Ausgabe 
6.5.1932
 
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Vornan von Gert Gothberg.

Copyright by Martin Feuchtwcmger, Hall«.

S. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Geschick? Sie selbst hatte diesem Manne die Hand gereicht, war seine Geliebte geworden. Aus Äebermut, aus Langweile heraus. Vielleicht auch aus einem kindischen, verletzten Stolz heraus, weil Rudolf manchmal gar so hart und unerbitt­lich ihren Wünschen gegenüber gewesen war.

Gewiß, diese Wünsche waren oft nur mit hohen Geldopfern zu erfüllen, aber Rudolf war doch ein sehr reicher Mann. Sie glaubte seine Worte wieder zu hören:

Sn der gegenwärtigen Zeit, in dieser Not, wo viele Menschen hungern, trägt man nicht einen kostbaren Pelz nach dem andern. So viel Feingefühl müßtest du haben, Lisa."

Wie verhaßt ihr diese seine Art nach und nach geworden war!

Er hatte bisher ja auch jede Rechnung bezahlt. Nach außen hin stellte Ansbrück seine Frau nicht bloß. Doch die Auseinandersetzungen in ihrem Heim gingest ihr auf die Nerven. Sie hotte einen reichen Mann geheiratet und wollte nun auch jeden Wunsch ohne Murren erfüllt sehen.

Er tot es ja auch, solange sich ihre Wünsche in vernünftigen Grenzen bewegten. Sie wollte ober doch überall glänzen. Sn jeder Gesellschaft, in jedem Theater, in jedem Konzert.

Geknausert war daheim genug worden. Als sie noch bei ihren Eltern weilte. Es hatte sie immer gefröstelt, wenn sic an diese Zeit zurückdachtc. Aber das brauchte Rudolf ja nicht zu wissen.

Heute dachte die leichtsinnige Frau plötzlich, daß sie selbst dann, wenn Rudolf ihr keinen ihrer maßlosen, kostspieligen Wünsche mehr erfüllen würde, doch am besten bei ihm aufgehoben sei. Unb sie wollte auch so schnell als möglich wieder in ihr schönes Heim zurück. Rudolf wußte nichts und würde es nie erfahren.

Dieser hier, den sie jetzt haßte, der mit seinen teuflischen, feurigen Redensarten schuld war, daß sie sich vergaß, der ging wieder in die weite Welt hinaus. Einem neuen Abenteuer entgegen. Sie würden sich nie im Leben Wiedersehen, und sie würde wieder wie früher die hochgeachtete Frau Doktor Ansbrück sein. Würde auch die Schranken nie wieder verlassen. Nie wieder!

Lisa Ansbrück langte nach ihrem Koffer.

Wohin willst du?"

Seine barsche Stimme tat ihr weh. Sie wandte ihm ihr schönes Gesicht $u.

Sch steige auf der nächsten Station aus. Du

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hast mir so deutlich genug gezeigt, was dir meine Liebe wert war."

Sei nicht töricht. Du bist bestimmt bei deinem Manne am besten aufgehoben."

Sie war so vertieft in ihr Vorhaben, möglichst unauffällig zu Rudolf zurückzukehren, daß sie das Lauernde in seinen Worten nicht bemerkte. Er ober spann einen teuflischen Gedanken. Wenn die Frau hier zu ihrem Manne zurückkehrte, dann hatte er sie immer in der Hand. Dann würde sie ihm immer so viel schicken müssen, daß er bequem leben konnte. Was er dann noch brauchte, würde er sich schon auf irgendeine Weife verschaffen.

Wenn er daran dachte, welch einen Preis ihm die Frederik-Oskana-Eompany geboten, dann hätte er am liebsten alles um sich herum kurz und klein geschlagen. Für ihn war ja kein Zweifel, daß Lisa den Diebstahl im Heim ihres Gatten derart plump ausgeführt, daß der Verdacht so­fort auf sie gefallen war, als man die Papiere und sie selbst vermißte. Der Alte, der da so freundlich lächelnd sich in ihrer Nähe aufgepflanzt hatte, war ein Detektiv gewesen, soviel stand fest.

Von neuem packte ihn die Wut. Er faßte.nach der Hand der Frau.

Vring mir trotz allem noch die Papiere zurück, und es soll alles zwischen uns sein wie früher."

Verächtlich entzog sie sich ihm.

Wir sind fertig miteinander. Du bist ein Berufsverbrecher: ich habe dich jetzt erkannt."

Schweig!"

Sn seiner Hand sah sie einen Revolver blitzen. Da sank sie halb ohnmächtig wieder in die Polster zurück.

Gleichmäßig und schnell fuhr der Zug. Eine Ewigkeit dünkte diese Zeit bis zur nächsten Sta­tion der blassen Frau. die. von Vorwürfen ge­peinigt, in ihrer Ecke lehnte.

Höhnisch blickte ihr Begleiter zu ihr hinüber.

Endlich! Hof!

Lisa Ansbrück erhob sich. Ohne dem Manne die Hand zu reichen, wandte sie sich zur Tür. Er lachte laut.

Leb wohl einstweilen! Wir hören bestimmt noch voneinander, verlaß dich darauf."

Fluchtartig verlieh sie den Wagen. Fühlte sich erleichtert, als sie auf dem Bahnsteig stand, sah nicht zurück zum Zuge, hatte nur Angst, daß ihr dieser Teufel dort drinnen doch noch folgen könne.

Sie wollte hier in Hof bleiben, älebernachten! Morgen konnte sie dann zurückfahren.

Ein Wagen brachte sie in ein gutes Hotel. ! Aber sie schlief dann doch nicht. Konnte es nicht. Ruhelos schritt sie auf dem weichen Teppich auf und ab.

Wenn sie doch nur erst wieder daheim wäre! Wenn sie doch nur nicht diese unselige Tat aus­geführt hätte!

Grenzenlose Furcht schüttelte sie.

Wenn Rudolf ihr nicht verzieh? Wenn er

wüßte, daß sie--! Wenn er ihr sein Heim

verschloß? Wenn sie wieder zurück zu den Eltern mußte? Wenn es so weit kam. dann würde ihr Dasein nur noch eine Hölle bedeuten. Denn selbst­verständlich war doch nur sie daran schuld, wenn der hohe Zuschuß von Rudolf aufhörte, den er bis jetzt ihren Eltern gezahlt hatte.

Schwager Ernst von Polzenhagen! Wenn sie dorthin ginge? Wenn sie von dort aus einen Brief an Rudolf schriebe? Shm erklärte, was sie eben für gut befinden würde?

Lisa schlang die Hände ineinander.

Ernst hat so eine Art, die mich verrückt macht. Dort kann ich vorläufig mit dieser inneren Un­ruhe nicht hin. Erst muß ich sehen, auf wen der Verdacht gefallen ist/'

Das war vorerst das Ergebnis ihres qualvollen Nachdenkens. «

Un& dann kam die Stunde, in der Lisa wieder daheim über die Schwelle schritt.

Rudolf war nicht daheim.

Der Diener Karl sah sie so sonderbar an. Er war aber diensteifrig wie immer und tat feine Pflicht in jeder Beziehung. Daß er sie sonderbar ansähe, das bildete sie sich vielleicht auch nur ein? Shr seelischer Zu st and war seit gestern ein furchtbarer.

Sie wollte und mußte so schnell wie möglich Rudolf, ihrem Gatten, gegenüberstehen, damit sie wenigstens beruhigt sein konnte, daß er nichts weiter gegen sie hatte, als daß sie ihm den törichten Brief schrieb, dessen Ursache er gewiß feiner Weigerung, ihr den kostbaren Schmuck zu kaufen, zufchrieb.

Wenn es so war, dann traute sie es sich zu, ihn zu versöhnen. Und wenn sie dann fügsam und zufrieden war, dann würde er doch sehr froh fein, daß sie wieder da war und daß der kleine Zank solch gute Früchte gezeitigt hatte.

Sie sah dann in ihrem Schlafzimmer und dachte: Dieses . Heim, diesen Mann habe ich leichtsinnig aufs Spiel gesetzt um eines Hoch- sta-lers willen?!

Sie schämte sich. Schämte sich entsetzlich. Dann erhob sie sich, nahm ein Bad, ging danach in ihr Ankleidezimmer.

Hier lag über einem Sessel ein Kleid. Mit zitternden Fingern griff sie danach.

Das Kleid! Das neue Kleid! Wie herrlich es geworden war! Nur die Rose paßte nicht. Sie mußte ihre wertvolle, sechsreihige Perlenkette dazu nehmen.

Sollte sie es einmal anziehen?

Lisa sah in den Spiegel. Es war unterdessen draußen etwas dämmerig geworden, und sie schaltete das Licht ein.

Die Frisur! Wie sah ihr sonst so sorgsam gepflegtes Haar aus!

So durfte Rudolf sie nicht sehen! Wirr und strähnig hing es in die Stirn. Sie muhte sich so rasch wie Möglich frisieren lassen.

Das Mädchen war sehr geschickt. Es hantierte jetzt noch nebenan im Bad.

Lisa öffnete die Tür.

Machen Sie mir mein Haar zurecht! Es ifl keine Zeit mehr, erst noch den Friseur zu be­stellen. Und Sie haben mir das Haar ja schon verschiedene Male sehr nett zurechtgemacht. Geben Sie sich also jetzt besondere Mühe."

Das Mädchen knickste.

Sawohl, gnädige Frau."

Eine halbe Stunde später stand Lisa, schön frisiert, vor dem Spiegel. Das silberdurchwirkte Kleid schmiegte sich um sie, und der köstliche Halsschmuck redete eine Sprache für sich.

Lisa war zufrieden. Sie schenkte dem Mädchen ein Seidenkleid. Hocherfreut bedankte sich die Kleine. Darm wurde sie entlassen, und Lisa ging langsam hinüber in das gemeinsame Wohnzim­mer. Karl hatte ihr gesagt, dah der gnädige Herr zum Abendbrot daheim sein werde.

Und nun wartete sie, in einen der tiefen Sessel geschmiegt, auj- Rudolf.

Lisa Ansbrück probierte die zerknirschte Miene, über die er in der ersten Zeit immer gelacht und die ihn immer sehr schnell versöhnt hatte. Er war ja ein guter Kerl, trotzdem er sehr heftig und aufbrausend fein konnte. Aber sie wollte ihn schon versöhnen.

Die junge Frau versuchte, die neuesten Zeitun­gen zu lesen, die Karl ihr vorhin auf das kleine Tischchen gelegt. Doch ihre Gedanken flatterten nach allen Richtungen auseinander. Sie ver­hehlte es sich nicht länger, daß sie innerlich zer­mürbt war von diesem Abenteuer.

Baron Slzenescu! Dieser Mann, der sie betört! Der sie zu einem Verbrechen überredet hatte! Der Mann, der sich vom eleganten Kavalier zum rohen Gauner wandelte, als ihm die schon sichere Deute entrissen wurde!

Baron Slzenescu! Wer sagte ihr denn, daß dieser Mann wirklich ein Baron war? Es war doch jetzt mit Sicherheit anzunehmen, dah er einen anderen Namen trug, sobald er einer andern » Beute nachjagen würde.

Und diesem Menschen hatte sie Vertrauen geschenkt?

Wenn ihre Eltern es wüßten! Wenn Freunde und Bekannte, in deren Kreisen sie immer eine solch große Rolle gespielt, es wüßten! Wenn 1 Rudolf es wüßte!

Ein Schrei drängte sich auf Lisas Lippen. Sm rechten Augenblick unterdrückte sie ihn. Shre Hand langte nach den Zigaretten. Hastig rauchte sie sich eine Zigarette an. Ebenso hastig rauchte sie sie zu Ende.

(Fortsetzung folgt.)

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Bekanntmachung.

Die Verunreinigung der städtischen An­lagen durch Wegwerfen von Papierresten, Zigarettenschachteln und Obstschalen nimmt in letzter Zeit überhand. Besonders auf­fällig tritt dies in den Anlagen am Stadt­theater an Tagen nach Abendaufführungen in Erscheinung. Auch werden durch frei umherlaufende Hunde die Anlagen fort­gesetzt verunreinigt und die Beete zerkratzt. Trotz Aufwendung erheblicher Mittel kön­nen deshalb die Anlagen nicht den gepfleg­ten Eindruck machen, der angestrebt wird. Wir weisen darauf hin, daß künftig alle Fälle, in denen eine Verunreinigung ober Beschädigung her Anlagen nachgewiesen werden kann, unnachsichtlich zur Anzeige gebracht und die Namen der Täter öffent­lich bekanntgegeben werden. 3572V

Gießen, den 4. Mai 1932.

Städtisches Hochbauamt: Gravert.

Bekanntmachung.

Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat März 1932 können noch bis zum 18. d. M. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nicht­zahlung bis zu diesem Termin erfolgt Bei­treibung und Stromsperre auf Kosten des Abnehmers. 3587D

Gießen, den 3. Mai 1932.

Direktion

der Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen.

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Bekanntmachung.

Der vom Rat durchberatene Voranschlag unserer Gemeinde für das Rechnungsjahr 1932 liegt vom 4. Mai 1932 ab eine Woche auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterei zu jedermanns Einsicht offen. Einwendun­gen können während dieser Zeit schriftlich oder mündlich zu Protokoll oorgebracht werden. 3584D

Die Erhebung einer Umlage ist be­schlossen worden.

Nieder-Besfingen, den 3. Mai 1932.

Hessische Bürgermeisterei Nieder-Bessingen. Steuernagel.

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Einladung zur

Miigl ederversammlung am Tonnerötag, 12. Mai, 20 Uhr, Uni­versität, Hörsaal 33,1. Stock links.

Tagesordnung: 1. Jahresbericht; 2.Kas> senbericht: 3. Entlastung des Rechners; 4. Wahl des Vorstandes; 5. Verschiedenes. 3595d___________________Der Vorstand.

Herzliche Einladung zum Massest der evang Kirchen- gesangvereine des Dekanats Gießen am Sonntag, dem 8. Mai, inGrosien-Lindeu und Lich

Beginn des Gottesdienstes: in Großen-Linden: 14 Uhr, in Lich: 13.30 Uhr. 35-14 d

Nachversammlung in den Turnhallen.

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