Ausgabe 
6.8.1932 Erstes Blatt
 
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Feier der Akademie führte in Vertretung des in Genf weilenden Vertreters Polens in Danzig, Dr. Strahburger, Rat Salicki, etwa u. a. folgen­des aus: Das an Polen begangene Unrecht wird wiedergutgemacht werden, nicht nur die Polen in Danzig, sondern auch die vom germani­schen Hab geknechteten Brüder aus O st Preußen werden wieder in denSchoß des polnischen Vaterlandes zurück­kehr e n. Cs kommt der Tag, ja, er ist schon an* Krochen, da die unter dem Germanismus leiden- n polnischen Teile Ostpreußens ihrem Dater-

lande zurückgegeben werden.

Der Danziger Volkstagsabgeordnete Czar­necki hofft, daß der Ruf des Vaterlandes bald erfolgen werde: Lange wird sich Warschau die Frechheiten einer Stadt Danzig nicht mehr bie­tenlassen. Danzig ist heute ein Vorposten Deutsch­lands, das nur Haß und Unfrieden in der ganzen Welt säen will. Die Welt wird nicht früher Ruhe finden, als bis d i e s e r V o r p o st e n Deutsch­landsliquidiert ist, und allem Anschein nach ist Polen dazu ausersehen, die Brennpunkte der Unzufriedenheit Deutschlands auszulöschen. Wenn das Streitobjekt verschwin­det, wird die ganze Welt aufatmen.

Nachdem der polnische Eisenbahnpräsident D o b r z h ck i unter großem Beifall erklärt hatte, daß die polnischen Eisenbahnen gerüstet seien,

musterhaft die Mobilisierung durchzuführen, sprach noch eine Reihe von Studenten. Es kam dabei zum Ausdruck, daß es in Danzig 450 pol­nische Studenten gibt, von denen 70 Prozent militärisch ausgebildet sind. Bei dem nachfolgenden Essen sprach dann noch­mals der Vertreter des Wojewoden: Große Dinge gehen im Westen und Osten vor. Frankreich muß im Interesse der ganzen Welt wirksam auf Deutschlands Weigerung, die Reparationen zu zahlen, reagieren, und dies kann nur geschehen, indem es sich durch Uebernahme deutscher Grenz­teile schadlos hält. Polen wird eine wichtige Rolle dabei spielen, indem es Ostpreußen und Danzig nimmt. Es wird dann eine Teilung Deutschlands geben, wie es eine Teilung Polens gegeben hat. Deutschland wird ganz zerfallen. Der Vertreter des polnischen Oberkommandos Thorn erklärte: Wir sind gerüstet, und vielleicht komme ich eher nach Königsberg inAni- form als zum zweiten Male nachDan- zig in Zivil. Haben wir erst Ostpreußen in unserem Besitz, dann wird keine Macht der Welt mehr polnische Soldaten dort herausbringen. Dan­zig nehmen wir so im Vorbeigehen I An Pil- sudski ging das Telegramm:

Wie lange noch, Marschall, willst du auf die Dummheiten Danzigs schauen? Pflücke Dan­zig!"

Wirtschaft.

Meiallindustneweiierschlechtbeschästigt

Berlin, 5. August. Rach dem Bericht des Reichsbundes der Deutschen Metallwarenindustrie e. CB., Berlin, zeigt der Monat Iuli im allge­meinen einen weiteren Rückgang in der Beschäf­tigung. Rur bei einzelnen Gruppen (z. D. Waa­gen, Einkochapparate) ist eine saisonmäßige Be- lebung festzustellen, die allerdings weit hinter derjenigen des Vorjahres zurückbleibt. Die Wo­chenarbeitszeit hat sich kaum geändert, sie be­trägt also durchschnittlich 24 bis 32 Stunden. Die Auftragseingänge sind, wie im Vormonat, beäng­stigend gering. In vielen Betrieben bedeuten sie nur eine Beschäftigung für Tage. Die Ausland­aufträge gehen infolge der vielen Exportschwie­rigkeiten (Kontingentierung, Devisenbewirtschaf­tung, Einfuhrverbote usw.) weiterhin zurück. Bei den Zahlungseingängen ergibt sich das gleiche trostlose Bild. Daß die Preise nach wie vor äußerst gedrückt sind, bedarf kaum einer beson­deren Erwähnung. Die Gesamtlage muß weiter als sehr ernst bezeichnet Werdern

*DieLokomotioaufträgederReichs- bahn für 193 3. Auf Grund des zwischen der Deutschen Reichsbahn und der deutschen Lokomotio- industrie bestehenden Lokomotivlieferungsoertrages ist für das Jahr 1933 die Beschaffung von 122 Dampflokomotiven vorgesehen, die einen Gesamtwert von 16,2 Millionen Reichsmark darstellen.

Berlin behauptet, still, später schwächer

Berlin, 6. August. (WTB. Funkspruch.) Im großen und ganzen war die Tendenz der heutigen Wochenschlußbörse als behauptet anzusprechen. Die ersten Kurse brachten zwar verschiedentlich eine kleine Enttäuschung, waren aber doch nicht einheit­lich schwächer. Das wieder feste Reuyork und die ansteigenden Rohstoffpreise an den internationalen Warenmärkten traten etwas zurück hinter den inner» politischen Bedenken, die die Börse hatte, lieber die Umbildung des Reichskabinetts besteht noch keine Klarheit, auch daß die Notverordnung gegen den Terror noch nicht erlassen worden ist, wurde nicht sehr günstig ausgenommen, da man nach den Vor­fällen der letzten Nacht mit weiteren Anschlägen rechnen zu müssen glaubt. Im allgemeinen war das Geschäft aber wieder sehr still, und nur für einige Nebenwerte mit niedrigem Kursstand und für Spe­zialpapiere, besonders für die Aktien der Tarif- gesellschaften, bestand von Publikumsseile weiter Nachfrage. Wieder scheinen Tauschoperationen von Farben gegen Bekula vorgenommen worden zu sein. Auch die übrigen Standardwerte tendierten eher

nach unten. Siemens verloren Vi v. H. und Gelsen­kirchen gaben K v. 5). ihres gestrigen Gewinnes wieder her. Auf die Mitteilungen über einen rück­läufigen Ruhrkohlenabsatz im Juli büßten Rhein. Braunkohlen 3 o.H. und die übrigen Kohlenwerte bis zu 2 v. Sy ein. Linoleumwerte waren dagegen bis zu 2% d. Sy gebessert, auch Rheag, für die Inter­esse des Rheinlandes bestehen soll, fielen mit plus 2% d. Sy durch Festigkeit auf, auch Laurahütte war bei einem Kurs von 10 v. Sy nach 8tz v. Sy gestern ausgesprochen fest veranlagt. Zellstoffwerte büßten ihren Anfangsgewinn von je 1J4 v. Sy im Verlaufe wieder ein. lleberhaupt war es so, daß der Verlauf weiter als uneinheitlich zu bezeichnen war, wobei die anfangs befestigten Papiere zur Schwäche neig­ten, während die anderen einen Teil ihrer Äerlufte wieder aufholen konnten. Größere Kursveränderun­gen fanden aber im allgemeinen nicht statt.

Am Rentenmarkt machte sich bei den Gold­pfandbriefen eine eher schwächere Stimmung bemerk­bar, auch Kommunalobligationen wurden % bis % schwächer taxiert, während für Liquidationspfand­briefe eher noch Kaufinteresse bestand. Deutsche An­leihen gingen bis zu % v. Sy zurück, Reichsschuld­buchforderungen waren behauptet. Jndustrieobliga- tionen nicht einheitlich. Reichsbahnvorzugsaktien setzten ihre Aufwärtsbewegung um zirka Vi v. Sy fort. Von Ausländern zeichneten sich Sprozentige Mexikaner durch Festigkeit aus. Vom Farbenmarkt ausgehend wurde es im weiteren Verlauf allgemein schwächer. Anscheinend benutzt man die festeren Kurse zu Gewinnmitnahmen.

Am Geldmarkt machte die Erleichterung wei­tere Fortschritte und Tagesgeld war mit 8%, zum Teil sogar schon zu 5J4 d. Sy erhältlich. Mit der zunehmenden Erleichterung am Geldmarkt zeigt sich auch etwas ansteigendes Interesse für Privatdiskon­ten. Reichswechsel per 5. November und Reichs- fchatzanweisungeu per 15. November blieben gefragt, doch waren die Umsätze ziemlich gering.

Frankfurt schwächer

Frankfurt, 6. August. (WTB. Drahtmeldung) Tendenz: schwächer. Auch an der Wochenschluß­börse mahnte die unsichere innerpolitische Situation zur Zurückhaltung, so daß trotz der weiter festen Tendenz in Wallstreet keine Belebung des Geschäf­tes eintrat und bei Eröffnung die Kurse überwie­gend etwas zur Schwäche neigten. Die Spekulation nahm in einigen Spezialwerten kleine Realisationen vor, da sich auch die Bankkundschaft vom Geschäft weiterhin fernhielt. Nach vorbörslich gut behaup­teten Kursen eröffneten IG. gegen die Abendbörse 1,13 v. Sy niedriger, auch Metallgesellschaft und Scheideanstalt lagen bis zu 0,50 d. Sy abgeschwächt.

Am Montanmarkt gaben Stahlverein, Otavi Minen und Phönix bis zu 0,65 o. Sy nach. Von Elektro­aktien kamen zunächst nur AEG. mjt 28,50 unver­ändert zur Notiz. Von Nebenwerten lagen Deutsche Linoleum mit plus 2,75 d. Sy sehr fest, doch war die Umsatztätigkeit sehr klein.

Am R e n t e n m a r k t setzten Altbefitz 0,65 v. Sy und Neubesitz 0,50 niedriger ein, auch Reichsschuld­buchforderungen bröckelten etwas ab. Goldpfand­briefe blieben meist unverändert, dagegen gingen Liquidationspfandbriefe und Kommunal obligatto­

nen etwas zurück. Fester lagen Reichsbahnvorzugs» aktien mit plus 1 D.Sy, Auslandsrenten waren ge- schäftslos.

Im Verlaufe hielt das Angebot in IG. an, so daß die Kurse erneut um 0,75 v. Sy zurückgingen. Schwächer lagen noch Siemens, Gesfurel, Rhein» stahl, Mannesmann und Holzmann mit Rückgängen bis zu 1 o. Sy zur Notiz. Das Geschäft blieb weiter­hin sehr klein. Tagesgeld war zu 4 v. Sy unver­ändert.

4. Internationale Alpenfahrt.

Wanderer-Team erringt den Alpenpokal.

Rach Zurücklegung von rund 3000 Kilometer sind die Teilnehmer der vierten Internationalen Alpenfahrt in sechs Fahrtagen im Ctappenziel San Remo eingctroffen. Am Donnerstag muhten sich die Bewerber noch einer Zustandsprüfung unterziehen, die aber auf die Ergebnisse keinen wesentlichen Einfluß hatte. Don den in München gestarteten 89 Teilnehmern hielten 87 bis zum Ende durch, aber nur 37 gingen strafpunktfrei aus. Die deutsche Industrie hat unzweifelhaft einen großen Erfolg auf dieser Fahrt zu ver­zeichnen und der Hauptanteil davon entfällt aus Die Wanderer-Werke, deren fünf Bewerber sämt­lich ohne Strafpunkte die Fahrt beendeten. Reben den Cinzelfahrern Carl Kappler -München und Hans Ioachim Bernet, die den Gletscher- Pokal erhielten, konnte die Fabrikmannschaft von Wanderer mit Dau, Hinterleitner und Graumüller. wie im vorigen Iahre, auf den wertvollen Alpenpokal Beschlag legen. Das zweite strafpunktfreie Fabrikteam ist Talbot. Die allein als Fabrikmannschaft in Gruppe HI konkurrie­rende Tatra-Vertretung konnte trotz mehrerer Strafpunkte den Alpenpokal gewinnen, während in der kleinsten Gruppe die begehrte Trophäe an die englische Riley-Mannschaft mit zwei Strafpunkten fiel. Die beiden deutschen Firmen Hanomag und DKW. wurden mit dem zweiten bzw. dritten Preis ausgezeichnet.

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Unter den erfolgreichen Teilnehmern an dieser internationalen Alpenfahrt befand sich auch ein Mitglied des Oberhessischen Automobil - Clubs Gießen (A.v.D.), und zwar Dr. Adolf Roll, dec als Cinzelfahrer auf seinem Austro-Daimler die große Strecke von nahezu 3000 Kilometer strafpunktfrei zurücklegen konnte. Richt weniger denn 20 Alpenpässe galt es dabei zu überwinden. Stärkste internationale Konkurrenz war vertreten. Die Fahrt stellte an alle Teilnehmer die denkbar größten Anforderungen, so daß die strafpunkt- freie Bewältigung dieser Fahrt eine beachtens­werte sportliche Leistung darstellt.

Arbeiter-Turn- und Sportbund.

Am kommenden Sonntag beginnen die dies­jährigen Serienfpiele der Kreisklasse, denen am 14. August die Ssrienspiele der Bezirks- klasse folgen. Die Kreisklasse spielt wieder in drei Gruppen von je neun Vereinen, von denen nach Beendigung die beiden letzten ausscheiden. In der 1. Gruppe, zu der die Vereine Naunheim, Gießen, Wieseck, Heuchelheim als Vertreter des 3. Bezirkes zählen, gehören noch die Vereine Nieder-Florstadt, Dorheim, Erbstadt, Nieder-Wöllstadt und Alten­stadt. Zu den ersten Spielen stehen sich Gießen 1. gegen Heuchelheim 1. auf dem Trieb gegenüber. Beide Gegner zeigten unlängst ein sehr mäßiges Spiel. Eine Vorhersage über die bestehenden Chan­cen beider Mannschaften ist kaum zu treffen.

Naunheims 1. muß zum ersten Spiele die Reise nach Dorheim unternehmen und dürfte die ersten Punkte mit nach Hause nehmen. Wieseck ist am Sonntag spielfrei, während Erbstadt Nieder-Flor­stadt und Nieder-Wöllstadt Altenstadt zu Gast hat.

Innerhalb des Bezirkes herrscht am Dorsonntag des Beginns der Serie nur wenig Spielbetrieb. So hat Daubringen 1. am Vormittag Franken­

bach 1. zum Gegner und wird die Gäste wohl mit einer Niederlage abfertigen. Nachmittags spielt Wetzlar 1. gegen Launsbach 1. Auch hier werden die Gäste den kürzeren ziehen. Grüningen 1. ist in Klein-Linden zu Gast und wird dort einen gleich­wertigen Gegner finden. Lollar weilt mit zwei Mannschaften in Waldgirmes und sollte in beiden Spielen Sieger bleiben. Hausen führt am Sonntag einen Sport-Werbetag durch. Neben leichtathletischen Wettkämpfen finden . nachmittags zwei Fußball­spiele statt. Es spielen Hausen-Wißmar kombiniert gegen eine zusammengestellte Bezirkself. Außerdem Hausen 2. Wißmar 2.

fiinberfreffen in Leun.

Am Sonntag findet in Leun das diesjährige Bezirks-Kinderfest statt. Bereits vormit­tags 9 Uhr beginnen die Mannschaftskämpfe der einzelnen Klassen, die den Vormittag ausfüllen werden. Nachmittags findet der Festzug durch die Ortsstraßen nach dem Sportplatz statt. Dort werden Massenfreiübungen, Stafetten und Spiele aller Art den Nachmittag ausfüllen.

Abbau im höheren Schulwesen Wetzlars

WSR. Wetzlar, 5. Qlug. Der Etat der Stadt Wetzlar wird außerordentlich belastet durch ein höheres Schulwesen, wie es im Vergleich zur Größe der Stadt wohl nirgends angetroffen wird. Cs bestehen nicht weniger als drei Volk­an st a l t e n in Wetzlar, und zwar ein Gym­nasium, eine Aufbauschule und ein Oberlhzeum. Außerdem ist ein Lyzeum vorhanden. Der enorme Rückgang der Schülerzahlen das Oberlhzeum wird gegenwärtig nur von 35 Schülerinnen be­sucht läßt die städtischen Zuschüsse zu den Anstalten in einer Weise anwachsen, daß es bei der gegenwärtigen gespannten Finanzlage kaum noch verantwortet werden kann. Man be­treibt daher eine energische Bereinigung des höheren Schulwesens. Zunächst soll das Oberlhzeum verschwinden. Staatspartei und Sozialdemokratie haben bereits entsprechende Anträge eingebracht. Auch das Gymnasium und die Aufbauschule, die Ostern 1931 unter einer Leitung zusammengelegt wurden, sollen sich wei­tere Einsparungen gefallen lassen. Man rechnet mit der Auflösung einer dieser Anstalten. Die Frage hofft man bis Oktober entschieden zu haben.

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