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Freitag, 5. Zuni 1952

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Kr. 128 Zweites Blatt

halten chn zwar auf bcm Grund und Boden, aber der Dauer ist dann unfrei, er führt den Ertrag feiner Arbeit an die Gesellschaft ab, die ihm dafür nur ein Elistcnzminimum läßt. ES ist daher kein Wunder, daß immer gröbere Mengen solcher verschuldeter Farmer chren Besitz stehen und liegen lassen und es statt dessen vorziehen, m den Städten Arbeitslosenunter­stützung zu beziehen. Die Finanzen der kana­dischen Provinzen sehen daher auch fürchterlich aus. In manchen Provinzen besteht die Hälfte der Staatsausgaben aus den Aufwendungen für di« Unterstützung der Arbeitslosen!

ES ist daher kein Wunder, dah radikale Pa­rolen auch in diesem Lande um sich greisen, und dast der Bolschewismus hier willige Ohren findet. Wer die Rachrichten über die vielen kommunistischen Unruhen in Kanada liest, weist also, woher das kommt. Dabei ist es interessant zu beobachten, wie sich dieser Radikalismus im Lager der Regierung widerspiegelt. Die Partei des jetzigen kanadischen Premierminister- Bennett, der selbst aus einer Landwirtspartei stammt, predigt nämlich offen die allgemeine Schul­denstreichung oder doch Schuldenherabsetzung für die Landwirtschaft eine Propaganda, die man jedenfalls in Amerika nicht vermuten würde.

Man must sich also klar darüber sein, wie ernst drüben in Kanada die Lage geworden ist. Eins ist sicher: noch «inen solchen Winter hält auch der geduldigste Kanadier nicht aus, ohne dast sich die

schwerwiegendsten Rückwirkungen auf die innere und duftete Politik des Landes ergeben. Bon der Schuldenstreichung für die Landwirtschaft mag man dabei noch absehen obwohl auch das Folgen bis nach Europa herüber haben würde, weil dann englische Banken sehr viel Geld ver­lieren würden. Wichtiger aber ist die Frage, ob bann Kanada noch im britischen Welt­reich bleiben wird.

ES ist nicht unwahrscheinlich, dah Kanada sich von England loslöst, wenn es den Engländern nicht gelingt, in Ottawa aus der Reichskonserenz «ine Lösung zu finden, die auch den kanadischen Farmer zufriedenstellt. Die große Konferenz vonOttawa hat also zweifellos eine Ausgabe, wie sie gröber kaum gedacht werden kann. 3n Kanada setzt man auf dies" Konferenz alle Hoff­nung schlägt sie sehl, so ist sie der Beginn vom Ende deS britischen Weltreiches, jedenfalls soweit Kanada in Frage siebt. Die Psund- k r i s e di« man in Kanada nicht mitgemacht hat. und die infolgedessen bereits zu einer Schwä­chung der englischen Einkäufe in Kanada geführt hat. hat bereits eine beachtliche Miststimmung ge­schaffen. Das Kabinett Bennett hat sie damit be- kämpsen können, dast es auf Ottawa hinwies. Was aber, wenn nun Ottawa doch eine Enttäu- schung bringt?

Das Schicksal des kanadischen WeizensarmerS ist also durchaus kein« nur amerikanische An­gelegenheit. die nur den neuen Kontinent und die Engländer angeht ganz abgesehen davon, dast der Weizenpreis auch für die großen an­deren WeizenlLnder der Welt, und damit in­direkt auch für uns von entscheidender Dedeu- hmg ist ...

Elisabeth

erobert sich das Glück

Vornan von Margarete Antelmann Copyright by M. Feuchtwangcr, Halle.

Erstes Kapitel.

Atemlose, tiefe Stille herrschte in ber groben Stadtkirche, die bis auf den letzten Platz gefüllt mar. Seit Wochen hatte die ganze Stadt kaum von etwas anderem gesprochen, als von dieser Trauung. Die Larsens gehörten zu den Spitzen der Gesellschaft, und der Legationsrat von Hohen- stein war eine jener Partien, um Nie sich alle heiratsfähigen Mädchen rissen. Evi von Larsen wurde beneidet, obwohl man sich heute sagen muhte, dah man di- Wahl d^ Ccgationärate« durchaus begreifen konnte. Richt nur. dah Evi von Larsen "ein reiches Märchen war. sie war auch ein entzückendes Geschöpf und eine lieb­reizend« Braut. . ...

Hatte man zuerst gewispert und eifrig ge- tuschelt, so war plötzliche Stille ecngetretew als eine wundervolle, weiche Stimme durch die Kirche tönte Elisabeth Pfilipp, Evis Freundin, fang her Braut dL ZLAslied. Elisabeth PfiliPPs wun- dervoller Sopran schwebte durch die hohe Hal e und schlug alle Hörer in Dann nut dem altdeut­schen Liebesreim: .Still wie dieRächt.

E-S war eine Stimme voll Weichheit und Rein­heit und von einer Tragfähigkeit, die man der »arten Erscheinung der Sängerin kaum zugetraut

inmitten der geladenen Hochzeitsgäste sah Hu­bert Heilmann. der neugebackene Assessor, em Detter der Braut. r _ .

Am frühen Morgen war er erst von Leipzig henlbergekommeii, um der Hochzeit beizuwohnew

Er wandte keinen Blick von der Sängerin. Das also war Elisabeth PfiliPP.

Elisabeth!" . .

Wie ein Hauch kam der Rame twn feinen Lippen, mit einer Sehnsucht, die er sich selbst kaum zugetraut hätte. Herrgott, wie hatte er nur dieses Mädchen vergessen formen!

Er war immer nur kurze Zeit hier gewesen in den letzten vier Jahren, hatte seiner '-^ante der Kommerzienrättn Heilmann, nur plötzlich« Stipp­visiten gemacht: nach wenigen Stunden war er ^Riehr^us Pfllchtbewuhtsein als aus verwandt­schaftlicher Liebe war er immer hierhergekornmen und erleichtert wieder dcwongefahren.

qu rciner Beschämung muhte er sicy eingestehen, bah er mit keinem Gedanken an Elisabeth PfiliPP «dacht hatte, die ganzea 2^re über 2n Lechz,» hatte es so viele suste Madels gegeben, die ihn seine Jugendliebe hatten vergessen lassen.

risten. Tante Lucie hatte dem Versunkenen leise auf die Schulter geklopft.

Mein Gott, beinahe hätte er die Glückwunsch- Prozession versäumt.

Alles drängte sich jetzt um die Reu vermählten, die Glückwünsche darzubringen. Psllchtschuldig sagte auch Hubert sein Sprüchlein auf, dann trat er zurück, und seine Augen suchten sehnsüchtig nach der schlanken Mädchengestalt.

Richts mehr war von Elisabeth PfiliPP zu sehen.

Draußen in der Larsenschen Villa versammelten sich die Festgäste. Hubert Heilmann sah bald an der herrlich geschmückten Tafel neben seiner Tisch­dame. Seine heimliche Hoffnung hatte sich nicht erfüllt. Ein fremdes junges Mädchen sah neben ihm, in kostbarer Toilette, wohl eine der reichen Verwandten des Bräutigams.

Run, Hubert Heilmann gehörte ja auch zu den prominenten Festgästen, als Sohn des vielver­mögenden Dresdener Großindustriellen. und es war nur recht und billig, dah man ihm einen der Goldfische als Tischdame gab.

Elisabeth PfiliPP. das arme Lehrerstöchterchen, das man aus Gnade eingeladen hatte, muhte ganz unten sitzen, weit weg von Hubert Hell­mann. Rur ab und zu, wenn man sich erhob, das Brautpaar hochleben zu [affen, konnte er einen Blick auf den blonden Kops werfen, den er so gern neben sich gehabt hätte.

Einmal, ein einziges Mal hatte er einen Blick aus Elisabeths Augen aufgefangen, einen scheuen Blick, der sofort dem seinen wieder ausgewichen war.

Run, später, wenn das Mahl $u Ende war, wenn man tanzte, dann würde ihm Elisabeth nicht entgehen: bann würde er den Goldfisch neben sich gern aufgeben, um sich mit der zu be­schäftigen, die ihm seit heute Mittag nicht mehr aus dem Kopfe ging.

Endlich, endlich wurde die Tafel ausgehoben. Bald darauf begann der Tanz. Hubert muhte natürlich das erstemal mit feiner Tischdame tan» -en. Der Goldfisch wurde gleich beim zweiten Tanz von einem Herrn geholt: Hubert war freu

Er suchte Elisabeth. Sie hatte den ersten Tanz nicht getanzt: ihr Tischherr, der Verwalter Herrn von Larsens, war vielleicht irgendwie beschäftigt worden.

Hubert verlieh den großen Saal. Kam in den Wintergarten. Dort, in einer Ecke, schimmerte ein helles Kleid. Langsam trat Hubert näher, stand im nächsten Qlugenblicf vor Elisabeth PfiliPP.

Elisabeth war aufgesprungen: stumm, verlegen standen die beiden sich jetzt gegenüber. Der ele­gante. leichtlebige Hubert, der alle Frauen be­zwang, der jeder Situation gewachsen war, brauchte einige Minuten, um dieser seltsamen Verlegenheit Herr zu werden.

Der Mann war von neuem ergriffen von dieser lichten, herben Schönhell. Was war aus dem

Seine Jugendliebe! Ja. Elisabeth war feine erste, grobe Ciebe gewesen. Er hatte sie bei den Larsens kennengelernt und war sofort gefangen gewesen von dem entzückenden, blonden Geschöpf.

Er hatte Elisabeth angedichtet, hatte ihr seine poetischen Ergüsse gesandt, hier und da ein be­scheidenes Veilchensträuhchen dazu, das er unter groster Mühe von seinem kargen Taschengeld ab- geknausert hatte.

Mein Gott, wie schön es damals gewesen war! Und dab er dieses Mädchen gaiu vergessen hatte!

Dort oben stand sie jetzt, auf der Empore, zart wie eine Else, rührend in ihrer blonden Schön­heit, lauschte der verklingenden Orgel, die ihren Gesang begleitet hatte.

Hubert Hellmann suchte mit seinen dunklen Augen die schlanke Gestalt dort oben, gegenüber dem Altar.

... Still wie die Rächt und tief wie das Meer soll deine Lieb« sein...

Hatte Elisabeth PfiliPP das Lied nur für Evi Larsen gesungen? Am liebsten hätte es Hubert laut in die Stille hinein gefragt.

Mit fast hellseherischer Gewibheit überkam ihn der Gedanke, dast Elisabeth auch für ihn gelungen hatte, dah ihm diese Warte mitgcgolten hatten.

Wie Schuppen war es von seinen Augen ge­fallen. Elisabeth hatte den Jugendfreund nicht vergessen, hatte dieses Lied herausgesucht, das Hubert schon früher nicht oft genug hatte hören können.

Sie lieble ihn noch. Eine heiße Sehnsucht hatte Hubert Hellmann plötzlich erfaßt. Er hatte ver­gessen, wo er sich befand.

Er sah sich plötzlich wieder als Student bei den Larsens zu Besuch, draußen in ihrer schönen Villa. Es war um die Weihnachtszeit. Hubert wollte mit seinen Kusinen Evi und Hilde Larsen zum Schlittschuhlaufen gehen. 'Die Kusinen freuten sich, ihren eleganten, schneidigen Besuch den Freundinnen zeigen zu können.

Man hatte sich mit Elisabeth PfiliPP verab­redet, traf sich auf dem Wege zum Stadtteich. Diele Menschen tummelten sich auf der Eisfläche.

Ob es Zufall war oder Absicht Elisabeth und Hubert hatten die Schwestern plötzlich ver­loren, fuhren allein nebeneinander, immer weiter, bis sie einen einsamen Wasserarm des TeicheS erreicht hatten.

Hier blieb Hubert stehen, schlang leise seinen Arm um Elisabeth, küßte sie, schüchtern und zart. Blutrot stand das Mädchen da, und auch der Junge hatte seine innere Erregung kaum meistem können. SS war ein Glück, daß Evi gleich daraus aufgetaucht war.

Bald darauf war man nach Hause gegangen: ein scheuer Händedruck zum Abschied leit diesem Tag« hatte Hubert das Mädchen nie mehr gesehen.

Der Assessor wurde aus seinen Gedanken ge»

Geschichtsbuch einlegt, um nie mehr zu vergessen, was man uns angetan. Helfet alle mit, die Dttaven- leiten zu sprengen und den Lügenvertrag von Ver­sailles zu zerreißen, um unsere» armen Dolle», um unserer Kinder willen!

Aus Oer provmzialdouptfioOt.

Gießen, den 3. Juni 1932.

Wissenschaftliche Versuche an lebenden Tieren.

Wie der Tierjchuftverein für Hessen mitteilt, hat der hessische Minister de» Innern auf eine Eingabe de» Tierjchutzvereins zur Einschränkung der Versuche an lebenden Tieren folgend« Vorschriften an die Kreisgesundheitsämter und Amtsärzte erlassen:

1. Versuche am lebenden Tier dürsen nur zu ernsten Forschung»- ober wichtigen Untersuchung»- zwecken im Interesse der Erkenntnis, Verhütung und Heilung menschlicher und tierischer Srlran- hingen in geeigneten Räumen mit gutem Instru­mentarium von geschulten Kräften oorgenommen werden. Bei der Anwendung und Ausführung aller Versuche ist nach maßvollen und billigen»- werten Grundsätzen zu verfahren, neben den In­teressen der wissenschaftlichen Forschung und Be­lehrung müssen die Anforderungen der Humanität gebührende Beachtung finden.

2. In den Vorlesungen und bei wissenschaftlichen Borträgen sind Tierversuche nur in dem Maße statthaft, als dies zum vollen Verständnisse des Vorgetragenen notwendig ist. Um unnötige Wie­derholungen von Tierversuchen zu vermeiden, empfiehlt es sich, in geeigneten Fällen solche Ver­suche in Filmaufnahmen festzuhalten und di« Filme an Stelle neuer Tierversuche oorzuführen.

3. Die operativen Vorbereitungen zu den Dor- lesungs. und Vortragsversuchen sind in der Regel noch vor Beginn der eigentlichen Demonstration und in Abwesenheit der Zuhörer zu bewerk­stelligen.

4. Tierversuche dürfen nur von den Hochschul­lehrern und Anstaltsleitern oder unter ihrer Ver­antwortlichkeit ausgeführt werden.

5. Versuche, welche ohne wesentliche Beeinträch­tigung des Resultats an niederen Tieren gemacht werden können, dürfen nur an diesen und nicht an höheren Tieren vollzogen werden.

6. In allen Fällen, in welchen es mit dem Zwecke des Bewuchs nicht schlechterdings unver- einbar ist, müssen die Tiere vor dem Versuch« zur Aushebung der Schmerzempfindung durch Anästhe- tika betäubt werden.

Die Durchführung vorstehender Anordnung im Bereich des Herrn Ministers für Kultus und Bil­dungswesen wird von diesem überwacht.

Ich empfehle, alle in Frage kommenden An­stalten und industriellen Unternehmungen Ihres Bezirks in geeigneter Weise auf die vorstehenden Bestimmungen hinzuweisen und mir hierüber zu berichten.

Der Tierschutzverein für Hessen bemerkt dazu: Dankbar begrüßen wir diese Maßnahme, durch welche die Tierversuche wesentlich eingeschränkt we uen. Da nach dem Zeugnis selbst solcher Aerzte

Tierärzte, die grundsätzlich den wissenschaftlichen Tierversuch für unentbehrlich halten, viele dieser Versuche von geringem Werte sind und ohne Scha­den für Wissenschaft und Unterricht unterbleiben könnten, so muß unser Bestreben auch in Zukunft darauf geridtfet sein, Maßnahmen oorzuschlagen, die -alle unnötigen Tierversuche gesetzlich verbieten.

Daten für Samstag, 4. Juni.

1745: Sieg Friedrichs des Großen bei Hohen­friedberg: 1875: der Dichter Eduard Mörike in Stuttgart gestorben.

Kampf gegen dieKriegsschuIdlüge!

Dem Vorwort der 2. Auflage des Schrift- chensAuf dem Wege zum Völker- b und, zarte Geheimnisse der Entente-Mächte 19061914 (Verlag E. Bindernagel, Fried­berg) entnehmen wir folgende mahnenden Zeilen des Verfassers, Professor F. D r e h e r, Friedberg, der als Vorkämpser gegen die Kriegsschuldlüge stets im vordersten Graben gestanden hat.

In kindlichem Glauben an die feierliche Zusiche­rung der Vereinigten Staaten von Amerika (Wil­sons 14 Punkte), daß die neue Weltordnung nicht auf Macht, sondern auf die moralische Idee des Rechts gegründet werde, blickte das ausgehungerte und wehrlose deutsche Volk 1919 vertrauensvoll nach Versailles...

Die schillernde Seifenblase aerfprang: Lug und Trug, brutale Gewalt und krasse Habgier verpesten die Welt, und Deutschland muß den bitteren Kelch der Rot und Bedrängnis bis zur Neige leeren, falls es nicht gelingt, die Kriegsschuldlüge, nämlich den Artikel 231 des Versailler Diktates, auszumerzen.

Die verletzenden Noten der alliierten und assoziier- ten Regierungen und die niederträchtige Behand­lung der deutschen Vertreter während derFrie­densverhandlungen" lassen nämlich keinen Zweifel, daß der Artikel 231 des sogenannten Versailler Dcr- träges eine dauernde Entehrung und Versklavung des deutschen Volkes bezweckt, indem man es, wider besseres Wissen, ausdrücklich für den Kriegsausbruch verantwortlich machte und ihm unerhörte, unerfüll­bare Strafbestimmungen auserlegte.

Kanadas Weizenkrisis

Von unserem Q-Derichterftatter.

Um ihre (den Dorfiiedensoertrag vom 5. Novem­ber 1918 mißachtenden) Tributforderungen und den Schandvertrag von Versailles trotz dem Einspruch der internationalen Geschichtswissenschaft aufrecht-- ----- - - . .. . m.. ,, . ,

erhalten zu können, leugnen die Franzosen nach Schustugend dadurch, daß sie das Büchlein in ihr

wie vor die unwiderlegbare Berechtigung der deut­schen Notwehr- und Lecteidigungsmaßnahmen vom 1. und 3. August 1914 (Kriegserklärung an Rußland und Frankreich) und verschanzen sich auch jetzt noch hinter die infame Lüge von Deutschlands vorsätz­licher Kriegsschuld und böswilliger Kriegsentfesse- lung.

Deutschland ist nach «französischer Auffassung scha­denersatzpflichtig und soll verstümmelt und entwaff­net bleiben, weil es 1914 seinen Nachbarn den Krieg aufgezwungen", d. h. angegriffen habe und besiegt worden sei.

Die Staatsmänner in Frankreich wissen natürlich sehr wohl, daß Deutschland im August 1914 nicht den Krieg erklärte, um .^nzugreifen", sondern um noch im letztmöglichen Augenblicke die tödliche ope­rative Einkreisung durch überlegene Gegner zu sprengen.

Damit bricht die Behauptung von Deutschlands Schuld am Weltkriege und die red;tliche Voraus­setzung für den Versailler Vertrag zusammen.

Für immer erledigt sind desgleichen die teuflischen Verleumdungen von Deutschlands Schuld im Kriege.

Heute, nach Oeffnung fast aller Archive der Groß­mächte, wissen wir, wo die Kriegsbrandstifter, die Totengräber Europas, zu suchen sind, und warum Frankreich es nicht wagt, auch seine Dokumente über die Iulikrise 1914 in Druck zu geben. Wie sehr die französische Regierung die Wahrheit fürchtet, ergibt sich aus der unglaublichen Tatsache, daß man selbst in großen öffentlichen Bibliotheken Frankreichs vergeblich nach den bahnbrechenden internationalen Veröffentlichungen über die Vorgeschichte des Welt­kriegs fragt.

Wir aber hoffen, daß jeder unserer Leser sein redlich Teil beiträgt zur Verbreitung der Wahrheit: Die Erwachsenen durch mündliche Empfehlung der Schrift und durch Versand an Bekannte. Und die

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, Mai 1932.

Die große Sorge, die Kanada beschäftigte, ist die Frage, welche Preise für den Weizen zu erzielen fein werden. 1929 hat der kanadische Weizenbauer noch einen gewissen Verdienst ge­habt, aber 1930 und 1931 hat er mit Der» lüft verkaufen müssen. Die Weltpreise für Welzen waren niedriger als die Produkttons - kvften. Zwar hat die Regierung eingegriffen und eine riesige Stützungsaktion ver­anlaßt. die dem Staate viele Millionen Dollar gekostet hat, aber daS hat wenig genützt. Das riesige ileberangebot an Weizen, daS von den USA. ausging, hat doch die Preise berartig ge­drückt, daß die Produktion von Weizen sich in vielen Gebieten nicht mehr lohnte. Run hat man in diesem Jahr in diesem großen Rachbarlande Kanadas die Anbauflächen für Weizen ver­ringert aber in Kanada selbst hat man das nicht getan Die mit Veizen bestellte Fläche »st in bioem Jahre fast ebenso groß, wie die des Borjahres (24 Mill. AcreS). Die Aussichten, daß durch M i n de r p r o d u k ti o n bessere Weizenpreise erzielt werden, sind also ge­ring. Im Gegenteil, man muß annehmen, daß gerade daS etwas bessere Wetter eine «twaS größere Ernte zur Folge haben wird, und daß dann auch die Preise wie­der schlechter sein werden.

DieleS anscheinend widersinnige Ergebnis der kanadischen Weizenpolitik hat aber gewichtige wirtschastSpolitische Gründe, die sich aus der Lage deS kanadischen Landwirts erklären. Einmal hat man d i e Anbaumethoden in weiten Gebieten Kanadas so verbilligt, daß man glaubt, auch bei sehr viel nichtigeren Preisen als im Bor jähre auf seine Kosten zu kommen. (Was natürlich um so mehr den Ruin der anderen Ge­biete mit kostspieligeren Anbaumethoden bedeu­tet.» Dann aber ist ein großer Teil der kana­dischen Landwirte (also genau wie in Deutsch­land) so überschuldet, daß eine einzige Hoffnung der vermehrte Anbau ist. Denn der ein­zelne glaubt eben um so besser zu verdienen, je mehr er aus seinem Boden herausholt. Und dann wird der kanadische Bauer z. T. auch von seinen Gläubigern dazu gezwungen, die lieber etwas er­halten als gar nichts, und ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Aussichten so viel als möglich auS ihren Schuldnern herauSzuholen versuchen, die dann wieder eben möglichst viel Weizen

eckigen Backfisch für ein herrliches Geschöpf ge­worden! Blumenhaft war der Teint, süß und verlockend leuchtete der rote Mund! Wie ein Taumel hatte es den Mann überfallen. Am lieb­sten hätte er das wundervolle Geschöpf in seine Arme gerissen, seine Lippen auf den roten Mund gedrückt...

Elisabeth hatte die Hand auf ihr Herz gedrückt, scheu wichen ihre Blicke den strahlenden Augen des Mannes aus.

Hubert hatte sich gefaßt, seine Beherrschung wiedergefunden.

.Fräulein Pfilipp, darf ich Ihnen meine Be­wunderung zu Füßen legen? Sie haben wunder­schön gesungen. Sie sind wirklich eine große Künstlerin geworden.

, Herr Doktor, zur Künstlerin reicht «S no<b lange nicht. Ich will auch gar keine werden."

Hubert Heilmann sah mit Verwunderung, daß das Gesicht des Mädchens plötzlich ganz bleich geworden war.

Sie wollen keine Künstlerin werden, Fräulein Pfilipp? Warum nicht?"

Rein! Ich finge gern, ich liebe die Musik: aber Künstlerin will ich deshalb doch nicht wer­den. Erstens habe ich nicht das Geld zur Aus­bildung ... und dann... ich verzichte auf den Ruhm... ich will lieber... glücklich werden..

.Elisabeth!"

Fast jubelnd kam es von den Lippen des Mannes.

Berstört sah Elisabeth zu Hubert Heilmann auf. Was hatte sie da getan? Wie hatte sie sich so vergessen, ihr Innerstes preisgeben können! Wie schämte sie sich vor diesem Manne, dem die große, sehnende Liebe ihres Herzens galt! Hilf­los. stand sie vor ihm.

Mädchen ... du ... Elisabeth. Oh, du brauchst nicht zu erschrecken. Du liebst mich... ich hab' es gfei<$ geahnt, heute, in der Kirch« schon, als ich dich fingen hörte. Ich bin so glücklich, Elisa­beth ..., toenn du mich so liebst, wie ich dich liebe. ..

.Hubert..

Aisabeth, oh, meine Elisabeth!"

Leise zog Hubert Elisabeths Hand durch seinen Arm, zog sie hinaus in den stillen Garten. Dort wußte er eine Dank, zwischen hohen Hecken ver­steckt, dorthin führte er die Geliebte.

Lange faßen sie da, versunken in ihr junge« Glück. Immer wieder küßte er den roten Mund. Dann hörte er zu, was sie ihm zu berichten wußte.

Elisabeth hatte einen wundervollen Lehrer ge­sunden. einen alten Musikprvfessor, der sich im Städtchen niedergelassen hatte, um sich von den Stürmen deS Lebens auszuruhen. Er hatte Elisa­beth durch Zufall singen gehört, und er war so begeistert gewesen von der herrlichen Stimme, baß er sich entschlossen hatte, sie gegen geringes Honorar ausWbilden.

(Fortsetzung folgt)

anzubauen versuchen.

Wie bedeutsam diese« Problem der Heber- schulbung des kanadischen Bauern ist. wird er­sichtlich. wenn man weiß, dah in einzelnen Pro­vinzen nur noch 30 v H. der Weizen­bauern auf eigenem Boden sitzen, während der Rest fo überschuldet ist. daß er nicht mehr alS Besitzer bezeichnet werden kann. Gewiß, der kanadische Staat hat getan, was er konnte, um möglichst viel Farmer aus chren Gü­tern zu halten. Aber er hat es doch nicht ver­hindern können, daß nach gewissen Schätzungen an 300 000 Farmer in den letzten beiden Jahren von Grund und Boden vertrie­ben worden sind, weil auch der Berkaus an eine sogenannte Enttchuldungsgesellschaft (mort- gage-company) nichts mehr nütze! Diese Ent- schuldunasgeselffchasten. die zum Teil mit staat- licher Hilfe arbeiteten, vermögen ja im übrigen auch nicht die Lage des Farmers der sich in ihre Hand begibt, besonders zu bessern. Sie!