Ausgabe 
4.3.1932
 
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Nr. 54 Zweites Blatt

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Afrika stirbt.

Ericbnifsc und Erfahrungen

itf Hans Tchonrburgks letzter Expedition.

Braungebrannt, mit groben leuchteten Augen, ftftt er mir gegenüber, der soeben zurückgekehrte Afrikaforscher Schomburgk. Groh, sehnig und energisch ist er, trotz seiner angegrauten Haare wie ein Jüngling wirkend, ein Musterexemplar der zähen, auf sich und chre Krast vertrauenden Öattung deutscher Männer. Mit vier Autos hat er Afrika von Südosten nach Nordwesten durch­quert, über Stock und Stein, durch Sumpf und Llrwald, denn Wege gibt es kaum, und was man dort als Wege bezeichnet, sind bestenfalls aus- getrocknete steinige Flußbette, in denen man j<ben Augenblick bis an die Achsen im Sand zu versinken droht. Sr ist ein wenig resigniert zurückgekommen, aber nicht resigniert unö müde von den unmenschlichen Anstrengungen, deren es bedurfte, um nach über einem halben Jahr ans Ziel zu kommen, sondern resigniert über das. was er als Eindrücke und Erlebnisse aus dem schwarzen Erdteil mit nach Hause brachte

Es war meine letzte Expeditio nl", legt Schomburgk traurig,denn das Afrika, das ich ersehnte und liebte Sie wissen, daß ich als 17jähriger Dengel zum erstenmal an seiner Küste landete dieses Afrika lebt nicht mehr, ober kaum noch. Bald wird das urwüchsige Afrika, der Erdteil der Wildnis und der Natur- nahe, nur noch eine schöne Erinnerung sein. Ich will das nicht mit eigenen Augen ansehen, und darum habe ich mich entschlossen, dem Erdteil, dem die Liebe und Degeisterung eines Menschen­lebens galt, Lebewohl zu sagen.

Afrika stirbt! Unaufhaltsam dringt die Zivilisation vom Norden und Süden in das Innere, ersaht die Eingeborenenstamme im Zen­trum des schwarzen Erdteils, die vor 30 Jahren, damals, als ich als Polizeibeamter der Kolonie Xatal meinen ersten Afrikadienst leistete, noch kum jemals Weihe gesehen hatten. Dom natur- mihen und von der Natur lebenden schwarzen Tlenschen werden sie zu farbigem Industrieprole- kriat, das die Natur- und Bodenschätze für den treiben Eroberer nutzt Mitten im Lande wachsen Liesenstadte aus dem Urtoalb oder den Sümpfen, trenn Bodenschätze die Ausbeute lohnen.

Wenn Wärme. Landschaft und urwüchsiges Menschentum vereint das Paradies bedeuten

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Deutschlands neues handelspolitisches Rüstzeug.

r U^longe gedauert, bis die Reichsregierung sich endlich dazu aufraffte, ihr handelspoli- t i f ch e s Rüstzeug der Neugestaltung der internationalen 5) a n d e l s p o l i t i k an- «upaffen. DaI Deutschland vor dem Kriege ein säst lückenloses «ystem von Handelsverträgen ousgearbeitet hatte, das sehr viel dazu beitrug, bfn glänzenden wirtschaftlichen Ausstieg möglich \u machen, das ist leider nur noch eine geschichtliche Erinnerung. Der Krieg hatte diese Verträge ium größten Teil zerrissen, was der Versailler Vertrag noch dadurch verschärfte, dah er Deutschland die e t n s e 111 g e M e i st b e g ü n ft i g u n g auszwang. Lis zum Januar 1925 war Deutschland außer- stande, sich handelspolitisch zu betätigen, denn die Erhöhuna einer Reihe von Zollsätzen, insbesondere für industrielle Erzeugnisse, war nur ein Abwehr- mittel, also nicht als Vertragspolitik gedacht. Zn- zwischen hat Deutschland, nachdem es sich Handels- politisch wieder betätigen konnte, wohl eine Reihe von Handels' und <7chifsahrtsverhandlungen abgc Klössen, weiter larifbinbungen durchgesetzt, aber

s Gesicht der deutschen Handelspolitik hat dadurch keine neue Gestalt gewonnen.

Die Handelspolitik der Vorkriegszeit kann heute richt einfach wiederholt werden. Zunächst einmal hat der Krieg fast in allen Rohstoffländern eine eigene Industrie entwickelt, der Versailler Der- trag £at neue Staaten geschaffen, die ihre staat­liche Sicherheit und Abrundung durch eine Hoch- schütz politik zu erreichen suchen. Hinzu kommt weiter, dah Deutschland sowohl unter dem Dawes- Vlon als erst recht unter dem Voung-Plan ge­lungen wurde, seine Ausfuhr u in jeden »reis 3 u steigern, um aus dem Ausfuhr- Überschuh die Tribute bezahlen zu können. Diese Entwicklung hat zur Lähmung des internationalen Handels und damit zur Wirtschaftskrise geführt, die sich ohne Beseitigung der Ursachen nicht über- winden läht. In der Wirtschaftskrise selbst ist nach und nach der wirtschaftliche Kriegs zu- ft a n b aller gegen alle entstanden, der als Waffen Äollerhöhungen, Einfuhrbeschränkungen und Zoll- kriege benutzt.

der handelspolitische Widerstand der Länder, die oon deutschen Fertigwaren buchstäblich über­schwemmt wurden.

Deutschlands Versuch, sein Markt- und Absatzge­biet durch die Zollunion mit Oe st erreich zunächst zu erweitern, ist von Frankreich aus eigen- aützlgen Gründen verhindert worden, womit Frankreich ungewollt den Poungplan zer­trümmerte. Frankreich selbst hat sich durch ein ausgeklügeltes Zoll, und Handelsvertragsspstem gegen jede Ueberschwemmung mit deutschen Waren gesichert, zumal es neuerdings sogar dazu überge- gangen ist, den größten Teil der deutschen Einfuhr mengenmäßig auf ein Mindestmaß zu beschränken. Ändere Länder find damit voraufgegangen oder werden nachfolgen, so dah Deutschland, wenn es aicht von der Entwicklung überrannt werden will, aichts anderes übrig bleibt, als sein handelspoliti- irhes Rüstzeug neu ju gestalten.

Es ist an und für sich nötig, die Meistbegün- ftigung zu veredeln, aber dies reicht nicht aus.

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Während alle anderen Länder Handels- und zoll­politisch eine sehr starke Tätigkeit entwickelt hc begnügte sich Deutschland damit, nach dem ai, der Überhöhten Zölle, aus den Inslationsjahren mit dem Zolltarif von 1 90 2 zurechtzukom- men. Dieser Zolltarif hatte sich bewährt unter Der- hältnissen, die sich mit denen von heute nicht oer- gleiHen lassen Wenn auch eine Anpassung an die Veränderung des Geldwertes durch Zollerhöhungen in einzelnen Fällen versucht worden ist, so reichte Da» nicht entfernt aus, der wirtschaftlichen Neuge­staltung Rechnung zu tragen. Als Deutschland um ttr dem Voungplan feine Ausfuhr mengen- und wertmäßig immer mehr steigerte, versteifte sich auch

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Siebener Anzeiger (Seneral-Anzetger für Sderheffen,

Freitag, 4. März 1952

um handelspolitisch nennenswerte Erfolge zu er­zielen. Es gibt noch immer eine Reihe von Län- dem, mit denen Deutschland in gar keinem Bertragsverhältnis steht, die aber trotz­dem verhältnismäßig große Warenmengen nach Deutschland werfen können. Es fei hier nur an Kanada und den australischen Bund er­innert, die (Betreibe und Wolle nach Deutschland liefern, die aber umgekehrt nur ganz geringe Men­gen von Deutschland beziehen. Der deutsche Zoll, tarif von 1902 reicht trotz aller Verbesserungen nicht aus, um die deutschen Grenzen gegen eine wirt- schastlich und sozial nicht notwendige Einfuhr zu sichern. Hier will die Reichsregierung durch die Ausgestaltung des Zolltarifs zu einem Doppeltarif abhelfen. Als Mindest- tarif bleibt der bisherige Zolltarif, dem ein Ober- tarif angegliedert wnd, der unter Umständen auch als Kampftarif eingesetzt werden kann. '

Ob es tatsächlich zu trifft, dah dieser Obertarif nicht lückenlos ist, das heißt, Ausnahmen z. B. für Lebensrnittel und wichtige industrielle Rohstoffe Mäht, steht noch nicht sicher fest. Wenn das der Fall wäre. Io wäre das angesichts der Handels- oolitischen Zwangslage Deutschlands ein Fehler, der schleunigst wieder gutgemacht werden mutz. Nur die L ü ck e n l o s i g k e i t^des Doppeltarifs bietet eine Waffe, die in jedem Fall und jedem anderen Lande

gegenüber angewandt werden kann. Die Drohung, die zum Beispiel oon Polen ausgeht, den deutschen Doppeltarif mit Kampfmaßnahmen zu beantworten, darf nicht schrecken Der Obertarif ist ja tatsächlich auch oon der deutschen Regierung als eine Kampfmahnahme gedacht worden, die ein- gesetzt werden soll, wenn es auf anderen Wegen nicht gelingt, um durch Verträge mit larifbinbun gen oder mit ber Meistbegünstigung in beschränkter öerm zu einer Sicherung bes Warenaustausches zu gelangen.

Der deutsche Markt ist für die internationale Wirtschaft nicht von nebensächlicher Bedeutung, denn mit einem Einfuhrbedars von 6 Milliarden Mark steht Deutschland immer noch an dritter Stelle. Solange Deutschland nur mit dem Zolltarif von 1902 ausgerüstet war, war es handelspolitisch wehrlos, wenn einzelne Lander die Verträge tun bigten, um ben Warenverkehr mit Deutfchlanb in Form oon Einfuhrbeschränkungen zu regeln. Hier soll ber Obertarif eingreifen, bas heiht, von sich aus selbsttätig dafür sorgen, baß der Abbruch oer fraglicher Beziehungen zu Deutschland nicht leicht genommen wird, weil ja immer noch die Meistbe günstigung sowie die Gesetze des Zolltarifs von 1902 die Einfuhr nach Deutschland möglich machen, wäh­rend umgekehrt die Ausfuhr Deutschlands durch die Mengenbeschränkungen gedrosselt wird.

Rußlands Rückzug im^ernen Osten

Bon unserem dl.-Derichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau, März 1932.

3n den letzten Februartagen hat sich im Mos­kauer Auswärtigen Kommissariat ein Dorgang abgespielt, der unter veränderten Verhältnissen der allzeit zu bissiger Ironie aufgelegten bol­schewistischen Presse bestimmt zu einem Hohngc- lächter Anlaß gegeben hätte. Da aber der Gegen­stand dieser Mißachtung niemand anders hatte sein können als der gegenwärtige Leiter der soll» jetrussischen auswärtigen Geschäste, Ka rach an, hat man die Zähne zusammengebissen und in ohnmächtigem Grimm geschwiegen.

Bei den vier .Fragen", die Karachan dem ja­panischen Botschafter Hi rot a im Namen der Sowjetregierung vorlegte, hat sich der Kreml be- merkenSwerterweise schon zu einem gewissen Maß von Energie aufgerafft. Die demütigenden An­forderungen, die der neue Beherrscher der Man­dschurei, Japan, ständig an die russisch- chinesischeLeitungderOstchina-Dahn stellte, brachte den Becher der Sowjetgeduld ohne­hin nahezu zum Ueberlausen. Denn sie liefen eindeutig daraus hinaus, daß die russisch-chine­sische Bahn den japanischen Eroberer-Interessen in der Mandschurei Vorschub leisten sollte. Was aber tun? Die Lage der Moskauer 'Beam­ten in Chardin ist gewiß nicht beneidenswert. Einmal sühlen sie sich auf einen außerordentlich exponierten Posten gestellt, der auch einen gro­ßen politischen Weitblick erfordert. Zum ande­ren aber wissen sie natürlich genau, daß Japan im Falle der Verweigerung ihrer Zustimmung zu japanischen Truppentransporten es jederzeit in der Hand hat, durch den Druck der Bajo­nette das zu erreichen, was auf gütlichem Wege nicht zu erreichen ist. Sie zeigten also stets bis­her auch wirklich die ihnen von der Moskauer Negierung diktierte Einsicht und fügten s i ch jedem japanischen .Wunsch".

Bei den neuesten Forderungen Japans geriet aber dennoch ihre Angst vor dem siegreichen Er- oberer^nit dem bolschwestisch-imperialistischen Pa­triotismus in einen argen Konflikt. Denn die ja­panischen Generale verlangten nichts mehr und nichts weniger, als daß Moskau feinGinver- ständnis zurDeförderung japani­

scher Truppen örtlich von Chardin bis fast jur Station Pogranitschnaja, der Grenzstation zwischen der Mandschurei und dem russischen Fenwst-Gebiet, gebe. Man war sich kei­nen Augenblick darüber im Unklaren, was daS bedeutet. Man sollte also anfeinemeigenen Untergang mithelfen, sozusaaen daS To­desurteil, das für das fernöstliche Küstengebiet durch Japan gefällt wurde, auch noch unterzeich­nen. DaS ging auch den Moskauer Leuten, die sonst auf Zurückhaltung eingeschworen sind, etwas zu weit und man legte dem japanischen Bot­schafter die bewußten vier Fragen vor, die Auf­klärung darüber verlangten, was die japanischen Truppen in dem russischen Grenzgebiet z u suchen hätten, für w i e lange ihre Ver­schiebung geplant sei usw. Botschafter Hirota be­richtete an seine Negierung und diese gab die gewünschten Aufklärungen, die in freundschaft­lichem Ton abgefaht waren und die dahin lau­teten, daß eine Verletzung russischer Interessen natürlich nicht geplant sei, daß es sich nur um den Schuh der eigenen Staatsbürger und sonst um nichts, aber auch um gar nichts anderes han­dele. Mit diesen Auklärungen gab sich Moskau zufrieden, weil es sich zufrieden geben mußte, und gestattete die Transporte, weil es in der Tat einen anderen Ausweg gar nicht gab.

Wenn man die ganze Geschichte des japani­schen Einfalls in die Mandschurei verfolgt, kommt man zu dem Ergebnis, daß Moskau schon recht oft gestatten muhte. Und wenn man sich über die japanischen Ziele, die mit der Ausrufung der mandschurischen Nepublik vorläufig ihren Gipfel­punkt erreicht haben, im klaren ist, so wird mart einsehen müssen, daß Moskau voraussichtlich noch sehr oft wird gestatten müssen es sei denn...

Freilich geht Japan ^ielbewuht vor. Die ele­mentare Entwicklungsrichtung in der japanischen Politik dessen ist man sich bewußt geht auf die Des itzergreifung der Mandschu­rei. Daran kann keine Gegnerschaft Rußlands, können keine Nesolutionen des Dölkerbundes und werden Wohl auch kaum die Proteste der Mächte etwas ändern. Man weiß auch, daß in dem gan­gen mandschurischen Konflikt der Gegensatz Japans zu Rußland das eigentlich Aus­schlaggebende ist, daß das Augenmerk der Ja­

paner sich vielmehr auf den russischen als auf den chinesischen Belitz richtet.

Und wenn eS bisher nur eine dunkle Vorahnung gewesen ist. so weiß man nach dem Einmarsch der Japaner in EHarbin und der Ausrufung de» mandschurilchen Freistaates auch, daß dies n u c eine Etappe ist. und daß es nur noch eine Frage der Zeit sein wird, daß Tokio auch seine Hand nach Wladiwostok, nach der nörd­lichen Hälfte von Sachalin und nach der gan­zen Küstenprovinz Sowjetrußlands aus- ttreden wird Man sieht klar in Moskau. Die neuesten Pläne, die Japan mit der Errichtung eines weißrussischen Pufferstaates mit Hilfe der unzähligen, in der Mandschurei lebenden Emi­granten verfolgt, haben es Moskau vor Augen geführt, daß lehr bald die Zeit kommen wird, wo es in Oftaficn blutiger Ernst wird. In Ehardin leben 80 000 sowjetfeindliche weiß- gardistische Emigranten, und in der ganzen Mandschurei ihrer mehrere Hunderttau­send gegenüber nur 20 000 Svwjetrussen.

WaS wird also Moskau tun ? Wird es weiter beide Augen zudrücken und immer nur gestat­ten? Sicher ist. daß die große Auseinander­setzung mit Japan einmal kommen wird. Aber heute schwankt noch Moskau zwischen den Ent­schlüssen bin und her, die alle große Gesahreii in sich bergen. In der Periode des sozialistischen. Ausbaus wäre ein Krieg mit Kosten verbunden, die die Kraft des Sowjetstaates einfach überstei­gen. Außerdem ist die große sibirische Bahn in einem so desorganisierten Zustand, baß d i e Nachschubfrage auch heute genau so wie 1905 von vornherein die Aussichten negativ entschei­den muß. Schließlich wäre aber innenpolitisch ein Mißerfolg von Folgen begleitet, die nicht nur für das Land, sondern was noch wichtiger ist für daS Regime die Geiftenz auss Spiel sehen würden. Andererseits ist auch, so seltsam es klingen mag, den Sowjetführern selbst der Ge­danke an einen Erfolg unheimlich. Man stelle sich eine siegreiche Armee in einem kommunisti­schen Staat vor! Stalins alter Gegenspieler W o- r o s ch i I o w würde in ungeahntem Maße Ober­wasser gewinnen. Don hier bi» zu einer mili­tärischen Diktatur wäre aber nur ein kleiner Schritt.

ES ist ein trübe» Bild, das sich in den Köpfen der Moskauer Politiker zeichnet. Noch nie war Rußland in den Kernfragen seiner Existenz mit der Weltpolitik so verbunden wie heute. Ja­pan hat seinen Vorschlag auf Abschluß eines Nichtangriffspaktes abgelehnt, Frankreich aber sabotiert die bereit» paraphierten Verein­barungen in der Praris jetzt in einer allen Frie­densbeteuerungen Hohn sprechenden 'Weise und steuert damit bewußt aus einen neuen Welb- branb hin. Wobei es überflüssig ist, zu beto­nen, daß natürlich auch Polen mit von der Partie sein würde. Deutschland aber nimmt hie zentrale Lage in Europa ein wor­aus sich die katastrophalen Schlußfolgerungen für uns von selbst ergeben.

Am Samstag beginnen wir mit dem Abdruck einer

Aufsatzreihe

H. R. Knickerbocker

Wie ein Amerikaner Deutschland sieht.

Der bekannte amerikanische Zeitungsreporter hat im Notwinter 1931/32 eine Autoreise durch Deutsch­land gemacht und aufschlußreiche Blicke hinter die deutsche Fassade tun können.

sollen dann hat dieses Paradies Afrika nur noch wenige Jahre zu leben!"

Schomburgk hat die Entwicklung Afrikas vom Primitiven zum Zivilisierten im Film festzu- haltcn gesucht, und er hat auch Naturaufnahmen gedreht, aber echte, und nicht gestellte, über deren Austauchen in europäischen Kinos sich Schomburgk bitter beklagt- Er hat die Natur un­verfälscht gedreht, wie er sie fand. Das Groß­wild. das ähnlich wie in USA. fast nur noch in Tierschuyparks ungeheuren Um­fanges vorkommt, filmte er im Nationalpark von Transvaal, der ungefähr so groß wie ganz Bayern und Württemberg zusammengenommcn ist. Löwen. Hyänen und Büffel. Giraffen und Antilopen wurden seine Filmbeute, und als be­sondere Ueberraschung wurde festgestellt, daß dort noch über 70 Elefanten leben, während man im ganzen Reservat nur ein oder zwei Dutzend vermutet hatte. Durch Flüsse mit tief aus- getrocknetem Eandbett. durch Steppe und Ur­wald. über Geröllhaldcn mit einer Steigung, deren Bezwingung für die schwcrbeladenen Last­wagen fast unmöglich schien, ging es weiter.

Im Verlauf dieser Fahrt gelang es. das sel­tenste Tier der Welt, das weihe Nashorn, zu photographieren. Die automobilistischc Lei­stung Schomburgks ist bewundernswert 14000 Kilometer wurden in fieben Monaten auf Wegen zurückgelegt, deren Zustand unsere Beschreibung nur unvollkommen wiedergibt Manchmal kam die Expedition in zwölf Stunden eines Fahrtages nur ebenso viele Kilometer vorwärts. An Flaschenzügen schleppten sich die schweren Last­wagen gegenseitig über die ärgsten Steigungen. Auch wisienschaftlichc Arbeit, vor allem zur Er­kundung der Lebensweise afrikanischen Wildes, konnte geleistet werden Es gelang einmal einen Büfsel auf vier Schritte Entfernung auszunehmen und einen Leoparden zu filmen, der Antilopen anschleicht.

Aber das allein ist nicht mehr Afrika auch dieser Erdteil und seine primitiven Menschen bekommen die Wirtschaftskrise zu spüren. Das erschütterndste Beispiel, das Schomburgk erzählt, ist die Geschichte der Stadt Elizabcth- ville. Als er vor fast 30 Jahren zum erstenmal dort war. bestand Elizabethville aus ein paar halbverfallenen Strohhütten. Inzwischen sind dort unermeßliche Kupferminen entdeckt worden, in kurzer Zeit entstand eine moderne Stadt mit 40 000 Einwohnern Jetzt ist der Kupserpreis so gefallen, dah die Minen stillgelegt werden muh­ten. Die aus den umliegenden Urwäldern zu-

sammengeholten schwarzen Arbeiter drohen zu verhungern. In dichten Scharen strömen sie zur Küste, zu den Hafenstädten, um dort Arbeit zu suchen, und auch die wenigen weihen Aufseher, Ingenieure und Kaufleute verlassen den Ort, der keine Arbeit und keinen Lohn mehr bietet. Die Stadt verödet, die Häuser verfallen, und in ein paar Monaten wird Elizabethville wieder das sein, was es vor 30 Jahren war ein Tummel­platz für Elefanten! H. H. H.

Wozu ist die Wollhandkrabbe gut?

Die Wollhandkrabbe, dieser Ändringling aus China, der sich von der Elbe aus in den deut­schen Gewässern immer mehr verbreitet hat und jetzt sogar bis zum Niederrhein vorgedrungen ist, hat nicht nur die Aufmerksamkeit der Gelehrten ge­funden. die sich mit diesem seltsamen afiatifc&en Eindringling eingehend befchäftigten. sondern macht sich auch den Fischern unangenehm bemerk­bar. indem sie die Netze zerreißt, den Köder von der Angel frißt und bereits gefangene Fische an- knabbert. Daß diese exotischr Krabbe Fische frißt, wie man behauptet, ist nicht richtig: sie kann bei massenhaftem Auftreten der Fischerei aber da­durch gefährlich werden, dah sie dieselbe Nah­rung wie die Fische, nämlich Muscheln und Schnecken, sucht und diesen nützlichen Tieren da­durch die Lebensmöglichkeit verringert. Da man die Krabbe nicht bekämpfen kann, so erhebt sich die Frage, wie man diesen unangenehmen Gast am besten verwerten kann: dasür ergeben sich einige Möglichkeiten, wie Dr Schnakenbeck in der Frank­furter Wochenschrift .Die Umschau" ausführt. Ob wir damit eine neue Delikatelle für unteren Tisch gewinnen, bleibt fraglich. Zwar haben bereits größere .Wollhandkrabben-Essen" in Magdeburg und Hannover ftattgesunden und das Fleisch wurde als sehr wohlschmeckend gerühmt. Die Ansichten sind aber geteilt, und schwerlich dürste die Woll­handkrabbe ein Nebenbuhler des Krebses und der Hummer Werdern In China wird sie wie alle an­deren Krabben gegessen. In der Fischerei kann man zerstampfte Wollhandkrabben als Aal­köder benutzen. Sodann sucht man sie als Dieh- futter zu verwerten: sie werden zerstampst. Hüh­nern und Schweinen vorgeworfen oder zu Futter­mehl verarbeitet. Dabei hat sich gezeigt, daß eine übermäßig starke Derfütterung von Wollhand­krabben an Schweine schädlich war. Eine Firma stellt aus ihnen Schrot zur Nahrung für (Beflü­gel und Futtermehl für Schweine her. Für diese Produktion ist aber eine Lieferung in großen

Mengen nötig, die bisher noch nicht getvährlei- stet ist. In der Elbmündung wurden allerding» in einigen Monaten erhebliche Mengen gefangen; so lieferten vier Fischer in wenigen Tagen 10 000- Pfund Krabben an die Firma.

Zeitschriften.

Die Märznummer von IDe ft ermann» Monatsheften steht im Zeichen des Goethe- Jahres Prof. Dr. Eugen Kühnernann schildert »Weimar, die Stadt Goethes", die Beziehungen des Dichters zu dieser Stadt und die Bedeutung, die sie durch ihn erlangt hat. Den Text illustrieren Wiedergaben von Oelbildern des Berliner Ma­lers Erich Kux. Der zweite Goelhe-Aufsah des Heftes von Pros. Dr. Philipp Witkop, Univer- sitätsprofefsor in Freiburg, würdigt Goethe als »Deutschlands größten Bürger". In Goethe hat das deutsche Bürgertum feine Krönung erfahren, mit Goethe sich geläutert und gesteigert zu einem Lebensideal, das den zeitlosen Leitsternen der Menschheit zugehört. Wilhelm Conrad Gomoll. Chef der Pressestelle der Reichsrundfunkgesellschaft gibt in einem Aufsatz »Land der Sonne" Reise­eindrücke von der kroat-.sck-dalmatinischen Adria. Der 200. Wiederkehr von George Wastzingtons Ge­burtstag gedenkt Reinhard Weer in einer bio­graphischen Skizze »Der große George". In der Novelle »Hunger" gestaltet Paul Steinmüller das Schicksal zweier Menschen, die beide dem Hunger erliegen, der eine dem leiblichen, der andere dem seelischen. Weiter nennen wir »Gols. ein Gesund­heitssport" von Dr. Bernhard von Limburger und »Gustav Klimt und Albin Egger-Lienz" von Pro­fessor Dr. Max Eisler. Ein neuer Roman von Gustav.Renker »Das Tier im Sumps", einRo- man aus Asrika, beginnt in diesem Heft.

Ein Kapitel aus der Münzgeschichte bietet die neueste Nummer der 3 11 u ft r i r t e n Zei­tung (I. I. Weber, Leipzig). Dr. Herbert Wer­ner Gewände zeigt hier den Ursprung und die Geschichte unserer gegenwärtigen Münzlorten auf. und man erkennt, daß trotz aller sonstigen Fort­schritte uns moderne Menschen aus dem Gebiete des Müngzwescns ein Stück Mittelalter umgibt Von kulturhistorischem Interesse ist ferner der Beitrag »Unser Taschentuch" von Cugenie Buch­wald, begleitet von launigen Zeichnungen von Noll Huen. ßm Stück Kirchengefchichte tritt uns trt bem Aufsatz von Dr. Paula Kreiselmeyers über bie Vertreibung der Salzburger Protestanten vor 200 Jahren entgegen.