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5.12.1932 Erstes Blatt
 
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Es wird aus den Zeitmigen vernommen, Daß der heilige Sankt Nikolas werde kommen Aus Moskau, wo er gehalten wert Und als Heiliger wird geehrt.

Er ist bereits schon auf der Fahrt, u besuchen die Schuljugend zart, u sehen, was die Mägdlein und Knaben n diesem Jahre gelernet haben.

3Ti Beten, Schreiben, Singen und Lesen Und ob sie sind hübsch fromm gewesen. Er hat auch in seinem Sack verschlossen Schone Puppen aus Zucker gegossen.

Den Kindern, welche hübsch fromm wären. Will er so.che Sachen verehren.

Fabrtt-oSerhandwertsmäßiqerBetrieb?

Der Provinzialausschuß hatte sich am ooriaen Samstag wiederum mit der Frage zu befassen, wann c.n Gewerbebetrieb in die Hand Werks rolle der Hessischen Handwerkskammer einzutragen und demg.maß zu den Handwerkskammerbeiträgen her- anzuziehen ist. Diesmal handelte es sich um die der Firma Heinrich Schudt gehörige Görbel Hei­mer Mühle bei Friedberg. Gegen die be­absichtigte Eintragung in die Handwerksrolle erhob die Firma Beschwerde bei dem Kreisamt Friedberg mit dem Antrag, zu erkennen, daß die Eintragung unzulässig ist. Das Kreisamt kam auf Grund tat­sächlicher Feststellungen zu dem Ergebnis, daß es sich bei der Mühle der Firma Schudt nicht um einen Handwerksbetrieb, sondern um einen In­dustriebetrieb handele und daß alle Merkmale, die für das Borlieaen eines Fabrikbetriebes von Be­deutung seien, hier sämtlich vorliegen würden. So seien insbesondere vorhanden:

1. Arbeitsteilung zwischen der vorwiegend leiten­den und kaufmännischen Tätigkeit des Unternehmers und der technischen Tätigkeit der Gehilfen. 2. Ar­beitsteilung unter den Gehilfen; 3. erhebliche Ar­beiterzahl; 4. Konzentration der Arbeit m der ge­werblichen Anlage des Unternehmers; 5. verhält­nismäßig große Ausdehnung der Betriebsräume und anderer bestehender Betriebseinrichtungen; 6. um­fangreiche Verwendung von Kraft- und Arbeits­maschinen; 7. großer Umfang der Produktion bzw. Arbeitsleistung. Alle diese Merkmale seien typisch für das Vorliegen eines Industriebetriebs.

Gegen diese Entscheidung erhob die Handwerks­kammer Klage bei dem Provinzialausschuß. Nach eingehender Beweisaufnahme durch Anhörung des Vorstandes des Gewerbeaufsichtsamts Gießen, der Industrie- und Handelskammer Friedberg, sowie nach Anhorunades Vertreters der Handwerkskam­mer und des Mühlenbesitzers Schudt erkannte der Provinzialausschuß zu Recht, die Klage der Hessischen Handwerkskammer als un­begründet zurückzuweisen und die Kosten des Verfahrens der Klägerin zur Last zu setzen. Streitwert 2000 Mark.

Durch diese Entscheidung ist die Görbelhe>imer Mühle bei Friedberg als Fabrikbetrieb aner­kannt und von der Zahlung der Beiträge zur Hand­werkskammer befreit. Allerdings besteht für die Handwerkskammer noch die Möglichkeit, Berufung an das Reichswirtschaftsgericht zu verfolgen.

Oie 222er am Jahrestag der Schlacht von Lod;.

Wie alljährlich, so vereinigten sich auch diesmal am Jahrestage der Schacht, von Lodz Smi stag, 3. Dezember die Angehörigen des ehemaligen Reserve-Jnfanterie-Regiments 2.22 in Gießen, als Garnisonort dieser Kriegsformation der 116er, zu einer kameradschaftlichen Wiedersehensfeier. Der Vorsitzende der Vereinigung ehemaliger 222er, Ober­leutnant d. L. a. D. Bankdireltor Grießbauer, konnte am Samstagabend bei der Feier imAn­dres" eine außerordentlich große Versammlung ehe­maliger Kameraden aller Dienstgrade und eine Ab­ordnung der Traditionskompagnie (2. Kompagnie 15. Jns.-Regt.) unter Führung von Oberleutnant Brandt begrüßen. In seinen Begrüßungsworten gab er seiner Freude darüber AuÄrruck, daß trotz der Not der Zeit so viele alte Kameraden an der diesjährigen Wiedersehensfeier sich beteiligten, er warf weiterhin einen kurzen Rückblick auf die treue Frontkameradschaft der 222er und deren ruhmreiche Waffentaten auf den verschiedensten Kriegsschau­plätzen des Weltkrieges; er gedachte dabei, während die Teilnehmer sich oon den Sitzen erhoben hatten und die Musik die Weise vom guten Kameraden spielte, der Gefallenen des Regiments, sowie des vor einiger Zeit 'verstorbenen früheren Regiments­kommandeurs Oberstleutnants von Rotsmann, und forderte alle alten Soldaten auf, in treuer und selbstloser Hingabe für Volk und Vaterland es alle­zeit den verewigten Kameraden gleichzutun. Weiter verlas er ein Schreiben des früheren Armeeführers, Generalfeldmarschalls von Mackensen, in dem der Feldmarschall seine hohe Anerkennung für die militärischen Leistungen und den vortrefflichen sol­datischen Geist der 222er zum Ausdruck bringt und betont, daß dieses Regiment in reichem Maße An­teil habe an deutschen Waffentaten, die in der Ge­schichte des Weltkrieges ihresgleichen suchen. Der Redner forderte die alten Kameraden auf, auch weiterhin in alter, treuer Frontkameradschaft und Einigkeit zusammenzustehen, für Volk und Vater­land nach gutem soldatischem Geiste immer alle Kraft einzusetzen und dem hehren Beispiel des General­feldmarschalls und Reichspräsidenten von Hin­denburg im Dienste für die Gesamtheit der Nation nachzueifern. Mit begeistert aufgenommenen dreimaligen Hurra-Rufen 'auf den Generalfeldmar­schall und mit dem gemeinsamen Gesang des ersten Verses des Deutschlandliedes fand die von bestem Solldatengeiste erfüllte Ansprache ihren Ausklang.

Im weiteren Verlaufe des Abends gedachte Bank- direktor Grießbauer noch des ehemaligen Kom­mandeurs Graf Pfeil, der am 27. November in Liegnitz fein 50. Militärdienstjubiläum begehen konnte. Regimentskamerad Studienrat Dr. Fadel (Wetzlar) hielt einen mit lebhafter Spannung auf­genommenen Lichtbildervortrag über den Aufenthalt der 222er im Verbände der deutschen Südarmee auf dem Kriegsschauplatz in den Karpathen, wobei er in Wort und Bild über zahlreiche eindrucksvolle Feldzugserinnerungen aus diesem schwierigen und für die Truppe entsagungsvollsten Kampfgelände erinnerte. Die interessanten Schilderungen des Red­ners, die auch oon zahlreichen Bildern über Land und Leute jenes Kriegsgebietes begleitet waren, fanden verdientermaßen lebhaften Beifall. Der wei- tere Verlauf des von vortrefflichem Frontgeist er­füllten kameradschaftlichen Beisammenseins brachte ein Wettschießen am Zimmerfchießstand, flotte musi­kalische Darbietungen von Mitgliedern der Stahl­helm-Kapelle, gemeinsamen Gesang alter Soldaten­lieder, die auf gar manchen Kriegsschauplätzen immer wieder die Herzen der Soldaten in Schwung brach­ten, frohgestimmte Geselligkeit, die besonders von Kamerad Oelber mann in eifriger Weise be­stritten wurde, bei der aber auch Karn. Linker

als sympathischer Liedersänger sich um die Unterhal­tung der Kameraden bestens bewährte. Die an­regenden geselligen Stunden, die alle Teilnehmer in dem schönen Gemeinschaftsgeiste des gemalt gen großen Fronterlebnisses vereinigte, hielten die alten Kämpfer im feldgrauen Rock bis lange nach Mitter­nacht in schönster Stimmung und bester kamerad­schaftlicher Geschlossenheit beisammen.

Daten für Montag, 5. Dezember.

1757: Sieg Friedrichs des Großen über die Oesterreicher bei Leuthen; 1791: Wolfgang Ama­deus Mozart in Wien gestorben; 1835: der Dich­ter Graf August v. Platen in Syrakus gestorben.

*&oi* notice n

Aageskalender für Montag. Saal der Christlichen Versammlung: 20.15 Uhr, Vortrag oon Herrn Evangelist Schwefel. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Strich durch die Rechnung".

"DerKupferneS onntag brachte gestern bei schönem Wetter unserer Stadt einen starken Be­such oon außerhalb. Schon in den Mittagsstunden herrschte in den Geschäftsstraßen sehr lebhafter Ver­kehr,-der sich im Verlaufe des Nachmittags außer­ordentlich steigerte. Soweit man beobachten konnte, ist in zahlreichen Geschäften auch schon ansehnlich gekauft worden. Die Rechsbahn und die Kraftomni­busse hatten Hochbetrieb.

" Ein Fünfundachtzigjähriger. Der Rentier Karl L ü d e k i n g , Seltersweg 83, kann am heutigen Montag, 5. Dezember, bei bester Gesundheit seinen 85. Geburtstag feiern.

* Ehrungen im Hessischen Sänger­bund. Der Hessische Sängerbund hat wieder eine Reihe verdienter Mitglieder mit besonderen Ehrenzeichen ausgcze chnet. Für 40jährige aktive Sangestätigkeit erhielten H. Leicht (Froh­sinn" Lang-Göns), Heinrich Hehler und Aug. Fischer (beibeEintracht" Burg-Gemünden), Adolf Hofmann (Eintracht" Hungen), Wil­helm Zörb (Frohsinn" Lang-Göns) und H. Grim (Liederttranz Weitershain) die silberne Ehrennadel des Bundes. Mit der Ehrennadel Für Verdienst", Auszeichnung für 25jährige Tä­tigkeit als Vorstandsmitglied, wurden Ludwig Schneider, August Hofmann (beideEin­tracht" Hungen), Wilhelm Zörb (Frohsinn" Lang-Göns). und 3o<. Staubach ( Frohsinn" Gießen) bedacht. Zum Ehrenchormeister wurde unter gleichzeitiger Verleihung der Ehrennadel Ehrenchormeistcr" Heinrich Schirmer -Mer- Holz (Liederkranz Düdelsheim) ernannt.

** Theater-Ausstellung. Aus dem Büro des Stadttheaters wirb uns geschrieben: Anläßlich des 25jährigen Jubiläums des 'Stadttheaters ist in den Wandelgängen und im Foyer unseres Thea­ters eine sehenswerte und interessante Ausstellung hergerichtet worden. Diese Theater-Ausstellung bie­tet einen allgemein interessierenden Ouerschnitt in die künstlerische und technische Arbeitsleistung der Bühne und soll dem Publikum einen kleinen Ein­blick gewähren in die stete und rastlose Arbeit, die jenseits des Vorhangs geleistet wind. Dem Publi­kum bietet sich Gelegenheit, Einsicht zu nehmen in all bie Dinge, über die man bei einer Ausführung 'nur leicht geneigt ist hinwegzugehen. Die Ausstel­lung fand bisher allgemeines Interesse. Die Inten­danz hat sich daher entschlossen, diese Ausstellung auch weiterhin allen Theaterbesuchern kostenlos zu­länglich zu machen und die ausgestellten Gegen- tände als ein überzeugendes Bild von der viel- eitigen künstlerischen Einzelanbeit eines Theater­betriebes in der Ausstellung zu belassen.

** Rückständige Zahlungen für Elek­trizitätsbezug betrifft eine Bekanntmachung des Städtischen Elektrizitätswerks in unsrem heutigen Anzeigenteil. Säumige Zahler seien besonders darauf hingewiesen.

* * (Sin schönes Stück Gießener Hand­werkskunst. 3m Tapetenhaus Otto Säu­bert ist zur Zeit ein schönes Stück handwerklicher Arbeit ausgestellt, hervorgegangen aus der Werk­stätte des C -reinermeisters Lenz. Es handelt sich um einen Altar mit Altarrückwand in go­tischer Arbeit. Die Arbeit ist in Eichenholz aus- geführt. Die Rückwand zeigt die 4 Evangelisten, in der Spitze ist das Kruzifix angebracht. Der Al­tar ist bestimmt für die Kirche in Ahaus an der holländischen Grenze.

** Preußisch Süddeutsche Klassen- lotterte. Die Erneuerung der Lose zu dieser Klasse muß planmäßig spätestens bis zum 7. De­zember 18 IIhr bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme geschehen. Die Be­achtung dieser Frist wird zur Vermeidung von Rachteilen dringend empfohlen.

** B i s auf weiteres vertagt. Der für den morgigen Dienstag vor der Großen Strafkam­mer angesetzte Prozeß wegen Aufruhrs, in dem 37 Einwohner von Reichelsheim und Umgegend als An­geklagte erscheinen, ist, wie wir zuverlässig hören, bis auf weiteres vertagt worden.

* 0 effentliche Bücher halte. Im Novem­ber wunden 1668 Bände ausgeliehen. Davon kom­men auf: Erzählende Literatur 1135, Literaturge­schichte 7, Zeitschriften 25, Gedichte und Dramen 12, Juaendschriften 137, Länder- und Völkerkunde 97, Kulturgeschichte 8, Geschichte und Biographie 108, Kunstgeschichte 15, Naturwissenschaft und Technologie 65, Heer- und Seewesen 4, Gesundheitslehre 2, Re­ligion und Philosophie 18, Äaatswissenschaft 28, Sprachwissenschaft 1, Sport 6 Bände.

Landkreis Gießen.

i§. S t e i n b a ch. 4. Dez. Beigeordneter R i k o - laus legte kürzlich dieses Amt nieder, so daß am 11.Dezember Reuwahl stattsinden muh. Hierzu sind zwei Wahlvorschläge eingegangen, der erste mit dem KennwortHitlerbewegung" und dem Kandidaten Karl Reu schling IV., Land­wirt, der zweite mit dem KennwortBürgerliche Liste" und dem Kandidaten August Keßler, Maurermeister.

Wettervoraussage

Die Kaltluft an der Rückseite der sich immer wei­ter abflachenden Skandinavienstörung hat zu Baro- meteranftieg geführt und über Frankreich und Süd­deutschland ein Hochdruckgebiet aufgebaut. Unter sei­nem Einfluß bleibt das Wetter zunächst trocken und kalt. Es treten weiterhin totale Nebenbildungen auf, die sich aber zeitweise auflösen, so daß nachts infolge der Ausstrahlung Frost auftritt. Die Aus- Wirkungen des hohen Druckes scheinen sich aber nicht auf längere Zett hin auszudehnen, denn im Westen ist bereits das Herannahen neuer Störungen zu er­kennen.

Aussichten für Dienstag: Lokale Nebel- und Dunstbildungen, sonst bewölkt und aufklarend, trocken, Nachtfrost.

Lufttemperaturen am 4. Dezember: mit­tags 6,6 Grad Eelsius, abends 1,3 Grad; am 5. Dezember: morgens 1,1 Grad. Maximum 7 Grad, Minimum minus 0,5 Grad.

Wirtschaft.

Berlin geschästellos und schwächer.

Berlin, 5. Dez. (WTB. Funkspruch.) Nachdem man noch im heutigen Dormittagsverkehr auf Grund verschiedener Momente wirtschaftlicher Natur, wie befriedigenden Gelsenabschlu^i Gerüchte von einer zu erwartenden Harpener-Dimdende, höherer Stick- stcffabsatz hn November usw., mit einem freund­lichen Börsenoerlauf gerechnet hatte, war die Ten­denz schon zur Börseneröffnung ziemlich un­sicher. Zu den ersten Kursen ergaben sich über­wiegend Rückgänge bis zu 0,50 v. H. Obwohl das gestrige Wahlergebnis in Thüringen dazu an­getan ist, mit einer weiteren innerpolitischen Be­ruhigung zu rechnen, wird der morgige Reichstaas- beginn doch als störendes Moment empfunden. Vor allem verstimmten aber inzwischen dementierte Ge­rüchte, die von dem Plan einer neuen Zwangs­anleihe bzw. einer Erhöhung der Ver - mögen s ft euer wissen wollten. Auch die an­haltende Pfundschwäche löste bei der Spekulation Abgabeneigung aus, zumal eine starke Zurückhal­tung des Publikums festzustellen war.

Man zeigte nur noch für einige Speziolwerte, wie Baynaktien, Contigummi, BEW., Dessauer Gas, Dortmunder Union usw. Interesse. Ein 5pro- zentvger Gewinn der Maximilianshütte gegen ihre letzte Notiz vom 2. d. M. wurde bei einem Umsatz von 3 Mille erzielt. Rückgängig waren anderseits Charlottenburger Wasser, Buderus, Felten, HEW. und Ehadeaitien, doch gingen auch hier die Verluste nicht über 2 o. H. hinaus. Lediglich Siemens büßten 3 v. H. ein. Auch im Verlaufe änderte sich an den Aktienmärkten an der Geschäftslosigkeit nichts, die Kurse bröckelten weiter ab, wobei man beobachten konnte, daß die Börse einen Rück- tausch von Aktien in Rentenwerte vor­nahm.

Deswegen war die Tendenz des Anlage- mar k t e s auch wohl ausaesprochen freundlich. Das Geschäft war hier, besonders im Verlaufe, un­ter Führung von Altbesitzanleihe allgemein lebhaf­ter. Diese sowie die Reichsschuldbuchforderungen und ditz Reichsbahnvorzugsaktien besserten sich durch­schnittlich bis zu 0,50 o. H. Bei den Jndustrieobliga- tionen überwogen Gewinne bis zu 0,25 v. H. Von Auslandsrenten neigten Bosnier etwas zur Schwäche, die 5prozentigen Tehuantepek erschienen mit MinusMinus-Zeichen.

Am Geldmarkt war die Situation unverändert. Tagesgeld war an der unteren Grenze mit 4,39 v. H. erhältlich, Monatsgeld blieb 5 bis 7 v. H. Nach Privatdiskonten .herrschte weiter Nachfrage, und auch Reichswechfel und Reichsschatzanweisungen blie­ben bei kleinem Geschäft gefragt.

Frankfurt abgeschwächt.

Frankfurt a. M., 5. Dez. (WTB. Drahtmel­dung.) Die Börse eröffnete die neue Woche bei klei­nen Umsätzen zunächst nur wenig verändert, da einige Käufe der Kundschaft vorlagen und auch Hoffnungen auf eine Reichstagsoertagung bis Mitte Januar anregten. Bei der Kulisse und der Spekula­tion bestand etwas Realisationsneigung, so daß die ersten Kurse meist kleine Rückgänge von zirka 0,25 bis 0,5 v. H. aufwiesen. Nach Feststellung der ersten Notierungen erfuhr die Börse eine deutliche Abschwächung, wobei Gerüchte, die von der Einführung einer Vermögensabgabe durch die neue Regierung wissen wollten, verstimmten. Hinzu kam noch, daß in JG.-Aktien größere Ab­gaben erfolgten, was auch die übrigen Werte un­günstig beeinflußte. Spezialwerte, wie Licht & Kraft (minus 2,25 v. H.), Reichsbank, Harpener, Mannes­

mann, Lahmeyer und Kunstseideattien, waren bis zu 1,75 v. H. gedrückt. IG. fetzten zunächst mit 97,25 o. H. nur wenig verändert ein, waren aber später um 1,25 v. H. abgeschwächt. Kursrückgänge oon 0,5 bis 1 v. H. hatten ferner Buderus, Gelsenkirchen, Rhein­stahl, Phönix, Deutsche Erdöl, Gessürel, Schuckert, Holzmann und Schiffahrtsaktien. Gut behauptet blieben Stahlverein, Scheideanstalt, Rheinische Elek­tro Mannheim. Leicht befestigt waren noch Gebr. Junghans und Conti-Linoleum Zürich.

Am Anleihemarkt war die Attbesitzanleihe etwas gefragt und zunächst um 0,90 o. H. fester, später zog sie auf 58,25 o.H. an. Späte Reichs­schuldbuchforderungen lagen mit 72,65 v. H. um 0,5 v. H. hoher, Neubesitz und Schutzgebiete eröff­neten unverändert. Von variabel gehandetten Jn- dustrieobligationen setzten Stahlverein und Mittel- stahl gut behauptet ein. Von Auslandrenten gewan­nen Eisenbahn-Bosnier 0,90 o. H , Ungarische Gold­renten blieben gut gehalten, während Mazedonier 0,13 v. H. nachgaben. Am Pfandbriefmarkt lag kleines Angebot vor, so daß die Kurse überwiegend um 0,25 bis 0,50 v. H abbröckelten. Reichsaltbesitz und Reichsschuldbuchforderungen konnten ihre Höchstkurse später nicht behaupten.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 5. Dez. Auftrieb: 1390 Rin­der (283 Ochsen, 125 Bullen, 505 Kühe, 410 Färsen), 670 Kälber, 143 Schafe, 4792 Schweine, darunter 180 Memelländer. Es kosteten: Ochsen, vollfloischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere, 27 bis 30, ältere 23 bis 26, sonstige 20 bis 22 Mark; Bullen, jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 27, sonstige voll fleischige oder ausgemästete 20 bis 23 Mark; Kühe, jüngere, vollfleischige, höch­sten Schlachtwerts 23 bis 25, sonstige oollsleisch ge oder ausgemästete 20 bis 22, fleischige 17 bis 19, gering genährte 12 bis 16 Mark; Färsen, vollflei­schige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 28 bis 30, vollfleischige 24 bis 27, fleischige 20 bis 23 Mark; Kälber, beste Mast- und Saugkälber 30 bis 33, mitt­lere Mast- und Saugkälber 26 bis 29. geringe Kälber 19 bis 25 Mark; Schweine, oollsleisch.ge, oon etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 37 bis 40, von etwa 200 bis 240 Pfund 36 bis 40, von etwa 160 bis 200 Pfund 35 bis 39, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 32 bis 35 Mark. Marktverkauf: Rinder schleppend, Ueberstand, Kälber und Schafe schleppend, geräumt, Schweine schleppend, geringer Ueb erstand.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 5. Dez. (WTB. Drahtmel­dung.) An der Frankfurter Getreidebörse war das Geschäft außerordentlich still bei weiter nachgebenden Preisen. Das Angebot war nicht groß, doch bestand infolge des schlepvenden Weizenrnchl- §ejd)äfts kaum Saufneigung. Am Futtermitlelrnarkt röckelten die Preise gleichfalls leicht ab, und auch Sommergerste war erstmals etwas schwächer. Es wurden notiert: Weizen 204 bis 205, Roggen 162,50; Sommergerste für Brauzwecke 180 bis 185; Hafer (inländischer) 134 bis 137,50; Weizenmehl, süddeut­sches Spezial 0, 28,85 bis 29,50; niederrheinisches 28,85 bis 29,25; Roggenmehl 23 bis 24,25 Weizen- kleie 8 bis 7,90 Roggenkleie 8,50; Sojaschrot 10,85 bis 11; Palmkuchen 8,75 bis 9; Erdnußkuchen 12,75 bis 12,60; Heu 4,60 bis 4,80; Weizen- und Rog­genstroh, drahtgepreßt, 2,25 bis 2,50; Weizen- und Rvggenftroh, gebündelt, 2,25 bis 2,50; Treber, ge­trocknet, 10,65; Jnduftriekartoffeln, hiesiger Gegend, per 50 Kilogramm bei Waggonbezug 1,75 Mark. Tendenz ruhig.

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