Dienstag, 6. September (952
Siebener Anzeiger tSeneral-Anzeiger für Gberheflen)
ür. 209 Zweites Blatt
Aus der Provmziathauptsiadt.
Giehen, den 6. September 1932.
Ein neuerLandestommandant in Hessen.
Lberstleutnant Mleptc an dasGruppenkommando I, Berlin, versetzt
Nach einer Bekanntgabe des Reichswehrministeriums über Personaloeränderunaen in der Reichswehr ist mit dem I. Oktober der Major von Wachter, bisher Infanterieschule, zum Kommandeur des I. Bataillons Inf.-Rgts. 15 in Gießen und zum Landeskommandanten in Hessen ernannt worden. Der derzeitige Bataillonskommandeur Oberstleutnant Klepke wird mit Wirkung von 1. Oktober 1932 an das Gruppenkommando I, Berlin, versetzt.
Oberstleutnant Klepke, der demnächst also unsere Stabt verläßt, kam 1903 als Leutnant zum 4. Mag- deburgischcn Infanterie-Regiment Rr. 67 nach Metz, wurde in diesem Regiment zum Oberleutnant befördert und war gleichzeitig Adjutant. In den Jahren 1912 bis 1914 war er zur Kriegsakademie abkommandiert. In der Zeit von April bis Mai 1914 genoß er seine Ausbildung bei der Fliegertruppe Löberitz und machte in diesem Zusammenhang am ersten Osterfeiertag 1914 auch seine erste Bekanntschaft mit der Stadt Gießen in Form einer Notlandung auf den Lollarer Wiesen. Bei Kriegsbeginn war der damalige Oberleutnant Klepke bei der Fliegertruppe an der Ost- und Westfront, später Abtet- lungs- und Gruppenführer der Flieger an der Der- dun- und Sommefront. Mit Kriegsende wirkte er zunächst im Grenzschutz Ostpreußens gegen Polen als Kommandeur der Flieger bis zur Auslösung der Fliegertruppe am 8. Mai 1920. Er war der legte Kommandeur des Reichswehr-Fliegerhorstes Königsberg. Das Jahr 1920 sah ihn im Stabe der 1. Division, von 1923 ab war er Kompanie - Chef im L (Preußischen) Inf.-Regt. in Königsberg und vom Jahre 1927 bis 1930 Lehrer an der Jnfanterieschule ip Dresden. Mit Wirkung vom 1. Dezember 1930 wurde er zum Kommandeur des I. Bataillons 15. Inf.-Rgts. in Gießen und am 1. April 1932 auch zum Landeskommandanten in Hessen ernannt
Beim Brombeefpflücken.
' Wir hatten uns den Platz im vorigen Jahre genau gemerkt. Er liegt etwas abseits. Zwischen dem S)od)toalb und dem Niederholz zieht sich ein Streifen Tannenwald hin. Dor diesen Tannen hören die Wege ganz auf. Wenn man sich aber mühselig durch die dürren Zweige hindurchgezwängt hat. dann kommt man plötzlich zu einer kleinen Waldwiese. Unb dort am Rande ist eine lange Drombeerhecke, so groß und so hoch, daß wir unwillkürlich dachten, hier könnte ein kleines Märchenschloß verborgen sein.
Don der Höhe am Waldrand hat man eine prächtige Aussicht. Weit, weit sieht man in die Ebene. Dörfer und Städte grüßen auS grünen Obstgärten, dort ist der Turm einer Durgruine sichtbar. Mein Freund nennt diesen Platz nur noch die „eingerahmte Landschaft"; denn die zwei letzten großen, fast allein stehenden Duchen schließen die Aussicht mit ihren Stämmen nach beiden Seiten, und das Laubwerk schneidet fast waagrecht nach oben ab.
An dieser „eingerahmten Landschaft" also ist unser Drombeerplah. Unberührt finden wir ihn auch dieses Jahr. Das hat uns nicht sehr überrascht; denn kein Weg führt dorthin. Linser Herz lachte, als wir dort die dunklen, dicken, festen (Beeren glänzen sahen. Es ist doch etwas Köstliches um eine solche reife Brombeere. Richt weich und fade wie die Himbeeren, sondern kernig und fest, ohne jcben „Wurm", so wie wir die Früchte lieben. 3m Geschmack sind sie etwas herbe — extra bitter, meinte unser kleines Mädchen, das mithalf beim Pflücken; denn es denkt ja nur noch in Ausdrücken, die es auf Schokoladetafeln liest —, dafür aber mundet der Saft, mit Zucker gesüßt, herrlich.
Wir nahmen uns die Zeit beim Pflücken. Wir standen ost still und lauschten an diesem wunder- vollen Septembernachmittag auf die paar Vogel- stimmen, die noch aus dem Walde zu uns dran-
s gen. Einige Finken und Meisen liehen es sich nicht nehmen, dann und wann ein kurzes Liedchen zu fingen. Amseln und Drosseln schwiegen. Die Zeit der Liebe war vorbei. Die Sonne vergoldete die Kronen der Bäume, in dem Abhang standen Tausende von Weidenröschen. Ihre Samenkapseln hatten sich schon geöffnet, überall schaute die weihe Wolle, an denen die Samen- kömchen hängen, heraus. Auch da unten am Bache, an dem wir so oft waren, hatte das Springkraut. das Rührmichnichtan, mit Blühen aufgehört. Aber so oft wir auch vorübergingen und nur leise mit der Hand über die reifen Schoten strichen, rauschte und raschelte es von den Samen, die mit Zaubergewalt weit hinausgeschleudert wurden. Einsam und still stand noch der Rainfarn mit seinen harten gelben Blüten, auch einige Schafgarben und Wegwarten erzählten von warmen Sonnentagen.
Die Beeren hingen oft so hoch, dah wir unser Kind hochheben muhten, um die letzten und schönsten zu erhaschen. Untere Töpfe waren bald gefüllt Aber Heuer tragen die Brombeeren ja so dankbar, dah wir noch viele fanden. In mitgenommenen Papierbeuteln fanden sie Unterkunft. Die schwarzen Beeren können schon Druck vertragen.
Linser Rachmittagsbrot atzen wir unter den Duchen. Die Sonne war schon am Untergeben, hier und da zogen leichte Rebel in den Tälern dahin, da erschien, ganz leise und vorsichtig aus dem Walde hervorkommend, ein Rehbock. Ein ganz junger Kerl noch, wir konnten das Geweih nicht genau sehen. Dann aber — zu unserer großen Freude — kamen im Gänseschritt noch zwei Muttertiere hinter ihm. Eine Zeitlang standen sie still und lauschten in die milde Abendluft. Wir verhielten uns mäuschenstill.
Dann traten sie ganz heraus aus dem Gezweige und fingen an, auf der Wiese Abendmahlzeit zu halten. Wir wagten kaum, uns zu rühren.
Aber alles hat ein Ende. Schließlich konnten wir doch nicht die ganze Rächt dort sitzen bleiben. Langsam standen wir auf, um unsere Töpfe zu holen. Lind im Ru waren die Rehe verschwunden. Wir freuten uns noch, an den leichten federnden Sprüngen, mit denen sie die kleinen Büsche übersprangen, dann raschelte es noch ein wenig im Laub. Ruhe! Abendruhe im herbstlichen Walde!
Beglückt durch dieses kleine Erlebnis, beschenkt mit den feinsten Beeren des Waldes zogen wir heimwärts.
Lind wenn uns nun die Mutter aus diesen selbst- gepflückten Brombeeren den köstlichen Saft und den gewürzigsten Gelee bereitet, dann werden wir im Winter gar oft an die kleine schöne Stelle im Wald, an die „eingerahmte Landschaft" denken müssen. Die Brombeeren werden uns Helsen, auch bei Schnee und Eis, an trüben Regentagen den herrlichen deutschen Wald nicht zu vergessen. F—t.
Neuregelung der Löhne in den staatlichen Betrieben.
In einer Bekanntmachung des Innenministeriums über die Neuregelung der Arbeiterlöhne und der Löhne der Putzfrauen in den staatlichen Betrieben heißt es u. a.: In Durchführung ^er Zweiten Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung der Wirtschaft und Finanzen und unter Beachtung der Erklärung des Herrn Reichsministers der Finanzen und des Herrn Reichsarbeitsministers vom 29. April 1932 sind die Löhne, abgeschlossen zwischen dem Rhein-Mainischen Bezirksarbeitgeberoerband für die Gemeinden und Kommunalverbände und den in Frage kommenden Arbeitnehmer-Organisationen, gesenkt worden. Die Stundenlöhne der in staatlichen Betrieben beschäftigten, über 24 Jahre alten Putzfrauen werden mit Wirkung oom 1. September 1932 wie folgt festgesetzt: In Offenbach 52 Pfg., in Darmstadt, Mainz und Worms 49 Pfg., Alzey, Gießen und Bensheim 44 Pfg., in Groß-Gerau 43 Pfg., in Heppenheim 42 Pfg., in Butzbach, Friedberg und den übrigen Orten 41 Pfg.
Daten für Dienstag, 6. September.
1729: Der Philosoph Moses Mendelssohn in Dessau geboren; — 1757: der französische Staats
Tagebuchblätter.
Don Werner Bock.
Die Schatten.
Nach der Abenmahlzeit gingen wir auf der Promenade hin und her. Don den Bergen, deren Umrisse undeutlich in der sternlosen Nacht erkennbar waren, wehte kühle Gletscherluft über die Rasenflächen, auf denen die ersten Frühlingsblumen blühten. Wir schritten langsam die von elektrischen Lampen erhellten Wege entlang. So oft wir den Leuchtkreis einer Lampe verließen, schwollen unsere beiden Schatten allmählich ins Riesengroße, seltsam wandelten unsere gigantischen Abbilder uns voran, aufmerksam verfolgten wir ihr unheimliches Wachstum. Aber je weiter wir uns aus dem Lichtkegel entfernten, desto blasser wurden die zuerst so tief’ dunklen Figuren, bis sie kurz vor dem Eintritt in einen neuen Lichtbezirk gänzlich verschwunden waren. Jedoch ein Blick nach rückwärts zeigte unsere schwarzen Doppelbilder in verkürzter Gestalt wieder auferstanden. Auf einmal fröstelte mich, als ich, gleichsam wie mit den Augen eines Dritten, erkannte, wie unsere Gestalten, je höher sie gemeinsam emporstrebten, um so eher verdämmerten, und wie schließlich nichts blieb als die Rückschau auf zwei kleine, dunkle MenfchenbUder.
Fischfang.
Am Flußufer, wo'viele Müßiggänger und Ausflügler der Fahrt der Dampfer und Schleppkähne zusehen, angelt ein dicker Mann. Plötzlich zuckt die Rute in feiner Hand, über bas feiste Gesicht geht ein zufriedenes Lachen, er hebt den Angelstock empor, und am Ende der Schnur erscheint ein schwerer Barsch über dem Wasser. Verzweifelt schlägt der Fisch mit dem Schwanz die Lust, es nützt ihm nichts, er wird aufs Pflaster gelegt, die Augen der Menge folgen feinen Zuckungen. „Ein Prachtkerl", sagt der Angler, zieht ein Netz, in dem schon zwei Leidensgenossen zappeln, aus der Flut, entfernt den Haken aus dem blutenden Maul und stopft den Neu- gefangenen hinzu. „Schadeum den Kerl", meint ein halbwüchsiger blonder Mensch, der, auf fein Fährrad gelehnt, mit stillen Augen alles betrachtet hat. Das Netz wird zu kurzer Gnadenfrist wieder
in den Fluß gefenft. Der junge Mann besteigt fein Rad, und dabei bemerke ich, daß er einen Kranz mit dunkelroten Rosen im Arm trägt, den er beim Weiterfahren sorgsam in die Höhe hält.
Die beiden Türme.
Durch den abendlichen Park schritt ich wie im Traum. Auf einmal standen die beiden Türme der alten Kirche zwischen den Ahornbäumen, grünliches Licht floß um die Spitzen, manchmal schien sich für einen Augenblick eine grauglühende Wolke an ihnen festzuhalten, um bald desto rascher davonzusegeln. Wie die Türme, zusammengewachsen in demselben Bau, die Sterne erwarteten, jeder in sich versunken, wußte ich es wieder: daß zwei Menschen nie zu Einem werden können, daß nur eine seltene Frist die Erfüllung der Gemeinschaft zu schenken vermag. Und daß dann immer aufs neue die Ureinsamkeit über uns hereinbricht. Aber da sind Blicke, die wie scheue Vögel aufflogen und im Nu verschwanden, Worte, die ungewollt von den Lippen sich lösten wie ein plötzliches Flüstern im Wald: einst ist dies alles durch uns geweht und schien so schnell gegangen wie gekommen, nun ist es mit einem Male unverlierbarer Bestand unseres Seins, eingewurzelt in unser Wesen. Vielleicht ist bas unter Menschen bie tiefste Binbung: bas Wissen bes einen vom anbern um das Nirgenbhingehören. Vielleicht ist ber letzte Aufschwung ber Liebe nur ba möglich, wo zwei ganz Einsame sich für den Hauch einer Sekunde zusam- menfinben. .
Nun ist es Nacht geworben, bie beiben -lurme sehen sich brüberlid) an über bem gemeinsamen Orunb, unenblid) buntelt zwischen ihnen ber Raum.
Anekdoten wie noch nie.
Bon Peter Peppermint.
Wenn man nicht musikalisch ist, kann einem leicht ein Malheurchen passieren. Wie etwa bem Grafen B ber nach einem großen Konzert bes bekannten Klingler-Quartetts zu besten Ehren einen Empfang auf feinem Landgut abhielt. In feiner Ansprache hob er ben künstlerischen Erfolg hervor unb schloß: „Möge Ihnen, meine Herren, auch em recht schöner materieller Erfolg Ihrer Konzertreise beschieben fein, damit Sie recht bald in der Lage
mann Marie Joseph de Lafayette m Ehaoagnac geboren; — 1813: Sieg der Preußen über die Franzosen, Sachsen und Württemberger bei Den- newitz.
Taten für Mittwoch, 7. September.
1533: Königin Elisabeth von England geboren; — 1654: der schwedische Stadtsmann Graf Axel Oxenstjerna in Stockholm gestorben.
Gicbcncr 2Locucnmurttprcise.
• Gießen, 6. Sept. Gs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Sührahmbutter 15) bis 140, Kochbutter 100, Landbutter 130, Watte 25 bis 30, Wirsing 8 bis 10, Weibkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 8, grüne und gelbe Dohnen 20 bis 25, Llnterkohlrabi 5 bis 6, Tomaten 10 bis 12, Zwiebeln 8 bis 10, Kürbis 5 bis 6, Pilze 20 bis 25, Kartoffeln 3,5,
Frühäpfel 15 bis 30, Falläpfel 5 bis 6, Dirnen 15 bis 25. Dörrobst 30 bis 35. ZWetschen 15 bis 20, Mirabellen 25 bis 30, Reine- klauben 20. Pfirsiche 30 bis 45. Brombeeren 20 bis 25, Preitzelbeeren 30 bis 35, Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90. Suppenhühner 60 bis 80; das Stück: Tauben 50 bis 70. Käse 5 bis 10, Eier 9, Blumenkohl 30 biS 60. Salat 8 bis 10. Salatgurken 10 bis 20. Einmachgurken 2 bis 3. Endivien 10 bis 15. Oberkohlrabi 5 bis 8. Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 12. Sellerie 10 bis 25; das Bund: Radieschen 8 bis 10 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3 Mark.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Konsumverein Giehen und Umgegend 20 Uhr, Palast- lichtspiele, Filmvorführung „Von Mühlen und Menschen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Fledermaus".
Forderungen des hessischen Handwerks.
Während der Tagung des Derbandes hessischer Handwerker und Gewerbetreibender, die am Sonntag in Ingelheim stattfand. — wir berichteten bereits gestern darüber — wurde im Rahmen der Hauptversammlung des Verbandes eine Entschließung genehmigt, in der die Forderungen des hessischen Handwerks zusammenge- saht waren. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut:
„Ein einziger Schrei der Rot geht durch die Reihen des deutschen Handwerkes und Gewerbes. Dem Berufsstand, den man so oft als die stärkste und zuverlässigste Stühe des Staates anerkannte, hat die verkehrte Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik des letzten Jahrzehnts den notwendigen Lebensraum entzogen. Den berechtigten Wünschen hat man die Erfüllung versagt und damit den ganzen Stand an den Rand der Verzweiflung und des wirtschaftlichen Ruins gebracht. Wit tiefer Erschütterung gedenken die hier Versammelten der zahlreichen wirttchastlichen Opfer, die der Verzweiflungskampf um die Existenz bereits gefordert hat. In Liebereinstimmung mit dem gesamten deutschen Handwerk und Gewerbe fordert das am 4. September 1932 in Ingelheim zusammengetretene hessische Handwerk und Gewerbe in schicksalsschwerer Stunde mit allem Rachdruck und aller Entschiedenheit eine völlige Aenderung des wirtschaftlichen Kurses.
Cs verlangt wiederholt und kategorisch von den Parlamenten und Regierungen des Reiches und des Landes die ungesäumte Einleitung und Durchführung wirkungsvoller Maßnahmen im Sinne des Artikels 164 der Reichsverfassung für den Schutz, die Erhaltung und Freiheit der mittel- ständigen Wirtschaft. Es fordert Schuh gegen fortschreitende planmäßige Aufsaugung, Abkehr von allen marxistischen Sozialisierungsbestrebun, gen, Gerechtigkeit für sich und feinen Berufsstand, für den es eine Behandlung nach zweierlei Maß ablehnt. Cs verlangt den Schutz des Eigentums der verantwortlichen Einzelexistenz, Anerkennung des gesamten handwerklichen, gewerblichen Berufsstandes als solchen und um der Gerechtigkeit willen auch das Recht auf Einräumung einer ministeriellen Vertretung im Reichskabinett ähnlich wie bei anderen Ständegruppen, sowie Schaffung einer berufsständigen Kammer.
Im besonderen wird gefordert:
Auf dem Gebiete der Wirtschafts- und Sozialpolitik durchgreifende Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung. Einschaltung des selbstverantwortlich und sachkundig schaffenden Handwerksmeisters als ebenbürtigen Mitträger des neuen Wirtschaftsgedankens, ebenso seine Mitwirkung bei der Durchführung des Arbeitsdienstes; Einschrän- hing der Gewerbefreiheit nach den Vorschlägen des Reichsverbandes des deutschen Handwerks; gesetzliches Verbot jeglicher Schwarzarbeit; De» feitigung der maschinellen Gefängnisarbeit; Verbot zur Ausübung eines gewerblichen Nebenberufes für Beamte. Angestellte. Wartegeld- und Ruhegehaltsempfänger; Beseitigung der Regiebetriebe; schleunige Aufhebung der handwerkswirtschaftlich herabwürdigenden behördlichen Preisüberwachung; Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Warenhäuser, der Einheits-
sind, Ihr kleines Orchesterchen entsprechend zu vergrößern!"
Als der große Feinschmecker B r illa t-Savarin wieder einmal an einem großen Essen teil» nahm, erregte ein vorzüglicher Pudding seine besondere Aufmerksamkeit. Um ihn herum schwirrten Reden, Gespräche und Tellergeklapper. Und das störte den Genießer. „Zum Donnerwetter", rief er schließlich. „Können Sie nicht alle etwas ruhiger sein? Man versteht ja gar nicht, was man ißt!"
Mac Ture ist ein bekannter Jongleur. Einmal suchte er sich einen Partner. Aber das war nicht das Richtige, denn der Mann versagte. Als ihm ein Da- rietsdirektor fragte, wie er mit seinem neuen Partner zusammenarbeite, sagte er diesem: „Ganz ausgezeichnet, besonders — ich!"
In manchen Ländern gibt es noch Orden. So in Schweden. Es ist noch gar nicht so lange her, daß in einem kleinen schwedischen Nest irgendein Regierungsgebäude eingeweiht wurde, zu welchem edlen Zweck auch ein Minister abgeordnet war. Außer der üblichen Rede lag ihm auch die Ueber- reichung eines Ordens an den Architekten ob. Der Minister waltete seines Amtes und zog ein Etui aus der Tasche, das er dem Architekten gab. Der machte es auf, aber er zog plötzlich ein merkwürdiges Gesicht. Dem Minister entging das, er raste zum Zug und reiste ab. Auf der Fahrt wollte er sich eine Banane aus seinem Koffer nehmen — siehe, da lag ein Etui! Er öffnete es, und das Ritterkreuz des Wasa-Ordens glänzte ihn an. Jetzt erst fiel ihm das Gesicht des Architekten ein! Kunststück! Dem hatte er ja seinen Rasierapparat überreicht!
„Ich bin der Komponist der .Königin von Saba'", antwortete Karl Go Id mark auf die Frage einer jungen Dame, wer er eigentlich sei. Worauf die Dame ihre Ansicht folgendermaßen äußerte: „Da kriegen Sie wohl ein ganz anständiges Gehalt?"
Das mußte ausgerechnet Herrn K. in Greifswald — er lebt noch — passieren, daß er in einer Gesellschaft seine Frau entschuldigen mußte, weil sie krank war. Er ging also allein. Man ging zu Tisch. Wäh-
prcisgcschäftc und Großhandelsfilialcn, der Konsumvereine, der Wanderlager- und desWaren- handels im Llmherziehen auf sogenannten Autoläden, insbesondere auch durch eine stärkere steuerliche Erfassung. Senkung der öffentlichen Gebühren aller Art; grundlegender .Umbau der sozialen Dersicherungsgesehgcbung, Angleichung der Beiträge an die verminderte Leistungsfähigkeit der Beitragsverpflichteten, Befreiung der Arbeitgeber von der Haftung für den Eingang der Beiträge; gesetzlichen Schuh gegen den Bau- schwindel; sinnvoller Umbau des öffentlichen Vergebungswesens unter Zugrundelegung einer wirtschaftgesunden Preisbildung; Schuh vor Existenzvernichtung durch Zwangsvollstreckungen in Fällen unverschuldeter Notlage.
Ferner wird gefordert auf dem Gebiete des Steuerwesens allgemeine Lastensenkung in Reich, Staat und Gemeinden, Anpassung der Steuern an die augenblicklichen Cinlommensverhältnisse, Niederschlagung in allen Fällen, wenn kein Ertrag mehr vorhanden ist und die Eintreibung zur fortschreitenden Substanzvernichtung führt; grundsätzliche Anerkennung der handwerklichen Buchführung; weitgehende Steuervereinfachung; Aufhebung der Steuer-Verzugszuschläge; Herabsetzung der Llrnsahsteuer auf den früheren Satz von 0.85 v. H.; Llmwandlung der Kraftfahrzeugsteuer in eine Treibstoffsteuer; Aushebung oder Milde- tung der Gewerbesteuer für den handwerklichen und gewerblichen Kleinbetrieb; vollständige Beseitigung der Sondergebäudesteuer, bis zur endgültigen Aushebung Freistellung der kleineren gewerblichen Räume und Anrechnung nachge- wicsener Ausgaben für Jnstanbsehungsarbeiten auf die zu zahlende Steuer. Am Schicksalstrom der Deutschen zusammengetreten, erwartet das hessische Handwerk und Gewerbe, daß sein Notschrei auch von allen gehört wird, die es angeht, dah seine Forderungen endlich verwirklicht werden und dah auf diese Weise dem in der Verfassung vorgesehenen Schuh des gewerblichen Mittelstandes ein wirklicher Inhalt gegeben wird."
Kreisknegerverband Biedenkopf gegen die Kreisauflösung.
• Wallau. 5.Sept. In der Herbstabge- ordnetensitzung, die der Kreiskriegerverband Biedenkopf am gestrigen Sonntag abhielt, befähle man sich eingehend mit der Auslösung des Kreises Biedenkopf. Gleichzeitig wollte man sich über das Fortbestehen des Kreiskriegerverbandes in seiner bisherigen Form schlüssig werden. Die Abgeordneten der dem Kreiskriegerverband angeschlossenen Vereine waren einmütig der Meinung, den Kreisverband ohne irgendwelche Berücksichtigung der Reuein- teilung des politischen Kreises aufrecht zu erhalten. In der Versammlung wurde sodann diese in ber Aussprache zutage getretene Meinung zum Beschluß erhoben. Im weiteren Verlauf der Tagung wurde auch noch zur Auflösung des Kreises Biedenkopf Stellung genommen und gegen die Maßnahme der Regierung Protest erhoben. In einer Entschließung wurde die Aufhebung der dementsprechenden Verordnung des Ministeriums gefordert.
renb der Suppe bekam der gute K. seinen Zerstreut- heitsanfall. Er stand auf und sprach: „Meine Damen und Herren, wenn die Suppe heute nicht so gut ist, bitt ich das mit der Unpäßlichkeit meiner Frau zu entschuldigen!"
Dem berühmten Münchner Bariton Kinder- mann pflegte alljährlich der Theaterportier Kolb am 1. Januar ein gutes neues Jahr zu wünschen, wenn er das Theaterportal passierte. Und jedesmal sagte Kindermann: „Was habe ich Ihnen voriges Jahr gegeben?" Die Antwort lautete stets: „Nichts, Herr Kammersänger!" „Schön", pflegte dann Kinder- mann zu antworten, „lassen wir es beim Alten!"
Unter den Verehrern Bismarcks befand sich einer aus Dessau, der ihm einmal begeistert zurief: „0, könnte ich doch in der gleichen Stadt leben wie Sie, Exzellenz!" „Die Aussicht, nach Dessau versetzt zu werden, ist für mich leider sehr gering!" antwortete der Reichskanzler.
30 Stunden auf einer Gletscherklippe.
Mailänder Blätter berichten von dem gefahrvollen Alpen-Abenteuer einer Engländerin Titina Steel, die nach 30 furchtbaren, auf einem Gletscher-Vorsprung in den Dolomiten verbrachten Stunden durch die heldenhafte Aufopferung italienischer Führer gerettet wurde. Sie versuchte, mit zwei Führern, den höchsten Gipfel der Dolomiten, die Marmolata, nordwestlich von Belluno, auf bem kürzesten Wege zu ersteigen. Sie erreichten nach 12 Stunden die Basis einer steilen Eismauer dicht unter dem Gipfel Hier fanden sie die Unmöglichkeit, entweder vorwärts oder rückwärts steigen zu können, und mußten schließlich die Nacht auf einer schmalen Gletscherklippe verbringen. Am folgenden Morgen entdeckte sie ein anderer Führer, der auf einem weniger schwierigen Wege den Gipse! erreicht hatte, und dieser unternahm die Rettung mit zwei anderen Führern. Nach zwei mißglückten Versuchen gelang es, durch Zusammenknotung aller Seile einen der Führer unter Lebensgefahr 200 Meter auf die Klippe herab,pilassen, und dieser rettete die Engländerin mit ihren Begleitern, die über 30 Stunden in großer Gefahr geschwebt hatten.


