Ausgabe 
6.8.1932 Frühausgabe
 
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Ur. 185 Srühausgabe

182. Jahrgang

Samstag, 6. August 1932

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Lietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick und Verlag: vrühl'sche Univer^lütr-Vuch- und Stcinöruderei K Lange in Siehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchusstraße 7.

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

Italienische Flottenmanöver.

VerbindungzwischcnMutterlandundAsrika ioU gesichert werden.

Rom, 5. 21 ug. (TU.) 21m Freitag haben die, großen italienischen Flottenmanöver begonnen, an denen rund 100 Schiffe und Fahrzeuge der Kriegs­marine und 23 (Staffeln von Marineflugzeugen teilnehmen. Die Hebungen verfolgen den Zweck, die besten Möglichkeiten für das Ge­leit von Truppen und Lebensmittel­transporten zu erproben. Ferner sollen das Zusammenwirken zwischen derFlotte und den Marinefliegern, der Äachrich- tendienst und die Küstenverteidigung geübt wer­den. Bei den Hauptmanövern stützt sich die Par­tei A, die zur Hauptsache aus dem ersten Geschwa­der besteht, auf die italienische Küste vom Sporn bis zum Absatz des Stiefels und auf die west­liche Hälfte von Sizilien. Partei B, zu der das 2. Geschwader gehört, operiert von den Küsten Tripolitaniens und der Cyrenoika sowie vom Golf von Taranto aus. B hat die Aufgabe, Trans - portevonderasrikanischenKüftenach dem Golf von Taranto zu geleiten, A soll diese Transporte abfangen. Der strategische Grundgedanke hierbei ist, in einem Kriege d i c Verbindung zwischen dem Mutter­land und der afrikanischen Kolonie sicherzustellen und ferner die Verpflegung Italiens auf dem Seewege zu ermög­lichen. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß diesem Gedanken ein anderer sehr ähnlich ist, die Vernichtung feindlicher Truppen­transporte aus Afrika, die z. B. bei einem Kriege Frankreichs mit einer anderen Macht von allergrößter Bedeutung sind.

Der Streit um den Gran Ehaco.

Eilt Amazoncnbataitton von Paraguay zieht ins Feld.

London, 5. Aug. (211.) Aach einer Meldung des »Daily Herold" aus Buenos Aires, haben die Frauen der Stadt San Jose in Paraguay das erste Amazonen-Batail- l o n gebildet. Die Amazonen bewaffnen sich mit langen Buschmessern. Die Werbung für die Aus­stellung der 2linazonen.DataiIlone geht vom Bund der Mädchen" aus. Sie haben geschwo­ren, keinen Puder, keine Schminke und keine sonstigen kosmetischen Mittel mehr zu gebrauchen, ehe der Gran Chaco nicht wieder in den Händen Paraguays ist.

Das Eingreifen Englands, Frankreichs, Deutsch­lands, Italiens und der Vereinigten Staaten hat in der Hauptstadt Boliviens starke Empö­rung hervorgerufen. Die bolivianische Presse erklärt, daß die Annahme des Schiedsgerichts- Vorschlags einer Aufgabe der Hoheits- rechte gleichkäme. Cs sind Maßnahmen zur Regelung der Ernährung für die Bevölkerung getroffen worden. In Argentinien hofft man, daß der Krieg noch vermieden werden könne.

Oie Beisetzung Or. Geipets.

Wien. 5. Aug (TH.) Freitagvormittag sand die feierliche Beisetzung des ehemaligen Bundes­kanzlers Dr. Seipel unter Teilnahme des Bundespräsidenten, der österreichischen Regierung, des päpstlichen 2kuntius, hoher geistlicher Ver­treter Deutschlands und des Auslandes sowie einer ungeheuren Menschenmenge statt. Die erste Einsegnung der Leiche Seipels im ehemaligen Militärkasino, in dem das Sekretariat der Christ­lich-Sozialen Partei untergebracht ist, nahm in Gegenwart der Regierungsmitglieder, des baye­rischen Ministerpräsidenten Held, des deutschen Gesandten Dr. Rieth, Reichskanzlers a. D. Dr. Wirth für die Deutsche Zentrumspartei, des ungarischen Wohlfohrtsministers und Mit­glieder des Diplomatischen Korps Weihbischof Dr. K a m p r a t h vor. Der Sarg wurde dann i n den Stephansdom übergeführt, wo der Apostolische Auntius Dr. S i b i l i a ein Requiem las. Danach wurde der Sarg durch die Straßen der inneren Stadt, die schwarz beflaggt sind, im Trauerzug zum Parlament gebracht.

Den Leichenzug eröffneten zwei Regimenter Infanterie, es folgten dann die Christlich-So- guuen Frauen- und Männervereine. Heimwehr-, Frontkämpfer- und Frcihe töbund-Formationen in it)rcn Uniformen, verschiedene Iugendgruppen und sonstige Vereine und Organisationen, alle mit Sahnen und Standarten. Hinter dem Sarg schrltten der Bundespräsident und die Regierungsmitglieder.

Vor dem Parlament feierte zuerst Bundes- Präsident Miklas Seipel als großen Oester- Staatsmann von europäischem For­mat. Auch jene, die ihn aus Heberzeugung oder aus Leidenschaft bekämpft hätten, senkten heute in eMer Ritterlichkeit den Degen vor dem großen Toten, der persönlich im Leben niemals ihr Feind, aber doch oftmals ihr schärfster Gegner gewesen sei. Bundeskanzler Dr. Dollfuß wies besonders darauf hin. daß Seipel das niemals wieder erreichbare Ideal eines österreichischen Bundeskanzlers darstelle. 2lls Obmann des Christ- ^Myialen Klubs dankte Bundeskanzler a. D. Dr. Bu resch Seipel für die Führung der Par­tei. Darauf setzte sich der Leichenzug z u m Zen­tralfriedhof in Bewegung. Hnterwegs er- toiefen spalierbildende Truppen, Polizei und Zi- vilverbände die letzte Ehrenbezeugung.

Km die Hilfspolizei der Länder.

Besprechung im Reichsinnenministerium.Vorübergehende Maßnahmen werden in Kürze wieder aufgehoben.

Berlin, 5. Aug. (TU.) Amtlich wird mitge- teilt: Beim Reichsmini st erdesJnnern fand heule eine Besprechung mit den Ministerpräsidenten von Oldenburg, Mecklenburg-Schwerin und dem Innenminister von Braunschweig über die in der Presse erörterte A u s st e l l u n g von Hilfspolizei statt. Die Besprechung ergab, daß es sich in den Ländern im wesentlichen um U e b er­leg u n g e n handelt, wie die Ruhe und Sicherheit im Bedarfsfälle aufrechterhalten werden könne. So­weit schon Schritte zur Verstärkung der Polizei getan sind, handelt es sich um vorübergehende Maßnahmen, die in kürze wieder auf­gehoben werden.

Zu der Besprechung verlautet ergänzend, daß der Reichsinnenminister die Pläne der Reichsregierung zur Bekämpfung des Terrors dargelegt hat. Man geht nicht fehl in der Annahme, daß nach Ansicht der Reichsregierung die bisher beschlossenen bzw. in Vorbereitung befindlichen Maßnahmen aus­reichen werden; grundsätzlich sind Heberle­gungen der Länder, wie die Ruhe und Sicherheit im Bedarfsfalls aufrechterhalten werden kann, selbstverständlich berechtigt. Gleichwohl dürfen die Länderministerien in Mecklenburg-Schwerin und in Braunschweig in ihren Heberlegungen die bisher getroffenen und die neuen für dem Not­fall geplanten Maßnahmen der Reichsregierung berücksichtigen, so daß die Aufstellung von Hilfs­polizei in diesen Ländern zunächst wenigstens unterbleiben dürfte. Die Verstärkung der Polizei in Oldenburg wird, wie aus der amt­lichen Mitteilung hervorgeht, in Kürze wieder aufgehoben werden.

Der Reichsinnenministcr steht auf dem Stand­punkt, daß Organisation und Ergänzung der Poli­zei zwar zu den Befugnissen der Länder gehören, daß das Reichsinnenministerium^jedoch dazu be­rechtigt und verpflichtet sei, den Ersah der Landespolizei daraufhin zu überwachen, daß keine ungeeigneten Elemente eine Verminde­rung der polizeilichen Schlagkraft herbeizuführen imstande sind. Aur auf dem Weg über die o r d - nungsmäßige Prüfung des Anwär­ters und der Ausbildung auf den zu - ständigen Polizeischulen darf die Er­gänzung der Landespolizeiformationen erfolgen. Cs hat sich außerdem ergeben, daß eine frühere soldatische Ausbildung nicht das mindeste mit einer Ausbildung für Polizeizwecke gemein hat. Allerdings steht auch der Reichsinnenminister auf dem Standpunkt, daß aus Ersparnisgrün­den in besonders bedrohten Gebie­ten ein örtlich beschränkter und zur Hnter- stützung der Polizei bereitstehender Selb st schütz der ordnungsliebenden Bevölke­rung ausgestellt werden kann. Dadurch soll ver­hindert werden, daß bei örtlichen Hnruhen Lan­despolizei von außerhalb herangezogen werden muß. Der alte Selbstschuhgedanke des Bürger­tums würde also seine Wiederauferstehung feiern.

Oie Polizei in Oldenburg.

Oldenburg. 5. Aug. (CAB.) Das olden- burgische Innenministerium hat eine neue Ver­fügung über das Dien st alter vonPolizei- Offizieren erlassen, durch deren Bestimmungen Oberst Wantke, der Organisator und langjährige Kommandeur der oldenburgischen Polizei, und Major v. Hellen genötigt sind, in den Ruhe­stand zu treten. Ministerpräsident Roevcr hielt gestern einen Appell der Ordnungspolizei und der Gendarmerie ab. bei dem er vor allem seinen Dank an Oberst ' Wantke aussprach. 3m übrigen betonte der Ministerpräsident, die poli­tische Gesinnung des einzelnen sei ihm gleich­gültig. Polizei und Reichswehr hätten nichts mit Parteipolitik zu tun. Die Frage der Aeube- sehung der freiwcrdenden Stellen ist noch nicht entschieden.

Sozialdemokraten und Kommu­nisten fordern Auslösung der SA.

"Berlin, 5. 2Iug. (TH.) Die sozialdemo­kratische Fraktion hat im Preußischen Landtag einen Antrag eingebracht, in dem unter Hinweis auf eine außerordentlich starke Zu­nahme der Gewalttaten und Hebergriffe d i e Auflösung der SA. gefordert wird. Der Reichskommissar solle in einem Landtags» beschluh ersucht werden, seinen Einfluß bei der Reichsregierung dahin geltend zu machen, die nationalsozialistische SA. sofort aufzulösen, die SA.-Heime sofort zu schließen, sowie die stark bedrohte persönliche Freiheit führender Republi­kaner und der Arbeiterbewegung, wie auch die Einrichtungen dieser Organisationen mit allem Aachdruck zu schützen. Die kommunistische Fraktion verlangt gleichfalls in einem Antrag, in dem den Aationalsozialisten Mordüberfälle, Brandstiftungen und Bombenattentate vorgewor­fen werden, die Auflösung der SA. und S S. sowie aller sonstigen militärischen Fvrmafio» nen. Weitere sozialdemokratische und kommu­nistische Anträge verlangen die Aufhebung der A o t v e r d r b n u n g übet d i e Ab­setzung der geschäftsführenden preußischen Regierung und die Einsetzung des Reichs­kommissars. Die Kommunisten haben ferner An­

träge cingebracht. dem Landtagspräsidenten Kerrl das allerschärfste Mißtrauen auszu­sprechen, die Aotverordnung zur Sicherung des inneren Friedens und alle bestehenden Zei­tungsverbote aufzuheben.

Eine furchtbare Statistik.

In sechs Wochen 72 Todesopfer politischer Ausschreitungen.

Berlin, 5. Aug. (CAB.) Der Bevollmäch­tigte des Reichskommissars für Preußen Dr. Bracht hat auf Grund der Berichte der ein­zelnen Regierungspräsidenten eine Statistik der politischen Heberfälle und Ausschreitungen auf-

Berlin, 5. August. (XU.) Die Entscheidung über die Inkraftsetzung der von der Reichs- rcgierung beschlossenen Maßnahmen zur Be­kämpfung des Terrors wird frühe ft ens am Samstag erfolgen. Einmal ist die ent­sprechende Aotverordnung bisher noch nicht fertiggestellt, des weiteren muß noch die Zustimmung des Reichspräsidenten eingeholt werden und schließlich sieht man in Re- gierungskreisen noch die Hoffnung, daß die Ankündigung der beabsichtigten Maßnahmen die radikalen Elemente zur Besinnung bringen wird, so daß die Aotverordnung noch vermie­den werden könne.

Mit dem Auftrage, die politischen Borfälle und Terrorakte in Ostpreußen zu untersuchen, ist der Oberregierungsrat im preußischen Innenmini­sterium Dr. Diels nach Königsberg ent- fandt worden.

Ein zeitgemäßer Erlaß.

Der Königsberger Gcneralstaatsanwalt fordert schwere Ltrafen für unbefugtes Waffentragcn.

Königsberg. 5. Aug. (WTB.) Der General- ftaatsanroalt hat den ostpreußischen Staatsanwälten folgende Anweisung erlassen: Trotz wiederholten Ver­bots des IDaffenfragens, trotz eindringlichster War­nung auch von höchsten Regierungsstellen werden immer wieder junge teufe im Besitz von Schußwaffen, Dolchen und der­gleichen getroffen. Wohin diefe Zustände füh­ren, haben die Ereigniffe der letzten Zeit zur Ge­nüge gezeigt. Jedermann weiß heute, daß das Mit- fichführen von Schußwaffen, Dolchen und dergleichen verboten ist. Der in dieser Zeit dieses B e r - bot übertriff, tuf dies nur in der Absicht, bei sich bietender Gelegenheit vonseiner Waffe Gebrauch zu machen. Der Schuh der Bevölke­rung ist aber Sache der Polizei, nicht des einzelnen Bürgers, vor allem nicht der ra­daulustigen Elemente. Gegen diese rücksichtslos e i n ; u s ch r e i t e n , ist das Gebot der Stunde. Ich ersuche daher die mir unterstellten Staatsanwalt­schaften, diese Gesichtspunkte bei Gericht nachdrück­lich zur Geltung zu bringen und gegen die Täter, je nach Lage der Fälle empfindliche Strafen zu beantragen. Gelinde Geld- ff r a f en können in der jetzigen Zeit nicht als ausreichende Sühneange^ehen werden.

Aeue'Keberfälle und Anschläge in Ostpreußen.

Königsberg, 5. Aug. (TH.) In der Aacht wurde auf die Wohnung des Orts­gruppenleiters der ASDAP. in Freystadt ein Anschlag verübt. Ein großer Stein wurde durch dos Fenster geschleudert. Als der Ortsgruppenleiter zwei Schreckschüsse ab­gab, flüchteten die Täter. In der Aacht zum Freitag hatten sich in der Komnickstrahe in 61- b i n g zahlreiche Kommunisten angesammelt. Als die beiden Aationalsozialisten Kaufmann Schmidt und Kutscher Grün vorüberkamen, wurden sie angegriffen und mit Messern nieder­gestochen. Eie erlitten lebensgefährliche Ver­letzungen am Kopf und Rücken.

In der gleichen Aacht wurde ein Spreng­stoffanschlag auf eine Mitglieder­versammlung der ASDAP. in Ju­ch au (Kreis Lyck) verübt. 3m Saale der Gast­wirtschaft Geydasch fand eine Besprechung der ASDAP. statt, an der 19 Personen teilnahmen. Hm 22.15 Hhr erfolgte eine Detonation, bei der d i e Fensterscheiben des Saales in Trümmer gingen. Personen wurden nicht ver­letzt. Aach dem vorläufigen Befund scheint der Anschlag so ausgeführt zu fein, daß der Spreng­körper an einen zehn Meter von dem Gebäude

gestellt, die die Zeit vom 1.3uni bis 20.3uli und sämtliche preußischen Gebietsteile außer Ber­lin umsasscn. Aach dieser Aufstellung sind in der angegebenen Zeit insgesamt 3 2 2 poli­tische Hcbcrfällc erfolgt, die 7 2 Todes­opfer gefordert haben. 497 Personen wurden dabei schwer verletzt. Auf Grund der polizei­lichen Ermittlungen waren in 203 Fällen davon die Angreifer Kommunisten, in 75 Fällen Natio­nalsozialisten, in 21 Fällen Reichsbanncrlculc. 3n 23 Fällen konnte die Schuldfrage durch die polizeilichen Ermittlungen nicht geklärt werden. Für diese Statistik lagen u. a. auch die Berichte der Regierungspräsidenten vor dem 15. Juli zu­grunde, also vor dem Regimwechsel in Preußen.

entfernten Zaun niedergelegt morgen ist, da der Zaun zertrümmert und ein Betonpfeiler zerrissen worden sind. Heber die Täter ist noch nichts bekannt. Es steht fest, daß sich ein Kraft- wagen nach dem Anschlag aus das nationalso­zialistische Lokal in schneller Fahrt ent­fernte. Die die Hntersuchung führenden Stel­len vermuten, daß von den Insassen des gleichen Kraftwagens auch der Anschlag auf die Reichsbankneben stelle in Lötzen ver­übt worden sei.

3n Iohannisburg wurde gegen das Kaufhaus S ch e imann von bisher unbe­kannten Tätern ein Anschlag verübt. Auf der Hofseite des Kaufhauses war ein 40 Zenti­meter langes und 80 Millimeter starkes mit Sprengstoff gefülltes Gasrohr in ein Fenster gelegt und zur Explosion gebracht worden. Zerstört wurden fast alle Fensterscheiben im Hof. Vorn wurde eine Schaufenster­scheibe eingedrückt. Die Anlage des An­schlages läßt darauf schließen, daß die Täter mit den örtlichen Verhältnissen vertraut sind. Die Polizei hat 500 Mark ausgesetzt für den­jenigen, Der über die Täter Angaben machen kann.

Oberpräsident Siehr in den Ruhestand verseht.

Berlin, 5. Aug. (TH.) Beim Oberpräsiden­ten von Ostpreußen, Dr. Siehr, ist ein Tele­gramm des Reichskommissors für das Land Preußen mit folgendem Wortlaut einge­troffen:Entsprechend Ihrem Antrag hat das Preußische Staatsministerium heute be­schlossen, Sie zum 1. Oktober 1932 in denRuhe- stand z u versehen und bis dahin zu beur­lauben. Gleichzeitig wurde an den Vizepräsiden­ten Steinhaf, f ein Telegramm gerichtet, daß er bis aus weiteres von seinen Geschäften beur­laubt und Wiederverwendung in Aussicht ge­nommen sei. Mit der einstweiligen Stellvertre­tung von Oberpräsident Dr. Siehr ist Oberregie­rungsrat 21 g r i c d [ a beauftragt worden.

Kommunistische Umtriebe in München.

München, 5.August. (TU.) Der Polizeibericht meldet: Die Kommunisten hatten für Donnerstag­abend Demonstrationen im Westen und Osten der Stadt anberaumt. Die geplanten Auf­märsche konnten aber nicht zur Entfaltung kommen, da die Polizei vor den Demonstranten am Platze war. Bei der Räumung der Straße in Westend mußte verschiedentlich vom Gummiknüppel Ge­brauch gemacht werden. Um 22 und 24 Uhr führte die Polizei Säuberungsaktionen in Gie­sing durch, wobei 14 Kommunisten festgenommen wurden, die es offensichtlich auf Zusammenstöße mit Andersgesinnten abgesehen hatten. Dabei wur­den Pi st ölen, Schlagwassen und Dolche beschlagnahmt. Weiterhin wurde in Westend ein heimkehrender Nationalsozialist von etwa zehn Kommunisten tätlich angegrif- f e n. Beim Einschreiten der Polizei wurde von einem der Beteiligten eine Armeepistole weggewvr- fen. 3m übrigen gelang es den verstärkt eingesetzten Polizeistreifen wiederholt, unberechtigt wasfensüh- rende Personen festzunehmen.

Oie Deutsche Studentenschaft an den Reichsinnenminister.

Berlin, 5. Aug. (TH.) Die DeutscheStu- dentenschast, deren Kreisleiter III (Aieder- sachsen), Axel Schaffeld, in der Aacht nach der Reichstagswahl von Kommunisten er­mordet worden ist, fordert in einem Schreiben an den Reichsinnenminister die schärfsten Maß­nahmen zur Beseitigung des kommuni­stischen Terrors und zwar standrechtliche Aburteilung aller kommunistischen Terroristen, tatsächliche Auflösung des Roten Front­kämpferbundes und seiner sämtlichen Ae- benverbände, sowie schärfstes Vorgehen gegen die intellektuellen Hr Heber der Mord­taten.

Noch keine Terror-Notverordnung.

Oie Negierung hofft sie vermeiden zu können.