 140 000 Einwohnern, wovon nur 38 000 Litauer sind, ist der nördlichste Zipfel der Provinz Ostpreußen, der durch Das Diktat »on Versailles *.wm Reiche losgerislen wurde, obwohl er seit Der Bestellung Der baltischen Ostseeprovinzen zu Be ginn Des 13. IahrhunDerts Deutsches LanD ist unD niemals zu Litauen gehört hol. Auch Die vorn Deut jchen RitterorDen Dort angcfieDclten Litauer, Die erst INI tt> und 17. Jahrhundert größere zu hangenDe Siedlungen mit litauischen Ortsnamen bildeten, sind, obwohl sie ihre Muttersprache er halten haben, gut Deutsch gcroorDcn unD geblieben. Das wirD Durch nichts besser bewiesen als Durch einen Volksentscheid, Den Die Franzosen nach Der Besetzung Des Gebiets über Die Einführung li­tauischen Unterrichts veranstalteten unD wobei sich noch nicht einmal 2 v. H. Der litauisch sprechenDen Bevölkerung Dafür aussprachen. Das lag Damals ganz im Sinne Der französischen Politik, Die Dtn neugebilDctcn litauischen Staat schwach genug hallen wollte, um ihn später als leichte Beute Den Polen zuschanzen zu können, Denen es Dann ein leid) tes sein würde. Das mit Danzig Durch den Korridor Völlig isolierte Ostpreußen, Durch die Einverleibung Litauens mit Memel eine Insel in Der Flut Des polnischen Imperialismus, zu überschwemmen und nom Reiche loszureißen. Unter Dicfem Gesichtspunlt arbeiteten Polen und Frankreich in Versailles den litauischen Annexionsivunichen entgegen. Aber die Litauer stellten die Botschasterkonferenz, die nicht zu einer Entscheidung zwischen Den polnischen Anspru d)en UnD Den Wünschen Litauens fpmmcn konnte, vor ooUcnDete Tatsachen. WährenD Frankreich Durch Die Ruhrbesetzung engagiert war, brachen im Ja­nuar 1923 nach Dem Muster Des polnischen lieber falls auf Wilna litauische Freischärler ins Memel lanD ein unD entwaffneten Die französische Besatzung. Die Pariser Botschafterkonferen; trug insofern Der durch Diesen litauischen Gewaltstreich geschaffenen neuen Lage Rechnung, inDem |ic Litauen zwar Die Staatshoheit über Das MemcllonD übertrug, aber um Den gegen eine feste AnglieDerung an Litauen gerichteten Wünschen Pylens zu entsprechen, gc wahrte die Boftchaftcrkonserepz Dem MemellanD gleichzeitig Das in Dem schon erwähnten Memel­abkommen nieDergelegle Recht auf Autonomie.

Dieses Memclstatut unterstellt bas LanD einem oom litauischen StaatspräfiDenten ernannten Gou oerneur, seit 1927 Der berüchtigte Herr Anton Merkys. Er ernennt Den Präsidenten des Lan- desDirekloriums (seil 1931 den Deutschen Bött eher, seit dessen widerrechtlicher Absetzung und Verhaftung im Februar dieses Jahres, den Litauer I o l i f d) u s und nach Der VerhanDlung vor Dem Völkerbunbsrat im gleichen Monat Den Litauer Simmot). Das aus dem Präsidenten unD vier von Diesem ernannten MitglieDern gebildeten Landes Direktorium ist einem noch litau sichern Wahlrecht ocwählten Landtag von 29 Abgeordneten vergnt wörtlich. Der seinerseits oom Gouverneur berufen, geschlossen und aufgelöst wird Der Gouverneur kann auch gegen jedes Die Selbstverwaltung über 'chreitenDe Gesetz Einspruch erheben, wogegen Der LanDlag Den Volkerbundsrat anrufen kann. Diese kurzen verfassungsrechtlichen Ausführungen füiö vielleicht willkommen, um zu begreifen, welche Mög 1 lästerten bas Memelstatut ben Litauern bot, um in der Praxis Das -elbstverwaltungsrecht Der Memel, länber auszuhöhlen unD zu entaxrten. Wo die e Möglichkeiten inDeffen nicht ausreichten, haben sich Dir Litauer auch niemals ge'cheut, sich über Das Memelstatut glatt Hinwegzusegen, um ihr Ziel, d»e EntDeuischung des Memellandes, zu erreichen. Sp