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„Das ist sehr gut", meinte der Arzt erfreut, .aber wen schicken wir mit? Allein kann sie schwerlich reisen. Wenigstens nicht, bis sie eingerichtet ist und wir sehen, wie es ihr bekommt. Geht alles gut, so kann sie dann ruhig noch allein fortbleiben."
Kurt dachte nach: »Auch das wird sich irgendwie lösen", meinte er. „Q3L8 wann denken Sie, daß Erika wird reisen können?"
»Wenn alles so gut weitergeht, hoffe ich, in vier Wochen I" war die Antwort des Arzt^.
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Auch Kurts Stimme klang bewegt: „Daß es tu seinem Geiste ist, wie wir jetzt miteinander stehen, das muh uns Trost sein, liebe Hiltrud."
Sechsundzwanzig st es Kapitel.
Auf Bremerschloß war es still geworden. Hiltrud war mit Erika abgereist, und die ersten Karten, auf denen eine südliche Landschaft ab- gebildet war. flogen in den nordischen Vorfrühling. — Frau Melanie lebte mit ihrer Kusine, einem älteren, bescheidenen Fräulein, in völliger Zurückgezogenheit. Sie hatte sich von dem Schicksalsschlage immer noch nicht erholen können und hatte eine beinah krankhafte Menschenscheu.
Kurt steckte tief in der Arbeit — es galt unter Aufbietung aller Kräfte, wieder gutzumachen, was Ivarsen an dem Werk verdorben hatte. Aber Schulter an Schulter mit seinen getreuen Mitarbeitern kämpfte er sich weiter. Ton allen war es wie ein Alp gewichen, seit Ivarsen unschädlich gemacht war und wieder eine reine Atmosphäre über dem Bremerwerk lag.
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Erika erholte sich in der milden Frühlingssonne Merans überraschend schnell. Der Arzt, den sie dort befragt hatte, war sehr zufrieden, und Hiltruds Berichte bestätigten den guten Befund. Erika selbst vergast die Bangigkeit nach ihrem Liebsten in der zauberhaften südlichen Aatur. Ohre schoiiheitsempfäng'iche Seele öffnete sich weit und dankbar den Wundern der Bergwelt. Ihre Briese atmeten eine solche Frische, zeugten von so tiefer Aaturfreude und feiner Beobachtung, dah sie für Kurt ein Labsal nach der harten Tagesarbeit bedeuteten. Auch mit Hiltrud schien das Zusammenleben über Erwarten gut zu sein.
.Sie ist so rührend besorgt um mich, so gut und lieb", schrieb Erika, „daß ich sie von ganzem Herzen liebe und verehre. Wie konnten wir früher glauben, dah sie kein Herz hätte? Aber Kurt, ich glaube, sie leidet im stillen mehr unter der Trennung von diesem Ivarsen, als sie je zugeben würde. Äeulich wachte ich nachts auf, sah durch die Türspalte Licht — und hörte ein leise« Schluchzen aus Hiltruds Zimmer. Ich habe natürlich nicht gezeigt, dah ich irgend ewas gehört hatte: aber wenn ich so oft am Morgen ihre geröteten Augen, ihre blassen Züge sehe, weih' ich, dah unter ihrer gleichmähigen Freundlichkeit ein schweres Herzeleid verborgen ruht."
Nachdenklich las Kurt diese Zeilen in Erika« Briefe — welch ein Kummer konnte es fein, der Hiltrud so tief quälte? Sie hatte es ihm ja einmal angedeutet, aber er ahnte nicht, wer e- war, dem ihre hoffnungslose Steigung galt
iFortletmn- folgt.)
.Das wünschte ich auch, mein Herz. Aber da es nun einmal so gekommen ist, müssen wir dankbar sein, dah es Hiltrud nicht zum Schaden, sondern zum Segen geworden. Sie ist jetzt ein ganz anderer Mensch und ich glaube, es kommt bei jedem Schicksal darauf an, was wir daraus machen. Ich soll dir von Hiltrud die schwesterlichsten Grüße bringen. Eie wäre selbst gekommen, aber der Arzt hat nur m i r Zutritt erlaubt, und auch das nur, wenn ich schön bescheiden bin und nicht zu lange mit dir plaudere."
„21$, bleibe doch noch", bat Erika, „solange habe ich dich ja nicht gehabtl"
Aber Kurt blieb fest. „Ich habe dich zu lieb, kleine Erie, als dah ich deine Gesundheit aufs Spiel sehen möchte" — er sah dabei mit heimlicher Besorgnis die roten Flecken auf ihren Toden, spürte das schnellere Pulsen des Blutes in der durchsichtigen Hand. „Wir müssen sehr, sehr vernünftig fein, damit du bald wieder zu Kräften kommst!«
Er erhob sich und kühte sie innig: „Auf Wiedersehen, meine Erie, bis morgen", sagte er zärtlich, aber bestimmt: dann wandte er sich zur Tür: „Kommen Sie nur, Schwester Raffaela, ich habe schon selbst die Besuchsstunde beendet"
So heiter und zuversichtlich Kurt auch Erika gegenüber sich gezeigt hatte, so sorgenvoll sah er am gleichen Tage dem Arzt gegenüber, der Erika behandelte. „Ich weih nicht, sie ist so durchsichtig und zart geworden, Herr Doktor: ich habe wirklich die größte Sorge, dah irgend etwas von der Krankheit zurückbleibt"
„Ikftimmt nicht, wenn man Fräulein Erika für ein paar Wochen in ein warmes Klima bringen könnte, damit sie keinen Rückschlägen ausgesetzt ist. Sie mühte irgendwo in südlicher Sonne ein paar Wochen verbringen. Sie sollten einmal sehen, Herr Bremer, was das für Wunder tun würde. Hier freilich in unserem unbeständigen Klima —", der Arzt sah mit bedenklichem Gesicht durchs Fenster nach drauhen, wo die helle Frühlingssonne verschwunden war und graue Schneeflocken von fah'em Himmel herunterjagten.
„Dann werden wir Erika nach dem Süden schicken", erklärte Kurt „Bitte, bestimmen Sie nur, Herr Doktor, wann sie reifen soll und wohin."
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würde sich sicherlich sehr unglücklich fühlen. Ich habe Ncht einmal Zeit, sie hinzubringen — wüßte ich nur jemand, der mir diesen Liebesdienst erweist und Erie für ein paar Wochen begleitet"
Hiltrud wurde feuerrot sie kämpfte mit sich: er sah, wie sie zum Sprechen crnsehte und wieder schwieg. Also war sie doch noch zu stolz. Es schien ihr unter ihrer Würde, eine schlichte Erika Schmitt zu begleiten. Immer redete sie von Dankbarkeit ihm gegenüber — und nun die Gelegenheit kam, diesem Dank Ausdruck zu geben durch die Tat, nun versagte sie. Brüsk wandte Kurt sich um und wollte das Zimmer verlassen. Da hörte er Hiltruds leise Stimme hinter sich:
„Kurt ich wage es kaum, dir diesen Vorschlag zu machen, denn ich fürchte, Erika wird nicht vergessen haben, daß ich ihr oft unfreundlich begegnet bin; aber wenn sie daS verzeihen und ich dir irgendwie helfen kann —“ Sie konnte nicht vollenden, Kurt war auf sie zugetreten und, ihre beiden Hande ergreifend, sagte er:
„Hiltrud, jetzt bin ich es, der dich um Verzeihung bitten muß. Ich glaubte, du wolltest meine unausgesprochene Ditte, mit Erika zu reifen, nicht verstehen: glaubte, es paßte dir nicht, ein einfaches Mädchen wie meine Erie zu begleiten — ich habe dich immer noch nicht richtig erkannt bis heute. Aber nun sehe ich, wie du bist — und ich danke dir. Wenn du mir meine Erie ein paar Wochen behüten willst, werde ich ruhig fein. Eries Gefühl dir gegenüber glaube ich zu kennen. Riernand wird glücklicher und dankbarer sein als sie, wenn ihr euch näherkommt. Und auch dir wird es gut tun, einmal heraus- zukommen I Du siehst sehr elend und angegriffen aus."
„Ach, laß nur, Kurt, ich bin zäh. Ich bin bald wieder frisch, Rur die Mutter macht mir Sorgen. Sie ist fo hinfällig fett der Katastrophe, so verändert: ich trenne mich schwer von ihr — wer wird sich um sie kümmern?"
„Aber Hiltrud, bin ich nicht auch noch da? Ich werde schon alles aufbieten, sie die Einsamkeit vergessen zu lassen. Große Geselligkeit allerdings können wir uns ja nicht leisten, und ich ßabe auch den Eindruck, daß deine Mutter derartige Wünsche gar nicht hegt: aber vielleicht können wir ihr irgend jemand einladen, an dem sie hängt, damit sie nicht nur auf mich angewiesen, dessen Zeit mehr als knapp ist. Denk' einmal über meinen Vorschlag nach, liebe Hiltrud, und besprich ihn gelegentlich mit Mutter."
Hiltrud sah ihn mit schwesterlichen Augen an: „Das erstemal, daß du .Mutter' sagst, Kurt!" sprach sie leise. „Ob, wenn wir doch früher zueinander gefunden hätten, damals, als der Vater noch lebte.“ Ihre Augen wurden feucht._______
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Kurt war kaum zu Hause angelangt, als er Hiltrud aufsuchte. Er fand sie in ihrem Zimmer, über verschiedene Briefe gebeugt Sie machte ein müdes, trauriges Gesicht
„Was ist denn, Hiltrud?" fragte Kurt herzlich. „Kann ich dir in irgend etwas behilflich fein?“
Hiltrud schüttelte müde den Kopf. „Ich danke dir, Kurt, aber leider nein. Ich versuche überall eine Arbeit zu bekommen, eine Anstellung: aber überall bekomme ich einen abs hlägigen Bescheid. Alle die Stellen, die ich allenfalls ausfüllen könnte, sind besetzt Das kommt davon, wenn man nichts anderes kennt als ein paar Sprachen — da gibt es Tausende, die das gleiche gelernt haben." Sie sah mutlos vor sich hin.
„Gräme dich doch nicht, Hiltrud", tröstete Kurt herzlich. „Ich kann dir nur immer und immer wieder versichern, daß die Verhältnisse bei uns im Bremerwerk sich doch wesentlich gebessert haben. Daß es nicht nötig ist, für dich eine Stellung zu suchen. Ihr seid ja jetzt so haushälterisch, du und deine Mutter, daß ich die Belastung des Haushaltes wirklich nicht spüre. Willst da unter diesen Umständen deinen Plan nicht aufgeben?“
Sie verneinte stumm, und er drängte nicht in sie; wußte er doch, daß auch der Wunsch, durch eine Tätigkeit sich ein nützliches Leben zu schaffen, sie bestimmte. Aber er dachte nach, wie er Hiltrud das Gefühl geben könnte, sie leiste etwas für das, was er an ihr und ihrer Mutter tat. Uni) er glaubte es gefunden zu haben. Sie selbst erleichterte ihm diesen Plan unbewußt.
„Wie geht es Erika", fragte sie: »ich hörte, du durftest beut’ jum ersten Male zu ihr?" Sie sah ihn warm und teilnahmsvoll an.
Kurt machte ein gewollt sorgenvolles Gesicht. „Der Arzt erklärt, daß Erika nur dann ganz gesund werden wird, wenn sie für einige Wochen in ein wärmeres Klima kommt. Er denkt an Hieran. Aber allein darf sie nicht reifen, sie muß wenigstens für die ersten Wochen jemand um sich haben, dem wir sie anvertrauen können. Sie ist ja noch nie in der Welt draußen gewesen und
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In der Zwanasversteigerungssache gegen den Karl Eller V. in Muschenheim ist Der Dersteigerungstermin vom 16. Dezember 1932 aufgehoben. 8475D
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