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Nr. 4 Erster Matt

182. Jahrgang

Mittwoch, 6. Januar 1952

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MetzenerAnzeiger

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Vor der Tributkonferenz von Lausanne.

Einigung der Bankiers aus Verlängerung des Stillhalteabkommens um ein Jahr? Besprechung in Paris. Frankreich wünscht Verschiebung der Tributkonserenz aus den 25. Januar und bietet Moratorium bis 1934 an.

Paris, 6. Jan. (IBIB. Funkspruch.) havas bestätigt, daß eine Unterredung des deutschen Botschafters mit Laval und Jtandin der Vorbereitung der Reparationskonseren; galt. Nachdem man sich, wie die Agentur behauptet, i n Berlin a u f d i e Verlängerung der ein­gefrorenen Kredite um ein Jahr ge­einigt Hube, stehe dem Zusammentritt der Re­parationskonseren; nichts mehr im Wege. Aber der 18. Januar scheine der fran;ösischen Regie­rung wegen der am 12. Januar beginnenden Par- lomentssitzung zu nahe ;u liegen. Da Laval persönlich an der Wiederaufnahme der Parla- mentsarbeilen teil;uuehmen wünsche, werde er Vor­schlägen, die Einberufung der Rcparationskonferen; um einige läge, vielleicht bis ; um 25. I a - tuuar ; u verschieben. Die fran;ösische Regie­rung fei grundsätzlich geneigt, Deutschland ein Moratorium, jedoch nicht über den 1. Juli 1 934 hinaus, zu gewähren, unter der Bedingung, dah die ungeschützten Young- Annuitäten von Deutschland weiter­gezahlt würden, wobei Deutschland wie beim tzoovermoratorium die Möglichkeit hätte, über diese Summen in Form verbürgter Anleihen an die Reichsbahn zu verfügen.

Die Schweiz als Gastland. Bundespräsident Motta wird dicHonfcrenz in Lausanne begrüßen.

Bern, 5. Jan. (1DIB.) Mil der Rote vom 4. Januar 1932 haben die in Bern akkreditierten Missionschefs der an der Reparationskonferenz be-

Staatspräsident Adelung bei. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Hervorzuheben ist noch die ein­mütige Meinung der Konserenz, dah das deutsche Volk keine Veranlassung zu weiteren Reparationszahlungen hat. Die Sozial­demokraten Hessens sind der Lleberzeugung, dah die Kriegsschäden hinreichend ge­deckt sind. Diese Tleberzeugung der inter­nationalen Welt recht deutlich und klar zum Aus­druck zu bringen, erachtet die Konferenz als ein dringendes Gebot der Stunde.

Begründete Skepsis in Berlin.

Zwar wachsende Unsicherheit aber noch keine Erkenntnis.

Berlin, 6. Jan. (ERD.) Berliner Blätter beschäftigen sich mit den Anregungen der Depesche de Toulouse. DieGermania" warnt da­vor, in den jüngsten französischen Pressestimmen zu der Reparationsfrage bereits die Einleitung zu einem bevor st ehenden Umfall der französischen Regierung zu sehen. Die Tatsache aber, dah die. mutigen Feststellungen der süd­französischen Provinzzeitung einen so starken Sturm in der Pariser Presse erregen konnten, sei ein Beweis für die st e i g e n d e U n s i ch e rhei t, in der man sich heute in Frank­reich gegenüber dem politischen Schuldenproblem

befinde. Die durch Frankreichs Hartnäckigkeit ver­schuldete amerikanische Haltung in der Schuldenfrage werfe die grohe Frage auf, was mit den eigenen Schulden werden solle. Das ,,D. T." meint mit Bezug auf den Temp s", in dieser Stunde kritischster Zuspit­zung von derW ahrung derPrinzipien" zu reden, heiße den politischen Bureau- kratismus ad absurdum führen. Dah Deutschland, wenn es der Reparationen ledig wäre,alle übrigen politischen Ansprüche" an­melden würde, sei eine matte Ausflucht. Wolle man unter diesem Gesichtswinkel handeln, so würde es n i e zu einer Derständigung kommen. DerT a g" nennt den Artikel der Depesche de Toulousenur einen Entlastungsvorstoß für die deutsche Linke". Die mahgebenden Kreise in Frankreich hielten zäh an ihrer alten These fest: Rettung des Poung planes um jeden Preis, eine möglichst kurzfristige Dehelsslösung, die die Weiterzahlung des ungeschützten Kredit­anteils und dessen Rückerstattung an die so zu überschuldende Reichsbahn vorsehe. Die ander­wärts wachsende Einsicht über die wirtschaftliche Schädlichkeit der Tribute sei jedenfalls in Frankreich noch nicht verbreitet, zu­mal man ja dort in den Tributen vor allem ein politischesDruckmittel sehe.

Ein englisch-skandinavisches Mris-aftsbimdnis?

Gemeinsame Besprechungen der nordischen Mächte und der Vertragspartner des Osloer Abkommens. - Enge Fühlungnahme mit England.

leiliglen Staaten dem Bundesrat mil- geteilt, dah ihre Regierungen wünschen, d i e Heparatlonsfonferen; in Lausanne abha11 en zu können. Der Bundesrat hat be­schlossen, diesem Wunsche stattzugeben. Lr hat das politische Departement beauftragt, den Gesandtschaften von diesem Enlschluh Kenntnis zu geben. Der Bundespräsident wird zur Lr- ossnungssitzung zur Begrünung der Delegationen der an der Konferenz beteiligten Staaten anwe­send sein. Die Konferenz wird dem vernehmen nach ihre Sitzungen im Schlohhotel in Ouchy am Genfer See abhalten. Dort tagte 1923 , die Friedenskonferenz der Weflmächle und der Tür­kei. Wan rechnet mit etwa 300 Delegierten und zahlreichen Preffeverlrelern. Zum General­sekretär der Konferenz wird voraussichtlich der Sekretär des englischen Kabinetts Sir Waurice hankey bestellt werden. Hanken hat bereits auf früheren internationalen Konferenzen, so in London und im Haag ähnliche Posten bekleidet Die an der Tributkonserenz teilnehmenden Regierungen haben sich mit der Wahl hankeys einverstanden erklärt.

DerTemps" moralisiert.

Heftige Polemik gegen den Vorschlag die Reparationen zn streichen.

Paris 5 Jan. (WTB) Zu dem Vorschlag der .Löpeche de Toulouse", die Reparationszahlungen ,;u streichen, äußert sich derTemp s" im ablehnen­den Sinne. Das Blatt fragt: Würde eine Annullie­rung der Reparationszahlungen die Annullie­rung der amerikanischen Gläubiger­ansprüche zur Folge haben? Wie die kürzlichen Beschlüsse dos Washingtoner Kongreßes gezeigt hätten, würde eine Schuldenannullierung durch Amerika gegenwärtig nicht freiwillig zugestanden werden. Sie könnte sich nur aus Dem eindeutigen Willen der europäischen Schuldner­staaten ergeben. Eine Streichung der Repa­rationsschulden würde jede kommer- j z i e l l e Unmoral sanktionieren, die viel­leicht das bestimmende Element der jetzigen Krise fei. Es stehe nicht so sehr das Interesse Frankreichs auf dem Spiel, das das in feinem Budget entstehende Loch ausfüllen könnte, sondern vielmehr das Interesse Europas und beson­ders Deutschlands. Ein Sieg Deutschlands in der Iributfrage würde Deutschland nur ermutigen, neue Forderungen oorzubringen. Die Annul­lierung der deutschen Zahlungen würde ein Ver­brechen gegen die Achtung derVer- t träge darstcllen, die als die Grundlage der westlichen Zivilisation angesehen werden müßten. Der Poungplan sei weder ein Diktat noch I ein Tribut. In normalen Zeiten fei feine A n - mcndung nur gerecht. Es müsse außerdem als ein Symbol nichr der Unterdrückung des deutschen Volkes, sondern der Ehrfurcht, die . man der Zivilisation schuldig sei, erhalten !?> bleiben.

Oie hessische Sozialdemokratie gegen weitere Tributzahlungen.

Frankfurt a.M., 5.Jan. (WSR.) Am - 2. Januar tagten die hessischen Landespartei- * Instanzen der Sozialdemokratischen Partei in Frankfurt, um ' zu den aktuellen Tagesfragen Stellung zu nehmen. Der Konferenz wohnte auch

Kopenhagen, 5. Jan. (121.) Die skandi­navischen Außenminister werden Wittwoch hier währungs- und handelspolitische Fragen erör­tern. Die Annahme der LondonerFinancial Ti­mes", daß dieser Kopenhagener Besprechung sofort eine englisch - skandinavische Wäh­rungskonferenz in London folgen werde, wird an maßgebender dänischer Stelle als unzutref­fend bezeichnet. Zunächst steht aber fest, dah die Außenminister der zum Osloer Abkommen gehörenden Staaten, also Dänemark, Schweden, Norwegen, Holland, Belgien und die Schwei; un­mittelbar vor den großen polnischen Konferen;en oder während dieser konseren;en gemeinsame Besprechungen ;ollpotitischer Art ab­halten werden.

Die Stockholmer Abendpresse vertritt

den Standpunkt, daß die Kopenhagener Besprechung ein Wirtschaftsbündnis ; wifchen Eng­land und Skandinavien vorbereiten soll. Angeblich soll eine gemeinsame Wäh­rungsfront zwischen England und den nordi­schen Ländern gebildet werden. Diese Annahme fußt auf der Tatfache, daß sowohl England als auch die drei skandinavischen Länder den Goldstandard in ungefähr gleichem Waße verlasfen haben. Außerdem sei England der wichtig st e Ausfuhrabnehmer der drei Nordlän­der. Anderseits ist die wirtschaftliche Struktur der skandinavischen Länder recht verschieden, so daß bisher alle Pläne zur Wiedererrichtung der Wünzunion bisher ge­scheitert sind.

Die Wirtschastsdepression meldet sich auch in Frankreich.

Rückgang des Außenhandels. Wachsende Erwerbslosigkeit. Preis­zusammenbruch und Bankenkrisis. Oeffentliche Gelder sür Arbeitsbeschaffung.

Von unserem Pariser D-Korrespondenten.

Die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen die Verhältnisse in Frankreich. Cs ist längst nicht mehr alles so herrlich, wie e£ noch vor Jahresfrist der Fall war. Zwar haben sich die Goldvorräte der Dank von Frankreich gehäuft, aber was nützt das Gold in französischen Tresoren, wenn andere Völker französische Waren nicht mehr tau« f e n können, wenn sich die Fremden außerstande sehen, französische Bäder oder die französische Hauptstadt zu besuchen? Alles klagt über schlechte Zeiten: die Wirtschaft, der Handel, die Verkehrs- Unternehmungen, das Gastwirtsgewerbe, die Fremdenindustrie und nicht zuletzt die Masse der Arbeitnehmer, aus der sich immer größere Gruppen von Erwerbslosen heraus­schälen, während die Zahl der Kurzarbei­ter bereits ein Drittel aller Lohn- und Gehaltsem pfänger umfaßt. Das klingt unglaublich, galt doch Frankreich bisher als die Insel der Glücklichen, die auf das beste gegen äußere Feinde gewappnet und gegen ein llcbergreifcn der Weltwirtschaftskrise gesichert sei. Die Verfechter dieser These müssen sich mit dem Timlernen beeilen.

Frankreichs Industrie ist in einen Schrump­fungsprozeß eingelreten, dessen Umfang sich am besten an Hand von Ziffern aus der Eisen­industrie ermessen läßt. Rur fünfzig Pro­zent der Leistungsfähigkeit der Betriebe ist aus­genutzt und wäre es noch nicht, wenn nicht der Staat ständig Aufträge vergeben würde. Die Kohlenwirtschaft leidet unter schlechtem Absatz, die Textilindustrie hat sich emp- findlichen Produktionsbeschränkungen unterwerfen muffen. Bei der Automobilindustrie wie überhaupt in allen anderen Wirtschaftszweigen sieht es nicht besser aus. Die Ausfuhr ist in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres um zehn Milliarden Franken oder dreißig Pro­

zent, die Einfuhr um sieben Milliarden oder fünfzehn Prozent zurückgegangen.

Hand in Hand damit geht ein erheblicher Preiszusammenbruch und eine Vermin­derung der Gewinnquoten sowie eine Unterbetoer- tung der Aktien. Vorsichtige Sparer und welcher Franzose ist in Gelddingcn nicht beson­ders vorsichtig und ängstlich lösen schon feit dem Frühjahr ihre Konten auf. Die Danken helfen sich zunächst noch mit der Zurückziehung ihrer Auslandguthaben, sollen aber amPfund- st u rz insgesamt nicht weniger als z w ö l f M i l- liarben Franken verloren haben. Pessi­misten rechnen mit einer Dankenkrise Anfang die­ses Jahres und mit einem allgemeinen Schalter­schluß.

Ob sie Recht haben werden, ist abzuwarten. Die Regierung macht jedenfalls mächtige Anstrengun­gen, um das Abrutschen der Wirtschaft aufzu­halten. Während die französische Presse erneut Deutschland mit dem Vorwurf bearbeitet, dah es öffentliche Mittel für 'Bauten aller Art ausgewvr- fen habe, macht die französische Regierung jetzt einen Milliardenkredit nach dem an­deren zur Durchführung von Arbeitsbeschaf­fungsprogrammen und zur Abdeckung der Defizite bei den Eisenbahnen und Schiffahrtsgesellschaften flüssig. Deutsche Methoden gelangen also zur Anwendung, dazu noch in ganz anderem Um­fang, um die Zahl der Erwerbslosen nicht größer werden zu lassen. Rur die Erkenntnis, daß auch im Zusammenleben der Völker eine Hand die an­dere wäscht, daß sich dasjenige Volk schädigt, das dem Rachbarvolk Schaden zufügt, ist den Franzo­sen noch nicht aufgegangen. Auch sie werden wohl oder übel heftige Spritzer der Weltwirtschafts­krise noch abbekommen, wenn es auch unbestreitbar ist. dah sic noch gewaltigeRcserven hin­ter sich haben, um sich gegen eine Depression, wie sie in Deutschland herrscht, bewahren zu können.

England zeigt den Indern den Union Iack.

Vorbereitungen

zum neuen Ungchorjamlcils-Fcld'ug.

Bombay, 5 Jan. (TU.) Das englische Mili­tär in Indien entwickelt angesichts der gespann­ten Lage eine verschärfte Tätigkeit, um Aus­schreitungen von vornherein zu verhindern. Da- FlaggschiffEffingham" setzte in Chittagong eine Abteilung Matrosen und ein Schiffsgeschütz an Land. Es folgte ein Marsch durch d i e Straßen der Stadt, an dem auch Mann­schaften der englisch-indischen Armee und Polizei teilnahmen. Ein schottisches Bataillon setzte sich am Dienstagabend von Poona nach Shola - p u r in Marsch, um von dort aus einen großen Marsch durch die am dichtesten be­völkerten Gebiete auszuführen und die englische Flagge zu zeigen.

Der neue Präsident des Allindischen Kongres­ses Dr. Ansari, der Rachfolger Patels und Prafads, ist nach fünf Stunden Amts- zeit ebenfalls verhaftet worden. In Bombay wurden 10 000 Kongrehfreiwillige in die Listen eingetragen. Für den Fall, dah jeden Tag ein Kriegsrat verhaftet werden sollte, sind be­reits 60Kriegsräte" gebildet wor­den, so dah die Kriegsräte mindestens für zwei Monate reichen. Propaganda für die Boykot­tierung der britischen Schiffahrt und der britischen Versicherungen, sowie die Verhinderung der Goldausfuhr und die ungesetzliche Erzeugung von Salz sind in den Richtlinien des Ausschusses vorgesehen. Der Kongreh hat zwei Krankenhäuser mit 450 Betten zur Aufnahme von Opfern des Feldzuges eingerichtet, damit feine Anhänger nicht auf die Pflege der Regicrungslrankenhäuser angewiesen sind. Die Polizei hat jede Ansammlung von sieben oder mehr Personen in den Straßen für drei Tage verboten. Jetzt machen Schulknaben den Versuch, zum Streik aufzurufen und verkünden unter Trommel­schlag den Streik, der eine Woche dauern soll. Sechs Kinder sind in Gewahrsam genommen wor­den. Wie erinnerlich, begannen die Unruhen vom letzten April ebenfalls mit Kundgebungen von Kindern.

Unter dem Schuh der Polizei wurde die bri­tische Flagge auf b e m Gebäude deS AllindischenKongressesfeierlichge- h i ß t, was die Inbesitznahme des Gebäudes durch die Regierung anzeigen soll. Vier Kongreßführer wurden verhaftet. Die Zahl der in Bombay ver­hafteten Personen beträgt zur Zeit 40, darunter neun Frauen. Die Lage hat sich infolge der Ein­führung der Polizeistunde etwas entspannt. Die Polizei steht in Alarmbereitschaft.

Der Christusorden für den König von Italien.

Acußcrlichc Besiegelung der Aussöhnung zwischen Vatikan und Quirinal.

R o m, 5. Jan. (TU.) Der König von Ita­lien empsing am Dienstag den päpstlichen Run- tius, der ihm die Kette zum Christus- o r d e n überreichte, mit dem der Papst den König ausgezeichnet hat. Die Insignien des Christusordens werden dem Kronprinzen in den nächsten Tagen übergeben werden.

Der Christusorden ist 1317 von Papst Jo­hann XXII. gegründet worden, einige Jahre nach der Aushebung des Ordens der Tempel­herren. die 1312 erfolgte. Die Satzungen des Christusordens wurden 1878 von Papst Pius IX. erneuert, der den Orden zur höchsten Aus­zeichnung des Heiligen Stuhls er­höhte. Seit 1878 ist der Christusorden bisher nur 14 mal an Fürstlichkeiten und hohe Persönlichkeiten verliehen wor­den. Seit 1920 wurden damit ausgezeichnet: Prinz Johann Schönburg-Hartenstein (Oester­reich). Fürst Ruspoli-Rom, Prinz Felix von Bourbon-Luxemburg, ferner der Brasilianer Vilva della Epitacio. und im Jahre 1928 der Präsident der Republik Peru. Leguia.

Die römische Presse beleuchtet die außer­gewöhnliche Bedeutung dieser Auszeichnung, von der man bereits anläßlich des Abschlusses der Lateran-Verträge gesprochen hatte, und erin­nerte daran, daß Leo XIII. Bismarck als ein­zigen Deutschen im Jahre 1887 diese Auszeich­nung zuteil werden ließ. Anlaß dazu war der zwischen Deutschland und Spanien entstandene Streit um die Korolinen-Jnseln. zu dessen Schlichtung Bismarck den päpstlichen Schiedsspruch vorgeschlagen und auch zu­gestanden erhalten hatte. Obwohl der Schieds­spruch Deutschland weniger günstig war als Spa­nien. schrieb Bismarck damals an Leo XIII. einen Brief, in dem er die souveräne Stellung des Papstes durch die Anrede Sire anerkannte, was den eigentlichen Anstoß zu der Verleihung des höchsten päpstlichen Ordens an Bismarck gegeben haben soll.

Teilstreiks in Berlin.

Berlin, 5. Jan. (CRD.) Unter dem Einfluß der RGO. waren in einigen Berliner Werken Teilstreiks gegen den Lohnabbau auf Grund der Rotverordnung ausgebrochen. Die Bewegung hat indessen keine weitere nennens­werte Ausdehnung erfahren. Immerhin flackerten an einigen Stellen kleine Streiks auf, während in mehreren anderen Betrieben bereits