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5.9.1932 Erstes Blatt
 
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Oberhefsen.

Aus dem Gemeinderai Lich.

D Lich, 3. Sept. 3n der jüngsten Sitzung des Gemeinderats machte der Bürgermeister zunächst Mitteilung von dem plötzlichen Tode des prakt. Arztes Dr. Roth in Lich und führte aus, daß Herr Lr. R 0 t h durch feinen Beruf mit allen Kreisen der Bevölkerung in enge Berührung ge­kommen und insbesondere dem ärmeren Teil der Einwohnerschaft ein Freund und Helfer gewesen sei. Die Trauer und das Mitgefühl sei allgemein. Der Verstorbene sei der Mitbegründer und un­eigennützige, opferfreudige Gönner und Förderer der freiwilligen Sanitätskolonne gewesen und habe auch bei der Reueinrichtung des Kranken­hauses der Stadt wertvolle Dienste geleistet. Als Zeichen der ehrenden Anerkennung und der Trauer erhoben sich die Mitglieder des Gemeinderats von ihren Platzen.

Sodann befaßte sich der Gemeinderat mit der beantragten Wahrung eines Meßbriefes über das von der Standesherrschaft Lich im Jahre 1925 erworbene Siedlungsgelände im Brennofen und stimmte dem Derwaltungsvorschlage. den von dem Dermessungsamt gefertigten Meßbrief nur teil­weise zur Wahrung zu bringen, zu.

Im weiteren Verlauf der Sitzung befaßte sich der Rat mit der Wasserversorgung der Stadt Lich. Der Bürgermeister legte dar, daß die Wasserversorgung der Stadt im allgemeinen als ausreichend anzufehen sei. Von der Einführung von Wassermessern müsse mit Rücksicht auf die sehr hohen Kosten abgesehen und durch Anschluß einer neuen Quelle versucht werden, die Wasservorforgung so zu gestalten, daß ein Was­sermangel selbst während eines sehr heißen Jah­res nicht eintreten könne. In Ausführung eines früheren Beschlusses habe er eine kleine Bohrung an dem nahen Dreuerberg vornehmen lassen. Das Ergebnis. sei nicht ungünstig. Das Kulturbauamt Gießen empfehle eine Tiefenbohrung mit Probe­pumpen. Die Kosten hierfür würden sich auf etwa 500 Mark belaufen. Rach Erledigung sonstiger kleinerer Vorlagen tagte der Rat noch in gehei­mer Sitzung.

Landkreis Gießen.

Lich, 4. Sept. Die gestrige Trauerfeier für den am 31. August in Essen verstorbenen praktischen Arzt Dr. Hermann Roth legte noch einmal Zeugnis für die große Verehrung ab, die der Entschlafene sowohl als Mensch wie auch als Arzt in weiten Kreisen genoß. Die Trauer­feier wurde nach einem Choral der Feuerwehr­kapelle durch eine liturgische Andacht in der Kapelle eröffnet. Die Sanitätskolonne Lich, deren verdienstvoller Führer Dr. Roth gewesen war, trug dann den Sarg unter den Klängen eines Liedes des Roth'schen Männerchores zu Grabe. Stiftsdechant Kahn gab in seiner Trauerrede noch einmal der großen Trauer um den Ver­storbenen Ausdruck und ließ das Bild des Mannes, Familienvaters und Arztes vor dem geistigen Auge der Trauerversammlung erstehen. Rach Gebet, Einsegnung und Segen wurde eine große Anzahl von Kränzen niedergelegt.

Eine Einbrecherbande verurteilt.

WER. D a r m st a d t, 3. Sept. Im Herbst 1931 wurden in der näheren und weiteren Umgebung von Egelsbach zahlreiche Diebstähle, meist schwe- rer Art, verübt. Geplündert wurden Garten­häuser, Jagdhütten und Wohnhäuser. Als Täter wurden neun Männer aus Egelsbach ermittelt, die sich am Freitag vor dem Dezirksschöffen- gericht zu verantworten hatten. Sie gaben an, alle aus Rot gehandelt zu haben. Der Haupt­angeklagte ist allein an 21 Diebstählen, davon 15 schweren, beteiligt gewesen. Die übrigen Angeklagten waren geringer beteiligt. Einer wurde mangels Beweises freigesprochen. Der Hauptangeklagte erhielt ein Jahr drei Mo­nate Gefängnis, zwei weitere bekamen acht bzw.

fünf Monate und der am wenigsten Beteiligte 14 Tage Gefängnis, letzterer mit Bewährungsfrist.

Büchertisch.

Im Verlag Wilhelm Schaefer & Co., Ber­lin und Leipzig, erschienen unter dem gemeinsamen TitelSchicksale des Lebens" vier fesselnd geschriebene Bände, die wie Sensationsromane zu lesen sind, und in denen erzählt wird, wie der bekannte Psychographologe Rafael Schermann durch die von ihm entwickelte Methode die Auf­

klärung schwieriger und komplizierter Kriminal­fälle herbeiführte. Die folgenden Bände liegen vor:Die drei Testamente des Für­sten T";Um eine halbe Minute"; Der Selb st mord des Toten" und Seine Braut der Hochstaple r". Allen vier Bänden ist eines gemeinsam: sie zeigen, wie Schermann seine graphologische Arbeit in den Dienst der Kriminalistik und jener Menschen stellt, die durch das Leben in schwere Konflikte verwickelt wurden. (191/194.)

stoss Waldhof, Reichsbank und Daimler mit festigungen bis zu 1 Prozent.

Am Pfandbriefmarkt ergaben sich Erhö­hungen bis zu 2,5 Prozent. Stadtanleihen und Industrieobligationen erschienen größtenteils mit Plus-Plus-Zeichen und wurden bis zu 3 Proz. höher notiert. Auch Staatsanleihen und anders Gebiete des festverzinslichen Marktes setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Von fremden Werten gewannen Ungarische Goldrente 1 Prozent.

Im Verlauf blieb die Börse fest, doch war die Kursgestaltung nicht ganz einheitlich. Die Ver­änderungen nach beiden Seiten etwa 0,50 bis 1 Prozent. Gegen Schluß setzte sich eine neue Be­festigung durch, so daß die Börse zu den höchsten Tageskursen schloß. Fast sämtliche Hypotheken­aktien lagen 2 bis 3 Proz. höher und auch sonst stellten sich nennenswerte Erhöhungen ein. Tages- geld war zu 5 Prozent unverändert.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 5. Sept. (WTB. Drahtmel- duny.) An der Produktenbörse war die Tendenz zu Beginn der neuen Woche befestigt, da die Mühlen und der Handel größere Deckungen vornahmen. Da das Angebot von Weizen und Roggen ziemlich knapp war, ergaben sich überwiegend Befestigungen bis zu 3% Mark. Hafer lag vernachlässigt und fünf Mark niedriger. Die Weizenmehlpreise wurden weiter etwas ermäßigt. Trotzdem war keine Belebung im Geschäft zu verzeichnen. Roggenmehl war in der Forderung etwas erhöht und auch die Abrufe waren etwas besser als seither. Am Futtermittel­markt konnten die Preise bis zu V* Mark an­ziehen, besonders fest lagen von ölhaltigen Futter­mitteln Soyabohnen, da das Angebot infolge der Ueberschwemmungen in der Mandschurei äußerst klein ist.

Es wurden notiert: Weizen, gesund, mahlbar, 221 bis 222,50, Roggen, gesund, mahlbar, 170 bis 172,50, Sommergerste für Drauzwecke 175 bis 177,50, inländischer Hafer 145 bis 150, Weizen­mehl, süddeutsches Spezial 0, mit Austausch veizen 33,60 bis 34,45, Weizenmehl, niederrhein.sches, mit Austauschweizen, 33,60 bis 34,20, Roggen­mehl 25,50 bis 26,75, Weizenkleie 8,25, Roggen- kleie 8 bis 8,25, Erbsen 25 bis 35, Linsen 20 bis 52, Heu 3,60 bis 4, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepretzt 2, gebündelt 1,80, Treber 10,50 bis 10,60 Mk. Tendenz: fester. Gelbfleischige Kar­toffeln, hiesiger Gegend, 1,75 bis 1,80 Mk. Ten­denz: ruhig.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 5. Sept. Auftrieb! 1657 Rinder, darunter 383 Ochsen, 168 Dullen, 551 Kühe, 460 Färsen, ferner 607 Kälber, 88 Schafe, 5016 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 31 bis 33 Mk., (ältere) 28 bis 30, sonstige vollfleischige 23 bis 27; Dullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlacht­werts 26 bis 29, sonstige vollfleischige oder aus­gemästete 21 bis 25; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 25 bis 27, sonstige voll­fleischige oder ausgemästete 20 bis 24, fleischige 14 bis 19; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 31 bis 34, vollfleischige 28 bis 30, fleischige 23 bis 27. Kälber: beste Mast- und Saug­kälber 39 bis 42, mittlere Mast- und Saugkälber 34 bis 38, geringe Kälber 28 bis 33. Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weide­mast) 26 bis 30. Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 200 bis 300 Pfund Lebend­gewicht 44 bis 48, von etwa 160 bis 200 Pfund 40 bis 48, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 37 bis 44, Sauen 34 bis 40 Mk. Marktverlauf: Rinder ruhig, Ueberstand. Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt. Schweine ruhig, geringer Ueberstand.

Verantwortlich für Lokales, Provinz, Sport und Wirtschaft i. 23.: H. L. Neune r.

Wirtschaft

* Stützung des Draugerstenmark- t e s. Die Verhandlungen über die Einlagerung von Draugerste zur Stützung des Draugersten- marktes sind nunmehr zum Abschluß gekommen. Die Einzelheiten für die Durchführung der Aktion sind den beteiligten Länderregierungen mitgeteilt worden. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat etwa 1,25 Mill. Mark zur Verfügung gestellt, um die Einlagerung von Braugerste durch den Handel und die Genossen­schaften auf die Dauer von drei Monaten in^den Ländern Bayern, Württemberg, Baden, Thü­ringen und Hessen zu ermöglichen. Auch die wich­tigsten preußischen Produktionsgebiete sind in die Aktion unter Beteiligung der preußischen Regierung einbezogen worden.

* D i e Wirtschaftslage der Fleisch­waren - Industrie im August. Vom Reichsverband der deutschen Fleischwarenindustrie e. V. wird uns geschrieben: Der Fleischwaren- markt stand im August unter dem ungünstigen Zeichen der Belastung durch die Schlachtsteuern in verschiedenen Ländern und war beeinträchtigt durch die außerordentlich große Hitze. Für Fleisch­dauerwaren, insbesondere Rohwürste, war durch den Absatz in den Kur- und Badeorten eine Be­lebung zu spüren, die jedoch nicht an die saison­übliche Steigerung des Absatzes in den Vorjahren heranreichte. Im übrigen stand der Absatz von Fleischwaren weiterhin unter stärkstem Preisdruck. Es war den Fleischwarenfabriken weder möglich, mit ihren Preisen den starken Preissteigerungen im Anfang des Monats insbesondere für Schweine zu folgen, noch die außerordentlichen Belastungen durch die Ealzsteuer und die sich auf immer mehr ßänber ausbreitende Schlachtsteuer einzukalkulie­ren, zumal diese Steuern obendrein der erhöhten Umsatzsteuer unterliegen.

Berlin: Grundstimmung weiterhin fest.

B^ r H n, 5. Sept. (WTB. Funkspruch.) Während die Spekulation im heutigen Dormittogsverkehr aus Furcht vor einem Rückschlag Zurückhaltung übte und auch zu Beginn der Börse noch Realisationsneigung bekundete, kaufte das Publikum in eher noch ver­stärktem Umfange weiter. Man konnte aber feft- ftellen, daß sich das Publikumsinteresse schon wieder stärker spezialisiert, so daß die Kursentwicklung keine einheitliche war. Zum Teil stießen die Kaufaufträge auch auf leere Märkte und hatten dadurch über­mäßig große Kursgewinne zur Folge. Als bevor­zugt sind heute Farben, Elektro-und Montanpapiere zu nennen, von denen Phönix, HEW. (auf Divi­dendenvorschlag von 8,50 nach 10 v. H.) und RWE. mit Plus-Plus-Zeichen erschienen. Auch Schiffahrts­aktien notierten plus-plus und wurden bis zu 2,13 0. H. über Samstag festgesetzt. Ferner standen Tex­tilwerte im Vordergründe, von denen Bremer Wolle 7 v. H. über letzter Notiz lagen, Aku 2,65 v. H. höher eröffneten und Bemberg zunächst nur Plus- Plus-Notiz hatten. Später wurden sie 7,75 v. H. höher festgesetzt. Auch HEW. gelangten 7 v. H. über Samstag zur Notiz. Farben nahmen die Pari­grenze, nachdem die zu diesem Kurs vorliegenden Derkaufslimite annulliert worden waren. An sonsti­gen Bewegungen sind noch BEW. mit plus 4,50,

Ilse mit plus 5,25 v.H., Wintershall mit plus zirka 4 v. H., Chade mit plus 4,50 Mark, Rheag mit plus 4,25 und Feldmühle mit plus 3,25 0. H. zu erwäh­nen. Im Durchschnitt betrugen die Gewinne sonst etwa 2 v. H. Deutsche Kabel eröffneten 1,90 v. H. niedriger auffallend schwach.

Jrn Verlaufe erfuhren die anfangs besonders ge­stiegenen Spezialwerte unbedeutende Abbröckelun­gen, die Grundstirnrnung blieb aber weiter fest. Am Rentenmarkt war das Geschäft im Vergleich zu den Aktienmärkten nicht ganz so lebhaft. Reichs­schuldbuchforderungen wurden aber trotz­dem bis zu 1,50 v.H. hoher genannt. Industrie- obligationen lagen im Einklang mit den Aktien ebenfalls kräftig gebessert, Vereinigte Stahl­bonds gewannen nach Plus-Plus-Notiz 2>7d v. H. Liquidations- und Goldpfandbriefe wurden bis zu 0,50 v. H. hoher taxiert. Deutsche Anleihen waren ebenfalls befestigt. Von Aus­landsrenten lagen die 5prozentigen Bosnier etwas schwächer, während Mexikaner, Ungarn, Anatolier und Mazedonier weiter ausgesprochen fest tendier­ten. Die nach den ersten Kursen eingetretene leichte Abschwächung wurde schnell überwunden, bei einer ganzen Reihe von Papieren wurden neue Höchst­kurse erreicht, die bis zu 2 v. H. über Anfang lagen.

Am Berliner Geldmarkt erfuhr der Satz für Tagesgeld zwar eine Ermäßigung auf 5,65 0. H. an der unteren Grenze, die Erleichterung macht aber nur langsame Fortschritte. Am Wechselmarkt herrschte stärkere Zurückhaltung, wobei die erwar­tete Diskontsenkung eine Rolle spielt, das heraus­kommende Material war sehr knapp und die Nach­frage ziemlich beträchtlich.

Frankfurt unverändert fest.

Frankfurt a. M.. 5. Sept. (WTB. Draht­meldung.) Auch zu Beginn der neuen Woche machte die Aufwärtsbewegung der Kurse große Fortschritte, da das Publikum mit Käufen in ver­stärktem Ausmaß am Markte war. Hinzu kam noch die weitere Hausse an der Reuhorker Börse und die augenblickliche innerpolitische Lage, die eine wesentliche Beruhigung erfahren habe. Da­neben erwartet man aus dem Wirtschaftspro­gramm der Reichsregierung eine wesentliche Be- febung für die verschiedensten Industrien. Bei leb­haften Umsätzen ergaben sich gegen die Wochen­schlußbörse durchschnittlich Kurserhöhungen von 1 bis 3 Prozent.

Spezialwerte lagen darüber hinaus bis zu 4 Proz. und am Kunstseidemarkt Bemberg so­gar 8 Proz. fester. Rach den ersten Kursen bröckel­ten die Papiere auf Realisationen der Spekulation leicht ab. Später setzte sich aber eine Befestigung durch, weil die Käufe des Publikums überwogen. Markante Besserungen hatten IG., AEG., Ges- fürel, Rhein. Elektro Mannheim, Aku, Dekula und Phönix Bergbau, die von 3,25 bis 4 Proz. ge­wannen. Mehr gefragt waren ferner Schiffahrts­aktien mit Erhöhungen bis zu 2,5 Proz. Die übri­gen Montan-, Elektro- und Chemiewerte verzeich­neten Gewinne von 1,25 bis 3 Proz. Bon Dau- unternehmungswerten lagen Zement Heidelberg 3 und Holzmann 1 Proz. höher. Fester eröffneten noch Dt. Linoleum, Tietz und Contigummi, die bis zu 2,75 Proz. anzogen, ferner Salzdetfurth, Zell­

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