Nr. |54 Zweites Blatt
Eiehener Anzeiger (Seneral-Anzelger für Gveryetze...
utomag, 4. Zuli (952
eine Nation wie Chile unerträglich ist, daß die gesamte Produktionskraft in Kupfer und Salpeter nur deswegen stillgelegt werden kann, weil die produzierenden Gesellschaften finanziell an ihrem Ende angelangt waren. Da die Welt nicht mehr das Kupfer ausnehmen kann, was produziert wird, nicht zuletzt, weil die Reparations' und sonstigen internationalen Schulden den besten Kunden Deutschland ruiniert haben, haben die Kupferindustriellen beschlossen, die Produktion auf ein Fünftel zu drosseln. Da die Nordamerikaner lieber ihre eigenen Arbeitslosen beschäftigen, wollten sie in Chile überhaupt schließen. Aehnlich liegen die Dinge beim Salpeter. Die C 0 s a ch der große, ganz unter Einfluß der Nordamerikaner stehende Trust, ist finanziell fertig, die ungeheure Schuldenlast läßt eine Preissenkung nicht zu, und so ging ein Markt nach dem anderen verloren. Bisher konnten die Gläubiger sich nicht dazu verstehen, den unvermeidlichen Strich unter ihre Forderungen zu ziehen.
So war Chile vom Weltmarkt abgeschnitten, die Folge konnte nur eine Katastrophe fein. Jetzt will die Regierung mit Energie versuchen, den Außenhandel selb st mit Verlusten aufrechtzuerhalten denn schließlich gibt es die Waren, die Chile selber dringend braucht, sowohl Rohstoffe wie Zucker und Benzin oder Jndustrieartikel aller Art, in der Welt im äleberfluß, in Deutschland feiern Millionen, die ihrerseits chilenische Produkte gut gebrauchen könnten. So ist dieser Sozialismus toeit entfernt von jedem Kommunismus und jeder Sowjetherrschaft. Er stützt sich wohl auf die Arbeitermassen, nicht aber auf die kommunistische Partei, die sich bereits gegen die Revolution aus-
Pfennig wert war. Cs war ausgeschlossen daß die Gehälter und Löhne, die damals halbiert und gedrittelt worden waren, jetzt durch den Kurssturz nochmals geviertelt würden. Dor allem hatten viele die Auffassung, daß die Regierung an diesem Sturz insofern schuld wäre, als sie nicht mit der nötigen Energie gegen die nord- amerikanischen Kupfer- und Salpeter i n d u st r i e l l e n vorginge, die doch mehr als vier Fünftel der Exportdevisen in der Hand hielten. Sie allein waren ausdrücklich von den scharfen Bestimmungen befreit, denen sonst alle chilenischen Exporteure unterliegen.
Bereits am Abend des 3. Juni 1932 lesen in Santiago Gerüchte um, daß die Truppen der Fliegerschule in „@I Bosque" bei Santiago revolutionäre Umtriebe planten. Die Regierung berief daraufhin in der Nacht den Leiter, Oberst Marmaduke Grove, ab und befahl ihm, sich dem Wehrministerium zur Verfügung zu stellen. Daraufhin erhöhens ichdieTruppen, seh- ten den von der Regierung geschickten neuen Kommandeur fest und sandten am Samstag, dem 4. Juni, in aller Früh' ein Ultimatum an den Staatspräsidenten Montero, sofort zurückzutreten und die Macht an die revolutionäre „Junta" abzugeben die aus dem früheren General Fuga, dem früheren Botschafter in 'Washington, Dadilla, und dem Großmeister der chilenischen Freimaurer (der dann allerdings sofort als solcher abgesetzt wurde), Matte, gebildet wurde.
Montero lehnte jede Unterwerfung ab. Cr befahl den verschiedenen Regimentern der Garnison Santiago und der nächsten Umgebung, gegen die Aufrührer zu marschieren mußte aber zu seiner großen Ueberraschung erfahren daß das gesamte Heer mit der Revolution sympathisierte und den Gehorsam verweigerte. Im Gegenteil, alle Regimenter schickten nach dem Bosque Abordnungen, die die volle Zustimmung zur Erhebung ausdrücken sollten. Jetzt drohte der Führer der Revolution Oberst Grove, den Regierungspalast, die Moneda, bombardieren zu lassen, wenn Montero nicht abdanke. Inzwischen hatte die Bevölkerung von Santiago sich vor der Moneda versammelt. Die Aerzte, Advokaten Bankbeamte und Studenten die vor einem Jahr die „Tyrannei" von Ibanez gestürzt hatten, Protestierten gegen 1 ede neue Militärdiktatur, aber schon kamen auch Arbeiter, die für die inzwischen ausgerufene sozialistische Republik Stellung nahmen. Da nahten um 12 Uhr die angekündigten Fliegergeschwader. Sie gingen auf der breiten Zentralstrahe, der Alameda, so tief herunter, daß sie teilweise die Telephondrähte streiften. Das war die Ankündigung desDombar- d e m e n t s. In diesem Augenblick flogen auch schon die ersten Steine gegen die Straßenbahnwagen, und gleich wurde auch eine Denzintankstelle angezündet. Die vor der Moneda stehenden Ca- rabineros (die den Schupos entsprechen) schossen scharf und zerstreuten die Demonstranten: dabei sind vier Menschen getötet worden, darunter auch ein opfermutiger Kameramann der die Unruhen kurbeln wollte
Als Montero sah, daß das Heer chn im Stich lieh, bat er den früheren Staatspräsidenten Ar-
Die Revolution in Chtte.
Erster authentischer Bericht über den Kurs der sozialistischen Republik in Chile.
Don unserem Dr. S.-Derichterstatter
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I
Die Revolution in Chile hat bekanntlich das größte Aufsehen erregt. Doch war es bisher nicht möglich, ein klares Bild von den Ereignissen zu gewinnen, da nur wenige Originaltelegramme aus Chile nach Deutschland gelangt sind und in der Hauptsache nordamerikanische Berichte — die aus durchsichtigen Gründen die Dorkommnisse entstellten. Wir nehmen daher an, daß der nachfolgende, auf dem Luftwege hierher beförderte Originalbericht aus Santiago, der „nur" drei Wochen unterwegs gewesen ist (ein normaler Brief braucht zur Zeit infolge der Unterbrechung der Andenbahn etwa sechs bis sieben Wochen) das besondere Interesse unserer .Leser finden wird. Der Bericht schildert die Ereignisse bis zu dem Augenblick der Machtergreifung der Revolutionäre am 9. Juni. Seitdem ist es bekanntlich zu Streitigkeiten zwischen dem linken Flügel der Revolutionäre unter Führung des Flieger- obersten Marmaduke Grove und dem rechten unter der Leitung des früheren chilenischen Botschafters in Washington, Dvn Carlos D a v i l a, gekommen, die zu einer zweiten Revolution geführt haben, bei der Grove und die Kommunisten verloren. Davila ist zur Zeit der maßgebende Mann in Chile. Ueber feine Absichten dürfte der vorliegende Dries besondere interessante Aufschlüsse vermitteln. Der Brief ist also durchaus nicht durch die Ereignisse überholt.
Santiago, 9. Juni 1932.
Wieder ist eine Revolution über eine südamerikanische Republik hinweggebraust, wieder ist ein Präsident gestürzt worden und außer Landes gegangen. Aber diesmal handelt es sich um mehr als um die Revolutionen, wie wir sie seit Moei Jahren als Folgen der schweren Weltwirtschaftskrise so häufig gesehen haben. Es sind nicht nur Personen ausgewechselt worden, während das System das alte blieb. Zum ersten Male wurde eine „soziali st ische Republik" ausgerufen, die mit einem klaren, großzügigen Programm .ihre Arbeit begann.
Der Anlaß zur Revolution lag zum größten Teil in den Währungsschwierigkeiten. Die letzten Ursachen liegen allerdings viel tie- f e r. Aber nichts brachte den breiten arbeitenden Massen — die nur einen geringen Anteil am Umsturz haben — und dem Heere, der Flotte und auch den militärisch organisierten Polizeitruppen klarer zum Dewußtsein, daß es unmöglich war, in der bisherigen Weife fortzuregieren, als die Geldkatastrophe.
Zwar hatte die Regierung den amtlichen Peso- Kurs auf drei englische pence Gold festgesetzt, aber am Tage vor dem Umsturz wurde bereits der Peso nur noch mit anderthalb pence, also zwölf deutschen Pfennigen, bewertet. Auf dieser Basis fingen alle Importartikel an, sich einzustellen. Nun waren aber im vergangenen Jahre alle Lohne und Gehälter aufs schärfste gekürzt worden, damals, als der Peso noch 50
.uio -211 c 11 a n b r 1, seinen Gegenkandidaten 0?? den letzten Präsidentschaftswahlen und den geistigen Führer der Linksopposition zu vermitteln. Aber dessen Besuch im revolutionären Hauptquartier El Bosque war vergeblich. Grove erklärte, daß eine völlige Aenderung in oer chilenischen Politik eintreten müßte, und daß Montero die Macht bedingungslos übergeben muhte. Alessandri solle ausrichten, wenn diese Uebergabe nicht erfolge, würden die Flieger die Moneda mit Bomben belegen. Die bei Montero versammelten Notabeln, die Senatoren und politischen Führer der Rechten, sahen ein, daß jeder Widerstand nutzlos sei und nur unnötiges Blutvergießen zur Folge hätte. Es war unnötig, daß Grove mit seinem Heer anrücke. So erschien er mit den Führern der Revolution, im Auto vor dem Regierungspalast, Montero erklärte sich außerstande, im Amt zu verbleiben und zog sich zurück, ohne eine formelle Abdankung unterschrieben zu haben. Um halb sieben hatte die Revolution vollständig gesiegt, ohne daß irgendwo in der Provinz Widerstand geleistet worden wäre.
Noch in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde d i e neue Regierung gebildet und das revolutionäre Manifest erlassen. Nur Grove blieb als Wehrminister, fönst waren es nur Z i • vilisten, die die neuen Minister stellten. Es waren meist Leute, die bisher politisch nur wenig hervorgetreten waren. Ihr Programm war die scharfe Zusammenfassung der Produktionskräfte des Landes in der Hand des Staates. Dor allem sollte der Außenhandel, der bisher im Export zu vier Fünfteln in den Händen der Nordamerikaner gelegen hatte, verstaatlicht werden. Der Grundgedanke ist der, daß es für
Riesenüberschwemmung in Rumänien.
Blick auf das vollkommen überschwemmte Bahngelände von Jassy, der Hauptstadt der Moldau, wo ebenso wie in Bessarabien die Ueberschwemmungs-Katastrophen der letzten Wochen Hunderte von Toten und Verletzten forderten.
Elisabeth
erobert sich das Glück Roman von Margarete Ankelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle.
26 Fortfet ..g. Nachdruck Derboien!
Ein Wutblick streifte den jungen Mann. Der sah ihn nicht, nur Elisabeth sah ihn, und ein jäher Glückstaumel durchfuhr sie...
Sobald es dunkel war, sollte ein großes Feuerwerk abgebrannt werden. Noch war es nicht so weit, noch tanzte man im Dämmerlicht auf der großen Fläche, mitten im Park. Elisabeth war von einem Arm zum anderen geflogen. Mit allen hatte sie getanzt, nur Lothar von Eckertsburg hatte sie nicht zu Gesicht bekommen. Endlich war es ihr geglückt, sich unbemerkt dem Trubel zu entziehen.
Sie war reichlich abgespannt, sehnte sich nach Ruhe und ging langsam durch stille, abgelegene Wege des großen Parks. Tiefe Dämmerung herrschte unter den dicken Bäumen.
An einem kleinen Weiher stand eine weihe Dank. Elisabeth setzte sich, schaute weltvergessen auf die weißen Wasserrosen. Ihre Gedanken kreisten um den Mann, den sie liebte. Ihr Gesicht spiegelte ihre Gedanken wider: ein leises, glückliches Lächeln spielte um ihren Mund, der einen leisen Seufzer ausstieh.
Dieser Seufzer mischte sich mit dem tiefen Atemzug eines Mannes, der plötzlich hinter Elisabeth stand. Sie fuhr in die Hohe, überrascht, daß noch ein anderer Mensch hier in dieser Einsamkeit weilte.
Die schnellte empor, als sie Hubert Heilmann erblickte, wandte sich rasch zum Gehen. Der Mann vertrat ihr den Weg.
„ClifabethI"
Ein kühler, fast verächtlicher Dlick streifte ihn. „Derzeihung! Gehen Sie nicht so von mir! Lassen Sie mich Ihnen alles Tagen!“
„Fch wüßte nicht, was wir uns zu sagen hätten, Herr Landgerichtsrat. Ditte, geben Sie mir den Weg frei!"
„Elisabeth — mein Gott, seien Sie doch barmherzig! Gönnen Sie mir ein freundliches Wort!"
Und als sie stumm blieb, fuhr er hastig fort: „Jahrelang habe ich auf diesen Augenblick gewartet, mich danach gesehnt, mich zu rechtfertigen. Heute muß es geschehen. Ich weiß, Elisabeth, daß ich schurkig gehandelt habe: aber — Sie müssen mir das glauben: ich war nicht schuld daran. Man hat mich gezwungen, durch Lüge, durch Der- rat; man hat uns schmählich betrogen. Und von dem Augenblick an, in dem mir die Augen auf- . gegangen sind, war mein ganzes Leben nichts anderes als Reue, als Trauer um das, was ich verloren hatte. Ich bin ein unglücklicher Mann
geworden, das müssen Sie mir glauben. Und ich habe keinen anderen Wunsch mehr als den, daß Sie mir verzeihen!"
Verwundert fast hatte Elisabeth zugehort. Es tarn ihr sonderbar vor, daß das alles ihr galt, und es erschien ihr unbegreiflich, daß sie diesen Mann einst geliebt hatte, seinetwegen unglücklich gewesen war.
„Sie schweigen, Elisabeth? Sie verzeihen mir nicht?"
„Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen, Herr Landgerichtsrat."
„Ich habe Sie zu tief gekränkt, Elisabeth, ich weiß es. Sie können nicht verzeihen?"
„Nein, Herr Landgerichtsrat, Sie irren. Das, was sich damals ereignet hatte, das liegt so weit hinter mir, daß ich nichts mehr davon weiß. Damals, ja, damals war ich tief unglücklich. Aber das alles ist abgetan, und ich hätte es geschmackvoller von Ihnen gefunden, wenn Sie auch heute nicht darüber gesprochen hätten."
„Ich hätte wahrscheinlich geschwiegen — wenn — wenn ich dich nicht heute noch liebte, Elisabeth ...“
„Schweigen Sie!" Elisabeth wollte davoneilen wurde aber von Heilmann so gehindert, daß sie nur mit Gewalt den Weg frei bekommen hätte.
„Nein, ich kann nicht schweigen. Einmal muh ich es von der Seele reden, was mich seit Jahren fast erdrückte. Ich liebe dich, Elisabeth, wie ich nie eine andere Frau geliebt habe. Du weiht nicht, wie hart und grausam man war, um uns zu trennen. Du kannst es nicht wissen, sonst würdest du mir verzeihen, würdest mir glauben, Elisabeth."
„Sie sollen nicht so zu mir sprechen, Herr Doktor Heilmann. Es ist das beste, wir beenden dieses Gespräch, das für uns beide peinlich ist und das zu nichts führen kann.
Ich will nicht an diese schreckliche Zeit erinnert werden, in der ich zugrunde gegangen wäre, wenn sich mir nicht eine rettende Hand entgegengestreckt hätte. Hilflos stand ich da, verlassen von dem Manne, dem ich vertraut hatte. Müde war ich und abgestumpft, wollte vom Leben nichts mehr wissen. Dah ich es doch gemeistert habe, dah ich geworden bin, was ich heute bin, das verdanke ich fremden Menschen, während der Mann, der zu mir gehören sollte, sich feige abgewandt hatte...“
Erschöpft hielt Elisabeth inne. Ohne dah sie es wollte, hatte sie sich doch erregt, war die Vergangenheit lebendig geworden. Hubert Heilmann hatte regungslos zugehört, hatte die Anllagen über sich ergehen lassen ohne sich zu rühren. Er fühlte, dah die Wunde in Elisabeth noch nicht ganz vernarbt war, und er hielt es für ein Zeichen dah irgendein Gefühl für ihn noch in ihr lebte. Eine neue Hoffnung erfüllte ihn.
„Du hast ein falsches Bild von mir, Elisabeth. Niemals habe ich mich herzlos von dir abgewandt. Verzweifelt war ich und elend, als ich glauben muhte, daß du plötzlich meine Briefe nicht mehr
beantworten wolltest, als ich kein Sterbenswörtchen mehr von dir horte. Wie ein Irrsinniger habe ich auf Nachricht von dir gewartet, bis ich endlich glauben muhte, du habest mich vergessen..
Und dann — die aufgedrängte Braut — die freudlose Ehe — es war ein furchtbares Beben, ohne Freude, ohne Ruhe. Immer, die ganzen Jahre übet wurde ich an dich erinnert, muhte die Berichte lesen über deinen Ruhm. Und ich muhte abseits stehen, durfte nichts von dir wissen. Oh, es war schrecklich, denn ich liebte dich, die ganzen Jahre über, heih und unvermindert...“
Es war ganz still nach seinen Worten. Elisabeth stand halb abgewandt da. In ihr war ein Zwiespalt. Gewiß mochte er viel gelitten haben. Aber er war selbst schuld daran, hatte wie ein Feigling gehandelt, hatte sich von seinem Vater übertölpeln lassen. Wenn et damals ein Mann gewesen wäre..
Plötzlich fühlte sie seine Hand auf ihrem Atm. Entsetzt wich sie zurück.
„Elisabeth, sagen Sie mir: Ihre gute Mutter, grollte sie mir auch?"
Elisabeth fuhr zurück. Sie sagte leise und hastig:
„Mein Mütterchen hat gottlob niemals erfahren, wie bitter ihr Kind zu leiden hatte. Sie starb an dem Tage, an dem Hilde von Larsen mir Ihre Verlobung mitteilte. Und wissen Sie, Herr Landgerichtsrat, mit welchen Worten meine Mutter starb? Weine nicht, sagte sie, ich weih, I dah du glücklich werden wirst, du hast ja Hubert." |
Mit einem grellen Auflachen hielt sie inne. Dann fuhr sie fort:
„Sie sehen mich starr an. Ja, so war es. Ich habe unendlich gelitten in dieser Zeit. Sie ist vorübergegangen, wie alles im Leben.
Dann ging es mir gut, weil gute Menschen sich meiner annahmen. Aber wenn ich zugrunde gegangen wäre in Schmutz und Elend, Sie hätten sich nicht darum gekümmert — Sie mit Ihrer großen, unvergänglichen Liebe..."
Eine dumpfe Pause entstand nach diesen Worten. Dann zog Elisabeth ihr Kleid an sich und schritt vorüber an dem zus ammengesunkenen Mann, den Weg zurück, den sie gekommen war. Langsam nur konnte sie gehen, die Deine zitterten ihr vor Erregung. Sie fühlte sich müde, zum Umsinken. Wenn es doch irgend jemanden gäbe, an dessen Brust sie sich ausruhen konnte, bei dem sie geborgen war! Ihr Herz schrie nach diesem Menschen.
Sie war reich, war berühmt, war verwöhnt von allen Menschen. Aber das, wonach sie sich sehnte, war ihr versagt. Der Mann, den sie liebte, verschloß sich ihr.
Leise weinend war Elisabeth auf einen Baumstamm gesunken, sah verloren da, wie ein kleines Kind, das nicht mehr aus noch ein weih.
Plötzlich fühlte sie zwei Arme um ihren Hals, zwei Augen lohten heih in die ihren.
„Sie weinen. Elisabeth... Was ist geschehen?"
Bei dem Klange dieser Stimme brach ihr letzte Kraft. Aufschluchzend sank sie an die Schulter des Mannes, weinte leidenschaftlich in sich hinein
Eckertsburg rührte sich nicht, obwohl dieser blonde Kopf an seiner Schulter ihn fast um den Verstand brachte. Jäh, überraschend war diese Situation über ihn her gefallen dah dieser weltgewandte Mann sich benahm wie ein halbwüchsiger Jüngling. Daß er ankämpfen muhte gegen das wilde Herzklopfen, das ihn befallen hatte. Siedend heiß strömte das Blut durch feinen Körper. und er war doch völlig gelähmt — sonst hätte er die Frau an sich gezogen, um sie nie wieder zu lassen.
Elisabeths Weinen hatte sich beruhigt. Sie richtete sich nun auf.
„Verzeihen Sie mir, Herr von Eckertsburg! Jch^muh Ihnen Aufklärung geben — kommen
Mit gebrochener Stimme flüsterte es Elisabeth. Sie war völlig verstört. Unbewußt fast hatte sie sich an die Brust dieses Mannes geworfen, Trost zu finden. Dis es wie ein Eisschauer über sie hingegangen war. Jetzt wußte sie es' bestimmt, daß ihre Liebe nicht erwidert wurde. Jetzt, wo er kalt und hart geblieben war, während sie an seiner Drust weinte.
„Ich mochte nach Hause, Herr von Eckertsburg: ich kann nicht mehr hierbleiben. Unterwegs werde ich Ihnen alles erzählen."
Als sie dann im Auto saßen, berichtete Elisabeth. Sie erzählte von ihrer Jugendliebe, von ihrer Enttäuschung. Dann berichtete sie ihm von dem Zusammentreffen am Abend.
„2ch kann nicht mehr hierbleiben — jetzt! Unter keinen Umständen will ich Hubert Heilmann noch einmal sehen. Heute nacht noch fahre ich nach Leipzig zurück."
Eckertsburg beruhigte sie mit zarten Worten Leise sagte er ihr, daß er schon durch Professor Landar flüchtig von der Liebesgeschichte gehört, daß er aber nicht gewußt hatte, daß Hubert Hellmann der Wqrtbrüchige gewesen war. Sonst hätte er dafür gesorgt, daß er Elisabeths Weg heute nicht gekreuzt hätte.
„Sie müssen ruhig werden, Elisabeth. Traute würde sonst erschrecken. Und Sie werden auch heute nacht nicht fahren, sondern morgen früh. Sie versprechen mir das— nicht wahr?"
Müde und ergeben senkte Elisabeth das Haupt. Ein wenig später, nachdem sie und Eckertsburg in der Villa eintrafen, kamen auch die anderen Sie waren nicht wenig erschrocken, als sie von Elisabeths plötzlichem Aufbruch vernommen hatten, und waren in größter Eile nach Hause gefahren.
Traute erfuhr nicht viel von Elisabeth. Aber sie kannte die Freundin genug, um nicht weiter in sie zu drängen, als sie am anderen Morgen nach Leipzig zurückfahren wollte.


