Ausgabe 
3.9.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

fassung des deutschen Schrittes in der Wehrfrage. Times weist darauf hin. daß die Frage, welche Schritte Deutschland unternehmen werde, wenn sein Anspruch auf Gleichberechtigung abgelehnt werden sollte, von keinem geringe­ren als General von Schleicher bereits be­antwortet worden sei. Das englisch« Kabi­nett wird, wie Daily Mail ankündigen zu kön­nen glaubt, so bald wie möglich in einer Sitzung die internationale Lage erörtern, die sich aus Deutschlands Forderung auf Gleichberechtigung in der Rüstungsfrage ergeben habe. Die britische Regierung hoffe, dah Deutschland und Frankreich das Problem selbst lösen können. England werde erst eingreifen, wenn die Verhandlungen zwischen den beiden Ländern eine Vermittlung wünschenswert erscheinen lasse.

Amerika befriedigt.

Washington. 2.Sept. (WTB.) Der ameri­kanische Botschafter in Paris drahtete dem Staatsdepartement, dah die französische Regie­rung ihm eine Abschrift der Aufzeich­nung über den deutschen Standpunkt in Sachen der Gleichberechtigung in Rüstungs­fragen übergeben habe, die er brieflich nach Wa­shington senden werde. 3m Staatsdepartement hat man von den Berliner Klarstellungen des wahren Sachverhalts mit3nteresseKennt- nis genommen und seiner Befriedigung insbesondere darüber Ausdruck gegeben, dah die Reichsregierung keine Aufrüstung plane, sondern im Bm^handlungswege die Gleichbe­rechtigung erstrebe. 3n diesem Zusammen­hang« wurde darauf hingewiesen, dah der Bot­schafter Gib son, als er als Vertreter Amerikas im Rovember 1930 in der Vorbereitenden Abrü­stungskommission für den Artikel 53 der Kon­vention stimmte, der den Status quo der rela­tiven Rüstungen festlegt, deutlich betonte, dah dies sich, soweit Amerika in Frage komme, nur au f die Washingtoner und Londoner Flottenverträge beziehe, dah Amerika jedoch zu den Versailler Bestimmungen in keiner Weise Stellung nehme.

Einigung in Preußen?

Beschränkung auf vier Ministerien unter einem neutralen Ministerpräsidenten.

Berlin, 3. 5epL (C71B.) wie Berliner Links- blätter wissen wollen, sollen die Verhandlungen um die Bildung des neuen preußischen Kabinetts be­reits nahe vor der Vollendung stehen. An Einzel­heiten wird mitgeteilt, es sei beabsichtigt, an die Spitze des Kabinetts als Ministerpräsiden­ten eine Persönlichkeit zu nehmen, die nicht aus den Wahlen zum preußischen Landtag hervorgegangen ist. hierbei werde an Männer gedacht, wie etwa den schon früher genannten Leipziger Oberbürget- tneifter Goerdeler oder Br. Bracht, weiter heißt es: Statt der bisherigen sieben Minister soll das Kabinett in Zukunft nur noch vier Mi­ni st e r haben. Der Ministerpräsident würde etwa zu gleicher Zeit Finanzminister werden. Lin Jia- tionalsozialist würde vermutlich das 2Hi- nisterium des Innern und das des Unterrichts übernehmen, welches zudem m i t dem Justizministerium verbunden wer­den solle. Bem Zentrum würde, wie es weiter heißt, ein wirtschaftliches Ministerium zufallen, in welchem alsdann die Aufgabenkreise der Landwirtschaft, des Handels und der v o l k s w o h l f a h r t zusammenzufassen wären. 3m Zusammenhang mit dieser Kombination wird der bisherige Wohlfahrtsminister h i r t f i e - fer genannt

Forderungen des OHV.

Der Deutschnationale handlungsgehilfen-Verband hat dein neuen Reichstag in einer Eingabe die Wünsche und Forderungen der christlich-nationa­len Kaufmannsgehilfen unterbreitet. Zur Behebung der Massenarbeitslosigkeit unter den Kaufmannsgehilfen werden insbesondere Maßnah­men gegen die Doppelverdiener und die Arbeits­zeitüberschreitungen gefordert. Wichtigstes inner­deutsches Mittel zur Erleichterung des Arbeits­marktes sei die Ertragsfähigkeit der deutschen Agrarwirtschaft. Voraussetzung dafür sei die Stei­gerung und Erhaltung der Kaufkraft der Arbeit­nehmer, der wichtigsten Verbrauchergruppe. Der DHD. warnt deshalb die Regierung vor weiterem Lohn- und Gehaltsabbau, der jede Agrarpolitik illusorisch mache.

Die Aufhebung der Bestimmung der letzten Not­verordnung wird verlangt, die die Verwendung von Beiträgen zur Arbeitslosenhilfe für andere Zweige der Arbeitslosenhilfe zuläßt, und der Entwurf eines Arbeitslosenversicherungsgesetzes gewünscht, das die Errichtung von Ersatzkassen ermöglicht. Bei der in Aussicht gestellten Reform der Sozialversicherung soll die verantwortliche Durchführung der Selbst­verwaltung übertragen werden. Gemeinsame Träger dieser Selbstverwaltung sollen die unabhängigen Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein.

HeichStagSpräsident Göring stellt sich seinen Beamten vor.

Berlin, 2.>cbt. (TU.) Reichstagspräsident Göring, hat sich jetzt den Beamten. Angestell­ten und Arbeitern des Reichstags vorstellen las- lassen. Der Direktor beim Reichstag. Geheimrat Galle versicherte dem neuen Präsidenten, daß die Beamten und Angestellten sowie die Arbeiter des Reichstags ungeachtet ihrer politi­schen Einstellung stets pflichtgetreu ihren Dienst verrichtet hätten und dah das auch in Zukunft so bleiben werde.

Reichstagspräsident Goering hob in seiner An­sprache hervor, er kenne nicht Unterschiede gesell­schaftlicher Schichtung, sondern kenne nur die Volksgemeinschaft. Er verlange von den Beam­ten und sonstigen Mitarbeitern im Reichstag äu­ßerste Pflichterfüllung, Kamerad­schaft und gegenseitiges Vertrauen, was allein einen einheitlichen Deamtenkörper ver­bürge. Er werde streng das Leistungsprin- ä i p beachten. Ueber allem solle die Gerechtigkeit stehen, gepaart mit Wohlwollen. Er würde be­müht sein, über den Dienst hinaus ein persön­liches Verhältnis zu den Beamten, Ange­stellten und Arbeitern zu finden. Seine Türen ständen jedem offen.

SondergerichtSurteil in Liegnih.

Liegnitz, 2. Sept. (WTB.) Das Liegniher Sondergericht verurteilte den Russen Wassi- liess B a r a n o f f, der in der Rächt zum 7. August auf das SA.-Heim in Dunz- l a u mehrere Schüsse abgegeben hatte, und kurz darauf auf zwei SA.-Männer geschos­sen und einen in den Hals getroffen hatte, wegen Totschlagsversuches, Begehung von Ge­walttaten mit Waffen und unbefugter Waffen­führung zu acht 3ahren Zuchthaus und acht Jahren Ehrenrechtsverlust. Das Gericht hat angenommen, dah die Zeugen den Angeklagten, der die Tat bestreitet, zuverlässig wiedererkannt haben. Es wurde aber nicht Mord-, sondern Totschlagsversuch angenommen, da dem Angeklagten Ueberlegung nicht zu beweisen sei. Die Person des Angeklagten gab, wie es in der Urteilsbegründung weiter heißt, zu besonderer Milde keinen Anlah.

Paraguay

lehnt den Waffenstillstandsvorschlag ab.

Paris, 2. Sept. (WTB.) Havas berichtet aus Asuncion, die paraguayische Regierung habe den Vorschlag der Neutralen, einen SOtägigen Waffenstillstand abzuschließen, nicht angenom; men, mit der Begründung, daß Bolivien ihn da­zu benutzen würde, seine militärische Lage zu ver­bessern. Paraguay widersetze sich nicht einem Waf­fenstillstand, sobald d i e tatsächliche Sicher­heit erzielt sei. Diese dürfe aber nicht von diplo­matischen Zufälligkeiten und Verhandlungen ab­hängen, die jeden Augenblick trotz dem guten Wil­len der Neutralen abgebrochen werden könnten.

Aus aller Wett.

Keine Merke revolutionärer Künstler auf der Großen Berliner Kunstausstellung.

An der Großen Berliner Kunstaus-i ft l Lu n g 1932, die Anfang September im Schloß I

i Belloue eröffnet wird, wollte sich auch der Bund I revolutionärer bildender Künstler mit einer größeren Anzahl von Ausstellungsstücken beteiligen. Eigentümer des Schlosses Belloue ist der Preußische Staat. Auf Grund des mit der Ausstel­lungsleitung geschloffenen Mietsvertrages steht dem Grundstückseigentümer das Recht zu, die Entfer­nung solcher Ausstellungsgegenstände zu verlangen, die in irgendeiner Beziehung Anstoß erregen könnten. Von diesem Recht hat der Preußische Staat nunmehr Gebrauch gemacht und nach einer Dor­besichtigung durch die Bau- und Finanzdirektion im Einvernehmen mit der Polizei etwa 4 0 Bilder von Angehörigen des Bundes revolutionärer Künst­ler zur Ausstellung nicht zugelassen, weil die Bilder eindeutig linksradikale Propa­ganda darstellten. Die Aufforderung zur Entfer­nung der beanstandeten Bilder hat der Bund revo­lutionärer bildender Künstler damit beantwortet, daß er auch die übrigen Werke seiner Mitglieder von der Ausstellung zurückgezogen hat. Der Bund wird also auf der Großen Berliner Kunstausstellung nicht vertreten fein.

Unwetter und Erdstöße in Bosnien.

Wie aus Serajewo (Bosnien) berichtet wird, ist über den östlichen Bezirken von Bosnien ein schweres Unwetter niedergegangen. Wäh­rend des Sturmes und des Regens erfolgten zwei starke Erdstöße. Dächer stürzten zusam­men, Fensterscheiben gingen in Trümmer. Rach den bisher vorliegenden Berichten hat das Erd­beben in Turje (Bezirk Bihac) drei Todes­opfer gefordert. Unter den Trümmern eines Hauses wurden vier Mädchen begraben, von denen drei nur als Leichen geborgen werden konnten, während die vierte schwer verletzt ist. Serajewo selbst wurde von einem Wolken­bruch überflutet. Auf der Drinabrücke in der Gegend von Disegrad wurde ein Personenzug von beiden Seiten abgeschnitten und konnte meh^ rere Stunden lang nicht von der Stelle. Auch in der Gegend von Priboj wurde die Bahnstrecke > mehrere hundert Meter weit verschüttet, so I daß der Zugverkehr eingestellt werden mußte.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 3. September 1932.

Mehr Ermunterung!

Von Reinhold Braun.

Ein Mensch erzählt:

Seit einer Reihe von 3ahren schaffe ich an einem bedeutsamen Werke mit. Vor einigen Monaten erfuhr ist von dem leitenden Manne das erste ermunternde Wort über meine Arbeit. Dieser vortreffliche Mann gehört zu der Schar derer, denen das Ermuntern nicht liegt. Er stellt an sich die höchsten Anforderungen und ist ein Vorbild der Treue und des zähen Wesens in allem, das er im Bereiche unseres Werkes tut, aber auch in dem, wie er zu Menschen steht, die er als zuverlässig und von Wert erkannte. Manche Lebenshilfe erfuhr ich von ihm. So ver­danke ich ihm die erste, hilfreiche Tat zur Er­langung meiner kleinen Scholle, aus der mir eine Fülle von tiefen Freuden erwächst. So war mir seine stille, stetige Freundschaft, das Tun aus seiner edlen Gesinnung die beste Ermunte­rung für mein Mitschafsen an dem Werke. Von ihm lernte ich, dah Ermunterung durch die Tat, die Gesinnung, das Beispiel das Höchste irn Leben bleibt und bleiben muh.

Und dennoch: es hat Zeiten gegeben, da mir ein ermunterndes Wort wohlgetan, ein herzliches Bejahen meines Tuns durch ihn mir manche Zweiselsstunde erspart hätte. Gewiß, Ermunte­rung durch die Tat, das Vorbild soll das Höchste bleiben: Aber ein gutes Wort dann und wann gehört auch dazu, wenn man freudig schaffen soll. Das ist die rechte Ermunterung, darin beide Hand in Hand miteinander gehen: dieTatunddas Wort! Darum spürte ich es doppelt schmerzlich, wenn dann bei einem belanglosen Versehen meinerseits oder bei einem Auseinandergehen der Ansichten die Kühle des stummen Berichtigens oder Anders-Tuns eintrat.

So erzählte der Mensch.---

3ch aber meine, und du meinst es auch: Er hat recht gesprochen und empfunden.

Ermunterung, Freunde! Ach, sie tut so bitter not!

Laßt Tat und Wort zusammenklingen, daheim und überall! Es gibt Menschen, die bedürfen der Ermunterung wie die Pflanze der Sonne, oder des himmlischen Rasses. Es ist zuviel Lebens­dürre unter uns, zu wenig Melodie von Mensch zu Mensch ...

Ermuntert einander mehr!

Ein Stahlhelm Kameradschastsheim in Gießen.

Die Gießener Ortsgruppe des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, hat sich in den letzten Wochen auf dem Grundstück Ecke Moltkestrahe/Kaiserallee, in dem Gebäude der früheren Bockschen Zigarrenfabrik, durch die un­eigennützig« Arbeit von Stahlhelm-Kameraden ein Kameradschaftsheim geschaffen, das künftig­hin als Mittelpunkt der gesamten Arbeit des Stahlhelm in Stadt und Kreis Gießen dienen soll.

Zur Herrichtung des Heimes waren zunächst umfangreiche Aufräumungsarbeiten im Inneren des Gebäudes vom Keller bis zum Boden erfor­derlich. In zäher, zielbewußter und opferfreu­diger Tätigkeit der Stahlhelmkameraden wurde die Aufgabe soweit schon gelöst, daß in Kürze das Heim in allen Teilen seiner Bestimmung übergeben werden kann.

Im Parterre hat man einen schönen, etwa 300 Personen fassenden Versammlungssaal ge­schaffen, der für Vorträge. Schulungsarbeiten und kameradschaftliche Geselligkeitsabende dienen soll. Der Saal, der durch hochherzige Unter­stützung des Drauereibesitzers I h r i n g - Lich mit Tischen und Stühlen, sowie mit einem schmucken Büfett ausgestattet und ferner durch uneigen­nützige Spenden von Kameraden und Gießener Handwerksmeistern mit einer guten Beleuchtungs­anlage versehen ist, m«cht auf den Besucher einen sehr günstigen Eindruck. 3m ersten Ober­geschoß sind Räum« für den 3ungstahlhelrn, für den Scharnhorst-Bund, den Bund Königin Luise, ferner Geschäftszimmer für die Kreisleitung und die Ortsgruppen lei tung, Lese- und Unterhal­tungszimmer, Konferenzzimmer usw. geschaffen. Das zweit« Obergeschoß enthält Uebernachtungs- räume, in denen Stahlhelm-Kameraden von aus­wärts beim Passieren unserer Stadt kostenlos untergebracht werden sollen. Sämtliche Räum«

hat man in schlichter und zweckentsbrechender, aber doch gefälliger Weise hergerichtet, so daß sie zweifellos allgemeine Anerkennung finden dürften. 3nsgesarnt enthält das Heim, ohne den Saal und die Küche, 14 Räume.

Mit der Einweihung dieser Stahlhelm-Heim­statt dürfte wohl noch im Laufe dieses Monats zu rechnen sein. Rach dem Abschluß aller Ar­beiten und der Heber gäbe des Heims an die Ortsgruppe wird man über weitere Einzelheiten dieses kameradschaftlichen Werkes noch näher be­richten können.

Straßenbahn-ErweiterungnachWieseck

Die Erweiterung des Straßenbahnnetzes vom Wiefecker Weg, Ecke Marburger Straße, bts nach Wieseck an die Gemarkungsgrenze der Stadt Gießen, unmittelbar vor den ersten Häusern Wiefecks, wird Mitte September in Angriff genommen werden. Man rechnet damit, daß die erweiterte Linie ab Mitte Oktober in Betrieb fein wird.

Lernt Einheitskurzschrist!

Der Kurzschriftverein von 18 61 er­öffnet am nächsten Montag, 12. September, um 19 Uhr, in der Goetheschule, Westanlage 43, wieder einen Anfängerlehrgang in der deutschen Einheits­kurzschrift unter Leitung eines staatlich geprüften Lehrers der Kurzschrift. Gleichzeitig, beginnen noch weitere 7 Kurse, in denen die Teilnehmer bis zur Höchstleistung gefördert werden. Daß man so wird uns geschrieben in dem Kurzschriftoerein von 1861 bemüht ist, tüchtige Stenographen heran­zubilden, beweist die Tatsache, daß bei der letzten Handelskammerprüfung sich nicht weniger als 12 Mitglieder des Vereins mit Erfolg beteiligen konn­ten, davon 11 mit der NoteSehr gut" bzw.Gut". Die Hauptprüfung bei 150 Silben haben bestan­den: Karl Kühn, Maria Derzbach, Lina Hucke, Ernst Eckhardt, Wilhelm Paulus, Gertrud Müller und Otto Wack, die Vorprüfung bei 120 Silben: Emil Jost, Wilhelm Brückmann, Wilhelm Honig, Anneliese Rühl und Hans Werner. Bei den Be­zirks- und Verbandswettschreiben konnten von Mit­gliedern sogar Höchstleistungen bis zu 300 .Silben gezeigt werden.

Die I. Reichskurzschrift - Gesellschaft Gießen geginnt am nächsten Dienstag, 13. Sep­tember, in der Pestalozzischule, Nordanlage 18, für Damen und Herren einen Anfänger-Lehr­gang in der deutschen Einheitskurzschrift unter Leitung eines staatlich geprüften Lehrers der Steno­graphie. Die Kurzschrift ist aber nicht, von heute auf morgen zu erlernen, wie viele immer noch glauben; nur dauernde Hebung führt zu ihrer völligen Be­herrschung. Der Verein gibt daher in feinen eben­falls neu beginnenden Fortbildungs-, Redeschrift-, Praktiker- und Diktatkursen für alle Geschwindig­keiten zur weiteren Ausbildung reichlich Gelegenheit.

Interessenten seien auf die Anzeigen der beiden Vereine besonders hingewiesen.

Gießener Wochenrnarktpreise.

* Gießen, 3. S«pt. Es kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 bis 140 Pfennig das Pfund, Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 6 bis 8, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 7 bis 8, Gelbe Rüben, Rote Rüben und Römischkohl je 8, Spinat 20, Bohnen (grün und gelb) 15 bis 20, älnter-Kohlrabi 5 bis 6, Tomaten 8 bis 10, Zwiebeln 10, Kürbis 5 bis 6, Pilze 20 bis 25, Kartoffeln 3 (Zentner 3 Mk.), Frühapfel 15 bis 30, Falläpfel 5 bis 6, Dirnen 15 bis 25, Dörrobst 30 bis 35, Zwetschen 20, Mi­rabellen 25 bis 30, Reineclauden 20, Pfirsiche 30 bis 50, Brombeeren 20 bis 25, Preißelbeeren 25 bis 35, Honig 40 bis 45, Suppenhühner 60 bis 80, junge Hähne 80 bis 90; Käse, 5 bis 10 Pfen­nig das Stück, Tauben 50 bis 70, Eier 9, Blu­menkohl 30 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 20, Einmachgurken 2 bis 3, Endivien 10 bis 12, Ober-Kohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 12, Sellerie 10 bis 25; Radieschen, 8 bis 10 Pfennig das Bündel.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag: Os- waldsgarten, 15.30 und 20 Uhr, Zirkus-Vorstellung. Gießener Tennisklubplätze, 3. Gießener Bezirks- Tennisturnier. Artillerie-Verein, 20.30 Uhr, "Hess. Hof", Monateversammlung. Geflügel- und Vogelzuchtoerein, 20.30 UhrPfälzer Hof", Mo- natsoersammlung. 1. Reichskurzschrist-Gesell- schäft, 20.30 Uhr,Stadt Lich", Dereinsabend.

Tageskalender für Sonntag: Licht­spielhaus, Bahnhofstraße, 11 Uhr, einmaliges Gast­spiel Bernard Ettö und fein Orchester; ab 15 Uhr Schanghai-Expreß". Dsmalbsgarten, 15.30 und 20 Uhr, Zirkus-Vorstellung. Rennen um den Städte-Achter auf der Lahn, 17 Uhr. Schützen­haus, 16 Uhr, großes Militärkonzert. Krieger­verein Gießen, 15.30 Uhr, Philosophenwald, Som­merfest. Gießener Tennisplätze, 3. Gießener Be­zirks-Tennisturnier. Kraftpost-Gesellfchaftsfahrt durch den Taunus, Abfahrt 8 Uhr, Hauptpost. Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer, 15 Uhr, Familienausflug nach der Karlsruh.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben:Max und Moritz" kommen am Mittwoch, 7. September, ins Stadttheater Gießen; sie reifen nicht allein, sondern in Begleitung von Fritz, Witwe Bolte, Lehrer Lämpel, Schneider Böck und anderer mehr. Um allen Gelegenheit zu geben, diese überaus lustige Vorstellung anzusehen, hat die Intendanz kleine Preise angesetzt. (Siehe heutige An- zeige.)

Gastspiel Bernard S116. 3m Licht­spielhaus. Bahnhofstraße, wird am morgigen Sonntagvormittag der bekannte Künstler Bernard Ette mit seinen^Sinfonikern ein Gastspiel geben und feinen Zuhörern zwei anregende Stunden bieten. Für die Matinee ist ein abwechslungs-, reiches Programm vorgesehen. Die zur Auffüh­rung gelangenden Stücke find, so schreibt man uns. nach seinen 3deen ausschließlich für ihn arrangiert. Das Orchester wird Musik der alten und der neuen Schule zum Vortrag bringen und dadurch das Gastspiel besonders reizvoU ge­stalten. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

Lichtbild-Vorträge für Frauen.- 3m Saale des HotelsPrinz Earl", Seltersweg, finden am Mittwoch, 7. September, Lichtbildvor­träge für Frauen und erwachsene Mädchen statt. Die Vorträge beginnen um 15.30 und 19.30 Uhr. Anhand von lehrreichen Raturaufnahmen be­spricht die von ärztlicher Seite geschulte Red­nerin wichtige Lebensfragen der Frau. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

** Stadttheater-Abonnement. Im heu­tigen Anzeigenteil lädt die Bürgermeisterei zum Abonnement im Stadttheater für die Spielzeit 1932/33 ein. Interessenten seien auf die Anzeige be­sonders hingewiesen.

** Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Eintrittspreisen geöffnet.

** Bundestag des Hessischen Sänger­bundes. Der ordentliche Bundessängertag 1932 des Hess. Sängerbundes findet am 30. Oktober in Bad-Nauheim im Bühnensaal des Staatlichen Kurhauses statt. Der Bundesfängertag wird sich mit dem Bericht des Bundesvorsitzenden über die Tätig­keit des Bundes im abgelaufenen Geschäftsjahr, dem > Arbeitsprogramm für das neue Geschäftsjahr und den üblichen geschäftlichen Angelegenheiten befassen.

** Härten beim Gepäcktarif. Dem Ge­päcktarif der Reichsbahn lieg ein von 10 zu 10 kg gestaffelter Tarifsatz zugrunde. Diese Regelung trägt den besonderen Verhältnissen der reisenden Kauf­leute, die vielfach Koffer aufgeben, die den durch 10 teilbaren Gewichtssatz nur um ein Geringes überfteigen, leider in feiner Weise Rechnung. Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands hat des­halb auf Grund verschiedener ihm zugegangener Be­schwerden bei der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft (Hauptverwaltung) angeregt, dem Zuge der Zeit fol­gen!) die Sätze für Reisegepäck dadurch zu er­mäßigen, daß an Stelle der bisher üblichen Auf- rundung von 10 zu 10 kg eine Zwischenstufe von jeweils 5 kg zur Einführung gelangt. Eine Berück­sichtigung dieses Antrages würde ohne Zweifel auch von weiteren Kreisen der Eisenbahnbenutzer begrüßt werden.

(Straffammer Gießen.

Gießen, 2. Sept. Ein 17jähriger Schuh­macherlehrling war von dem 3ugendschöffengericht Friedberg wegen Einbruchsdiebstahls zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt worden. Es war festgestellt, daß er und ein Freund verabredet hat­ten, bei dessen Onkel eine Kassette mit Geld zu stehlen, und dah sie diesen Plan auch zusammen durchgeführt hatten. Der Freund konnte nicht strafgerichtlich verfolgt werden, weil sein Onkel den erforderlichen Strafantrag nicht stellte. Die gegen den Angeklagten ausgesprochene Strafe er­schien der Staatsanwaltschaft nach den besonderen Umständen des Falles zu hoch, und sie legte des­halb zugunsten des Verurteilten Berufung «in. Die Strakamfmer ermäßigte dann auch die Straf« auf zwei Wochen Gefängnis.

Sin herumziehender Arbeiter war des Sittlich­keitsverbrechens angeklagt. Er wurde zu einem 3a hr Gefängnis verurteilt. Trotz seines Leugnens hielt ihn das Gericht für überführt, sich im 3uni in Laubach an einem kleinen Mäd­chen vergangen zu haben.

Furchtbares Motorradunglück.

WSR. Frankfurt a. M., 2. Sept. Gestern gegen Mitternacht ereignete sich auf der Forst- Hausstraße ein furchtbarer Ünglücksfall. Der Schreiner Wilhelm Pohl fuhr mit seinem Motorrad, auf dessen Soziussitz ein ge­wisser Kisselbach saß. aus noch nicht ge­klärter Ursache mit voller Wucht gegen einen Drückwagen, wobei die Deichsel Pohl völ­lig durchbohrte und auch dem hinter ihm sitzenden Kisselbach in den Leib drang. Die Verletzungen der beiden sind so schwer, dah sie kaum mit dem Leben davonkommen dürften.

Wettervoraussage

Das umfangreiche 3slandti«f wandert weiter nach Skandinavien. Dabei bleibt aber an seiner Sübfelte di« Westluftzufuhr erhalten, so dah sich unser Wetter weiterhin wechselhaft gestaltet. Da an der Rückseite der Störung von 3sland her kühle Luftmassen südwärts fliehen, werden die Temperaturen im allgemeinen etwas zurückgehen. Reben wechselhafter Bewölkung, wobei sich der Himmel auch zeitweise aufheitert, treten ab und AU noch Regenschauer auf.

Aussichten fürSonntag: Wechselnd be­wölkt mit vorübergehender Aufheiterung, etwas kühler und einzelne Regenschauer.

Aussichten für Montag: Roch kein be­ständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 2. September: mittags 15,4 Grad Celsius, abends 17 Grad; am 3. September: morgens 18,4 Grad. Maximum 18,6 Grad, Minimum 9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. September: abends 16,8 Grad; am 3. September: morgens 17 Grad Celsius. Niederschläge 4,6 mm.