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Ur 287 Erste; Blatt 182. Jahrgang Dienstag, 6. Dezember 1932
GietzenelAnzeiger
Oie „Gelbe Gefahr".
Don unserem D.-Korrespondenten.
Tokio. Rovember 1932.
Seit langem geht, im Abendland nicht nur, sondern vor allem auch auf der anderen Seite des Ozeans, in den Bereinigten Staaten von Amerika, der Warnruf vor der »gelben Eefahr" um. Kindlich wäre es, sich die drohende Auswirkung dieser gelben Gefahr nun vorzustellen als einen dschingiskanhaften Ansturm wilder Horden, die mit dem Elan ihrer uns fremden Rasse und der Ballung ihrer unbezifferbaren Masse demnächst die Landbereiche und die Kulturbelange der Weihen über den Haufen reiten und in Grund und Boden stampfen wurden. Die gelbe Gefahr, so, wie sie heute bereits akut ist, zeigt ein anderes Gesicht, bildlich zu sprechen, das freundliche Lächeln eines sanften, schlitzäugigen japanischen Händlers — und er» fordert andere Schutzmaßnahmen als gerüstete Heere, Kanonen, Tanks und Maschinengewehre. Ihr zu begegnen, ist man seit einiger Zeit schon daran gegangen, an den einzelnen Grenzen — vor allem um die Bereinigten Staaten als um das zur Zeit am meisten gefährdete Land — Mauern zu errichten, die, aus einem wohldurchdachten System von Zöllen bestehend, diesem freundlichen kleinen, eroberungslüsternen Händler aus Rippon den Eintritt verwehren sollen.
Kurz gesagt: die Gefahr, die droht, ist eine Wirtschaftsgefahr — ist der Expansions- drang der japanischen Industrie und des japanischen Handels. Japan ist seit einiger Zeit die Konkurrenz auf dem Weltmarkt gegen alle anderen Länder und Industrien — aus welchem Gebiete immer man will — mit einer wahren Sturzflut ■an Waren von derartiger, kaum vorstellbarer Billigkeit aufgenommcn, dah die rigorosesten Abwehrmahnahmen der »weihen" Länder als mehr oder weniger gerechtfertigte Selbstverteidigung angesprochen werden müssen.
Die japanische Industrie hat sich fast ganz auf -billige und billigste Massenartikel eingestellt. Sie kann bas, weil in Japan die Löhne und Gebälter außerordentlich niedrig sind. Diose niedrigen Lohnst:? haben dreierlei im Gefolge: erstens -kann man billig produzieren, zweitens muß man für den Inland-ab j atz bJlig produzieren, weil teure Waren von der Masse der gering Entlohnten einfach nicht gekauft werden können, und drittens produziert man natürlich nicht nur billige, sondern auch nicht .sehr haltbare Waren, die man dadurch aber mehrmals im Jahre als ausgesprochene Bedarfsartikel absetzen kann ... Ergebnis: schnellerer Umsatz des Kapitals.
-Liorn japanischen Umsatz selbst zu -sprechen: eine Entlohnung von vierzig Jen (1 Jen = 100 Sen - 2 RM.) ist schon ein sehr anständiges Gehalt. Mit einem Einkommen von ungefähr achtzig deutschen Mark kann man in Japan nicht nur leben, sondern gut und mit einer gewissen Eleganz der Daseinsführung leben. Ein japanisches Papier- oder auch Holzhaus, in dem oft bis zehn Personen wohnen, kostet an monallicher Miete zwischen acht und fünfzehn Jen — also zwischen 16 und 30 Mark; diese zehn Pevsonen zu sättigen, bedarf es keines großen Einkommens: für sechzig Pfennig Fisch genügt zu einer reichlichen Mahlzeit, Reis und Tee sind derart billig, daß ihre Anschaffung auch für das niedrigste Haushaltsbudget kaum bemerkenswert ins Gewicht fällt.
Die Kleidung? — Ein deutscher „Stangen- Anzug" von minderer Qualität, aber immerhin noch tragbar, ist kaum unter dreißig bis fünfzig Mark zu haben; in Japan kauft man dafür — ebenfalls -um Gebrauch bei der Arbeit, im Haus und auf der Straße, und von einer Lebensdauer, die der eines europäischen billigen Anzugs nicht viel nad)gibt — einen Kimono, den man bereits für sage und schreibe zwei Jen, also für vier Mark, erhält! Einen Hut für den Preis von einem Jen — von zwei Mark — für den man in Deutschland wenigstens fünf Mark Zahlen müßte, kann man jahrelang tragen! Schuhe? Wir zahlen dafür wenigstens elf bis zwölf Mark — der Japaner kauft für 1,50 Mark feine „Tabi“, Schuhe aus Filz und Gummi, trägt sie vier bis fünf Monate und kann sie dann, da er sie „fast geschenkt" erhielt, getrost wegwerfen. Wäsche? Ein Unterhemd von vierzig Pfennig an erhältlich. Ein Oberhemd: ab einer Mark bekommt man etwas absolut Passables. Strümpfe: dreißig Pfennig pro Paar. Eine Sommerhose aus Leinwand: eine Mark. Wenn der Japaner zwei Mark anlegt, so ist er imstande, sein Kind für die warmen Monate vollkommen und nicht einmal schlecht auszuftaffieren, denn ein Kinderhemd ober auch einen Jumper erhält er bereits für dreißig Pfennig, ein Paar Höschen für fünfzig Pfennig, Sandalen aus Stroh oder holz für zwanzig Pfennig, eine kleine Kappe für den gleichen Betrag; der Rest kann für Strümpfe ober gar für einen Schlipps angelegt werden, von denen man ein ganzes Dutzend für eine Mark kaufen kann. Welches andere Land der Welt kann mit solchen Preisen konkurrieren?
Schauen wir uns danach einmal in der Eisen- un b Stahlindustrie Japans um. Für vierzig Rdark scholl erhält man ein funkelnagelneues Fahrrad mit allen Schikanen — was tut es da, wenn man hinterher erfährt, daß solch ein Vehikel hergestellt wurde aus den noch oerwendungsfähigen Resten von alten Schiffen ober von altersschwachen Autos amerikanischen Ursprungs? Scheren wirst Japans Industrie für zwanzig Pfennig auf den Markt, Taschenmesser von zwölf Pfennig an, Hammer und Zange zusammen für dreißig Pfennig, Rasierklingen — mit der gefälschten Aufschrift „Solingen", obschon sie in Osaka fabriziert werden — für vierzig Pfennig pro Stück und für kaum mehr als einen Pfennigs im Engros-Vertauf, Löffel für jechszehn Pfennig das Dutzend (1), ganze Schachteln
Ein unmöglicher Veriagungsvorschlag in Gens.
Oie Abrüstungskonferenz soll nach einem amerikanisch-französischenplan ihre Arbeiten vorläufig einstetten.-Keine Abrüstung aber die deutsche Gleichberechtigung auf 3 Jahre hinausgeschoben.
(Benf, 5. De;. (ERB.) Den Hauptgegenstand der Abrüstungsbesprechungen des heutigen Tages bildete die nur in ganz allgemeinen Linien feststehende amerikanische Anregung über ben ein si- weiligen Abschluß der Konferenzarbeiten. Dieser Abschluß soll in der Weise erfolgen, daß ein vorläufiger Vertrag über das bisher Erreichte ausgearbeitet und für alles übrige eine ständige Kommission eingesetzt werden soll. Der (Deneral- berichterstattec der Konferenz, Dr. V e n e f ch, foll diese Anregung zu einer greifbaren Formel ausgearbeitet haben. Hiernach soll die vor allem von Frankreich gewünschte Sicherheit durch eine internationale Kontrolle bewirkt werden, und es soll in dem vorläufigen Vertrag ferner die Abschaffung des Luftbombardements und des chemischen Krieges bestimmt werden. Im übrigen soll die vorgesehene Kommission innerhalb dreier Jahre weitere Vorschläge ausarbeiten, und im Jahre 1935 soll eine neue Konferenz zusammentreten, die sich vor allem mit der Gleichberechtigungsfrage zu befassen habe, so dah Gleichberechtigung und Sicher- heit dann in einem neuen Vertrag geregelt würden.
Rach einer offiziösen englischen Darstellung ist zwischen den vier Großmächten über ben amerikanisch-französischen Plan in den großen Linien b e - teils eine Einigung zustandegekom- men. von französischer Seite wird eine ähnliche Auffassung verbreitet. Demgegenüber besteht jedoch in unterrichteten Kreisen der Eindruck, daß eine einheitliche Front der vier Mächte in allen Punkten jedenfalls nicht besteht. Es liegen Mitteilungen vor, daß die englische Regierung zwar in großen Linien dem Plan zugesllmml, jedoch ihren Beitritt davon abhängig gemacht habe, daß eine wesentliche Herabsetzung der Rüstungen in der Vereinbarung seslgelegl wird, von französischer Seite ist ferner verlangt worden, dah die Vereinbarung in verschiedenen Punkten den französischen Sicherheilswünschen noch weitgehend ange- pahl wird. Eine eindeutige Stellungnahme der italienischen Regierung steht nach wie vor aus. Den deutschen Vertretern wird in der kommenden Füns- mächlebesprechung zum ersten Mal offiziell von dem amerikanisch-französischen Plan Mitteilung gemacht werden.
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Der amerikanische Vorschlag beruht auf dem Wunsch der amerikanischen Regierung, sich jetzt von derAb üstungskonferenzzurückzuziehen. Die deutsche Regierung foh durch dieses Abkommen gezwungen werden, durch Annahme oder Ablehnung die Derantwortung für das weitere Schicksal der Ab- r ü st u n g s k o n f e r e n z auf sich zu nehmen, während nach der bisherigen Lage die andern Großmächte durch die deutsche Eleichberrchiigungs- forderung zu einer eindeutigen Stellungnahme gezwungen waren. Das taktische Ziel auf der Gegenseite geht jetzt daher eindeutig in der Richtung, einer Stellungnahme zu der deutschen Gleichberechtigungsforderung aus dem Wege
zu gehen und die deutsche Regierung jetzt zu einer Erklärung über einen Plan zu zwingen, der für Deutschland von vorherein unannehmbar ist. Ter amerikanische Plan würde in seiner Folge bedeuten, dgst die übrigen Mächte keinerlei Abrüstungsmahnahmen unterworfen werden, während für Deutschland die Entwaff- nungsbestimmungen des Bersailler Dertrages wenrgstens für drei Iahre Weiterbe st ehen bleiben.
In Genf herrschte am Montagabend eine pessimistische Stimmung. Sogar aus der näheren Umgebung Macdonalds verlautet, dah die Möglich
keiten einer Einigung bis zum Dienstagabend u n - günstig beurteilt werden müssen. Auf deutscher Seite wird selbstverständlich der amerikanischfranzösische Plan als vollständig untragbar beurteilt, da er sogar einen wesentlichen Rückschritt gegenüber der Lage bei dem Austritt Deutschlands aus der Abrüstungskonferenz Ende Iuli bedeuten und die Entscheidung über die deutsche Gleichberechtigungsforderung a u f- d r e i Iahre hinaus ge sch oben würde. Lieber einen derartigen Vorschlag sind nach Deutschlands Auffassung selbstverständlich Verhandlungen vollständig ausgeschlossen.
Sollte Deutschland öbenascht werden?
Neurath in Genf.
Eine erste Besprechung mit Macdonald.
Genf, 5. Dez. (TU.) Reichsaußenminister von Neurath ist am Montagnachmittag in Begleitung des Leiters der Ostabteilung, Ministerialdirektor Meyer, Geheimrats Katzenberger von der Presseabteilung und dem Referenten für die Abrüstungsfragen im Auswärtigen Amt, Geheimrat F r o w e i n hier eingetroffen. Freiherr von Neurath begab sich um 18 Uhr zu dem englischen Pre- miermin.ster Macdonald, der 'ben Wunsch geäußert hatte, ben deutschen Außenminister nach seiner Ankunft in Gens zu sprechen. Die Besprechung dauerte etwa ■eine Stunde. Es verlautet, daß die Besprechung einen allgemeinen Charakter hatte und daß einzelne Fragen nicht behandelt worden wären. Zusammentreffen mit Herriot bei Macdonald.
Herriot fährt heute abend nach Paris zurück.
Genf, 6. Dez. (WTB.) Reichsauhenminifter Freiherr v. Reurath leistete gestern abend zusammen mit Herriot, A l o i s i und R o r - man Davis sowie den zweiten Delegierten der an der Besprechung teilnehmenden Mächte
einer Einladung Macdonalds zu einem gemeinsamen Abendessen Folge. Rach einer Reutermeldung ist bei dem Essen nichts Entscheidendes geschehen. Macdonald habe den Reichsaußenminister über die Lage unterrichtet und Wert darauf gelegt, ihm deutlich zu machen, dah keine Rede von einer Einheitsfront gegen Deutschland sein könne. Rachdem sich die übrigen Gäste verabschiedet hätten, sei Rorman Davis noch eine halbe Stunde mit Macdonald zusammengeblieben. Herriot beabsichtige, Genf heute abend zu verlassen, er wolle aber, falls es nötig sei, am Samstag wieder zurückkehren.
Don anderer Seite wird mitgeteilt, dah Macdonald zum Schluß des Essens eine ausführliche Darstellung der Lage auf Grund der Berhandlungen der letzten Tage gegeben habe. Hierzu soll der deutsche Außenminister lediglich erklärt haben, dah er diese Mitteilung zur Kenntnis nehme, jedoch keine Stellung nehmen könne, da die Mitteilung eingehender Lieberlegung bedürfe. Die Aussprache wurde dann auf die zu Dienstagvormittag einberufene Fünfmächtebesprechung vertagt. Auf deutscher Seite vertritt man auf Grund der bisherigen Mitteilungen ausdrücklich den Standpunkt, dah der amerikanisch-französische Plan in keinerRichtung a ls annehmbar erscheint.
Auch Paris ist skeptisch.
Keine Aussichten für eine Einigung über den amerikanischen Dertagungsplan.
Paris, 6. Dez. (MTV. Funkspruch.) Die 5on- berberidjterffaller der französischen Presse beurteilen die Erfolgsaussichten des kompromißvorschlages von Rorman Davis äußerst skeptisch. „Petit Parteien“ hätte bas von Macbonalb veranstaltete Abendessen für einen guten Anfang der Peziehungen gehalten, wenn Macdonald sich dabei nicht hätte über das Ziel fortreißen lassen. Macdonald habe sich nämlich während des Essens erhoben und in einer kurzen M'.llkommensansprache den Reichs- auhenminister über die Besprechungen der lehten Tage und namentlich über den Vorschlag von Rorman Davis unterrichtet und Herrn von Reurath gebeten, den Vorschlag ebenfalls ernstlich in Erwägung zu ziehen. Dieser ganz unvorherge
sehene vor st oh habe anscheinend den deutschen Delegierten st a r k überrascht, der sich in seiner Aniwort auf die Erklärung beschränkt habe, daß der Vorschlag von ihm in aller Ruhe geprüft werden müsse. Herr von Reurath habe sich gegenüber dem französischen Ministerpräsidenten und dem Kriegsminisler äußerst höflich und liebenswürdig gezeigt, aber keine Ansicht über den amerikanischen Plan geäußert. Die Viererbesprechungen wären keinen Schritt vorwärlsgekom- men, allem Anschein nach siehe auch von Herrn von Reurath eine Ablehnung des amerikanischen Vorschlags bevor, wenn nicht gewaltige Aenderun- gen vorgenommen würden.
„E ch o de Paris“ will wissen, dah England,
mit Kinderspielzeug, enthaltend Küchengeräte, als ba sind: Messer, Teller, Gabeln, Löffel, einen Pup- pentisch, baneben Eimer und Schaufel, für zwanzig Pfennig. Keine Industrie der Welt kann Schritt hatten mit der Billigkeit der japanischen Erzeugnisse der Gummi- und Zelluloid-Industrie. Bälle, Kissen, Spielzeug aus diesem Material schauen sehr hübsch aus und kosten — man kann es nicht anders benennen — einen Pappenstiel!
Was soll man ben genannten Zahlen noch hin» zufügen? Deutlicher, als alle Warnungen dickleibiger Lehrbücher es vermögen, zeigen sie Art und Umfang und Bedrohlichkeit der wirklichen heutigen gelben Gefahr auf. China sucht sich gegen die Heberfrembung seines Marktes mit japanischen Erzeugnissen zu retten durch einen rigorosen Boykott, bie anderen Länder operieren mit Schutzzöllen — und doch: Japans Wirtschaftsleben floriert, es wird intensiv gearbeitet, Rot und Elend sieht man kaum unter ben Massen. Wohl gibt es Arbeitslose auch dort, wenn auch zu wesentlich geringerem Prozentsatz als in ben „weißen", von ber Weltkrise betroffenen Ländern; aber diese Arbeitslosen werden auf Staatskosten untergebracht und auf Staatskosten gepflegt — was an Barmitteln verzehrt schon ein einzelner in diesem Land, wo die ganze Lebenshaltung — wir haben es mit Zahlen zu belegen versucht! — von fast märchenhafter Billigkeit ist?
Gelbe Gefahr: das ist Iapan, ist seine Möglichkeit zum Dumping auf allen Gebieten der Erzeugung und des Handels — und ist darüber hinaus seine Expansionskraft, das geradezu phantastisch schnelle Anwachsen seiner Bevölkerung, die an Zahl, wie man berechnet hat. bereits gegen Ende dieses Jahrhunderts die der Bereinigten Staaten mindestens erreicht haben wird.
Großer Erfolg Fapans in der Mandschurei.
Der chinesische General Lupingwen auf ruffifchesGebietübcrget.etenund interniert
T s i l s i k a r , 5. De;. (WTB.) Reuter, hierher gelangte Rachrichten besagen, daß die chinesische Maudschureiarmee iu voller Auflösung begriffen sei und der Vormarsch der Japaner rasch fortschreite. Der chinesische Kommandant Supingroen verweigert auch jetzt noch hartnäckig alle Verhandlungen über eine Freilassung der 250 Japaner, die er als Geiseln zurückbehalten hat. Die Japaner sollen h a i l a r bereits mit Bomben belegt haben. Große Teile der chinesisch-mandschurischen Armee sollen unter Benutzung der Ostchinesischen Bahn a u f sowjelistisches Gebiet übergetreten sein. — Rach einer Meldung der Telegraphen-Agen- tur der Sowjet-Union flüchteten in der Rächt zum 5 Dezember annähernd 1 000 chinesische Soldaten von der Station Mandschuria aus in einem Eisenbahnzug auf sowjetrussisches Gebiet. Sie wurden dort vom Sowjet-Grenzschutz entwaffnet und interniert. Unter ihnen befand sich General Supingroen mit seinem ganzen Stabe. Der Uebertritt der flüchtenden chinesischen Truppen auf russisches Gebiet erfolgte gewaltsam. Da der sowjetrussische Stationsvorsteher in Mandschuria s j ch weigerte, für die Soldaten einen Fug ab- fahcen zu lassen, stellten sie eigenmächtig einen I aus 43 wagen bestehenden Zug zusammen und
fuhren damit ab. Die Soldaten führten in drei wagen japanische Ansiedler und chinesische Angestellte des Staates Man- d s ch u k u o mit, die auf dem von Supingroen besetzten Gebiet wohnten. Die Japaner und die chinesischen Zivilisten werden auf Wunsch von den So- wjetoehörden nach der Mandschurei oder nach Japan roeiferbeföröert.
Neuer Hungerstreik Gandhis.
London, 5. Dezember. (TU.) Gandhi Hot infolge eines neuen Hungerstreikes sechs Pfund abgenommen und ist fo schwach, daß er auf einer Tragbahre herumgetragen werden muß. Er war in den Hungerstreik getreten, weil sein Freund, Professor Patwardhan, der ebenfalls im Gefängnis fitzt, infolge eines Hungerstreiks imSter - ben liegt. Dieser war, obwohl Brahmane von hoher Kaste, zu der Arbeit des Straßenreinigens herangezogen worden, die sonst nur von den Parias ausgeführt werden darf, dann aber a b g e l ö st worden. Hiergegen protestierte er im Hinblick auf die Ausgleichsbemühungen zwischen den Hindus und den Parias. Als die Behörden ihm die weitere Ausübung schmutziger Arbeiten verweigerten, trat er am 7. November in den Hange r st r e i k. Der Generalinspektor der Gefängnisse hatte jetzt eine Unterredung mit Gandhi, in der er versprach, sein Bestes zu tun, um Professor Pat- wardhan wieder schmutzige Arbeiten verrichten zu lassen, worauf Gandhi sich mit einer Unterbrechung seines Hungerstreiks auf drei Tage einverstanden erklärte.


