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Nr. 128 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Zreitag, 3. Zuni 1952

Oberheffen.

Freiwilliger Arbeitsdienst in Alsfeld.

WSR Alsfeld, 2. Juni. Im Wege des frei, willigen Arbeitsdienstes ift nun auch in unlcrcr Stadt eine größere Beichafligungsmoglichteit erlchloffen worden (Es kommt zunächst die Instand- seftung eines stodnichen Steinbruchs, ferner die ßer- langcrung eines Llt'ahenboucs zur Durchführung Insgesamt handel» cs sich vorerst um rund 3300 lag werke nur die Beschäftigung bei diesen Arbeiten sind 4(i Leute vorgesehen, die dadurch aus eine Reihe von Wachen in Tätigkeit treten können.

Landkreis Hetzen.

§ Saubringen. 2 Juni. Gestern ist die Ar­beit im Ouarzitsteinbruch. der der Firma Schcidhauer & ©iefjing in Mainzlar gehört, wieder ausgenommen worden, nachdem er im Vorjahre geschlossen worden war. Sic Belegschaft von vorläufig 20 Mann, die au6 Arbeitslosen und Krisenempfängern der Orte Mainzlar. Allen - BLuleck und von hier besteht, hat zunächst einige Tage Aufräumungsarbeiten zu verrichten, cfoe lie zum eigentlichen Stein» brechen übergehen kann Wie verlautet, wird in den ersten Tagen auch noch der dritte und vierte Ofen des Werkes in Mainzlar in Betrieb flcnomipcn werden, so daß infolge weiterer Sin» stellung von Arbeitern mit einer fühlbaren Ent­lastung des ArbeitSmarkteS in unterer Gegend gerechnet werden darf

r Lang-Kons, 2 Juni. Zur Zeit werden hier die Arbeitslosen (40 Mann) in f reim Uli* g c m Arbeitsdienst mit der Herstellung eines großen Sportplatzes auf derHeide" be­schäftigt. Der Baumbestand wurde bereits gefällt, und man hat mit der Planierung begonnen Der Platz wird etwa 2 Hektar groß Das Gelände, das der Gemeinde gehört, besteht in der Hauptsache aus Oedland. Zu gleicher Zeit wird die Zufuhrstraße, derRottweg , ausgefteint und chau'siert. Die Steine kommen aus dem Kemcindesteinbruch. Diese Arbeit wird von den Ausgesteuerten (27 Mann) ausgeführt.

1 AuS dem südlichen Kreise Gießen, 2 3uni. Sie feuchte Witterung hat auf den Baum stücken und Kleeäckern Wunder ge­wirkt. Sic Grünfutterpflanzen stehen überall glän» zend. auch der Grasbestand auf den Wiesen ist aut Bei den Hackpflanzen macht sich aller­dings die Unkrautplage stark bemerkbar Sie Kartoffeln gingen durch daS zeitweise kalte Wetter recht ungleichmäßig aut, stehen aber zur Zeit recht gut. Snc Apfelernte wird wohl trotz der guten Blüte recht mäßig ausfallen. Ser Schaden, den der Apfelblütenstecher ange- ridjtct hat, ist ungeheuer Roch in keinem Jahre der letzten Jahrzehnte ist der Schädling so stark ausgetreten, wie heuer. Fast alle Bluten sind braun und enthalten die grünlichgelben Larven, die die junge Frucht ausgefressen haben.

= L' ch. 2 Juni Heute morgen sand für die hiesige und die benachbarten Schulen durch den Leiter der ftrrislidjibilbftelle eine Vorfüh­rung des FilmsChang" aus den Dschungeln Rord- Siams statt Gin luftiger Beigabesilm beschloß den unterhaltsamen Vormittag

- - L i ch, 2. Juni Zur Freude aller Liebhaber- Photographen veranstaltet der hiesige Volks- b ' I d u n g s o e r e > n zur Zeil einige Einfüh­rungsabende in das Gebiet der Pho­tographie. Apotheker Ludwig Weber, ein anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Photo­graphie und Kunst, hat in dankenswerter Weife die Vorträge übernommen. Am Dienstagabend hatte sich imHolländischen Hof" ein großer Kreis von Liebhgberphotographen cingefunben. Zn klaren Aus- fuhrungen behandelte Apotheker Weber das Ge­bet der Landschastsphotographie und zeigte die Gesichtspunkte, die zu berücksichtigen sind, um ein künstlerisch einwandfreies und schönes Bild zu er­halten. Gute und schlechte Ausnahmen und Bilder

Spitzenleistungen der oberhesstscheickandwirMafi

Große Erfolge auf der Deutschen Wanderausstellung in Mannheim.

Auf der dieStähriaen großen Wanderaus­stellung der deutschen Landwirt­schafts-Gesellschaft in Mannheim, die am Dienstag eröffnet wurde, hat die hessische Landwirtschaft in den verschiedenen Abteilungen und Gruppen, deren Beschickung durch die Lanb- wirtschaftSkamrner und zum Teil auch in Der- bindung mit anderen Organisationen durchge­führt wurde, große Erfolge erhielt An diesen Erfolgen ist die Provinz Oberhessen hervor­ragend beteiligt

Rachstehend sei (vorbehaltlich eventueller Be­richtigungen» ein Ucbcrbhcf über die von PreiS- bewerbern der Provinz Oberhesfen erzielten Er­folge gegeben

3n der Gruppe Pferde konnten folgende Preise oberhessifchen Züchtern zuerkannt werden

a) Hessisches Kaltblut.

2 Preis Hengst .Artist". Fuchs, von Wanderer, Züchter. A. S c 11 w e i l e r. Wintcr-heirn, z. Z Hengststation Ober-Ofleiden.

3n der Klasse ältere Stuten erhielten die Stute .Tilla" von Tenophon. den 4 PreiS Züchter und Besitzern H Dreuth II.. Griedel.

Sen 1 und Ehrenpreis erhielt die zweiiahrige Stute .Orla" von Zeuß. Züchter K. S t r c n g e l. Reichelsheim (Wetterau». Besitzer Oekonornterat Alle-, Dieder-Florstadt

b) hessisches Warmblut.

3n der Klasse ältere Stuten wurden ein 1. und GhrenpreiS der Stute .Wilmar" von Ulan, Züch­ter und Besitzer D. Weber, Ober-Hörgern, zuerkannt.

Eine Anerkennung erhielt die Stute .Vulgo" von Horst. Züchter und Besitzer» W. Giser, Mufchenheim

Einen weiteren 1 Preis erhielt die Stute ..Alma" von Wilderer. Züchter und Besitzer. R. Koch, TraiS-Münzenberg.

3n der Klasse der zweiiährigcn Stuten wurde die Stute .Wertha" von Zeppelin mit dem 2 Preis ausgezeichnet, Züchter und Besitzer. Karl L u h. Lang-GonS.

3n der Klasse 54 Einspänner wurde der Stute .Vulgo", Fahrer R. Eiser. Mufchenheim, cm 3. PreiS zuerkannt. Sicfclbc Stute erhielt in der Klasse 55 mit der Stute .Halina" (Heil, Herbitz­heim». Fahrer R. Eifer, Mufchenheim, einen 1. PreiS

Bei dem Einspänner (Kaltblut) erhielt den 1 Preis der Hengst .Artist", Fahrer» R Eifer, Muschenheim, den 2. Preis Stute .Tilla".

Rindvieh.

3n der Gruppe Rindvieh entfielen auf die Pro­vinz Oberhessen, soweit bis jetzt bekannt ist, fol­gende Preise» Bulle Graf der Gemeinde Angers- bad), eine Anerkennung, Kuh Lilli llb, Besitzer W Euler I . Maar, 2 PreiS. Färse Lilli II. Be­sitzer W Euler I . Maar, 3. Preis. Kuh Lollo III. Besitzer W Euler I.. Maar, eine Anerkennung.

Kuh 3tenc. Besitzer 3. Becker II . Maar, eine An­erkennung. Kuh Minna III. Besitzer R Wahl XI... AngerSbach. 3. Preis

Schweinezucht-

Sie hessische Schweinezucht ift auf der SLG vertreten durch bic Zucht de- Herrn Oetonomic- rat P Hofmann. Hof-Güll, die sich gegen größte Konkurrenz durchzufetzen hatte

Sic zur Ausstellung gebrachten Tiere haben den Preisbewerb gut bestanden und konnten mit guten Auszeichnungen bedacht werden.

Ziegen.

Besonders gut hat Hessen m der Gruppe Ziegen abgefchnitten, und auch hier hat Oberheffen aus- gezeichnete Erfolge zu verzeichnen.

Bock Stromer der Zuchtstation Wal len rod erhielt einen ersten und einen Ehrcn-Preis

Bock Philipp der Zuchtstation Hattenrod erhielt einen zweiten Preis.

Sic Ziege Anna des Muster- und Versuchsgutes Selgenhof erhielt einen 1 PreiS und einen 2 LeistungSpreiS

Sic Ziege Mctha. Besitzer K. Munster, Hat­tenrod. erhielt einen 2. PreiS und einen dritten LeistungSpreiS.

Milchwirtschaft.

3n der Gruppe Milchwirtschaft wurden den Prcisbewerbern Preiszucrkennungen für die Er­zeugnisse Milch. Butter und Käse gegeben

Sämtliche oberhelsischen Güter, die Marken- rohmilch zum Wettbewerb angemeldet haben, wur­den mit Preisen ausgezeichnet.

Mit etnan 1. Preis wurden ausgezeichnet Adolf K o h l h a g c . Büdesheim; Rudolf v Hei­mo l t. Zaucrbacher Hof bet Friedberg. Hofgut Wrnnerod.

Einen 2. Preis erhielten Karl Hensel Chaufseehaus «Gutshof» Sortcltoeil; Uni Der- sitäts-Versuchsgut Gießen, Oetononuerat Alles. Richer-Florstadt.

Don den oberhessischen Molkereien erhielten nach­stehende Molkereien für erhitzte Milch einen 1. Preis M G. Fulda, Lauterbach, Milchzentrale Gießen Gebr. Grieb (letzterer wurde gleichzeitig auch der Siegerpreis zuerka.int). Ober-Heffische Milchzentralc Nieder-Wollstadt. Molkerei-Genossenschaft Hoherods- köpf.

Einen 2. Preis erhielten- Heinrich Luft, Mol- kereibesitzer, Düdelsheim, Molkereigenossenschaft Rei- chelsheim (Wctterau).

Einen 3. Preis erhielt die Molkereigenossenschaft Herbstein.

Butter

Auch hie im Preiswettbewerb für Butter ver­tretenen hessischen Molkereien haben anerkennende P-eile erzielt» desgleichen auch bei dem Preisbewerb für Käse, wo insbesondere die Molkerei.Genossen- |d)aften Fulda-Lauterbach, Groh-Felda und Rieder- Gemünden sehr gut abschnilten.

veranfchaulichten das Gesagte. Am Schluß des Abends erschienen zahlreiche Ausnahmen der an­wesenden Liebhaberphotographen im Lichtbild und fanden eingehende Kritik. Für den nächsten Abend wurde als Ausgabe eine Aufnahme einer Landschaft an der Wetter im Schloßpark gestellt Apotheker Weber wird in 14 Tagen über Porträtauf- nahmen sprechen

Kreis Büdingen.

Ridda. 2. 3uni. An den beiden letzten Sonntagen und am Samstag hielt die Schützen­gesellschaft Ridda bei günstigem Wetter ihr Haupt- und Königsschieben ab.

Beim Königsschießen war diesmal nicht die höchste Ringzahl von zwei abgegebenen Senen - 3-Schuß für die Bewertung maßgebend, sondern ein Einzelschuß auf einen aufgeklebten Karton von 12 Zentimeter Surchmesser gelangte zur Auswer­tung. Wer den besten Teiler erzielte, wurde König Beim Großkalioerschießen wurde Landwirt Ludwig L u pp. im sog. Reuwirtshaus bei Ridda wohnend. Schützenkönig l. Ritter Dermessungs» inspektor Wenzel. 2 Ritter Dermesiungsober- sckrctär S p a m e r. beide von hier. 3m Klein­kaliberschießen wurde Lehrer Fritz Geiger hier Schützenkönig. 1.Ritter Albert Spengler und 2. Ritter Hugo Schade. Bei einem gemütlichen

Zusammensein auf dem Karlvhof fand die Preis- vcrteilung flau.

Mreie Schotten.

V( Ruppertsburg, 2. 3uN Ter unter Leitung von Fr G e i h II 'lehende Landwirt jchaf111chc K o n ' u m v e r c . n hielt bei Gatt wirt Schleib seine 13. ordentlich' Generaloersamm lung ab , Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Wild Lein, luhric die Verhandlungen, der Rechner Wilh. Lehr II erstattete die Rechnangsablage. d:> nur einen kleinen Reingewinn ergab, da wwohl Absatz, als auch Bezug infolge der 'Wirtichaftskrüe un letzten 3atm* zuruckgegangen sind. Der Verein zahlt zur Zeit 78 Mitglieder. Direktor Geiß würd' wieder- und Peter Grob an Stelle des verstorbenen Vorstandsmitglieds Wilhelm D i e^h 1 III neu- gewaGi. Das Aufsicht- ratsmitglied Friedrich W e der wählte man einstimmig wieder.

V U l r i d) ft e i n . 1 3uni Der Bezirk» Lehrerve?ein Ulrichstein tagte hier im Saale von Behr mann Rach Erledigung wichtiger Berufs- und Lrganisationsfragcn hielt Lehrer Kratz- Wohnseld einen Vortrag über das Thema Der 'Begriff der staatsbürgerlichen Erziehung". Di' interessanten Ausführungen wurden mit Beifall auf­genommen. Es wurde beschlossen, wieder wie im vorigen Jahre den Iugendtoa gemciniam fiir alle zum Bezirk gehörigen Schulkorper zu feiern, der ganz im Rahmen der Goethe-Erinnerung geöathr ist Krcislchulrat HasenzahI - Schotten wurde wieder gebeten, die Iugendtog Rede zu übernehmen.

Bheinheffen.

Mainz, 2. 3uni. (WSR ) Dienstag abend und Mittwoch vormittag landen in Mainz an verschie­denen Stellen Unruhen statt, die von Kam m u n i st e n heroorgerufen wurden. Der Wohl- sohrtsdezernent der Stadt Main; hielt einen Vor­trag vor den Erwerbslosenpflegern der Stadt. Das nahmen die Kommunisten zum Anlaß, um Demon stratiopen auszufuhren upd durch Sprechä)öre Pro­paganda zu machen Die Polizei mußte ocr- i(biebene Male eingreifen, und es gelang ihr, di ' sich bildenden Demonstratlonszuge ausemanderzu treiben.

7,8 Mill. Mark Defizit in Offenbach.

WSR. D f f c h b a d) a. M , 2. Juni. Der Haus halt splan der Stadt Offenbach für das Rech- nimgsjahr 1932 schließt mit einem Fehlbetrag von 7,8 Millionen Mark ab, nachdem bei Zuschuß zum Wohlfahrtsamt trotz Kürzung der Unterstützungssätze auf h 729 780 Mark gestiegen ift. Zur Deckung dieses Fehlbetrags kann auf Grund der zur Zeit erfolgenden Ucbcrrocifungen bis jetzt nur mit einem Betrag von 2,7 Millionen Mark aus der Reichshilfe zur Erleichterung der Wohlfahrtslaften

gerechnet werden.

Erweitertes

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 1. 3uni. Ein Arbeiter hatte bei der Staatsanwaltschaft gegen einen Einwohner feines Ortes, mit dem er schon länger auf ge­spanntem Fuß stand, Anzeige erstattet, weil dieser, ohne im Besitz eines 3agdwaffcnpafses zu sein, die 3agd ausgeübt hat. Die Beschuldigungen stellten sich als richtig heraus. Der Anzeiger hatte aber die Anzeige nicht mit seinem eigenen Ramen, sondern mit bem Ramen eines anderen Ein­wohners unterzeichnet. Wegen schwerer Ur­kundenfälschung wurde er heute zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Gleichzeitig wurde ihm bedingter Strafaufschub unter Setzung einer vierjährigen Bewährungsfrist bewilligt, ihm aber die Zahlung einer Buße an die Staatskasse in Höhe von 50 Mark auferlegt.

Sin Reisevertrejer. der für eine Firma Zi­garren gegen Provision verkaufte, erschien eines TageS -bei einem Kunden und verlangte von

Briese, die ihn nicht erreichten.

4000 (5 tu cf werden täglich verbrannt!

Don Sh. Shristian.

Zehn Milliarden gewöhnliche Briefe werden jährlich in Deutschland bestellt, bas sind täglich 27.5 Millionen Bon diesen zehn Milliarden aber können 6.9 Millionen bei der Qrftbcftcllung nicht an den Mann gebracht, müsien erst geöffnet werden, damit man den Absender fest stellen ugd ihm die Sendung wieder zuleiten Rnn Und von diesen 6.9 Millionen müssen 1,5 Millionen schließlich vernichtet werden, weil kein Absender zu ermitteln ist. 4000 Briefe täglich 1.5 Millionen im 3ahr werden ver- biannt. das bedeutet für die Absender mehr als ICO 000 Mark un.iün vergeudetes Porto, für die Post vergebliche Mühe, für beide Teile Acrger und Verdruß!

Warum sind alle diese Briefe nicht bestellbar? 3a warum? Man sehe fich einmal die berghohen Stöbe auf der Rückbricfftelle irgendeiner Ober- postdirektion an. und man wird diese Frage nicht mehr stellen. Da find zuerst die sog. Blaß- gefichter", Briefe ohne jede Anschrift. DaS Kuvert besitzt außen nur eine Briefmarke, nichts weiter. Die Folge einer Vergeßlichkeit» doch schon in einem Monat zählen diese Briefe nach Tau­senden. Sie werden geöffnet. 3n dem einen steht»

.Lieber Emil! Komm doch am Samstag­abend zu uns. wir erwarten Dich bestimmt.

Gruß Dein Karl."

Was soll man damit anfangen? Karl wird ver­gebens auf seinen Emil warten Sehr zahlreich sind natürlich die unzureichend frankier- t e n Sendungen vertreten. Millionen von Mcn- sckcn scheinen immer noch nicht zu wissen daß eine Karte nach auswärts nicht 5. sondern 6. daß ein Brief in der Stadt 8. und nicht 5 Pfennige kostet Es gibt Firmen, besonders Krankenkasien, die täglich Hunderte von Sendungen deswegen zu- rüdacbcn lassen. Wären fic richtig frankiert, wur- den'sie auch richtig bestellt, so aber erreichen nur die den Absender, bei denen ein solcher vermerkt ist alle anderen wandern gemeinsam mit den lalsch oder unleserlich adressierten in das große B.ietlazarett. die Südbrief ft eile, wo die .Operateure ihre Arbeit beginnen.

Die Zahl der Beamten ist fo bemessen, daß jeder von ihnen täglich 200 Sendungen bearbeiten Kit Damit hat er genug zu tun. Bon icbcr Mil­lion Sendungen find 725 unbestellbar, und zwar etwa 200 Briese und 525 Postkarten. Letzter«

machen die wenigste Arbeit, fic sind rasch durch­zulesen, enthalten fast nie eine Angabe über den Absender und werden beinahe alle vernichtet. Bei Briefen ift das schwieriger. Erstens sind die zu besonderer Schweigepflicht angehaltenen Beamten genötigt, jedes Schreiben, das am Kopf ober Schluß keinen Absender trägt, genau durch- Aulcfen. weil irgendein Wort ober ein Satz Aus­schluß geben konnte Einmal sand ein Beamter an einem nur mit .Anton" unterschriebenen Brief den Passus,und morgen fahre ich zu ElfeS Hoch­zeit nach Waldheim".

Was tat die Post? Sie schickte nach Waldheim den Brief und bat die dortige Poststelle, das Schreiben einem Herrn Anton aut der Hochzeit einer Else auSzuhändigen, was auch geschah, da Waldheim ein kleines Rest ist. wo jeder weiß, wann der andere Hochzeit feiert. Unter den 200 Sendungen, bic jeher Beamte der Rückbriefstelle täglich durchzulesen hat. befinden fich viele mit einer fast unleserlich geschriebenen Adresse.

Man hält es nicht für möglich, was für Krähen­füße manche Leute ihrer Zeder entlocken. Doch ist die Zahl der unzureichend adressierten Sendungen erheblich großer Man lacht heute über jenen Mann, der im 3ahre 1842 ein Kuvert mit folgen- dem Tert nach Berlin schickte Abzugeben in der Königstraße, da wohnt cm Schuster und da wohnt ein Tischler im Hause, die beiden Ramen habe ich vergessen, es liegen Bohlen vor der Tür

Man lacht über den Mann, aber der Brief konnte bestellt werden. Wenn heute aber, was täglich mehrfach vorkvmmt, einer fernen Brief .Herrn Artur Lehmann. Berlin, Müllerstraße" abreffiert, bann kann bic Post ihm nur mitteilen, daß in der Müllerstraße vierzehn Artur Lehmann wohnen, aber bestellen kann sie den Brie» nicht Die Post tut schon, was fic kann, fic bestellt Tag für Tag Taufende von Sendungen, auf denen kein Ramc. sondern nur die Wohnung angegeben ift. sie bestellt täglich Hunderte von Brieten, auf denen entweder nur bas Telegrammwort ober die Tcic- phonnummer einer Firma verzeichnet ist. aber für 15 Pfennig Porto einen Briefträger in die vier­zehn Wohnungen zu schicken, das ginge zu weit.

Gewöhnliche Briefe und Postkarten, die end­gültig unbestellbar sind, werben drei Monate lang aufgehoben und dann verbrannt. Briefe, die etwas Wertvolles enthalten, hebt man ein Jahr und länger auf* Es gibt jährlich Zehn- I tausende, die falsch oder unvollkommen adresficr- I ten und mit keinerlei Absendervermerk versehenen | Briefen wichtige Dokumente, Geld,

Ringe, Broschen und hundert andere Dinge I anocrtraucn. Roch schlimmer steht es bei den Päck- I chen. aus denen die Beamten ganze Warenlager | hervorholen» jeden Monat werden die darin ge­fundenen Gegenstände, manchmal Süßigkeiten und leicht verderbliche Waren, manchmal teure und wertvolle Dinge versteigert Meldet sich der Ab-, fenber. erhält er sein Paket wieder, ist der Zn- Halt schon versteigert, so bekommt er den er­zielten Erlös. Die Zahl der unbestellbaren Sen­dungen hat gegen frühere Jahre freilich stark a b - genommen. Man kann fich also denken, wie groß fic mal gewesen ist, denn als das Porto niedriger war. ist rroch mehr geschrieben worden als heute. Man erwartet weitere Besserung dieses Zustandes, aber man weiß, daß bic unbestell­baren Sendungen nie aufhören werden. Es gibt ja auch ganz natürliche neben den unverständ­lichen Erklärungen. Tausende ^von post lä­ge r n de n Briesen werden nie abgeholt, Tausende von Mädchen und Stauch geben ihren Kavalieren, um sie los zu werden, falsche Adressen an, und die schreiben sich dann die Finger wund. Män­ner machen es in ähnlichen Fällen nicht anders Firmen verschicken Millionen von Drucksachen mit allerlei Anpreisungen und suchen sich die Adres­saten seitenweise aus den Adreß- und Telephon- büchern. Da aber inzwischen Hunderte verzogen sind, können die Sendungen nicht bestellt werden. Bon tausend Briefen. Postkarten und Päckchen, die der Sriciträger als unbestellbar der Rückdrief- stelle zulcitct, enthalten nur 700 den Absender- vermerk Denn wenigstens jeder feinen Ramen samt Adrcffe aut Kuvert, Karte ober Briefbogen schreiben würde, bann könnten auch bic restlichen 300 »war nicht bestellt, aber boch dem Absender zugeleitet werben. Unb das wäre doch auch schon was wert.

Dom schiefen Turm ;u Pisa.

Obwohl der schiefe Turm von Pifa sich weiterhin immer mehr nach einer Seite neigt, ist doch nach dem endgültigen Bericht der zu feiner Unter­suchung eingefetzten Kommission tüt die nächsten 150 Jahre kein Einsturz zu befürchten. Die Der- ftärfung der Fundamente, die jetzt vollendet ist. genügt vollständig zu. seiner Erhaltung. Der Ge­danke. dem Turm eine gerade Richtung zu geben, wird abgelchnt, da ja damit eine Hauptsehe ns- würdigkeit der Stabt verloren ginge Sollte er einstürzen, so würde er mit bemfclben Material wieder aufgenchtet werden, wie es bei bemGam- panile au) dem Markus-Platz in Denedig gesche­hen ift.

Oer falsche Johann Maria Farina.

Er hieß wirklich so. war also eigentlich echt und dennoch falsch, wenigstens im Sinne des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb Und das kam fo. Wie der Stuttgarter Landgerichtsbirektor Lud­wig Leibfricd in einer amüsanten Plaudere' des Iuniheftes von Belhagen L KlasingS Monatsheften erzählt Es kam jemand auf den Gedanken. Italien abzusuchen, bis er einen jungen Menschen namens Johann Maria Farina fand. Mit diesem gründete er in Köln eine Firma Johann Maria Farina zur Herstellung von Köl­nischem Wasser. Eine orfenfunbige Schein- oder Schwindelfirma, denn der Rame Farina ist von der Firma nur ausgenommen worden, um Dcrwechsiungen mit der weltberühmten Firma gleichen Ramens herbeizuführen Das Gebiet de« Ramen- und Firmenschuhes ift umstritten In erster Linie wird nach der Berwechslungsfähigkeit gefragt. Die ältere Firma wird dagegen geschützt, daß ein anderer Gewerbetreibender, auf dessen Betrieb sie keinen Einfluß hat, in ihre älteren Rechte eingreift. Das kann bei berechtigter Ra- mensführung des andern zu Konflikten führen, denn die Regelung gilt für alle Arten von Be­zeichnungen» Eigennamen, Phantaficnamen, Fir­menbezeichnungen, Bühnen- und Zcitschriftentitel und andere Kennzeichen. Das absolute Ramen» recht, das Recht auf Führung des Familien- oder Ftzrmcnnamens. findet feine Grenze darin, daß der Rame nicht zur Schädigung oder zur Aus nühung der Leistungen anderer gewählt fein darf. Es kommt hierbei auf die Umstände de« einzelnen Falles an So ist ausgesprochen worden, daß bei weitverbreiteten Ramen wie Müller oder Maier wegen der abgeschwächten Unterfcheibungskratt das Schutzinterefsc des einzelnen RamenträgerS entfallen kann. Bei der Wahl feiner Handelsfirma muß auch der befugte Träger eines Familien­namens Unterscheidungsmerkmale vomchmen, um im ehrlichen Wettbewerb keinen Anstoß zu erre­gen 3m besonderen Maße gilt dies bei Phan­tasienamen wie Salamander. Salvator ufw.. die im Verkehr 'ür bestimmte Waren bekannt gewor­den find Eine anerkannte Ausnahme gilt für den Einzelkaufmann, der nach den Borschriften des Handelsgefetzbu Hs feinen bürgerlichen Ra­men in die Firma aufnehmen muß So hat ein Verwandter des Inhabers der bekannten Schokoladenfabrik Stollwerk ein Gelchäsi auf seinen bürgerlichen Ramen, also sagen wir Karl August Stellwerk, aufgetan D.e Klage der Firma Gebrüder Stollwerk au» Unterlassung dieser Fi^" menführung ist abqewtclen Worten, weil der ältere Ramensträgcr mit Rücksicht auf die Vorschriften des Hanbclsgcsetzbuch.s einen Rest von Derwechs- lungsgefahr htnaune^men hat.