Oie NSDAP. lehnt jede Tolerierung ab.
Weimar, 2. Dez. (TU.) Wie die Telegraphen- Urrton von Mtändiger Seile der Reichspresseslelle der NSDAP, auf Anfrage erfahrt, lehnt die NSDAP, jegliche Tolerierung eines Kabinetts Schleichers klar und u n • zweideutig ab. Die NSDAP, beziehe sich dabei auf ihren klar umrifsenen Vorschlag zur Lösung der Regierungskrise, den Hitler dem Reichspräsidenten unterbreitet habe und der den einzig möglichen Weg dar- stelle, eine Regierung der nationalen Konzentration durch den Doikswillen zu untermauern.
Die Nationalsozialistische Korrespondenz schreibt u. a.: Nach achttägiger Ratlosigkeit und Verwirrung der Oeffentl'ichkeit hat man in der Wilhelmstraße heute den Neichswehrminister, General von Schleicher, mit der Kabinettsbildung beauftragt. Obwohl die NSDAP, ihre Haltung zu einem Kabinett Schleicher in den letzten Tagen wiederholt zum Ausdruck gebracht und die Tolerierung eines solchen Kabinetts durch die nationalsozialistische Bewegung als nicht gegenüber dem Volke vertretbar erklärt hat, nähren gewisse, an einem solchen Kabinett interessierte Kresse und Zirkel immer noch die Hoffnung, das; die NSDAP, nun in irgendeiner Form eine Unterstützung geben würde. Um von vornherein alle Unklarheiten aiis- Auräumen, wiederholen wir heute: Die NSDAP, lehnt jede Tolerierung eines Kabinetts Schleicher als mit dem Willen des Volkes nicht vereinbar klar und unzweideutig a b.
3u dieser Ablehnung hielt sie sich nicht nur berechtigt, sondern dem Volk gegenüber verpflichtet, daS weitere Experimente angesichts der ungeheuren Not nicht mehr erträgt, sondern endlich einen grundlegenden Wandel der Dinge will, der mit Erfolg nur unter national* sozialistischer Führung in Angriff gen* nommen werden kann. Die NSDAP., die als größte nationale Volksbewegung der deutschen De* schichte heute allein ein Drittel des ganzen deutschen Nolles vertritt, ist nicht nur jederzeit bereit, die Verantwortung zu Übernehmen, sondern wird ihrerseits nichts unversucht lassen, damit die verantwortliche Staatssührung, die sie zur ^Rettung deS Volkes unumgänglich braucht, i n ihre Hand gelegt wird. Daher wird und must die NSDAP, jedes Kabinett bekämpfen, das dieser einzig möglichen ®nt* Wicklung au geordneten und gesunden Verhältnissen in Deutschland den Weg versperrt.
Oer Gewerkschafisring zur Regierungsbildung.
Berlin, 2. Dez. (TU.) Der Vorstand des Freiheitlich-nationalen Gewerkschaftsringes deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Veamlenverbände erwartet, dem Gewerkschaftlichen Pressedienst zufolge, von der neuen Reich Z reg ierung eine schöpferische WirtschaftS - und Sozialpolitik, die an den Lebensbedürfnissen des ganzen Volkes orientiert sein must. Mit der Notverordnungs- Praxis der letzten Zeit, die einseitig und unerträglich die Arbeitnehmerfchaft belaste, müsse radikal gebrochen werden. Der GewerlschaftSring fordere ein positives Regierung-Programm für W i r t s ch a f t s a u f b a u und Sozialreform. Notwendig sei u. a.:
Verstärkung der Arbeitsbeschaffung: Die Sleuergutschetne wirkten über die Privatwirtschaft hinweg nur langsam und bisher mrzulänglich im Sinne einer Entlastung des Arbeitsmarltes. Das durch NtchtauSnuhung der Stenergulfcheine für Mehreinstellungen freigewordene Kontingent müsse die finanzielle Grundlage eines erweiterten öffentlichen Tlrbeitsbeschaffung-Pro- g r a m m s bilden. Für die großzügige Bauer n s i e d l u n g müsse der Arbeitsmarkt entlastet
Von der Schönheit des Waides.
(Sin Bilder-Buch für Naturfreunde.
Wenn wir im Folgenden ein Buch* empfehlen, welches von den vielfältige und lel&er oft übersehenen Schönheiten des deutschen Waldes handelt, so ist es vielleicht gestattet, zuvor auf zwei allgemeinere Erscheinungen unserer kulturellen Entwicklung hinzuweifen, die sich in jüngster Zeit, wie mit zahlreichen Beispielen verschiedener Art leicht zu belegen wäre, sehr deutlich herausgebildet haben. Das ist einmal die Entfaltung eines neuen Natur- gesühls — von anderer Art freilich als jene im 13. Jahrhundert berühmt gewordene Gcistesströ- niung, die mit dem Namen Jean Jacques Rousseau für alle Zeilen verbunden ist —, eines Nalurge- sühls, das der gesunden Reaktion -des modernen Menschen gegen die zunehmende Mechanisierung seines Daseins und die bedrückende Einengung seines alltäglichen Lebens In den steinernen Städten entsprang. Der Schrei „Zurück zur Natur!", ob- wohl von anderer Herkunft und anders moduliert als der Weckruf des Genfer Philosophen, ertönt heute mit gleicher Eindringlichkeit, von vielen verstanden und begeistert ausgenommen, auf den ucr- fchiedensten Gebieten unseres modernen Lebens: in der Siedlungvbewcgung, in den Jugendbünden, im Sport, in der Ernährung, in der Erziehung und and) in der Kunst
Zum andern ist in diesem Zusammenhang an die in unserer Gegenwart neu gewonnene Freude am Sehen und Schauen, am guten, lebendigen und natürlichen Bild zu erinnern. Die Entwicklung, technische Verfeinerung und Popularisierung der modernen Optik, der Liebhaber-Photogi'«pbie, der B'td- reproduktlon in Zeitungen und Zeitschriften die immer mehr zunehmende Illustrierung von Buchtexten, die Oualitätssteigerung und riesige Verbreitung des Films kommen dem Bildhung-er breiter Volksschichten verständnisvoll entgegen.
Aus diesen beiden Quellen speist sich die in den letzten Jahren bemerkenswert anwnchsende Produktion von Natur-Bilderbüchern im weitesten Sinne. Es wurden 1)1 er Gebiete erschlossen, die zuvor, von wenigen rühmlidxen Ausnahmen abgesehen, ziemlich brach gelegen hatten. Aber man sah vielfach In der ersten Entdeckerfreude sozusagen den Waid vor Bäumen nicht, man schweifte (an sich verdienstlich und mit entschiede iw in Erfolg) in die Ferne, man
* „Waldwebc n". Die Lebensgemeinschaft des deutsd)en Waldes in Bildern. Don K. Gerhard und G. Wolstf. 150 eigene Naturaufnahmen aus dem lier und Pflanze web en des heimatlichen Waldes. In Ganzleinen gebunden 4,80 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. — (477.) —
und «in« gesunde Neuaufteilung und Bewirtschaftung des deutschen Bodens angestrebt werden.
Aufhebung der Lohnkürzungsverordnung vom 5. September: Die völlige Unabdingbarkeit der Tarife müsse wieder hcrgestellt wer- den.
Beseitigung der sozialpolitischen Generalvollmacht in der Notverordnung vom 4. September: Jeder Versuch, durch bureau» kratisch-djltatorische Mastnahmen da« in jahrzehntelanger Ausbauarbeit geschaffen« Sozialgebäude au-zuhöhlen, müsse aufgegeben werden.
Verbesserung der Sozialleistungen: Die Notverordnung vom 14. Juni habe die Arbeitslosenunterstützung und die Sozialrenten über jedes tragbare Mast hinaus beschnitten. Durchgreifende Verbesserungen seien angesichts de« bevorstehenden dritten Krisenwinters unbedingt nötig.
Endgültige Aufgabe der handelspolitischen Abriegelung-Politik.
Hugenberg beim Reichspräsidenten.
Berlin, 2. Dez. (W2B.) Reichspräsident von Hindenburg empfing heute nachmittag den Führer der DNVP. Dr. Hugenberg zu einer Besprechung über die politische Lage.
Oie Finanzlage der ASOAP.
München, 2. Dez. (TU.) Entgegen Meldungen über die. angeblich außerordentlich schwierige Finanzlage der NSDAP, stellt die NSK. in einer von dem Reichsschatzmeister Schwarz und dem Leiter der Rechtsabteilung Dr. Frank II. unterzeichneten Erklärung fest, alle diese durchsichtj. gen Behauptungen über die finanziellen Schwierigkeiten der NSDAP, seien weiter nichts als tendenziöse Entstellungen zu dem Zweck, das Ansehen der nationalsozialistischen Organisationen zu beeinträchtigen. Alle diese Meldungen seien völlig aus der Luft gegriffen. Die Finanzlage der NSDAP, sei nach wie vor g e» sund und nicht zu erschüttern.
Knmkmchs erneutes Stundungsgesuch.
Wiederum Hinweis auf die Gefährdung des Abkommens von Lausanne.
Paris, 2. Dez. (WTB.) Das Außenministerium gibt den Wortlaut der Note bekannt, die die fran- zosische Regierung gestern an die Reg>ierung der Vereinigten Staaten gerichtet hat. In ihr heißt es u. a.: Die französische Negierung halte eine Neuregelung der Schuldenfrage für so «dringend, daß man es nicht begreifen würde, wenn die Ausführung eines nicht mehr den Verhältnissen entsprechenden Abkommens stattfinden müßte, obgleich eine Revision grundsätzlich zugelassen sei. Auf Ersuchen des deutschen Reichs- Präsidenten habe Präsident Hopver im Mai 19.31 vorgeschlagen. während eines Jahres sämtliche Schulden einschließlich der Reparationen auszusetzen. Damit habe die amerikanische Bundesregierung fest- gestellt, daß sie an ein Schuldenmoratorium nur unter derBedi n gu n g denke, wenn eine entsprechende einjährige Vertagung aller zwischen den Negierungen schwebenden Schuldverpflichtungen stattfinde. Diese Initiative habe, was von der französischen Regierung betont worden fei, allen vestehenden Abkommen Abbruch getan und namentlich das Funktionieren des $ o u n g - planes ausgesetzt. Es iväre äußerlt ernst, wenn die in Lausanne so mühevoll erzielte Regeluna jetzt wiederin Fragegestellt würde. Die Wirtslhastsdeoression, die zum Vorschlag des Präsidenten der Vereinigten Staaten geführt habe, habe sich feit dem Frühjahr 1931 verschärft. Diese Depression könne nur noch größer werden, wenn die Zahlung der zwischen den Regierungen schwebenden Schulden wieder aufgenommen werden sollte, bevor eine allaemeine Regelung Platz greife. Trotz eines Budgetfehlbetrages von fast 500 Millionen Dollar, dessen Ausgleich bereits dringende Maßnahmen erfordert habe und weiter erfordern werde, habe Frankreich freiwillig •auf einen jährlichen Betrag von annähernd 85 Mil- lionen Dollar durchschnittlich im Interesse des Wiederaufbaues der Weltwirtschaft verzichtet. ,
Der Goldzufluß, den Frankreich in den letzten Jahren erlebte, sei in keiner Weise Brstand- teil der französischen Finanzen, sondern für Frankreich nichts als em Pfand für alle französischen ober ausländischen Depots in Frankreich. Die normale und wünschenswerte Goldverteilung könnte nur das Ergebnis einer allgemeinen Wiederbelebung des Vertrauens und der daraus entstehenden Bedürfnisse sein. Die leichte Besserung, die nach dem Lau- fanner Vertrag eingetreten sei. werde nicht an- dauern können, wenn die demnächst fälligen Schuldenzahlungen eingefordert werden würden. Die französische Negierung glaube nicht, das amerifa- nische Volk könne ein Interesse an der Ausführung einer Verpflichtung haben, deren strikte Anwendung noch mehr Chaos und Elend in der Welt an richten würde.
Serriot willzum Soungplan zurück
Druck auf Macdonald in Genf.
Paris, 2. Dez. (TU.) herriol, der sich am Freitagabend nach Genf begab, hat vor seiner Abreise den deutschen Botschafter fi ö ff e r und den englischen Botschafter Lord Tyrrell am Quai d'Orsay empfangen, heriot wird am Samstag m i t Macdonald und Norman Davis die Lage besprechen, die au» einer erneuten Ablehnung öe» französischen und englischen Gesuche» um Zahlungsaufschub für die Schuldenrate an Amerika hervorgehen könnte, hcrriot werde in Genf Macdonald persönlich die Notwendigkeit barlegen, in die sich Frankreich im Falle einer ablehnenden Haltung der vereinigten Staaten verseht sehen würde, den Zoungplan wieder in Kraft zu sehen. Dieser Meinungsaustausch zwischen den Ministerpräsidenten beider Länder ist nach Auffassung französischer Kreise um so erforderlicher, al» Macdonald sofort nach seiner Ankunft in Genf der Auffassung Ausdruck gegeben Hal, daß eine Wiederinkraftsetzung des Poungplans ihm unmöglich erscheine.
Aus aller Welt.
Großfeuer in Lübeck.
Der Holzschuppen des Hobelwerkes Krickhuhn am Klughafen In Lübeck, der mit riesigen Holzvorräten angefüllt war, wurde burd) ein Großseuer völlig vernichtet. Die Lübecker Feuerwehr, die mit sämtlichen Löschzügen angerückt war, muhte sich darauf beschränken, bas Ueberspringen des Feuers auf die daneben liegenden Holz, und Sägewerke zu vorhin- dem. Nach mehreren Stunden war es den Wehren gelungen, das Feuer einzudämmen und ein lieber- greifen auf die in der Nähe liegenden Gebäude und Holz- und Kohlenlager zu verhindenr. Ob Personen bei dem Brande zu Schaden gefommen sind, steht noch nicht fest.
Die Saale-Talsperre — die größte Talsperre Deutschland».
3n Anwesenheit von Preußischen, sächsischen und thüringischen Behörden Vertretern wurde die riesige Talsperre tm Reustischrn Oberland bei Schleiz in Thüringen eingewetht. Die Sperre ist in siebenjähriger Bauzeit entstanden und stellt mH ihren zahlreill-en Nebrnanlagen di« g r ö st te Talsperre Deutschlands dar. Sie staut Saalewasser zum Zwecke der Kraftstromerzeugung und zum Hochwassexschuh. Gleichzeitig ist sie in
Verbindung mit der geplanten Sperre bei Hohen* warte ein Sammelbecken für die Wasserversorgung des Mittellandkanals. Der Staus« hat eine Länge von 23 und eine Breite von 2 Kilometer. Die Sperrmauer ist 65 Meter hoch Etwa 700 Menschen und 20 industrielle llnternehmungen muhten u m g e s i e d« l t werden. Ein Kraftwerk mit zwei Turbinensätzen, verbunden mit einem Umspannwerk, liefert Strom für das Thüringen- Sachsen-, später auch für das Preußen-Netz.
Zwei Arbeiter durch einstürzende Lrdwand gelötet
Durch eine stürzende Erdwand wurden zwei Mitglieder des Freiwilligen Arbeit s d i e n st e s, die beim Straßenbau im Oberamt Balingen beschäftigt waren, verschüttet und getötet. Die beiden jungen Leute arbeiteten in einem Tunnel, durch den die Erdmassen aus Rollwagen auf einen anzulegenden Damm befördert wurden. Plötzlich brach eine Wand in sich zusammen und beide wurden unter den nachstürzenden Erdmassen begraben.
Anfall der Filmschauspielerin Käthe von Nagy.
Die bekannte Filmschauspielerin Käthe v. Nagy erlitt in Köln einen eigenartigen Unfall. Sie feuerte den Startschuß zum Kölner Sechstagerennen ab. Dabei hielt sie unvorsichtigerweise den Arm über die Pistolenmündung, fo daß sie nicht unerheblich verletzt wurde. Im Krankenhaus wurde ein Hautübertragung oorgenommen; die Filmdiva muß einige Tage in Behandlung bleiben.
Anfall beim Filmen in Döberih.
Auf dem Truppenübungsplatz Döberitz wo unter Leitung des bekannten Filmregisseurs Froelich ein Film „Choral von Leuthen' gedreht wird, hat sich ein Unfall ereignet, bei dem ein Soldat, und Zwar ein Infanterist, und vier Zivilisten, die als Filmkomparsen mitwirkten, verletzt wurden. Die Verletzungen sind durchweg leichterer Art. Für diese Filmaufnahmen war von den zuständigen Militär- behörden dis Mitwirkung von Reichsmehrsoldaten in bejrfjränftem Umfange zugestanden worden. Soweit bisher festtteht, ist der Unfall während einer Reiterattacke geschehen, wobei einige Pferde scheu geworden sind.
Bevorstehender Schnellverkehr Berlin—Hamburg.
Bei Friedrichshafen wurde dieser Tage Mitg'ie- dern des Oberschwäbischen Jndustrieverbandes Gelegenheit gegeben, unter der Führung von Dr. Maybach den Schnelltriebwagen der Reichsbahn und den Maybach-Stromlinienwagen zu besichtigen. Bei dieser Gelegenheit wurde bekannt, daß voraussichtlich im letzten Drittel des Monats Dezember die Ablieferung des Schnelltriebwagons an die Reichsbahn erfolgen soll. Es ist also damit zu rechnen, dag der Triebwagen mit Beginn des nächsten Jahres in D i e n st g e st e l l t und auf der Strecke Hambur g—B e rli n in den fahrplanmäßigen Verkehr übernommen wird. Die etwa 300 Kilometer lange Strecke wird in ungefähr 2 bis 21 Stunden bewältigt werden.
Zum UeberfaU auf das Postamt in Grodek.
3n Lemberg wurde der dritte Teilnehmer an dem UeberfaU auf das Postamt tn Grodek verhaftet. Sämtliche drei verhafteten Täter wurden von den Beamten des Postamtes als Beteiligte an dem UeberfaU wiedererkannt. Auf Grund der Untersuchung wurde festgestellt, daß der Plan des Ueberfalls in dem Badeort Gruskawiec entstanden war. Die von der Polizei dort vorg.nommenen Untersuchungen bei einer Reihe von Ukrainern ergaben zahlreiche Bew:.se und führten >ur Verhaftung eines führenden Mitgliedes der geheimen ukrainischen Militärkommission. Der Äame des Verhafteten wird von den Behörden vorläufig geheim gehalten. 3n seinem Besitz wurde eine Reihe von belastenden Schriftstücken sowie mehrere Pistolen gefunden. Unter den Tätern befanden sich zwei ukrainische Studenten des Lemberger Polytechnikums.
Hexenverbrennung in Columbien.
In Bogota, der Hauptstadt von Columbien, wurden eine der Hex« re i verdächtige Frau und ihre Tochter von Unbekannten verbrannt. Zehn Personen wurden verhaftet.
rüftet-c Expeditionen aus zu Wasser, zu Lande und In der Lust: man überflog, umkreiste und durchstreifte den Erdball, drang in di« wildesten Ur- mölder und die ödesten Steppen, in die Polarmeere und Bergeinsamkeiten ... auf der Jagd nach Natur-Urkuirden, nach Menschen, Tieren, Pslanzen und ferner Landschaft: man erweiterte das Welt- Bild im ursprünglichsten Sinne, mit den sachlichsten und schönsten Photographien. Aber man ist verhältnismäßig spät dahtntergekommen, daß es in nächster Nähe, in unferm engsten Umkreis, noch Dinge zu entdecken göb§, um die es sich lohnte, weil man sie bisher nicht gesehen oder ganz vergessen hatte über den bunten Wundern aus allen Teilen der Weltkugel.
Was hier nachzuholen und ans Licht zu fördern ist, davon gibt das Buch Zeugnis, das wir heute empfehlen: ein photographierter Bericht vom deutschen Vlald, Bilderbuch mit begleitendem Text. Der Text ist knapp: er dient nur zur Einführung in Sinn und Wefen des Werkes und zur naturkundlichen Erläuterung der Aufnahmen, die so vorzüglich reproduziert sind, daß sich der Kommentar äußerster Kürze befleißigen darf. Den beiden Verfassern, Gerhard und Wolff, kam es — im Gegensatz zu den Autoren anderer, ähnlicher Werk« — darauf an, den deutschen Wald, in seiner Lebensfülle und seiner Lebensgemeinschaft, als biologische Einheit bildhaft zu erfassen und dem Betrachter vor Augen zu führen. Wer nun diese wunderschönen Photos beschaut, der wird nicht nur an der ausdauernden Liebe, an der Geduld, nm unverdrossenen Fleiß und der spürsinnigen Geschicklichkeit der Verfasser sein« Freude haben; sondern er wird auch staunen über die Fülle der Gesichte, di« ein scheinbar so simpler und angeblich so vertrauter Begriff — „deutscher Wald" — dem aufmerksam und fach- kundig Beobachtenden, Lauschenden und Sammeln- den zu erschließen vermag.
Wer hat zum Beispiel ein« Krähenkolonie, eine brütende Fasanenhenne, einen Kuckuck im Wiesen- piever-Nest, das Gelege eines Teichhuhns, das Rehkitz im Lager, den Widderbock und den Puppen- räuber bei der Art'eit schon so aus nächster Nähe, in bildhafter Klarheit und Plastik betrachtet? Wer vertiefte sich in da» Filigranwerk eines tausunkeln- den Kreuzipinnengewebes, in das exotisch an- mutende Gebilde des Aronstabes; wer rennt den Frauenschuh und das Knabenkraut? Der trete vor. Wem ist das Wespennest, in das man nicht stechen soll, Hand auf» Herz, mehr als ein blasser und un- ansck-aulicher Begriff? Man ((hinge dos Buch auf und blättere darin mit Andacht: man findet hier den ganzen Wald mit all feinen ®e|d) ipfen — vom Maikäfer bis zur Wildsau, von der Ligusterraupe bis zum Rotwildrudel, vom Farnkraut bis zu den Birken im Hochmoor. Und die Betrachtung der
prachtvollen Bilder wird vielfältige Anregung geben, wird Lust machen zu eigenen Entdeckungsfahrten, Freude wecken an der heimlichen Schönheit des Waldes und feiner lebendigen Kreatur.
Also wendet sich dieses Werk nicht allein an den Jäger, an den Forstmann, den Zoologen und den Botaniker, sondern an jeden unter uns, dem „Natur" nicht bloß «in abstrakter und langweiliger Begriff ist. Zu einem Weihnachtsgeschenk von bleibendem Wert — zumal für die Jugend — empfiehlt sich das Buch auch durch den verlockend niedrigen Preis und die solide, geschmackvolle Ausstattung recht angelegentlich. —y—
Oer pedantische Feldherr.
Eine höchst merkwürdige Persönlichkeit war der '.Buren general Louis Botha. Sein zweideutiges Bild ersteht in den Erinnerungen, die Dr. Theodor Seitz, ehedem Gouverneur von Deutsch-Südwcstafrika, im Dezernberhcft von Beilagen & Klasings Monatsheften veröffentlicht. Seitz schildert eine Unterredung mit Botha nm 20. Mai 1915; sie fand statt, um Gerüchten über die Kriegsmüdigkeit des Generals auf den Grund zu gehen, und verlief ergebnislos. Der Kampf der Weißen untereinander wurde nicht beendigt. Seitz brach di« Verhandlungen ab, da die von Botha geforderte Uebergabe des Schutzgebiets unmöglich war. „Damit war", |o schreibt Seitz, „unser Schicksal entschieden. Ganz abgesehen von unserer zahlenmäßigen Schwäche, war dir Schutztruppe bei dem l>erabgekommenen Zustande unserer Pferde und dem Mangel an Motorfahrzeugen zu einer Anarlsfsbewegung gar nicht mehr imstande. General Botha war in der glücklichen Lage, mit einem Vorstoß ohne jede Gefahr warten zu können, und er' hat damit folange gewartet, bis wir aus Dtangel an Lebensrnitteln zu- fammenbrechen mußten. Dem Charakter Bothas lag kühnes Draufgängertum ganz fern. Dieser pedantischen Eigenschaft des Generals hoben wir es sicherlich im wesentlichen zu verdanken, wenn wir am 9. Juli 1915 zu dem verhältnismäßig günst gen Uebergabevertrag von Korab kamen, obgleich wir, von allen Seiten eingeschlossen, zu einem Angriff überhaupt nicht mehr imstande und mit unfern Lebensmitteln zu Ende waren. Botl^r hatte fein Ziel erreicht, er wurde von Buren und noch mehr von Engländern als der große Held gepriefen, der die gefürchteten Deutfch.'n besiegt hatte. Daß, wie später im südafrikanischen Parlament feftgrfteUi wurde, 70 000 Mann mobil gemacht werden mußten, um die au» 1800 aktiven Reitern und 2500 Reservisten und Landwehrleuten bestehende deutsche Truppe zu besiegen, wurde verschwiegen. Vier Jahre daraus, im August 1919, starb General Botha, nachdem er von Versailles das Mandat über Südwcstasvtka zu
rückgeb rächt hatte, im Alter von 57 Jahren als unbestrittener Führer des Burenvolkes auf der Höhe feiner Erfolge."
Japans neue Geishas.
Groß-Tokio, das nach der Eingemeindung der umliegenden Orte mit [einen fünf Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Welt geworden ist, hat sich in feinem Mittelpunkt nach der großen Erdbeben-Katastrophe grundlegend verändert. Die Ginza, die Hauptstraße, die noch vor wenigen Iah- ren ein winkliger Weg mit kleinen unscheinbaren Läden war, ist jetzt eine der imponierendsten Verkehrsadern der Welt, mit mächtigen, modernen Bauten aus Ziegeln und Beton, deren sachliche Architektur in einem malerischen Gegensatz steht zu den bunten Fahnen, merkwürdigen elektrischen Reklamen und zwerghasten Bäumen, die sie schmücken. In dem Gewirr von Straßenbahnwagen, Omnibussen und Autos drängt sich die Masse der Fußgänger, die Männer fast sämtlich europäisch gekleidet mit weichen Kragen, Filzhüten und braunen Schuhen. Dazwischen.flappern noch die hohen Stelzenschuhe der Japanerinnen, und ihre bunten Kimonos bringen eine merkwürdige Buntheit in das Bild, in dem sie vor einigen Jahren noch vorherrschten. Im strahlenden Glanz des Neon-Lichts, das das letzte Spielzeug Japans darstellt, lärmen laufende von Lautsprechern, und in die Ankündigungen der Ansager mischen sich die Deklamationen der Ausrufer vor den Cufös, die mit ihrer Stimme und mit Trompetenklängen Besucher an- locken. In einem solchen Lokal bat der englische Berichterstatter Sir Percival Phillips die neue Geisha entdeckt. Die berühmte, so oft verherrlichte Sch.ine der Teehäuser verschwindet immer mehr, und un ihre Stelle treten junge Damen, die den Gästen der Casss die Zeit vertreiben. Sie sitzen an einer Seitenwand des phantastisch ausgestatteten Raumes; jede trägt ihren Namen auf einem «ei- benftreifen, der vorn an ihrem Kimono gesteckt ift Treten neue Gälte ein, so werden die Mädchen, die gerade dran sind, beim Namen aufgerufen und nehmen nach tiefer Verbeugung an dem Tisch Platz, an dem sie aus kleinen Tassen warmen Sake schlürfen. Sie haben die Aufgabe, die Gäste gut zu unterhalten, und tun dies mit anmutigem Geplauder in der zurückhaltendsten Form, denn auf Anstand und gute Sitte wird streng geachtet, und jeder unpassende Vorfall kann dazu führen, dem Besitzer die Erlaubnis zu entziehen. Man bringt in Japan den „Mogas", wie die „modernen Girls" genannt werden, das größte Mißtrauen entgegen, kann aber nicht verhindern, daß die Geisha in veränderten Formen sortbesteht. In den Tanzlokalen Tokios dient die Geisha als Partnerin, und ein Tanz mit ihr kostet 15 Pfennig.


